Das wahre Leben beginnt erst nach dem Tod - Josef F. Justen - E-Book

Das wahre Leben beginnt erst nach dem Tod E-Book

Josef F. Justen

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Beschreibung

Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gebe, beschäftigt viele Menschen. Etliche Zeitgenossen vertreten die Ansicht: »Ja, ich glaube schon daran, aber wissen kann man es nicht. Schließlich ist noch keiner zurückgekommen, der uns davon berichten kann.« Bei dieser Meinung handelt es sich im Grunde allerdings um eine sinnbefreite Floskel. Richtig ist vielmehr, dass es heute einige absolut seriöse und zuverlässige Quellen gibt, denen man sehr umfassende Erkenntnisse über das, was der Mensch nach seinem Tod in den übersinnlichen Welten erlebt, erfährt und durchzumachen hat, entnehmen kann. Dieses Büchlein wendet sich an Leser, die sich bisher noch nicht intensiv mit diesem Thema befasst haben, die sich ihm vielleicht sogar erstmals nähern wollen, um eine erste Orientierung gewinnen zu können. Es werden einige wichtige Aspekte und Eckpfeiler, die das Leben nach dem Tod betreffen, erläutert. Auch wird zuvor noch der Blick auf einige andere geistige Wahrheiten geworfen, ohne die man das nachtodliche Leben nicht verstehen könnte. Zum Verständnis der Darstellungen sind keinerlei Vorkenntnisse vonnöten.

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Inhaltsverzeichnis

Eine kleine Geschichte zur Einstimmung

Vorwort

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod – früher und heute

Aus welchen Quellen kann man Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod gewinnen?

Reinkarnation und Karma

Das Wesen des Menschen

Was lehrt das konfessionelle Christentum und was sagen die Wissenschaften über das Leben nach dem Tod?

Das Leben nach dem Tod aus geisteswissenschaftlicher Sicht im Überblick

Die sogenannten »Toten« bedürfen der Hilfe ihrer Hinterbliebenen

Warum es so wichtig ist, sich zu Lebzeiten mit dem zu beschäftigen, was nach dem Tod auf uns zukommt

Anhang

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie

Die geistigen Wesen der höheren Hierarchien

Der

Vier

gliedrige Mensch

Die Regionen der Seelen- und Geisteswelt sowie die Planetensphären

Quellennachweis

Weiterführende Literatur

Wer weiß denn, ob das Leben nicht Totsein ist und das Totsein Leben?

Euripides

Eine kleine Geschichte zur Einstimmung

Das Leben »danach«

Eine Frau war schwanger. Ihr Arzt machte ihr die freudige Mitteilung, dass sie Zwillinge bekommen werde.

Die Wochen vergingen, und die Zwillinge fühlten sich im Schoße ihrer Mutter pudelwohl. »Ist es nicht wunderbar, dass wir empfangen wurden? Ist es nicht herrlich, dass wir leben?«, sprudelte es aus einem der beiden Zwillinge hervor. Der andere stimmte ihm voll und ganz zu.

Die beiden begannen, ihre vorgeburtliche Welt mehr und mehr zu entdecken und zu lieben. Als sie eines Tages die Nabelschnur bemerkten und erforschten, sagte einer der beiden: »Wie sehr muss uns unsere Mutter lieben, dass sie ihr Leben mit uns teilt und uns alles schenkt, wessen wir bedürfen!«

Es vergingen weitere Wochen. Die Zwillinge merkten, dass sie immer mehr wuchsen und sich nicht mehr so ungehindert im Mutterleib bewegen konnten. Der eine wurde nun sehr traurig und sprach: »Weißt du, was das bedeutet? – Der Aufenthalt in dieser Welt neigt sich seinem Ende entgegen!«

»Ich will aber nicht, dass dieses schöne Leben endet. Ich will nicht geboren werden«, beklagte sich der andere.

»Mir behagt die Vorstellung unserer Geburt auch nicht. Aber vielleicht gibt es ja ein Leben nach der Geburt«, meinte der erste.

»Wie könnte das möglich sein? Wie sollten wir ohne die mütterliche Nabelschnur existieren können? Außerdem ist noch keiner, der in diesem Schoße war, zurückgekommen! Die Geburt ist das Ende. Es gibt kein Leben nach der Geburt!«, entgegnete der andere.

Darauf erwiderte der erste: »Wenn es wirklich kein Leben nach der Geburt geben sollte, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoße unserer Mutter?«

»Vielleicht gibt es gar keine Mutter. Schließlich hat sie noch keiner von uns beiden jemals zu Gesicht bekommen. Möglicherweise haben wir sie uns nur konstruiert, um unser jetziges Leben besser verstehen zu können. Es ist alles so sinnlos!«, sprach der andere.

»Wenn du nicht an die Mutter glaubst, wird sie dich nach der Geburt verstoßen!«, entgegnete der erste.

Die Zwillinge kamen überein, an ihre Mutter zu glauben, nicht mehr an die drohende Geburt zu denken und ihr Leben im Mutterschoße zu genießen.

Ihre Zweifel, Ängste und Sorgen konnten sie aber nicht immer verdrängen...

Vorwort

Die weitaus meisten Menschen in der europäisch-amerikanischen Welt befassen sich nicht – oder zumindest nicht ernsthaft – mit der Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gebe. Sie ziehen es vor, alles zu verdrängen, was mit dem Thema »Tod und Sterben« zusammenhängt. Manche scheinen geradezu nach dem Motto zu verfahren, dass der Tod sie nicht ereilen könne, wenn man ihm nur keinen gedanklichen Raum gibt. Zu groß ist wohl ihre Angst vor dem Sterben und dem vermeintlichen oder möglichen ›Nichts‹, in das sie anschließend fallen könnten.

Aber spätestens wenn wir in unserem privaten Umfeld mit einem Todesfall konfrontiert werden, fordert dieses Thema sein Recht. Wem von uns wären in einer solchen Situation nicht schon einmal Fragen durch den Kopf geschossen, die wir ansonsten nur allzu gern in unseren tiefsten Seelenschichten verschlossen halten, weil sie scheinbar so rein gar nichts mit unserem alltäglichen Leben in einer hoch technokratischen Gesellschaft mit ihren vielen sozialen Spannungsfeldern zu tun haben. Jetzt brechen die »großen Sinnfragen« aus ihrem ›Seelenkerker‹ aus und dringen in unser Tagesbewusstsein vor:

Was ist der Sinn dieses Todes und aller damit verbundenen Leiden?

Wo wird die Seele des Verstorbenen jetzt sein?

Was wird der Mensch nach seinem Tod alles erleben können und durchzumachen haben?

Wie können wir ihn als Hinterbliebene auf seinem nachtodlichen Weg unterstützen?

Wird er vielleicht eines Tages auf der Erde wiedergeboren werden?

… und viele mehr.

Oftmals dauert es nur wenige Tage, dass uns diese Fragen einfach keine Ruhe lassen wollen. Dann werden wir wieder vom Getöse und der Hektik unseres Alltagslebens ergriffen und von der Vielzahl unserer täglichen Pflichten in Beschlag genommen. Die Beschäftigung mit solchen Fragen scheint mit dem heute herrschenden Zeitgeist nicht vereinbar zu sein.

Wie wir noch sehen werden, ist es aber von unermesslicher Bedeutung, dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen, dass wir uns um wahrhafte Erkenntnisse über dasjenige bemühen, was uns nach dem Tod erwartet (S. →ff.).

Erfreulicherweise hat es doch den Anschein, dass in heutiger Zeit immer mehr Menschen auf der Suche nach Antworten auf die großen Sinnfragen sind. Sie suchen nach Büchern, die diese Thematik behandeln. In der Tat gibt es unzählige Bücher, die zum Teil in seriöser, zum Teil in etwas dubioser Art von dem Leben nach dem Tod handeln. Nun ist es für einen Leser aber alles andere als einfach, aus der kaum noch überschaubaren Fülle der Literatur das für ihn passende und ›richtige‹ zu finden.

Dieses Büchlein wendet sich an Leser, die sich bisher noch nicht intensiv mit diesem Thema befasst haben, die sich ihm vielleicht sogar erstmals nähern wollen, um eine erste Orientierung gewinnen zu können. Es werden einige wichtige Aspekte und Eckpfeiler, die das Leben nach dem Tod betreffen, erläutert. Auch müssen wir zuvor noch den Blick auf einige andere geistige Wahrheiten werfen, ohne die man das nachtodliche Leben nicht verstehen könnte. Zum Verständnis der folgenden Darstellungen sind keinerlei Vorkenntnisse vonnöten.

Am Ende werden wir einige weiterführende Bücher empfehlen, die für ein gezieltes Vertiefen der Thematik bestens geeignet sind (S. →ff.).

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod – früher und heute

Ohne heimlichen Unglauben an die Unsterblichkeit

gäbe es weit mehr Mut gegen den Tod

und mehr Zufriedenheit mit dem Leben

und weniger Überschätzung desselben.

Die Menschen haben gar nicht das Herz,

sich recht unsterblich zu denken.

Jean Paul

Psychologen sprechen gerne von der »Urangst vor dem Tod«. Diese Formulierung suggeriert, dass die Menschen schon immer diese Angst gehabt hätten, dass sie quasi so alt wie die Menschheit selber wäre. Das entspricht aber nicht den Tatsachen.

In ganz alten Zeiten, die bereits etliche Jahrtausende zurückliegen, gehörte es zu den ganz natürlichen Fähigkeiten eines Menschen, hellsichtig in die übersinnlichen Welten schauen zu können. Die geistigen Wesen – etwa die Engel, aber auch die Seelen der Verstorbenen – waren für sie genauso real wie es ihre Mitmenschen waren. Daher sind die damaligen Menschen gar nicht erst auf die Idee gekommen, den Tod als einen radikalen Übergang von einer Daseinsform in eine andere und schon gar nicht als ein Ende ihrer Existenz aufzufassen. Sie hatten noch ein ganz deutliches Bewusstsein, dass sie vor ihrer Geburt aus einer geistigen Welt herabgestiegen waren, in die sie nach dem Tod wieder hinaufsteigen werden. Das vorgeburtliche, das irdische und das nachtodliche Dasein war für sie ein großer gemeinsamer Lebensstrom. Man hatte also keine Angst vor dem Tod, weil man noch eine ganz lebendige Anschauung von dem hatte, was nach dem Tod geschieht. Man wusste, dass der Lebensstrom in der geistigen Welt fortgesetzt wird. Insbesondere war den Menschen bewusst, dass sie sich nach geraumer Zeit wieder auf der Erde verkörpern werden (»Reinkarnation und Karma«, S. →ff.). Diese Fähigkeit und dieses Bewusstsein mussten die Menschen nach und nach verlieren, um sich von der straffen Führung der ›Götter‹ (Anhang, S. →ff.), derer sie einstmals bedurften, zu lösen. Nur so konnten sie ihr Erdenleben mehr und mehr ergreifen lernen und zu selbständig denkenden und frei handelnden Wesen werden.

Bis vor etwa 2.000 Jahren waren etliche Menschen zumindest noch mit einer mehr instinktiven Hellsichtigkeit begabt. Diese teilten ihre Schauungen ihren Mitmenschen mit, die sie von Generation zu Generation weitergaben.

Bis vor nicht einmal 100 Jahren hatten die meisten Menschen keine Angst vor dem Tod, weil sie noch fest daran glaubten, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Diesen Glauben stützten sie auf die Lehren der Kirchen. Natürlich wurden sie von den Kirchen im Ungewissen gehalten, was sie nach dem Tod genau erwarten würde. Allerdings konnten sie den kirchlichen Lehren entnehmen, dass es ihnen nach dem Tod zumindest nicht schlecht ergehen würde, sofern sie ein anständiges und gottgefälliges Leben geführt haben. Die Hoffnung auf ein Leben im Himmel sorgte dafür, dass sie den Tod nicht fürchteten.

Das änderte sich spätestens in den 1950er Jahren, als sich der Materialismus immer mehr verbreitete. Heute hat diese Ideologie weite Teile der Gesellschaft derart verseucht, dass viele Zeitgenossen nur bereit sind, an das zu glauben, was sie selbst mit den eigenen Sinnen wahrnehmen und erkennen und was die Wissenschaftler erforschen und erklären können. Alles, was geistiger Natur ist und sich der Wahrnehmung mit den üblichen Sinnen entzieht, also geistige Welten (S. →ff. und Anhang, S. →) und Wesen (Anhang, S. →ff.), verweist man ins Reich der Fabeln. Dass es auch heute einige Menschen gibt, die ›geistige Organe‹ besitzen, die sie befähigen, hellsichtig in geistigen Welten wahrzunehmen, halten sie für einen Unsinn. Damit gleichen diese Zeitgenossen einem Blindgeborenen, der Licht und Farben für eine Illusion hält. Als eine zwangsläufige Folge dieser materialistischen Gesinnung nimmt die Anzahl der Menschen stetig zu, die davon ausgehen, dass die menschliche Existenz mit dem Tode ein unwiderrufliches Ende fände. Gemäß einiger Umfragen aus den letzten Jahren ist ein Drittel der Deutschen davon überzeugt, dass es kein Leben nach dem Tod gebe. Ein Drittel hält ein nachtodliches Leben zumindest für möglich, nur ein Drittel glaubt fest daran. Selbst unter den gläubigen Katholiken sind es lediglich etwas mehr als 50 Prozent, die von einem Leben nach dem Tod überzeugt sind.

Aber auch unter den Zeitgenossen, die sehr wohl an ein Leben nach dem Tod glauben, kursieren noch etliche Irrtümer über das, was ein Verstorbener in den übersinnlichen Welten erlebt, was da auf ihn zukommt und was er dort durchzumachen und zu leisten hat. Die Vorstellungen, die heute viele Zeitgenossen mit dem Tod sowie mit dem Leben danach verbinden, sind recht sonderbar.

Aus welchen Quellen kann man Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod gewinnen?

Anfang alles wertvollen geistigen Lebens

ist der unerschrockene Glaube an die Wahrheit

und das offene Bekenntnis zu ihr.

Auch die tiefste religiöse Erkenntnis

liegt nicht außerhalb des Denkens.

Albert Schweitzer

Eine ganz fundamentale irrige Ansicht, die viele vertreten, ist, dass man über das Leben nach dem Tod nichts wissen könne. »Es ist schließlich noch keiner zurückgekommen, der uns davon berichten könnte« kann man in diesem Kontext immer wieder hören.

Richtig ist vielmehr, dass es heute etliche Quellen gibt, in denen über das geschildert wird, was uns nach dem Tod in den übersinnlichen Welten erwartet. Man muss hierbei allerdings die Spreu vom Weizen trennen! In der seichten esoterischen Literatur sowie in den meisten Quellen, die auf medialen Botschaften basieren, lassen sich zwar durchaus zahlreiche und brauchbare Beschreibungen über das nachtodliche Leben finden, allerdings wird vieles häufig durch eine ›rosarote Brille‹ betrachtet. Auch findet man dort bisweilen nur Halbwahrheiten.

Als eine durchaus seriöse Quelle können die Berichte von Menschen gewertet werden, die schon ›mit einem Bein‹ die Schwelle des Todes überschritten hatten und in dieser Zeit, in der sie im Koma lagen oder gar als klinisch tot galten, Nahtod-Erlebnisse hatten.

Schilderungen von Hellsehern und Eingeweihten

Die gewiss zuverlässigsten und stimmigsten Erkenntnisse über geistige Tatsachen und somit auch über das nachtodliche Leben kann man den Forschungsergebnissen von sogenannten »Hellsehern« entnehmen.

Wie bereits erwähnt war die Hellsichtigkeit, also die Fähigkeit, geistige Welten und Wesen wahrnehmen und studieren zu können, vor vielen Jahrtausenden noch eine ganz normale Gabe, die allen Menschen zu eigen war. Die Menschen konnten also genau wissen, was die geistig-göttliche Welt von ihnen erwartete. Als »gut« konnten sie alles erkennen, was die geistigen Wesen, die ›guten Götter‹ (Anhang, S. →ff.), wollten. Sie lebten viel mehr im Bewusstsein der geistigen als der irdischen Welt. Die geistigen Welten erschienen den damaligen Menschen ungleich realer als die Erdenwelt.

Diese Fähigkeit, diese ganz natürliche Hellsichtigkeit musste nach und nach verloren gehen, damit die Menschen sich mehr der physischen Erde zuwenden und sich durch die Loslösung von den Weisungen der Götter ihre Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Verstandeskräfte erwerben konnten. Dass die große Mehrheit der Menschen dadurch letztlich sogar das Wissen von der geistigen Welt gänzlich verloren hat und diese sogar als nicht existent betrachten kann, ist heute nicht zu übersehen. Die Menschheit ist mittlerweile also ins andere Extrem verfallen.

Nachdem in unserer Zeit die Menschen ihre Selbständigkeit und ihre Unabhängigkeit von den Weisungen der geistigen Welt längst erreicht – vermutlich sogar überschritten – und ihre intellektuellen Fähigkeiten längst auf ein hinreichendes Niveau erhoben haben, ist es von großer Bedeutung, dass sie sich früher oder später wieder einen unmittelbaren, persönlichen Zugang zur geistigen Welt erwerben. Es muss also mehr und mehr Menschen geben, die zu einem neuen zeitgemäßen Hellsehen fortschreiten. Es dürfte heute wohl bereits viele Tausend Menschen in der Welt geben, die hellsichtig sind und somit mit einem gewissen Recht als »Hellseher«, »Geistesseher« oder kurz »Seher« bezeichnet werden können.

Die Hellsichtigkeit darf gewiss als eine hohe Gabe betrachtet werden. Bei manchen hellsichtigen Menschen tritt diese Fähigkeit im Laufe des Lebens recht spontan auf. Zahlreiche Geistesseher bringen ihre Gabe, in übersinnlichen Welten wahrnehmen zu können, bereits ins Erdenleben mit. Diese vermögen dann schon im Kindesalter, geistige Wesen zu ›sehen‹, die für ihre Eltern, Geschwister, Freunde und Erzieher nicht zu existieren scheinen. Man darf aber nicht alle heutigen Hellseher in einen Topf werfen. Genau wie bei anderen Fähigkeiten, über die ein Mensch verfügen kann, verhält es sich auch hier so, dass diese Begabung bei unterschiedlichen Hellsehern unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Schließlich tritt ja auch nicht jeder Sänger in der Mailänder Skala auf, und nicht jeder Fußballer spielt in der Nationalmannschaft.

Wir wollen hier noch kurz die Frage aufwerfen, wodurch heute eigentlich ein Mensch zum Hellseher werden kann und was einen solchen auszeichnet. Die ganz große Masse der heutigen Menschheit verfügt ja ganz offensichtlich nicht über diese Gabe. Warum können die weitaus meisten Menschen nicht in der geistigen Welt wahrnehmen? Warum können sie nicht Geistiges sehen oder hören? Nun, die Antwort ist einfach – und vielleicht zunächst doch schwer verständlich: Wir Durchschnittsmenschen nehmen die geistige Welt nicht wahr, weil wir in ihr schlafen. Diese vielleicht etwas sonderbar klingende Antwort ist im wortwörtlichen Sinne zu verstehen, wie man sich leicht klarmachen kann. Wenn wir nachts im Bette schlafen, so wird uns die Sinneswelt doch auch nicht bewusst. Sie scheint für uns in dieser Zeit nicht zu existieren. Wir nehmen nichts Physisches wahr; wir sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken nichts. So wie wir nachts in der physischen Welt schlafen, so schlafen wir permanent in der geistigen Welt. Wie für uns des Nachts die Sinneswelt nicht zu existieren scheint, so scheint für uns die geistige Welt grundsätzlich nicht zu existieren, obwohl wir uns im Grunde immer in ihr befinden. Die physische Welt nehmen wir erst wieder wahr, nachdem wir morgens aufgewacht sind. Dann wird sie uns wieder bewusst. Sie kann uns deshalb bewusst werden, weil wir über die dazu nötigen physischen Sinnesorgane verfügen. Diese Organe waren aber im Urbeginn noch undifferenziert und nicht so entwickelt bzw. ausgereift, dass der Mensch durch sie Wahrnehmungen haben konnte. Erst durch die Einwirkungen des Lichtes und des Schalls konnten sich im Laufe der Zeit die Augen und Ohren zu solchen Organen entwickeln, die den Menschen befähigen, Sinnliches zu sehen bzw. zu hören. Um in der geistigen Welt wirklich aufwachen zu können, brauchen wir andere Organe, »geistige Organe«. Diese Organe, »geistige Augen«, »geistige Ohren«, usw., werden in fernöstlichen Traditionen »Chakren« oder »Lotosblumen« genannt. Dass sich diese Organe den physischen, materiellen Forschungsmethoden unserer Wissenschaftler entziehen und somit von ihnen für nicht existent gehalten werden, muss wohl nicht erwähnt werden. Über diese Organe verfügt jeder Mensch. Bei jedem sind sie keimartig veranlagt. Sie sind bei der großen Mehrheit der Menschen allerdings noch nicht ›geöffnet‹, so dass man mit ihnen noch nicht wahrnehmen kann. Sie befinden sich quasi noch im Embryonalzustand – ähnlich wie das im Urbeginn mit unseren heutigen physischen Sinnesorganen auch der Fall war. Erst nach dem Tod, wenn wir mit unserem physischen Leib die Sinnesorgane ablegen, wird uns diese Wahrnehmungsmöglichkeit erschlossen. Diese geistigen Organe können aber auch prinzipiell bei jedem Menschen zu Lebzeiten durch eine langjährige geistige Schulung geöffnet werden.

Wenn ein Hellseher geistig wahrnimmt, also geistige Welten und Wesen beobachtet, versetzt er sich, während er gewissermaßen ›außerhalb seines Körpers‹ ist, in einen anderen Bewusstseinszustand, der ihm eine höhere Erkenntnismöglichkeit eröffnet. So spricht man vom »imaginativen Bewusstsein«, wenn er geistig schaut und vom »inspirativen Bewusstsein«, wenn er geistig hört. Nun kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Der hellsichtige Mensch der heutigen Zeit muss in der Lage sein, während seiner geistigen Beobachtungen sein übliches »Ich-« oder »Tages-Bewusstsein« voll aufrechtzuerhalten, das ihm stets eine kritische Instanz sein muss. Vielen Zeitgenossen – selbst denjenigen, die von der Existenz höherer Welten sowie einem Leben des Menschen nach dem Tod überzeugt sind – mag es nicht ganz leicht fallen, diese übersinnlichen Wahrnehmungs- bzw. Erkenntnismöglichkeiten, also die »Imaginationen« bzw. »Inspirationen«