Dem Glück auf der Spur - Rosa van Dohm - E-Book

Dem Glück auf der Spur E-Book

Rosa van Dohm

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Beschreibung

Wir alle suchen sie. Die einmalig große, umwerfende Liebe. Manchmal finden wir sie auch. Manchmal zerbricht sie wieder. Weil wir ungeschickt mit ihr umgehen oder weil ein Sturm über sie hinwegfegt. Die unterschiedlichsten Menschen, die meisten in ihrer Lebensmitte, finden in Rosa van Dohms Kurzgeschichten über Stolpersteine hinweg zu einem Neuanfang. Davor stehen aber Schmerz, Eifersucht, Reue, Verwicklung. Die Hoffnung siegt. Und manchmal auch die alte, manchmal eine neue Liebe.

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Rosa van Dohm, Grafikdesign: Moritz Dunkel

Dem Glück auf der Spur

Bittersüße Geschichten, wie das Leben sie schreibt

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Dem Glück auf der Spur

Kapitel 1: Was ist Glück?

Kapitel 2: Es muss wohl Liebe sein

Kapitel 3: Früher war alles anders

Kapitel 4: Ein Mann zwischen fünf Frauen

Kapitel 5: Mutter, da machst uns Schande mit deinem jungen Mann!

Kapitel 6: Abschied und Neubeginn

Kapitel 7: Wird Liebe überbewertet?

Kapitel 8: Gerührt oder geschüttelt? Was passiert eigentlich, wenn wir uns verlieben?

Impressum neobooks

Dem Glück auf der Spur

Was ist eigentlich Glück? Und warum definiert jeder darunter etwas anderes? Für den einen ist es die Liebe zu einem Partner oder Zufriedenheit in Beruf und Familie, der andere sucht Freiheit und Abenteuer. In den folgenden Storys geht es um Liebe. Von der wir ja bekanntlich nie genug bekommen, auch wenn zu viel zu lieben nicht wirklich ratsam ist.

Kapitel 1: Was ist Glück?

Diese Fragen stellen sich auch die Paare in den folgenden fünf Stories. Sie alle sind nicht mehr blutjung und haben bereits Höhen und Tiefen erlebt und für alle kam der Moment, an dem sie sich der Wahrheit stellen mussten. Eigentlich hätten sie die Dinge so lassen können wie sie sind. Doch "des Lebens Ruf an uns wird niemals enden", sagt Hermann Hesse. Und das ist auch gut so! Alle sind auf unterschiedlichen Wegen über Stolpersteine und Hindernisse unterwegs zu ihrem ganz persönlichen Glück.

Wie man verlässlich unglücklich wird oder Was hat Mark Aurel uns heute noch zu sagen?

Mark ..Wer? Nun sagen Sie bloß nicht, Sie hätten noch nie von diesem Herrn gehört. Na ja, er lebte vor 1800 Jahren, daran können sich die wenigsten von uns erinnern. Aber in der Schule wurde er doch als Vorbild gelehrt? Er warf Schatten bis in die Moderne, Friedrich II, Helmut Schmidt, aufgeklärte Literaten und Philosophen bekennen sich als seine Bewunderer. Stoisch zu sein (im klassischen Sinne von gleichmütig und gelassen, frei von Stimmungsschwankungen, tugendhaft) ist heute eher un-cool. Man zeigt seine Gefühle, lässt schamlos raus, was stört, macht es massenweise in den Sozialen Medien öffentlich, teilt es mit Gott oder der Welt, die wiederum ein „Gefällt mir“ anhakt und Follower wird, oder auch nicht.

So oder so ist das Leben!

Die Stoiker an der Wegscheide zur Neuzeit erkannten: Die Haltung macht’s, die man gegenüber einer Situation einnimmt, die Bewertung und die Gedanken, die man mit dieser verbindet. Die Welt ist so wie man sie sieht. Mann kann es schlecht finden, dass mit zunehmendem Alter die Haare ausgehen oder sich freuen, dass sie jetzt nicht mehr gewaschen werden müssen ;) Die freie Willensbildung sagt dem Hasen wohin er laufen soll – ins Glücksgefühl oder in die Depression, hin zu schwächenden oder aufbauenden Befindlichkeiten. Demnach entscheidet Mann/Frau also selbst ob es ihr/ihm schlecht oder gut geht – egal wie sich die äußeren Verhältnisse gebärden.

Das hat eine Menge mit Eigenverantwortung zu tun – und die meiden wir gerne wie der Teufel das Weihwasser. Ist es nicht viel praktischer, sich einen willigen Sündenbock zu suchen, der die Verantwortung für uns schultert? Oder eine Figur, mit der man so richtig fies umgehen kann? Nicht zuletzt sich selbst. Dazu gehören so uncoole Angewohnheiten wie:

• Sich nie Fehler oder Schwächen vergeben, auch anderen nicht

• Sich die Schuld dafür geben, alles schief läuft und die Welt in Richtung Abgrund rollt

• Keinem so richtig trauen, schon gar nicht sich selbst

• Kein gutes Haar an sich und andern lassen

• Stets Katastrophen erwarten, wenn ... dann .. und daher lieber den Kopf einziehen

• Dem Schicksal die Schuld für alles geben

• Sich mit seiner eigenen Meinung zurückhalten, sich alles gefallen lassen.

• Natürlich auch nie „Nein“ sagen, obwohl man innere Widerstände spürt

• Seine Ängste stilisieren

• Andere bevormunden, kontrollieren, manipulieren

• Alles als perfide Ungerechtigkeit empfinden, was einem widerfährt

• Rachsüchtig sein bis die Kehle brennt – dabei ist die beste Rache NICHT mit gleicher Münze zurückzuzahlen

Dieser Katalog ließe sich noch munter fortsetzen. Die Regel heißt: Hasse dich selbst, dann kannst du davon ausgehen, dass das Leben dich auch hassen wird.

Mark Aurel hält dagegen

„Lebensglück ist eng mit den guten und wertschätzenden Gedanken verbunden, die man sich und anderen gegenüber hat“

Als Kaiser Marcus Aurelius Antonius Augustus bewies er Größe. Er stärkte die Rechte von Sklaven und Frauen (man beachte die Konnotation), dämmte die Tiberflut und die Pest ein. An den Grenzen des Römischen Reiches wehrte er Eindringlinge ab und Christenverfolgungen gebot er Einhalt. Seine weise Außenpolitik schickte Gesandte nach China.

Mit Mark Aurel starb 180 nach Christus auch das gepriesene Goldene Zeitalter Roms, sagt die Nachwelt. In die Geschichte ging er ein als Philosoph auf dem Kaiserthron, der sich in seinen „Selbstbetrachtungen“ zur Einheit von Denken und Handeln, Wort und Tat bekennt – als für ihn einzige Grundlage eines sinnhaften menschlichen Lebens.

Heute wäre er vermutlich Coach, hoch gehandelter Experte für Lebensfragen, warum auch nicht? „DieKunst zu leben hat mit der Fechtkunst mehr Ähnlichkeit als mit der Tanzkunst, insofern man auch für unvorhergesehene Streiche gerüstet sein muss“ (Mark Aurel)

Kapitel 2: Es muss wohl Liebe sein

Marielle (37) blickt auf die Reste ihrer Ehe. Sie kann nicht loslassen und klammert sich an die Hoffnung, ihr Noch-Ehemann Bernhard (39) käme wieder zu ihr zurück.

Über 14 Jahre kannten wir uns, 12 Jahre waren wir verheiratet, wir hatten zwei Kinder (Rupert und Saskia) und es ging uns gut. Keine Sorgen, keine Krankheiten. Aber dennoch war ich unzufrieden. Mein Mann war Verkehrspolizist, jemand, der Autofahrer nachts blasen lässt, wenn sie den Eindruck erweckt haben, dass Alkohol im Spiel sein könnte. Ehrgeiz hatte er für keinen Schimmer, er schien ganz zufrieden mit seiner bescheidenen Position. Befördert wurde er auch nicht. Ich habe mich nie wirklich für seinen Beruf interessiert, ganz im Gegenteil, ein wenig peinlich war er mir. Gegenüber Bekannten und Freunden sprach ich immer davon, dass Bernhard Kriminalkommissar sei, das hatte ja auch deutlich mehr Prestige. Als er sich nach 12 Jahren Ehe in Maximiliane, einer viel jüngeren Frau verliebte, wurde ich von Hass und Eifersucht zerfressen.

Das darf doch nicht wahr sein. Ich sitze gerade in meinem neuen Lieblingslokal, einem Bistro, in das ich während meiner Ehe nie gegangen bin, schon gar nicht mit Bernhard. Als er mir nach über 12 Jahren Ehe sagte, er sei mit einer viel jüngeren Frau zusammen, habe ich ihn hinausgeworfen und gesagt: "Versuch mir aus dem Weg zu gehen. Ich will euch nicht zusammen sehen. Dafür ist unsere Stadt zu klein."

Nun kommt er ausgerechnet hierher, mein Noch-Ehemann mit Maximiliane, der neuen Frau an seiner Seite. Jetzt setzen sie sich an einen Tisch nahe am Eingang, haben mich nicht bemerkt, ich kann sie ungeniert beobachten. Bernhard sieht verändert aus, viel entspannter, gelockerte Gesichtszüge, braun gebrannt, schlanker, er scheint jetzt Sport zu machen. Er legt den Arm um die schmalen Schultern der Frau. Sie trägt einen zu großen Pulli, offenbar handgestrickt, hat die Haare lose und offen und ist kaum geschminkt. Pur Natur also. Aber alles in ihrem Gesicht lächelt, ihr blauen, frischen Augen, die Grübchen, der fein geschnittene Mund. Und sie hat nur Augen für ihn. Bernhard bestellt, jetzt werden zwei Tassen Capuccino gebracht und ein Stück Apfelkuchen mit Schlagsahne mit zwei Kuchengabeln. Aber Bernhard lässt sich füttern. Dabei hält er die ganze Zeit ihre Hand. Sogar Schlagsahne schluckt er, die er immer verabscheute. Schluckt er alles, was sie ihm darreicht? Ich rühre in meinem Tee, der kalt geworden ist und kämpfe mit einem dicken Kloß im Hals. Meine Finger zittern und mein Herz klopft schneller.

Vor einem guten Jahr teilte er mir mit, er wolle sich von mir trennen, meine Welt brach auseinander. Als Grund nannte er, er habe jemanden anderen einfach lieber als mich. Das sei alles. Heute denke ich, ich hätte die Anzeichen an der Wand sehen können, wenn ich mich ein wenig mehr für ihn und das, was ihn so umtrieb, interessiert hätte.

Als wir uns vor 14 Jahren über den Weg liefen, war ich auf der Suche nach einer heilen Welt. Meine Vorstellungen von Familienleben waren diffus und idealisierend zu gleich. In meinem Elternhaus hatte es ständig gekriselt, meine Mutter war hypernervös und überkandidelt, so nannte es zumindest mein Vater, er selbst hatte ständig Affären, die sogar uns Kindern bekannt waren, wir lebten immer in der Angst, dass die Familie völlig auseinander fallen würde. Mein Vater war Hochschullehrer, uns Kindern hat er vor allem beigebracht, sich stets anzupassen. "Fallt im Leben möglichst wenig auf, dann kommt ihr gut über die Runden." Seltsamer Rat, den er selbst ja schon mal gar nicht befolgte, denn in unserer kleinen Stadt machten die Gerüchte über seine "Neben-Frauen" kontinuierlich die Runde und wir standen auf dem Präsentierteller, schamrot und peinlich berührt. Ich wollte so schnell wie möglich aus dem Haus, nach der sechsten Klasse Gymnasium ging ich ab, um eine Ausbildung zur Bankkauffrau zu machen.

Bernhard lernte ich kennen, als er mich einmal abends mit dem Streifenwagen anhielt und ins Röhrchen blasen ließ, weil ich ihm aufgefallen war. Ich hatte tatsächlich zwei, drei Glas Wein getrunken, es war nicht mehr im grünen Bereich, aber ich alberte mit ihm herum und lenkte ihn ab. "Ich will ein Auge zudrücken," sagte er. Hätte er eigentlich gar nicht tun dürfen, ich fand das sehr anständig. Wir verabredeten uns, ich dachte, das sei ich ihm auch schuldig, und diese Haltung blieb wohl in mir zurück. Unsere Beziehung nahm Formen an und eines Tages kam es wirklich so weit, dass er mir einen Antrag machte. Zu diesem Zeitpunkt steckte ich in einer Krise, in meiner Bank lief es nicht gut, der Abteilungsleiter mobbte mich, ich erhielt schlechte Bewertungen, - so klammerte ich mich an Bernhard, er war der Strohhalm, der mich an Land ziehen sollte.