Das verlorene Wochenende - Charles Jackson - E-Book

Das verlorene Wochenende E-Book

Charles Jackson

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Beschreibung

Manhattan 1936, East Side. Don Birnam trinkt. Und der Schriftsteller hat längst jenen Punkt erreicht, an dem »ein Drink zu viel ist und hundert nicht genügen«. Seit dem letzten Absturz kaum wieder auf den Beinen, widersetzt er sich erfolgreich allen Versuchen seines Bruders Wick, ihn zu einem langen Wochenende auf dem Land zu überreden, und bleibt fünf Tage in der gemeinsamen Wohnung allein. Dort nimmt das Schicksal seinen Lauf: Don trinkt, beschafft sich Geld, verliert es, besorgt sich neues, landet auf der Alkoholstation, trinkt weiter. Schwankend zwischen Euphorie und Verzweiflung, Selbsterkenntnis und Selbsttäuschung, Inspiration und Panik, glasklarem Denken und tiefer Umnachtung, fällt Don zunehmend ins Delirium.

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Seitenzahl: 431

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Charles Jackson

Das verlorene Wochenende

Roman

Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell

Mit einem Nachwort von Rainer Moritz

DÖRLEMANN

Die Originalausgabe »The Lost Weekend« erschien 1944 bei Farrar & Rinehart in New York.Für meine FraueBook-Ausgabe 2014 Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten © 1944 Charles Jackson © 2014 Dörlemann Verlag AG, Zürich Umschlaggestaltung unter Verwendung einer Fotografie aus der Everett Collection: Mike Bierwolf Porträt Charles Jackson: The Charles Jackson Family Archive Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-908778-44-8www.doerlemann.com

Charles Jackson

Und lockt ihm keine Wendung des Gesprächs

Heraus, warum er die Verwirrung anlegt,

Die seiner Tage Ruh so wild zerreißt

Mit stürmischer, gefährlicher Verrücktheit?

Hamlet, 3. Akt, Szene 3

Erster Teil

Der Anfang

»Das Barometer seiner Gefühlsnatur zeigte eine Unwetterperiode an.«

Diese Wörter, schwarz auf weiß gedruckt, hatten die verstörende Wirkung, die zweifellos beabsichtigt war, wenn auch mit einem gewissen Unterschied. Sofort schloss er das Buch, die Finger noch zwischen den Seiten; ließ den Arm über den Sesselrand hängen, das Buch irgendwo in Bodennähe. Nur falls er noch einmal hineinschauen wollte. Doch das war gar nicht nötig. Er kannte den Satz bereits auswendig: Er hätte ihn selbst geschrieben haben können. Ja, als er ihn eben, nur einen Moment zuvor, zum ersten Mal gelesen und seine Bedeutung erfasst hatte, war er ihm vollends vertraut vorgekommen, so als ob er ihn längst kannte; nun lockerte er den Griff, das Buch fiel zu Boden, und er sagte laut: »Jawohl, das bin ich.« Das Buch landete dumpf auf dem Teppich, und der Scottie blickte von seinem Korb auf. »Du hast mich gehört, Mac«, rief er. »Das habe ich gesagt!« Er fixierte den schläfrigen Hund und fügte, die eigene Angst und Freude parodierend, mit erhobener Stimme hinzu: »Da ist von mir die Rede! Von mir!«

Er war seit einer knappen Stunde allein. Bevor Wick gegangen war, hatten sie eine ihrer gewohnten, quälenden Szenen gehabt, eine Szene, in der er sich wie üblich dumm gestellt und es seinem Bruder aufgebürdet hatte, um den heißen Brei herum zu reden und mit keinem Wort auf das anzuspielen, was sie beide dachten.

Wick hatte in der offenen Tür gestanden, sich zu ihm umgedreht und gesagt: »Ich wäre froh, wenn du es dir noch mal überlegen und heute Nachmittag doch mitkommen würdest.«

Aus dem tiefen Sessel lächelte er seinen jüngeren Bruder an. »Ich weiß«, sagte er, »aber ich kann nicht. Ich bin hier viel besser aufgehoben.« Ihm war klar, dass er sich wie ein romantischer Invalide benahm und auch so aussah, und er versuchte, diesen Eindruck zu mildern.

Sein Bruder kam wieder herein und schloss die Tür. »Hör zu. Wir haben die Karten schon so lange. Helen wird enttäuscht sein, und ich bin es auch. Du weißt, dass sie nur deinetwegen hingeht.«

»Ich hör’s mir im Radio an.«

»Heute ist Donnerstag, nicht Samstag.«

»Ach ja. Hab ich vergessen.«

»Und du siehst ganz normal aus«, fuhr sein Bruder fort. »Niemand käme auf die Idee, dass auch nur das Geringste nicht stimmt– das bildest du dir alles nur ein. Du siehst völlig normal aus.«

»Wick, ich könnte nie bis zum Ende durchhalten. Ich würde es dir und Helen verderben und mich elend dabei fühlen.« Unwillkürlich schickte er das armselige, entwaffnende Eingeständnis hinterher: »Ich habe mich doch gerade erst erholt, Wick. Es ist erst drei Tage her. Ich könnte mich gar nicht konzentrieren.«

Sein Bruder sah ihn forschend an, beinahe traurig, fand er. »Ich würde dich nicht immer wieder fragen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es dir guttäte, Don. Es täte dir so gut.«

Er klammerte sich an seine Geduld wie an einen Rettungsring und lächelte wieder. »Ich würde Leuten begegnen, die ich kenne, und das schaffe ich nicht.«

»Du begegnest da niemandem.«

»O doch. Und außerdem ist Helen dabei. Nicht mal sie soll mich so sehen.«

»Helen hat dich schon etliche Male so gesehen.«

»Na bitte! Man merkt mir eben doch etwas an.«

»Du übertreibst das alles, Don, und du stellst dich an. Im Ernst, Don. Wenn ich bereit bin, mir den Rest der Woche freizunehmen und für ein langes Wochenende mit dir aufs Land zu fahren– nur wir beide und Mac–, könntest du wenigstens dieses Eine für mich tun. Bitte komm mit.«

Er schaute zu dem Scottie, der eingerollt in seinem Korb lag und die beiden Brüder teilnahmslos beobachtete. Nach einer langen Pause, in der er Kraft schöpfte und sein Bruder ihn mit seinem besorgten, verwirrten Blick betrachtete, sagte er: »Ich will nicht starrsinnig sein, aber ich übertreibe nicht, und ich stelle mich auch nicht an. Versuch doch bitte, mich zu verstehen. Noch ein Tag, und ich bin wieder obenauf, aber heute– ich kann jetzt nicht aus dem Haus gehen, und mit Sicherheit kann ich nicht den ganzen durchstehen. Heute Abend, wenn wir zusammen ins Auto steigen und losfahren, schön und gut. Aber nicht jetzt. Wick, ich würde durchdrehen.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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