De Neiheffer Bachschitz -  - E-Book

De Neiheffer Bachschitz E-Book

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Beschreibung

Die "Pälzer Sprooch" erinnert an alte Zeiten, als die Pfalz in über 40 Territorien zersplittert war. Das Ausland fing oft schon am Ortsausgang an. Die Obrigkeit von Adel und Kirche hatte das Sagen. Das einfache Volk musste kuschen. Wer nicht auswanderte - nach Osteuropa oder in die neue Welt - der hat sich behauptet. Die Pfälzer sind zuweilen mit einem derben Humor gesegnet, eine Allzweckwaffe gegen die Härten des Daseins. Tolerant, aber kritisch im Umgang mit anmaßenden Autoritäten. Der bekannte Städtezeichner Merian schrieb in seinen Reisetagebüchern über die Pfalz und die Pfälzer: Die Vorderpfalz ist schon arg mit Kriegen und Verwüstungen gebeutelt. Doch wenn die "Wilde Jagd" über das Land zieht, duckt sich der Pfälzer in die Ackerfurche, und wenn die Hatz vorbei ist, wird erst mal ein Fest gefeiert.

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Seitenzahl: 183

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Neuhofen liegt in der Rheinniederung. Der Rehbach floss durch den Ort. Neuhofen war in alten Zeiten immer hochwassergefährdet.

Heute gibt es Beauftragte für den Gewässerschutz.

Früher war das im Volksmund „de Bachschitz“ (Schützer der Gewässer).

Inhaltsverzeichnis

Die Palz un die Pälzer

Heimat in de Palz

Gänsebroote im Hirsch

De Woistopper-Verein

De Schneider Aad`l

De Rhoilänner Holzdieb

Tankstell durch de Gaadezaun

Uff em Neiheffer Fußballplatz

Winterspass vor 60 Johr

Die Zwischewand un de Killianer

De Altriper Handwerksborsch

De Schwaademaage

Friehling in der Palz

Gaadeärwet

De Hoinerle

De Depp

De Aprilscherz

Im Wertstoffhof

Roosemondaagsbaal im Volkshaus

Fasnachtsumzug

Zwee Angler

Summer an de Schlicht

Wooghaisel

Im Fitness-Studio

E Hundelewe

Bitte recht freundlich

Dicke Kartoffle

Moi nei Gscherrspielmaschin

Isch bezahl

De Weddergott

Pälzer Fußballspiel

Worschtzippel

De Nackisch

Offlachwegsee

Durchgebisse bis uffs Blut

Familie Steingesicht

De Banane-Hannes

Erntedankfescht

Probleme mit Hunde un Annere

De Bachschitz vun Afrika

Mondaags in de Stadt

Yolanda

Brennholz mache im Winter

De Knatter

Unser Paulche un de Belzenickel

Weihnachtsüwweraschunge

Die Üwweraschungsdutt

Senioreclub

Bundesverdienstkreiz

Unser Beschtes

Die Audonummer

Hoscht ä Problem?

De Allah in de Palz

Anstrengendes Wochenende

Schwerer Diebstahl

Moderne Stromproduzente

Die Zucchini-Schlacht

De neie Wohnzimmerschrank

Im Krankmachhaus

De Weiße Neger

Die Frollein Sofie

Hundegaade

Jedem Narr soi Kapp

Banke, Kunde, Vorständ

Sauna-Gutschoi

De Grillowend

Die Fremdjubler

De Bachschitz uns`s Echo

ECHO newem Telefon

Kreiselhofen

Neuhofen in den Rheinauen

Weg nooch Altrip

Verbandsgemeinde Rheinauen

ECHO im Inderned

Holper die Polder

Neiheffer Altrhoi

Die Walsemer Stroofbänkelscher

Uff dem Friedhof rumpelts

Sperrgebiet Schlicht

Neuhofen in den Rheinauen

Metzger-Emil

Die Trauerhall

De Dood un de Bachschitz

Die Pfalz und die Pfälzer

Die alteingesessenen Pfälzer gelten als ein „unverfälschter“ Menschenschlag. Ihnen wird persönliche Offenheit, natürliche Neugier und Geselligkeit nachgesagt, aber auch Direktheit und Dickköpfigkeit.

Als wichtige Eigenschaft sei die sprichwörtliche „Pfälzer Gemütlichkeit“ genannt – man setzt sich gerne zusammen an einen Tisch und speist und trinkt gemeinsam. Durch die räumliche Nähe zu Frankreich ist der Pfälzer dem "savoir vivre" durchaus zugetan.

Überhaupt Frankreich. Bis heute hat der Name Napoleon in der Pfalz einen guten Klang. Der Adel wurde entmachtet und vertrieben. Die Menschen links des Rheines kamen in den Genuss bürgerlicher Freiheiten, die heute noch in Verwaltung und Gesetzen fortwirken.

Die „Pälzer Sprooch“ erinnert an alte Zeiten, als die Pfalz in über 40 Territorien zersplittert war. Und oft am Ortsende schon das Ausland anfing. Das prägt die Menschen. Wer nicht auswanderte - nach Osteuropa oder in die neue Welt - der hat sich behauptet. Die Pfälzer sind zuweilen mit einem derben Humor gesegnet, einer Allzweckwaffe gegen die Härten des Daseins. Tolerant, aber kritisch im Umgang mit angemaßten Autoritäten.

Wenn etwas nicht so läuft, wie es soll, können auch mal die „Donnerkeile“ fliegen – Dunnerkeidel ist ein gebräuchlicher pfälzischer Fluch. So waren Pfälzer maßgeblich am Bauernkrieg (1525), am Hambacher Fest (1832) und an der Märzrevolution (1848) beteiligt. Auf Grund der beiden letztgenannten Ereignisse gilt die Pfalz auch als ein Stammland der frühen deutschen National- und Demokratiebewegung. Bürger, Publizisten, Juristen und Pfarrer traten ein für Demokratie und Selbstbestimmung . Legendär ist eine Zeitungsausgabe, die nur aus unbedruckten Seiten bestand. Ein klares Statement gegen die damalige Pressezensur.

Mit diesem alten Postkartenspruch sind die Pfälzer treffend charakterisiert:

De Pälzer

Hell unn piffich

Uzzich unn kniffich

Kän Daag ohne Wertshaus

Krakeelich bis dortnaus

Iwwer Alles räsonniere

Üwwer Alles dischbediere,

Unn dorschtig wie en Mälzer:

Des is en echter Pälzer.

Aber trotz hell und pfiffig, haben viele Pfälzer das Problem, etwas aus sich zu machen und sich selber darzustellen.

Das „Pälzer Platt“ wird oft belächelt. Aus dieser Unsicherheit entsteht dann der Drang zu übertreiben und so werden die Pfälzer schnell zu „Pälzer Krischer“. So wird nach jedem Schoppen Wein das immer lautstärkere „Dischbediere“ zur Tugend der Selbstbehauptung.

De Bachschitz un soi Kumpane sinn echte

„Pälzer Krischer“.

Heimat in der Pfalz

Die Oberrheinische Tiefebene erstreckt sich zwischen Basel im Süden und Mainz im Norden, gesäumt von Schwarzwald und Odenwald im Osten, sowie den Vogesen und dem Pfälzerwald im Westen.

Der Rhein, größter deutscher Strom, durchfließt die Tiefebene auf seinem Weg von den Alpen zur Nordsee. Die Landschaft ist geprägt von einem sehr milden, fast mediterranen Klima. Die Niederungen des Rheins, mit den fruchtbaren Lössböden, waren schon immer hart umkämpfte Siedlungsgebiete.

Besiedelungen durch den Menschen, schon vor tausenden von Jahren, sind durch Ausgrabungen belegt.

Riesige, fast undurchdringliche Wälder wurden nach und nach gerodet und für Ackerbau und die Viehhaltung nutzbar gemacht.

Die wichtigsten Verkehrswege waren der Rhein und seine Zuflüsse. Für die Pfalz waren das die Lauter (Mündung in den Rhein bei Lauterburg), die Queich (Mündung in den Rhein in Germersheim, der Speyerbach (Mündung in den Rhein in Speyer, der Rehbach (Mündung in den Rhein bei Rheingönheim), Isenach/ Floßbach (Mündung in den Rhein bei Frankenthal), die Pfrimm (Mündung in den Rhein im rheinhessischen Worms).

Der Rehbach ist als einziger linksrheinischer Zufluss des Rheines in der Pfalz kein natürlich entstandener Wasserlauf. Das Bachbett des Rehbach wurde künstlich angelegt.

Die Bevölkerung in der Rheinniederung wuchs und die landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden immer größer. Man brauchte Mühlen um die großen Mengen an Getreide mahlen zu können.

Es wurde ein Bach projektiert der die Gemeinden Haßloch, Iggelheim und Schifferstadt mit Wasser versorgen und Mühlen in diesen Gemeinden antreiben sollte.

Der Speyerbach kommt bei Neustadt an der Weinstraße aus dem Pfälzerwald. In Winzingen, einem Ortsteil von Neustadt, baute man die „Winzinger Scheide“. Hier wird Wasser aus dem Speyerbach abgezweigt und in das neu gebaute Bett des Rehbach umgeleitet.

Jetzt konnten Mühlen in Haßloch, Iggelheim und Schifferstadt gebaut werden.

Nach Schifferstadt läuft das Bachbett Richtung Rehhütte (früher Rechhütte). Das Bachbett geht dann in das Tiefgestade über.

Die Mühle an der Rehhütte wird 1241 erstmals urkundlich genannt.

Die Keimzelle von Neuhofen war ein im Jahr 1194 an der heutigen Burggasse erbauter Wirtschaftshof des Klosters Himmerod aus der Eifel.

Im Jahr 1974 wurde das Bett des Rehbach unterhalb der Rehhütte in den Ranschbach geleitet.

Der Rehbachweg in Neuhofen ist auf dem alten Rehbachbett angelegt. Der Weg von der Rehhütte bis zur Waldmühle zeigt den früheren Flussverlauf durch die Neuhöfer Gemarkung.

Flüsse und Bäche waren wichtige Bestandteile der damaligen Wirtschaftsstruktur und es wurden große Anstrengungen unternommen um diese Strukturen aufzubauen und zu unterhalten. Für Schutz und Befestigung der Ufer, sowie für den ungehinderten Durchfluss des Wassers hatte der „Bachschütz“ zu sorgen.

Neuhofen war jahrhunderte lang ein bäuerliches Dorf am Rand der Rheinniederung. Mit dem Aufstieg von Ludwigshafen zur Industriestadt wurden immer mehr Arbeitskräfte gebraucht. So stieg durch Zuzug auch die Einwohnerschaft von Neuhofen. 1950 war Neuhofen immer noch bäuerlich geprägt mit ca. 80 Vollerwerbs-Landwirten.

Neuhofen um 1950

Neuhofen war für uns Kinder ein beschauliches und überschaubares Gemeinwesen in herrlich ländlicher Umgebung.

Die meisten Familien hatten mehrere Kinder. Die Wohnungen waren klein. Es gab kein Fernsehen, fast keine Autos auf den Straßen. Nachmittags trafen sich die Kinder auf den Straßen, auf Wiesen, am Rehbach und vielen anderen Treffpunkten. Wir bauten Laubhütten im Unterwald, Indianerlager an den Torflöchern, Cowboy-Lager mit Laubhütten und Feuerstelle im Woog. Je nach Ortsteil bildeten sich Kindergruppen. Die Unnerdorf-Bande kämpfte gegen die Owwerdörfer, die Osterloch-Bande gegen die Siedlinger. Ernstlich Verletzte gab es nie und am nächsten Morgen in der Schule waren alle wieder Freunde.

Im Sommer traf sich alles am Rehbach. Der Rehbach hatte glasklares Wasser und einen feinsandigen Grund. Die Frauen wuschen die Wäsche, die Kinder spielten, lernten schwimmen, fingen Fische – der Tag verging immer wie im Flug.

Im Winter war der Rehbach meist zugefroren und wir Kinder vergnügten uns mit „Glinnen“, Eishockey oder Schlittschuh fahren.

Der Rehbach und speziell die „Bachbrick“ und der umliegende Bereich mit Gutslheisel, Fußballplatz, Reiterplatz, Bachgärten und „die Bach nuff, am Torfloch vorbei, bis an die Stännerbrick“ war unser bevorzugtes Spielgelände.

Für uns Kinder war jeder Tag ein neues Abenteuer.

Die Erzählungen im Bachschitz sind geprägt von einer schönen erfahrungsreichen Kindheit und Jugend, gepaart mit pfälzischem Witz und Schlitzohrigkeit.

De Gänsebroote im Hirsch

In de Hauptstroß vunn Neihoffe war frieher die Metzgerei Engelhardt un debei a die Wertschaft „Zum Hirsch“. Kä Mensch in Neihoffe hot gesaagt: „mer gehe in de Hirsch“. Des war äfach „die Wertschaft vunn`s Engelhardts“.

Um 1950 hänn viel Männer kä Arbeit gehabt unn ware halt oft in de Wertschaft. Ned zum Esse wie heit, Geld hot mer wennich gehabt, awwer de Woi war billich. Mer hot sich halt die Zeit beim Karte spiele vertriwwe unn sich Frechheite ausgedenkt.

De Mohre-Stopper hot mol Samstagowends die Engelhardten, also die Wirtin, an de Stammtisch gerufe und hot zu re gesaagt: „Engelhardten, ich hab do bei äm Bauer newebei was geschafft un hab ä schäni Gans geschenkt gegriggt. Isch du se schlachte un vorbereite un bring se morge frieh um 8 Uhr. Kännscht du dann Füllsel noimache un die Gans bis zum Mittagesse fertisch mache fer uns am Stammtisch?“

Es war zu dere Zeit nix außergewähnliches. Geld war knapp unn fer die Gäscht vumm Stammdisch is sowas schun mol gemacht worre. Die hänn jo a getrunke, die Beilage bezahlt unn än klääne Obolus fers mache gewwe.

De Mohre-Stopper hot also am Sunndaag morgen ä schääni großi fetti Gans gebrocht. Fertisch geroppt, abgesengt un ausge-numme. Die Fraa Engelhardt hot se gefüllt, gewerzt und dann in de Backoffe.

Zum Mittagesse is de Mohre-Stopper mit zwää vunn soine Kumpane kumme. Sie hänn die Engelhardten unn ihrn Mann a mit zum Esse an de Stammdisch gebete. Die Gans mit Knödel unn Rotkraut hot vortrefflich geschmeckt. All hänn se geschmatzt un die gud Gans unn noch mehr die gud Köchin gelobt.

Nochdem die Stammdischler ä paar Schoppe getrunke gehabt hänn, hänn se mitnanner gebischbert, gelacht unn sich uff die Schenkel gekloppt. Ääner seegt dann: „Engelhardten, geh mol naus unn zähl doi Gäns“.

Dozu muss mer saage, zu dere Zeit hänn die meischte Leit uff de Dörfer hinnerm Haus noch en Stall gehabt un Hinkle, Gäns, Ente odder Hase noch selwer gezooge.

Die Engelhardten hot en ganz rote Kopp gegriggt. Sie is naus in de Gaade an de Gänsestall, kummt roi und kreischt:

„Mohre-Stopper, du Lumpe-Seckel, du Erzgauner, du Stromer, moi schänschti Gans hoscht mer geklaut. Unn ich hab moi schäni Gans eich Lumpe-Pack a noch gebroote un serviert. De Deiwel soll eich hole.“

Die Stammdischler hänn die Gans nadierlich bezahlt. Awwer die Engelhardten, sie war ä gudi Fraa, war doch monatelang bös mit denne Spitzbuwe.

So war dess mit dem Gänsebroote beim Engelhardt.

De Woistopper-Verein

So um 1950 rum hot`s in Deitschland viel Arbeitslose gewwe. Die Männer hänn sich dann oft in de Wertschafte getroffe un sich mit dischpediere und komische Einfäll die Zeit vertriwwe. Am schääne Daag, im Hirsch in de Hauptstrooß beim Engelhardt, ware 8 Männer am Stammdisch gehockt unn hot vor sich hi sinniert.

De Herr Mohr, de Vorname wääß isch nimmi, stiert ä ganzi weil uff ä Reih Woiflasche hinner de Thek un seegt dann: „So än Woiflasche-Stopper hot jo ä scheiß Lewe.

Erscht is er frei, wachst als Rinde an de Korkeiche, dann wird er zurechtgestutzt bis er rund is, dann wird er mit ämm Gummihammer in de Flaschehals noigekloppt.

Er is dann in dem enge Flasche-Hals-Gefängnis oigezwängt unn is erscht widder frei, wann er widder rausgezoge werd. Männer, mir sollten die Stopper in denne Woiflasche hinner de Thek all befreie.“

„Engelhardten“, hot er de Fraa Engelhardt hinner de Thek zugerufe, „mach mol ääni vun denne Woiflasche do hinne uff un bring se her, mitsamt dem Stopper.“ Er hot dann uff de Stopper ä lachendes Gesichtel gemoolt. Hot den lachende Stopper in die Runde gezeigt und gesaagt: „Unn Männer, seht ihr wie der sich fräät, dass er frei is?“

Ä Schoppeglas is in die Runde gange unn die Flasch war schnell geleert. „Männer, Geld uff de Tisch, mir befreie noch ään Stopper aus soim Flasche-Hals-G`fängnis“.

Domols hot mer üwwerischens känn Schorle getrunke. Denn gude Woi mit Wasser verdünne? Do wär mer schief ageguggt worre.

Die Stimmung is immer ausgelassener worre. Bald waren 8 leere Woiflasche uff dem Tisch gestanne un uff dem Rand vunn de Hängelamp üwwerm Tisch ware 8 bemalte Stopper uffgereiht. „Männer“ hot de Freye Würscher, äner aus de Runde gerufe „Männer mir gründe en „Woi-Stopper-Befreiungs-Verein, unn de Mohre-Stopper is de Präsident.“ Alle hänn die Hand gehobe, damit hot de Mohre-Stopper soin Name weg gehabt.

Die versammelt Mannschaft war sich dann a noch äänisch, daß mer fer den Verein ä Hymne braucht. Do hot ääner uff die Melodie vunn „Die Internationale“ ä Liedel angestimmt:

„Ihr Stopper höret die Signale – in den Flaschen bleibt ihr nicht – die Üwwerlandzentr-a-ale - bringt in jedi Wertschaft Licht“.

Bei de zwölfte Flasch, korz noch Mitternacht, hänn sich alle gestellt, an de Händ genumme und lauthals des Liedel gesunge.

Do fliegt die Deer uff, unn de Häckel Auguscht, des war de Dorfpolizischt, kummt roigestürmt. „Was is`n do los, seid ihr verrickt? Jetzt is Sperrstunn un ihr singen do kommunischtische Kampflieder. Spinnt ihr? Naus – awwer schnell.“

Beim Nausgehe hot de Mohr zurückgerufe: „Engelhardten, die Stopper loscht stehe, morge mache mir weiter.“

Am nächste Tag waren die Stopper weg. Die Fraa Engelhardt hot gesaagt: „Als se morgens die Fenschter uffgemacht hät zum Lüfte, wären die Stopper voller Frääd üwwer die nei Freiheit nausgeflooge.“

De „Stopper-Befreiungs-Verein“ hot bloos ään Owend bestanne, aber seit dem Owend war de Mohr in ganz Neihoffe bloos noch de Mohre-Stopper.

De Schneider Aad`l

S`war vorm 2. Weltkrieg, also schunn lang her, do hot de Schneider Aad`l in de Bachgass gewohnt. Er hot eigentlich Arthur gehääse, awwer in Neihoffe war`s halt de Aad`l. De Aad`l hot newebei Schuh repariert. Domols hot jo kenner, so wie heit, 10 Paar Schuh gehabt. Schuh sinn noch repariert worre, nei besohlt, neie Absätz unn so weider. De Aad`l hot sich dann immer uff de Tisch gesetzt, de eiserne Dreifuß vor sich, im Halbkrääs vor sich rundum die benedischte Teile drapiert unn a`gfange zu schaffe. Heit wollt er bei zwää Schuh neie Absätz druffmache. Des Absatzgummi hot er zugschnitte, die Löcher fer die Näggel mit änere Nähahle vorgebohrt, un dann mit annerthalb Zentimeter lange Holznäggel agenaggelt. Des häßt - er wollt des so mache.

Awwer e furchtbar zudringlischi Mick is dauern um en rumgeflooge. Mol war se uff soine Nas gehockt, hot sich mol do, mol do hig`setzt unn hot em Aad`l ke Ruh gelosst. Sie hot sich ned vertreiwe losse.

Die Elis, dem Aad`l soi Fraa, hot em e Musebroot gebrocht unn newerm Aad`l uff de Tisch gelegt. Schwupps war die Mick druckgehockt. Jetzt hot de Aad`l awwer die Nas voll gehatt. Än kräftische Hammerschlag direkt uff`s Musebrot. Die Mick war fort, - awwer die Elis: „Du konnscht`s doch saage wann ke Musebroot willscht, du störrischer Depp, awwer doch ned mit dem Hammer druffkloppe, dass die ganz Kisch verspritzt“. De Aad`l hot schnell s`Brot gesse und wollt weiterschaffe. Do hockt sich die Mick genau newe die rund Blechdos mit denne 200 Holznäggel. Än gezielte Schlag, de Aad`l hot de Rand vunn de Doos getroffe unn 200 Holznäggel sin in de Kisch rumgflooge. Ä paar in de Suppetopp uff em Herd. S´ware zum Glick Holznäggel, die sinn gschwumme, und die Elis hot se leicht widder rausfische känne. Awwer die Kreischerei die se veranstalt hot, unn des Knottere wie se die 200 Näggel vumm Boode uffgesammelt hot. De Aad`l hot ruhisch weidergeschafft.

Do hockt sich die Mick glei newerm mitte uff die Fenschterscheib. Er hot se genau fixiert. De Hammergriff mit feschter Hand umspannt. Als die Mick dann die Hinnerbää gehobe, unn anannergeriwwe hot, wie die Micke des als so mache, war er sicher, dass er se jetzt verwischt. Kraftvoll hot er zugeschlagge. Batsch, es hot geklirrt unn gescheppert, de Hammer is mit samt dere Mick unn mit de Glasspittere vunn de Fenschterscheib naus in die Bachgass geflooge. Die Elis hot fascht en Herzschlag griggt. Sie hot ihrn Aad`l aus de Kisch gejagt.

De Aad`l hot nie was verroote vunn dere Mick. Beim Schaffe wär em halt de Hammer aus de Hand gerutscht unn ins Fenschter geflooge. Des kann jo beim Schaffe mool bassiere, hot er gemäänt.

De Neiheffer Bachschitz hot jetzt verroote wie`s wirklich war.

De Rhoilänner Holzdieb

Es war in de fuchzischer Johre, also 1953 odder 1955 do iss äner aus dem Rheinland nooch Neihoffe kumme. Er is bei ännere Wittfraa eingezooge un ho sich im Sportverein glei wichtich gemacht. Nooch 2 bis 3 Woche war er schunn mit am Stammtisch gesesse, unn wann die Schoppegläser rudum gange sinn, hot er gezooge wie ä Sickergrub. Woi aus so große Gläser war der jo net gewöhnt. Nooch jedere Schoppeglas-Runde is er lauter worre. Mit soim Kölner Dialekt, unn weil er angewwe hot wie ä „Dutt voll Wanze“ is er schunn arg uffgefalle. Er hätt schunn die dollschte Dinger gedreht, hätt Verbindunge in die „höchschte Kreise“. Unn außerdem – do in unserem Neiheffer Dörfel – mir hätten jo all ke Ahnung vunn nix. Än undursichtische Agewwer halt.

Es war im Herbscht, de Winter war nimmi weit. An äm Samstagowend kummt er an de Stammtisch un macht ä ganz wichtisches Gesicht. „Männer, ich hab do ä super Geschäft angebote griggt. Ich kann ganz billisch Brennholz grigge.“

Do iss die Runde uffmerksam worre. Zu der Zeit war Brennmaterial rar und teuer un man hat sich im Herbscht schunn Gedanke gemacht wie man im Winter die Wohnung warm griggt. Kohle, Kooks odder Briketts hot`s fascht gar ned gewwe.

Brennholz, sogar noch billich, des wär nadierlich super. Die Runde is ruhig worre unn die Männer hänn de Rhoilänner uffmerksam angeguggt.

„Männer“ – er hot die Stimm gesenkt, jeden angeguckt – „ich habe da einen Brennstoffhändler aus Wachenheim kennengelernt. Der will sein Geschäft umstellen und nur noch Heizöl verkaufen, weil das viel einfacher zu verladen ist. Keine Kohlensäcke, kein Holz mehr schleppen.

Das Heizöl läuft von alleine in den Tankwagen und auch alleine in den Tank des Kunden.“

Er macht ä Wichtigkeitspaus un guggt in die Runde. Do regt dich de Jakob un froogt: „Was hänn mir domit zu tue?“

De Rhoilänner redd weiter:

„Der Brennstoffhändler hat noch 30 Ster bestes Brennholz im Wald sitzen, und das kann ich für nur 100 Mark haben. Mir müssen das Holz nur abholen“.

Die 5 Mann am Stammtisch waren baff. 30 Ster Holz fer 100 Mark. Do muss mer sofort zugreife. Sie hänn än Plan gemacht. Am Samstag druff sin se zu fünft im Karl-Waggener soim Lastwagge nooch Wacherem in de Wald gefahre.

De Rhoilänner hot se die Rotsteigstrooß nuff in de Wald gelotst. Än Waldweg noi. Unn richtich, do sitzen ca. 30 Ster Holz. Schänes, in Meterstücker geschnittenes Buchenholz. Er hot die 100,00 Mark eingesammelt un hot gesaagt: „Er geht jetzt ins Dorf und bezahlt den Brennstoffhändler“. Weg war er.

Die Männer hänn Stick fer Stick uffgelade un des Holz uff dem LKW schää uffgesetzt, damit alles druff geht. Ä stark schweißtreibende Ärwet.

Vielleicht noch 1 Ster wäre zu laden gewesen, do kumme zwä Mann in Jägerklamotte den Waldweg entlang.

Beide hänne je e Gewehr umhänge unn än Hund debei.

„Wieso laden sie des Holz do uff?“ froogt de Ääne. De Anner hot`s Gewehr vunn de Schulter runner unn domit rumgemacht.

„Des Holz hänn mir gekaaft vumm Brennstoffhännler in Wacherem unn unser Kumpel is grad zu dem hie um das Holz zu bezahle.“ Des hot ganz zögerlich de Freye-Wirscher gesagt. Mer hot gemerkt, dass ihm do en ganz fürchterliche Verdacht kumme is.

„In Wacherem gibt`s änn Brennstoffhännler, des stimmt, der hot awwer in dem Wald kä Holz sitze. Des Holz gehört der Forstverwaltung. Ich bin der Revierförster. Ihr lad des Holz sofort widder ab unn setzt des schä widder dohi wu des war.“ Er holt än Ausweis raus unn zeigt den de Männer.

De anner Förster war mit dem Gewehr in de Hand ä paar Meter weg gestanne, de Hund an de Lein, beide ganz uffmerksam.

„Los Männer, alles ablade, awwer ganz schnell, mir hänn net ewich Zeit“.

Die Stammtischbrüder hawwe unner endlosem Fluchen und Todeswünschen auf den Rhoilänner alles widder abgelade unn schä am Wegrand uffgesetzt.

Spät owends sinn se Hääm kumme.

De Rhoilänner hot sich ä ganzi Woch ned blicke losse.

Samstags druff sitze die Männer widder am Stammtisch. Die Deer geht uff, de Rhoilänner kummt roi unn ruft sofort: „Betrüger, Strolche, Verbrecher – Männer, man hat mich furchtbar reingelegt“.

Eigentlich wollten die betrogenen Stammtichbrüder den Rhoilänner furchtbar verdresche. Awwer er hot alle üwwerrascht un ä unglaubliche Geschicht erzählt.

Er wär mit dem Geld zum Brennstoffhännler un wollt bezahle. Der war awwer ned dehäm. Soi Fraa hot gesaagt, sie hätten kä Holz im Wald sitze, ihr Mann det öfter so dumm Zeig babble unn er soll sich zum Deiwel schaffe. Mit denne krumme Geschäfte vunn ihrem Mann will se nix zu tue hawwe.

Jetzt war er do g`stanne mit dem Geld.

Do is em ä alti Sach oigefalle.

Im Krieg war er mit äm Croupier vunn de Spielbank in Bad Neuenahr zusamme und der hot ihm ä Roulett-System beigebrocht, mit dem man bei de Spielbank immer gewinnt.

Jetzt hot er 100 Mark un is in de Nähe von de Derkemer Spielbank.

Des is en Wink vum Himmel.

Er is in de Omnibus gestigge un noch Derkem gefahren.

Er hot sich schunn vorgestellt, wie er aus denne 100 Mark 1000 Mark oder vielleicht nor mehr mache kännt, unn des viele Geld det er dann mit de Kumpels dääle.

In de Spielbank is des super geloffe. Nooch änere Stunn hätt er schunn fascht 500 Mark gewunne gehabt. Dann misse die vunn de Spielbank was gemerkt hawwe. De Croupier hot gewechselt, un nooch änere halwe Stunn wars ganze Geld verlore.

Er hätt dann Krach geschlagge, awwer die vunn de Spielbank hätten ihn dann äfach nausgeschmisse.

De Rhoilänner: