Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Eltern", sagt Marie, "müssen sich erstens um ihre Kinder kümmern, zweitens nur um ihre Kinder kümmern und drittens immer nur um ihre Kinder kümmern." Marie ist acht, aber schon der Nabel der Welt – und sie weiß grundsätzlich alles. Ihr Motto: Klar hat man Mama und Papa voll lieb, aber man muss sie auch voll im Griff haben. Das Chaosunternehmen Familie wird in diesem Buch genau unter die Lupe genommen. Aber nicht von außen, sondern von innen, direkt aus dem Hauptquartier der "Kleine-Tyrannen"-Bewegung, dem Hotspot der Krise: dem häuslichen Küchentisch. Dabei spendet das Buch tonnenweise Trost für alle, die auch das Gefühl haben, ihr Kind nimmt ihnen das Zepter aus der Hand. "Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen, hatte viel Spaß dabei und habe häufig wehmütig wissend dazu genickt." (LORIOT) Geschrei, Tränen und jede Menge Theater: Ein Buch über eine ganz normale Familie – mit Lachgarantie! Jetzt als eBook: "Das Mutter-Vater-Kinder-Chaos-Buch" von Geert Zebothsen. dotbooks – der eBook-Verlag.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2013
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Über dieses Buch:
Marie ist acht, aber schon der Nabel der Welt – und sie weiß grundsätzlich alles. Ihr Motto: Klar hat man Mama und Papa voll lieb, aber man muss sie auch voll im Griff haben.
Das Chaosunternehmen Familie wird in diesem Buch genau unter die Lupe genommen. Aber nicht von außen, sondern von innen, direkt aus dem Hauptquartier der „Kleine-Tyrannen“-Bewegung, dem Hotspot der Krise: dem häuslichen Küchentisch. Dabei spendet das Buch tonnenweise Trost für alle, die auch das Gefühl haben, ihr Kind nimmt ihnen das Zepter aus der Hand.
„Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen, hatte viel Spaß dabei und habe häufig wehmütig wissend dazu genickt.“ (LORIOT)
Geschrei, Tränen und jede Menge Theater: Ein Buch über eine ganz normale Familie – mit Lachgarantie!
Über den Autor:
Geert Zebothsen zählt zu den erfolgreichsten Journalisten Deutschlands. So arbeitete er als Projektentwickler im Bereich Neue Medien im Jahreszeiten-Verlag, SPIEGEL-Ressortleiter, Berater für das Journal für die Frau im Springer Verlag und als Chefredakteur der FÜR SIE. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in seinen Büchern wieder, die er als freier Autor in den unterschiedlichsten Genres ansiedelt – vom Thriller über Ratgeber bis hin zur gefühlvollen und humorvollen Belletristik. Der Autor lebt zusammen mit seiner Frau und drei Töchtern in Hamburg. Über „Das Mutter-Vater-Kinder-Chaos-Buch“ urteilte die Hamburger Morgenpost: „Höchst unterhaltsam und politisch hemmungslos unkorrekt.“
***
Überarbeitete Neuausgabe September 2013
Dieses Buch erschien bereits 2009 unter dem Titel Die Klugscheißerin beim Südwest Verlag, München
Copyright © der Originalausgabe 2009 Südwest Verlag, München
Copyright © der überarbeiteten Neuausgabe 2013 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Nicola Bernhart Feines Grafikdesign, München
Titelbildabbildung: papan, München
ISBN 978-3-95520-400-6
***
Wenn Ihnen dieses Buch gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weiteren Lesestoff aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort Das Mutter-Vater-Kinder-Chaos-Buch an: [email protected]
Gerne informieren wir Sie über unsere aktuellen Neuerscheinungen und attraktive Preisaktionen – melden Sie sich einfach für unseren Newsletter an: http://www.dotbooks.de/newsletter.html
Besuchen Sie uns im Internet:
www.dotbooks.de
www.facebook.com/dotbooks
www.twitter.com/dotbooks_verlag
www.gplus.to/dotbooks
Geert Zebothsen
Das Mutter-Vater-Kinder-Chaos-Buch
Zu melden haben Eltern ja sowieso nix – hier haben sie wenigstens was zu lachen.
dotbooks.
Ob Sie Kinder haben oder keins, ob Sie Kinder herzig finden oder fürchterlich, ob Sie selbst mal eins gewesen oder gleich erwachsen aufgewachsen sind – pupsegal, sagt Marie.
Marie?
Nabel der Welt, Nagel zum Sarg, Nadel im Heuhaufen. Chefcoach aller Chaoten.
Alter? Acht Jahre. „Gar nich wahr, bin bald neun!“ Okay, okay ...
Sie merken schon – Trotzköpfchen reloaded. Ein Kind, wie es im Buch steht. Und zwar in diesem. Voller unglaublicher Geschichten, die das Leben schreiben würde, wenn es schreiben könnte. Kann’ s bloß nicht. Also war Geert Zebothsen gezwungen, den Job zu übernehmen.
Übrigens, damit es kein Missverständnis gibt: Natürlich hat Marie ihre Eltern voll lieb. Noch viel lieber aber hat sie die voll im Griff.
U. a. wegen der Serviceleistungen.
„Eltern“, sagt Marie, „müssen sich erstens um ihre Kinder kümmern, zweitens nur um ihre Kinder kümmern und drittens immer nur um ihre Kinder kümmern.“
Wie lange?
„Bis sie alt sind“, sagt Marie.
Die Eltern?
„Nee, die Kinder“, sagt Marie.
Marie ist zwar der Nabel der Welt, aber selbst so ein Nabel braucht genügend Sympathisanten – das sogenannte Umfeld. Damit dies Umfeld überhaupt auffällt, hier ein paar der Über-, Mit- und Nebenmenschen, die in diesem Buch mäßig bis regelmäßig eine Rolle spielen:
Mutter– auch „das Mutten“ –, Anfang 40. Weiß, dass Marie durchtrieben ist. Glaubt, dass der Vater nicht weiß, dass Marie durchtrieben ist. Spricht (fast) ständig mit Stentorstimme, weil Marie einen ja niemals ausreden lässt. Wäre gern 20 Jahre jünger, um Marie gelegentlich gewachsen zu sein. Rafft sich 3 x im Jahr zu Selbstbehauptungsversuchen auf. Ergebnis: kläglich.
Vater– auch „das Pappen“ –, Mitte 40. Weiß, dass Marie durchtrieben ist. Glaubt, dass die Mutter nicht weiß, dass Marie durchtrieben ist. Lässt sich gern um den Finger wickeln. Schwört auf logische Argumentationsketten, selbst wenn Marie ihn dabei regelmäßig mit seinen eigenen Waffen schlägt. Geht davon aus, dass sein Kind später mal reich, schön und berühmt wird. Zur Not , findet er, reicht auch reich.
Klausi, 9. Ist Marie verfallen, verfällt sichtlich, wenn es wieder eine Krise gibt, und die gibt es eigentlich dauernd. Hält es darum für völlig normal, dass Marie ihn „du Schnake“ nennt. Wirkt überaus wohlerzogen, plaudert galant, und weil Klausi wild auf Karrierefrauen ist, will er aus Marie unbedingt auch so eine machen. Marie denkt gar nicht dran. Ihr schwebt ein Prinzessinnendasein vor.
Flora, 8. Maries beste Freundin – oder feste Feindin, je nachdem. Flora ist zeitweise zickig und neigt zu maßloser Missgunst. Das Problem: Marie und Flora können weder mit noch ohne einander. Fallen sich folglich abwechselnd in die Arme oder in den Rücken.
Dieter-Thomas, 10. Cooler Typ.Hat einen Daddy, der Banker in London, und eine Mum, die immer in Eile ist. Dieter-Thomas kriegt Trainerstunden an der Querflöte, pfeift aber drauf. Genießt es, dass Marie ihn anbetet und Klausi deswegen wie ein Hund leidet.
Drum herum ranken sich Nachbarn, Lehrer, Ferienbekanntschaften, Haustiere, Stars, nahe bis äußerst ferne Verwandte sowie Mütter und Väter anderer Kids, die als letzte Rettung die Gründung einer „Notgemeinschaft fix und fertiger Eltern“ (NFUFE) erwägen.
Und so heiter weiter.
Bevor Marie Marie wurde, hieß sie neun Monate lang Emil.
Emil war ihr Arbeitstitel.
Bei anderen Leuten firmieren neue Projekte beispielsweise als »Unternehmen Wotan“ oder „Agenda 08/15“. Wir nannten unser neues Projekt von vornherein Emil. Dass manche Jungs so was als Vornamen tragen – purer Zufall.
In Wahrheit ist Emil nämlich die Abkürzung für „Ein Mädchen in Liebe“.
Haben Sie nicht gewusst, oder?
Hat Marie auch nicht gewusst. Neulich, nach der Schule, schleicht sie wortlos ins Haus und verkrümelt sich auf direktem Weg in ihr Zimmer.
Meine liebe Frau krümelt verblüfft hinterher.
„He, war’s heute doof im Unterricht?“
„Nee.“ Marie weint nicht. Marie lacht nicht. Marie mufft.
„Was ist passiert, Schätzchen?“
„Nix.“
„Nichts kann eine ganze Menge sein“, sagt meine liebe Frau, philosophisches Basiswissen demonstrierend.
„Hättet mir ruhig verrat’n können“, blafft Marie plötzlich los, „dass ihr lieber ’n Jungen kriegen wolltet!“
Wie der Dichter in solchen Fällen formuliert: Die Mutter sinkt entsetzt aufs Sofa. „Rede keinen Unsinn, dein Papi und deine Mami haben sich, ich schwör’s, immer nur ein kleines Mädchen gewünscht.“
„Gar nich wahr!“ Marie reckt das Kinn vor wie ein Karpfen. „Bin genau informiert!“
Meine liebe Frau steckt sich in ihrer Not eine Zigarette an. Langsam. Umständlich. Zeit gewinnen, lautet die Parole.
„Ich sollte ein Emil werden“, faucht Marie angeekelt, „so’n richtig blöder Emil!“
„Wer hat dir ...“
„Die dicke Nachbarin, die mal unter uns wohnte. Hab sie grad vor der Schule getroffen. Da is ja der Emil, ruft sie und winkt. Ich überleg, wen meint die? Dich mein ich, sagt sie. Jawohl, so is das gewesen!“
Frau Mayerling, denkt meine liebe Frau – Frau Mayerling, der Spion, der aus dem Keller kam.
„Deine Eltern hab’n damals so oft von Emil gesprochen, hat sie gesagt, und was biste geworden: bloß ein Mädchen.“ Marie äfft die nölige Stimme der Mayerling hemmungslos nach. „Find ich gemein, dass ihr mich nich von vornherein als Marie gewollt habt!“
Meine liebe Frau drückt die Zigarette aus und hebt zu einer Grundsatzerklärung an.
Aber Marie redet einfach weiter. „Mädchen sind echt toller als Jungs. Und Mädchen machen auch nich so viel kaputt. Die Mutter von Klausi wär manchmal ziemlich froh, wenn Klausi ein ...“
„Marie, das ist alles ganz anders!“
„Gar nich anders. Hat Klausis Mutter mir selber verraten.“
„Marie! Ich mein doch das mit Emil und dir!“
Meine liebe Frau legt aus dem Stegreif ein paar Oktaven Inbrunst drauf. Bei Inbrunst hält Marie meistens mehrere Atemzüge lang inne.
Diesmal überhaupt nicht.
„Mädchen sind außerdem klüger. Und viel, viel besser zu gebrauch’n, so alltags und wenn sie groß werden.“ Kampfesglitzern im Blick. „Musste doch eigentlich wissen, bist doch auch ’n Mädchen, mein Mutten.“
Dann der finale Blattschuss: „Oder wollten deine Eltern auch lieber so ’n Emil haben?“
Peng. Voll auf die Zwölf. Im Kino setzen nun normalerweise die Geigen ein. Oder Chöre. Bei meiner lieben Frau sind’s die Tränen. Geige und Chöre kann sie nicht.
„Mariechen“, haucht sie.
„Mami“, haucht Mariechen.
Dann heulen beide ein bisschen vor sich hin.
Ich bin an diesem Tag spät dran. Hungrig bin ich ebenfalls. Interessiert zu Hause leider keinen. Meine liebe Frau lümmelt mit Marie auf dem Sofa. Eng umschlungen. Ein Bild innigster Weltentrücktheit. Äußerst seltsam.
„Hallo Mädels“, grüße ich. Erst mal die Lage checken. Man weiß nie.
„Haste gehört?“ Meine liebe Frau blinzelt Marie bedeutsam zu. „Mädels hat er gesagt. Nicht etwa Emils. Noch Fragen?“
„Nee.“ Dabei schüttelt Marie selig den Kopf.
„Doch.“ Dabei schiele ich sehnsüchtig zur Küche. „Wer macht mir endlich was zu essen?“
„Du“, antworten die beiden wie aus einem Mund.
So viel zum Thema Herr im Haus.
Marie hasst das Telefonieren. Nicht wenn sie es selber tut. Sie hasst das Telefonieren nur bei ihrer Mutter.
Da aber von Herzen.
Als Baby brüllte sie jedes Ferngespräch in Grund und Boden. Als Kleinkind zerrte sie wortlos das Kabel aus der Wand. Inzwischen, mit acht, sabotiert sie subtiler.
„Mami, komm mal.“
„Marie, ich telefoniere.“
„Gut, dann komm ich zu dir.“
„Nein, Marie, jetzt nicht. Ich telefoniere.“
„Schick ’ne SMS.“
„Neihein!“
„Nur ganz kurz.“
„Marie!“
„Schon gut.“
Meine liebe Frau sagt zu ihrer neuen Freundin am anderen Ende der Leitung: „Red schneller, wir haben noch genau zehn Sekunden.“
Nach neun Sekunden ein gellender Aufschrei aus dem Kinderzimmer.
„Jetzt hat sie sich den Fuß an der Tür gestoßen“, sagt meine liebe Frau zu ihrer neuen Freundin.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht taumelt Marie herein, lässt sich schwer aufs Sofa sinken, lallt Laute des Leidens.
Meine liebe Frau plaudert einfach weiter.
„Manno, hab mich riesig verletzt!“, faucht Marie beleidigt los. „Willste gar nich wissen, was passiert is?“
„Ich weiß, was gleich passiert“, sagt meine liebe Frau, „gleich krieg ich den Fön!“
„Na schön.“
Erstaunlich aufrechter Abgang.
„Nach der derzeit gültigen Dramaturgie wäre als Nächstes die ‚Ich-fühl-mich-von-dir-so-vernachlässigt‘-Masche dran“, flüstert meine liebe Frau in den Hörer, „eventuell bimmelt es diesmal auch erst an der Haustür, unser Kind ist da durchaus flexibel.“
Doch nichts dergleichen geschieht. Es herrscht einfach nur Ruhe.
„Merkwürdig“, raunt meine liebe Frau mehr sich als ihrer neuen Freundin zu, „normalerweise macht Marie bei diesem Stand der Dinge niemals Schluss. Im Gegenteil.“
Stattdessen: Stille.
„Irgendwas stimmt nicht.“ Meine liebe Frau hat auf einmal überhaupt keine Lust mehr zum Telefonieren.
„Na und? Bin ja froh, dass wir endlich ein paar Takte ungestört reden können“, mosert die neue Freundin ins Rohr, „wobei ich dir eines sagen muss: wenn ich Kinder hätt, denen tät ich was erzählen!“
„Ach“, will meine liebe Frau ungern wissen, „was denn?“
„Nun, ich tät sie sehr energisch darauf hinweisen, dass Telefonieren ein Stück Intimsphäre ist, die man respektieren muss, verstehst du?“
„Ich ja“, antwortet meine liebe Frau gedehnt, „aber deine Kinder würden dich fragen, was du mit ‚Intimsphäre‘ meinst – wenn du das nächste Mal telefonierst, genau dann.“
Die Ruhe nebenan ist schon keine Ruhe mehr, sondern latente Lautlosigkeit. Meine liebe Frau hält es nun wirklich keinen Augenblick länger aus. Ihre Abschiedsworte zur neuen Freundin lauten: „Ich ruf dich wieder an, sobald du eigene Kinder hast.“
Zehn Schritte durch das Meer der Stille.
„Marie?“
Nichts.
„Marie, wo bist du?“
Nichts.
„Marie, was machst du?“
Noch immer nichts.
„Mariechen, warum sagst du kein Wort?“
Die gesuchte Person hockt im Schlafzimmer auf den Ehebetten und schaut demutsvoll.
„Kind, wie ..., diese Überraschung ..., ich finde es fabelhaft, weil ...“ Meine liebe Frau nimmt Marie andächtig in die Arme.
Dass der Hörer des Zweitapparats vom Nachttisch runterbaumelt, fällt kein bisschen auf.
„Ich soll dich doch beim Telefonieren nich dauernd stör’n“, sagt Marie mit bescheidenem Augenaufschlag, „also halt ich mich dran. Gut so?“
Meine liebe Frau schnieft vor Rührung.
Zurück im Wohnraum, klingelt sie als Erstes wieder bei ihrer neuen Freundin durch.
„Nein, ich hab noch keine eigenen Kinder“, gesteht diese anstandshalber.
„Egal. Du wirst es nämlich kaum für möglich halten: Marie hat ein Einsehen! Der Bann ist gebrochen! Die Jahre des Telefonterrors sind endlich vorbei!“
„Mami?“, fragt Marie mal eben dazwischen, „was sind Intiemspferde?“
Wenn Marie etwas tun soll, was Marie ums Verrecken nicht tun will – das meiste also –, dann hat sie bisher mit schöner Regelmäßigkeit gesagt: „Wart mal kurz, ich komm gleich wieder.“
Natürlich konnte man warten, bis man schimmelig war, doch immerhin ließ diese Antwort eine gewisse Konzilianz erkennen, oder?
Neuerdings sagt Marie was anderes. Sie sagt: „Ich bin ich, du kannst nich über mein Leben bestimmen.“ Das abschließende „Und damit basta!“ fügt sie zwar nur in besonders dramatischen Fällen hinzu, aber weil sie ein Faible für dramatische Fälle hat, purzelt auch „basta“ pausenlos durch die Räume.
Meine liebe Frau gibt dem Ozonloch die Schuld.
„So haben wir doch früher nicht mit unseren Eltern zu reden gewagt“, schüttelt sie sich, „meine Mutter wäre ins Kloster gegangen.“
„Und dein Vater?“
„In die Luft. Fürs Kloster war der viel zu renitent.“
„Dann hat Marie das ja vielleicht von ihm?“, frage ich mehr oder minder harmlos.
Mit dieser Wendung unseres Dialogs ist meine liebe Frau keineswegs einverstanden. „Was fällt dir ein?“
Mir fällt ein, dass ich müde bin. Aber das nützt auch nix. Im Bett, kurz vorm Einschlafen, schreckt meine liebe Frau senkrecht hoch: „Wir müssen den Tatsachen ungeschminkt ins Auge blicken.“
„Was, um diese Zeit?“
„Wir haben versagt.“
„Genau – wobei?“
„Alle Kinder in Maries Alter gehorchen aufs Wort. Keines käme auch nur auf die Idee zu sagen: ‚Du kannst nicht über mein Leben bestimmen.‘ Stimmt’s?“
„Ist aber erstaunlich gut formuliert.“
„Na, hör mal.“
„Doch, doch. Und dann dieses ‚Ich bin ich‘ – das hat Power! Andere Leute brauchen Ghostwriter für so was!“
„Mein Kind soll gefälligst ‚Jawohl, Mami, mach ich sofort‘ sagen“, mault meine liebe Frau in die Kissen. „Wenigstens jeden zweiten Tag.“
Ein bestechender Gedanke. Trotzdem wage ich einige wenige Widerworte: „Stell dir vor, das geschieht tatsächlich – du würdest deines Lebens nicht mehr froh.“
„Ha! Ich würde frohlocken!“
„Nein, du würdest argwöhnen, irgendjemand habe dein Kind einer Gehirnwäsche unterzogen! Freiwillig brächte Marie ‚Jawohl, Mami, mach ich sofort‘ wohl kaum über die Lippen.“
Wir starren beide deprimiert Richtung Zimmerdecke.
„Und wenn wir sie auf Knien drum bitten?“, flüstert meine liebe Frau nach einer längeren Decken-Denkpause.
„In unserem Alter? Wir kämen nie wieder hoch.“
Meine liebe Frau sinkt zurück in die Horizontale. „Das isses. Wir sind matte, morsche, müde Mumien ohne Mumm. Ausgelaugt. Konfliktscheu. So was wie Marie braucht Eltern in der Blüte ihrer Jahre! Keine Schlaffis, die bei Aufregung heimlich ihren Puls fühlen. Armes, armes kleines Ding.“
„Wir werden uns am Riemen reißen“, sage ich tapfer. Dann sage ich als alter Mann nichts mehr, denn ich bin eingeschlafen.
Anderntags suchen wir Rat beim Experten: Professor Dr. Emanuel von Dinges-Deutschmann. Ihm verdankt die Nation das pädagogische Standardwerk „Frühkindliche Aufsässigkeit und der elterliche Umgang mit derselben“. 23. Auflage, reichbebildert. Staubt eigentlich schon länger bei uns im Bücherregal ein – Wink-mit-dem-Zaunpfahl-Geschenk der Mutter meiner lieben Frau. Jetzt wird es in Windeseile verschlungen. Unter vier Augen. Um Zeit zu sparen.
„Manches in dem Werk vermittelt sich mir nur sehr bedingt“, gestehe ich hinterher kleinlaut.
„Manches? Das meiste!“, bekennt meine liebe Frau durchaus hitzig.
Gemeinsame Dummheit kann so beglückend sein.
„Vielleicht sollten wir“, überlege ich laut, um mein Kreatief vergessen zu machen, „einfach einen Leserbrief an dieses Familienmagazin, du weißt schon, schicken. Wir schildern den Fall in allen Einzelheiten und bitten den wissenschaftlichen Beirat des Blattes um Stellungnahme.“
„Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats heißt Professor Dr. Emanuel von Dinges-Deutschmann“, gibt meine liebe Frau zu bedenken, „wir könnten abermals schiffbruchartige Verständigungsprobleme erleiden.“
„Also gut!“, sage ich, zum Äußersten entschlossen. „wenn das so ist, bleibt uns keine andere Wahl als die totale Offensive!“
„Nämlich?“
„Wir werden mit Marie reden! Von Mensch zu Mensch!“
Ein ziemlich verwegener Gedanke? Stimmt. Aber wo ist die Alternative?
Wir diskutieren unsere Strategie in aller Ausführlichkeit, spielen jeden nur denkbaren Wortwechsel akribisch durch, sogar der Einsatz von Tränenflüssigkeit bleibt in unserem Szenario nicht ausgespart.
Dann naht die Stunde der Entscheidung.
„Marie“, ruft meine liebe Frau mit brüchiger Stimme.
„Ja, Mami?“
„Kann du mal eben kommen?“
„Ja, Mami.“
„Wir wollten dich um was bitten.“
„Ja, Mami?“
„Würdest du wohl dein Zimmer aufräumen?“
„Ja, Mami, mach ich sofort.“
Nun mal ehrlich: Ist das nicht eine bodenlose Gemeinheit?
Einige Filme im Fernsehen, findet Marie, sind durchaus sehenswert. Nämlich die alten Schinken, weil da das Outfit der Damen megaprächtig ist. Spitzen und Rüschen, der ganze Glimmer-Glamour eben. Außerdem, findet Marie, können die Damen in diesen Filmen himmlisch schmachten und schmusen.
Schmachten? Schmusen? Ich runzele die Stirn. Was anderes lässt sich bei mir nicht runzeln.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
