Daten, Drohnen, Disziplin - Zygmunt Bauman - E-Book

Daten, Drohnen, Disziplin E-Book

Zygmunt Bauman

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Beschreibung

Das Thema Überwachung ist allgegenwärtig: Wir werden in der U-Bahn gefilmt, machen Privates auf Facebook öffentlich, Minidrohnen werden bald so billig sein, dass Neugierige ihre Nachbarn ausspionieren können. All das ist nicht nur für die Politik eine Herausforderung, sondern auch für die Soziologie. In dem in diesem Band dokumentierten Gespräch unternehmen Zygmunt Bauman und David Lyon, der Begründer der »Surveillance Studies«, den Versuch, Foucaults Idee des Panopticons und Deleuze' Überlegungen zur Kontrollgesellschaft auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

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Das Thema Überwachung ist allgegenwärtig: Wir werden in der U-Bahn gefilmt, machen Privates auf Facebook öffentlich, Minidrohnen werden bald so billig sein, daß Neugierige ihre Nachbarn ausspionieren können. All das ist nicht nur für die Politik eine Herausforderung, sondern auch für die Soziologie. In dem in diesem Band dokumentierten Gespräch unternehmen Zygmunt Bauman und David Lyon, der Begründer der »Surveillance Studies«, den Versuch, Foucaults Idee des Panoptikums und Deleuze’ Überlegungen zur Kontrollgesellschaft auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Zygmunt Bauman ist einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart. In der edition suhrkamp erschien zuletzt sein Essay Wir Lebenskünstler (es 2594).

David Lyon lehrt Soziologie an der Queen’s University in Kingston (Kanada) und leitet dort das Surveillance Studies Centre.

Zygmunt Bauman/David Lyon

DATEN, DROHNEN,DISZIPLIN

Ein Gespräch über flüchtige Überwachung

Aus dem Englischenvon Frank Jakubzik

Suhrkamp

Die englische Originalausgabe dieses Buches erschien im Jahr 2013 unter dem Titel Liquid Surveillance. A Conversation bei Polity Presse (Cambridge).

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2013

Deutsche Erstausgabe

© Suhrkamp Verlag Berlin 2013

© Zygmunt Bauman und David Lyon 2013

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziertoder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlag gestaltet nach einem Konzept von Willy Fleckhaus: Rolf Staudt

eISBN 978-3-518-73032-4

www.suhrkamp.de

INHALT

Vorwort und Danksagung

Einleitung (David Lyon)

1. Drohnen und Soziale Medien

2. Nach dem Panoptikum: flüchtige Überwachung?

3. Distanzierung und Automatisierung

4. Überwachung und (Un-)Sicherheit

5. Konsumismus, neue Medien und soziale Klassifizierung

6. Eine Ethik des Überwachens

7. Was können wir tun, worauf hoffen?

Anmerkungen

VORWORT UND DANKSAGUNG

Die Praxis des Überwachens hat inzwischen auf derart viele Lebensbereiche übergegriffen, daß sie zunehmend Thema in Tageszeitungen und Nachrichtensendungen geworden ist. Allerdings hat diese Ausweitung bereits seit vielen Dekaden im Stillen stattgefunden, denn Überwachung ist ein Grundzug der modernen Welt. Doch so, wie sich diese Welt ständig verändert hat, hat sich auch das Wesen der Überwachung verändert. Heute sind die Gegebenheiten in modernen Gesellschaften offenbar in einem Maße jeder Festigkeit beraubt, daß es vernünftig erscheint, von einer »flüchtigen« Moderne zu sprechen. Einerseits sind wir als Bürger, Arbeitnehmer, Konsumenten und Reisende ständig in Bewegung, während es uns andererseits an Sicherheiten und dauerhaften Bindungen mangelt und wir zudem feststellen müssen, daß jeder Schritt, den wir tun, beobachtet, verfolgt und aufgezeichnet wird. Auch die Praxis des Überwachens ist in einen flüssigen bzw. gasförmigen Zustand übergegangen.

In diesem Buch untersuchen wir gemeinsam, ob das Konzept der »flüchtigen Überwachung« uns zu verstehen hilft, was im Bereich des Monitorings, des Trackings, des Targetings, des Sichtens und Klassifizierens, des Kontrollierens und systematischen Beobachtens heute geschieht. Diese Frage ist der rote Faden unserer Konversation. Sie dreht sich um in der Vergangenheit geführte Debatten über die panoptische Überwachung wie um aktuelle Entwicklungen im Zuge einer globalisierten Überwachung, der sich offenbar niemand mehr zu entziehen vermag und die erstaunlicherweise gerade deshalb von vielen begrüßt wird. Daneben wenden wir uns aber auch grundlegenden Fragen zu, die in Debatten zum Thema Überwachung allzuoft außen vor gelassen werden.

Bei jedem dieser Themen haben wir mehr oder weniger gleich viel zum Verständnis der Dinge beizutragen versucht. Wir stehen seit Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts (vielleicht auch seit Anfang der Achtziger, das wissen wir nicht mehr genau) miteinander in Kontakt und haben seither immer mal wieder Fragen aus den Bereichen neue Technologien, Überwachung, Soziologie und Gesellschaftstheorie diskutiert. Zygmunt Bauman hat sich in seinen Büchern mehrfach mit dem Panoptikum und verwandten Phänomenen beschäftigt und David Lyon in seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Überwachung ermutigt. Im Jahr 2008 haben wir aufeinander bezogene Vorträge für eine Konferenz des Surveillance Studies Network verfaßt (allerdings mußte Baumans Vortrag in absentia gehalten werden). Lyons Vortrag erschien unter dem Titel »Liquid surveillance. The contribution of Zygmunt Bauman’s work to surveillance studies« im Dezember 2008 in der Zeitschrift International Political Sociology; Baumans Konferenzbeitrag ist unveröffentlicht. Die diesem Buch zugrundeliegende Konversation führten wir von September bis November 2011 per E-Mail.

Wir haben den geschätzten Kolleginnen und Kollegen Katja Franko Aas, Kirstie Ball, Will Katerberg und Keith Tester, die unsere Korrespondenz vor der Veröffentlichung lasen, für ihre einsichtsvollen und klugen Hinweise zu danken, wie man das eine oder andere besser formulieren und einem breiteren Publikum zugänglicher machen könnte. Herzlicher Dank gebührt auch Emily Smith, Research Associate am Surveillance Studies Centre an der Queen’s University in Kanada, für ihre Hilfe bei diesem Projekt, sowie Andrea Drugan, unserer Lektorin bei Polity, und Ann Bone, der Redakteurin, für ihre Ermutigung und ihren Rat.

Zygmunt Bauman und David Lyon

EINLEITUNG

DAVID LYON  Überwachung ist eine zentrale Dimension der modernen Welt, und in vielen Ländern ist es den Menschen durchaus bewußt, daß sie zunehmend Einfluß auf ihr Leben hat. In London und New York, Neu-Delhi, Shanghai und Rio de Janeiro wundert sich niemand mehr über Videokameras an öffentlichen Plätzen. Flugreisende wissen, daß sie heute nicht mehr nur wie im 20. Jahrhundert mit Passkontrollen zu rechnen haben, sondern vor allem seit den Anschlägen des 11. Septembers 2001 immer öfter auch mit Ganzkörperscannern und biometrischen Prüfungen. Während all diese Dinge eine Überwachung im Namen der Sicherheit betreffen, werden im Zusammenhang mit alltäglichen Besorgungen, dem Zugang zu Internetseiten oder der Teilnahme an sozialen Netzwerken auch andere Formen von Überwachung zunehmend allgegenwärtig. Beim Onlinekauf wie beim Betreten von Gebäuden müssen wir unsere Identität nachweisen, Passwörter und PINs eingeben. Jeden Tag zeichnet Google unsere Suchanfragen als Stichwörter für »zielgruppengerechte« Marketingstrategien auf.

Was aber bedeutet all das in sozialer, kultureller und politischer Hinsicht? Wenn wir einfach nur die neuen Technologien und Vorschriften beschreiben, gewinnen wir wohl eine Ahnung von der Allgegenwart des Phänomens – aber verstehen wir es damit auch? Sicher müssen wir nach den Folgen rasch anwachsender riesiger Datensammlungen fragen und aufzudecken versuchen, wer durch die Ausbreitung von Überwachungspraktiken in seinen Lebenschancen beeinträchtigt wird, um deren Vormarsch besser Einhalt gebieten zu können. Doch das folgende Gespräch will mehr leisten und tiefer graben, indem es nach den Ursprüngen der heutigen Überwachungspraktiken in der Geschichte des Westens fragt und ihre gegenwärtige Ausbreitung in moralische und politische Zusammenhänge stellt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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