Das Palais der Kurtisanen - Frédéric Lenormand - E-Book

Das Palais der Kurtisanen E-Book

Frédéric Lenormand

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Beschreibung

Richter Di hat seinen Kollegen und Freund Lo zu Gast, der ihn zum Besuch eines Freudenhauses im Verwaltungsbezirk des streng konfuzianischen Richters überredet. Als dort eine Leiche ohne Kopf gefunden wird, sieht sich Di unversehens in einen makabren Mordfall verwickelt. Die Ermittlungen im Herzen des Rotlichtmilieus zwingen Di, dieses Viertel - sehr zum Leidwesen seiner drei Gemahlinnen - regelmäßig aufzusuchen. Dabei nehmen sich diese fest vor, sich zu emanzipieren. Auf den Spuren einer alten und fürchterlichen Rache führt uns Frédéric Lenormand in die Unterwelt des farbenfrohen kaiserlichen Chinas.

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Frédéric Lenormand

Das Palais der Kurtisanen

Reihe: Neue Ermittlungen des Richters Di

Kuebler Verlag

Das Buch

Richter Di Jen-dsiä erhält kurzfristig Besuch von seinem Kollegen und Freund Lo, der ihn dazu überredet, ein Freudenhaus in Puyang aufzusuchen, dem Verwaltungssitz des streng konfuzianischen Richters. Als dort eine Leiche ohne Kopf gefunden wird, sieht sich Di unversehens in einen makabren Mordfall verwickelt. Die Ermittlungen im Herzen des Rotlichtmilieus zwingen Di, dieses Viertel – sehr zum Leidwesen seiner Gattinnen – regelmäßig aufzusuchen. Dabei nehmen sich seine drei beleidigten Gemahlinnen fest vor, sich zu emanzipieren …

Auf den Spuren einer alten und fürchterlichen Rache führt uns Frédéric Lenormand in die Unterwelt des farbenfrohen kaiserlichen Chinas. Die Auflösung dieses spannenden Kriminalfalls dürfte selbst abgebrühte Krimileser überraschen.

Der Autor

Frédéric Lenormand wurde am 5. September 1964 in Paris geboren.

Weil sein Großvater ein bekannter Sammler japanischer Kunstwerke ist, fühlte er sich bereits seit seiner Kindheit zur Kultur fernöstlicher Länder hingezogen. Nach einem Sprachenstipendium im Jahr 1982 setzte er seine Ausbildung am Institut für Politische Studien und später an der Sorbonne fort.

1988 erschienen seine ersten fünf Romane, von denen ihm gleich der erste (Le songe d‘Ursule – „Ursulas Traum“) den „Del Duca“-Preis für junge Romanschriftsteller einbrachte. In den 1990er Jahren wurden seine Werke mit weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter war auch der François-Mauriac-Preis der „Académie française“.

Schwerpunkt seines literarischen Schaffens wurden historische Romane, darunter sind auch die beiden Serien Voltaire mène l‘enquête (Voltaire leitet die Ermittlung) und Les nouvelles enquêtes du juge Ti (Neue Ermittlungen des Richters Di).

Frédéric Lenormand

DAS PALAIS DER KURTISANEN

Neue Ermittlungen des Richters Di

Episode 3

Roman

Aus dem Französischen übersetzt von Gerd Frank

Weitere Informationen: www.kueblerverlag.de

Impressum

Deutsche Erstveröffentlichung

Copyright © 2016 Kuebler Verlag GmbH, Lampertheim.

Französischer Originaltitel:

Le Palais des courtisanes de Frédéric Lenormand

© LIBRAIRIE ARTHEME FAYARD, 2004.

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten. Keine unerlaubte Reproduktion, Vervielfältigung, Vermietung, Verleih, Einspeisung ins Internet, Aufführung oder Sendung.

Übertragung aus dem Französischen von Gerd Frank.

Herausgeber der Reihe: Gerd Frank

Lektorat: Anabelle Assaf – Rotkel Textwerkstatt

Bildmaterial © Andreeva Svetlana

ISBN Printausgabe 978-3-86346-030-3

ISBN Digitalbuch 978-3-86346-298-7

Wichtigste Personen

Frau Yu, Besitzerin eines Freudenhauses

Rote Päonie, Kurtisane

Kamelie, schwangere Prostituierte

Blasser Lotus, Prostituierte und Vertraute

Pfirsichblüte, junge Prostituierte

Frau Sui, Freundin der Gemahlinnen von Richter Di

Frau Lia, Stadtstreicherin und Alkoholikerin

Wang Gu-li und Wang To-ma, Reeder auf dem absteigenden Ast

Wang Ji, Halbbruder der Wangs

Zhao Ding, Majordomus der Brüder Wang

Hsueh Xan, Hauptmann der Gerichtsbüttel

Souen Tsi, Erster Schreiber von Richter Di

Cheng Mi-tsung, früherer Ehemann von Fräulein Kamelie

Die Handlung spielt im Jahre 668.

Richter Di ist achtunddreißig Jahre alt und Bezirksvorsteher von Puyang am Großen Kaiserkanal, der China von Norden nach Süden durchquert.

I

Richter Di bereitet sich auf den Empfang eines hohen Gasts vor und lässt sich zu mehr hinreißen, als ihm lieb ist.

Di und seine Gemahlinnen waren im Begriff zu überprüfen, ob alles perfekt war, um Richter Lo gebührend zu empfangen, der auf dem Weg zur Präfektur bei ihnen Zwischenstopp machen wollte. Lo war zu einer Versammlung hoher Beamter und Gelehrter gerufen worden, die zurzeit beim Präfekten stattfand. Di verband mit seinem alten Freund die Erinnerung an gemeinsame Lehrjahre für das Amt des Bezirksvorstehers im Verwaltungsdienst der Metropole.

„Lo ist ein besonders sensibler Mensch, der mit einem exzellenten und sicheren Geschmack gesegnet ist. Ich möchte deshalb, dass jedes Detail absolut seinen Erwartungen entspricht“, verlangte Di.

Seine Zweite Dame versicherte ihm, dass sein Kollege von Empfang und Betreuung entzückt sein werde. Sie hatte sich persönlich um die Ausstattung des Gästezimmers gekümmert und es mit einigen Blumensträußen ausgesuchter Eleganz dekoriert. Seine Erste Dame hatte darauf geachtet, dass sich in den Regalen eine Auswahl signierter Gedichtsammlungen der berühmtesten Autoren befand. Und seine Dritte Dame hatte die Kinder zum Schlafen in den anderen Flügel des Gebäudes geschickt, damit ihr Geschrei die Ruhe des Gelehrten nicht störte, der unter ihrem Dach die Nacht verbringen sollte. Als die Equipage des Besuchers angekündigt wurde, zogen sich die drei Frauen, nachdem sie ihrem Gatten einen angenehmen Abend gewünscht hatten, zurück – mit der gebotenen Höflichkeit. „Mein Haus ist wirklich von den Göttern gesegnet“, sagte sich der Richter und lächelte zufrieden. Alles erschien ihm in diesem Augenblick vorbildlich: Er hatte verständnisvolle, bereitwillig mitarbeitende und hilfreiche Gattinnen, diskrete und folgsame Sprösslinge und einen treuen Freund, dessen Anwesenheit sicherlich höchst unterhaltsam sein würde. Zweifellos würden sie stundenlang in Erinnerungen an ihre Jugendjahre schwelgen, begleitet von köstlichen Speisen und den edelsten Weinen, die der Küchenmeister zu bieten hatte.

Di trat auf die Veranda seines Empfangszimmers hinaus. Auf beiden Seiten des Hofes waren Laternen angezündet worden, um der einbrechenden Dämmerung entgegenzuwirken. Eine kleine elegante Kutsche mit Vorhängen kam gerade zum Stehen. Die Diener beeilten sich, das Trittbrett auszuklappen, um dem einzigen Fahrgast einen bequemen Ausstieg zu ermöglichen. Ein kleiner Mann mit prallem Bauch stieg vorsichtig aus dem Gefährt und begab sich geradewegs zum Richter. Ein joviales Lächeln erhellte sein Gesicht, das ein dünner Backenbart zierte, obgleich eine tiefe Unmutsfalte augenscheinlich seine Stirn zeichnete.

„Ach, mein lieber, großer Bruder!“, rief Lo und breitete die Arme aus, um seinen alten Freund zu begrüßen, den er ohne zu zögern auf beide Wangen küsste. „Was für ein Vergnügen, sich an die Schulter eines Freundes lehnen zu können, wo doch die Welt um mich herum geradezu zusammenbricht! Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich diesen Abend mit Ihnen verbringen darf! Wir sehen uns ja viel zu selten. Unsere Treffen sind für mich immer eine Quelle der inneren Bereicherung. Man genießt bei Ihnen solche Ruhe, die für den Glückseligkeit suchenden Geist geradezu erfrischend ist!“

Nach dem Austausch der üblichen Höflichkeitsfloskeln begleitete ihn Di ins Innere des Yamens,[1] wo die Hausdiener damit beschäftigt waren, die Fackeln anzuzünden. „Ach“, rief der Reisende, „dies ist ein Haus, das Wohlbefinden und Frieden ausstrahlt! Bei mir zu Hause ist es mir nicht vergönnt, eine solche Harmonie zu genießen. Sie wissen gar nicht, was Sie für ein Glück haben, Di, denn Sie führen ein ruhiges Leben, das frei von sentimentalen Überraschungen ist, mit einem Wort – ein völlig gleichmäßiges Leben!“

Di dankte ihm für diese innigen Worte. Lo schien ihm heute außergewöhnlich überschwänglich, damit überspielte er wohl etwas. Der Richter verließ sich auf seinen Instinkt als Ermittler, angeregt durch das auffällige Verhalten seines Freundes, das gewisse Erinnerungen hervorrief. „Eine ungeschickte Person hat Ihrem zerbrechlichen Herzen Schmerz bereitet, nicht wahr?“, fragte er.

Los Gesichtszüge verzerrten sich auf einmal, und er lehnte sich an besagte freundschaftliche Schulter: „Frauen sind grausam“, stöhnte der beleibte Mann, während seine feuchten Augen drohten, dicke Tränen direkt auf das schöne seidene Gewand Dis zu vergießen.

Letzterer vernahm ein Kichern hinter einem Vorhang. Er überließ den Besucher seinem Selbstmitleid und entdeckte, dass seine drei Gemahlinnen den Neuankömmling durch einen Schlitz im Türvorhang beobachteten. Er wusste nicht, ob es ihn mehr irritierte, dass man hinter ihm her spionierte oder festzustellen, dass sie sich erlaubten, über das Leid ihres Gastes zu spotten. Di trat in den Alkoven und runzelte die Stirn.

„Der edle Richter Lo ist ein Gelehrter von großer Welterfahrung, ein zartbesaiteter Mensch, den nichts und niemand kränken darf“, raunte er.

Dis Dritte Dame reichte ihm ein Tablett, auf dem einige Fläschchen mit Spirituosen und kleine Trinkschalen aus feinem Porzellan standen.

„Hier ist etwas, was ihn wieder aufmuntern wird, denke ich“, sagte sie. „Versuchen Sie, ihm klarzumachen, dass nicht alle Frauen grausame Hexen sind. Anständige Damen geben sich dieser Art von Zeitvertreib nicht hin, und ihr exklusiver Umgang ermöglicht es ihnen, Fehltritte zu vermeiden. Der Kummer der Männer wird in erster Linie durch ihre eigenen Schwächen hervorgerufen.“

Ihr Gatte nahm das Tablett und kehrte zu seinem Besucher zurück, der sich mit der Rückseite seiner langen, bestickten Ärmel die Augen rieb. Bestrebt, das Gespräch auf weniger schmerzhafte Themen zu lenken, fragte ihn Di nach seiner Reise zur Präfektur. Lo ließ wieder von der Handvoll salziger Mandeln ab, die er eben ergriffen hatte, und machte die Geste des Politikers, der überwältigt war von Aufgaben, die man aufgrund ihrer Bedeutung nicht einfach an weniger erfahrene Untergebene delegieren konnte.

„Oh, es handelt sich um eine recht langwierige Konferenz, die dennoch von großem strategischem Interesse für unsere Gegend ist. Der Präfekt hat mich aufgefordert, mit meinem Wissen die Emissäre der Regierung über die politische Situation unserer Region aufzuklären. Was soll man machen! Man muss seinen Pflichten nachkommen, nicht wahr? Ich bin mir sicher, dass auch Sie eines Tages gebeten werden, Vorschläge zur Art und Weise kriminologischer Ermittlungen zu machen. Wie es aussieht, haben Sie sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht.“

Di nickte vage. Er hatte zum Glück seinerseits bereits Auskünfte eingeholt. Einer seiner Angestellten hatte ihm verraten, dass der Präfekt einige Beamte auf der Durchreise aus der Großstadt empfangen hatte – alte Freunde – und Lo war eingeladen worden, diese dank seiner dichterischen Begabung, seines großen Humors und in seiner Eigenschaft als unersättlicher Gast, zu unterhalten. Di warf einen kritischen Blick auf den dicken, schlaffen Lebemann vor sich, der den strategischen Experten für Lokalpolitik spielte. In welchem Zustand würde er selbst diese Arbeitssitzungen wohl verlassen, bei denen mit Sicherheit mehr Wein floss als ernsthafte Vorschläge gemacht wurden? Zweifellos weniger erschöpft von geistiger Anstrengung als von der Maßlosigkeit.

Während Di es unterlassen hatte, seine Schale ein zweites Mal zu füllen, bediente sich Lo ausgiebig. Er schüttete das alkoholische Getränk in sich hinein wie reines Wasser.

„Sie haben also“, erwiderte der Herr des Hauses, dem es immer noch lieber war, die verletzten Gefühlen seines Gastes zur Sprache zu bringen als zuzuhören, wie dieser sich weiter über seine eingebildete Wichtigkeit ausließ, „erst vor Kurzem die Unbeständigkeit des schönen Geschlechts beklagen müssen?“

Lo hielt ihm einen kleinen Vortrag über die Feinfühligkeit der Damen und die gefährlichen Klippen, die ein Mann von Geschmack umschiffen müsse, um ihre Reize genießen zu können. Di horchte auf: Die Damen, von denen Lo sprach, gehörten – wie er vermutete – nicht der besseren Gesellschaft an. Dann trat eine belastende Stille ein.

„Gehen wir ins Bordell!“, rief plötzlich der hervorragende Gelehrte und Liebhaber der schönen Dinge.

Di schrak zusammen.

„Ich hatte es vergessen“, sagte er seufzend. „Ich hatte vergessen, dass man immer auf Sie zählen kann, um unsere Sorgen auf ein Niveau großer literarischer Reinheit zu heben.“

Die Erinnerung an ihr früheres Leben als junge Assessoren am Gerichtshof der Metropole stand plötzlich überdeutlich vor seinen Augen: Es waren kurioserweise vor allem die Nächte mit Trinkgelagen, gefolgt von migränegeplagten Morgenstunden, die ihm dabei einfielen – statt der Sitzungen voller anspruchsvoller poetischer Wortgefechte, mit denen er gern die Erinnerung an seine Lehrjahre ausschmückte.

„Man muss sich auch mal fallen lassen, um später in himmlische Sphären aufsteigen zu können“, fügte Lo hinzu und leerte dabei eine dritte Schale Reiswein, wahrscheinlich in der Absicht, sich für das, was folgen sollte, in Form zu bringen. Di überlegte schnell, wie er sich dieser lästigen Pflicht entziehen konnte. Folgte er seinem Freund in die Spelunken seiner schönen Stadt, so konnten sie sich dabei zwar vorzüglich amüsieren, doch gab es eine moralische und intellektuelle Lässigkeit, die ihn abstieß. Di war von Kopf bis Fuß streng konfuzianisch. Der Verlust seines vollen Bewusstseins aufgrund von unmäßigem Alkoholkonsum und dem Umgang mit leichten Frauen vertrug sich nicht mit seinen Vorstellungen von Ethik.

„Ich würde Sie gern zufriedenstellen“, antwortete er daher im Ton eines Händlers, der bedauert, dass er das gewünschte Modell nicht mehr in seinem Laden hat, „aber ich fürchte, dass mein bescheidener Bezirk über kein Etablissement verfügt, das Ihren Wünschen entsprechen könnte. Ich meine, jedenfalls über keines, das Ihrer Person würdig wäre.“

Lo beugte sich vor, um ihm einen liebevollen Klaps auf den Rücken zu verpassen. „Los, gehen wir, Di, Adressen werde ich Ihnen nennen. Muss ich Ihnen Tipps für Ihren Beruf als Richter geben, der alles kennen und sich in jeder Situation zu helfen wissen muss? Auf jede Frage gibt es eine Antwort, jede Auskunft erfordert einen Informanten.“

Je mehr Lo ihn mit der entgegengesetzten Haltung zu seinem Ideal von Enthaltsamkeit lockte, umso mehr hatte Di den Eindruck, dass man es mit seinen gastgeberischen Pflichten auf die Spitze trieb.

„Ich sehe schon“, sagte er, „die Frauen haben Ihnen Leid zugefügt und Sie haben die Absicht, sich zu revanchieren.“

„Bisher hat sich noch keine über mich beklagt“, begehrte der Besucher auf.

„Sie hatten doch immer mit wahren Professionellen zu tun, nicht wahr?“, vermutete sein Kamerad aus der Zeit der Jugendsünden.

Sie begaben sich zu den Sänften. Als sie an dem Vorhang des Alkovens vorbeikamen, konnte Di es sich nicht verkneifen, einen Augenblick lang den Schlitz zu beobachten. Das Auge, das er flüchtig sah, schien ihn mit einem missbilligenden Blick zu erdolchen. Er ließ den Reisenden schon einmal in den Hof vorgehen und begab sich noch einmal in den angrenzenden Nebenraum des Empfangszimmers.

Seine Frauen hatten absolut verstanden, welchen Ort die beiden Männer aufsuchen wollten. Wie zu erwarten war, machte sich die Erste Dame zur Sprecherin ihrer gemeinsamen Bitterkeit.

„Ein feinsinniger Dichter ist das, sagten Sie? Ein Ästhet? Sie haben untertrieben! Seine Talente begeistern uns! Erzählen Sie uns doch noch etwas über seine exklusive Liebe zur Kunst!“

Di hatte das Bedürfnis, sich zu entschuldigen: „Was wollen Sie? Ich muss meinem Gast gegenüber großzügig sein, wenn er Aufmunterung braucht, und bin verpflichtet, ihn zu begleiten, wo immer er hin will. Das ist Bestandteil meiner Pflichten als Gastgeber. Wie könnte ich ihm einen seiner Wünsche abschlagen, ohne mein Gesicht zu verlieren?“

An ihrer Mimik erkannte er, dass man seine Entschuldigungen lediglich als scheinheiligen Vorwand auffasste.

„Wohingegen Sie so natürlich Ihr Gesicht wahren!“, erwiderte die Dritte Dame. „Sie ziehen es vor, uns zu demütigen, statt einen Fremden zu beleidigen.“

„Ja, ja“, fügte die Zweite Dame hinzu. „Gehen Sie und amüsieren Sie sich in den Armen frivoler Frauen, während wir uns um Ihr Haus und Ihre Kinder kümmern.“

Sie hatten leichtes Spiel, indem sie ihre Rollen als Hausfrauen und Mütter hervorhoben, da er ihnen ganz sicher nichts vorwerfen konnte. Ein Reflex verletzten Stolzes erwachte in ihm. Warum sollte er sich eigentlich nicht das Recht nehmen, eines der erstklassigen Etablissements aufzusuchen, wenn er Lust dazu verspürte? Wollten seine Gemahlinnen etwa alle Aspekte seines Intimlebens bestimmen? War es im Übrigen nicht seine Aufgabe, die verschiedensten Unternehmen seines Bezirks kennenzulernen, gleichgültig, um welchen Tätigkeitsbereich es sich handelte?

„Geben Sie sich wenigstens Mühe, uns keine minderwertige Konkubine nach Hause zu bringen, das ist das Einzige, worum wir Sie bitten“, sagte die Dritte Dame.

„Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie immer noch nicht von genügend Frauen umgeben sind“, ergänzte die Erste Dame, die ohnehin keine geringe Mühe hatte, die Anwesenheit zweier Nebenfrauen zu akzeptieren.

Damit zogen sie sich wie ein dreifaches Bildnis familiärer Tugend zurück, dessen Tempelpforte vor der Nase eines Gottlosen zugeschlagen wurde. Di fühlte sich eher aus seinem Haus verjagt als euphorisch, dass er sich nun ins Abenteuer stürzte. Er hatte immer weniger Lust, sich im Namen seiner einstigen studentischen Verbindungen in schlechte Gesellschaft zu begeben.

Im Hof war Lo gerade dabei, einem der Sänftenträger etwas ins Ohr zu flüstern. Der Mann befragte seine Kollegen, kehrte dann zurück und bedeutete dem Bezirksvorsteher, dass sein Wunsch erfüllt werden sollte. Bevor die Männer die Sänfte bestiegen, trug Di Sorge dafür, dass alle Hinweisschilder entfernt wurden, die seine Tätigkeit für das Gericht anzeigten, und untersagte, dass man die Beleuchtung anzündete. In ihrer getarnten Sänfte schlichen sie bei erloschenen Laternen bald darauf wie Diebe durch die Straßen – in Richtung des Weidenviertels.

***

[1]Gerichtsgebäude

II

Richter Di entdeckt einen Ort unerwarteter Freuden und entgeht wie durch ein Wunder einem unangenehmen Übergriff.

Die Sänftenträger brachten sie wie vereinbart in das Gewirr der niedrigen Häuser, die man entlang des Flusses gebaut hatte. Das Gebiet verdankte seinen Namen den Weiden, die in der Nähe des Wassers wuchsen und somit die symbolträchtige Bezeichnung für Orte sinnlicher Genüsse lieferten. Sie gingen an einer langen Mauer entlang bis zu einem Portal, vor dem ein Mann saß, der sich sogleich erhob, als er ihre Sänfte erblickte. Der Mann sperrte das Tor weit auf, und die Sänfte gelangte in den Innenbereich. Als er hörte, wie die Flügel des Tores wieder geschlossen wurden, zog Di den Vorhang beiseite. Er sah, dass sie sich auf einer prunkvollen Allee befanden, deren Laub Besucher, die bis hierher vorgedrungen waren, vor neugierigen Blicken schützte, selbst dann wenn das Tor weit offen stand.

Auf diese Weise war Diskretion für diejenigen garantiert, die wünschten, dass man ihre Anwesenheit vertraulich behandelte, auch wenn die Schande, diese Art Ort aufzusuchen, eine sehr geringe war. Es ging eher darum, eventuell besorgte Studenten zu beruhigen, dass ihre Eltern nichts davon erfuhren, wie die Sprösslinge den Unterhalt verwendeten, der eigentlich für die Vorbereitung von Prüfungen bestimmt war, oder Familienvätern beizustehen, die bestrebt waren, in der Öffentlichkeit den leichter zu tragenden Ruf frommer Enthaltsamkeit zu bewahren.

Die Besuche im Weidenviertel durften dem gewöhnlichen – oder vermeintlichen – Lebensstil jener Personen nicht widersprechen, die sich diese Entspannung erlaubten, auch wenn sie in den Köpfen der meisten Menschen als harmlos und natürlich galt. Obgleich die Unzucht an sich zwar nicht verachtungswürdig war, sollte sie doch nur in maßvollem Umfang und in angemessenen Abständen praktiziert werden.

Die Sorge um Diskretion, die von diesem Garten von Anfang an ausging, warf einen Schatten auf diese Art von Etablissement. Ein angesehenes Haus hätte es nicht nötig gehabt, die Anonymität seiner Besucher zu schützen. Man musste sich nicht schämen, wenn man die Dienste von Luxuskurtisanen in Anspruch nahm, die mit ihren Talenten als Hostessen vor allem bei Banketten die Kunden aus guter Gesellschaft verwöhnten. Dies war Teil des Lebensstils vornehmer Bürger, die Freunde oder Geschäftskollegen zu feinen Mahlzeiten einluden. Das galt natürlich nicht für Orte, an denen die niedrige Prostitution ausgeübt wurde; diese verleiteten viel mehr zur Vorsicht.

Die Sänftenträger durchliefen die Allee, bis sie zum Hauptgebäude gelangten, das intensiv von roten Laternen beleuchtet war, und stellten ihre Last am Fuße der Freitreppe ab. Einige Diener eilten die Stufen hinunter und verbeugten sich vor den beiden Bezirksvorstehern, als diese ausstiegen.

Lo musterte die Hausfassade mit dem Auge eines Sachverständigen. „Nun, hier haben wir ein Dekor, das mir ein gutes Omen zu sein scheint!“, erklärte er mit einer Stimme, die nicht mehr die geringste Spur von Traurigkeit verriet.

Dis Vermutungen bezüglich der Art des Geschäfts wurden bestätigt, als er sah, wie sich eine Dame reiferen Alters näherte, die übermäßig geschminkt war. Es war die Betreiberin des Etablissements.

„Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie sehr es mich freut, dass Eure Exzellenz uns mit einem Besuch beehren!“, säuselte sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, nachdem sie sich verbeugt hatte.

„Kennen Sie mich denn?“, fragte Richter Di bedauernd, denn damit konnte er seine Hoffnung begraben, inkognito zu bleiben.

„Wer kennt nicht unseren hervorragenden Bezirksvorsteher, der für die Weitsicht seiner Entscheidungen berühmt ist? Auch ich gehe sooft wie möglich zu den großen Prozessen, um zu sehen, wie Sie die Strolche verurteilen, deren Untaten unsere schöne Stadt in Empörung versetzen. Wir haben uns schon gefragt, wann Eure Exzellenz erscheinen würde, um sich persönlich von der Qualität unserer Dienstleistungen zu überzeugen. Wir fühlen uns außerordentlich geehrt, dass dieser besondere Tag endlich gekommen ist.“

Di wies auf die Person, der diese Dame das Glück seines Besuches zu verdanken hatte, und stellte ihr seinen Begleiter, den ehrenwerten Bezirksvorsteher Lo Kuan-chong vor, der zu Besuch bei ihm weilte.

„Noch eine Exzellenz!“, rief die Dame prompt und steigerte dabei ihren Ausdruck von Freude zum absoluten Höhepunkt. „Unser Haus ist heute Nacht wirklich von den Göttern gesegnet! Schon morgen früh werden wir den Tempel aufsuchen, um dem Schutzgott unserer Zunft zu danken. Darf ich unsere erhabenen Besucher bitten, mir in den Salon zu folgen, der für den Empfang der Gäste von Rang reserviert ist?“

Während sie ihnen vorausging, setzte sie mit anhaltender Begeisterung ihre Prahlereien fort: „Seien Sie willkommen im Königreich der Frau, dem Garten der Köstlichkeiten, dem Paradies der Ästheten – ein Ort, an dem Sie heute Abend die allmächtigen Monarchen sind und wo jeder Wunsch Ihrer kühnsten Träume erfüllt wird!“

Sie ließ ihnen die Türen zu einem Salon öffnen, in dem man zur Dekoration vielerlei Sofas und niedrige Tischchen aufgestellt hatte. „Wenn Sie bitte mit Ihrem Allerwertesten auf diesem Kissen Platz nehmen würden, edler Herr Richter!“, sagte sie und wies auf einen Sitz.

Richter Di zog eine Augenbraue hoch und setzte sich mit seinem Allerwertesten auf das Polstermöbel, das man ihm zugewiesen hatte. Ihre Gastgeberin war eine redselige Frau, wie man sie selten sieht, die ihre Weiblichkeit bis zum Übermaß betonte und die jeden Gast behandelte, als kannte sie ihn schon ewig. Di überlegte, was er ihr Liebenswürdiges sagen konnte.

„Ich gratuliere Ihnen zur guten Führung Ihres Bordells“, sagte er und bemerkte zu spät, was für einen ungeheuerlichen Ausdruck er soeben gebraucht hatte.

Die Herrin des Freudenhauses täuschte sofort höflich Empörung vor. „Oh, was für ein schreckliches Wort! Dies ist nichts dergleichen, edler Herr!“

„Nun, ich dachte …“

„Ein schlimmer Junge sind Sie! Sie werden bei uns nichts als ehrbare, hilfsbereite, liebevolle und fürsorgliche junge Frauen antreffen! Übrigens werden Sie sie niemals über Geld sprechen hören. Ihre Bewunderer lassen ein kleines Geschenk für sie da, wenn sie das wünschen, das ist alles. Und es wäre natürlich unhöflich von uns, die Annahme zu verweigern. Geld ist hier nichts weiter als ein Detail; und von den Beziehungen, die sich zwischen unseren Schützlingen und ihren Freunden entwickeln und die nur sie etwas angehen, will ich nichts wissen. Ich weiß nur, dass sie alles tun, um sich liebenswürdig zu zeigen, und wir haben auch noch nie Beschwerden erhalten. Das genügt mir.“

Sie hatte ihr Prinzip verkündet und ließ nun ein paar freundliche junge Mädchen kommen. Der Abend nahm rasch einen angenehmen Verlauf, man begann mit einem Abendessen in galanter Gesellschaft. Das Etablissement gab sich zwar einen gehobenen Anschein, aber alle Anstrengungen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein Haus zweiter Klasse handelte, in das die Kunden kamen, um mit leichten Mädchen zu schlafen und nicht etwa wegen des reinen Vergnügens einer glänzenden Unterhaltung, wie das an Orten der Fall war, an denen die besseren Kreise verkehrten. Der Unterschied bestand aber vor allem in der Unterweisung der Mädchen. Es war schwierig, Frauen zu finden, die in der klassischen Dichtkunst bewandert waren, über tadellose Manieren verfügten und die komplizierten Künste des Gesangs, des Lautenspiels, des Tanzes und der diskreten Verführung beherrschten. Diese Art Mädchen waren die teuersten, denn sie hatten bereits ein Vermögen verschlungen, bis sie die entsprechende Ausbildung durchlaufen hatten und all diese Facetten zur Entfaltung gebracht waren. Es war ihre Anwesenheit, die den Unterschied zwischen einem erstklassigen Haus und sonstigen trivialen Einrichtungen ausmachte, in denen man sich lediglich der Befriedigung schmutziger Begierden widmete.

Angesichts des hohen Standes der beiden Gäste stellte man ihnen das Beste vor, was es in diesem Blumenpalais[2]gab: eine intelligente und zarte Frau,die ihre offensichtlichen Mängel auf dem Gebiet der literarischen Kenntnisse mit ihrem gezierten Benehmen zu verbergen suchte. Lo schien zu frohlocken, dieser Ort begeisterte ihn. Er küsste die Finger seiner Favoritin und meinte: „Eine Person wie Sie könnte durch einen Gelehrten wie mich bald zu einer der berühmtesten Kurtisanen der Hauptstadt werden!“

Di fragte sich, wie oft sein Gefährte ähnliche Vorschläge bereits anderen unglücklichen Bewohnerinnen dieser Art von Unterkünften gemacht hatte.

„Wir sollten ihren Sänftenträgern noch eine Belohnung geben“, flüsterte Lo seinem Kollegen ins Ohr. „Sie haben uns einen vorzüglichen Tipp gegeben. Wir hätten es nicht besser treffen können.“

Di kam zu dem Schluss, dass er dieses schändliche Festessen finanzieren sollte, denn die kleine Bemerkung hatte unweigerlich ihm gegolten. Er beschloss, es seinem Gericht als Geschäftsspesen in Rechnung zu stellen.

In den Augen seiner Diener verkörperte dieser Ort offensichtlich den Inbegriff eines piekfeinen Etablissements für wohlhabende Liebhaber, denn seine Männer hätten es sich zweifellos kaum leisten können. Was Lo betraf, so begriff Di, was dem Freund besonders gefiel: Er genoss wohl die lächerlichen Bemühungen, die man auf sich nahm, um ihn zu bezirzen, um ihm – dem erfolgreichen und kultivierten hohen kaiserlichen Beamten – würdig zu sein. Das unvermeidliche Scheitern dieses Vorgehens bereitete ihm intellektuelle Befriedigung, die zum größten Teil aus seinem völlig unangebrachten Stolz bestand.

Das Abendessen war nichts weiter als die Parodie eines feinen Soupers. Die Darbietungen der Tänzerinnen erwiesen sich als absolut lächerlich. Sie warfen die Arme in alle Richtungen und rollten mit den Augen, ganz nach dem Prinzip, dass der Gesichtsausdruck der Choreographie zu folgen habe; in diesem Fall verstärkte ihre Mimik nur noch den grotesken Effekt ihrer Körperdarbietung. Diese Damen wollten den raffinierten Charme der Kurtisanen nachahmen, da ihnen aber die entsprechenden Lehrmeister gefehlte hatten, fielen ihre linkischen Vorführungen unvermeidbar zur ihren Ungunsten ins Gewicht.

Di empfand Mitleid mit ihnen, denn sie wirkten lediglich vulgär. Lo hingegen amüsierte sich prächtig. Er feuerte sie an, indem er in die Hände klatschte, er lachte schallend über ihre Fehler und tat so, als habe er geistreiche Witze gehört. Wenn er aber nicht lachte, machte er sich über sie lustig, indem er ihr Unwissen zur Schau stellte.

Auch ihre Literaturkenntnisse waren katastrophal. Von erstklassigen Kurtisanen sagte man, dass sie geradezu besessen von der klassischen Literatur seien: Sie versuchten, eine größere Zahl von Versen der Salonpoesie auswendig zu lernen, die geeignet waren, bei entsprechenden Gelegenheiten zur Erbauung ihrer Kunden vorgetragen zu werden. Letztere ergänzten Zitate, jeder Einzelne tat sich durch Belesenheit hervor, und so verwandelte sich das Bankett in eine literarische Runde, die den Geist der Teilnehmer stimulierte, da sie Begeisterung und gegenseitige Wertschätzung auslöste.

Offensichtlich hatte die Bordellvorsteherin die Dienste eines unbedeutenden und zweifellos tief gesunkenen Lehrmeisters in Anspruch genommen, der diese Damen nur rudimentär mit der klassischen Kultur und einigen allgemein passenden Redewendungen vertraut gemacht hatte, wobei sie angewiesen worden waren, diese so oft wie möglich zu gebrauchen. Das sollte ihre Gespräche aufwerten und die Investitionskosten wieder einbringen. So beendete die Mutigste unter den Damen ihre Rede im Verlauf des Abendessens zwei- oder dreimal mit den Worten „… wie Liu Yiqing zu sagen pflegte“, was jedes Mal wie ein Haar in die Suppe passte. Liu Yiqing war ein berühmter Autor der vorherigen Dynastie gewesen. Alle Gelehrten hatten sein Werk Neuer Spiegel der Welt gelesen. Aber den beiden Bezirksvorstehern war es nicht geläufig, ihn bei allen möglichen Themen heranzuziehen – und zwar einzig deshalb, weil er wohl der einzige Schriftsteller war, den ihre Begleiterinnen kannten. Dieses Detail war auch Lo nicht entgangen und trug sehr zu seiner Erheiterung bei. Als die so genannte Seeschlange Liu Yiqing erstmals erwähnt wurde, wechselten die beiden Männer einen erstaunten Blick. Je öfter die Damen diesen Namen übrigens in ihren charmanten Mund nahmen, umso komischer wirkte das. Lo fügte nun noch seinerseits noch zu jedem Zitat ein „… wie Liu Yiqing zu sagen pflegte“ hinzu, was die Tischgäste begeisterte, denn sie waren entzückt zu sehen, dass er ihre Ausdrucksweise würdigte.

Statt die Pipa – eine viersaitige birnenförmige Laute – zu spielen, bedienten sich die Damen einer Hirtenflöte, eines weniger komplizierten Instruments. Das genügte bescheideneren Ansprüchen und war deshalb ergreifender. Nach einer Stunde verschiedenster Stücke aus allen möglichen Bereichen versuchte Di, diesen aufschlussreichen Abend zu beenden. Er wandte sich Lo zu und meinte: „Sie sind doch nun gewiss tief genug gefallen, um wieder in himmlische Sphären aufzusteigen, wie Sie sagten, lieber jüngerer Bruder?“

Anstelle einer Antwort fing Lo, der reichlich beschwipst und bestens gelaunt war, an auf seinem Kissen richtig in Gang zu kommen, und erklärte, dass es in der Tat an der Zeit sei, daran zu gehen, mit beiden Händen nach den himmlischen Sphären zu greifen, sobald sie in seine Nähe kämen. Die kleinen Damen mussten für seinen Appetit auf anatomische Rundungen herhalten, zur großen Verzweiflung seines Tischnachbars.

Lo fand, dass es angebracht sei, der Bordellherrin zu ihren Schützlingen zu gratulieren. Sie seien nämlich nicht zu vergleichen mit „gewissen eingebildeten Weibchen seines Bekanntenkreises, die nicht zögerten, ihrem giftigen Charme erlegene Verehrer leiden zu lassen. Wie Liu Yiqing zu sagen pflegte“, schloss er mit einem Augenzwinkern zu seinem Kameraden, der sich immer mehr genierte.

Di hatte seine Lippen reichlich mit zweitklassigem Reiswein angefeuchtet, den man ihm im Übermaß eingeschenkt hatte; er kam nicht umhin, mit einem gewissen Unbehagen aufzugeben. Dieses Gefühl war aus seinem Unmut entstanden, mitzuerleben, wie ein gelehrter Mensch, dessen intellektuelle Fähigkeiten er schätzte, junge Frauen schlecht behandelte, die gar nichts dafür konnten, ob es ihnen nun bewusst war oder nicht.

Die Bordellvorsteherin zog ihre bemalten Augenbrauen hoch und ahmte perfekt die Überraschung eines Komikers nach, der so tut, als entdecke er eine Melone unter seinem Hut, um die Kinder zum Lachen zu bringen: „Oh, haben ein paar böse Frauen es gewagt, Eure Exzellenz zu kränken? Das ist ja unvorstellbar! In was für einer Welt leben wir?“

Lo nickte eifrig bestätigend wie ein kleiner Junge, dem gemeine Spielkameraden die Murmeln geklaut hatten.

„Fräulein Früher Jasmin wird mit allen verfügbaren Mitteln Euer verletztes Herz versorgen“, versicherte die Inhaberin und wies auf ein junges Mädchen, das mit demütig gesenkten Augen und in der Art einer schüchternen Jungfrau in der Nähe der Tür stand.

„Ach, Sie verstehen es, in den Herzen der Männer zu lesen!“, rief Lo dankbar. „Sie sind eine gute Frau“, fügte er hinzu und sank vor ihrer Gastgeberin leicht in sich zusammen.

„Ja …“, sagte diese und versuchte, ihn wieder aufzurichten. „Nun, ich denke, dass Euch eine kleine Unterhaltung unter vier Augen mit meinem Lieblingsmädchen sehr guttun wird. Sie können ihr Eure Sorgen anvertrauen und sie wird Balsam auf Eure klaffenden Wunden träufeln.“

Lo verschwand im Flur hinter Früher Jasmin, die mit ihren seidenen Pantöffelchen vor ihm her trippelte. Die Bordellvorsteherin wandte sich an Di, und ihr Gesichtsausdruck änderte sich von dem einer mitfühlenden Mutter zu dem komplizenhaften einer Freundin und Vertrauten. „Irre ich mich, wenn ich annehme, dass Eure Exzellenz es vorziehen, den Abend mit einer Massage fortzusetzen, bevor Sie eine meiner Zöglinge näher kennenlernen?“

Di sagte sich, dass diese Geschäftsfrau bei Weitem nicht dumm war. Sie hatte erraten, dass er nicht annähernd so entspannt war, wie er es hätte sein sollen, und dass er nicht bereit war, unmittelbar mit einer Unbekannten ins Bett zu steigen.

„Meine Mädchen wurden von den besten Ärzten der Stadt ausgebildet. Sie kennen alle Punkte, an denen Empfindungen ausgelöst werden und verfügen über Mittel und Wege, die angestaute Spannung in Muskeln und Nerven abzubauen. Ich bin mir sicher, dass die Gemahlinnen Eurer Exzellenz von der hohen Kunst, die man hier praktiziert, nicht die geringste Ahnung haben.“

„Das hoffe ich sehr“, dachte Richter Di und bemühte sich, ein anerkennendes Lächeln zu zeigen.

*

Ein warmer Sommerregen fiel auf die Gärten, die das Freudenhaus umgaben. Sein weiches und regelmäßiges Plätschern hatte eine beruhigende Wirkung. Di, in Gesellschaft reizender junger Damen, die eifrig bemüht waren, ihm gefällig zu sein, überließ sich endlich ganz seinem Wohlbefinden. Man hatte ihn mit zarten Gesten seiner Oberkleidung entledigt und dann gebeten, sich auf eine Matte zu legen. Fürsorgliche Hände massierten ihn durch sein Wams und die lange Hose. Er fragte sich, aus welch merkwürdigem Grund er bislang nie diese Art von Dienstleistungen genutzt hatte, deren Reiz ihm jetzt geradezu altmodisch vorkam. Mit einem Mal ertönte ein schreckliches Krachen, dem der Lärm zerbrechenden Geschirrs folgte.

Die Masseusen erschraken, ihre scharfen Nägel bohrten sich in das Fleisch seines Rückens und seiner Beine, was ihm einen Schmerzensschrei entlockte. Jetzt wusste er, weshalb er nie in solche Häuser ging: Das Leid war nie weit entfernt vom Vergnügen, die Strafe folgte dem Vergehen auf dem Fuße. Es war nichts als Eigennutz, dies vergessen zu wollen. Eines der Mädchen ging, um zu erfahren, was da geschehen war. Ein Blitz, begleitet von einem plötzlichen Windstoß, hatte eine Dienerin so in Angst versetzt, dass sie eine Teekanne aus Keramik hatte fallen lassen.

Die Masseusen nahmen ihre Tätigkeit am Rücken des Richters wieder auf, bis schließlich die Bordellvorsteherin, die Organisatorin des Abends, zurückkehrte; die Zeit der Trägheit war vorbei.

„Nun, auf die Anstrengung sollte die Erholung folgen“, meinte sie. „Es sei denn, Sie bevorzugen es andersherum. Die Entscheidung liegt natürlich bei Eurer Exzellenz …“

Sie bat ihn, sich aus der Gruppe der Masseusen eine Partnerin zu wählen, und Di suchte sich diejenige aus, die ihm am harmlosesten erschien. Einen Augenblick später fand er sich, ob er es wollte oder nicht, allein mit einer Prostituierten wieder, die fest entschlossen war, ihre Charmeoffensive an ihm auszuprobieren.

„Bei allen Göttern des Himmels“, dachte er, „was würden meine drei Gemahlinnen sagen, wenn Sie mich in dieser Situation sehen könnten? Vor allem meine Dritte, die doch so empfindlich ist! Meine Erste hat zwar das am wenigsten zartbesaitete Herz, aber ihr würde es trotzdem am meisten missfallen.“ In jedem Fall würde es unmöglich sein, sie zu täuschen. Denn eines war klar: Sie wüssten sofort Bescheid, was vor sich gegangen war, sobald sie ihn sahen. Darauf würde eine langwierige Auseinandersetzung voll lästiger Klagen folgen. Dieser Gedanke tötete in ihm jegliche weitere Lust. Er flehte die Manen des Konfuzius an, ihm sowohl den Ehebruch als auch die Erniedrigung eines eventuellen Misserfolgs in Gegenwart des jungen Mädchens zu ersparen.

Letztere begann mit aufreizender Langsamkeit und mit äußerst sinnlichen Bewegungen ihre Kleider auszuziehen und tat so, als wolle sie ihn mit ihren üppig geschminkten Augen hypnotisieren. Di hatte gehört, wie die Vorsteherin ihr aufgetragen hatte, „Seine Exzellenz ganz besonders zu behandeln“, was in seinem Fall nicht besonders viel verlangt war. Sie entriss dem Richter die Kappe und warf diese mit großer Wucht in eine Ecke des Zimmers, was zweifellos jeden normalsterblichen Kunden erregt hätte, der an den Respekt und Gehorsam seiner Untergebenen gewöhnt war. Dann löste sie ihren Gürtel und öffnete ihr Kleid. Dabei wurden zwei Brüste sichtbar, welche Di unter anderen Umständen sehr bewundert hätte – wenn sie beispielsweise seiner letzten Gattin gehört hätten, die diesbezüglich nicht sonderlich ausgestattet war.

Di dachte nun nur noch darüber nach, wie er mit erhobenem Kopf aus diesem Schlamassel herauskommen konnte. Er war gerade im Begriff, die Dame zu bitten, ihre Bemühungen zu beenden – und er war sogar bereit, ihr Schweigen zu bezahlen, um zu vermeiden, dass in der Stadt über ihn Gerüchte von Impotenz oder Homosexualität laut würden – als ein noch schrecklicherer Schrei als der vorherige ertönte. Dies gehörte offenbar nicht zu den üblichen Gepflogenheiten des Hauses, denn seine Partnerin erstarrte, die Augen aufgerissen und die Ohren gespitzt, während sich auf ihrem Gesicht ein Ausdruck des Entsetzens ausbreitete. „Danke, allmächtiger Meister!“, dachte der Richter und bückte sich nach seiner Kappe, um nach der Ursache dieses vom Schicksal gesandten Lärms zu sehen.

Er durchquerte einen dunklen Gang, der mit dicken Wandteppichen behängt war, die wohl dazu bestimmt waren, die Geräusche der bacchischen Liebesspiele zu dämpfen. Jetzt wurden Türen geöffnet, und die besorgten Gesichter nachlässig gekleideter Frauen, die bemüht waren, ihre Blöße zu bedecken, wurden sichtbar. Als schließlich alle Türen bis auf eine einzige offen standen, nahm Di an, dass es diese gewesen sein musste, aus der jener Schrei gedrungen war. „Bei allen Göttern! Ich bin dabei, den Polizisten in einem Freudenhaus zu spielen!“, dachte der Richter und klopfte mehrmals leicht gegen die Türflügel. „Habe ich nun den Tiefpunkt meines Abgrundes erreicht oder gewinne ich vielmehr gerade meine Würde als hoher Beamter zurück?“

Zweifellos würde er innerhalb der kommenden Minuten eine Antwort auf diese Frage erhalten. Er klopfte lauter, doch nichts rührte sich. „Öffnen Sie, Ihr Bezirksvorsteher befiehlt es Ihnen!“, rief er. Zu spät wurde ihm klar, dass es so aussah, als führe er eine polizeiliche Razzia in einem schäbigen Laufhaus durch.

Zumindest die Bordellvorsteherin hatte diesen Eindruck, weshalb sie in Windeseile herbeigeilt kam und mit lauter Stimme rief: „Was geht hier vor sich, edler Herr Richter? Hat Zartes Veilchen bei der Arbeit versagt? Sollte sie sich irgendein unangemessenes Verhalten erlaubt haben? Ich werde sie bis aufs Blut auspeitschen lassen, das verspreche ich Ihnen. Gestatten Sie mir, Ihnen drei meiner jüngsten Mädchen zu schicken, um Sie für diese Enttäuschung zu entschädigen, selbstverständlich ohne Aufpreis. Ich bin mir sicher, dass ihre vielfältigen Reize Sie diese traurige Erfahrung vergessen lassen werden. Glauben Sie mir, diese Art Unfälle kommen bei uns sonst nie …“

Di gebot ihr schroff zu schweigen und erklärte, dass irgendjemand in diesem Zimmer einen entsetzlichen Schrei ausgestoßen und niemand auf sein wiederholtes Klopfen reagiert habe, was äußerst beunruhigend sei.

„Ich vermute, dass Schläge und Gebrüll nicht zum reichen Vergnügungsangebot Ihres Hauses gehören. Ich warne Sie: Sollte meinem Kollegen auch nur die geringste Unannehmlichkeit zugestoßen sein, so werde ich Sie für den entstandenen Schaden verantwortlich machen.“

In der Aufregung hatte aus ihm nun nicht mehr der Gast, sondern der Leiter des Yamens gesprochen, er hatte den Befehlston wiedergefunden. Ohne sich im Geringsten aus der Fassung bringen zu lassen, entgegnete die Besitzerin des Freudenhauses, dass sie stark bezweifle, Richter Lo könne etwas mit den Vorgängen in diesem Zimmer zu tun haben, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Dasjenige von Früher Jasmin befände sich am anderen Ende des Ganges. Di drehte sich um und sah tatsächlich im entsprechenden Türrahmen das hochrote Gesicht seines Freundes, der ihn mürrisch anstarrte.

„Sie haben wirklich eine seltsame Art, sich zu amüsieren, Di!“, rief sein Mitstreiter. „Können Sie sich nicht mit diesen jungen Frauen genauso vergnügen wie jeder andere auch, ohne sie dazu zu zwingen, unter Folter ihre noch so kleinen Sünden zu bekennen? Wir sind doch nicht vor Gericht, zum Teufel! Entspannen Sie sich! Sie haben morgen Gelegenheit zu foltern, in einer öffentlichen Sitzung. Am Ende haben Sie noch Ihre Kneifzange mitgebracht, meiner Treu!“

Nachdem Lo den armen Di mit solch abscheulichen Unterstellungen entsetzt hatte, schloss er die Tür mit unzufriedener Geste, ohne dem Freund Zeit zu geben zu erklären, dass er mit diesem Vorfall absolut nichts zu tun gehabt hatte und dass er Zartes Veilchen in Sicherheit und in einwandfreiem Zustand in einem ganz anderen Raum zurückgelassen hatte.

„Vielleicht wäre es sinnvoll, jene Tür zu öffnen?“, schlug die Inhaberin mit neutraler Stimme vor und wies auf die noch immer geschlossenen Flügel.

„Ja, gut“, antwortete Richter Di, „eins nach dem anderen.“

Er bat die Anwesenden, ihre entsprechenden Beschäftigungen wieder aufzunehmen, und als der Gang wieder leer war, drückte er auf den Türgriff, der ihm nicht den geringsten Widerstand leistete.

Er befand sich in einem Zimmer, das ganz ähnlich aussah wie jenes, in dem er kurz zuvor den Angeboten des Zarten Veilchens entronnen war. Alle vier Wände waren geschmückt mit Darstellungen von Frauen in lasziven Posen, ein riesiges Himmelbett nahm den Großteil des Raumes ein. Der wesentliche Unterschied war die Anwesenheit einer enthaupteten Leiche, die quer über dem Bett lag.

***

[2]Anm. des Übersetzers: So umschrieb man im Alten China das Freudenhaus

III

Di sieht sich zu einer Ermittlung veranlasst und erlebt eine schmähliche Rückkehr.

„Nanu, wo ist denn der Kopf?“, fragte sich der Richter mechanisch, als er das merkwürdige Bild betrachtete, das sich seinen Augen bot. Dabei ignorierte er die sprachlos gewordene Matrone, die gleichfalls mit runden Augen auf das traurige Szenario starrte; sie schlug sich die Hände vor den Mund, um einen Schrei zu ersticken. Di merkte, dass es doch noch Geschehnisse gab, die geeignet waren, ihn aus der Fassung zu bringen – und das, nachdem er so viele Jahre mit organisierter Prostitution zu tun gehabt hatte. Der immer in ihm schlummernde Ermittler erwachte. Sein erster Schritt war, die Blutspur zu verfolgen, die ihn zu dem offen stehenden Fenster führte.

„Der Täter ist durch den Garten geflohen. Haben Sie draußen irgendjemand postiert, der damit beauftragt ist, etwaige Herumtreiber zu verjagen oder aufdringliche Personen abzuweisen?“

Die Bordellherrin stammelte, dass sie einen Türsteher beschäftige, einen Mann, der auch ihnen geöffnet habe, der aber dafür da sei, Gäste zu empfangen und nicht, um Rundgänge zu machen. Ein Räuber hätte also ganz leicht über die Mauer klettern und in dieses Zimmer eindringen können. Die Frau bemerkte beiläufig, dass man heutzutage vor gar nichts mehr sicher sei, schwächte dies aber – damit es nicht gar klang wie eine Kritik –dadurch ab, dass sie noch ergänzte: „Trotz des außergewöhnlichen Scharfsinns unseres wohlwollenden Bezirksvorstehers“, der ihr ja direkt gegenüber stand. Doch man habe noch nie zur der Zeit, in der man Gäste empfing, einen Dieb überrascht. Bei dem ständigen Kommen und Gehen zwischen den Salons und Zimmern hätte sich ein Einbruch als ziemlich abenteuerliches Unternehmen erwiesen.

Die Betttücher waren zur Hälfte blutdurchtränkt. Am anderen Ende des Bettes – umgedreht auf den Kissen – lag auch noch der Körper einer kleinen, leblosen Frau, deren Kopf an der Wand lehnte. Di fragte seine Gastgeberin, um wen es sich handele.

„Das ist Pfirsichblüte, meine Jüngste, die gerade bei mir angefangen hat. Er hat sie mir umgebracht, der Elende! Ein Mädchen, das mich mehr als hundert Tael[3] gekostet hat!“

Di überließ sie ihrem Anfall von Mitleid und Menschlichkeit und ging den Puls der Jugendlichen fühlen. Der Körper war noch warm und wies anscheinend keine Verletzungen auf; der Busen, der übrigens sehr hübsch war, hob und senkte sich regelmäßig. Im Gegensatz dazu enthüllte der Hals ganz deutliche Spuren von Strangulation. Er versuchte, sie zu aufzuwecken, indem er ihre Wangen tätschelte.

„Bei allen Dämonen der Hölle!“, rief die Bordellinhaberin. „Ein schmutziges Verbrechen in einem solch angesehenen Haus wie dem unsrigen! Dieser Skandal wird dem guten Ruf unseres ehrenwerten Geschäfts schaden!“

Di vermutete, dass sie sich Gedanken machte, welche Vorteile sie für ihr Geschäft aus solchem Leumund ziehen konnte. Die junge Frau kam wieder zu sich. Sie öffnete die Augen und erblickte das bärtige, über sie gebeugte Gesicht des Bezirksvorstehers und stieß einen neuerlichen Schrei aus. Dann kroch sie zu ihrer Schutzherrin, die sich in der Nähe des Bettes befand, und umarmte sie, um das Gesicht in den Falten ihres Kleides zu vergraben. Die Vorsteherin streichelte ihr übers Haar und sprach mit sanfter Stimme, dass sie sich nicht zu fürchten brauche, denn der bewaffnete Arm der Justiz wache über sie – und zwar in Gestalt des Ersten Bezirksvorstehers der Stadt. Letzterer bat das Mädchen zu schildern, was sich zugetragen habe. Als Pfirsichblüte ihre Sprache wiedergefunden hatte, erklärte sie, dass in dem Zimmer plötzlich ein großer, starker Mann erschienen sei, während sie sich mit ihrem Kunden vergnügt habe. Dann habe er eben jenen vor ihren Augen geköpft. Sie habe einen entsetzlichen Schrei ausgestoßen und sei ohnmächtig geworden.

Di war perplex.

„Sie haben etwas vergessen, mein Kind. Wer hat versucht, Sie zu erdrosseln? Ist das vor oder nach der Enthauptung des Mannes passiert?“