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David ist auf der Suche um seine tief in ihm lodernde Liebe leben zu können. Er will nicht länger allein sein. Er will seine Liebste finden und mit ihr alt werden. Er weiß, dass das Leben zu kurz für Spielereien ist. Er lernt Angelina kennen. Ob sie die Richtige ist, muss sich erweisen.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Lutz Rücker
David
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
David
Impressum neobooks
David
Der Humanist steht vor allen Gläubigen und Ungläubigen.
Es ist Sonntag. Kirchturmuhren schlagen vier Uhr.
David sitzt bei schönstem Sonnenschein in einem Straßencafé durch Sonnenbrille getarnt in einer schattigen
Ecke mit dem Rücken zur Wand. Er wirkt desinteressiert. Als hätte er die Augen hinter der Sonnenbrille
geschlossen, um nicht sehen zu müssen. Um wie versteinert seinen Gedanken Einhalt zu gebieten.
Doch dieses Kunststück gelingt selbst ihm nicht. Seitdem der Mensch die Sprache erfunden, denkt er
unaufhörlich. Stehen Gedanken nur sekundenweise, etwas länger im Schlaf still, wenn das übermächtige,
alles beherrschende, keinen Widerspruch duldende Hirn seine Bewusstheit aufgibt.
Seine Bewegungslosigkeit, die nur durch Heben des Glases und trinken vom Bier unterbrochen wird, verstärkt
diesen Eindruck. Doch der Eindruck trügt. Denn ganz im Gegenteil zu seiner anscheinenden Teilnahmslosigkeit
beobachtet David den Wildwechsel der Frauen genauestens.
Er ist auf der Suche. Auf der Suche nach dem Glück, um seinen größten Wunsch, sein wichtigstes Streben
Wirklichkeit werden zu lassen. David will eine Frau und ein Kind, um seine tief in ihm wurzelnde, aus ihm
herausquellen wollende Liebe leben zu können. Dieses Verlangen, seine Liebe auf etwas fokussieren zu können,
treibt ihn an das Wichtigste und Erstrebenswerteste zu tun, um sein Dasein vollkommen zu machen. Denn er ist
kein Egoist. Kein in sich selbst verliebter Mensch. Nein, er ist ein Humanist. Seine Ehre und sein Wertekanon
stehen über allem und bestimmen sein Handeln. Doch reicht dies nicht aus sein Leben erstrebenswert zu
gestalten. Er hat erkannt, dass es das Eine braucht um wirklich glücklich zu sein. Und dies Eine ist jemanden
lieben zu können.
Das Wertvollste was kann haben man, ist ein Mensch den man lieben kann.
So sitzt David nicht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit und beobachtet das Geschehen.
Er sucht nach der Richtigen. Nach Lady Right.
Schon oft hat er von der Weiblichkeit gekostet, befürwortet, sich am Ziel geglaubt und doch schlussendlich nicht
gefunden was er suchte. Nicht das er höchste Ansprüche stellt. Nein, das ist es nicht. Sein Gefühl muss ihm nur
sagen: „Sie ist es. Mit ihr will ich Kinder haben und alt werden.“
Um diese Eine zu finden, braucht es Mühe, Geduld und Menschenkenntnis. Eine wahrhaft große Liebe ist so
selten. Um so zu lieben, muss man verzichten können und nicht besitzen wollen. Man muss achten, vertrauen
und tolerieren. Ein richtiges Maß an Eifersucht ist notwendig, sonst liebt man nicht wirklich, nicht wahrhaftig.
Ebenso wichtig sind gemeinsame Denkweisen und Interessen, denn die verbinden ein Leben lang und sind das
Fundament des Zusammenseins, auch wenn sich jeder weiterentwickelt.
David glaubt nicht an ein Schicksal. Entscheidungen und Zufälle entwickeln das Leben. So werden
Entscheidungen, zur selben Zeit am selben Ort zu sein, ihn die Ersehnte treffen lassen. Er sucht die frei von
Heuchelei Seiende. Eine, die lieber Gebende als Nehmende ist, die keine Besitzansprüche stellt und nicht
besessen werden will. Auch er will nicht besitzen, einfach nur lieben.
Irgendwann erkennt er sie und sein Puls wird in die Höhe schnellen. Er wird ein Gefühl empfinden das einzigartig
und zeitlos ist. Dann kommt es darauf an diesen Preis zu erringen. David ist sich sicher diese Eine zu finden.
Eine mögliche Auserwählte erscheint auf der Bildfläche, auf dem Tummelplatz der Eitelkeiten.
Und sie ist schön. Hat eine gute Figur und lange dunkle Haare. Auch das Alter und die Größe stimmen.
Die Schöne setzt sich an einen Nebentisch, etwas seitlich
zu David und zieht alle Blicke auf sich.
Eco’s Feststellung bewahrheitet sich. „Die Kraft der Wahrheit und Schönheit ist so groß, dass sie von selber um
sich greift.“
Hat sie sich mit Absicht neben David platziert, obwohl noch ein anderer Tisch frei war?
Noch hat sie nicht ein einziges Mal zu ihm geschaut. Wie sollte sie auch? Welche selbstbewusste Schöne schaut
sich nach Männern um? Sie lässt schauen.
David weiß, dass man sich von der Schönheit nicht blenden lassen darf. Aber er weiß auch, dass die Schönheit
eine Verführerin ist, der man sich nur schwer entziehen kann. Selbst große Denker verfielen ihr zu Hauf.
Die Schöne bestellt einen Eiskaffee.
Ihr Profil ist ebenmäßig. Kinn und Stirn bilden eine fast gerade Linie. Die Nase schaut nur ein wenig hervor.
Ihre dunklen Locken wallen tief über die Schultern. Genau wie David es mag.
Sie ruht in sich und ist sich ihrer Schönheit bewusst.
Viele Männer werden sich nicht trauen sie anzusprechen. Das ist ein Nachteil der Schönheit.
Wie macht man ihre Bekanntschaft?
David vertraut der Poesie und schreibt auf einen Zettel.
Oh schöne Frau, ich mich nicht trau.
Sie zu fragen, einzuladen.
Ja ich gesteh, auch wenn ich geh.
Ihr Bild in mir, ich nicht verlier.
Ob Sie sind frei? Ich einerlei?
Ach, ich nicht weiß, wie Ihr Geheiß.
Er nimmt allen Mut zusammen, steht auf, reicht der Schönen den Zettel und sagt: „Halten Sie mich bitte nicht für
aufdringlich.“
Die Schöne ist überrascht, nimmt aber den Zettel und liest ihn. David setzt sich wieder. Gespannte Erwartung
beherrscht seine Wahrnehmung. Doch die Schöne schweigt. Ein Schweigen das vieles bedeuten kann.
Anfang und Ende. Anlächeln oder Auslachen.
„Gut gereimt, warum so schüchtern?“
David ist erlöst. Schnell setzt er die Sonnenbrille ab und hängt sie in die Knopfleiste seines tief blauen Poloshirts.
„Bin ich bei einer schönen Frau immer.“
„Sie Charmeur. Wie vielen haben sie das schon geschrieben?“
„Nur Ihnen, Ehrenwort.“
„Das soll ich Ihnen glauben?“
„Sie müssen. Denn es ist die Wahrheit.“
Seine Bestimmtheit macht sie nachdenklich.
„Aber das ist Ihnen doch nicht in der kurzen Zeit meines Hierseins eingefallen.“
„Nein, natürlich nicht. Ich habe es gereimt, um bei einer Begegnung der besonderen Art vorbereitet zu sein.“
„Sie sind mir ja einer.“ Ihr Lächeln ist nicht abweisend.
Ihre strahlenden Augen verraten Neugier.
„Entschuldigen Sie meine Dreistigkeit. Ich konnte nicht anders.“
„Den Mutigen gehört die Welt.“
„Das ist war. Wie ist ihre Antwort?“
„Sie wollen mich also zu etwas einladen?“
„Ja, sehr gern. Es ist mir ein Bedürfnis.“
David lächelt so strahlend wie ein kleiner Junge der gerade eine Münze gefunden hat.
„Also gut. Warum eigentlich nicht.“
„Ein Glas Sekt scheint mir angebracht zu sein, wenn es für Sie dafür noch nicht zu früh ist.“
„Keineswegs. Sekt ist gut.“
„Dann darf ich mich zu Ihnen setzen?“
„Ja natürlich.“
David steht auf und wählt den Platz ihr gegenüber. Seine blauen Augen, die nicht lügen können, blicken
tiefgründig. David winkt der Kellnerin, die gerade am Nebentisch abkassiert.
„Ich hätte gern eine Flasche Sekt und zwei Gläser.“
„Sehr gern“, antwortet die Kellnerin mit eingeübtem Lächeln und geht die Bestellung holen.
David schaut in braune so warme Augen und verliert sich in ihnen. Ein Wimpernschlag holt ihn zurück.
„Sie sind aus dieser Stadt?“, findet er endlich wieder Worte.
„Ja. Ich bin hier geboren und seit kurzem wieder zurück. Und Sie?“
„Ich bin ein Zugereister. Etwa seit einem Jahr hier. Die Stadt gefällt mir gut. Besonders das viele Grün und die
Berge in der Nähe.“
„Sie sind gern in der Natur?“
„Ja. Ich mag Berge die man erwandern kann und schöne Aussichten. Als Einheimische kennen Sie bestimmt die
schönsten Orte hier.“
„Ach ja, ich denke schon.“
David lächelt neugierig. Er würde nur all zu gern mit der schönen Fremden an diesen Orten weilen und die
Freuden mit ihr teilen.
Die Kellnerin bringt das Gewünschte. Stellt Gläser und Sektkübel auf den Tisch. Als sie die Flasche aus dem
Kübel nehmen will, um sie zu öffnen, hält David sie auf.
„Vielen Dank, das mache ich selbst.“
Mit der rechten Hand auf sein Bier am Nebentisch weisend fügt er hinzu: „Das können Sie mitnehmen.“
Sein Lächeln lässt die Kellnerin das Gesagte tun.
Er greift zur Flasche, entwickelt den Draht, öffnet sie gekonnt mit einem leichten Knall und schenkt der Schönen
ein. Dann füllt er sein Glas. Die Perlen steigen auf und vergehen an der Oberfläche.
David nimmt sein Glas und schaut der Schönen in die Augen.
„Auf Ihre Entscheidung zu dieser Zeit an diesem Ort zu sein.“
Sein Lächeln ist gewinnend.
„Danke für die Einladung“, erwidert die Schöne mit strahlendem Blick. Sie nippen von dem edlen Tropfen und
stellen die Gläser ab.
„Und, schmeckt er Ihnen?“
„Ja, der ist köstlich. Wo kommt er denn her?“
„Da muss ich erst schauen.“ David dreht die Flasche mit dem Etikette zu sich und liest das Label.
„Oh! Der stammt direkt vom Winzer. Riesling Sekt, aus dem Rheingau, 2003.“
„Riesling Sekt. Wirklich sehr gut. Habe ich noch nie getrunken.“
„Ich kenne auch nur Riesling Weine. 2003 war ein sehr gutes Jahr, glaube ich gelesen zu haben.“
„Stimmt, ein toller Sommer mit vielen Sonnentagen.“
„Darf ich nach Ihrem Vornamen fragen? Ich heiße David.“
„Warum wollen Sie den wissen?“
„Den Namen einer schönen Frau will jeder Mann wissen.“
„Ach so. Na dann will ich Sie nicht länger im Ungewissen lassen. Ich heiße Angelina.“
„Engelchen, wie treffend. Ihre Eltern wussten schon sehr früh,
was aus Ihnen wird.“
„So ein Charmeur“, denkt Angelina.
Sie ist geschmeichelt und gewarnt zugleich. Vorsicht ist geboten. Sie wurde schon zu oft enttäuscht. Vielleicht ist
er auch nur ein Stecher, ein Trophäensammler. Mit solchen Typen will sie gar nichts, absolut gar nichts zu tun
haben.
David sieht gut aus. Kein Adonis im engsten Sinne, aber ein attraktiver Mann. Und er ist gut in Form.
Kein Bierbauch verunstaltet seine Figur. Die langen lockigen Haare sind gepflegt.
Angelina muss sich eingestehen, dass David ihr gefällt. Sie will mehr über ihn wissen.
Direkte Fragen sind der beste Weg. Sie ergründen unvorbereitet die Wahrheit.
„Ist die Sprache der Ursprung der Lüge?“
David ist überrascht. Diese Frage hat ihm noch niemand gestellt.
„Interessante Frage. Hm, ich denke nein. Man kann auch durch Mimik und Gestik lügen und die waren schon
vorher da.“
„Stimmt auch ein Lächeln kann tödlich sein.“
„Ich glaube kleine Kinder und Sturzbetrunkene sind der Wahrheit nahe. Die einen, weil sie die Lüge noch nicht
kennen, die anderen, weil das Unbewusste nicht lügt. Und noch eine Gruppe könnte es geben. Menschen mit
Ehre, bedingungsfreier Ehre, die die Wahrheit lieben.“
„Sie sitzen hier mit mir und laden mich zum Sekt trinken ein.
Was wird Ihre Freundin dazu sagen?“
„Ich habe keine Freundin.“
Angelina schaut David ungläubig an.
„Lebe zur Zeit zölibatär.“
„Zölibatär?“
„Ja. Bezahlen würde ich niemals für Sex.“
Angelina hebt die Augenbrauen.
David kann ihre Gedanken lesen.
„Das ist eine Frage für Siddhartha. Wenn man keine Freundin hat, nicht schwul und impotent ist, was soll Mann
da tun?“
Angelina ist überrascht und verlegen.
Davids fragender Blick erwartet eine Antwort.
„Tja, was soll Mann da machen?“, fragt sie unsicher und abwehrend zurück, als wolle sie die Frage lieber nicht
beantworten.
David lacht Angelina an und ist über ihre Verlegenheit amüsiert.
„Lassen Sie mich die Antwort geben.“
Angelina nickt erleichtert.
„Wenn die Lust zu groß wird, befriedigt Mann sich selbst.“
Über Angelinas Gesicht liegt Erstaunen. Mit solch einer Offenheit hat sie nicht gerechnet. So Einen wie David ist
sie noch nie begegnet. Er ist eigenartig, doch zugleich neugierig machend und sie spürt eine Tiefe in ihm,
die große Gefühle vermuten lässt.
Wie er da so sitzt? Selbstbewusst und in sich ruhend. Wenn er wirklich meint was er sagt, wäre es interessant,
ihn näher kennen zu lernen.
Angelina fühlt, dass David kein Casanova und kein Dummschwätzer ist.
David greift zu seinem Glas und prostet Angelina zu. Sie tut es ihm gleich und trinkt einen größeren Schluck.
Der Sekt ist belebend und ein Genuss für den Gaumen.
Angelina möchte gern mehr über David erfahren.
„Was arbeiten Sie?“
„Ich bin Gutestuer.“
„Bitte was?“ Angelina glaubt sich verhört zu haben.
„Ich tue Gutes.“
„Wie darf ich das verstehen?“
„Ich arbeite bei einer Stiftung zur Förderung der Kinder Alleinerziehender.“
„Und was machen Sie da konkret?“
„Ich beurteile Hilfebedürftige und gewähre finanzielle Unterstützung.“
„Oh, das ist ja eine tolle Arbeit.“
„Ja. Der beste Job der Welt.“
„Warum Unterstützung nur für Kinder von Alleinerziehenden?“
„Das hat der Stiftungsgeber so bestimmt. Alleinerziehende sind oftmals auf sich selbst gestellt. Haben nicht selten
keine Unterstützung und sind oft unverschuldet in finanziellen Engpässen. Können sich Notwendiges für ihre
Kinder nicht leisten. Da ist eine Hilfeleistung angebracht.“
„Dann ist der Stiftungsgeber ein Kinderfreund?“
„Absolut. Kinder sind das Wertvollste. Sie zu fördern, ihnen möglichst gleiche Chancen zu geben, ist sein erstes
Anliegen.“
„Ein guter Mensch.“
„Ja, das ist er.“
„Von dieser Stiftung habe ich noch nie gehört. Wie heißt sie denn?“
„Wenn Sie erst seit kurzem wieder hier sind, ist das nicht verwunderlich. Wir machen keine Werbung. Jeder Cent
für die Bedürftigen. Die Stiftung heißt: „Kinderhilfe für Alleinerziehende“.“
„Und wie lange gibt es sie schon?“
„Seit zirka einem Jahr.“
„Dann sind Sie also von Anfang an dabei.“
„Ja, das bin ich.“
„Wie kommt man an einen so tollen Job?“
„Ich kenne den Stiftungsgeber gut. Bin mit ihm befreundet.“
„Ach so. Vitamin B also.”
David lacht Angelina an.
„Finanziert sich die Stiftung aus Spenden?“
„Nicht wirklich. Wir stellen keine Spendenbescheinigungen aus. Hilfe muss von Herzen kommen und nicht zur
Senkung der Steuerlast dienen.“
„Dann habt ihr nur wenige Einnahmen.“
„Ja, leider. Finanziert wird alles fast ausschließlich aus dem Stiftungsvermögen. Ein wenig spenden die
Unterstützten, wenn sie durch veränderte Umstände dazu in der Lage sind.“
„Hm. Dann ist diese gute Sache nicht endlos durchführbar.“
„Stimmt. Wenn sich bei den Spenden nichts ändert, sich keine uneigennützigen Unterstützer beteiligen, wird das
Stiftungsvermögen irgendwann aufgebraucht sein. Zum Glück ist dieser Tag noch fern.“
„Möge dieser Tag nie kommen.“
David nickt zustimmend.
„Wie sind Ablauf und Entscheidungsfindung?“
„Nun, eigentlich ganz einfach. Bedürftige tragen ihr Anliegen vor. Wir beurteilen die Situation. Gewähren bei
positiver Entscheidung einen angemessenen Betrag und stellen einen Scheck aus.“
„Wer ist wir?“
„Waltraut und ich.“ David schaut in fragende Augen.
