Das Lied der Liebe - Viola Maybach - E-Book

Das Lied der Liebe E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Nein, nein, nein, nicht so, Julia«, sagte Marion Varnthal. »Das klingt angestrengt und gepresst. Atme zuerst noch einmal tief durch, ganz ruhig. Nicht singen, nur atmen.« Gehorsam tat Julia von Camphausen, was ihr gesagt worden war. Sie weitete ihren Brustkorb und konzentrierte sich in Gedanken auf die Stelle in dem Lied von Schubert, an der sie gerade feilten. Marion Varnthal, ihre Lehrerin, beobachtete sie wohlwollend. Julia war das größte Talent, das sie jemals unterrichtet hatte. Gerade deshalb war sie mit ihr besonders streng und ließ ihr auch nicht die kleinste Ungenauigkeit durchgehen. Unermüdlich kritisierte und korrigierte sie, vergaß aber auch nie, ihre begabte Schülerin zu loben, wenn ihr etwas gut gelungen war. Julia war zweiundzwanzig Jahre alt. Sie hatte bereits erste kleine Engagements gehabt, war aber noch nicht ›entdeckt‹ worden. Marion Varnthal war jedoch sicher, dass der Tag, an dem das geschehen würde, nicht mehr fern war. Schon jetzt dachte sie mit Wehmut daran, denn wenn es soweit war, würden sich ihre und Julias Wege trennen. Sie unterrichtete die junge Frau seit zwei Jahren, seit Julias vorheriger Lehrer zu dem Ergebnis gekommen war, er könne ihr nichts mehr beibringen. Marion Varnthal dagegen fand, dass Julia noch immer viel zu lernen hatte, bis sie eines Tages, hoffentlich, ihre Stimme zu voller Blüte entwickelt haben würde. Aber das musste behutsam geschehen. Sie hatte schon einige Talent erlebt, die sich vorzeitig verbraucht hatten, weil sie zu früh Partien gesungen hatten, auf die ihre Stimmen noch nicht genügend vorbereitet gewesen waren. Julia wiederholte die für sie so schwierige Stelle, und dieses Mal klang ihre Stimme nicht gepresst, sondern schwang sich frei und jubelnd in die Höhe.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Der kleine Fürst – 230 –Das Lied der Liebe

Als Ulrich es hört, ist es um ihn geschehen

Viola Maybach

»Nein, nein, nein, nicht so, Julia«, sagte Marion Varnthal. »Das klingt angestrengt und gepresst. Atme zuerst noch einmal tief durch, ganz ruhig. Nicht singen, nur atmen.«

Gehorsam tat Julia von Camphausen, was ihr gesagt worden war. Sie weitete ihren Brustkorb und konzentrierte sich in Gedanken auf die Stelle in dem Lied von Schubert, an der sie gerade feilten.

Marion Varnthal, ihre Lehrerin, beobachtete sie wohlwollend. Julia war das größte Talent, das sie jemals unterrichtet hatte. Gerade deshalb war sie mit ihr besonders streng und ließ ihr auch nicht die kleinste Ungenauigkeit durchgehen. Unermüdlich kritisierte und korrigierte sie, vergaß aber auch nie, ihre begabte Schülerin zu loben, wenn ihr etwas gut gelungen war.

Julia war zweiundzwanzig Jahre alt. Sie hatte bereits erste kleine Engagements gehabt, war aber noch nicht ›entdeckt‹ worden. Marion Varnthal war jedoch sicher, dass der Tag, an dem das geschehen würde, nicht mehr fern war. Schon jetzt dachte sie mit Wehmut daran, denn wenn es soweit war, würden sich ihre und Julias Wege trennen.

Sie unterrichtete die junge Frau seit zwei Jahren, seit Julias vorheriger Lehrer zu dem Ergebnis gekommen war, er könne ihr nichts mehr beibringen. Marion Varnthal dagegen fand, dass Julia noch immer viel zu lernen hatte, bis sie eines Tages, hoffentlich, ihre Stimme zu voller Blüte entwickelt haben würde. Aber das musste behutsam geschehen. Sie hatte schon einige Talent erlebt, die sich vorzeitig verbraucht hatten, weil sie zu früh Partien gesungen hatten, auf die ihre Stimmen noch nicht genügend vorbereitet gewesen waren.

Julia wiederholte die für sie so schwierige Stelle, und dieses Mal klang ihre Stimme nicht gepresst, sondern schwang sich frei und jubelnd in die Höhe. Sie merkte wohl selbst, was ihr gelungen war, denn als sie zum Ende gekommen war, lächelte sie selig und wartete nicht, wie sonst häufig, beinahe ängstlich auf die Reaktion ihrer strengen Lehrerin.

Marion Varnthal musste sich zwingen, nicht allzu begeistert zu klingen, denn damit tat man seinen Schülern, wie sie aus langjähriger Erfahrung wusste, meistens keinen Gefallen. Deshalb sagte sie nur ganz ruhig: »Das war sehr gut, Julia, du hast es selbst gehört, oder?«

»Ja«, antwortete die junge Frau mit leuchtenden Augen. »Es ging auf einmal ganz leicht, Frau Varnthal. Es war so, als hätte sich meine Stimme aus einem Käfig befreit. Ich weiß gar nicht, wie das passiert ist.«

»Du hast richtig geatmet, das ist passiert. Du verkrampfst immer noch, wenn du dich einer Stelle näherst, von der du weißt, dass sie dir schwer fällt, und dann klingt deine Stimme sofort gepresst. Laien würden das vermutlich gar nicht hören, aber jeder, der etwas von Gesang versteht, hört es sofort.«

»Ich versuche, in Zukunft daran zu denken.« Julia strahlte immer noch. »Ich habe ja nicht gewusst, wie es sich anfühlen kann, wenn die Stimme beinahe von allein so weit nach oben steigt. Bisher dachte ich immer, das geht nur mit allergrößter Anstrengung.«

»Und diese Anstrengung hat man dir angehört. Genau das darf aber nicht passieren. Die größten Sängerinnen waren auch deshalb so groß, weil ihre Kunst mühelos klang. Das ist Kunst natürlich niemals, aber sie muss so wirken, um das Publikum in Bann zu schlagen. Das gilt für Sänger und Musiker genau so wie etwa für Schauspieler: Wenn man die Mühe merkt, die dahintersteckt, verfliegt der Zauber. Und wenn man hört, dass du Angst vor den hohen Tönen hast, bekommt man Mitleid mit dir – oder sogar Angst davor, dass du es nicht schaffst.«

Julia nickte nachdenklich. Sie machte bei Marion Varnthal auch deshalb so große Fortschritte, weil diese gut erklären konnte. Immer fand sie anschauliche Bilder, um ihre Worte zu unterstreichen, Bilder, mit denen Julia etwas anfangen konnte. Wie jetzt auch: Sie ging gern ins Kino, es gab einige Schauspieler, die sie bewunderte, und so verstand sie sofort, was Marion Varnthal meinte.

Sie machten weiter, die junge und die ältere Frau. Noch war das Wetter schön, ein Fenster des Raums, in dem der Unterricht stattfand, war geöffnet, so dass Julias Stimme auch draußen zu hören war. In den Gärten der Umgebung hoben die Leute die Köpfe, um zu lauschen, und auf der Straße blieb manch einer stehen und sah sich um, auf der Suche nach dem Ort, an dem so himmlisch gesungen wurde.

Marion Varnthals Wohnung in einer mittelgroßen Stadt am Rande des Sternberger Landes befand sich in einem hübschen Wohnviertel mit alten Häusern und viel Grün. Die kleine Wohnung, die sie hier besaß, hatte sie geerbt. Niemand wusste, dass sie herzkrank war und deshalb nur noch wenige Schülerinnen und Schüler unterrichten konnte, und es wusste auch niemand, dass sie das Geld, das sie so verdiente, dringend brauchte.

Das Leben war nicht eben freundlich mit ihr umgesprungen. Zwei große Lieben hatte sie erlebt. Ihr erster Mann war früh gestorben und hatte ihr hohe Schulden hinterlassen, der zweite, ein begabter Dirigent, hatte von ihr verlangt, dass sie ihre eigene Gesangskarriere seinem Fortkommen unterordnete. Diesem Wunsch hatte sie sich gefügt. Die Ehe scheiterte, als ihr Mann zu trinken begann und deshalb beruflich scheiterte. Nach der Scheidung war es für ihre Karriere als Sängerin zu spät gewesen.

Diese beiden Ehen und ihre Krankheit waren der Grund dafür, dass sie jetzt, mit Anfang Fünfzig, nahezu mittellos war, denn jahrelang hatte sie die Schulden ihres ersten Mannes abgezahlt, und von ihrem zweiten, der mittlerweile psychisch und körperlich ein Wrack war, hatte sie ebenfalls nichts zu erwarten. Aber Marion Varnthal war kein Mensch, der sich gehen ließ. Sie teilte sich ihr Geld ein, lebte sparsam und hütete ihre Wohnung, ihren einzigen Besitz, mit großer Sorgfalt. Ihre Garderobe arbeitete sie selbst um, neue Kleidung leistete sie sich nur im äußersten Notfall. Aber auch das sah man ihr nicht an. Im Gegenteil, sie galt allgemein als elegante Frau, und das war sie auch.

Sie hatte nur eine gute Freundin, die wusste, in welchen Verhältnissen sie lebte, und mit dieser redete sie offen über alles, was sie bewegte. Ansonsten war sie zurückhaltend und freundlich und hielt andere Menschen auf Distanz. Trotz ihres kranken Herzens und ihrer beengten finanziellen Verhältnisse war sie der Ansicht, dass diese Phase ihres Lebens zu ihren besten gehörte. Sie war endlich niemandem mehr Rechenschaft schuldig, sondern konnte ganz allein entscheiden, was sie tun wollte und was nicht.

»Genug für heute«, sagte sie. »Vergiss nicht, was du heute gelernt hast, Julia und üb fleißig bis zum nächsten Mal.«

»Das mache ich doch immer, Frau Varnthal«, erwiderte die junge Frau.

Sie hatte rosig angehauchte Wangen und sah so hübsch aus, dass Marion wieder einmal dachte: Hoffentlich schafft sie es. Hoffentlich erliegt sie nicht den Verlockungen des schnellen Geldes oder den Einflüsterungen eines raffinierten ›Managers‹. Wenn sie nur daran dachte, wie viele helle Sterne sie schon vorzeitig hatte verglühen sehen, wurde ihr das Herz schwer.

Wenn die Medien Julia erst entdeckt hatten, würden sie sie jagen, denn sie war nicht nur begabt, sie war auch bildschön mit ihren langen blonden Haaren, der hübschen Figur und dem ebenmäßigen Gesicht, das von großen blauen Augen und einem hübsch geschwungenen Mund dominiert wurde. Sie lachte nicht oft, aber wenn sie es tat, legte sie den Kopf ein wenig in den Nacken und öffnete den Mund. Es wirkte kindlich und ungeheuer anziehend, vielleicht auch, weil es so selten geschah. Julia lächelte eher.

Marion machte sich nichts vor: Sie hatte Julia nicht allein wegen ihrer schmelzenden, sinnlichen Sopranstimme ins Herz geschlossen, sondern auch, weil sie sich selbst als junge Frau in ihr sah. So war sie auch einmal gewesen, so hübsch, so blond, so talentiert. Heute trug sie ihre dichten grauen Haare halblang, aber sie wusste, dass ihre Augen noch immer so strahlend blau waren wie damals, mit zwanzig. Ja, sie war sehr attraktiv gewesen, hatte viele Verehrer gehabt, doch ihr Herz hatte sie nur zwei Mal vergeben. Andere Frauen in ihrer Lage hätten sich vielleicht gewünscht, sich anders entschieden zu haben, doch sie bereute ihre beiden Ehen nicht. Sie hatte die Männer geliebt und war ihrem Herzen gefolgt, eine andere Wahl hatte sie nicht gehabt.

»Wir sehen uns dann am Freitag wieder«, sagte sie.

Als Julia gegangen war, stellte sie sich ans Fenster und sah ihr nach, wie sie mit beschwingten Schritten die Straße überquerte. Auch wenn sie nichts bereute, so wünschte sie sich doch für die junge Frau, dass sie nicht die gleichen Erfahrungen machen musste wie sie. Aber danach sah bis jetzt nichts aus, denn Julias Familie war vermögend. Ihre beiden älteren Brüder, die Zwillinge Sebastian und Alexander, waren Juristen geworden und hatten soeben ihr Studium beendet. Sobald sie genügend Erfahrungen gesammelt hatten, würden sie sich sicherlich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig machen und erfolgreich sein. Das schien in den Genen der Camphausens zu liegen.

Einmal, bevor Julia ihre Schülerin geworden war, hatten ihre Eltern sie eingeladen, wohl, um sich ein Bild von der Frau zu machen, der sie die Ausbildung ihrer Tochter anvertrauen wollten. Marion, die in früheren Zeiten durchaus Luxus gekannt hatte, war beinahe geblendet gewesen von der eleganten, großen Villa mit dem parkähnlichen Garten. Das Treffen mit Barbara und Albrecht von Camphausen war dann erfreulich ungezwungen und sehr entspannt verlaufen, später hatte sie auch Julias Brüder noch kennengelernt, zwei sympathische junge Männer.

Julia hatte großes Glück gehabt mit ihrer Familie, so viel stand fest, und Marion wünschte ihr von ganzem Herzen, dass dieses Glück Bestand hatte.

*

»Bleibst du zum Abendessen, Cord?«, fragte Barbara von Camphausen. »Julia wird gleich zurück sein von ihrem Gesangsunterricht. Bleib doch, es ist gerade so gemütlich.«

Barbara sah aus wie eine ältere Ausgabe ihrer Tochter, nur dass ihre blonden Haare kürzer waren und ihr rosiger Teint einem sehr sorgfältig aufgetragenen Make-up zu verdanken war. Sie war stets mit zurückhaltender Eleganz gekleidet, nie trug sie zu viel Schmuck. Sie vermied alles Auffällige und wurde in diesem Stil von etlichen ihrer Freundinnen kopiert.

Ihr Mann Albrecht kam ihr zu Hilfe. Er war mit den Jahren massiger geworden, sah aber immer noch gut aus: ein früh ergrauter Mann in den besten Jahren, mit etlichen Falten um den Mund und gutmütigen braunen Augen.

»Ich finde auch, du solltest bleiben«, sagte er zu Cord von Ahlen, mit dem seine Frau und er seit Jahren befreundet waren. Er verwaltete ihr Vermögen, und aus den anfänglich rein geschäftlichen Beziehungen war mit der Zeit eine gute Freundschaft geworden.

»Du hast vorhin selbst gesagt«, fuhr Albrecht fort, »dass du heute nichts Besonderes mehr vor hast, und vielleicht können wir dich ja doch noch irgendwie aufheitern. Zum Beispiel mit einem ausgezeichneten Essen und guten Gesprächen.«

Der Angesprochene war ein Mann von Ende Vierzig, noch immer blond und so schlank wie vor zwanzig Jahren, mit einem jungenhaften Gesicht, in dem vor allem die lebhaften, grau-grünen Augen auffielen. Er hatte die Beine übereinander geschlagen und wippte nervös mit einem Fuß, während die Finger seiner rechten Hand auf die Sessellehne trommelten. Fuß und Finger kamen gleichzeitig zur Ruhe, als er erwiderte: »Gut, ich nehme eure Einladung an. Wenn ich jetzt allein zu Hause wäre, fiele mir doch bloß die Decke auf den Kopf.«

»Du hast uns immer noch nicht gesagt, was eigentlich los ist«, sagte Barbara. »Wieso bist du deprimiert?«

Albrecht und sie erwarteten nicht ernsthaft eine Antwort, denn sie hatten ihrem Freund diese Frage schon wiederholt gestellt, und jedes Mal war er ausgewichen.

Umso überraschter waren sie, als er erwiderte: »Weil ich allein bin. Ihr habt eine Familie gegründet, drei wohlgeratene Kinder, eure Ehe ist glücklich. Ich beneide euch.«

Albrecht fing an zu lachen. »Ausgerechnet du mit deinen ständig wechselnden langbeinigen Freundinnen?«

»Eben, sie wechseln ständig«, sagte Cord düster. »Sie langweilen mich nach kurzer Zeit, dann trenne ich mich, und alles fängt von vorne an. Ich bin zu alt für dieses Leben, und diese Erkenntnis bedrückt mich.«

Barbara und Albrecht wechselten einen Blick. So kannten sie ihren Freund nicht.

»Dann such dir doch die nächste Frau vielleicht nicht danach aus, wie attraktiv sie ist, sondern ob du dir vorstellen könntest, länger mit ihr zusammen zu sein«, schlug Barbara vorsichtig vor.

»Das kann ich mir bei jeder neuen Freundin vorstellen, Barbara, das ist doch das Problem. Und leider bin ich völlig fixiert auf attraktive Frauen, andere nehme ich gar nicht wahr. Ich weiß, dass das ein Fehler ist, aber ich kann nicht anders.« Plötzlich grinste Cord. »Ich danke euch, dass ihr trotz dieses Charakterfehlers meine Freunde geblieben seid.«

»Wir mögen dich eben«, erwiderte Barbara. Doch wenn sie geglaubt hatte, diese Aussage werde Cords Laune heben, so sah sie sich getäuscht. Sofort umwölkte sich die Stirn ihres Freundes wieder.

Deshalb waren die Camphausens froh, als die Stimme ihrer Tochter erklang: »Bin wieder da!« Gleich darauf erschien Julia so strahlend und offensichtlich glücklich, dass sich sogar Cords Miene aufhellte.

Er sprang auf und schloss Julia in die Arme. »Na, meine Kleine?«, fragte er. »Schön gesungen?«

Julia erwiderte seine Umarmung, bevor sie sich neben ihre Mutter aufs Sofa fallen ließ. Sie wohnte noch zu Hause, während sie an der Musikhochschule studierte.

»Ja!«, antwortete sie. »Ich habe heute endlich die schwierige Stelle, an der wir schon seit zwei Wochen arbeiten, so gesungen, dass Frau Varnthal zufrieden war. Und ich selbst war es auch. Ich habe richtig geatmet, und auf einmal kamen die hohen Töne beinahe von selbst.«

Cord, der ein großer Musikliebhaber war und früher selbst, wie er gern erzählte, Mitglied in einem Knabenchor gewesen war, bevor der Stimmbruch dem ein Ende bereitet hatte, nickte. »Richtige Atemtechnik ist das A und O«, sagte er. »Was studiert ihr denn gerade ein?«

»Lieder von Schubert«, antwortete Julia.