Das Piraten U-Boot -  - E-Book

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Beschreibung

Nach dem Roman von Percy F. Westerman 'The Pirate Submarine', erschienen in London im Jahre 1927. Die Schrottpreise fallen, das Abwrackgeschäft lohnt sich nicht mehr, die Aktionäre sitzen einem im Nacken. Was also tun? Nun, wer U-Boote der englischen Marine zerlegt, kann sie ja auch wieder herrichten und damit als Pirat sein Geld verdienen. Das spannende Geschehen - unter und über Wasser oder auch an Land - wird immer wieder abwechslungsreich aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten beschrieben. Typisch englisch die Einstellung: Kein Verbrechen ist groß genug, solange alles sportlich abläuft und die anderen trifft.

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Seitenzahl: 362

Veröffentlichungsjahr: 2020

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INHALT

Ein Gaunerpaar

Die Piratenmannschaft mustert an

Die Alerte sticht in See

Die erste Beute

Das Zusammentreffen

Das Letzte von der Ibex

Die Kaperung der Cap Hoorn

Ein verschmähter Vorschlag

Ein Vorstoß in die Freiheit

Rohe Kraft

Der Kampf mit der Surcouf

Gejagt

Eine verwirrte Suchaktion

Ein Ausfall

Der Öltanker

Die blinden Passagiere

Der Wind dreht sich gegen Pengelly

Der Zerstörer und die Zerstörten

Zurückgerufen

Die Sache mit der Bronx City

Meuterei

Eine unnachgiebige Jagd

Cain übernimmt wieder das Kommando

Das Schicksal des U-Boots

Gerade als die Nachricht gesendet wurde, begann die Alerte zu sinken

1. Ein Gaunerpaar

»Das war's jetzt! Messingschrott ist um weitere dreißig Schilling die Tonne gefallen, Pengelly. Dieser Absturz hat dem Markt den Boden rausgehauen. Wir stecken im Schlamassel.«

Diese Worte sprach Tom Trevorrick, Senior Partner der Firma Trevorrick, Pengelly & Co., Schiffs-Abwracker in Polkyll, in der Nähe von Falmouth. Er war ein großgewachsener, kräftig gebauter Mann, der ohne Schuhe knapp 1,90 Meter groß war, rothaarig, rotgesichtig, mit einer hohen, fliehenden Stirn und einem weit vorstehenden Kinn. Seine volle, tiefe Stimme, hatte einen überzeugenden Klang – ein unwiderstehlicher, herrischer, dennoch überzeugender Ton, der dafür verantwortlich war, dass sich die Aktionäre von Trevorrick, Pengelly & Co. von ihrem Geld trennten, mit dem absoluten Glauben an eine Dividende von zehn Prozent.

Paul Pengelly war dreiunddreißig oder drei Jahre älter als sein Partner und unterschiedlich in Körperbau und Temperament. Trevorrick repräsentierte die keltische Rasse der Männer aus Cornwall; Pengelly hatte dunkles, lockiges Haar und blassgelbliche Gesichtszüge – Vermächtnis eines iberischen Vorfahren, einer aus der Handvoll von Überlebenden eines Schiffes der Spanischen Armada, das ans Ufer der felsigen Lizard Halbinsel in Cornwall geworfen wurde. Wir erfahren in der Geschichte nichts darüber, warum die Strandräuber in Cornwall das Leben der olivfarbenen Seeleute verschont hatten, aber es gibt Berichte, die besagen, dass die schiffbrüchigen Spanier sich Frauen unter den Mädchen von Cornwall genommen hatten und dort in dem Land ihrer Aufnahme lebten und gestorben sind.

Pengelly sprach mit Bedacht, er war phlegmatisch in seinem Handeln, ausgenommen, wenn er zornig wurde. Als diskussionsfreudige Person war er der Gegenpart zur Überschwänglichkeit seines Partners. Wenn Trevorrick eine bestimmte Richtung vorschlug, wandte sich Pengelly fast immer dagegen, nicht, dass er etwas gegen den Vorschlag hatte, sondern rein aus Gewohnheit. Er war verschwiegen und vorsichtig, aber er zögerte niemals, etwas Ungesetzliches zu tun, wenn er sich ziemlich sicher sein konnte, nicht entdeckt zu werden.

Er war ein Mann mit vielen Begabungen – ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, beherrschte aber nur wenig richtig. Wenn man ihn hätte Luftschlösser bauen lassen, würde er zu schwindelerregenden Höhen emporsteigen bei der Planung fantastischer Ideen. Manche davon könnten Wirklichkeit werden; aber dann, fast ohne Vorwarnung, verwarf er alles wieder und hatte neue Pläne.

Achtzehn Monate zuvor hatten sich Trevorrick und Pengelly zum ersten Mal getroffen. Trevorrick hatte gerade die Königliche Marine verlassen. Er war Korvettenkapitän bei der U-Boot-Flotte in Portsmouth und ist dort nicht unter den positiven Bedingungen ausgeschieden, wie sie von den Lords den nicht mehr gebrauchten Offizieren gewährt werden; er wurde unter dem 'Geddes* Plan 'geschasst'. Er stand vor einem Kriegsgericht und wurde aus den Diensten entlassen, wegen Dingen, für die es keine mildernden Umstände gibt.

[* Sir Eric Geddes, Erster Lord der Admiralität, der in der Britischen Marine aufgeräumt hat].

Trevorrick war orientierungslos, als er Pengelly kennengelernt hatte. Er verfügte nur über beschränkte Geldmittel. So war es aber auch mit Pengelly. Dessen neueste Geschäftsidee sprach den Ex-Korvettenkapitän an. Genau zu dieser Zeit wurden Hunderte von Schiffen aus dem Dienst genommen und zum Abwracken verkauft. Da war Geld herauszuholen, mit sehr wenig Kapital, das für einen Betrieb notwendig war, während überschüssige Zerstörer und Unterseeboote zu einem festen Preis von einem Pfund pro Tonne erworben werden konnten, unter der Bedingung, dass sie beseitigt werden.

Von den Hunderten, nein Tausenden von Menschen, denen die kleinen Dampfer gehören, die zwischen Falmouth und Turo – oder Malpas hin und her fuhren, würden nur wenige ein Flüsschen auf der Steuerbordseite des malerischen Flusses Fal bemerken. Noch weniger kennen es beim Namen – Polkyll Creek.

Sein Zugang ist eng – zwischen steil aufwärts führendem, dicht bewaldetem Grund. Obwohl es an seiner Mündung kaum fünfundzwanzig Yards breit ist, hat es doch bei Springfluten eine Wassertiefe von dreißig Fuß. Zweihundert Yards weiter oben erweitert sich das Flüsschen. Das eine Ufer behält seine steil abfallende, natürliche Umgebung, voll mit Bäumen. Das andere ist abgesenkt und bildet einen flachen Landgürtel zwischen sich und dem hohen Gelände dahinter.

Auf dieser Seite, versteckt durch eine Biegung im Verlauf des Flusses Fal, stand eine verlassene Werft. Vor einem Jahrhundert, als sich Falmouth auf der Höhe seiner Entwicklung als Hafenstadt für den Waren- und Postverkehr befand, war die Werft noch voller Aktivitäten. Sie genoss eine kurze und trügerische Lebensdauer während des Weltkriegs, bevor sie wieder in der Versenkung und Vernachlässigung verschwand. Die beiden dortigen Hellingen wurden dem Verfall überlassen, und zwei Gezeitendocks ließ man verschlammen. Die Gebäude waren baufällig und leck.

Das ganze Anwesen war nun in den Händen des Konkursverwalters.

Trevorrick und Pengelly kamen an diesen traumhaften Ort. Sie schauten sich um. Trevorrick verlor keine Zeit damit, zu sagen, dass das 'der' Ort sei; Pengelly behauptete, das sei nicht der Fall. Der große Mann bekam aber seinen Willen, und so wurde die Polkyll Creek Schiffs-Abwrackgesellschaft gegründet.

Sie starteten bescheiden in ihre Unternehmung. Der gewichtigste Gegenstand auf ihrer Anlage war ein Schneidbrenner. Zunächst wurden zehn Arbeiter beschäftigt. Pengelly wollte sie aus der Umgebung holen. Trevorrick, wie gewöhnlich, überstimmte ihn und inserierte deswegen in einer Zeitung in Plymouth, um Ex-Marineleute und welche von der Handelsflotte zu bekommen. Sie erhielten Berge von Antworten und hatten die Wahl, auch ohne Beiträge an die Gewerkschaft zu zahlen.

»Wir nehmen unverheiratete Männer«, erklärte der Seniorpartner Treverrick. »Die wollen nicht alle fünf Minuten nach Hause rennen.

»Verheiratete Männer bleiben eher bei ihrem Arbeitsplatz«, protestierte Pengelly.

»Niemand außer einem Idioten würde einen Job hinschmeißen«, gab Treverrick zurück. Davon gibt es nicht zu viele.«

In kürzester Zeit war die Schiffs-Abwrackgesellschaft aktiv. Ein Zerstörer und ein U-Boot wurden in Devenport gekauft und nach Falmouth und den Fal hinauf nach Polkyll geschleppt. Der Metallschrott wurde in Lastkähnen hoch nach Truro gebracht, und von dort mit dem Zug in die Waliser Schmelzöfen transportiert. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass drei weitere Schiffe zum Abwracken gekauft und zwanzig neue Arbeiter eingestellt wurden. Die Firma von Trevorrick und Pengelly wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Soweit gingen die Dinge glatt vonstatten. Die beiden Geschäftsführer kamen gut miteinander aus, was eher verwunderlich ist, weil Trevorrick immer sagte, dass er einen Haufen von Freunden gehabt hatte, aber keinen davon hatte halten können.

Kein Zweifel, die völlig entgegengesetzten physischen und mentalen Eigenschaften von beiden hielten sie in einem Zustand gegenseitiger Fügsamkeit; aber Pengelly wurde bereits der monotonen Arbeit müde und Treverrick plante, an einen belebteren Ort zu gehen, anstelle des weder tot noch lebendigen Polkyll Creek.

Dann, langsam aber stetig, kam der Absturz. Die Aktionäre hatten ihre ersten Dividenden erhalten – zehn Prozent – die sie aus dem vorhandenen Kapital bezahlen mussten. Eine weitere Dividende war in Kürze fällig, und es gab keine Möglichkeit, dass diese kommen würde, es sei denn, Trevorrick und Pengelly würden sie nunmehr aus ihrem eigenen Kapitalanteil nehmen – ein Schritt, von dem beide entschlossen waren, ihn nicht zu gehen.

»Stecken wir im Schlamassel?«, fragte Pengelly, als Antwort auf die pessimistische Erklärung seines Partners. »Was schlägst du vor?«

»Zusammenpacken und verschwinden«, antwortete der Seniorpartner. »Wir greifen uns alles Geld, das wir bekommen können, und machen uns rar.«

»Was ist mit den Aktionären?«, fragte Pengelly.

Trevorrick zuckte mit den Schultern.

»Aktionäre haben auch schon vor dem heutigen Tag Geld verloren«, bemerkte er. »Das ist deren Sache.«

»Das ist in Ordnung, was uns anbetrifft, wenn sie es gelassen nehmen«, entgegnete der andere. »Aber angenommen, sie tun das nicht? Was dann? Wir wären für keine vierundzwanzig Stunden sicher in diesem Land. Wir müssten unser Glück im Ausland suchen.«

Jetzt war Trevorrick an der Reihe Einwände zu erheben.

»Liebäugle nicht mit so einer Idee, besonders wenn ein Haftbefehl über unseren Köpfen schwebt. Burschen, die gefälschte Bilanzen veröffentlichen (Pengelly zuckte zusammen), bekommen ziemlich was ins Genick, wenn man sie erwischt. Ich habe keine Lust auf sieben Jahre hinter Gittern. Und da gibt es noch etwas. Wie lange könnte sich einer von uns im Ausland durchschlagen, mit dem Geld, das wir mitnehmen? Sechs Monate? Und danach – bah!«

»Was schlägst du dann vor?«

»Das hängt davon ab«, antwortete Trevorrick. »Fünfzigtausend für jeden von uns und ein gemütliches Versteck in einer der südamerikanischen Republiken.«

»Da gäbe es aber es einiges zu tun.«

»Das kann aber gemacht werden.«

»Wie?«

Die beiden Männer schauten sich an und versuchten, die Tiefe auszuloten, wie weit der andere bereit war, zu gehen.

»Wie?«, fragte Pengelly wieder. »Ein Bankraub zum Beispiel?«

»Versuchs noch mal.«

»Straßenraub vielleicht?«

»So etwas in dieser Art«, gab Trevorrick zu. »Statt Straße kannst du See sagen, und du hast es.«

»Piraterie, bei Gott!«, rief Pengelly heraus, mit einem Funkeln in seinen Augen. Das war ein Fall von 'die genetische Abstammung wird es zeigen'. Manch ein Pengelly war in vergangenen Zeiten schon unter dem Jolly Roger [die Seeräuberflagge] gesegelt, und mehr als einer von ihnen wurde zum öffentlichen Spektakel auf der Hinrichtungsplattform.

»Das ist komisch, verteufelt komisch«, fügte er nach einer Pause hinzu. »Ich habe selbst daran gedacht.«

»Ich sehne mich nach der Piratenflagge, mehr als man denken kann«, bemerkte Trevorrick grimmig.

»Es ist riskant.«

»Natürlich ist es das. So ist es mit allem, wenn man sich dabei auf dem falschen Weg befindet. Nimm einmal das Schiffs-Abwracken. Du könnest durch ein großes Stück einer Stahlplatte in zwei Hälften geteilt werden, oder du kannst es an der heißen Stelle der Schneidbrennerflamme erleben. Das ist gestern passiert.«

»Du – ich meine wir – würden wahrscheinlich innerhalb einer Woche geschnappt werden«, sagte Pengelly, und nahm seine alte Gewohnheit wieder an, Einwände zu erheben. Flugzeuge und Drahtlos-Telegrafie geben einem Burschen keine großen Chancen.«

»Nicht, wenn wir unsere Karten richtig ausspielen.«

»Ich kann nicht sehen, wie«, warf der kleine Mann verdrießlich ein. »Und wenn man und schnappt … «

Er vollendete den Satz durch eine Doppelgeste – eine kreisende Bewegung seiner rechten Hand in der Waagrechten, gefolgt von einer plötzlichen Aufwärtsbewegung.

»Besser als sieben Jahre im Knast«, sagte Trevorrick kaltschnäuzig. »Du benimmst dich aber schon wie ein Feigling.«

»Bist du dir sicher, dass du nicht nur Spaß machst?«, sagte Pengelly.

»Ich war niemals ernsthafter in meinem ganzen Leben«, sagte der Seniorpartner hastig, um ihn zu beruhigen.

»Die Kühnheit bei dieser Sache ist zu unseren Gunsten. Frag jeden See-Experten. Er wird dir sagen, dass Piraterie, ausgenommen im Roten Meer und in den chinesischen Gewässern, tot ist wie Königin Anne. Ich zeige den verdammten Experten, dass sie Unsinn reden.«

»Aber – «

»Fang nicht wieder mit deinem verfluchten 'aber' an«, rief Trevorrick aus, mit einem Anflug von Schärfe. »Du hast gesagt, dass du selbst an diese Sache gedacht hast. Wie weit bist du bei deinen Überlegungen gegangen, was die praktische Seite anbelangt? Ich kann mir das ziemlich genau denken. Du hast noch nicht einmal an der Oberfläche des Problems gekratzt. Ich habe das. Wirf mal einen Blick auf das hier.«

Trevorrick holte ein Blatt eines Notizbuchs aus seiner Hosentasche heraus. Darauf war das Folgende, in kleiner, sorgfältiger Schrift geschrieben:

1. Das Seefahrzeug

2. Mannschaft

3. Wartung

4. Aktionsradius

5. Verbindungen zum Land

»Nun«, fuhr Trevorrick forsch fort, »ich habe mich intensiv mit der Frage beschäftigt. Wir gehen das einzeln durch, dann können wir uns über Details unterhalten, aber denk dran, ich möchte konstruktive, nicht destruktive Kritik. Ich versuche hier, dich von einem 'Werde-schnell-reich-Plan' zu überzeugen. Das ist der Hauptgedanke. Es ist zu deinem Vorteil – und zu meinem.«

»Zuerst das Schiff. Ich schlage vor, das R 81 U-Boot zu nehmen.«

Das R 81 war der letzte Einkauf der Polkyll Creek Schiffs-Abwrackgesellschaft. Es wurde gerade vor zwei Tagen von Devonport hergeschleppt und bei dem Schlammdock neben dem sich schnell auflösenden Rumpf seines Schwester-U-Boots R 67 befestigt.

»Du meine Güte, Mann!«, unterbrach Pengelly, ohne Rücksicht auf die Vorwarnung des Seniorpartners. »Du kriegst sie niemals außerhalb des Hafens von Falmouth heraus.«

»Du denkst an den Inspektor der Admiralität«, erklärte Trevorrick, der absichtlich vermied, seinen Unmut über die Unterbrechung zu zeigen. »Er wird morgen oder am Freitag hier sein. Danach wird es drei Monate dauern, bis er sich hier wieder blicken lässt. Dann werde ich schon gut mit ihm zurechtkommen. Nein, ich werde ihm keine halbe Krone anbieten, damit er in die andere Richtung sieht. Aber es gibt nicht den geringsten Grund, warum wir ihn nicht täuschen können.«

»In dem Moment, wo er nach seinem nächsten Besuch gegangen ist, beginnen wir mit der Operation. R 81 wird versteckt, und R 67 wird stattdessen an seinen Liegeplatz gebracht. Er ist nicht nur ein glücklicher Zufall, dass wir noch nichts aus dem Rumpf von R 67 unterhalb der Wasserlinie herausgeschnitten haben. Wenn der Inspektor wiederkommt, wird er R 67 nicht mehr erkennen. R 67 bekommt die Nummer von R 81. Wir lassen dafür genug vom Rumpf übrig. An anderer Stelle wird das Piraten U-Boot dann schon fast fertig und vor den Augen der Offiziellen gut versteckt sein.«

»Trevorrick, ich habe immer gedacht, dass ich auf der Höhe der Vorstellungskraft wäre«, erklärte Pengelly.»Ich lasse dir aber den ersten Platz.«

»Vorstellungskraft ist wenig nützlich, es sei denn man setzt die Dinge auch um«, sagte der andere wieder. »Was ich vorschlage, kann getan werden: Mehr noch, es wird getan werden.«

»Aber – «

»Das ist wieder typisch für dich«, unterbrach Trevorrick nachsichtig. »Mach so weiter. Trage deine Widersprüche vor. Wir werden alles ausdiskutieren, während wir weitermachen. Was wolltest du gerade bemerken?«

»Nehmen wir einmal an, dass du 'Nosey Parker' [Umgangssprachlich: Einer mit neugierigem Blick] von der Admiralität übers Ohr haust, dessen Aufgabe es ist, zu sehen, dass wir uns an die vertraglichen Bedingungen halten«, sagte Pengelly. »Wenn du das U-Boot mehr oder weniger seetüchtig gemacht hast, dann musst du es an der Oberfläche den Fal hinunterbringen. Es gibt nicht genug Wasser, um unterzutauchen. Ob bei Tag oder bei Nacht, man wird dich entdecken, und dann werden Fragen gestellt werden.«

»Pengelly, dein Vorname sollte Thomas sein, der Ungläubige, nicht Paul«, bemerkte Trevorrick in einem scherzhaften Ton. Er konnte es sich leisten, witzig zu sein. Er kannte seinen Partner mittlerweile gut genug und hatte eines erkannt: Je größer die Einwände von Pengelly waren, umso bessere Chancen hatte er, Trevorrick, seine Absichten durchzubringen – wie es fast unweigerlich tat.

»Ich werde sie als Überwasserschiff aus Falmouth herausbringen. Ich fordere jeden heraus, der denkt, es wäre etwas anderes als ein altes Trampschiff, ohne das sie wirklich an Bord kommen würden, und ich habe nicht vor, dass sie das machen. Wir haben die Materialien. In zwei Monaten errichten wir eine Aufbautenstruktur, täuschen Masten und Schornsteine vor, und das war's. Was hast du dagegen vorzubringen?«

»Die ganzen Aufbauten«, erklärte Pengelly geradeheraus. Was schlägst du vor, zu machen, wenn es taucht? Das Ganze abwerfen? Wenn du das nicht machst, wird es unter Wasser umkippen. Und welche Geschwindigkeit glaubst du, unter Wasser machen zu können, wenn du sie nicht wieder in eine Schildkröte verwandelst?«

»Wenn die Aufbauten vernünftig konstruiert sind, wird es keinen Unterschied für seine Stabilität machen, wenn es untergetaucht ist«, antwortete der andere. »Alles, was getan werden muss, ist darauf zu achten, dass die Gesamtkonstruktion genauso viel wiegt, die das Wasser, das sie verdrängt – eine ziemlich einfache Geschichte wenn wir luftdichte Tanks einbauen und Kammern, die mit Kork gefüllt sind.«

»Die Geschwindigkeit unter Wasser zählt in unserem Falle nicht so sehr. Speicherbatterien sind selbst im besten Fall eher Unfug. Nein, ich denke daran, nur im Falle eines Angriffs unterzutauchen und unter Wasser zu bleiben. Es wird so gebaut sein, dass es mit einer ausreichenden Sicherheitsmarge eine Wassertiefe von fünfundzwanzig Klafter aushält.

»Und dann die Bewaffnung – Kanonen und Torpedos – fuhr Pengelly fort. »Das wird dich scheitern lassen.«

»Torpedos wachsen nicht an Brombeerhecken«, fuhr er fort, »und du kannst auch nicht mit einer Sechs-Zoll-Schnellfeuerkanone unter deinem Arm herumlaufen. Nehmen wir mal an, Elsewicks oder Vickers würden deine Bestellung für eine Schnellfeuerkanone annehmen, dann hast du gleich die Polizei am Hals, die wissen will, um was es bei deinem Spielchen geht.«

»Torpedos kommen nicht infrage, denke ich«, gab Trevorrick zu. Sein Mitgesellschafter grinste vor Zufriedenheit. Es war eine dieser seltenen Gelegenheiten, wo er mit seinen Einwänden einen Punkt erzielen konnte.

»Das ist sehr schade«, fuhr Trevorrick fort, besonders deshalb, weil sie die Abschussrohre drin gelassen haben. Es gibt nichts Besseres als so einen 'Blechfisch', um einen Streit zu beenden.«

»Kanonen – da gibt es keine Schwierigkeiten. Ich kann in Liegé eine 15.2 Zentimeter Schnellfeuerkanone auf dem neuesten technischen Stand kaufen – die ist praktisch genauso wie die Sechs-Zoll – und ich kann sie mir auf See außerhalb von holländischen oder belgischen Gewässern für wenig Geld übergeben lassen, mit so viel Munition, wie wir haben wollen. Du siehst, ich habe in dieser Richtung bereits Nachforschungen angestellt.«

»Nächster Punkt: die Mannschaft. Ich will das im Augenblick überspringen, lass mich dir aber sagen, es gab da Methode bei meiner angeblichenVerrücktheit, als ich so beharrlich bei der Auswahl unserer Arbeiter hier war.«

»Wartung – das kann man schnell vergessen. Wir helfen uns selbst und füllen unser Lager mit Käufen an Land auf.«

»Nun kommen wir zum Aktionsradius. Es gibt keinen Grund, uns sehr weit weg von zu Hause zu bewegen. Die Westküste von Europa zwischen Finisterre und Bergen bietet uns ausreichend Gelegenheiten für unser kleines Kunststück, es ist aber im Kanal, wo ich hoffe, Kapitän Cain spielen zu können.«

»Nein, rege dich nicht auf. Ich bin nicht auf britische Schiffe aus, es sei denn, ich bin dazu gezwungen.«

»Hisse die deutsche Fahne und erbeute ein französisches Schiff, hol dir ein deutsches und sag ihnen, dass wir Franzosen sind. Erzähle dem Holländer irgendeine Geschichte, während du seine Taschen durchstöberst. Bei meiner Seele, Mann, wird haben die Fünfzigtausend für jeden von uns schnell zusammen.«

»Das bringt mich zum letzten Punkt: Verbindungen zum Land. Wir müssen uns etwas für einen regnerischen Tag beiseitelegen, Pengelly – wir müssen einen guten Vorsprung haben, bevor es zu spät ist. Wir müssen mit leichtem Gepäck reisen. Wir können keinen Möbelwagen voller Beute mit uns rumschleppen. Wir müssen dafür sorgen, dass alles an Land und zu einem vertrauenswürdigen Agenten in Südamerika gebracht wird. Ich kenne mindestens ein halbes Dutzend davon.«

»Was ist mit der Mannschaft?«, fragte Pengelly. »Wir können uns nicht in irgendeinem Hafen sehen lassen, mit dreißig dieser Burschen an unseren Hacken kleben.«

»Dafür gibt es keinen Grund«, antwortete Trevorrick mit einem Grinsen. »Wir sind weder Sentimentalisten noch Menschenfreunde.«

2. Die Piratenmannschaft mustert an

Am nächsten Tag kam Mr Chamfer, der Inspektor der Admiralität.

Er war ein kleiner, schlanker Mann, der eine eigene Meinung von sich hatte, die total entgegengesetzt zu seiner Bedeutung stand. Dreißig Jahre im öffentlichen Dienst hatten ihn eine eingefahrene Spur gebracht. Es tat wenig zur Sache, wie er seine Aufgaben verrichtete, so lange wie er sie irgendwie durchführte; ein monatlicher Besuch bei der Zahlstelle der Schiffswerft von Devonport, um sein Gehalt abzuholen, war eine sichere Sache. Am Ende des Jahres wurde sein Gehalt mit einem festen Satz erhöht. Ob er das verdient hat oder nicht, ob er besser oder schlechter qualifiziert war als seine Mitstreiter, spielte überhaupt keine Rolle – die jährliche 'Gehaltserhöhung' kam mit zuverlässiger Sicherheit.

Mr Chamfer war auch ein fester Anhänger des Prinzips des geringsten Widerstands, was bedeutet, seine Routineverpflichtungen mit geringstem Aufwand hinter sich zu bringen. Vorausgesetzt, dass ihn die Eigner der verschiedenen Abwrack-Gesellschaften, mit denen er zu tun hatte, mit gebührlichem Respekt behandelten, konnten diese sich nicht über lästige Forderungen seitens des Inspektors der Admiralität beschweren.

»Ah, guten Morgen, Mr Trevorrick!«, rief er aus. »Ein wunderbarer Morgen. Die Geschäfte laufen gut, hoffe ich? Lassen Sie mich sehen: R 81 ist hier letzte Woche angekommen. Haben Sie schon bei ihm angefangen?«

»Nein, Sir«, antwortete Trevorrick mit einem Augenzwinkern. »Wir stellen zehn zusätzliche Arbeiter für diese Arbeit ein. Wenn Sie uns das nächste Mal besuchen, werden Sie feststellen, dass nicht mehr viel von ihm übrig ist.«

»Und R 67?«, fragte Mr Chamfer, und schaute dabei auf ein offizielles Dokument.

»Das ist praktisch vollkommen zerstört«, war die Antwort. »Wollen Sie es inspizieren?«

Der Inspektor warf einen flüchtigen Blick aus dem Fenster des Büros. Das infrage stehende Objekt lag achtzig Yards entfernt – das magere Skelett eines Mammuts, dessen Stahlrippen von einem Schwarm Arbeitern befallen ist und dem Betrachtenden den Eindruck vermittelte, sie wären Liliputaner, die auf Gullivers ruhender Gestalt herumkraxeln.

»Nein, danke, ich möchte sie nicht belästigen«, antwortete er hastig, als er etwas in Spalte sechs des offiziellen Dokuments niederschrieb: R 81 in Arbeit, R 67 praktisch zerstört. »Und wenn Sie es vorgeschlagen, nehme ich einen – nur ein Tröpfchen. Und Sodawasser bitte. Nun, Mr Trevorrick, auf ihre Gesundheit und Erfolg bei ihrer Arbeit.«

Zwei Minuten später fuhr das Auto von Mr Chamfer die Straße entlang nach Devonport. Es würde mindestens drei Monate dauern, bevor der Offizielle seinen nächsten Besuch macht, und vieles sollte am Polkyll Creek passieren, bevor die drei Monate um waren.

»Stell dir vor, dieser kleine Wurm kassiert so viel Gehalt wie ein gestandener Kapitän!«, bemerkte Trevorrick zu seinem Partner. »Du und ich müssen solche Nichtsnutze unterhalten. Gott sei Dank, dass das vorüber ist. Wir haben jetzt alle Männer zusammen.«

»Die Glocke auf dem Gelände gab ihre warnenden Töne ab, obwohl es noch eine halbe Stunde bis zum Schichtende war. Die dreißig Arbeiter von Trevorrick, Pengelly & Co. verließen ihre Plätze und marschierten zum Büro. Sie wunderten sich, ob die Glocke nur aus Versehen geläutet hatte oder ob etwas Ungewöhnliches vorlag. Es hatte Gerüchte gegeben, die von 'weiß Gott woher' kamen, dass der Betrieb schließen musste, und diese Aussicht, nur wenige Wochen vor dem Winter, war deprimierend.

Sie marschierten in das große Büro und fanden Mr Trevorrick, der fröhlich und selbstbeherrscht aussah. Bei ihm war Mr Pengelly, der finster dreinblickte und nervös mit einem Papierschneider herumspielte.

Trevorrick verlor keine Zeit mit langen Vorreden.

»Männer!«, begann er. »Die derzeitigen Bedingungen des Marktes für Metallschrott haben uns gezwungen, Vorbereitungen für das Schließen unserer Firma zu treffen. Wenn wir irgendwelche Anzeichen für eine Erholung in den nächsten drei oder vier Monaten hätten, würden wir weitermachen, aber die gibt es nicht.«

Er machte eine Pause und schaute schnell über die Gesichter der Männer hinweg. Es gab keinen Zweifel, dass sie niedergeschlagen waren. Er sah, dass er sie, bildlich gesprochen, in seiner hohlen Hand hielt.

»Jedoch«, fuhr er fort, »gibt es keinen Grund, warum die freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns als Arbeitgeber und den Arbeitern nicht erhalten bleiben sollten, aber lasst mich euch zugleich daran erinnern, dass freundschaftliche Beziehungen keine Mägen füllen.«

»Mr Pengelly und ich sind bemüht, dass wir unsere diesbezügliche Ernsthaftigkeit unter Beweis stellen. Es liegt an euch, ob ihr von unserem Angebot Gebrauch machen wollt.«

»Bevor ich mich intensiver mit der Sache befasse, kann ich euch versichern, dass es sich um eine regelmäßige Arbeit handelt, die genauso bezahlt wird, wie jetzt, mit dem Zusatz eines Bonus, was irgendetwas bis zu einhundert Pfund am Ende des ersten Arbeitsjahres sein wird.«

»Es könnte Unbequemlichkeiten geben, es ist gefährlich, obwohl es, unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen, keine Gefahr gibt, der man nicht aus dem Weg gehen kann.«

»Es gibt aber eine Forderung, die ich erheben muss – jeder Mann muss ein Versprechen striktester Geheimhaltung einhalten.«

Wieder machte er eine Pause. Die Männer bewegten sich unruhig. Einige im hinteren Teil des Raums flüsterten sich heiser etwas zu.

»Ist der Job sauber und ehrlich, Sir?«, fragte eine aufgeregte Stimme.

Trevorrick schaute dem Fragenden direkt ins Gesicht.

»Natürlich«, antwortete er.

Sein Tonfall klang überzeugend. Hätte er mehr gesagt, hätten die Männer 'den Braten gerochen'.

»Sehr gut, Sir, ich bin dabei«, gab der vorsichtig Fragende bekannt. Andere stießen hinzu und akzeptierten die ziemlich undeutliche Offerte.

»Jeder, der nicht unterschreiben will, kann gehen«, rief Trevorrick aus. »Ich werde ihm keine Vorwürfe machen, eine Arbeit nicht anzunehmen, von der er nichts weiß, aber da gibt es die Interessen von anderen Leuten, die geschützt werden müssen.«

»Was! Alle stimmen zu? Ausgezeichnet! Nun, Mr Pengelly, würden Sie bitte die Erklärung vorlesen, die jeder Mann unterschreiben muss?«

Das Dokument, das jeden Mann zur Verschwiegenheit verpflichtete, war geschickt formuliert, eingeschlossen die Zusicherung, dass jeder sich damit einverstanden erklärt, fristlos entlassen zu werden, für unzureichende Arbeitsleistung, schlechte Arbeitsausführung, Ungehorsam, Unruhe, Trunkenheit oder andere Vergehen oder Fehlverhalten im Sinne der Regelungen der Posidon Bergungsgesellschaft.«

»Das war's, Männer«, rief Trevorrick, nachdem er die letzte Unterschrift bekommen hatte. »Ich sage nun, was das für eine Arbeit ist – Bergung.«

»Ich möchte jetzt kurz etwas über die Geschichte der Posidon sagen.«

»Vor zehn oder zwölf Jahren – im Jahr 1916, um genau zu sein – wurde die Posidon, die auf dem Weg von Quebec zum Vereinigten Königreich war, mit einer Ladung, die hauptsächlich auf Kupfer- und Silberbarren bestand, von einem 'Hunnen' U-Boot [deutsch] torpediert, als sie sich sechs Meilen Süd-Süd-West vor der Lizard Halbinsel in Cornwall befand.«

»Es wurde der Versuch unternommen, sie bei Looe Bar an Land zu ziehen, aber sie kippte um und sank fünfzehn Klafter tief auf den Boden.«

»Nach dem Waffenstillstand im 1. Weltkrieg wurde versucht, die Ladung zu retten. Taucher gingen hinunter und fanden das Wrack auf der Seite liegend. Man hatte ein paar Kupferstangen gefunden, aber nicht einen einzigen Silberbarren. Diese Erkenntnis beendete sofort die Bergungsarbeiten.«

»Nun dann. Das ist, wo wir ins Spiel kommen.«

»Von einer höchst vertrauenswürdigen Quelle habe ich herausgefunden, was mit den Silberbarren passiert ist.«

»Die Posidon hatte sich umgedreht und ist gesunken, aber da gab es noch die Zeit dazwischen.«

»Sie ist für etwa eine halbe Stunde mit der Unterseite nach oben dahingetrieben. In dieser Position muss das Gewicht des Kupfers die Luken aufgedrückt haben, und fast alles wurde auf dem Meeresboden verstreut. Auch das Silber fiel durch die eingedrückten Seiten der Stahlkammer.«

»Als Folge dessen war das Schiff, als es endgültig sank, zweihundert Yards von dem Punkt entfernt, wo es seine kostbare Ladung verloren hatte.«

»Ist das soweit klar?«

Ein zustimmendes Gemurmel kam von den interessiert Zuhörenden.

Geschichten von gesunkenen Schätzen, die darauf warten, von einem regelrechten 'Tom Tiddler Boden'* aufgesammelt zu werden, sprechen die meisten Menschen an, und Trevorricks kecke, überzeugende Art, verfehlte nicht, Eindruck bei der einfach denkenden Zuhörerschaft zu machen.

[* aus einem alten Kinderspiel 'here I am on Tom Tiddlers ground, picking up gold and silver' (hier stehe ich auf dem Boden von Tom Tiddler und hebe Gold und Silber auf)]

»Sie wissen, dass es da ist, Sir?«, wollte einer der Arbeiter wissen, ein ehemaliger Marinetaucher.

»Natürlich, Hunt«, antwortete Trevorrick. »Ich habe es gesehen. Ich kann wohl keinen besseren Beweis als das bringen?«

»Gibt es irgendwelche Schwierigkeiten mit anderen Leuten, die auch dahinter her sind?«, fragte ein anderer.

»Die Admiralität, die das Schiff gechartert hatte, hat sie aufgegeben. Die Versicherungen haben es geregelt und als uneinbringlich abgeschrieben, obwohl es möglich wäre, dass sie einen Teil des Kuchens abhaben wollen. Das ist es, warum wir unsere Arbeiten geheim durchführen müssen.«

»Es ist alles korrekt, müsst ihr wissen. Wir betrügen niemanden. Ich habe mir juristischen Rat eingeholt, und mir wurde gesagt, dass wir das moralische, legale und jegliches uralte Recht haben, das zu behalten, was wir finden. Aber wir müssen uns vor anderen schützen, die sich an unseren Anspruch dranhängen wollen. Wie schützen wir uns? Das werde ich euch sagen.«

»Wie ihr wisst, ist der Inspektor der Admiralität gerade hier gewesen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, ihn auszuloten, und er hat mir versichert, dass es seinerseits keine Einwände gibt, das R 81 als Bergungsschiff einzusetzen. Wenn es mit Luftschleusen versehen wird, die es einem Taucher ermöglichen, rein und raus zu gehen, wann immer er will, ist sie bestens für den Job geeignet.«

»Die einzige Schwierigkeit ist, sie aus dem Hafen von Falmouth raus und wieder rein zu kriegen. Aufdringliche Wichtigtuer könnten an die Admiralität schreiben und fragen, warum es eingesetzt, anstatt zerlegt wird.«

»Ich habe das gegenüber Mr Chamfer erwähnt. Er war höchst sympathisch und gab den Tipp – gab den Tipp, stellt euch das vor – wenn R 81 ausreichend getarnt werden könnte, sollte es keine weiteren Schwierigkeiten geben. Und ich schlage vor, das mit eurer Hilfe zu tun.«

Die Begeisterung der Männer stieg rapide an. Pengelly schaute bewundernd auf seinen Partner. Da gab es überhaupt keinen Zweifel: Trevorrick hielt sie alle in seiner hohlen Hand.

»Es gibt keine Zeit zu verlieren«, fuhr der Organisator fort. »Wir beginnen heute Nachmittag … Macht weiter Männer. Barnard und Marchant, könnt ihr bitte noch bleiben?«

Die Arbeiter eilten glücklich aus dem Büro und ließen die beiden Vorarbeiter zurück, mit denen sich die beiden Geschäftsführer über bestimmte Einzelheiten in Verbindung mit der Ausstattung des U-Boots unterhielten.

Schließlich wurden Barnard und Marchant entlassen und Trevorrick und Pengelly waren alleine.

»Nun?«, fragte Ersterer plötzlich. »Was denkst du von der Geschichte, die ich ihnen vorgesponnen habe? Die hat sie überzeugt, nicht wahr?«

Pengelly nickte.

»Soweit ja, wie ich zugeben muss«, sagte er dann. »Aber – «

»Komm Mann, mach weiter, rede es dir von der Seele!«, forderte ihn der Seniorpartner auf, der nun in allerbester Laune war.

»Angenommen, wir kriegen das R 81 auf den Weg. Was schlägst du vor, um von Bergung auf Piraterie umzuschalten? Das wird einigen Aufwand erfordern.«

»Möglicherweise«, gab Trevorrick zu, »aber ich werde es schon hinkriegen. Warte ab und schau was passiert.«

»Nebenbei gesagt«, fuhr er fort und wechselte das Thema. »Was war das für eine Geschichte, die du mir über Chamfer erzählt hast? – etwas darüber, dass er zu einem Haufen Geld gekommen ist.«

»Ja, dieser glückliche Schurke«, antwortete Pengelly neidisch. »Irgendein fehlgeleiteter Verwandter hat sich vor ungefähr zwei Jahren vom Leben verabschiedet und ihm dreißigtausend Pfund hinterlassen.«

»Man sollte mich hängen, wenn ich mit so einer Summe nicht sofort meinen Job bei der Admiralität an den Nagel hängen würde«, bemerkte Trevorrick. »Selbst wenn er so ein sanftes Pöstchen hat, würde ich das Ganze in zwei Jahren auf den Kopf hauen. 'Leicht kommts rein, leicht gehts raus', ist mein Motto.«

»Er ist offensichtlich aus einem anderen Holz geschnitzt«, sagte Pengelly. »Aber warum fragst du?«

»Ich meine nur«, war die Antwort.

»Schau her, Pengelly, wir müssen den Aktionären Sand in die Augen streuen. Können wir noch mal fünf Prozent aufbringen?«

»Das wird unser eigenes Kapital angreifen«, sagte Pengelly.

»Das wird nötig sein«, entschied Trevorrick. »Wir verkünden eine Halbjahresdividende. Auf der Stärke dieser Aussage könnten wir für neues Kapital werben.«

»Und noch etwas: Du gehst besser schnell nach Penzanze in den nächsten Tagen und rufst nach deinem Kumpel, Port … wie war noch mal sein Name?«

»Porthoustoc – Silas Porthoustoc.«

»Genau, das ist der Bursche. Wir brauchen ihn und seinen Logger [Fischerboot]. Er ist zuverlässig, ja?«

»Er macht alles«, antwortete Pengelly. »Wenn er mitmacht, wäre er ein zweiter 'König von Preußen'*. Ein Nicken ist für ihn so gut wie ein Augenzwinkern – zu seinem Preis.« [* Spitzname von John Carter, ein berüchtigter Schmuggler aus Cornwall]

»Ich würde ihn nicht zu viel wissen lassen«, schlug Trevorrick vor, »zumindest nicht am Anfang. Wenn ich ihn genügend unter Kontrolle habe, kann ich einen Nackenhebel bei ihm ansetzen, in zweifacher Geschwindigkeit. Danach wird er es nicht wagen, seinen Mund zu öffnen – «

Pengelly schaute seinen Gefährten fragend an.

»Ich hoffe doch, dass du dieses Spiel nicht bei mir ausprobierst«, sagte er.

Trevorrick legte seine riesige Hand auf die Schulter seines Partners.

»Komm schon«, sagte er. Du kennst doch den Spruch 'Ehre unter Dieben'? Sind wir nicht eingeschworene Kameraden unter dem Jolly Roger [die Seeräuberflagge]?

Pengelly nickte.

»Ich möchte noch an ein anderes Sprichwort erinnern«, sprach er mehr zu sich selbst. »Wenn Diebe sich streiten' … Aber vielleicht sollte ich das besser nicht.«

3. Die Alerte sticht in See

Am selben Nachmittag, da es am Vortag einen Vollmond gab, war die Springflut um sechs Uhr am höchsten. Da die Bedingungen gut waren, wurde das R 81 in sein Versteck bewegt, während der Rumpf des R 67 an den verlassenen Liegeplatz des noch halb intakten Schwesterboots gebracht wurde.

Als sie noch als aktive Einheiten unter der Weißen Flagge [britische Seekriegsflagge] fuhren, hatten diese Boote eine Verdrängung von 420 Tonnen. Unter Wasser wurde diese Verdrängung um 80 Tonnen erhöht. Die Geschwindigkeit über Wasser war 15 Knoten, während es unter Wasser nur 9 waren. Der Antrieb bestand aus zwei Halbdieselmotoren für die Arbeit über Wasser; dreizehn Tonnen Dieselöl wurden dafür mitgenommen. Im Tauchzustand wurde diese Aufgabe von Elektromotoren übernommen, deren 'Saft' in einer Anzahl von Batterien gespeichert war, die regelmäßig nachgeladen werden mussten.

In seinem augenblicklichen Zustand hatte das R 81 noch seine Maschinen. Diese in Ordnung zu bringen war keine schwierige Angelegenheit. Die Batterien hatten sich aber schon so weit zersetzt, dass sie überwiegend unbrauchbar waren. Trevorrick beschloss, sie auszurangieren. Er hatte nicht die Absicht, mit dem R 81 unter Wasser zu fahren. Im Falle von Gefahr konnte er untertauchen und den 'schlafenden Hund' spielen, bis er es für vernünftig hielt, wieder an die Oberfläche zu kommen. Damit konnte er einen wichtigen Teil der Betriebskosten sparen.

In der Zwischenzeit hatte das Dröhnen der Schweißbrenner Platz gemacht für das Rattern der Niethämmer und Bohrer. Alle Arbeiter arbeiteten mit großem Schwung, ausgelöst durch die Hoffnung, dass sie an einem Gewinnverteilungsplan teilnehmen würden. Um sich gegen Eindringlinge abzuschirmen, wurden nachts Wachen aufgestellt, während eine Sperre aus Holzbalken über die Mündung des Polkyll Creek gelegt wurde. Darauf wurde ein Hinweisschild angebracht, mit dem Hinweis 'Dieser Fluss ist vorübergehend für den Schiffsverkehr geschlossen. Gefahr. Auf Anordnung'.

Auf wessen Anordnung stand nicht dabei.

Wenige Wasserfahrzeuge, andere als kleine Vergnügungsboote, kamen jemals in dieses abgeschiedene Hintergewässer, und die Saison für Picknick-Partys war schon vorbei.

Einige der Fischer hatten sich gegen die Verletzung ihrer Rechte gewehrt, aber eine vorausschauende Anschaffung von Bier hatte ihren Widerstand gegen die vorübergehende Schließung des Flüsschens schnell beseitigt.

Die Aufgabe, das U-Boot als ein Trampschiff zu verkleiden, ging schnell voran. Vertikale Träger, die auf dem runden Rumpf aufgenietet wurden, bildeten die Unterkonstruktion für die Seitenverkleidung. Man gab ihm ein erhöhtes Vorderdeck und Heck. Mittschiffs gab es, durch eine geniale Konstruktion, eine erhabene Struktur, die ohne große Mühe nach vorne oder nach hinten bewegt werden konnte.

Obenauf stand die Attrappe eines Kartenhauses mit einem dahinter stehenden Schornstein. Wenn man die Mittschiffs-Konstruktion veränderte, gab das U-Boot das Bild eines 'Drei-Insel-Schiffs' oder eines der Typen an der Küste ab, mit einem weit hinten liegenden Schornstein. Zusätzlich bekam es noch ein Paar stämmige Masten mit Ladebäumen, die so angebracht waren, dass sie bei Bedarf abgesenkt werden konnten.

An verschiedenen Stellen des Decks wurden Lüfterhauben angebracht, jede mit einer doppelten Grundplatte, damit das generelle Erscheinungsbild verändert werden konnte. Zwei Boote wurden von Kränen gehalten und mit Ventilen ausgestattet, damit sie leicht gefüllt oder wieder geleert werden konnten, wenn das U-Boot taucht oder wieder an die Oberfläche kommt, wie es gerade der Fall wäre.

Nach zwei Monaten, von dem Zeitpunkt an gerechnet, wo die Arbeiten begonnen wurden, wurde das R 81 in 'Alerte aus London' umbenannt, zu Wasser gebracht und in der Mitte des Polkyll Creek vertäut. Wenn es notwendig gewesen wäre, hätte man dessen Anwesenheit damit erklären können, dass man sagen würde, sie war gerade dabei, eine Ladung Metallschrott nach Cardiff zu bringen.

Auf kürzeste Distanz wäre es, selbst für das geschulteste Auge, fast unmöglich, die Attrappe zu erkennen, es sei denn, der Beobachter käme direkt an Bord. Mit ihren schwarzen Seiten, die mit Eisenrost durchzogen waren, ihren stämmigen Masten und falschem Schornstein mit schwarzer Spitze, war es wie viele Hunderte von Tampschiffen, die an der Küste entlang, von Thurso nach Penzanze und von Wick nach Falmouth, unterwegs waren.

Um die Täuschung zu vervollständigen, hatte Pengelly, der ein begabter Zeichner war, ein 'Registrierungs-Zertifikat' und andere, notwendige Schiffspapiere gefälscht. Noch war er nicht mit jedem dieser Exemplare zufrieden. Sechs verschiedene Sätze, jeder in einem anderen Namen, wurden angefertigt und an Bord platziert.

Zu einem frühen Zeitpunkt während der Geschehnisse war Pengelly rüber nach Penzance gefahren, um mit dem harten, alten Silas Porthoustoc zu sprechen und sich dessen Dienste zu versichern. Schon beim geringsten Hinweis, dass er für einen Beförderungsdienst gebraucht würde, begannen die Augen des Logger-Kapitäns zu glänzen.

»Was soll's denn sein, Master«, war seine Antwort. »Alkohol, Spitzenstoffe oder was sonst?«

»Nichts davon im Moment«, war die Antwort, »aber ziemlich heißes Schmuggelgut.«

»Je mehr, je besser«, grummelte Silas. »Wo soll's denn hingebracht werden?«

»Wie ist die Größe deines Laderaums?«, fragte Pengelly, ohne die Frage von Porthoustoc zu beantworten.

»Sagen wir mal zwölf Fuß auf sechs, da wäre man nahe dran.«

»Das ist die Ladeluke?«, fragte Pengelly.

»Ja, natürlich«, antwortete Silas. »Ich könnte auch einen Zwanzig-Fuß-Balken verstauen, wenn ich müsste.«

»Das ist gut genug«, stimmte Pengelly zu. »Hier sind deine Anweisungen: Drei Meilen Süd-Süd-Ost vom Noord Hinder Leuchtschiff, zwischen Mitternacht und der Morgendämmerung am 17.«

»Gut«, kicherte der alte Mann. »Dann ist es nach alledem also doch Schnaps?«

»So ähnlich«, sagte Pengelly. Du findest dort ein motorisiertes Frachtschiff, das auf dich wartet. Es zeigt jede halbe Stunde drei lange und drei kurze Lichtsignale, bis du ihm mit einem voraus vereinbarten Signal antwortest. Unser Rendezvous – «

»Unser was, Master?«, unterbrach Silas.

»Zusammentreffen«, erklärte der andere.

»Wir selbst werden zehn Meilen südwestlich von St. Alabans Head sein. Die Erkennungssignale sind die gleichen. Die Bezahlung ist fünfzig Pfund sofort und fünf Prozent auf alle folgenden Ladungen – und wir werden dich ziemlich beschäftigt halten. Es gibt auch kaum ein Risiko, wenn du deinen Job richtig machst.«

»Ich denke, ich kenne meinen Job recht gut«, kicherte Porthoustoc.

»Gut!«, rief Pengelly aus. »Wenn draußen viel los ist, dann fährst du besser zur Westerschelde. Du findest unsere Ladung dann vor Neuzen. Kennst du das?«

»Da würde ich mit verbundenen Augen hinfinden«, erklärte Silas. »Ich würde gern ein Pfund für jedes Fass haben, was ich dort aus dem Hafen herausgebracht habe. Die Fairy wird pünktlich dort sein, ob starker Wind, ob leichter Wind, Master.«

Nachdem er sich einen Verbündeten gesichert hatte, obwohl Silas Porthoustoc keinerlei Ahnung hatte, was sein Auftraggeber wirklich plante, kam Pengelly zum Polkyll Creek zurück und vermeldete den Erfolg.

»Wir werden am Sonntag die Anker lichten«, erklärte Trevorrick. »Das Schiff ist praktisch fertig. Wir haben heute Morgen die letzten wenigen Tonnen Öl aufgenommen. Die Männer sind voller Tatendrang und schuften wie die Neger. Pengelly, alter Kerl, ich denke, es wird einfach werden, wir dürfen nur keine Fehler machen.«

In seiner optimistischen Verfassung hockte sich Trevorrick auf die Ecke eines Schreibtisches und steckte sich eine Zigarette an. Von da, wo er saß, hatte er die Möglichkeit, zwei Dinge zu überblicken: Zum einen den kleinen Fluss, wo die Alerte bedächtig lag und mit Seilen festgezurrt war, zum anderen den engen Weg, der zu dem einzigen Eingang zur Werft von der Landseite her führte. Auf halber Strecke, den Weg hinunter, stand ein Lastwagen, der mit Metallabfall beladen war. Er stand den ganzen Monat dort – absichtlich – um mögliche Händler und andere Besucher davon abzuhalten, direkt zum Büro zu fahren.

Plötzlich ließ Trevorrick einen Fluch los.

Pengelly sprang auf seine Füße, nicht etwa, weil der Partner sonst keine starken Worte gebrauchen würde, sondern wegen der Heftigkeit seines spontanen Ausbruchs, der abrupt den begonnenen Worten der Selbstzufriedenheit folgte und ihn warnte, dass etwas Ungewöhnliches passiert war.

»Dieser Idiot!«, zischte Trevorrick.

Pengelly eilte ans Fenster. Ein Auto hielt vor dem Lastwagen, der im Weg stand, und von diesem weg, lief ein Mann, den Pengelly sofort als Chamfer erkannte.

Der Inspektor der Admiralität war vorbeigekommen, drei Wochen bevor man ihn erwartete.

»Dieser Bursche soll zur Hölle fahren!«, rief Pengelly aus. »Was können wir jetzt machen?«

Die wütende Verkrampfung, die Trevorrick im Gesicht hatte, war jetzt wieder verschwunden. Er lächelte grimmig.

»Mach dich rar«, ordnete er an. »Ich werde mich mit ihm beschäftigen.«

Pengelly kannte diesen Ton. Er ging.

»Bleib zur Verfügung, wenn ich dich rufe«, rief ihm sein Partner nach.

Alleingelassen brachte sich Trevorrick in Stellung, stand auf und erwartete den uneingeladenen Besucher.

Der kleine Mann kam schnell in das Büro hinein. Die beiden schüttelten sich die Hände – Trevorrick, kühl und gesammelt, stand gute sieben Zoll über dem selbstgefälligen kleinen Chamfer. Ein Falke, der vor einem Spatzen steht, wäre ein geeigneter Vergleich.

»Das ist ein unerwarteter Besuch, Mr Trevorrick«, begann der Inspektor. »Wir Offizielle lieben unsere kleinen Scherze, äh, nicht wahr? Wir lieben es, euch zu überraschen. Ha, ha, ha! Das ist aber nicht meine Schuld. Eine neue Anforderung der Admiralität – verdammt sollen sie sein! Ich muss einen Bericht einsenden über den Zustand der Dieselmotoren von R 81. Wenn sie verkauft wurden, muss ich den Namen und die Adresse des Käufers haben.«

Trevorrick realisierte, dass er ziemlich aufgeschmissen war. Er konnte weder die Maschinen vorweisen (es sei denn, er würde die ganze Vorstellung offenlegen, wenn er Chamfer mit an Bord der Alerte nimmt), noch konnte er sein Buch mit den Verkäufen zeigen, denn da gab es keinen Eintrag, dass die Maschinen verkauft worden ist.

»Das ist ziemlich ungewöhnlich, bemerkte er, um auf Zeit zu spielen, denn in seinem Kopf formte sich bereits ein Plan.

»Wir haben das R 81 mit allem Drum und Dran gekauft«, sagte er.

»Sie müssen sich aber daran erinnern, dass die Admiralität das unbestreitbare Recht hat, die Zerlegung dieses Seefahrzeugs zu überwachen«, sagte Chamfer, bis die endgültige Freistellungserklärung ausgestellt wurde.«

»Die Maschinen wurden entfernt«, sagte Trevorrick. »Nur eine Minute, dann komme ich mit dem Namen des Käufers.«

Er ging zu einem Tresor hinter seinem Schreibtisch. Mr Chamfer ging ans Fenster und schaute über das Flüsschen.

»Sie haben bei ihm wenig Zeit verschwendet«, bemerkte er, als Reaktion auf die wenigen Überbleibsel von R 81.

Danach wurden die Dinge ziemlich verschwommen, was den Inspektor der Admiralität anbelangte. Er wurde sich einer kräftigen Hand bewusst, die ich über sein Gesicht legte, und fühlte ein widerliches, stinkendes Etwas, das fest über seinen Mund und die Nase gedrückt wurde. Ein verzweifelter Versuch, zu atmen, ein wildes Aufbäumen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, dann wurde er besinnungslos.

»Pengelly«, rief sein Partner.

»Um Himmels willen, Mann!«, rief Pengelly aus, als er den Raum betrat und von Trevorricks Frechheit geschockt war. »Was hast du jetzt gemacht! Du hast alles verdorben.«

»Ich habe nichts verdorben, ausgenommen die Gedankengänge dieses Burschen«, gab Trevorrick eiskalt zurück. »Hier ist deine erste Beute. Dreißigtausend hast du gesagt – oder waren es fünfzig? Wir werden uns eine ordentliche Scheibe davon abschneiden, Pengelly.«

»Wir nehmen ihn mit an Bord. Es wird aber mit unseren bereits gemachten Vorkehrungen in Konflikt geraten, befürchte ich.«

»Was ist mit dem Chauffeur? Er wird misstrauisch werden.«

»Überlass ihn mir«, antwortete Trevorrick und nahm seinen Hut.

»Hab Acht, falls Chamfer sich aufsetzen und etwas zu sich nehmen will. Wenn er das tut, gib ihm mehr von diesem hier.« Er zeigte dabei auf eine Flasche, in der sich Chloroform und Äther befanden.

Pengelly nickte. Er war gerade dabei, seinen Partner zu fragen, wie er der Mannschaft die Anwesenheit von Chamfer erklären wollte, entschied sich aber anders.

In diesem Moment kam Trevorrick zurück und summte eines der neuesten Liedchen aus den Varieté-Theatern.

»Das war's«, bemerkte er. »Der Bursche ist davongefahren wie ein Lamm. Ich habe ihm eine Geschichte aufgetischt, dass sein Meister mit uns in der Barkasse nach Falmouth fährt und dass er ihn morgen oder vielleicht übermorgen, nach telefonischer Anweisung, in Penzance abholen soll.«