Das Trainee-Programm -  - E-Book

Das Trainee-Programm E-Book

0,0

Beschreibung

Trainee ist ein erlebnis- und praxisorientiertes Schulungsprogramm für junge Menschen ab 14 Jahren. Sie erhalten als Trainees umfassende pädagogische, soziale, personale, theologische und organisatorische Schlüsselqualifikationen, um Persönlichkeit zu bilden und Fähigkeiten zu vertiefen. Davon profitieren sie selbst, ihr persönliches sowie schulisches Umfeld und auch die Kinder-, Jugend- und Gemeindearbeit. Trainee begleitet junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Trainee stärkt die dazu benötigten Kompetenzen. Trainee fördert das Engagement, das junge Menschen einbringen können. Das Trainee-Programm ist ein Buch für Mitarbeitende, die Trainees schulen und begleiten. Es bietet -einen Überblick über die relevanten Themen, die das Schulungsprogramm behandeln kann. -vielseitige Informationen und Vorlagen zur Durchführung eines Trainee-Programms. -ausgearbeitete Einheiten zur praxisnahen Vermittlung dieser Themen. Zum Buch gehört der exklusive Zugriff auf zahlreiche ergänzende Downloads für die praktische Umsetzung der Einheiten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 605

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie Frauen und Männern gerecht werden, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, wo beide gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Nicht immer gelingt dies auf eine Weise, dass der Text gut lesbar und leicht verständlich bleibt. In diesen Fällen geben wir der Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes den Vorrang. Dies ist ausdrücklich keine Benachteiligung von Frauen oder Männern.

Die im Titel enthaltenen Bibeltexte sind i. d. R. zitiert aus Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Evangelischen Kirche in Deutschland, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart und BasisBibel. Das Neue Testament, © 2010 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Dieser Titel ist entstanden in Zusammenarbeit mit den Arbeitsbereichen Trainee (www.trainee-online.de) und Schülerarbeit (www.schuelerarbeit.de) im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg sowie dem CVJM-Gesamtverband in Deutschland e. V., dem Deutschen Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) e. V., der Evangelischen Jugend Österreich, den Apis. Evangelischer Gemeinschaftsverband Württemberg e. V. und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Impressum

© 1. Auflage 2019 buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2019

All rights reserved.

ISBN Buch 978-3-86687-233-2 ISBN E-Book 978-3-86687-234-9

Lektorat: buch+musik – Birgit Götz, Marburg Umschlaggestaltung: buch+musik – Heidi Frank, Stuttgart Satzprogrammierung: X1-Publishing, Stuttgart Satz Downloads: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart Gestaltung Infografiken: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart Bildrechte Umschlag und Inhalt: istock, edge69; fotolia, flas100 Bildrechte Autorenfotos: bei den Autoren

www.ejw-buch.de

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Technische Hinweise
1. Das Trainee-Programm
1.1 Grundsätzliches
1.2 Übersicht der Trainee-Modelle
1.3 Das Schülermentorenprogramm „Soziale Verantwortung lernen“
1.4 Zertifizierung
2. Das Trainee-Programm durchführen
2.1 Geeignete Kooperationspartner finden
2.2 Eckpunkte für das eigene Trainee-Modell festlegen
2.3 Verknüpfung von Theorie und Praxis
2.4 Von den Vorüberlegungen zum Gesamtablauf
2.5 Finanzen
2.6 Mitarbeiterteam
2.7 Öffentlichkeitsarbeit
2.8 Gestaltung der Trainee-Treffen
2.9 Kursauftakt
3. Das Trainee-Programm beenden
3.1 Kursabschluss mit Feier und Zertifizierung
3.2 Impulse für die Zeit nach dem Trainee-Jahr
3.3 Service Learning
3.4 Mentoring nach dem Trainee-Jahr
3.5 Trainees auf dem Weg nach EMMAUS
4. Die Trainee-Kompetenzen
4.1 Pädagogische Kompetenzen
4.1.1 Gruppenphasen
4.1.2 Leitungsstile und Gruppenrollen
4.1.3 Entwicklungspsychologie
4.1.4 Spielpädagogik
4.1.5 Geländespiele
4.1.6 Erlebnispädagogik
4.1.7 Gruppenstunden kreativ gestalten
4.1.8 Kennenlernabende gestalten
4.2 Soziale Kompetenzen
4.2.1 Kommunikation – wie ich was am besten sage und verstehe
4.2.2 Konflikte
4.2.3 Kinder- und Jugendnöte, Gewalt und Grenzverletzungen
4.2.4 Umgang mit spannungsvollen Situationen in der Gruppenarbeit
4.2.5 Berührungsängste überwinden – interkulturelle Begegnungen gestalten
4.2.6 Offene Arbeit
4.2.7 Beziehungsorientierte Kinder- und Jugendarbeit
4.2.8 Praxisreflexion
4.3 Personale Kompetenzen
4.3.1 selbst:wert – wert:voll – voll:kommen
4.3.2 Zeitmanagement und Stress
4.3.3 Rhetorik und Präsentation
4.3.4 Feedback
4.3.5 Ich sage Ja – Motivation zur Mitarbeit
4.3.6 Persönliche Stärken entdecken
4.3.6.1 Gaben und Grenzen
4.3.6.2 Mitarbeiter sein
4.3.6.3 Erlebnispädagogische Ansätze zum Themenbereich
4.4 Theologische Kompetenzen
4.4.1 Glaubensentwicklung – Vorstellungen und Gottesbilder
4.4.2 Gott in deinem Leben entdecken
4.4.3 Sinn gesucht – meine Beziehung zu Gott
4.4.4 Du bist Kirche
4.4.5 Ein Traum von Gemeinde: Fresh X
4.4.6 Preach it! – einprägsam verkündigen
4.4.7 Erzähl doch mal! – biblische Geschichten erleben
4.4.8 Singen mit Kindern
4.4.9 Beten mit Kindern
4.4.10 Beten mit Jugendlichen
4.4.11 Jugendgottesdienste gestalten – Kirche mit und von Jugendlichen
4.5 Organisatorische Kompetenzen
4.5.1 Projekte in der Jugendarbeit erfolgreich planen und umsetzen
4.5.2 Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
4.5.3 Ermöglicher für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
4.5.4 Rechtsfragen in der Kinder- und Jugendarbeit
4.5.5 Medieneinsatz – wichtig ... doch bitte richtig!
4.5.6 Finanzwesen – Kalkulationen
4.5.7 Programmplanung für Gruppen
4.5.8 Projekte an der Schule – für bestehende Trainee-Gruppen
Anhang
Die Herausgeber
Die Autoren

Vorwort

Das Trainee-Programm hat eine Weggeschichte.

Hinter dem Trainee-Programm verbirgt sich eine Investition in junge Menschen und in ihr soziales Engagement. Es folgt einem Programm, das Ende der 1990er Jahre im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg entwickelt worden ist. Seitdem wurde das Trainee-Programm vielfach erprobt und durchgeführt. Es hat sich hundertfach bewährt und wurde ständig weiterentwickelt. Diese Entwicklungen in Theorie und Praxis zu dokumentieren, ihnen Raum zu geben, sie zu teilen und anderen zugänglich zu machen, davon handelt dieses Buch.

Das Trainee-Programm ist wie eine Wegstrecke.

Die Strecke ist klar definiert und hat ein Ziel. Dabei ist das Trainee-Programm kein starres Schulungsprogramm. Auch wenn es einer bestimmten Themenpalette folgt, die zum Beispiel zum Erwerb der Juleica führt, lässt sich das Trainee-Programm in Dauer, Form und Inhalt flexibel an die Bedürfnisse vor Ort anpassen. Und nicht nur das: Es passt sich auch an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Teilnehmenden an. Das Trainee-Programm hat die einzelnen Jugendlichen im Blick, mit ihrem Potenzial, ihren Möglichkeiten und Begabungen. Sie zu begeistern, ihre Persönlichkeit zu bilden, ihre Kompetenzen zu stärken und ihr Engagement zu fördern, ist oberstes Ziel des Trainee-Programms.

Das Trainee-Programm ist wie eine gemeinsame Küstenwanderung.

Neben den überraschenden Perspektiven, die sich bei so einer Küstenwanderung hinter jedem Abschnitt neu eröffnen, ist es die Weggemeinschaft, die prägend ist. Wer einmal zusammen mit anderen aufgebrochen und einen Weg gegangen ist, weiß, wie anregend eine Weggemeinschaft sein kann. Miteinander unterwegs zu sein, fordert und fördert das Miteinander und die/den Einzelnen. Jede Person entdeckt sich selbst im Spiegel der anderen immer wieder neu. Dabei wirkt der Zeitraum, über den sich das Trainee-Programm erstreckt, wie ein Weg an einer kurvigen Küste entlang, bei dem man nur bis zur nächsten Wegbiegung sieht. Er wird Schritt für Schritt gegangen und ermöglicht so nach und nach eigene Entdeckungen und erstaunliche Entwicklungen.

Das Trainee-Programm ist eine Hilfe für den eigenen Weg.

Aus Sicht der Teilnehmenden ist entscheidend: Eine Teilnahme an einem Trainee-Programm bringt mich immer voran. Sie fördert meine Persönlichkeit, ermöglicht mir den Blick in die Weite, hilft mir, mich zu engagieren und lehrt mich, dabei meinen eigenen Weg bewusst und den Umständen (dem Gelände) entsprechend zu gehen.

Das Trainee-Programm ist ein einfühlsam geführter Weg.

Die Teilnehmenden entdecken: Ich kann mich als Trainee auf dieser Wanderung nicht verlaufen. Ich werde mein Ziel erreichen. Dafür sorgen unterschiedliche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter an meiner Seite. Sie agieren als Mentoren und Coaches. Sie geben mir Anteil an ihren Erfahrungen und investieren ihre Zeit und ihre Kompetenzen in mich. Sie helfen mir, über Abhänge und Klippen hinunter, in die Buchten und an den Anstiegen wieder hinauf auf die Hochflächen. Und vor allem sorgen sie dafür, dass ich eines nicht verliere: den Blick hinaus aufs Meer. In die Weite, die Gott mir eröffnet.

Dieses Buch führt in das Trainee-Programm ein.

Es verbindet grundsätzliche Überlegungen mit einer Fülle an Praxishilfen. Es ist ideal für alle, die das Trainee-Programm kennenlernen wollen. Gleichzeitig ist es eine echte Bereicherung für diejenigen, die schon eigene Trainee-Erfahrungen haben und auf der Suche nach neuen, inspirierenden Trainee-Ideen sind. Ihnen und all den Teilnehmenden der daraus entstehenden Trainee-Kurse wünsche ich von Herzen Gottes spürbaren Segen.

Dieter Braun Fachlicher Leiter im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg

Technische Hinweise

An diesem Trainee-Buch haben viele Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland und Österreich mitgeschrieben. Diese Vielfalt spiegelt auch den geografischen Raum wider, in dem das Trainee-Programm durchgeführt wird. So ist das Trainee-Programm mittlerweile im ganzen deutschsprachigen Raum ein Begriff für ein Schulungsmodell von ehrenamtlichen Mitarbeitenden und wird von vielen christlichen Kirchen und Verbänden angewandt.

Da es in den unterschiedlichen Regionen allerdings verschiedene Bezeichnungen für Einrichtungen der Kirche oder der Kinder-und Jugendarbeit gibt sowie verschiedene Bezeichnungen für Strukturen in den Kirchen bzw. den Verbänden der Kinder- und Jugendarbeit, haben wir uns hier für eine einheitliche Begriffsweise, die in Württemberg üblich ist, geeinigt, weil das Trainee-Programm dort entwickelt wurde. Ein paar Erklärungen:

Kirchenbezirk: In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg steht der Begriff Kirchenbezirk für eine Verwaltungseinheit von mehreren evangelischen Kirchengemeinden. Dieser Kirchenbezirk wird von einer Dekanin / einem Dekan geleitet. Daher wird der Kirchenbezirk teilweise auch Dekanat genannt. In anderen Landeskirchen oder Gebieten heißen diese z. B. Kirchenkreis oder Probstei.

Bezirksjugendwerk: In Württemberg ist ein Bezirksjugendwerk eine Einrichtung des evangelischen Kirchenbezirks und zugleich Teil des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende verantworten gemeinsam die bezirksweite Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinden innerhalb des jeweiligen Kirchenbezirks.

Kirche: Wenn in dem Buch von Kirche oder kirchlicher Jugendarbeit die Rede ist, so ist damit nicht nur die evangelische Kirche gemeint, sondern alle christlichen Kirchen. Ebenso sind mit dem Begriff Kirche auch alle Verbände wie z. B. CVJM oder EC gemeint. Der Lesbarkeit halber wurde der Überbegriff Kirche gewählt, meint jedoch jegliche Form von christlicher Kinder- und Jugendarbeit.

Abendliche Trainee-Veranstaltungen: In diesem Buch wird bei den meisten Kapiteln und Einheiten davon ausgegangen, dass die Trainee-Einheiten abends stattfinden, was in der Regel der Fall ist. Ausnahmen hiervon sind Modelle von Trainee-Programmen an der Schule oder Schulungen, die an Wochenenden stattfinden. Diese Veranstaltungen sind natürlich in derselben Weise angesprochen.

Die Website zum Buch

Damit mithilfe dieses Buches eine Trainee-Stunde schneller vorbereitet ist, stehen alle Grafiken aus diesem Buch, viele Arbeitsaufgaben und Arbeitsblätter sowie ergänzendes Material zum Download zur Verfügung. Sie sind im Buch jeweils mit einem Symbol gekennzeichnet und lassen sich anhand der Kapitelnummerierung leicht finden. Ebenso steht dort ein Werbevideo für das Trainee-Programm zur Verfügung.

Alle Daten kann man unter www.trainee-online.de herunterladen. Die Daten sind passwortgeschützt. Der Zugangscode ist 3PTd-19!Dieser Zugangscode darf nicht weitergegeben werden. Nur der Kauf des Buches berechtigt zum Zugang sowie zum Downloaden, Ausdrucken, Kopieren und Verwenden dieser Daten, sofern sie zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches verwendet werden. Eine Vervielfältigung, Verwendung oder Weitergabe darüber hinaus ist ohne Erlaubnis ausdrücklich nicht gestattet.

Redaktioneller Stand: April 2019

1. Das Trainee-Programm

1.1 Grundsätzliches

Die Idee

2002 hatten Reinhold Krebs und Götz Kanzleiter die Idee, ein praxisorientiertes Schulungsprogramm für Jugendliche zu entwickeln, das sich an den Jugendlichen selbst und ihren Begabungen orientiert. Ausgangspunkt war hierbei die Erkenntnis, dass Jugendliche sich durchaus einbringen möchten, lernbereit sind und in ihrer Persönlichkeit reifen wollen. Jugendliche möchten ihre Welt mitgestalten, aktiv sein und sich sozial engagieren. Daraus entstand das Trainee-Programm, das direkt an der Lebenswelt der Jugendlichen anknüpft und das Interesse der Jugendlichen für soziale Verantwortung aufgreift und ausbauen will.

Die Jugendlichen werden bei ihrem Engagement grundsätzlich von einer Vielzahl an außerschulischen Bildungspartnern unterstützt. Während in der Schule die formale Bildung stattfindet, geschieht in der evangelischen Jugendarbeit, und in vielen anderen Jugendverbänden und Einrichtungen der Jugendarbeit, die non-formale Bildung. Denn neben Schule, Ausbildung und Universität gibt es noch zahlreiche andere Lernorte. Die Familie, die Clique, die Medien, der Wohnort und natürlich die Jugendarbeit sind solche Lernorte. Und überall dort werden wichtige Lebenserfahrungen gemacht und Impulse für die Lebensgestaltung gegeben.

Das Trainee-Programm möchte die Jugendlichen an ihren Orten und in ihren Situationen abholen. Es möchte für die Jugendlichen Rahmenbedingungen schaffen, in denen sie ihre eigenen Ressourcen entdecken und ausbauen können.

Das Trainee-Programm ist in seinem Kern auf fünf Kompetenzen ausgerichtet: pädagogische Kompetenzen, soziale Kompetenzen, personale Kompetenzen, theologische Kompetenzen, organisatorische Kompetenzen. Es sind gerade diese Kompetenzen, die für die Jugendlichen auf ihrem weiteren Weg von entscheidender Bedeutung sind. Mit diesen Fähigkeiten können sie sich später in der Kinder- und Jugendarbeit, der schulbezogenen Arbeit oder einem anderen gesellschaftlichen Engagement einbringen.

Doch hier kommen wir zu einer gewissen Ambivalenz. Im Trainee-Programm soll es in erster Linie um die Jugendlichen selbst gehen, um die Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Die Mitarbeit in der Gemeinde, Schule oder Gesellschaft können hier nur das Ergebnis sein, das sich hoffentlich einstellt, aber das wir nicht von ihnen einfordern können. Beim Trainee-Programm sollen die Jugendlichen etwas über sich selbst erfahren und sich dadurch weiterentwickeln.

Dabei werden die Jugendlichen nicht nur theoretisch geschult, sondern machen auch praktische Erfahrungen. Daher sind die Praxisanteile genauso wichtig wie die theoretischen Einheiten. Das Trainee-Programm soll die Theorie mit der Praxis verbinden und daher eine erlebnisorientierte Ausbildung sein. Denn nur wer auch seine entdeckten Gaben und Fähigkeiten erproben und nutzen kann, wird diese auch vertiefen können. In dieser praktischen Phase sollen die Trainees mit erfahrenen Mitarbeitenden bekannt gemacht werden und von ihnen lernen. Die Mitarbeitenden übernehmen hier eine Mentorenfunktion für die Trainees (s. Kap. „2.6.2 Mentoren“ und „2.6.3 Mentoring: Die ersten Treffen gestalten“). Durch diese Komponente sollen die Trainees noch intensiver an ihre Aufgaben herangeführt und weiter qualifiziert werden. Das praktische Lernen, verbunden mit der Weitergabe von Fähigkeiten einer erfahrenen Mitarbeiterin oder eines erfahrenen Mitarbeiters, gibt dem Trainee-Programm eine zusätzliche Qualität. Diese Form des Lernens ist uralt, ob in der Antike oder der Neuzeit, das Lernen von und mit anderen ist und bleibt eine gute und bewährte Form.

Die Qualität, die das Trainee-Programm hier bietet, ist daher nicht nur ein Modell für jüngere Jugendliche. Auch ältere Jugendliche oder Junge Erwachsene, die etwas später in die Kinder- und Jugendarbeit einsteigen wollen, können durch ein solches mentorengestütztes Modell ihre Fähigkeiten ausbauen, entdecken und Verantwortung übernehmen. Daher beginnen Trainee-Programme ab Ende des Konfirmandenjahres. Das Trainee-Programm will auch bewusst ein flexibles Schulungsprogramm sein, das je nach Zielsetzung und Bedingungen vor Ort angepasst werden kann.

Grundsätzlich gilt für alle Trainee-Programme:

Das Trainee-Programm ist ein flexibles und transparentes Konzept, hat aber klare Rahmenbedingungen. Der Kontext (Schule, Jugendarbeit, Gemeinde) kann unterschiedlich sein und auch die Zielgruppe kann variieren. Daher muss das Trainee-Programm immer angepasst und eingepasst werden. Es ist schwierig, ein Modell einfach so zu übernehmen.

Das Trainee-Programm verbindet Theorie und Praxis in einer Weise, die das Ausprobieren, die Lust am Selbstmachen und das Austesten der Jugendlichen selbst aufnimmt. Verbunden mit einer guten Gruppenatmosphäre macht dann das gemeinsame Lernen richtig Spaß.

Das Trainee-Programm nimmt die Stärken der Jugendarbeit (soziales Lernen, Wertorientierung, Eigenverantwortung usw.) auf und hat die neuen Anforderungen und Bildungskonzepte der Schule im Blick. Die Jugendarbeit kann mit diesem Kompetenztraining die Schule als hervorragenden Bildungspartner sehr gut ergänzen.

Das Trainee-Programm schafft in der Gruppe eine produktive und nachhaltige Gruppendynamik, die oft über den Kurs hinausgeht. So können Gruppengründungen in Jugendarbeit, Gemeinden und an der Schule gefördert werden.

Das Trainee-Programm ist eine gelungene Mischung aus Freiwilligkeit und Verbindlichkeit (durch Anmeldung, Vereinbarung usw.).

Das Trainee-Programm hat durch den überschaubaren Projektcharakter eine niedrige Eintrittsschwelle. Der Veranstalter erreicht damit einen größeren Personenkreis als mit klassischen Jugendgruppen und kann gleichzeitig über diesen Kurs seine Ziele gut nachvollziehbar umsetzen.

Das Trainee-Programm endet mit einer attraktiven Honorierung und Zertifizierung des sozialen Engagements und bietet somit auch eine Motivation zur Teilnahme (s. Kap. „

1.4 Zertifizierung

“).

Das Trainee-Programm bietet den Jugendlichen Erfolgserlebnisse und wertschätzendes Feedback.

Das Trainee-Programm bringt nicht nur Jugendliche weiter, sondern auch Organisationen und Institutionen. Die Schubkraft engagierter Jugendlicher kann Schulen, Gemeinden, Vereine und Jugendorganisationen von „unten“ heraus verändern.

Bei all diesen Fixpunkten ist es wichtig zu wissen, dass es nicht DAS Trainee-Programm gibt, das nach ganz festen Regeln abläuft (außer natürlich den theoretischen und praktischen Vorgaben für die Juleica). Das Trainee-Programm ist vielmehr ein fester Rahmen, in dem man sich bewegen und experimentieren kann. So gibt es Trainee-Programme für Konfirmandinnen und Konfirmanden, für Mitarbeitende in der Jugendarbeit, für Schülerinnen und Schüler an den Schulen, in Kooperation mit anderen Institutionen usw. Und das ist die große Stärke des Trainee-Programms: es ist an die jeweilige Situation vor Ort anpassungsfähig.

Das Trainee-Programm bietet viele Vorteile, möchte aber gleichzeitig nicht andere Schulungsmodelle wie z. B. Grund- oder Aufbaukurse ablösen. Vielmehr öffnet das Trainee-Programm auch hier die Möglichkeit, diese Schulungsmodelle zu ergänzen oder weiterzuentwickeln. Ideen hierfür gibt es unter anderem unter Kapitel „1.2 Übersicht der Trainee-Modelle“.

Der Name

Zugegeben: Mit dem Namen „Trainee“ waren Reinhold Krebs und Götz Kanzleiter etwas mutig, als sie ihn 2002 für dieses Schulungsprogramm ausgewählt haben. Denn in der freien Wirtschaft wird dieser Begriff seit vielen Jahren in der Personalentwicklung verwendet. Hierbei werden Personen, meist junge Menschen, die künftige Führungskräfte im Unternehmen werden sollen, sozusagen „on the job” gefördert. Die jungen Mitarbeitenden übernehmen dabei nach und nach die eigentlich angestrebten Aufgaben, werden dabei speziell geschult und gefördert und meist mit einer erfahrenen Mitarbeiterin oder einem erfahrenen Mitarbeiter bekannt gemacht. Diese erfahrenen Mitarbeitenden übernehmen dann eine Art Mentorenfunktion für diese Person. Dadurch werden die jungen Menschen an ihre Aufgabe herangeführt und weiter qualifiziert.

Aus diesem Grund gab es immer wieder, wohl zu Recht, Rückfragen, ob dieser Begriff für überwiegend 14- bis 17-jährige Jugendliche, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, nicht doch etwas zu hoch gegriffen sei. Die Frage ist berechtigt. Doch wenn man diese Beschreibung liest, dann stellt man fest, dass die Grundlage und Basisidee des Trainee-Programms für Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit an das Trainee-Programm der freien Wirtschaft sehr nahe heranreicht. Daher finden wir, dass es dann doch nicht so weit hergeholt ist.

Mittlerweile hat sich der Begriff ohnehin in den kirchlichen Gemeinden/Vereinen und an den Schulen etabliert. Und warum auch nicht? Trainee klingt modern und zukunftsorientiert und, im Gegensatz zum Begriff „Schulung“, der sich sehr nach Schule anhört, klingt Trainee nach „Training, persönliche Entwicklung“ und ist somit bei Jugendlichen deutlich positiver besetzt.

Zudem drückt der Name Trainee auch das Niveau und die Qualität des Kurses aus. Das Trainee-Programm ist nicht nur eine Schulungseinheit, es ist eine Erweiterung der eigenen Kompetenzen und ein Wachsen der Persönlichkeit durch die neuen Herausforderungen. Dadurch wird für die Jugendlichen klar, dass das Trainee-Programm mehr ist als ein Freizeitvergnügen, dass das Trainee-Programm etwas mit ihnen als Person zu tun hat. Das Trainee-Programm will fordern und fördern. Der Name signalisiert: Gib dein Bestes! Ein Trainee zu sein verpflichtet die Jugendlichen, denn es wird ihnen etwas zugetraut und anvertraut.

Vor allem aber signalisiert der Name deutlich, dass es hier um mehr als nur eine theoretische Ausbildung geht. Das Trainee-Programm ist vor allem auch eine praktische Ausbildung, ein Lernen, das über die schulisch-kognitiven Formen und Methoden hinausgeht. Das praktische Erproben des Erlernten in Verbindung mit dem Mentoring ist ein umfassendes Trainingsprogramm, das die Teilnehmenden als ganze Person ansprechen möchte. Daher scheint der Begriff Trainee genau der Richtige zu sein.

Das Ziel

Je nach Ausgangssituation und Zielgruppe ergeben sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Trainee-Programmen. Diese verschiedenen Möglichkeiten und Formen machen das Trainee-Programm so flexibel und lassen sich auf die jeweilige Situation vor Ort, im Kirchenbezirk oder der Schule perfekt anpassen. Diese Flexibilität mag manchmal verwirren, aber genau sie ist die große Stärke des Trainee-Programms. Denn egal wie unterschiedlich die Trainee-Modelle auch aussehen mögen, sie verbindet eine gemeinsame Grundidee und ein gemeinsames Ziel.

Das Ziel des Trainee-Programms ist es, in einem handlungsorientierten und praktisch ausgerichteten Programm Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, Neues über sich selbst zu entdecken und zu erfahren. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen die für sie in der Jugendarbeit notwendigen Eigenschaften, Rahmenbedingungen und Fertigkeiten erlernen können, um gut ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit zu werden. Dadurch übernehmen sie soziale Verantwortung und reifen als Personen. Die Schulungsinhalte orientieren sich an den Richtlinien der Juleica-Ausbildung, die man am Ende erworben hat (Näheres dazu unter Kap. „1.4 Zertifizierung“).

Das Trainee-Programm wird in aller Regel durch erfahrene ehren- und/oder hauptamtlich Mitarbeitende aus einem Ort begleitet. Damit ist das Trainee-Programm zunächst einmal auf eine Gruppe vor Ort ausgerichtet. Im weiteren Verlauf sollte sich die Gruppe aber auch mit anderen Gruppen oder Angeboten, z. B. des Bezirksjugendwerks, vernetzen, um die eigene Arbeit zu bereichern und den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. Die Struktur der Trainee-Gruppen ist aber immer eine von unten nach oben ausgerichtete Bewegung, also von der Gruppe ausgehend. Bei anderen Schulungsangeboten wie beispielsweise einem Grundkurs auf Kreisebene ist die Bewegung eine andere: Die Schulung findet in der großen Gruppe statt und die/der Einzelne geht dann wieder in ihren/seinen Ort zurück. Beim Trainee-Programm ist es gleich, ob es von einem Ort ausgerichtet wird oder von einer Region: Der Kern des Programms ist immer die Gruppe vor Ort. Damit ist diese Gruppe eine Heimat und zugleich durch die Vernetzung mit anderen Gruppen und Angeboten ein Teil eines großen Ganzen.

Mittlerweile gibt es viele Trainee-Programme, die von Bezirksjugendwerken und Kirchenkreisen organisiert werden oder in einem anderen regionalen Zusammenschluss fungieren und auch teilweise mit Grund- oder Aufbaukursen ergänzt bzw. erweitert werden. Hierbei bleibt der Grundsatz gleich: Die Basis des Trainee-Programms ist die Gruppe vor Ort. Hier entstehen die Beziehungen, dort findet die Praxis statt und das Trainee-Programm wird mit Leben gefüllt.

Zusätzlich gibt es mittlerweile auch viele Trainee-Programme, die gemeinsam von mehreren nachbarschaftlichen Orten organisiert und durchgeführt werden. Diese Bündelung der Kräfte hat verschiedene Vorteile, organisatorische wie inhaltliche. So können Kapazitäten besser genutzt werden und die Trainees gewinnen einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und erweitern somit ihr Blickfeld und ihre Erfahrungen. Beispiele für verschiedene Möglichkeiten hierzu findet man in Kapitel „1.2 Übersicht der Trainee-Modelle“. Egal, wie letztlich die Struktur aussieht, das Ziel ist und bleibt die Kleingruppe und darin die/der einzelne Trainee mit ihren/seinen Eigenschaften und Fähigkeiten, die sie/er in die Gruppe mit einbringt.

Somit ist die Gruppe vor Ort als feste, für die Teilnehmenden verbindliche, Gruppe vorgesehen. Sie ist in Form eines Projektes organisiert. Dies bedeutet, dass sie sich von einem fixierten Start- zu einem fixierten Endtermin erstreckt und in dieser Zeit einen zuvor festgelegten Zeitplan sowie ein bestimmtes Thementableau (das sich an den Juleica-Vorgaben orientiert) und ein damit verbundenes Ziel verfolgt. Dabei ist es schon Teil der Ausbildung, die erworbenen Kenntnisse auch direkt bei praktischen Umsetzungen gemeinsam zu erproben oder einzeln praktische Erfahrungen zu sammeln.

Durch diese festen Rahmenbedingungen sowie die Tatsache, dass Jugendliche und Trainee-Mitarbeitende die gesamte Zeit miteinander unterwegs sind, ist es möglich, weitere, zusätzliche Ziele zu verfolgen, die sich die Mitarbeitenden des Trainee-Programms oder die Trainees selbst stecken können. Hier sind z. B. auch zusätzliche geistliche Komponenten denkbar und möglich oder aber auch das Ziel, nach der gemeinsamen Trainee-Zeit als Gruppe weiter zu bestehen. Dieser Übergang sollte dann gemeinsam als neue Phase benannt und gestaltet werden.

Einerseits kann so versucht werden, die Jugendlichen in Gruppenformen und Kreisen zu beheimaten oder mit ihnen eine ganz neue Gruppenform zu entwickeln, in der sie Beziehungen leben können (Näheres dazu in Kap. „3.2 Impulse für die Zeit nach dem Trainee-Jahr“). Andererseits ergibt sich die Möglichkeit, die Einzelne / den Einzelnen in den Blick zu nehmen. Durch das gewachsene Vertrauen in die Gruppe und zu den Trainee-Mitarbeitenden ist es möglich, stark persönlichkeitsbildend und glaubensfördernd zu arbeiten. Jugendliche können hierbei in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrgenommen und so individuell begleitet werden. Somit kann man sagen: Das Ziel des Trainee-Programms wird stark von der Gruppe selbst und ihrem gemeinsamen Ausgangspunkt, aber vor allem auch durch ihre gemeinsame Entwicklung bestimmt.

Diese Möglichkeiten, die die verschiedenen Trainee-Programme und -Formen bieten, sind eine große Chance für die Gruppe und die/den Einzelnen. So kann man entweder mit Jugendlichen arbeiten, die überwiegend bereits viele Erfahrungen mit der christlichen Jugendarbeit gemacht haben, oder aber mit Jugendlichen, die keine spezielle Gruppenerfahrung besitzen. Ebenso ist es möglich, im Kontext Schule anzusetzen und verschiedene Weltanschauungen und andere Institutionen, in denen sich die Jugendlichen bewegen, mit in das Programm einzubeziehen. Oder aber man setzt an biografischen Stationen wie der Konfirmation an, um die Jugendlichen über diese Zeit hinaus zu fördern und zu begleiten. Eine weitere Möglichkeit ist es, nur mit der Attraktivität des Angebotes als solchem, beispielsweise durch Werbung und offene Einladungen, auch in der bürgerlichen Gemeinde zu arbeiten. Das Ziel des Trainee-Programms bleibt aber immer das Gleiche: den Jugendlichen in ihrer Lebenswelt zu begegnen, sie dort abzuholen und zu fördern, sodass sie sich weiterentwickeln können.

In Anlehnung an: Alger, Stefan: 1.1.2 Idee und Ziele, Name und Bedeutung, in: Das Trainee-Programm. Kompetenzen trainieren, Jugendliche gewinnen, Engagement fördern, hrsg. v. Sybille Kalmbach / Jürgen Kehrberger, buch+musik, Stuttgart 22014, S. 23-24.

Markus Röcker

1.2 Übersicht der Trainee-Modelle

Das Trainee-Programm ist kein starres Programm, sondern lässt sich in Dauer, Form und Inhalt flexibel an die Bedürfnisse vor Ort und die Bedürfnisse der Trainees anpassen.

Wer sich dazu entschließt, Trainee zu starten, muss sich deswegen erst einmal das passende Trainee-Modell für seine Situation vor Ort aussuchen und es anpassen. Das hört sich im ersten Moment zwar etwas schwierig an, ist es aber eigentlich gar nicht. Denn man wird schnell merken, dass die Flexibilität des Trainee-Programms es in fast jedem Ort ermöglicht, ein passendes Modell für die eigene Situation zu kreieren. Dazu kann man auf bisherige Grundmodelle als Ausgangspunkt zurückgreifen.

In der Folge werden hier, neben den allgemeinen Hinweisen, eine kleine Auswahl möglicher Grundmodelle skizziert. Basierend auf diesen Ideen kann man dann sein individuelles Trainee-Programm entwickeln.

Hauptentscheidungen

Für wen möchte ich das Trainee-Programm anbieten?

Die Zielgruppen können Konfirmandinnen und Konfirmanden bzw. Konfirmierte, Mitarbeitende der bestehenden Kinder- und Jugendarbeit, Jugendliche an der Schule usw. sein.

Welches Ziel verfolge ich mit der Durchführung?

Das Trainee-Programm kann als Schulungsmaßnahme für die Mitarbeitenden in der Kirchengemeinde / Kirchenbezirk / verbandlichen Jugendarbeit usw. gedacht sein, um diese in ihrer bestehenden Mitarbeit zu qualifizieren. Oder man kann durch das Trainee-Programm in der Schule präsent sein und dort allein oder mit Kooperationspartnern Jugendliche für soziales Engagement in der Schule, in Vereinen oder in der kirchlichen Arbeit gewinnen. Ebenso können durch das Trainee-Programm Konfirmierte an die Kinder- und Jugendarbeit herangeführt werden.

In welchem Rahmen soll das Trainee-Programm stattfinden?

Das Trainee-Programm kann sowohl auf Ortsebene verankert sein als auch in Kooperation mit anderen Orten oder einem Bezirk sattfinden.

Je nachdem für welche Zielgruppe und welchen Inhalt man sich entschieden hat, muss man überlegen, wie Kooperationen aussehen können. Eventuell kommt man zu der Erkenntnis, dass es besser ist, das Trainee-Programm allein für seinen Ort ohne Kooperation durchzuführen. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile und beide Modelle haben ihre Berechtigung. Grundsätzlich ist es immer gut, die Synergien von Kooperationen zu nutzen, denn die Gruppe als solche wird auch durch Kooperationen nicht aufgelöst, sondern bleibt erhalten.

Weitere Überlegungen

An diese Entscheidungen schließen sich dann folgende Fragen an:

Wer führt das Trainee-Programm durch?

Soll das Trainee-Programm vor Ort von der Kirchengemeinde allein durchgeführt werden, muss die Gemeinde für die Durchführung, für Referenten für die Schulungseinheiten und die gesamte Organisation sorgen. Ist z. B. das Bezirksjugendwerk der Veranstalter, führt der Bezirk mit dem Partner vor Ort das Programm durch und man unterstützt sich gegenseitig bei der Organisation von Referenten, Finanzen usw. Dies ist auch der Fall, wenn sich mehrere Orte zusammenschließen, um einzelne Einheiten gemeinsam und andere getrennt durchzuführen. Auch hier kann man sich ergänzen und Aufgaben verteilen. Findet das Trainee-Programm an der Schule statt, so hat man auf jeden Fall mit der Schule eine Kooperation und ggf. auch mit anderen Vereinen und Institutionen. Hier kann man sich gegenseitig ergänzen und Türen öffnen. Näheres hierzu in Kapitel „

2.1 Geeignete Kooperationspartner finden

“.

Wo wird das Programm durchgeführt?

Je nach Modell kann auch der Durchführungsort unterschiedlich sein. Beim Modell vor Ort ist es sinnvoll, die Einheiten in den Räumen der Jugendarbeit durchzuführen. Als Tipp: Für einzelne Einheiten kann man aber durchaus kreativ sein und einen besonderen Ort dafür auszuwählen, um damit der Einheit mehr Ausdruck zu verleihen (z. B. kann die Einheit „

4.1.5 Geländespiele

“ in einer Hütte im Wald oder die Einheit „

4.4.3 Sinn gesucht – meine Beziehung zu Gott

“ im Chorraum einer Kirche stattfinden). Veranstaltet man gemeinsam mit mehreren Orten oder dem Bezirk das Trainee-Programm, kann man entweder zentral die Schulungen durchführen oder die Möglichkeit nutzen, in den verschiedenen Orten die Schulungen abzuhalten. Dadurch entdecken die Trainees die räumliche Weite von christlicher Kinder- und Jugendarbeit. Wird das Trainee-Programm an der Schule durchgeführt, muss dies nicht automatisch bedeuten, dass die Einheiten auch im Schulgebäude stattfinden. Im Gegenteil: Wir empfehlen, die Einheiten außerhalb der Schule z. B. in einem Gemeinde- oder Jugendhaus durchzuführen, um bewusst eine Abgrenzung zum normalen Unterricht zu schaffen.

In welchem Zeitraum sollen die Trainee-Einheiten stattfinden?

Die Trainee-Einheiten sollten, unabhängig vom Modell, außerhalb der Schulferien in einem ca. 14-tägigen regelmäßigen Rhythmus stattfinden. Wichtig für alle Modelle ist, dass es beim Trainee-Programm nicht darum geht, so schnell wie möglich die Inhalte zu vermitteln, sondern zum Trainee-Programm gehört unbedingt dazu, dass sich die Gruppe über einen längeren Zeitraum trifft. Zum einen bleibt so zwischen den Treffen die Möglichkeit, das Gehörte und Gelernte in der Praxis auszuprobieren und die gemachten Erfahrungen dann in der nächsten Trainee-Einheit zu reflektieren. Zum anderen bietet ein längerer Zeitraum die Möglichkeit für die Mitarbeitenden, tragfähige Beziehungen zu den Trainees aufzubauen, sie zu begleiten und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig zu unterstützen. Entwicklung, vor allem auch von Beziehungen, braucht Zeit – die sollen die Trainees auch bekommen. Die meisten Trainee-Gruppen dauern mindestens ein halbes Jahr, manche auch ein Jahr. Wer sich 14-tägig für 1,5 bis 2,5 Stunden trifft und ein Juleica-fähiges Trainee-Programm anbietet, sollte mit einem knappen Schuljahr Dauer rechnen.

Welche praktischen Umsetzungen werden angeboten?

Das Trainee-Programm lebt davon, dass Theorie und Praxis ineinandergreifen. Dies ist der wesentliche Vorteil zu anderen Schulungsmodellen, in denen innerhalb einer Woche die theoretischen Inhalte vermittelt werden und die Praxis erst im Laufe der Zeit kommt. Im Trainee-Programm soll, im Optimalfall, das theoretisch Erlernte zeitnah in die Praxis, z. B. in der Gruppenstunde, umgesetzt werden. Beispiel: Hat die/der Trainee dienstagabends an der Einheit „Spielepädagogik“ teilgenommen, könnte sie/er schon in der nächsten Woche in der Kindergruppe ein Spielprogramm anbieten, das von der Mentorin oder vom Mentor mit ihr/ihm sowohl erarbeitet als auch reflektiert wird. Damit wäre das Trainee-Programm optimal umgesetzt. Um diese regelmäßige Praxiserfahrungen zu ermöglichen, braucht es bei allen Modellen genügend Praxisplätze, wo die Trainees sich einbringen können. Diese Praxisplätze könnten z. B. Jungscharen, Kinderkirchen usw. sein. Als Ersatz bieten sich auch kurze Freizeiten, Wochenend- oder Aktionsangebote an. Diese finden zwar nicht so regelmäßig wie die Gruppenangebote statt, aber auch dort können sich Trainees ausprobieren. Denn es ist vor allem wichtig, dass sich die Trainees in der Praxis erleben können. Daher ist es im Vorfeld dringend nötig, nach genügend Praxisstellen zu suchen. Wir empfehlen als Richtwert ebenso viele Praxis- wie Theorieeinheiten zu veranschlagen, also ca. 40 Stunden.

In Kapitel „2.3 Verknüpfung von Theorie und Praxis“ findet man weitere Erläuterungen zu den verschiedenen Modellen.

Vier Grundformen von Trainee-Modellen

Vorbemerkung: Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Größe eines Trainee-Kurses zwischen sechs und max. zwanzig Teilnehmenden liegen sollte. Vier verschiedene Grundmodelle werden im Folgenden vorgestellt. Es ist wichtig, das passende Grundmodell für die eigene Situation zu finden.

Modell 1: Das Trainee-Programm in der Gemeinde vor Ort

Dieses Modell empfiehlt sich für größere Gemeinden oder Vereine, die entweder ihre bestehenden Mitarbeitenden schulen wollen oder eine ausreichend große Anzahl an Konfirmandinnen und Konfirmanden haben, die sie an die örtliche Kinder- und Jugendarbeit heranführen möchten.

Das Trainee-Programm wird vor Ort durchgeführt und die Mitarbeitenden organisieren die Einheiten selbstständig. Für größere Orte ist dieses Modell sicherlich reizvoll, da man seine eigenen Schwerpunkte, zusätzlich zu den Juleica-Richtlinien, im Trainee-Programm setzen kann. Ebenso kann der Kontakt zu den einzelnen Teilnehmenden in der Gruppe durch die leitenden Mitarbeitenden und Mentoren sehr intensiv gestaltet werden. Das Trainee-Programm kann hier sehr gut als Teil nicht nur der Kinder- und Jugendarbeit, sondern der Gemeindearbeit überhaupt gesehen und eingebunden werden. Bei diesem Modell sollte man das Trainee-Programm in das Gemeindekonzept einbauen und die Chance, motivierte Jugendliche in der Gemeinde zu haben, nutzen.

Der organisatorische Aufwand wiederum ist bei diesem Modell nicht zu unterschätzen, da man letztlich alles selbst organisieren muss. Ebenso sollte bedacht werden, dass man den Blick für die Trainees über die eigene Gemeinde hinaus dennoch fördert. Es empfiehlt sich daher, immer wieder bewusst mit den Trainees auch mal Bezirks- oder Landesveranstaltungen zu besuchen, um ihren Blick zu weiten. Auch das gehört zum Trainee-Programm.

Modell 2: Trainee als Schulungsprogramm im Bezirk

Vom Grundsatz her ist dieses Modell, wie alle anderen auch, an der Gruppe vor Ort ausgerichtet. Der Unterschied ist, dass nicht die Gemeinde vor Ort allein der Veranstalter ist, sondern z. B. das Bezirksjugendwerk oder mehrere Orte zusammen das Programm veranstalten. Dies hat durchaus Vorteile. So bietet z. B. das Bezirksjugendwerk für die einzelnen Orte Referenten an, die dann einen Teil der Einheiten oder sogar alle Einheiten durchführen. Bei diesem Modell besuchen die Trainee-Gruppen entweder gemeinsam die Schulungen an einem zentralen Ort und/oder ein Teil der Schulungen findet in den teilnehmenden Gemeinden mit den Referenten des Bezirksjugendwerks statt.

In einigen Bezirken wird das Trainee-Programm auch mit dem Modell des Grundkurses verknüpft. Hier beginnen alle teilnehmenden Trainee-Gruppen mit einem zentralen mehrtägigen Schulungsblock und gehen danach in eine verkürzte Phase der regelmäßigen 14-tägigen Treffen vor Ort. Zwei Grundvarianten des Bezirksmodells sind hier skizziert:

Variante 1: Trainee-Bezirksschulung mit Grundkurs

Wie oben erwähnt, startet diese Variante mit einem Schulungsblock. Dieser kann drei bis fünf Tage dauern und einem Grundkurs in Kinder- und Jugendarbeit ähnlich sein. Manche Bezirke veranstalten den gemeinsamen Schulungsblock aber auch in der Mitte des Trainee-Programms. An dieser Schulung nehmen alle teilnehmenden Trainee-Gruppen aus den verschiedenen Orten teil. Diese Schulung findet oft außerhalb des Bezirks in einem Freizeitheim oder Ähnlichem statt. Neben den Schulungseinheiten hat man hier, vor allem abends, die Atmosphäre einer Freizeit, wo sich die verschiedenen Gruppen austauschen können. Nach (oder vor und nach) diesem Schulungsblock, der ungefähr die Hälfte der erforderlichen Schulungseinheiten (20 Stunden) abgedeckt hat, treffen sich die Gruppen wie bei anderen Modellen auch im 14-tägigen Rhythmus in ihrem Ort. Die Einheiten werden dann von Referentinnen und Referenten aus dem Bezirk und/oder Referenten vor Ort abgedeckt.

Diese Variante ist sehr beliebt, da sie vor allem organisatorische Vorteile hat, der Aufwand wird hier auf mehrere Schultern verteilt. Auch für die Jugendlichen, die von Anfang an den Blick über den eigenen Ort hinaus bekommen, ist es interessant, mit anderen Jugendlichen gemeinsam die Schulungen zu erleben.

Dieser Vorteil birgt allerdings auch den Nachteil in sich: Die Gruppe vor Ort hat nicht so viel Zeit zusammenzuwachsen im Vergleich zu anderen Modellen, wo die Gruppe über neun Monate zusammen ist und sich miteinander entwickelt. Vor allem beim gemeinsamen Schulungsblock haben die Mitarbeitenden der einzelnen Trainee-Gruppen nicht so viel Kontakt zu „ihren“ Trainees, wie das bei einem neunmonatigen Modell der Fall ist.

Variante 2: Trainee-Bezirksschulung mit gemeinsamen Treffen

Bei dieser Variante sind auch wieder das Bezirksjugendwerk oder mehrere Orte (wie bei Variante 1) gemeinsam Veranstalter des Trainee-Programms. Im Vergleich zu Variante 1 gibt es hier aber keinen gemeinsamen Start in Form eines Grundkurses/Schulungsblocks, sondern die Trainee-Gruppen treffen sich über die Dauer des Programms hinweg vor Ort zu ihren eigenen Schulungen.

Zusätzlich finden hier aber an einem zentralen Ort drei bis fünf gemeinsame Schulungseinheiten aller Trainee-Gruppen statt. Diese sollten so gestaltet werden, dass es an diesem Tag genügend Begegnungszeiten für die verschiedenen Gruppen gibt. Diese gemeinsamen Schulungseinheiten werden in der Regel an einem Samstag durchgeführt und dauern dann auch mindestens einen halben Tag (5 bis 6 Stunden). Diese Variante lebt nicht vom Freizeitcharakter wie die erste Variante. Dennoch haben die Jugendlichen durch die gemeinsamen Schulungseinheiten den Blick über den Tellerrand hinaus und gleichzeitig sind sie über die Dauer des Programms hinweg als Gruppe mit ihren Mitarbeitenden unterwegs. Dadurch bekommt die Gruppe vor Ort mehr Gewicht als bei Variante 1. Diese Variante kann auch interessant sein, wenn man kein Bezirksjugendwerk hat, sich aber mehrere Orte zu einem Verbund zusammenschließen wollen. Hierbei könnte man dann die Referenten untereinander austauschen und es muss nicht alles selbst organisiert werden. Dasselbe gilt auch für das nächste Modell.

Modell 3: Zusammenschluss von kleineren Orten

Dieses Modell ist vor allem für kleinere Orte interessant, die wenig Jugendliche/Konfirmandinnen und Konfirmanden haben oder deren Jugendarbeit nicht so groß ist.

Bei diesem Modell haben auch kleinere Orte, die z. B. nur ein oder zwei Jugendliche/Konfirmandinnen und Konfirmanden als mögliche Teilnehmende haben, die Chance, das Trainee-Programm bei sich durchzuführen. So können sich zwei bis vier Orte, die allein nicht genügend Teilnehmende und/oder Mitarbeitende für eine Trainee-Gruppe hätten, über die Ortsgrenzen zusammenschließen.

Dabei zeigt sich, dass das Trainee-Programm wirklich variabel auf alle Situationen angepasst werden kann. Der große Vorteil hier ist nämlich, dass selbst ein Ort mit nur wenigen Jugendlichen/Konfirmandinnen und Konfirmanden eine Schulung anbieten kann. Außerdem wachsen dadurch kleinere Nachbargemeinden zusammen und können evtl. eine Kinder- und Jugendarbeit ortsübergreifend gestalten.

Der Zusammenschluss bietet diesen Orten, die oft auch nur wenige Mitarbeitende haben, die Möglichkeit, die Organisation auf mehrere Schultern zu verteilen, was eine große Erleichterung darstellt und ein solches Schulungsprogramm überhaupt erst ermöglicht.

Modell 4: Trainee an der Schule

Trainee an der Schule ist ein Modell, das immer noch sehr zurückhaltend von den Gemeinden betrachtet wird. Aber durch die sich verändernde Schullandschaft und Schulformen und die dadurch neugestalteten gesellschaftlichen Strukturen wird dieser Bereich in der Zukunft sicherlich einen weitaus größeren Platz einnehmen als bisher.

Mit diesem Modell geht Kirche an den Ort, wo Jugendliche sind: in die Schule. Wiederum heißt dies nicht, dass die Trainee-Einheiten in der Schule stattfinden müssen. Im Gegenteil: es empfiehlt sich, die Einheiten abends durchzuführen. Der Veranstaltungsort der Trainee-Einheiten muss auch nicht die Schule, sondern kann z. B. ein Gemeindehaus, Jugendcafé usw. sein, damit das Trainee-Programm nicht unterbewusst mit dem regulären Unterricht verwechselt wird, sondern sich von diesem abhebt. Das Trainee-Programm an der Schule durchzuführen, ist ein Kooperationsangebot, von dem beide Parteien profitieren sollen, das aber nicht mit „Schule“ verwechselt werden darf.

Nicht zwingend, aber sicherlich gut, ist es, für dieses Modell eine hauptamtliche Leitungsperson zu haben.

Dieses Modell setzt, wie die anderen auch, bei der Gruppe und den einzelnen Jugendlichen an. Inhaltlich ist es ebenso deckungsgleich mit den anderen Modellen und orientiert sich an den Juleica-Richtlinien. Allerdings liegt der entscheidende Unterschied in der Zielgruppe und in den Kooperationen. Das Trainee-Programm an der Schule richtet sich nicht nur an evangelische Teilnehmende, sondern letztlich an alle Jugendlichen. Das bringt Herausforderungen mit sich, aber auch Chancen. Denn wie z. B. auch Sportvereine mit Angeboten an die Schule gehen und dadurch Sympathien und Teilnehmende gewinnen, so gilt dies im gleichen Maße auch für Angebote der evangelischen Jugendarbeit.

Ebenso profitiert die Schule von ausgebildeten Jugendbegleitern, die sich inner- und außerhalb der Schule engagieren. Daher ist dieses Modell sowohl für Gemeinden attraktiv, die keine Kinder- und Jugendarbeit haben, als auch für solche Gemeinden, die eine bestehende Arbeit haben, aber ihre Angebote um das Feld „Schule“ erweitern wollen, um möglichst viele Jugendliche anzusprechen und zu prägen, indem ihre Kompetenzen gestärkt werden und sie zu sozialem Engagement angeregt werden.

Die Themenauswahl beim Trainee-Programm an der Schule zeichnet sich vor allem durch eine größere Bandbreite an Themen und Teilnehmenden aus. Deshalb macht es durchaus Sinn, mit anderen Vereinen und Institutionen zu kooperieren, damit man Teilnehmenden aus unterschiedlichen Hintergründen gerecht werden kann. Natürlich dürfen trotzdem christliche Schwerpunkt-Themen integriert werden, denn diese gehören untrennbar zum Gedanken des Trainee-Programms dazu. Das ist vor allem hinsichtlich der Praxiseinheiten sehr wertvoll. Nähere Infos hierzu findet man in Kapitel „2.1.1 Kooperationen mit der kommunalen Jugendarbeit und Vereinen“. Für die Trainee-Arbeit ist es ein großer Gewinn, den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen und mit geeigneten Kooperationspartnern zusammenzuarbeiten. Dadurch können die Trainees die Größe der verbandlichen Jugendarbeit erleben und ihren Blick erweitern. Durch die Vernetzung mit Kooperationspartnern stehen einem selbst als Veranstalter größere Ressourcen an Mitarbeitenden zur Verfügung und man erreicht vielleicht ganz neue Zielgruppen.

Beim Trainee-Programm an der Schule setzt sich die Gruppe in der Regel aus einer Klassenstufe zusammen, evtl. sogar auch aus verschiedenen Schularten. Das bedeutet, dass es wichtig ist, vor allem am Anfang teambildende Maßnahmen mit einzuplanen, damit die Gruppe gut zusammenwächst.

Das Trainee-Programm an der Schule ist für die christliche Kinder- und Jugendarbeit eine große Chance, um auch in Zukunft Jugendliche mit ihren Angeboten zu erreichen. Dazu muss man aber den Mut haben, Jugendarbeit neu zu denken und sich auf veränderte Strukturen einzulassen. Wenn man dies tut, werden die Folgen in der eigenen Kinder- und Jugendarbeit spürbar sein. Denn Teilnehmende aus diesen Trainee-Gruppen nehmen im Anschluss oft auch die Angebote der christlichen Kinder- und Jugendarbeit wahr.

Markus Röcker

1.3 Das Schülermentorenprogramm „Soziale Verantwortung lernen“

Trainee- und Schülermentorenprogramm im Vergleich

Eines der erfolgreichsten Modelle für die Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule ist das Schülermentorenprogramm (SMP). Die Trainee- wie auch die SMP-Ausbildung entstammen demselben Anliegen, junge Menschen zu ermutigen, sie in ihrem Glauben zu stärken, ihre Talente zu wecken und sie zu qualifizierten Mitarbeitenden auszubilden. Trotz großer Übereinstimmungen gibt es aber auch Differenzierungen. Das Trainee-Programm zielt stark auf die Jugend- und Gemeindearbeit, das SMP dagegen hat die Schule im Fokus. Daher ist auch die Zielgruppe z. T. unterschiedlich: Sind es im Trainee-Programm Konfirmierte und Jugendliche aus der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, so sind es im SMP auch Schülerinnen und Schüler, die selbst nicht immer einen christlichen Hintergrund mitbringen. Die inhaltlichen Ausbildungsmodule sind im Grundsatz gleich. Zusätzlich zur Grundausbildung gibt es im SMP den eintägigen Spezialkurs. Im SMP-Spezialkurs werden schulrelevante Aspekte wie beispielsweise Mobbing, Schulrecht, Schulaktionen oder SMV-Strukturen thematisiert. Wer als Trainee an einem dieser Spezialkurse des SMP teilnimmt und einen Praxiseinsatz an der Schule leistet, hat die Voraussetzung für ein SMP-Zertifikat erworben. Die Trainee- wie die SMP-Ausbildung erfüllen die Standards der Jugendleitercard (Juleica), wenn eine Erste-Hilfe-Schulung zur Ausbildung gehört.

Zwei Modelle
SMP-Standard

Diese Ausbildung umfasst 40 Theorie- und 40 Praxisstunden und richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren. Ein Spezialkurs von acht Stunden ergänzt die Ausbildung, die mit einem SMP-Zertifikat abschließt. Diese Variante entspricht in Inhalt und Umfang weitestgehend dem Trainee-Programm.

Junior-SMP

Aufgrund der schulischen und zeitlichen Belastung gibt es im SMP das „Junior-SMP“. Diese Ausbildung ist für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse geeignet und umfasst nur 15 Theorie- und 15 Praxisstunden. Ein Spezialkurs entfällt. Auch hier erhalten die Teilnehmenden zum Abschluss ihrer Ausbildung ein Zertifikat.

Beide Ausbildungsvarianten können auch mit dem Schwerpunkt Integration angeboten werden. Alle Modelle werden ausführlich unter www.schuelermentor.de (letzter Zugriff am 28.02.2019) beschrieben. Eine vergleichende Tabelle findet man im Downloadbereich.

1.3_Trainee- und Schülermentorenprogramm im Vergleich

Konzept

Bildung ist mehr als nur Wissenserwerb oder Schulbildung im formalen Sinn. Bildung soll Menschen auf ein gelingendes Leben vorbereiten, sie stärken und Mut zur sozialen Verantwortung in ihrem Umfeld machen. Das SMP „Soziale Verantwortung lernen“ bietet hierzu grundlegende Auseinandersetzungen mit gesellschaftsrelevanten Werten und verspricht eine, am christlichen Menschenbild orientierte, individuelle Begleitform für Schülerinnen und Schüler. Die kirchliche Jugendarbeit mit ihren ganzheitlichen, erfahrungs- und erlebnispädagogischen Kompetenzen ist hier als wichtiger Kooperationspartner für die Schule gefragt. Das SMP „Soziale Verantwortung lernen“ wurde sehr schnell für die kirchliche Jugendarbeit zum Türöffner an den Schulen. Die kirchlichen Träger bilden junge Schülerinnen und Schüler aus und vermitteln auf diesem Wege wichtige Kernkompetenzen. Das SMP ist ein ideales außerschulisches Bildungsangebot und ergänzt die Lerninhalte der Schule.

In Baden-Württemberg ist das Kultusministerium Schirmherr des SMP „Soziale Verantwortung lernen“ und unterstreicht damit die Bedeutsamkeit dieses Bildungsangebots an Schulen. Im Verlauf der vergangenen Jahre konnten über 15.000 Schülerinnen und Schüler zertifiziert werden.

Ziel der Ausbildung

Die SMP-Ausbildung ermutigt und qualifiziert junge Schülerinnen und Schüler, ihren Sozialraum Schule nach eigenen Interessen mitzugestalten.

Die SMP-Ausbildung befähigt, aktiv zu werden und in Eigenverantwortung Projekte in der Schule und in der Jugendarbeit durchzuführen.

Die SMP-Ausbildung fördert die Persönlichkeitsbildung und ermöglicht Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, Toleranz, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit.

Die SMP-Ausbildung ermöglicht den Umgang mit Andersartigkeit und interkulturelles Lernen mit dem Ziel, Vielfalt als Chance zu begreifen.

Praktische Umsetzung

Im Idealfall wird die Kooperation von Jugendarbeit und Schule darin deutlich, dass ein Tandem aus einer Lehrkraft und einer Mitarbeiterin / einem Mitarbeiter der Jugendarbeit gebildet wird. Das vereinfacht die praktische Kooperation und minimiert Berührungsängste mit dem Kooperationspartner. Üblicherweise sind SMP-Ausbildende Jugendreferentinnen/Jugendreferenten, Diakoninnen/Diakone, Pfarrerinnen/Pfarrer, Lehrerinnen/Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen/Schulsozialarbeiter und Ehrenamtliche. Wichtig ist, im Vorfeld der Überlegungen mit der Schulleitung oder einer bekannten Lehrkraft abzuklären, ob solch eine Schulung in der Schule gewünscht wird. Hier gilt es, die Chancen und die Win-win-Situation für die Schule und die Schülerinnen und Schüler herauszustellen. Siehe hierzu auch das Kapitel „2.3.1 Was muss im Kontext Schule besonders beachtet werden?“

Gerade im Hinblick auf die Ganztagsschule kann die SMP-Ausbildung als ideale AG in der Schule angeboten werden. Die ausgebildeten Schülermentorinnen und -mentoren können sich dann nach der Ausbildung ihrerseits wieder an ihrer Schule aktiv einbringen. Wichtig ist, die jungen Mentorinnen und Mentoren in ihrer Praxis nicht sich selbst zu überlassen. Nur eine gute Begleitung während dieser Zeit hilft den Schülerinnen und Schülern, an der Aufgabe Spaß zu haben und daran zu wachsen.

Projektideen an der Schule

Wie vielfältig Projekte an der Schule sein können, zeigt das Material zu Kapitel „4.5.8 Projekte an der Schule – für bestehende Trainee-Gruppen“ (besonders auch die Datei im Downloadbereich zu diesem Buch: „4.5.8_Noch mehr Praxisideen“). Hier einige Beispiele:

Beispiele für Einzelprojekte

Sport-, Spiel- oder Kreativstationen oder ein „Escape-Room“ am Schulfest

ein biblisches „Krimidinner“ bei einer Übernachtungsaktion

Beispiele für Angebote im Unterricht

krea(k)tiv: Ein Dorf zur Zeit Jesu

„Schoko-Alarm“ – eine Fairtrade®-Aktion

Beispiele für regelmäßige Angebote

Pausenspiele

Paten für die 5./6.-Klässler

4.5.8_Noch mehr Praxisideen

Alle weiteren Informationen findet man unter www.schuelermentor.de (letzter Zugriff am 28.02.2019).

Franz Röber

1.4 Zertifizierung

Für viele Jugendliche und ihre Eltern ist es von nicht unwesentlicher Bedeutung, welche „Bildungsabschlüsse“ am Ende des Trainee-Programms stehen können.

In der Bildungslandschaft gibt es für Jugendliche mittlerweile eine große Auswahl an teilweise auch verbandsspezifischen Zertifizierungsmöglichkeiten. Diese sind jeweils verschieden ausgerichtet, aber im Grundsatz sollten sie sich gegenseitig ergänzen. Die Juleica ist von all diesen Angeboten die Standardausbildung in der gesamten Jugendarbeit. Sie ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeitende in der Jugendarbeit und dient zur Legitimation und als Qualifikationsnachweis der Inhaberinnen und Inhaber. Man erhält die Karte nur, wenn man nach festgelegten Standards qualifiziert ist. Daher legen wir in diesem Buch für das Trainee-Programm die Juleica-Richtlinien (Schulungsinhalte in Inhalt und Länge) zugrunde.

Die Standards der Juleica und damit die eines Trainee-Programms sowie die dazu notwendigen Mindestschulungsstunden und -inhalte sind auf der Seite des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg www.ejwue.de (letzter Zugriff am 28.02.2019) oder auf der Homepage der Juleica www.juleica.de (letzter Zugriff am 28.02.2019) abzurufen. Grundsätzlich kann jedoch in Kürze gesagt werden, dass ein Schulungsumfang von 30 Zeitstunden (entspricht 40 Schulungseinheiten á 45 Minuten) in den Themen Pädagogik, Recht, gesellschaftliche Querschnittsthemen und Erster Hilfe notwendig ist.

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Trainee-Programm kann die Juleica an die Teilnehmenden ausgegeben werden. In diesem Fall müssen die Kriterien und das übliche Antragsverfahren der Juleica beachtet werden. So muss die/der Jugendliche/Erwachsene in der Regel das 16. Lebensjahr vollendet (in besonders vom Träger zu begründenden Fällen kann die Card auch für 15-jährige Jugendliche ausgestellt werden), die Ausbildung durchlaufen haben und anschließend aktiv in der Jugendarbeit tätig sein. Diese Kriterien sollten unbedingt beachtet werden, wenn den Jugendlichen mit Abschluss des Projektes eine Juleica in Aussicht gestellt werden soll.

Neben dem Erwerb der offiziellen Juleica ist für die Teilnehmenden jedoch die Gestaltung und Zertifizierung des Trainee-Abschlusses sehr wichtig. Da die Juleica „nur“ eine kleine Plastikkarte ist und sich oftmals zum Zeitpunkt der Abschlussfeier noch im Antragsverfahren befindet, sind die Trainee-Teilnehmenden dankbar über die Aushändigung eines offiziellen Trainee-Zertifikats. Dieses offizielle Zertifikat gibt es im Downloadbereich zu diesem Buch als allgemeine Vorlage zum weiteren Gestalten. Für Württemberg ist das offizielle Trainee-Zertifikat mit den Unterschriften der zuständigen Oberkirchenräten und der Leitung des Evangelischen Landesjugendwerks zentral im Evangelischen Landesjugendwerk in Württemberg zu bestellen (www.trainee-online.de, letzter Zugriff am 28.02.2019).

1.4_Trainee-Zertifikat

Zusätzlich zum Trainee-Zertifikat ist die Erstellung eines Beiblatts zu empfehlen. In diesem können die Inhalte und die Besonderheiten des absolvierten Kursprogramms benannt werden. Hier empfiehlt sich eine Ausweisung sowohl der geleisteten Zeitstunden als auch der stichwortartig formulierten Schulungsinhalte. Dieses Beiblatt kann dann mit dem Zertifikat zusammen zu Bewerbungen oder ähnlichen Gelegenheiten beigefügt werden. Zusätzlich oder alternativ zum Beiblatt ist es möglich, die Schulungen und die Praktika in Form von Zertifikaten im sogenannten „Qualipass“ (www.qualipass.de, letzer Zugriff 28.02.2019), der in vielen Bundesländern ausgegeben wird, zu bescheinigen. Hier können nicht nur die Inhalte angegeben werden, sondern auch einige Sätze zu Stärken und Schwächen der Person formuliert und so eine qualifizierte Referenz mit Kompetenzen erstellt werden.

Ein besonderes, vor allem in Baden-Württemberg relevantes Feld im Hinblick auf Zertifikate sind die bei den Kirchen und ihren Jugendverbänden verorteten SMP (s. Kap. „1.3 Das Schülermentorenprogramm ‚Soziale Verantwortung lernen‘“). Gemeinsam ist ihnen die Bestätigung einer Ausbildung und der Befähigung, Angebote in Schule und Jugendarbeit gestalten bzw. mitgestalten zu können. Unterzeichnet sind beide Zertifikate vom Kultusministerium und der ausgebenden Organisation. In den letzten Jahren hat sich hier eine starke Überschneidung zu Trainee-Programmen in den Gemeinden ergeben. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass für die Ausstellung dieser Zertifikate Grundvoraussetzungen definiert wurden, die insbesondere die Durchführung eines Praktikums im Bereich der Schule als auch einen SMP-Schulungstag verbindlich vorsehen. Nähere Informationen hierzu findet man unter www.schuelermentor.de (letzter Zugriff am 28.02.2019). Die Verwendung des SMP-Zertifikates bietet der Jugendarbeit eine große Chance, da das Feld der Schule in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Somit ist es in besonderem Maße wünschenswert, den Jugendlichen zu vermitteln, dass eine Verantwortungsübernahme gerade auch in diesem Bereich Sinn macht, natürlich nicht zuletzt, um das gewünschte Zertifikat zu erlangen, aber auch, um Projekterfahrungen im Bereich Schule zu sammeln. Gleichzeitig muss dann darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen später innerhalb der Schule den Besitz ihrer Zertifizierung aktiv benennen, damit gemeinsam mit den Lehrkräften und der Schulleitung eine passende Aufgabe gefunden werden kann, von der beide Seiten profitieren. Weitere Infos hierzu können bei der Schülerinnen- und Schülerarbeit des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg erfragt werden (www.ejwue.de, letzter Zugriff am 28.02.2019).

Das Trainee-Programm ist in der kirchlichen Jugendarbeit zu einem essentiellen und nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Bildungslandschaft geworden. Vor allem die Vielfältigkeit und Variabilität des Programms und die Möglichkeiten, Jugendlichen in Ausbildung, Theorie und Praxis Anerkennung und Zuwendung zu vermitteln, schaffen besondere Grundvoraussetzungen und eine besondere Atmosphäre.

Markus Röcker

2. Das Trainee-Programm durchführen

2.1 Geeignete Kooperationspartner finden

Bei der Planung und Durchführung des Trainee-Programms ist es für alle Beteiligten ein großer Gewinn, wenn man den Blick über den eigenen Tellerrand wagt und mit geeigneten Kooperationspartnern zusammenarbeitet. So können die zur Verfügung stehenden Ressourcen im finanziellen, materiellen oder personellen Bereich optimal genutzt werden. Durch die Kooperationen können ganz neue Zielgruppen erreicht werden. Die Trainees erleben dadurch die Größe der verbandlichen Jugendarbeit und erweitern ihren Blick.

2.1.1 Kooperationen mit der kommunalen Jugendarbeit und Vereinen

Trainee-Programm mit anderen Institutionen: Ist das überhaupt möglich oder sinnvoll? Bleibt da nicht der christliche Gedanke auf der Strecke? Ist das Trainee-Programm nicht nur was für kirchliche Jugendarbeit?

Es mag berechtigte Einwände geben, ein Trainee-Programm über den kirchlichen Bereich hinaus zu öffnen und Kooperationen einzugehen. Dennoch muss man sich als Gemeinde immer klar darüber sein, warum man ein Trainee-Programm anbieten möchte. Wenn man es z. B. nur für die bestehenden Mitarbeitenden anbieten will, ist es legitim, das Angebot nur auf diesen Kreis zu beschränken. Wenn man das Trainee-Programm wiederum über den Kreis der eigenen Mitarbeitenden hinaus öffnen möchte, überwiegen die Vorteile einer Kooperation und sie eröffnen neue und gute Möglichkeiten. Es empfiehlt sich, beim Trainee-Programm einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen, denn der kann sich lohnen und sogar die Beziehung zur städtischen Gemeinde und deren Jugendarbeit verbessern. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn man eine Kinder- und Jugendarbeit neu aufbauen möchte, oder aber auch, wenn man die bestehende Arbeit erweitern will.

Ein Praxis-Beispiel aus einer Kirchengemeinde im Großraum Stuttgart

In dieser Kirchengemeinde lag die Kinder- und Jugendarbeit brach. Außer einer Kinderkirche gab es keine Gruppen mehr. Der Diakon vor Ort beschloss, eine Jungschar zu gründen und ein Trainee-Programm an der örtlichen Realschule und dem Gymnasium anzubieten. Dazu ging er eine Kooperation mit der städtischen Jugendarbeit ein, um so überhaupt erst einmal in Kontakt zu Jugendlichen zu kommen. Geplant war, mit diesen Kontakten eine Jugendarbeit im Zeithorizont von drei bis fünf Jahren aufzubauen.

Zur ersten Runde bewarben sich weit mehr Jugendliche, als Plätze zur Verfügung standen. Zudem war fast die Hälfte der Teilnehmenden nicht evangelisch, sondern gehört entweder einer anderen Konfession, Religion oder gar keiner Religion an.

Die theoretischen Einheiten fanden nicht in der Schule, sondern im evangelischen Gemeindehaus statt und wurden vom Diakon und weiteren Mitarbeitenden der Kirchengemeinde, des Bezirksjugendwerks und der städtischen Jugendarbeit durchgeführt. Hier gab es auch keinerlei Probleme bzgl. anderer Religionen, Konfessionen oder atheistischen Einstellungen. Jede Referentin und jeder Referent vertrat ganz natürlich ihre/seine Weltanschauung und ihre/seine Institution, ohne dass dies zu Konflikten führte.

Was die praktischen Einheiten anbelangte, war man auf die Kooperation mit der städtischen Jugendarbeit angewiesen, da in der Kirchengemeinde nur die Kinderkirche und die neugegründete Jungschar als Praxisplätze zur Verfügung standen und es somit viel zu wenige Praxisplätze gab. Weitere Praxisplätze wurden in den beiden evangelischen Kindergärten geschaffen. Auch wurden Praxisstellen über die Kontakte mit der städtischen Jugendarbeit gefunden. Dies stellte sich im Nachhinein als eine sehr gelungene Kooperation heraus. Die Trainees, die in Vereinen oder Organisationen ihre Praxiseinheiten absolvierten, in denen sie ohnehin engagiert waren, z. B. Sportverein und Jugendfeuerwehr, konnten im gewohnten Umfeld mitmachen und kamen trotzdem über die Theorieeinheiten mit der kirchlichen Gemeinde in Kontakt. Diejenigen Trainees, die das Programm u. a. wählten, weil sie später im sozialpädagogischen Bereich arbeiten wollten, nutzten natürlich die Kindergärten als Praktikum und als ein Erprobungsfeld. Die Praxiseinsätze in den nicht kirchlichen Einrichtungen waren somit ganz normalen Trainee-Praxisstellen. Alle Trainees machten einen neunmonatigen Praxiseinsatz, aber nicht alle im kirchlichen Bereich. Sie hatten alle eine Mentorin / einen Mentor in ihrem Einsatzgebiet, die/der sie begleitete und Rücksprache mit der Trainee-Leitung hielt.

Am Ende des neunmonatigen Trainee-Programms stellte man drei Punkte fest:

Ca. 80% der Trainees nahmen im Sommer an einer Kinder- oder Jugendfreizeit der örtlichen Kirchengemeinde oder des Bezirksjugendwerks teil. Denn die Kontakte, die in den Theorieeinheiten geknüpft wurden, verbunden mit dem Praktikum im gewohnten Umfeld, schufen eine Offenheit bei den Trainees und deren Eltern gegenüber der kirchlichen Jugendarbeit. Die erlebte Gemeinschaft in der Trainee-Gruppe wollte man auf Freizeiten und auch später in einer Gruppe fortsetzen. So trafen sich ca. 50% der Trainees im Anschluss an das Trainee-Programm mit dem Diakon in einer Art Jugendgruppe, aus der heraus sich später auch Mitarbeitende für die Kinder- und Jugendarbeit bildeten.

Der Kontakt und die Akzeptanz zu den Vereinen und Organisationen in der Stadt verbesserten sich deutlich. Beäugte man davor die kirchliche Jugendarbeit kritisch, öffnete man sich nun auch an anderen Stellen für eine Zusammenarbeit. Dies ermöglichte neue Kooperationen und war der Grundstock für zukünftige Praxisstellen in anderen Institutionen bei weiteren Trainee-Runden.

Die Institutionen hatten ebenfalls einen Gewinn davon, dass die Jugendlichen, die sich bei ihnen engagieren, pädagogisch und sozial ausgebildet wurden, ihr Wissen dann, wenn sie sich z. B. als Trainerinnen und Trainer im Sport o. Ä. engagierten, dem Verein / der Institution zugute kam.

Was gibt es zu beachten?

Zunächst muss der Kirchengemeinderat/Kirchenvorstand oder das Jugendwerk hinter einer solchen Kooperation stehen und sie befürworten. Nur wenn man diesen Weg als Konzept gemeinsam geht, kann er auch erfolgreich sein. Sollte das Konzept scheitern, war man ebenfalls gemeinsam unterwegs.

Die Schule ist der Schlüssel. Jugendliche, die nicht der evangelischen Kirche angehören, wird man nur schwer für ein Programm gewinnen können, wenn es nur über die Kirchengemeinde angeboten wird. Die Schule als Garant für die „Seriosität“ des Angebots ist hier wichtig.

Man braucht mindestens einen Kooperationspartner. Optimal ist ein Stadtjugendring, also ein Dachverband der städtischen Kinder- und Jugendarbeit in einer Stadt oder einem Bezirk. Wenn dieser nicht vorhanden sein sollte, kann man auf die Sportvereine, Jugendfeuerwehren, DRK usw. im Ort direkt zugehen und sie als Partner gewinnen. Wichtig ist hier, mit offenen Karten zu spielen und die Win-win-Situation für jeden Partner herauszuarbeiten.

Nicht jeder Verein oder jede Organisation ist als Partner geeignet. Es muss eine Institution sein, in der die Teilnehmenden eine Gruppe von Kindern betreuen und anleiten können. Und natürlich auch eine Institution, die nicht gegen die eigenen moralischen oder politischen Werte verstößt.

Welche Vorteile haben die Kooperationspartner?

Wenn die Trainees ohnehin schon Mitglied z. B. des Fußballvereins sind, so bekommen sie mit dem Trainee-Programm die staatlich anerkannte Juleica-Ausbildung (

www.juleica.de

, letzter Zugriff am 28.02.2019). Sie sind damit ausgebildete Jugendleiterinnen und -leiter, was grundsätzlich positiv ist und den Jugendlichen in ihrer persönlichen Entwicklung hilft.

Dadurch, dass sie die Ausbildung in ihrem Verein machen, identifizieren sie sich weiterhin mit dem Verein und können später auch z. B. als Trainerin/Trainer für Kindermannschaften, als Mitarbeitende auf dem Aktivspielplatz usw. Verantwortung übernehmen.

Es wächst eine vertrauensvolle Basis zwischen den Partnern. Die Theorie wird der evangelischen Jugend anvertraut und die evangelische Jugend vertraut die Praxis den Institutionen an.

In welchen Situationen ist dieses Konzept zu empfehlen?

Im Praxisbeispiel wurde deutlich, dass sich dieses Konzept gut für eine Pionierarbeit/Aufbauarbeit eignet. Wenn man in der Gemeinde nur wenig Ressourcen an Mitarbeitenden und Gruppen hat, worauf man aufbauen kann, dann ist ein Trainee-Programm an der Schule in Kooperation mit anderen Institutionen ein mögliches Mittel, mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen und daraus Angebote zu generieren. Wichtig hierbei ist sich klarzumachen, dass dies ein langer Weg des Aufbaus ist. Zwar wird es kurzfristige Erfolge geben, aber der Weg zu einer gefestigten Jugendarbeit ist lang und braucht einen klaren Plan. Daher muss man sich im Vorfeld die Frage stellen: Wie gehe ich nach dem Trainee-Programm damit um, wenn die Trainees in den neun Monaten so eng zusammengewachsen sind, dass sie sich nicht problemlos in eine andere Gruppe integrieren lassen? Biete ich dann für jeden Trainee-Jahrgang einen eigenen Kreis an? Oder wie kann es gelingen, sie in die bestehende Jugendarbeit einzubinden? Und wie kann man ihre Fähigkeiten in der Arbeit mit Kindern nutzen (Gründung von Jungschar o. Ä.)? Man braucht einen langfristigen Plan, um die Chancen, die man hierdurch bekommt, auch zu nutzen, und um die Ex-Trainees nicht nach einem Jahr wieder zu verlieren, weil sie keine Aufgabe oder Gemeinschaft in der Kinder- und Jugendarbeit finden.

Ebenso kann diese Konzeption aber auch etwas für eine funktionierende Kinder- und Jugendarbeit sein. Und zwar dann, wenn man sich bewusst auf den Weg nach außen machen möchte. Wer seinen Blick über den eigenen, kirchlichen Horizont erweitern und Glaube auch in der bürgerlichen Gemeinde leben möchte, wird das mit diesem Konzept tun können. Sicherlich wird man etwas anders an die Kooperation herangehen müssen, aber die Effekte werden die gleichen sein. Kirche wird anders wahrgenommen, Jugendliche kommen in Kontakt mit der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit und alle Partner haben einen Gewinn davon.

Markus Röcker

2.1.2 Übergemeindliche Kooperationen

Eine Trainee-Gruppe ist vom Grundgedanken her vor Ort verankert. Die Trainees treffen sich über einen gewissen Zeitraum hinweg, wachsen als Gruppe zusammen und entdecken im Idealfall ein stückweit „Heimat“ in der Kirchengemeinde, die der Veranstalter ist. Das ist gut und wichtig. Aber es könnte noch so viel besser sein, wenn eine Trainee-Gruppe sich nicht nur autark um sich selbst dreht, sondern durch Kooperationen entdeckt, dass sie Teil von etwas Großem ist. Dadurch haben die Trainees die Chance, Beziehungen zu Gleichgesinnten zu knüpfen, auch über Konfessions- und Ortsgrenzen hinaus. Zusätzlich lernen sie Menschen und Möglichkeiten der Jugendarbeit kennen. So können sie z. B. verschiedene (hauptamtliche) Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner kennenlernen, mit denen sie später zusammenarbeiten können, z. B. bei einem Jugendgottesdienst, als Gast in einer Gruppenstunde oder als Ansprechpartnerin/Ansprechpartner in einem Krisenfall. Wenn man sich vorher zumindest schon kurz kennengelernt hat, ist die Hemmschwelle, miteinander in Kontakt zu treten, viel niedriger. Die Chance, Menschen, Orte und Ressourcen bekannt zu machen, sollte man nutzen!

Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist im eigenen Ort die Kooperation zu anderen christlichen Jugendarbeiten zu suchen, die Ressourcen und Möglichkeiten zu bündeln und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Sich nicht nur als Konkurrenz zu betrachten, sondern wahrzunehmen, dass man ein gemeinsames Ziel hat: Jugendliche zu begleiten, ihnen den Glauben näherzubringen und ihnen zu helfen, ihre Gaben im Reich Gottes am geeigneten Ort einzubringen. Natürlich gibt es zwischen den Konfessionen auch Unterschiede, wie der Glauben gelebt und Gottesdienste gefeiert werden. Doch letztlich gehören wir durch den Glauben an Jesus alle zu seiner großen Familie, und es wird in Zukunft wahrscheinlich immer wichtiger werden, Gemeinsamkeiten zu suchen und sich zu verbinden, als sich von anderen Christen abzugrenzen. Wer weiß, welche gemeinsamen Projekte entstehen können, wenn wir uns als Christen mehr vereinen und weniger auf das schauen, was uns trennt? Wer weiß, was in einem Ort entstehen kann, bei dem Trainees von Jugend auf gemeinsam unterwegs sind, auch über Konfessionsgrenzen hinweg? Dies kann auch erst mal mit kleinen Schritten geschehen, indem man vor dem Trainee-Start bewusst das Gespräch mit Verantwortlichen der anderen christlichen Jugendarbeiten sucht und ihnen davon erzählt, dass Teilnehmende aus anderen Gemeinden willkommen sind, oder indem man eine Referentin / einen Referenten von einer anderen Gemeinde für ein bestimmtes Thema anfragt. Eine andere Möglichkeit ist, innerhalb der eigenen Kirche oder des Verbandes nach Kooperationspartnern zu suchen. Warum das lohnenswert ist, erzählt dieses Praxis-Beispiel.

Praxis-Beispiel aus einem ländlich-geprägten Kirchenbezirk in Württemberg

In diesem evangelisch-geprägten Kirchenbezirk mit ca. 40 Kirchengemeinden gab es über Jahre hinweg eine gut funktionierende Mitarbeiterausbildung mit einem Grund- und Aufbaukurs, bei dem jedes Jahr ca. 20 Jugendliche als Mitarbeitende geschult wurden.