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Dr. med. Frank Rudak führt in Frankfurt ein beschauliches Leben. Eine gute Stellung, ein kleines Reihenhaus und nicht zuletzt seine rassige Frau Lydia lassen Frank zufrieden in seiner Welt leben. Wären da nicht der plötzliche Tod seines Vorgesetzten, sowie eine dubiose Mitteilung, die sein Weltbild zunehmend erschüttern. Der Traum von einer geregelten Zukunft in der Forschungsabteilung des Klinikums zerplatzt endgültig, als Dr. Frank Rudak zufällig von seiner bevorstehenden Liquidierung erfährt. Unablässig wird er stärker und stärker in die Machenschaften einer skrupellosen Organisation verstrickt. Mit seinem neu gewonnen Freund, dem niederländischen Commissaris Frederic Van Damperen, sucht er in England nach den Hintergründen der Bedrohung seines Lebens. Beide Männer müssen aber erneut nach Frankfurt zurückkehren, denn in geheimen Räumen des Klinikums sollen sich Unterlagen von enormer Wichtigkeit befinden. Es bleibt ihnen nur wenig Zeit, den Auftrag auszuführen ...
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Seitenzahl: 486
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Jürgen H. Ruhr
Das RFID Komplott
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
-
Prolog
1. Heile Welt
2. Die Beerdigung
3. Der Geldgeber
4. Die Briefmarke
5. Das Computerspiel
6. Die Nachricht
7. Amsterdam
8. Die Yacht
9. Unfälle
10. Freundschaft
11. Belauscht
12. Vorbereitungen
13. Einkaufsbummel
14. Liquidierung
15. Entkommen
16. Eine Seereise
17. Entführung
18. Die Organisation
19. Die Entscheidung
20. Der Plan
21. Training
22. In der Klinik
23. Rückreise
24. Das Angebot
Epilog
Über den Autor
Impressum neobooks
Das RFID Komplott
Thriller
© by Jürgen H. Ruhr
Mönchengladbach
ISBN: 978-3-7380-2040-3
2. überarbeitete Ausgabe
Die Personen dieser Geschichte
sind frei erfunden.
Bezüge zur Realität
wären rein zufällig!
Das Boot schaukelte ruhig auf den Wellen. Ringsherum nur Wasser. So wie er es liebte.
Auch wenn dies ‚nur‘ das Ijsselmeer war, hier ließ es sich wie auf hoher See fühlen.
Dr. med. Klaus Werner Schlenker seufzte und ließ seinen Blick noch einmal über die blaue See und den blauen Himmel schweifen. Dann kletterte er zurück in seine Kajüte.
Es war an der Zeit, Vorbereitungen zu treffen. Seine Ahnungen - nein nicht Ahnungen, sondern eher Beobachtungen – bestätigten ihm, dass seine Zeit ablief.
Vorsichtig rollte er die vorbereiteten Notizen zusammen und steckte sie in die kleine Filmdose. Es gab hier auf dem Schiff nur einen Ort, an der er sie würde verstecken können, wo diese wertvollen Informationen sicher wären.
Langsam öffnete er das Geheimfach.
Schon vor Tagen, direkt nachdem er seine ‚Schatten‘ bemerkte, entwickelte Dr. Schwenker den Plan weiter, den er schon vor einem Jahr in groben Umrissen entworfen hatte. Damals schwebte ihm noch nichts Genaues vor, doch nach dem Tod der jungen Kollegin spürte er, dass sich etwas ändern musste.
Es war nicht die unsägliche Technologie und deren Weiterentwicklung, die die Probleme aufwarf - nein, ganz bestimmt nicht. Es war der Mensch. Der Mensch mit seiner Gier, mit seinem Streben nach Macht.
Schwenker dachte an seinen anfänglichen Enthusiasmus. Sie hatten mit sogenannten RFID Chips experimentiert. RFID, die ‚Radio Frequency Identification‘ ermöglichte die rasche und einfache Identifizierung mittels eines Lesegerätes.
‚Ja‘, dachte Dr. Schwenker stolz, ‚und wir haben das System weiterentwickelt, bis zur Human RFID Anwendung.‘
Aber was dann schließlich daraus geworden war ...
Dr. Schwenker seufzte einmal mehr gequält auf. Kurz erinnerte er sich an seine Frau, die bei einem angeblichen Unfall gestorben war. Jetzt wusste er es besser. All die ‚Unfälle‘, die geschehen waren und noch geschahen. So hatte er sich das nicht vorgestellt.
Sorgfältig verschloss der Arzt das Geheimfach und überzeugte sich davon, dass man es auch bei genauerem Suchen nicht finden konnte. Dann kletterte er langsam wieder an Deck.
Der Tag neigte sich allmählich dem Ende zu und er wollte die verbliebene Zeit noch nutzen, um ein wenig zu segeln. Nur allzu bald wäre er wieder an Land.
Kurz erwog Dr. Schwenker vielleicht doch nach England zu segeln und von dort aus eventuell sogar ins Mittelmeer. Alles hinter sich lassen, die Verantwortung abstreifen und flüchten.
Dann aber schüttelte er den Kopf und verwarf den Gedanken. Noch galt es etwas zu tun und zu erreichen. Die verbleibende Zeit nutzen.
Zufällig fiel sein Blick auf ein Motorboot, das in rascher Fahrt dahin brauste. Nein, das war nicht seine Welt. Motorboote - pah. Er liebte das fast lautlose Dahingleiten auf den Wellen, nur das Platschen des Wassers und das Rauschen des Windes in den Ohren.
Aus zusammengekniffenen Augen beobachtete er das kleine Boot. Kam das etwa genau auf ihn zu?
„Hallo, Schatz. Ich bin zu Hause!“ Dr. Frank Rudak warf die Eingangstür des Reihenhauses mit Schwung hinter sich zu. Dann sah er sich suchend um. Nanu, sonst begrüßte ihn doch seine Frau immer schon in der Diele.
„Hallo, jemand da?“ - „Hier bin ich Schatz, im Schlafzimmer!“
Frank Rudak streifte schnell seine Schuhe ab. Das hörte sich vielversprechend an. Auch wenn sie schon zwei Jahre verheiratet waren, so freute er sich doch auf jeden Moment, den er mit seiner Frau zusammen verbringen konnte. Und wenn diese gemeinsame Zeit im Schlafzimmer stattfand ... Umso besser! Auf Socken stieg er die schmale Treppe zum Schlafzimmer im ersten Stock hoch.
„Hallo Lydia mein Schatz!“
Nackt saß sie vor dem großen Spiegel und kämmte sich ihr schwarzes Haar. Ihre Blicke trafen sich. „Frank, Liebster. Du bist früher da als sonst. Ist alles in Ordnung?“
Ihr leichter osteuropäischer Akzent faszinierte ihn immer wieder. Lydia war eine ausgesprochene Schönheit: bei ungefähr ein Meter achtzig Körpergröße besaß sie endlos lange Beine. Und obwohl sie sich beim Essen nie zurückhielt, zeigte ihr Körper kein Gramm Fett zu viel. Als Tochter ukrainischer Bauern war sie mit jungen Jahren schon in die große, fremde Stadt Moskau gegangen. Verwandte hatten das Mädchen dort aufgenommen und eine gute Schulbildung ermöglicht. Lydia schaffte es sogar bis zum Studium, das sie aber nach kurzer Zeit wieder abbrach. Warum, hatte sie Frank nie erzählt. Vielleicht würde er dieses Geheimnis eines Tages lüften. Langsam drehte sie sich um und schaute ihn direkt an: „Ist irgendetwas, du guckst so komisch?“
„Du, du bist so ... schön.“ Frank kam sich wieder einmal vor wie ein Schuljunge. Verdammt, mit dieser Frau war er jetzt seit zwei Jahren verheiratet und ein größeres Glück hätte ihm nie geschehen können. Immer, wenn er sie nackt sah, schwanden ihm die Sinne. Mit ausgestreckten Händen, die eindeutig auf ihre Brüste zielten, kam er auf sie zu.
„Oh nein, Frank. Jetzt nicht.“ Sie drehte sich leicht zur Seite. „Wir müssen heute Abend zu den Granders. Schon vergessen?“
Ach ja, die Grillparty. Dr. Dirk Grander feierte heute seine Ernennung zum Leiter der HNO Abteilung im Klinikum. Frank bekam wieder einen klaren Kopf. „Ist Post gekommen? Ich geh‘ mich dann wohl erst einmal frisch machen.“ Trotzdem schaffte er es noch, seine Hände auf die festen Brüste seiner Frau zu legen. Wenn auch etwas ungeschickt und mit leicht verdrehten Handgelenken. Lydia quittierte ihm das aber mit einem saftigen Klaps auf beide Handrücken. Dort zeichneten sich nun zwei kleine rote Stellen ab.
„Nein, Frank, keinen Sex jetzt, wir haben keine Zeit mehr! Also Finger weg. Außerdem ist da eine Postkarte von eurem Dr. Schwenker gekommen. Wie geht es dem eigentlich?“
Frank zog seine Hände enttäuscht zurück. „Dr. Schwenker ist immer noch verschwunden. Seit fünf Tagen schon! Es heißt, dass er letztes Wochenende zum Segeln in Holland war, aber am Montag erschien er dann nicht zum Dienst. Na, hoffentlich ist ihm nichts passiert. Dr. Schwenker wollte mich Ende des Jahres in sein Forscherteam holen ...“
Auf Socken stieg Dr. Frank Rudak wieder die Treppe herunter und ging in die Küche. Die Postkarte von Dr. Schwenker lag mitten auf dem Küchentisch. Irgendein holländisches Kaff an der Küste pries seine günstige Lage in bunten Bildern an. Frank beschlich ein ungutes Gefühl. Unschlüssig drehte er die Karte in seinen Händen. Was sagte ihm Dr. Schwenker vor fast einem Jahr noch? Während der Beerdigung einer jungen Kollegin, die an den Folgen eines Autounfalles gestorben war, hatte ihn der Mediziner zur Seite genommen. Er sprach damals sehr geheimnisvoll und bat ihn eindringlich, ja niemandem etwas von diesem Gespräch zu erzählen.
Es war kein Tag für eine Beerdigung. Eigentlich ist ja nie ‚ein Tag für eine Beerdigung‘, aber dieser hier eignete sich besonders schlecht. Leichter Nieselregen setzte sich in die Kleidung und durchweichte Haut und Haar und dort, wo sich genügend Tropfen zusammenfanden. Anschließend flossen diese in Kragen und Ärmel.
Ein Tag fast wie im Winter und doch war es gerade einmal Spätsommer. Aber in diesem Jahr konnte man ja auch nicht von Sommer reden. Nicht eine zusammenhängende Woche Sonnenschein hatte es bisher gegeben. Niemand, aber auch niemand auf dieser Beerdigung trug heute einen Schirm bei sich. War es doch zunächst noch recht trocken gewesen und keine Wetterstation im Radio erwähnte irgendetwas von Regen. Aber Nieselregen fiel wohl nicht unter diese Kategorie.
Dr. Frank Rudak stand am offenen Grab der jungen Kollegin, die so vorschnell aus dem Leben geschieden war. Keine 24 Jahre alt, gerade das Studium absolviert und als eine der erfolgreichsten Studentinnen ihres Jahrgangs mit Handkuss an der Klinik als Assistenzärztin aufgenommen. Ihrem kometenhaften Aufstieg setzte dann der rätselhafte Autounfall ein abruptes Ende.
Frank sah sich um. Da standen sie alle: Dr. Klaus Werner Schwenker, sein unmittelbarer Vorgesetzter; Professor Dr. Johann Brenzal, der Leiter der Forschungsabteilung und der Kinderklinik; Karl Hergann, ein guter Bekannter der Verstorbenen und noch Student.
Viele der Anwesenden kannte Frank Rudak vom Sehen aus der Klinik. Wieder rann ein Schwall kalten Regenwassers seinen Nacken herunter. Warum war er eigentlich hier? Weder, dass er die junge Frau gekannt hätte, noch gab es eine berufliche Übereinstimmung irgendeiner Art. Aber Dr. Schwenker hatte ihn ‚gebeten‘ teilzunehmen und dieser ‚Bitte‘ hatte er Folge zu leisten, wollte Frank seinen Chef nicht verärgern.
Professor Brenzal starrte mit gewohnt missmutigem Blick auf den Sarg. Frank konnte sich nicht erinnern, den Professor jemals mit einem anderen Gesichtsausdruck gesehen zu haben. Brenzal selbst war vor einigen Jahren dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen, nachdem die Bruchlandung eines gecharterten Flugzeuges halbwegs glimpflich abgelaufen war. Danach war der Professor noch verschlossener geworden.
Verstohlen sah Frank auf seine Uhr. Jetzt musste der Pfarrer aber bald ein Ende finden. Und wirklich, die Anwesenden setzten sich in Bewegung. Eine lange Schlange von Trauernden bekundete den Eltern und Verwandten ihr Beileid.
Frank und Dr. Schwenker standen dicht beieinander in der Schlange. Mit Genugtuung registrierte er, dass Dr. Schwenker kein bisschen trockener war als er selbst.
„Dr. Rudak, ich würde gleich mit ihnen gerne ein paar Worte unter vier Augen wechseln. Bitte begleiten sie mich doch zu meinem Wagen.“ Schwenker sprach die Worte leise und gepresst. Sie waren kaum zu verstehen. Frank schüttelte den Verwandten die Hand. „Mein Beileid.“ Dann zog ihn Dr. Schwenker schon zur Seite und auf einen verlassenen Weg.
„Hören sie, Dr. Rudak, ich habe nicht viel Zeit, mit ihnen zu reden. Dieses Gespräch muss auf jeden Fall unter uns bleiben. Schauen sie mich jetzt nicht an und tun sie so, als wenn wir uns beruflich unterhalten würden. Bitte stellen sie auch keine Fragen. Es bleibt uns nicht viel Zeit! Im Zweifelsfall unterhalten wir uns über den neuen Inkubator.“
Dr. Schwenker sprach schnell und abgehackt. So hatte Frank ihn noch nicht erlebt, aber er war ja auch mit seinem Kollegen und Vorgesetzten noch nie in solch einer Situation gewesen. Verstohlen sah er sich um. Missmutig blickte ihnen Professor Brenzal hinterher. Irgendwie lag etwas Merkwürdiges im Blick des Professors. Die Eltern der Verstorbenen redeten gerade intensiv auf den Professor ein.
„Hey Rudak, hören sie mir überhaupt zu? Also, noch einmal. Sie finden in ihrer Manteltasche eine Chipkarte auf der der Chip fehlt. Es handelt sich um einen Miniaturchip, der keine 5 x 5 mm misst. Er kann eindeutig in die Karte eingesetzt werden, da eine Seite abgeflacht ist. Haben sie das verstanden?“
Schwenker sah Frank eindringlich an. Dann wandte er sich schnell ab und konzentrierte sich auf den vor ihnen liegenden Weg.
„Ja sicher, aber was hat ...“
„Gut, hören sie mir nur zu, wir sind gleich beim Wagen: Eines Tages werden sie vielleicht eine Postkarte von mir erhalten. Schenken sie der Briefmarke dann besondere Beachtung. Es handelt sich im Einzelnen um ...“
Eine Hand legte sich auf die Schulter von Dr. Schwenker. „Dr. Schwenker, gut dass ich sie noch erwische.“ Professor Brenzal war leicht außer Atem. „Ich sah sie im Gespräch mit Dr. Rudak und ich nehme an, dass es sich um unsere Klinik und die Abteilung handelt. So ernst, wie sie sich unterhalten. Gibt es etwas, was auch für mich von Belang wäre?“
Der Professor sah Schwenker in die Augen.
„Nein, es ging um die neue Ausstattung für die zu früh Geborenen. Dr. Rudak wird sich die nächsten Tage um neue Apparaturen kümmern, es gibt da einige Neuigkeiten aus Amerika.“
Professor Brenzal blickte von Schwenker zu Rudak. „Nun, dann bin ich ja auf die Ergebnisse gespannt. Ich werde doch von ihnen entsprechend informiert?“ Schwenker nickte nur und stieg in seinen Wagen.
Frank wollte sich abwenden, als der Professor ihn noch einmal ansprach: „Herr Dr. Rudak, sie wissen, dass ich über alle Vorgänge in der Klinik stets informiert sein möchte. Gibt es etwas, dass sie mir vielleicht vertraulich mitteilen wollen?“
Frank Rudak wurde es unter dem lauernden Blick des Professors mulmig. Bisher hatte er mit dem Mann wenig bis gar nichts zu tun gehabt und war auch froh darum. Warum jetzt diese peinlichen Fragen, inmitten des scheußlichen Nieselregens. Und das nach der Beerdigung?
„Nein, Herr Professor, es ging um den neuen Inkubator. Wir bekommen nächste Tage eine Lieferung des Gerätes und Dr. Schwenker instruierte mich in Hinsicht auf die zu machenden Tests.“
Endlich saß Frank wieder in seinem Auto. Der Professor hatte auf seine Antwort nichts weiter erwidert und ihn nur merkwürdig angesehen. Vorsichtig tastete seine Hand in die Manteltasche. Da war wirklich eine Karte. Es musste sich um eine der älteren Chipkarten handeln, die man früher als Telefonkarten oder Karten der Krankenkasse genutzt hatte. Frank fuhr sich durch den dichten Vollbart. Feine Wassertropfen spritzten auf das Lenkrad. Nein, von diesem Gespräch durfte er niemandem erzählen.
Lydia betrat die Küche und blickte neugierig auf die Postkarte.
„Nun, was schreibt Dr. Schwenker?“ Sie war fertig angezogen, geschminkt und roch betörend nach dem neuen Parfüm, das sie sich gestern gekauft hatte. Wie lange saß er denn schon hier? Frank hatte vollkommen die Zeit vergessen. Ja, was schrieb Dr. Schwenker?
„Warte, ich lese es dir vor: ‚Lieber Dr. Rudak, ich sende ihnen viele Grüße aus dem schönen holländischen Städtchen Lemmer. Ich genieße meinen Kurzurlaub. Grüßen Sie bitte auch ihre Familie und Professor Brenzal. Ihr Dr. Schwenker‘.“
„Mehr nicht?“ Lydia legte beide Arme um ihn und schaute über seine Schulter auf die Karte. „Dr. Schwenker hat Dir doch noch nie eine Karte aus seinem Urlaub geschrieben. Hat das denn irgendeine besondere Bedeutung?“
Frank kroch eine Gänsehaut über den Rücken. Wieder sah er die kalten Augen Professor Brenzals nach der Beerdigung vor sich, wieder hörte er dessen lauernde Worte. Warum erinnerte ihn Lydia jetzt daran?
„Ich bin sicher, das bedeutet nichts. Vielleicht hat Dr. Schwenker ja ein paar freie Tage genommen und man vergaß nur mich zu informieren. Ich werde nächste Woche am besten einmal mit Professor Brenzal sprechen. Aber vielleicht ist Dr. Schwenker dann ja auch wieder in der Klinik.“
Lydia hauchte ihm einen Kuss auf sein linkes Ohr. „Bestimmt hast Du Recht, Schatz. Mach‘ Dich jetzt für die Feier bei Dr. Grander bereit. Und zieh‘ den blauen Anzug an, es ist schließlich eine offizielle Angelegenheit!“
Frank wollte sie auf seinen Schoß ziehen, aber Lydia entzog sich ihm geschickt und drohte mit dem Zeigefinger: „Na, na, wirst Du jetzt endlich brav sein, Dr. Rudak?“ Seufzend verschwand Frank im Badezimmer.
Natürlich kamen sie zu der Feier wieder zu spät. Wie immer fiel Lydia im letzten Moment ein, dass das Kleid doch nicht so passend sein würde und das andere doch viel schöner sei ... Jetzt war die Party schon in vollem Gange. Ein junges Mädchen öffnete ihnen die Haustür.
„Guten Abend. Ich bin Katja, die Tochter. Sie sind Dr. Rudak? Und sie Frau Rudak? Kommen sie herein, meine Eltern und die Gäste sind im Garten.“
Dann führte sie Lydia und Frank durch das Haus auf die Terrasse, wo Dr. Grander sie beide begrüßte. „Hallo Dr. Rudak, guten Abend gnädige Frau. Ich freue mich, dass sie heute hier anwesend sind.“
Der übliche Smalltalk. Dr. Rudak bemerkte unter den Gästen Professor Brenzal und einige bekannte Gesichter aus der Klinik.
„Darf ich ihnen meine Frau vorstellen?“ Dr. Grander führte sie zu einer bildhübschen Blondine, die im Gespräch mit anderen Personen vertieft war. Frank sah sich um. Von wegen kleine Grillfeier. Er schätzte, dass hier bestimmt an die zweihundert Personen auf dem weitläufigen Rasen versammelt waren. Nahe der Terrasse stand ein riesiger Grill, der von drei Köchen bedient wurde und weiter links davon sah Frank ein kaltes Buffet, um das insgesamt wohl noch einmal fünf Köche herum wuselten und die Gäste bedienten.
„Ein Glas Sekt, Dr. Rudak? Bitte bedienen sie sich nach Belieben, das Buffet wurde schon eröffnet und meine Rede haben sie leider auch verpasst. Kommen sie, ich stelle ihnen Jeremie McDagon vor. Ein wichtiger Geldgeber und Förderer unseres Klinikums. Bester irischer Adel - oder zumindest was davon übriggeblieben ist. Lassen wir die Frauen ruhig einmal alleine!“
Dr. Grander zog ihn von den beiden Frauen fort, die sich mittlerweile angeregt unterhielten. Fragend blickte er Frank ins Gesicht: „Übrigens, haben sie etwas von Dr. Schwenker gehört? Ich erhielt heute eine Postkarte von ihm, kann mir aber keinen Reim darauf machen. Denn eigentlich habe ich mit Dr. Schwenker wenig - oder sagen wir besser gar nichts - zu tun. Außerdem schreibt er auf der Karte nur, dass ich sie herzlichst grüßen soll. Ist Dr. Schwenker nicht auf einem längeren Segeltörn?“
Frank war überrascht. Wer in aller Welt hatte sonst noch eine Karte von Dr. Schwenker bekommen? Schwenker war nicht bekannt dafür, jedermann Postkarten zu schicken. Schon gar nicht Urlaubsgrüße.
„Ich habe heute auch eine Postkarte von Dr. Schwenker bekommen. Aber einen Reim kann ich mir darauf ebenfalls nicht machen. Aber dass er in Urlaub sein soll, davon habe ich noch nichts gehört.“
„Professor Brenzal erwähnte vorhin so etwas, ich habe ihm natürlich auch die Sache mit der Postkarte erzählt. Er meinte nur, dass Schwenker dringend einen längeren Urlaub gebraucht hätte, die Scheidung vor einem halben Jahr hätte ihn doch sehr mitgenommen. Ah, da sind wir bei den Herren. Professor Brenzal kennen sie ja.“ Dann wandte er sich an den neben dem Professor stehenden Mann: „Mister McDagon darf ich ihnen Dr. Frank Rudak vorstellen? Dr. Rudak arbeitet in der Kinderabteilung des Klinikums und - wie man munkelt - hat Dr. Schwenker ihn schon für die Forschungsabteilung vorgesehen.“
Frank gab dem kleinen Mann die Hand. McDagon mochte knapp ein Meter fünfundsechzig groß sein und musste zu Frank hinaufsehen. Das schlohweiße Haar trug er über der hohen Stirn nach hinten gekämmt, offensichtlich ließ es sich aber nicht richtig bändigen. Kalte braune Augen musterten Frank.
„Aha, Dr. Rudak.“ Der Mann sprach mit einem starken irischen Akzent. Dabei verzog er die schmalen Lippen zu einem spöttischen Lächeln. „Der Günstling von Dr. Schwenker. Nun, ich hoffe, Dr. Schwenker hat seine Auswahl wohl getroffen.“
Mit seinem dürren Zeigefinger tippte er nun Frank auf die Brust. „Strengen sie sich an, junger Mann. Strengen sie sich an.“
Schon wandte er sich wieder Professor Brenzal zu, nahm diesen am Arm und zog ihn zur Seite: „Haben sie mir ein Auge auf den jungen Mann, Herr Professor.“
Frank sah Dr. Grander fragend an, der lächelte und meinte nur: „Ja, ja. So ist er nun mal. Aber ein wichtiger Geldgeber...“ Grander legte Frank die Hand auf die Schulter. „Kommen sie, gehen wir zu den Frauen zurück. Die werden bestimmt schon auf uns warten ...“
Lydia blickte sich schon ungeduldig nach ihm um. Frank blickte bewundert zu seiner Frau und gestand sich ein, dass es doch eine gute Idee gewesen war, dieses rostrote Abendkleid anzuziehen. Sie sah darin hinreißend aus. Einerseits betonte es ihre Figur, andererseits ließ das Kleid mehr erahnen, als dass es zeigte. Frank beschloss, sich heute Abend nicht von ihr abweisen zu lassen.
„Wo wart ihr denn die ganze Zeit? Liebster, du darfst mich doch nicht einfach so lange alleine lassen!“ Lydia zog einen Schmollmund. Auch wenn es nicht zu ihrem Gesicht mit den hohen Wangenknochen passte - sie war einfach nicht der Typ für einen Schmollmund - so versuchte sie es doch immer wieder.
„Dr. Grander hat mir unseren Gönner vorgestellt. Ein Jeremie McDagon. Alter irischer Adel oder so etwas. Aber komm, wir schauen mal, ob wir etwas zu essen bekommen.“
Lydia hatte sich während der ganzen Rückfahrt eng an ihn geschmiegt. Jetzt, als er den Wagen vor dem Haus einparkte, musste er sich aber von ihr losmachen. „Schatz, bist du eingeschlafen? Wir sind da.“
Lydia murmelte etwas von leicht beschwipst und ließ ihre Hand über sein rechtes Bein nach oben gleiten.
„Wir sind schon da? Ich glaube, ich war ein wenig eingeschlafen.“ Sie gähnte herzhaft. Frank hatte Mühe den Wagen ohne Schaden einzuparken. Dann betraten sie Arm in Arm das Haus.
„Trinken wir noch eine Kleinigkeit? Oder soll ich dich gleich hier im Flur vernaschen?“ Frank ließ seine Hände über die schlanken Hüften seiner Frau gleiten. Das weiche, enganliegende Kleid steigerte noch seine Begierde. Leicht zog er das Kleid in die Höhe.
„Frank, ich bin müde. Trink du doch noch etwas und lass mich schon einmal ins Bett gehen. Morgen ist auch noch ein Tag.“
Lydia drehte sich aus seinen verlangenden Armen. Sie verstand es blendend, ihm in solchen Augenblicken einen kalten Wasserguss zu verpassen. Schon steuerte sie auf die Treppe zum oberen Stockwerk zu.
Frank seufzte resigniert. „Okay Schatz. Ich schau nur noch mal nach der Postkarte von Dr. Schwenker und komme dann auch gleich ins Bett.“
Lydia drehte sich auf der untersten Treppenstufe um. „Andererseits kannst du mir jetzt auch direkt folgen - wenn du möchtest.“ Langsam zog sie das Kleid hoch. Frank bewunderte wieder einmal ihre langen Beine. „Schau mal, ich trage kein Höschen...“
Er ließ sich nicht zweimal bitten. Im Schlafzimmer holte er seine Frau ein, die sich auf das Bett fallen ließ. Zum Ausziehen des Kleides kam es nicht mehr und als er endlich in sie eindrang, war die Postkarte von Dr. Schwenker längst vergessen.
Der Klinikbetrieb nahm Dr. Frank Rudak stark in Anspruch. Er bekam zusätzliche Aufgaben mit der Erprobung neuer mobiler Defibrillatoren, so dass er Test über Test absolvieren und Bericht über Bericht schreiben musste. Besonders ärgerlich war, dass das Gerät, von dem er sich am meisten versprochen hatte, Störungen zeigte. So etwas bedeutete zusätzliche Schreibarbeit.
Außerdem musste er umgehend Professor Brenzal über seine Ergebnisse informieren, was auch wieder eine Menge wertvolle Zeit kosten würde.
Kam er abends müde nach Hause, so verwöhnte Lydia ihn allerdings in jeglicher Hinsicht und entschädigte ihn damit für den Stress in der Klinik.
Der folgende Tag brachte eine Überraschung für Dr. Rudak mit sich. Professor Brenzal ließ ihm höchstpersönlich eine Notiz zukommen, dass er bitte für das korrekte Rücksenden des fehlerhaften Defibrillators sorgen sollte. So packte Frank also an diesem Morgen alles zusammen und machte das Paket versandfertig. Normalerweise überließ er solche Arbeiten den Hilfskräften, aber wenn der Professor ihn schon persönlich anwies ...
Endlich machte er sich auf den Weg zur Poststelle. Dabei schob Frank vorsichtig einen Rollwagen vor sich her, auf dem er das Paket platziert hatte und schaffte es im letzten Moment, alles in den geöffneten Aufzug zu bugsieren. Fast waren beide Aufzugtüren schon geschlossen, da schob sich eine Hand dazwischen und beide Türen fuhren wieder auf. Grinsend betrat Dr. Grander den Aufzug.
„Guten Tag, Dr. Rudak. Nanu, sind sie zum Gepäckboten degradiert worden?“ Grander sprühte vor Lebenslust.
‚Für einen Tag mitten in der Woche ist der aber mächtig gut gelaunt‘, dachte Frank noch, als Dr. Grander ihn wieder ansprach: „Und etwas Neues von Dr. Schwenker gehört?“
„Nein, ich schätze, er ist immer noch in Urlaub.“
„Fehlt Dr. Schwenker denn nicht in ihrer Abteilung? Es ist doch etwas ungewöhnlich so kurzfristig Urlaub zu nehmen.“
„Sicher fehlt er. Wir sind ohnehin unterbesetzt, aber wenn Professor Brenzal entschieden hat, den Urlaub zu genehmigen ...“ Frank ließ den Satz unausgesprochen.
Grander plauderte munter weiter: „Hmm, meine Postkarte von Dr. Schwenker ist übrigens verschwunden. Hatte ich ihnen erzählt, dass ich auch eine Postkarte von Dr. Schwenker bekommen hatte?“
„Ja, das erzählten sie.“ Frank war heute nicht zu Smalltalk aufgelegt. Seine Arbeit stapelte sich, er durfte hier den Paketboten spielen und seine Gedanken kreisten um den defekten Defibrillator. Endlich hielt der Aufzug.
„Naja, dann noch alles Gute Herr Postbote - meine Etage, ich muss hier raus.“
Und weg war Dr. Grander. Frank fuhr noch eine Etage tiefer. Die Postkarte! Ja, die hatte er ganz vergessen. Gleich heute Abend wollte er danach schauen. Schließlich gingen ihm die Worte Dr. Schwenkers nicht aus dem Kopf: ‚Eines Tages werden sie vielleicht eine Postkarte von mir erhalten. Schenken sie der Briefmarke dann besondere Beachtung ...‘
Lydia kam ihm im Hausflur entgegen. Frank wunderte sich einmal mehr über das Verhalten seiner Frau. Nicht, dass Lydia je prüde gewesen wäre, aber in den ganzen Jahren, die sie sich kannten, hatte sie ihn noch niemals Abend für Abend in solch einem sexy Outfit begrüßt. Gestern ganz in Rot, trug sie heute blaue Strapse, einen blauen, dazu passenden, Spitzen BH, hauchdünne blaue Seidenstrümpfe und - wenn man das noch so bezeichnen durfte - ein blaues Spitzenhöschen.
Obwohl Frank anerkennen musste, dass da nicht mehr viel Höschen war.
„Hallo mein Schatz“, flötete sie. „ Deine brave Ehefrau hat schon auf dich gewartet. Champagner steht bereit. Komm, lass uns direkt nach oben gehen.“
Frank war im Nu auf der Treppe. Dieses Angebot konnte er sich doch nicht entgehen lassen. Lydia rekelte sich schon im Bett.
„Hier, Frank, trink erst einmal einen Schluck Champagner!“ Lydia reichte ihm das Glas.
Bevor er es an die Lippen setzte, musste er allerdings die in ihm brennende Frage loswerden: „Sag mal, Schatz, wo ist eigentlich die Postkarte von Dr. Schwenker?“ Bestimmt war das nicht die richtige Frage zu diesem Zeitpunkt, aber Frank hatte sich fest vorgenommen, heute seine Sinne nicht verwirren zu lassen.
Lydia sah ihn merkwürdig an. „Die Postkarte? - Ist das jetzt wichtig?“
„Nein, nicht wirklich. Nur interessieren würde es mich, denn die Karte, die Dr. Grander bekommen hatte, ist verschwunden.“ Und etwas kleinlaut, wie zur Entschuldigung setzte er hinzu: „Den habe ich heute nämlich zufällig im Aufzug getroffen.“
Lydia war aufgestanden und zog sich an. Jeans und Pullover. Mit ärgerlichem Gesichtsausdruck raunzte sie ihn an: „Also, du kannst auch jede schöne Stimmung zerstören! Die Karte habe ich weggeworfen. Ich wusste ja nicht, dass du so daran hängst!“ Ihre Stimme wurde gehässig. Jetzt war mit ihr bestimmt nicht mehr zu reden, geschweige denn ... Frank sah seine Frau an. Manchmal kam Lydia ihm schon unheimlich vor. Eben noch lieb und nett, konnte sie von einem Moment auf den anderen in diese bösartige Stimmung verfallen. In solchen Momenten war es immer besser, all das zu tun, was seine Frau vorgab. Jetzt nur keine Widerworte oder anderslautende Vorschläge.
„Ich fahr jetzt einkaufen - in die Stadt. Bis später.“
Weg war sie. Frank nippte an seinem Glas. Ja, das war ein Fehlschlag. Diese dumme Postkarte. Wie konnte er in solch einer Situation auch danach fragen!
Er hatte sie nicht gehört und erst als Lydia ihn von hinten ansprach und er sich den Kopf an der Spüle stieß, erkannte er schmerzhaft, dass sie ihn schon eine Weile beobachtet haben musste.
„Verdammt, Frank, was machst du denn da? Suchst du etwas zu essen? Das findest du immer noch im Kühlschrank, mein Freund!“ Anscheinend hatte sie sich während ihres Einkaufens nicht wirklich beruhigt. Oder jetzt wieder aufgeregt. Natürlich stellte der im Mülleimer wühlende Ehemann nicht den Wunschanblick einer Frau dar, aber Frank hatte ja seine guten Gründe. Nach reiflicher Überlegung war er zu dem Entschluss gelangt, die Postkarte zu suchen. Und jetzt, hier beim letzten von ihm durchwühlten Mülleimer, musste ihn Lydia ausgerechnet erwischen.
„Ich suche die verdammte Postkarte“, knurrte er und rieb sich die schmerzende Stelle am Kopf. „Du hast sie ja weggeworfen, aber wohin?“ - „Deine Postkarte muss dir ja sehr wichtig sein. Stimmt denn irgendetwas mit Dr. Schwenker nicht? Sag‘s mir, mein Lieber.“
Der Tonfall erinnerte Frank plötzlich an diesen unsympathischen McDagon, den er auf der Party letztens kennengelernt hatte. „Verdammt, Lydia, wo ist die Karte. Mach‘ es mir doch nicht so schwer!“
„Na, der Herr verlegt sich jetzt aufs fluchen! Verdammt, verdammt Lydia“, äffte sie ihn nach. „Aber damit du zufrieden bist: Ich habe die Karte zerrissen und draußen in den Mülleimer geworfen. Eine Suche erübrigt sich damit wohl. Und jetzt gute Nacht. Schlaf‘ doch diese Nacht mal auf der Couch. Und in Zukunft möchte ich von solchen Kinkerlitzchen nichts mehr hören!“
Frank hob den Zeigefinger: „Kinkerlitzchen“
„Was?“
„Kinkerlitzchen, es heißt Kinkerlitzchen.“
Wutschnaubend verließ Lydia die Küche. Verdammt, was war bloß in die Frau gefahren? Warum spielte die Postkarte eine so große Rolle, dass Lydia sich jetzt so aufführte? Frank konnte sich keinen Reim darauf machen. Sicher, Lydia war oft aufbrausend, teilweise unberechenbar und auch rechthaberisch. Aber das hatte er immer auf ihr osteuropäisches Temperament geschoben.
Dr. Frank Rudak wachte wie gerädert auf. Eine Nacht auf der Couch war wirklich nicht das Wahre. Er musste mit Lydia wieder ins Reine kommen. Allein schon, um seinen Platz im Bett zurückzuerhalten. Mit steifen Gelenken schlurfte er die Treppe zum Schlafzimmer hoch. Aber Lydia war nicht da. War sie schon aufgestanden und machte Frühstück? Er hatte sie doch gar nicht gehört. Frank machte kehrt und schlich in die Küche. Aber auch hier keine Lydia. Dann suchte er sie im Wintergarten. Nichts. Lydia hatte wohl das Haus verlassen. Keine Nachricht, nichts. Frank sah auf die Uhr. Verd... - nein, kein Fluchen mehr. Es wurde Zeit zur Arbeit zu fahren. Er würde heute ohnehin zu spät kommen. Lydia ging ihm nicht aus dem Kopf.
Im Ärztezimmer rasierte er sich noch schnell und machte sich ein wenig frisch. Schon nahm ihn der Tagesablauf wieder voll in Anspruch. Die Probleme mit Lydia gerieten in den Hintergrund. Das ließe sich doch bestimmt heute Abend klären.
Aber Dr. Frank Rudak war unruhig. Irgendetwas stimmte nicht. Sein Unterbewusstsein ließ ihm keine Ruhe, immer wieder kreisten seine Gedanken um die Postkarte. Frank beschloss in der Mittagspause ein paar Worte mit Dr. Grander zu wechseln. Was hatte noch genau auf dessen Postkarte gestanden?
Aber aus seiner Mittagspause wurde nichts. Ein Notfall nahm sie alle in Beschlag. Bis zum Abend fand Frank keine Zeit für andere Gedanken, als die an seine Arbeit. Dafür ließ ihn der Zufall mit Dr. Grander im Parkhaus zusammentreffen. „Dr. Grander, welch seltener Zufall!“
„Hallo, Dr. Rudak. Wie geht es denn so? Was machen die Kinderchen auf ihrer Station?“
„Alles bestens. Ich wollte mit ihnen noch einmal über die Postkarte von Dr. Schwenker sprechen.“
„Ja, die Karte ist verschwunden. Ich hatte sie in der Küche zu meiner übrigen Post gelegt. Plötzlich war sie nicht mehr da.“
„Hmm, können sie sich erinnern, was genau auf der Karte stand? Wissen sie noch den genauen Wortlaut?“
„Dr. Rudak, ich habe zwar ein hervorragendes Gedächtnis, aber an solche Kleinigkeiten kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Ich solle sie grüßen. Das war soweit eigentlich alles. Ein wenig merkwürdig, nicht?“
„Ja, ein wenig merkwürdig ist es schon.“ Frank wollte Dr. Grander von Lydias Verhalten erzählen, unterließ es dann aber doch. „Naja, dann einen schönen Abend, Dr. Grander. Man sieht sich.“ Frank wandte sich ab.
„Bis dann, Dr. Rudak. Gut, dass ich wenigstens die Briefmarke verwahrt habe.“ Dr. Grander ging weiter.
Frank blieb mitten im Schritt wie versteinert stehen. Dann drehte er sich blitzschnell um und jagte hinter Grander her. „Dr. Grander. Moment mal.“ Keuchend holte er Grander ein. Verdammt, ein wenig Sport könnte ihm auch nicht schaden. Er war zu bequem geworden. Schon so kleine Sprints strengten ihn viel zu sehr an. Dabei predigte er seinen Patienten immer, mehr Sport zu treiben. „Können sie das noch einmal wiederholen?“
„Bis dann, habe ich gesagt.“
„Nein, das danach.“
„Sie meinen, dass ich die Briefmarke verwahrt habe? Nun, ich bin passionierter Briefmarkensammler und diese Marke ist etwas außergewöhnlich. Normalerweise genügt die holländische 29 Cent Marke für eine Postkarte. Aber Dr. Schwenker hatte wohl keine andere Marke zur Hand, so dass er eine 39 plus 19 Cent Sondermarke aus der Serie ‚Voor het kind‘ benutzte. Kam mir für meine Sammlung gerade recht.“
Frank sah Dr. Grander an. „Würden sie mir die Marke zeigen, Dr. Grander?“ - „Natürlich, gerne.“
Frank sah Grander die Freude darüber an, dass sich jemand für sein Hobby interessierte.
„Ich zeige ihnen meine Sammlung gerne. Sagen wir am Wochenende?“ Dann überlegte er kurz und korrigierte sich: „Ach nein, ich kann ja erst wieder in zwei Wochen. Lassen sie uns doch den Termin direkt festmachen, sonst kommt wieder etwas dazwischen!“
Frank schüttelte den Kopf. „Nein, nicht in zwei Wochen. Jetzt direkt. Ich fahre mit ihnen nach Hause und sie zeigen mir die Marke. Ich fahre direkt hinter ihnen her.“ Grander blickte seinen Kollegen verwundert an. „Jetzt direkt? Hören sie, ich habe - und ich nehme an, sie auch - einen anstrengenden Dienst hinter mir. Duschen, etwas essen und den Abend gemütlich ausklingen lassen, das sind meine Pläne für heute. Wir können uns doch in vierzehn Tagen die Sammlung in aller Ruhe anschauen.“ Frank ließ nicht locker. Er selbst wusste nicht warum, aber plötzlich erschien ihm die Marke enorm wichtig.
„Nein, Dr. Grander. Mir liegt viel daran, die Briefmarke heute noch zu sehen. Gerne schaue ich mir einmal ihre Sammlung an, aber heute muss ich diese eine Marke von der Postkarte Dr. Schwenkers sehen. Nur einen Blick! Ich werde sie auch nicht aufhalten oder stören und danach sofort verlassen.“
„Na, anscheinend liegt ihnen aber eine Menge an dieser Marke. Ist aber auch ein außergewöhnlich schönes Stück. Gut, dann fahren sie hinter mir her. Sie wissen doch noch, wo ich wohne?“
Frank reichte Dr. Grander dankbar die Hand. „Sie haben mir sehr geholfen.“
„Nun warten sie erst einmal ab, noch habe ich ihnen ja nicht geholfen, Dr. Rudak.“ Grander kam das Verhalten doch ein wenig merkwürdig vor. Ja spielten denn alle in Bezug auf diese dämliche Postkarte verrückt? Selbst Professor Brenzal hatte ihn letztens noch quasi ‚ausgequetscht‘ und alle möglichen Fragen zu dieser Postkarte gestellt.
Frank blieb immer dicht hinter Dr. Grander und achtete darauf, ihn auch ja nicht aus den Augen zu verlieren. Er kannte zwar die Adresse des Kollegen, würde aber den Weg zu dessen Haus nicht so ohne weiteres finden. Schließlich parkte er seinen Wagen direkt vor der Garage Dr. Granders.
Lächelnd öffnete Granders Frau die Haustür. „Besuch Liebster? Ist das nicht Dr. Rudak? Wir kennen uns von unserer kleinen Feier her. Kommen sie doch herein. Gibt es einen besonderen Grund für ihren Besuch?“ Granders Frau spielte die perfekte Gastgeberin.
„Dr. Rudak möchte sich nur kurz meine Briefmarkensammlung ansehen, Schatz.“ Grander hauchte seiner Frau einen Kuss auf die Wange. „Warte bitte noch ein paar Minuten mit dem Essen auf mich. Dr. Rudak wird nicht lange bleiben.“
Grander ließ sich durchaus anmerken, dass ihm dieser abendliche Überfall nicht passte: „Kommen sie, Dr. Rudak, gehen wir in mein Arbeitszimmer und bringen die Sache hinter uns.“
Der Raum war mit Büchern vollgestopft. Auf dem riesigen Schreibtisch, der eindeutig das Zimmer dominierte, stand ein älterer Computer, dem man ansah, dass er kaum benutzt wurde. Dr. Grander war offensichtlich kein großer Freund moderner Technik.
„Hier Dr. Rudak.“
Grander zog ein Briefmarkenalbum aus dem Regal.
Plötzlich erklang hinter ihnen die Stimme von Granders Frau: „Kann ich den Herren denn etwas zu trinken bringen?“
Frank hatte die Frau nicht kommen hören. Jetzt blickte sie neugierig auf das Album.
„Wollen sie sich bestimmte Marken ansehen, Dr. Rudak?“
Bevor Grander noch antworten konnte, erklärte Frank hastig: „Nein, gnädige Frau, keine bestimmten Marken. Nur einmal schauen ...“ Das klang jetzt nicht nur etwas lahm, sondern äußerst ablenkend.
Granders Frau schaute ihn ein wenig merkwürdig von der Seite an. Doch Grander erlaubte jetzt keine Störung: „Lass uns doch jetzt bitte alleine, Schatz. Und schließe die Tür hinter dir.“ Das war eindeutig eine Abfuhr. Ohne ein Wort verließ die Frau den Raum. Grander ging zur Tür und schloss sie sorgfältig.
„So, Dr. Rudak. Hier sind meine holländischen Marken. Diese hier ist von 1939, einde...“
Frank unterbrach den Redefluss: „Doktor Grander, bitte nur die Marke von Schwenkers Postkarte. Desto schneller sind sie mich dann auch wieder los.“
Grander blätterte missmutig in dem Album.
„Gut, hier Dr. Rudak, hier ist die Marke. Ist es nicht ein besonders schönes Stück?“ Er gab Frank etwas Zeit die Marke zu betrachten.
„Wie vorhin schon erwähnt, das ist eine Sondermarke aus der Serie ‚Voor het kind‘, gesunde Ernährung und Sport.“
Frank interessierte das recht wenig. Die Marke stellte eine gewichthebende Erdbeere dar. Weder besonders originell, noch interessant. Aber Frank war ja auch kein Philatelist. Dunkel erinnerte er sich aber, dass auf seiner Postkarte eine Zitrone oder etwas Ähnliches auf der Marke dargestellt gewesen war.
Jetzt galt es eine Möglichkeit zu finden, die Briefmarke ungestört zu untersuchen: „Dr. Grander, hätten sie vielleicht ein Glas Wasser für mich? Ich schaue mir inzwischen die Marke genau an.“
Grander murrte etwas, das Frank nicht verstehen konnte. Bestimmt dachte er an sein wartendes Abendessen.
„Gut, ein Glas Wasser. Aber dann verschwinden sie wieder.“ Er zog die Tür auf und rief halb erschrocken und überrascht aus: „Schatz, was machst du denn hier?“
Granders Frau stand vor der Tür. „Ich wollte nur fragen, ob ihr noch lange braucht, das Essen wird kalt werden.“
„Nein, wir brauchen nicht mehr lange. Würdest du Dr. Rudak bitte ein Glas Wasser holen?“ Grander gesellte sich wieder zu ihm. „Wasser kommt sofort.“ Er wollte das Album wieder zuklappen. „Genug gesehen?“
Granders Frau brachte das Glas. Wieder versuchte sie einen Blick auf das Album zu erhaschen: „Was schaut ihr euch denn da an? Eine bestimmte Briefmarke?“
Dr. Grander gab seiner Frau unwillig Auskunft. „Das ist die Marke von der Postkarte Dr. Schwenkers. Ein besonders schönes Stück. Aus einer Serie von sechs Marken. Eine Melone, die Fußball spie...“
„Ich dachte, die Postkarte sei verschwunden.“ Granders Frau unterbrach ihn einfach. Sie kannte wohl schon die Vorträge ihres Mannes und würgte diese im Vorfeld ab. Allerdings zeigte ihr Gesichtsausdruck Verwirrung. Grander sah sich genötigt, eine Erklärung abzugeben: „Ja, die Karte ist auch verschwunden, nur hatte ich die Marke vorher abgelöst. Außerdem möchte Dr. Rudak jetzt bestimmt gehen.“ Diese Worte richtete er mehr an Frank und sah ihn auffordernd an.
Der drehte sich mit Schwung zu den Eheleuten und stieß wie zufällig dabei das Glas um. Wasser ergoss sich über den Tisch und auf den Boden. „Oh, wie ungeschickt. Warten sie, ich habe ein Taschentuch, ich wi...“
„Nein lassen sie, ich hole einen Lappen.“ Granders Frau stob davon.
Frank drückte Dr. Grander das Taschentuch in die Hand. „Wischen sie da unten.“ Während Grander sich bückte, schaute Dr. Rudak nach der Briefmarke. Er würde nur wenige Sekunden Zeit haben ... Vorsichtig zog er die Marke aus dem Album. Dann betrachtete er die Rückseite. Zuerst sah er gar nichts. Dann aber, beim zweiten Hinsehen, erkannte er, dass ein winziger Computerchip auf der Rückseite klebte. Wer nicht gezielt danach suchen würde, könnte ihn kaum entdecken. Frank blickte auf Dr. Grander, der fleißig das Wasser unter dem Tisch aufwischte.
Rasch löste er mit spitzen Fingern den Chip von der Briefmarke und schob die Marke zurück in das Album. Keine Sekunde zu früh, denn gerade betrat Frau Grander wieder den Raum. Missbilligend sah sie auf Dr. Rudak. „Wie kann man nur so ungeschickt sein!“ Mit raschen Bewegungen wischte sie den Tisch ab. Dann wandte sie sich an ihren Mann: „Liebster, komm lass das. Ich mache gleich unter dem Tisch sauber. Vielleicht möchte Dr. Rudak jetzt endlich wirklich gehen? Begleite ihn doch hinaus!“
Frank sah sich schneller hinauskomplimentiert, als er dachte. Einen Freund hatte er heute bestimmt nicht gewonnen. Vorsichtig fühlte er den Chip zwischen seinen Fingern. Dann verstaute er ihn sorgsam in seiner Brieftasche. Was mochte es so Wichtiges in Zusammenhang mit diesem Chip geben? Dr. Frank Rudak konnte sich keinen Reim darauf machen. Dr. Schwenker der große Geheimniskrämer! Nun, hoffentlich würde er die Chipkarte, die ihm Schwenker vor einem Jahr gab, noch finden. Wo hatte er sie gleich noch hingelegt? Grübelnd fuhr Frank nach Hause.
Lydia hatte sich offensichtlich wieder etwas beruhigt. Allerdings begrüßte sie ihn auch nicht mehr in Dessous, so wie in den letzten Tagen, sondern trug schlicht und einfach eine Jeans mit einem enganliegenden Pullover. „Hallo, du bist aber spät dran.“
Na, eine nette Begrüßung. Forschend schaute Dr. Rudak seiner Frau ins Gesicht. Stand schon wieder Ärger an? Aber sie riss sich anscheinend zusammen.
Lydia hob theatralisch die Arme und sah ihm ins Gesicht: „Wieso kommst du so spät? Ich habe schon in der Klinik angerufen und dort sagte man mir, dass du schon längst fort seist. Du hast Dr. Grander getroffen und bist mit ihm weggefahren?“
Das war eigentlich keine Frage mehr. Lydia war verflixt gut informiert. „Hallo Schatz. Ja, ich war noch bei Dr. Grander. Er hat mir seine Briefmarkensammlung gezeigt. Das war ganz interessant.“
„Da wäre ich dir aber dankbar gewesen, wenn du mich informiert hättest. Was ist mit dem Abendessen? Jetzt ist alles kalt!“
„Tut mir leid, Schatz. Da habe ich gar nicht dran gedacht.“ Frank ging in die Küche. Lydia folgte ihm. Frank sah sich suchend um: „Hier ist aber kein Essen ...“
„Nein, ich hab‘s ja auch weggeworfen. War ja kalt.“ Lydia drehte sich um und ging ins Wohnzimmer. Mit einem Blick erkannte Frank, dass hier heute nicht gekocht worden war. Wieso belog ihn seine Frau? Und woher war sie so gut informiert, wo er gewesen war? Frank beschloss jetzt ein für alle Mal die Sache zu klären. Lydia war schließlich seine Frau und das Verhalten der letzten Tage war doch nicht normal! Als Frank ins Wohnzimmer kam, telefonierte sie gerade.
Trotzdem bemerkte sie ihn sofort. „Ich muss Schluss machen, Frank steht neben mir.“ Damit legte sie auf. Obwohl sie sehr leise gesprochen hatte, verstand Frank doch genug.
„Wer war das?“ Vielleicht ließ sich so ein klärendes Gespräch beginnen. „Niemand.“ Frank sah Lydia verständnislos an. „Niemand? Aber es muss doch jema...“
„Hör zu Frank: Ich möchte von dir bitte nicht auch noch bei meinen Telefonaten kontrolliert werden. Du treibst dich die halbe Nacht irgendwo herum, informierst mich nicht und ich mache mir Sorgen um dich.“
Frank gab kleinlaut bei. „Ja, du hast Recht Schatz. Ich wollte mich ja auch nur bei dir entschuldigen. Die letzten Tage waren so, ... So.“ Er fand nicht die richtigen Worte. Ja, wie waren die letzten Tage gewesen? Lydia, die sich ihm Tag für Tag hingegeben hatte. Plötzlich und augenscheinlich ohne Motivation, wie in den ganzen Jahren zuvor nicht. Das ganze Theater um Dr. Schwenkers Postkarte, oder Postkarten, die plötzlich verschwanden oder weggeworfen wurden. Frank schwirrte der Kopf. Er setzte sich neben Lydia. ‚Ich muss ihr alles erzählen‘, dachte er. Lydia reinen Wein einschenken. Die ganze verrückte Geschichte Dr. Schwenkers erzählen und alles würde vermutlich wieder in Ordnung kommen. Verdammt, er wollte doch nichts anderes als seine Ruhe und seiner Arbeit nachgehen. Dr. Schwenker würde früher oder später wieder aus seinem Urlaub zurückkehren. Und am Jahresende nähme ihn Dr. Schwenker in sein Team auf. Neben der willkommenen Gehaltserhöhung wäre er auch aus dem Klinikalltag heraus.
Frank nahm Lydias Hand. „Ich muss dir einiges erklären, Lydia.“ Ja, zum Teufel mit Dr. Schwenkers Anweisung, niemandem etwas zu erzählen. Lydia war schließlich seine Frau. Wenn er ihr nicht vertraute, wem sollte er dann vertrauen!
Das Telefon klingelte. Lydia ließ es klingeln.
„Äh, Lydia, das Telefon...“
„Das ist jetzt nicht wichtig. Liebster. Du wolltest mir doch etwas erzählen. Das Klingeln hört gleich wieder auf.“
Das Klingeln hörte auf. Begann aber gleich nach einer kurzen Pause erneut.
„Vielleicht solltest du doch rangehen. Oder gib mir den Apparat.“ Frank wurde unruhig. „Vielleicht ist es ja etwas Wichtiges in der Klinik!“ Lydia nahm den Apparat. „Hallo. Ja, ich bin‘s, Lydia. Nein. Nein. Frank sitzt neben mir. Ja, Moment.“ Sie hielt mit einer Hand die Sprechmuschel zu und wandte sich zu Frank. „Du, es ist wichtig und persönlich. Ich komme gleich wieder. Schatz.“
Damit stand sie auf und ging in die Küche. Sorgsam schloss sie die Tür hinter sich. Frank fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen. Seit wann hatte Lydia Geheimnisse vor ihm? Persönlich. Wichtig. Das Zimmer begann sich um Frank zu drehen. Kannte er denn seine Frau überhaupt? All die Jahre des Zusammenlebens und jetzt dies? Ohne sich dessen bewusst zu werden, tappte er zur Küchentür. Aber durch das Schlüsselloch zu schauen, soweit ließ er sich nicht herab.
Vorsichtig, um ja kein Geräusch zu verursachen, legte er ein Ohr an das glatte Holz der Türe. Dumpf drang Lydias Stimme zu ihm: „N... Frank ... erzählen ... Was? Brie... marke ... eine? Wirklich ...ur eine? Hollän...“
Lydias Stimme wurde noch leiser. Jetzt konnte Frank nichts mehr verstehen. Aber das reichte auch. Wer mochte Lydia über seinen Aufenthalt bei Dr. Grander so detailliert informieren? Denn offensichtlich ging es ja um die eine holländische Briefmarke. Rudak setzte sich wieder auf die Couch. War es Dr. Grander selbst, der ausgerechnet Lydia anrief? Nein, das konnte sich Frank nicht vorstellen. Granders Ehefrau? Das schon eher. Aber warum? Was wurde hier gespielt?
‚Ich muss die Informationen auf dem Chip abrufen‘, dachte Frank. Das würde die einzige Möglichkeit sein, etwas mehr Licht in das Dunkel der Angelegenheit zu bringen. Aber dazu musste er ungestört sein. Also Lydia doch noch nichts erzählen? Franks Gedanken überschlugen sich. Er musste eine Gelegenheit abwarten, wenn Lydia nicht im Haus war, um den Inhalt des Computerchips näher zu untersuchen.
Die Küchentür klappte auf. Seine Frau kam mit wiegendem Schritt auf ihn zu. „So, Liebster. Das war nichts Wichtiges, nur eine Freundin. Was wolltest du mir denn eben erklären?“ Sie nahm seine Hand in ihre. Dann sah sie ihm tief in die Augen. „Erzähl‘ mir alles und dann lass uns ein wenig ...“ Sie kicherte.
Auch das hatte Frank an ihr noch nicht erlebt. Lydia kicherte wie ein kleines Mädchen. Dann gab sie ihm einen Kuss. „Also, los jetzt.“
Frank sah sie an. „Ja, alles erzählen. - Hmm. Also, ich habe Dr. Grander getroffen und der hatte mir von seinen Briefmarken erzählt. Und da ich auch schon einmal Briefmarken gesammelt habe, interessierte mich das natürlich. Und da, da... ja, da du und ich ja wohl Streit hatten, wollte ich mich etwas ablenken und bin mit zu Dr. Grander gegangen. Der wollte nämlich, dass ich direkt mit zu ihm kommen sollte ...“
Frank glaubte seinem Gestottere selbst nicht. Aber er konnte Lydia jetzt auf keinen Fall die Wahrheit sagen. Später vielleicht. Erst musste er die Informationen auf dem Chip abfragen.
Lydia sah in zweifelnd an. „Frank, ist das wirklich alles? Das klingt so ...“ Sie ließ den Rest des Satzes unausgesprochen.
Ja sicher, das musste er zugeben, es klang ja auch so ...
Lydias Tonfall wurde leise und gequetscht. „Frank, du willst mich doch jetzt nicht für dumm verkaufen? Also, entweder du erzählst mir jetzt die Wahrheit oder ...“ Auch diesen Satz ließ sie unausgesprochen. Oder was?
„Oder?“
Frank hatte dieses ‚Oder‘ wider besseren Wissens doch ausgesprochen. Im gleichen Moment spürte er, das der Streit unausweichlich kommen würde.
„Frank, mein Liebster, wir sind doch verheiratet. Willst du deiner Frau denn nicht die Wahrheit sagen?“ Noch nahm Lydia sich arg zusammen. Ja, sie hielt auch weiterhin seine Hand und drückte diese leicht. „Frank, sei vernünftig.“
Frank schüttelte den Kopf. Dabei vermied er es, seine Frau anzusehen. „Aber es gibt nichts weiter zu erzählen. Lydia glaube mir!“ Lydia ließ seine Hand los. Ja, sie ließ die Hand nicht nur los, sie schleuderte sie förmlich von sich. Ihr Gesicht verzog sich. „Soweit ist es also mit dir! Wie soll ich dir das denn glauben? Aber nicht mit mir!“
Jetzt schrie sie fast. Lydia hatte sich kaum noch unter Kontrolle. „Ich werde heute Nacht bei einer Freundin schlafen! Du kannst dann mal darüber nachdenken, ob du mir nicht doch lieber die Wahrheit erzählen solltest. Und morgen sprechen wir dann noch einmal miteinander!“
Lydia war jetzt richtig wütend. Aber warum? Sie konnte doch unmöglich die Wahrheit kennen. Oder ahnte sie etwas? Der Telefonanruf. Dieses merkwürdige Verhalten. Aber würde sie ihm nicht eher helfen und auch dieses Mysterium aufgeklärt wissen wollen, sie seine Ehefrau?
Frank war hin- und hergerissen. In seinem Kopf drehte sich wieder alles. Es war doch eigentlich nichts passiert? Oder? Er wollte sich ein paar Worte zurechtlegen und stammelte schließlich: „Lydia, also hör‘ mal, ich...“ Frank sah auf. Da war keine Lydia mehr und im gleichen Moment hörte er die Haustüre zuschlagen. Lydia war einfach gegangen. So hatte sie sich noch nie betragen. Frank fuhr sich durch die Haare. Entgegen seiner Gewohnheit goss er sich zunächst einmal einen großen Cognac ein. Jetzt musste er wieder einen klaren Kopf bekommen!
Den klaren Kopf bekam er schließlich, nachdem er ihn einfach unter kaltes Wasser gehalten hatte. Zwar war es bei dem einen Cognac geblieben, aber der half nicht wirklich. Jetzt, mit nassen Haaren, sah ihm sein Gesicht aus dem Spiegel entgegen und Franks Gedanken ordneten sich langsam. Sicher, Lydia hatte sich merkwürdig verhalten. Aber wenn er einmal die Vergangenheit betrachtete, so fiel ihm doch auf, dass seine Frau immer schon äußerst gereizt und merkwürdig reagiert hatte, wenn sie ihren Willen nicht bekam. Frank war dem immer aus dem Weg gegangen, indem er ständig nach Lydias Willen gehandelt hatte. Dadurch war es niemals zu solch einem Eklat gekommen.
Er erinnerte sich noch an den Tag, als er von der Uni Klinik Berlin Antwort bekommen hatte. Damals sah er keine Chance, hier jemals in der Kinderabteilung des Krankenhauses in Frankfurt angestellt zu werden und folglich bewarb er sich in Berlin. Mit Lydia redete er zunächst nicht darüber, eine Absage wollte er ihr dann lieber nicht beichten müssen. Aber jetzt, da er quasi eine Zusage bekommen hatte und der Vorstellungstermin feststand, wollte er seine Freude unbedingt mit Lydia teilen. Frank kam ins Schwärmen. Arbeiten an der berühmten Charité. Vielleicht in der Kinderchirurgie oder in der Geburtsmedizin. Beide Abteilungen betrieben selbständige Forschungsprojekte und Frank sah sich schon als Professor in leitender Stellung.
Der Zeitpunkt mit Lydia zu reden war auch günstig, denn Lydia kam gut gelaunt vom Einkauf zurück und präsentierte ihm stolz neue Kleider, Röcke und Schuhe. Während sie den Champagner genossen, den sie mitgebracht hatte, sah Frank ihr tief in die Augen.
„Liebling, wir haben die Chance nach Berlin zu gehen.“ So, jetzt war es raus. Bestimmt würde Lydia sich freuen, denn sie hatte immer schon einmal von Berlin geschwärmt. Früher, bevor sie ihn kennengelernt hatte, war sie wohl des Öfteren in der Hauptstadt gewesen.
„Lydia, ich kann an der Uni Klinik in Berlin eine Stelle in der Kinderabteilung bekommen. Naja, zumindest habe ich einen Vorstellungstermin“, schwächte er dann ab.
Lydia sah ihn entgeistert an. „Jetzt aus Frankfurt fortziehen? Wie stellst du dir das denn eigentlich vor?“ Ihre Stimmung schlug von einem Moment zum anderen um. „Wir wollen uns das Reihenhaus kaufen, du hast eine gute Arbeit und wirst bestimmt bald befördert... Willst du deine Position in der Klinik aufgeben?“
„Welche Position? Ich wollte immer in die Kinderabteilung und auch gegebenenfalls in die Forschung. Außerdem kann ich in Berlin genauso gut an meiner Professur arbeiten, wie hier.“
Lydia warf das Sektglas auf den Boden, wo es klirrend in tausend Stücke zersprang. „Du hättest das mit mir absprechen müssen, mein Lieber! Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen! Hier geht es auch um mein Leben!“ Dann rannte sie aus der Wohnung und schlug die Tür laut hinter sich zu.
Genau wie jetzt auch. Natürlich hatten sie dann das Reihenhaus in Frankfurt Fechenheim gekauft. Er und Lydia versöhnten sich nach ihrer Rückkehr und überraschenderweise wurde einige Zeit darauf eine Stelle in der Kinderabteilung der Klinik frei. Frank arbeitete sich auf der Station rasch ein und war recht zufrieden. Und er lernte Dr. Schwenker kennen, der ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit die Möglichkeit in einigen Jahren in die Forschungsabteilung zu kommen, eröffnete. Alles lief bestens. Berlin erwähnte er nie wieder.
Frank blickte wieder in den Spiegel. Der Chip. Zunächst musste er die Karte finden, die Schwenker ihm damals gegeben hatte. Sorgfältig trocknete Frank sich ab. Dann begab er sich in sein Arbeitszimmer. Er hatte die Karte damals nach der Beerdigung versteckt. Nein, nicht einfach in eine Schublade gelegt, sondern da versteckt, wo er und nur er die Karte auch wiederfinden würde. Vorsichtig tastete er die Bretter der Dachschräge ab, bis er in der Ecke auf das lose Brett stieß. Mit leichtem Druck schob er es zur Seite. Die Karte war noch da. Sorgsam verpackt in Plastikfolie, lag sie noch in dem kleinen Hohlraum hinter dem Brett.
Frank nahm die Karte und schloss sein Versteck wieder. Dann setzte er sich an seinen kleinen Schreibtisch und öffnete vorsichtig die Folie. Es handelte sich um eine einfache Plastikkarte, wie sie früher üblich waren. Lediglich an der Stelle, wo sonst der Chip eingesetzt war, hatte Dr. Schwenker eine quadratische Vertiefung gelassen, die an einer Seite ein wenig abgeschrägt war. Frank holte seine Brieftasche und nahm den Chip vorsichtig heraus. Mit leichtem Druck ließ der sich in die Vertiefung einsetzen.
Frank schaltete seinen Computer an. Da der Schreibtisch nicht allzu groß war, befand sich der Rechner links vom Tisch, lediglich der Bildschirm stand vor ihm. Die Tastatur lag auf dem Rechner und während er sie anhob, um sie auf den Tisch zu stellen, blieb er am Kabel für das Internet hängen. ‚Hmm, vielleicht trenne ich lieber die Verbindung‘, dachte er und zog den Stecker aus dem Rechner. Frank war mit der Technik aufgewachsen und traute trotz aller Schutzprogramme dem Internet immer noch nicht. Obwohl die Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Jahren nahezu perfekt geworden sein sollten und das Thema ‚Internetsicherheit‘ in der Öffentlichkeit keine Erwähnung mehr fand, war er persönlich immer noch ein wenig skeptisch.
‚Lieber bei so brisanten Aktionen alle Risiken ausschließen‘, dachte er. Jetzt fehlte noch das Lesegerät für die Karte. Frank hatte das Gerät früher einmal günstig erworben, zusammen mit anderen Sachen in einem sogenannten ‚Bundle‘, es aber niemals benutzt. Hoffentlich war es noch auffindbar und nicht bei einer Aufräumaktion in den Müll geworfen worden.
Aber Frank konnte sich auch nur schwer von den Dingen trennen und schließlich fand er das Lesegerät in einem Karton mit anderem Computerschrott. ‚Na, ob das noch funktioniert ...‘, dachte er skeptisch, schloss dann aber den Kartenleser an seinem Computer an und schob die Chipkarte vorsichtig ein.
Kaum lag die Karte korrekt im Lesegerät, da erschien auch schon ein Bild auf dem Monitor. Frank legte das Lesegerät auf den Schreibtischrand und konnte gerade noch erkennen, wie es langsam abrutschte und von dort hinter den Rechner fiel. Das Anschlusskabel war wohl doch etwas zu kurz gewesen. Na, jedenfalls lief das Gerät noch und Frank war jetzt auch zu neugierig, als dass er das Lesegerät hinter dem Rechner wieder hervorkramen würde.
Er betrachtete das Bild am Monitor näher. In bunten Buchstaben auf einem grellbunten Bild standen dort die Worte ‚Die Waldabenteuer von Bing Bom und Dul Drein‘. Das war ein Computerspiel. Oder noch schlimmer: ein Computerspiel für Kinder. Frank wischte sich über die Augen. Wollte Dr. Schwenker ihn verarschen? Solch ein Riesenaufwand für ein Kinder - Computerspiel?
Frank hatte nie viel für Computerspiele übrig gehabt. Und auch, wenn die Entwicklung der Spiele bis hin zu interaktiven Holografiespielen, den sogenannten ‚IAHG‘, in denen man Tage verbringen konnte, gelangt war, sein Interesse hatte immer anderen Dingen gegolten. Aber das hier jetzt: Ein offensichtlich dilettantisch gemachtes, zweidimensionales Kinderspiel, das eher an die Gründerzeit der Computer erinnerte, als an das Zeitalter des High Tech. „Mein lieber Freund, ich glaube du willst dir einen Riesenjux mit uns erlauben“, schalt er seinen Vorgesetzten Dr. Schwenker im Selbstgespräch.
„Du sitzt jetzt auf deiner Segelyacht und lachst über uns Idioten, die wir auf deine Spielchen hereingefallen sind. Dr. Schwenker, nicht mit mir!“ Frank war sauer. Hatte er nichts Besseres zu tun, als hier Dr. Schwenkers Spielchen zu spielen? Er griff zum Schalter. Einfach ausschalten und dann lieber ein gutes Buch lesen!
„Was ist mit Dr. Schwenker, Liebster?“ Zuckersüß klang es von der Türe her. Lydia stand im Rahmen. Offensichtlich hatte sie sich beruhigt und war nach Hause zurückgekommen. Aber musste sie sich immer so anschleichen? Frank atmete tief durch. Junge, hatte sie ihn erschreckt.
„Lydia, du hast mich aber erschreckt. Seit wann bist du wieder hier?“
Und wie viel hatte sie von seinen Selbstgesprächen mitbekommen?
„Gerade auf die Minute, Liebster. Es tut mir leid, ich habe einfach sauer reagiert. Es ging mir alles noch einmal durch den Kopf, vielleicht war ich ja doch etwas zu aufgeregt. Kannst du mir noch einmal verzeihen?“ Damit kam sie näher und blickte auf den Bildschirm. „Ist das Dr. Schwenkers Spielchen, von dem du eben sprachst?“
Frank improvisierte und wie von selbst kam die Ausrede über seine Lippen. Es wunderte ihn selbst, wie einfach ihm das fiel. „Nein, ich meinte, dass Dr. Schwenker einmal erwähnt hatte, dass dieses Spiel sehr interessant sein sollte, darum habe ich es mir aus dem Internet heruntergeladen.“ Frank bezweifelte selbst, dass Lydia ihm das glauben würde.
„Ein Kinderspiel? Ich denke, du machst dir nichts aus Computerspielen? Und schon gar nicht aus solch einem Schrott.“
Frank wollte den Rechner jetzt endlich abschalten.
„Nein, mein Schatz, nicht abschalten“, Lydia hielt seine Hand fest. „Lass uns doch mal in das Spiel von Dr. Schwenker reinschauen.“ Damit drückte sie die Starttaste. Lydia kannte offensichtlich von Computerspielen wesentlich mehr als er. Geschickt bewegte sie eine behäbige Bärenfigur durch einen bunten Wald. Frank fiel ein Wort ein, dass sie während des Studium mehr als häufig benutzt hatten: grottenschlecht. Ja, das Spiel war einfach unmöglich.
„Komm, Lydia, lass es sein. Das Spiel ist schlecht und uninteressant. Erzähl‘ mir lieber, wo du gewesen bist.“ Lydia würde ihm seinen Lebtag nicht erzählen, wo sie vorhin gewesen war, aber Frank hatte von diesem miesen Spiel die Nase voll. Jetzt ein gutes Glas Wein, vielleicht eine Kleinigkeit zu essen und dann mit Lydia ... Es gab doch eigentlich nichts Schöneres als Versöhnungssex, oder?
Ein metallischer Ton drang aus dem kleinen Lautsprecher am Monitor. Am Bildschirm erschien ein Eingabefeld: ‚Du hast das erste Rätsel gefunden. Gib den Zugangscode ein und sammle Bärenpunkte‘, stand da in bunter Schrift, jeder Buchstabe hatte eine andere Farbe. Lydia tippte einige Zahlen ein. ‚Falsch, falsch, falsch‘, in Sprechblasen stieß der jetzt tanzende Bär die Worte aus. Frank sah entgeistert auf den Bildschirm. Das miese Computerspiel an sich war ja schon ausreichend, ihm die Laune zu verhageln, aber was er auf den Tod nicht ausstehen konnte, waren Comics mit sinnlos brabbelnden Sprechblasenjongleuren.
Lydia schien das nicht zu stören. Sie versuchte es erneut. Wieder tanzte der Bär. Erneut versuchte sie den richtigen Code einzugeben.
Frank hatte genug. Sollte Lydia sich doch alleine amüsieren. Er stand auf. In diesem Moment knackte es empfindlich im Lautsprecher und der Bildschirm färbte sich komplett rot. In weißer Schrift erschien der Satz: ‚Spiel verloren - ENDE‘. Dann ging gar nichts mehr.
Lydia war enttäuscht. „Na, das ist ja vielleicht ein Mistspiel, mein Lieber. Sonst meidest du Computerspiele wie der Teufel das Weihwasser, und jetzt so ein Schrott. Frank, du verwunderst mich immer wieder.“ Wütend sprang sie auf.
Frank schaltete den Rechner ab. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es weit nach Mitternacht war. „Komm, Lydia, lass uns schlafen gehen. Es ist schon spät. Gut, dass ich morgen - nein heute - nicht zur Arbeit muss.“
