Dem Licht entgegen -  - E-Book

Dem Licht entgegen E-Book

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Beschreibung

In der Dokumentation berichten 20 Autoren von beantworteten Gebeten, Krankenheilungen, geistiger Führung und dem Ringen um Erkenntnis. Es schrieben: Tycho Siebke, Wilfried T. H. Vogt, Michael Panitsch, August Schubert, Dr. Lothar Peters, Dieter von Rauchhaupt, Hermann C. Sievers, Prof. Dieter Berndt, Georg R. Schwarz, Marianne Schmidt, Udo Lange, Baldur Stoltenberg, Margot Szalla-Köhler, Fredy Lopper, Johannes P. Hopfe, Erich Konietz, Rudolf W. Neideck, Heinrich Stilger, Heinz Staubach, Johannes E. P. Kindt

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erinnerungen eine Vaters

Tycho Siebke

Und es funktioniert doch

Wilfried T. H. Vogt

Weil sie nein sagte

Michael Panitsch

Geh’ hinaus!

August Schubert

Meine Bekehrung zum Evangelium Jesu Christi

Dr. Lothar Peters

Die Folgen eines Vertrages

Dieter von Rauchhaupt

Mein Freund Karl

Dieter von Rauchhaupt

Jugendfahrt

Dieter von Rauchhaupt

Im Dienste des Herrn

Hermann C. Sievers

Fahre heute nach West-Berlin!

Prof. Dieter Berndt

Innere Spannung

Georg R. Schwarz

Die sollen nur kommen!

Marianne Schmidt

Wo liegt Glückstadt?

Marianne Schmidt

Der Krankensegen

Marianne Schmidt

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

Udo Lange

Die griechischen Namen

Baldur Stoltenberg

Heimkehr

Margot Szalla-Köhler

Die Kraft des Gebets

Fredy Lopper

Gefangenschaft und Heimkehr

Johannes P. Hopfe

Ob Gott mich kannte?

Erich Konietz

„... die Augen des Herrn haben auf dich gesehen ...”

Rudolf W. Neideck

Antwort vom Herrn

Heinrich Stilger

Ein Paar Gummistiefel

Heinz Staubach

Gott lebt!

Johannes E. P. Kindt

Vorwort

„Elija war ein Mensch wie wir; er betete inständig, es solle nicht regnen, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde. Und er betete wieder; da gab der Himmel Regen und die Erde brachte ihre Früchte hervor.“ (Jakobus 5:17-18)

Von solchen und ähnlichen Geschehnissen lesen wir in heiligen Schriften. Wunder und spirituelle Erlebnisse sind wesentlicher Bestandteil des Urchristentums. Wie sieht es heute aus? Gibt es heute noch Menschen unter uns, die Wunder erlebt oder sogar herbeigeführt haben? Gelegentlich erfahren wir durch die Medien von großartigen Wundern und übersinnlichen Wahrnehmungen. Und manchmal entpuppen sie sich als Betrug.

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage glauben, dass Gott auch heute noch zu den Menschen spricht, dass sie Offenbarungen haben können, und dass sie durch die Macht des Priestertums Wunder herbeiführen können. Ich habe einige Mitglieder der Kirche gebeten, Erlebnisse aufzuschreiben, bei denen sie himmlischen Einfluss verspürten. Das vorliegende Buch enthält Berichte, die daraufhin bei mir eingingen. Die Autoren dieser Berichte sind als aufrichtige und ehrliche Menschen bekannt. Die meisten kenne ich persönlich.

Einige von denen, die ich um ihre Erlebnisse bat, sagten mir, dass sie zwar spirituelle Erlebnisse gehabt hätten, die sie jedoch nicht veröffentlichen möchten. Sie seien zu persönlich oder zu heilig und der Leser würde nicht erfassen können, was tatsächlich geschah. Auch in den vorliegenden Berichten weisen einige Autoren darauf hin, dass sie etwas wahrgenommen haben, was so real ist wie das tägliche Licht, wofür ihnen aber Begriffe und Vergleiche fehlen. Andere wiederum scheinen nichts Übersinnliches wahrgenommen zu haben und sind dennoch zutiefst vom Erlebten beeindruckt. Alle Autoren sind sich darin einig, dass sie durch diese Erlebnisse davon überzeugt, oder dass die bereits vorhandene Überzeugung bestärkt wurde, dass ein mächtiger Gott lebt.

Ich möchte an dieser Stelle den Autoren und allen, die mitgeholfen haben, dieses Buch zu ermöglichen, recht herzlich danken.

Maintal, den 14. September 1984

Reinhard Staubach

Herausgeber

Erinnerungen eine Vaters

Tycho Siebke

Der Tag hatte offenbar wie immer begonnen, denn ich kann mich an keine Einzelheiten erinnern: wie auch sonst werde ich etwas in Eile das Frühstück zu mir genommen haben, mit den Gedanken halb schon „bei der Arbeit", halb aber noch bei meiner Frau und unserem Sohn, der uns mit seinen bald zwei Jahren immer wieder Überraschungen bescherte. Ein flüchtiger Kuss, ein schnelles Streicheln über die weißblonden Haare, „Tjüs“, Brille, Taschentuch, Portemonnaie, Notizbuch - ja, alles da.

Es war ein schöner Oktobertag, sicher grüßten wir uns freundlich, die Männer aus der Nachbarschaft, die wie ich ihren Arbeitsplatz im gleichen Betrieb hatten, der Schuster von gegenüber, der mir durch das große Fenster seiner Werkstatt zuwinkte, weiter unten der noch etwas müde Friseur, der frische Luft in den Salon ließ, die Bekannten unter den Patienten, die vor der Arztpraxis darauf warteten, hineingelassen zu werden.

Ein schöner Tag. Auch im Werk verlief alles so, dass die Zeit wie im Flug verging und nichts Erinnerungswertes passierte, bis kurz vor fünf Uhr nachmittags, als ich die letzten Schriftstücke zur Hand nahm. Das Telefon klingelte, es klang irgendwie anders als sonst so oft am Tag: „Der Junge ist gefallen, komm bitte schnell“, hörte ich die Stimme meiner Frau.

So schnell sind meine Sachen noch nie vom Schreibtisch geräumt worden. Wenige Minuten später stehe ich vor unserem Sohn. Er hat die Augen geschlossen, liegt auf dem Rücken und rührt sich nicht. Ich taste seinen kleinen Körper ab. Ist etwas gebrochen? Beine - nein, Arme - nein, Brust - nein, der Kopf? Der Junge sagt „Weh“ und weint leise. Auf Fragen reagiert er nicht. - Seine dreijährigen Freunde hatten meiner Frau erklärt: „Titi Treppe fallt.“ Ganz unten vor der Waschküchentür des Nachbarhauses fand ihn meine Frau am Ende der Außentreppe, die zum Keller hinunterführt. Er war auf das Geländer geklettert und muss den Halt verloren haben. Fallhöhe etwa drei Meter wird mir bewusst und keine Schramme, keine sichtbare Beule?

Der Junge rührt sich nicht, klagt aber leise. Gehirnerschütterung, Schädelbruch vielleicht? - Wie ohnmächtig und hilflos wir sind. Hilflos? Wir beten und flehen unseren himmlischen Vater an, unseren Sohn zu segnen. Und eine Stimme in mir fragt: „Wie denn? Wozu hast du das Priestertum erhalten, wenn nicht zum Segnen?“

Nachdem ich unseren Sohn gesegnet habe, wird er zusehends ruhiger. Gegen 19.30 Uhr schläft er ein, um 22.00 Uhr wird er wieder wach und trinkt eine Flasche Kindernahrung. Sein Kopf ist noch sehr empfindlich; aber er schläft gleich wieder ein. Uns erfüllt eine große Ruhe und Dankbarkeit.

Am nächsten Morgen ist unser Sohn zwar noch etwas benommen, aber sonst ganz in Ordnung. Zur eigenen Beruhigung und um ganz sicher zu gehen, geht meine Frau mit ihm zum Arzt, der ihn zum Röntgen überweist. „Sofort ins Krankenhaus!“, wird angeordnet. Der Schädel sei unter der heilen Kopfhaut wie eine Nussschale in zwei Hälften gespalten. Der Riss gehe von einem Ohr über den Scheitel zum anderen Ohr.

Und meine Krankensegnung?

Der Junge will nicht im Krankenhaus bleiben. Er weint. Er schreit: „Mama, Papa!“ Wir können es kaum ertragen. Warum muss er hier bleiben? Die Ärztin erklärt mir, dass bei solch einem Schädelbruch ständig ärztliche Aufsicht und ein Ruhigstellen des Kindes nötig sei. Außerdem wäre es selbst dann höchst unwahrscheinlich, dass dieser Unfall ohne sehr ernste und bleibende Folgen sein werde. Und sie erklärt mir genau, wieso und warum. - Der Junge weint und ruft. Was sollen wir tun? Wir sind so beeindruckt, dass wir dem Rat der Ärztin folgen.

Und meine Krankensegnung?

Wir beten wieder. Fehlt es uns am Glauben? Oder sollen wir nicht auch alle verfügbaren menschlichen Mittel einsetzen: Ärzte, Medikamente, Krankenhaus ...?

Am folgenden Tag wieder dieselben Fragen, wieder dieselben Bitten und im Hintergrund die Stimme der Ärztin: „... höchst unwahrscheinlich ...“ Und inmitten des Bittens und Fragens wird es in mir plötzlich ganz hell, mich erfüllt ein ungeheures Glücksgefühl und die Gewissheit: Der Junge wird diesen Schädelbruch ohne Schaden überstehen!

Am liebsten hätte ich ihn sofort nach Hause geholt; aber wie kann man Ärzte von einer „himmlischen Diagnose“ überzeugen?

Unser Sohn wurde nach einem Monat, sehr zu Verwunderung der Ärzte, ohne Schäden als geheilt entlassen. Als sein Kopf nach zwei Jahren erneut geröntgt wurde, weil er in eine Fensterscheibe gefallen war, war von dem Riss keine Spur mehr zu sehen.

TYCHO SIEBKE, verheiratet und Vater von vier Kindern, wurde 1929 in Heide, Schleswig-Holstein, geboren. Aus einer Lehrerfamilie stammend, studierte er Eisenhüttenkunde in Aachen. Er schloss das Studium als Dipl.-Ing. ab und ist heute Betriebsleiter eines Walzwerkes für nahtlose Rohre. 1964 wurde er durch die Taufe Mitglied der Kirche. Seit 1976 ist er als Ratgeber des Pfahlpräsidenten tätig. Vorausgegangen waren viele andere Berufungen. So war er als Sekretär, Kollegiumspräsident, Zweigpräsident und bei drei Missionspräsidenten als Ratgeber eingesetzt. Seine Hauptaufgabe sieht er jedoch darin, seiner Familie ein guter Vater zu sein. Erst dann kommen Beruf und Berufung. Die musischen Fächer sind sein Hobby, besonderes Interesse gilt der Musik.

Und es funktioniert doch

Wilfried T. H. Vogt

Als junger Mann schloss ich mich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. Am meisten hat mich damals beeindruckt, dass ein Junge von vierzehn Jahren (Joseph Smith jr.) eine so überraschende Antwort auf sein glaubensvolles Gebet erhalten hat. Er hat eine Vision gehabt und wusste, dass Gott lebt und was er von ihm erwartete. Ich glaubte die Geschichte, war von der Kirche zu jener Zeit jedoch noch nicht ganz überzeugt.

Um ebenfalls ein geistiges Erlebnis haben zu können, fuhr ich deshalb eines Tages mit meinem Motorroller allein weg, bepackt mit Kirchenbüchern und einem Zelt. Ich hatte die Absicht zu fasten, zu studieren und zu beten. Warum sollte es nicht klappen?

An dem von mir vorgesehenen Platz baute ich das Zelt auf, las im Buch Mormon, betete und machte mir Gedanken. Ich befand mich auf einer einsamen Anhöhe an der Bergstraße, von der ich in die Rheinebene und auch ins Hinterland blicken konnte. Die Nacht verbrachte ich im Zelt. Am nächsten Morgen betete ich wieder, las und machte Spaziergänge. Nichts geschah. Als ich an einem Kirschbaum vorbeikam, bemerkte ich meinen Hunger und aß mich an der Kirschen satt. Etwas enttäuscht fuhr ich von jener Unternehmung zurück.

Zum Glück hörte für mich die Geschichte damit nicht auf, denn die geistigen Erlebnisse, auf die ich damals hoffte, blieben nicht aus.

Jahre später wurde mir gemeldet, dass eine Frau, die schon ein halbes Jahr schwer unter Asthma litt, eine Krankensegnung wünschte. Ich war damals Zweigpräsident in der Kirche. Einen Bruder, den ich sehr schätzte, informierte ich über den Wunsch der Kranken und bat ihn, zu der Krankensegnung mitzukommen. Wir beschlossen zu fasten und die Frau am nächsten Tag zu besuchen.

Ich hatte die Schwester ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Als ich sie sah, schnitt es mir tief ins Herz. Sie litt sehr und musste buchstäblich um jeden Atemzug ringen. Wir versammelten die Familie zu einem vorbereitenden Gebet. Mein Begleiter salbte die Frau, und ich bestätigte und siegelte die Salbung. Dabei fühlte ich mich getrieben, unter anderem zu sagen, dass diese Krankheit nie wieder zurückkehren würde.

Doch was geschah?

Kurz nachdem ich diese starken Worte ausgesprochen hatte, wurde ich sehr kleingläubig. Ich fragte mich, was wohl geschehen würde, wenn diese Prophezeiung nicht in Erfüllung ginge? Welches Vertrauen könnten vor allem die beiden kleinen Söhne dieser Frau in die Macht des Priestertums haben, wenn ihre Mutter nicht gesund würde? Sehr ängstlich und häufig habe ich mich nach dem Befinden der Schwester erkundigt. Nun, sie wurde gesund. Diese Schwester fühlte sich inspiriert, den Arzt zu wechseln. Der neue Arzt hatte eine andere Behandlungsmethode. Er riet ihr auch, den Inhalationsapparat wegzulassen, mit dem sie sich immer Erleichterung verschaffte, wenn sie gar zu sehr um Atem ringen musste. Obwohl ihr das sehr schwer fiel, konnte sie es kraft der bei der Segnung gesprochenen Worte doch schaffen. Die Prophezeiung hat sich buchstäblich erfüllt.

Dies ist nur eine Erfahrung von etlichen, die zeigt, auf welche Weise sich an mir jene Kundgebung des Geistes vollzog, um die ich als junges, nicht ganz überzeugtes Mitglied, rang. Nach vielen Bezeugungen, die von der Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi gegeben sind, füge ich meine hinzu. Es ist wahr! Es funktioniert.

WILFRIED T. H. VOGT, fährt auch heute noch gerne mit seiner Familie und einem Zelt weg. Die Pfadfinderarbeit seiner Jugend hat ihn nie ganz losgelassen. Bis zum Pfadfinderführer der Landesmark Nordbaden im deutschen Pfadfinderbund war er aufgestiegen. Als Sohn einer Handwerkerfamilie lernte er Maschinenschlosser und bildete sich weiter zum Konstrukteur für Offset-Druckmaschinen. Nachdem er von Missionaren belehrt worden war, schloss er sich 1962 der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. In der Kirche wurde er zu verschiedenen Aufgaben berufen. Er war als GFV-Leiter, Zweigpräsident, Kollegiumspräsident, Gemeindemissionsleiter, Ratgeber in der Distriktspräsidentschaft u.a.m. tätig.

Weil sie nein sagte

Michael Panitsch

Es war der 13. Mai 1946. Der Zug hielt zischend und fauchend auf dem Gleis 6 im Hamburger Hauptbahnhof. Es war Spätnachmittag. Mein Reisegefährte und Kamerad und ich stiegen aus. Es war eine sehr lange Fahrt von Bad Kreuznach aus dem Entlassungslager der französischen Armee. Eine lange Fahrt mit vielen Hindernissen und langen Wartezeiten. Aber ich war frei! Frei nach vier Jahren Ostfront und einem Jahr Kriegsgefangenschaft in Südfrankreich. Genau gesagt: ein Jahr, ein Monat und acht Tage.

Hamburg Hauptbahnhof. Müde, abgemagerte Menschen hasten vorbei. Der Bahnhof war nur notdürftig zusammengeflickt, überall noch Spuren der schweren Bombenangriffe, keine einzige heile Glasscheibe. Wir nahmen unser „Gepäck“. Bei mir bestand es nur aus einer „Garnitur“ Unterwäsche, einem alten Militärmantel, einem Taschentuch und einer Bibel. Das heißt, es war nur das neue Testament. Ich bekam es in den letzten Tagen der Gefangenschaft geschenkt. Ich habe dieses Buch heute noch zu Hause und halte es in großen Ehren. Auf der Titelseite steht: „Sonderausgabe zur Betreuung der Kriegsgefangenen. Genf 1945.“

Vielleicht war es damals das erste Mal überhaupt, dass ich mit Religion und speziell mit der Bibel in Berührung kam. Ich weiß es noch, am 5. März 1946 bekam ich das Büchlein und begann sofort zu lesen. Ich hatte erwartet, ein äußerst schwieriges und kaum verständliches Skript vorzufinden. Doch groß war mein Erstaunen! Ich konnte es fließend und mit wachsendem Interesse lesen, und ich glaubte sogar, vieles daraus zu verstehen. Im Nu hatte ich das kleine Buch durchgelesen, begann wieder von vorn und studierte dann die mich am meisten beeindruckenden Erlebnisse. Es erfüllte mich mit bis dahin ungekannter Freude.

Hamburg Hauptbahnhof. Wir gingen langsam die Treppen hoch, die auf die Straße führen. Meine Güte! Wie sieht Hamburg aus? Ich sah nur Trümmer. Trümmer, Steine, Ruinen. Kaum ein Haus mit Dach oder Fenstern. Alte Straßenbahnen fuhren langsam in verschiedene Richtungen. Wir fragten einen mageren Polizisten nach der Linie 33, die in Richtung Wilhelmsburg/Harburg fahren sollte. Er erklärte uns, wo die Endstation sei. An der Endstation erfuhren wir, dass es keinen richtigen Fahrplan gibt. Der Strom wurde immer wieder abgeschaltet. Dann fuhr sowieso nichts. Zu Fuß? Etwas zu weit nach Wilhelmsburg. Also warteten wir.

Glück muss der Mensch haben. Es kam tatsächlich noch eine Linie 33, die sofort von vielen Menschen „geentert“ wurde. Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir los. Ich stand am Fenster und sah nur notdürftig abgeräumte Steine. Kaum Bäume. Hier und da kam Rauch aus der Erde, das sichere Zeichen für einen Keller, wo die Hamburger hausten. Immer wieder Trümmer - eine schier unendliche Wüste!

Nach sehr langer Fahrt - endlich Wilhelmsburg. Wir hatten eine kleine Skizze, die der Vater meines Kameraden gezeichnet hatte, und fanden sofort unser Ziel. Ich war sehr froh, endlich frei zu sein, eine Arbeit zu haben, ein Dach über dem Kopf. Was wollte man in dieser schweren Zeit noch mehr? Nach sehr langer Zeit besuchte ich zum ersten Mal ein Kino.

Aber die Kriegsjahre waren nicht spurlos vorübergegangen. Nach einigen Wochen stellte sich heraus, dass ich sofort ins Krankenhaus musste, um ein in der Gefangenschaft zugezogenes schweres und langwieriges Leiden auszukurieren. Ein Anderer wäre vielleicht traurig darüber gewesen. Ich war es nicht. Zum ersten Mal nach mehr als fünf Jahren lag ich im weiß bezogenen Bett, hatte frische Wäsche und jeden Tag ein gutes und geregeltes Essen! Die ersten Wochen meines Aufenthalts schlief ich Tag und Nacht. Ich ruhte mich so richtig aus.

Im Krankenhausgelände, mit vielen verschlungenen Wegen, vielen Bäumen und Bänken, waren auch Frauenstationen. Die Krankenhausverwaltung wollte wohl keine unnötigen Komplikationen und hatte die Zeiten, in denen man spazieren gehen konnte, so gelegt, dass die Männer spazieren gingen, wenn die Frauen Liegekur machen mussten und umgekehrt. Aber abends nach dem Essen, da hatte man noch gut zwei Stunden frei. Bei einer dieser „Stunden“ nach dem Abendbrot lernte ich ein entzückendes junges Mädchen kennen. Von da an trafen wir und öfter und unterhielten uns über dieses und jenes. Man muss sich erinnern, damals gab es mehr zu erzählen als heute. Und eines Tages fasste ich mir das Herz und lud sie zum Tanzen ein. Es war an einem Sonntag! Dem Krankenhaus gegenüber war eine Gaststätte, wo sonntags getanzt wurde. (Neulich fuhr ich dort vorbei. Die Gaststätte steht noch und ist am Sonntag immer noch zum Tanzen geöffnet.) Wer mich kennt weiß, wie schlecht ich tanze. Meistens überhaupt nicht. Aber ich dachte, es würde ihr Freude machen, tanzen zu gehen. Sie schaute mich an und sagte: „Wenn ich am Sonntag freibekomme und in die Stadt fahren darf, dann gehe ich zur Kirche.“ Ich erinnere mich noch sehr gut, wie erstaunt und angenehm berührt ich im Moment war. Ich dachte damals, dass Religion etwas sei, was die alten Leute interessieren dürfte, und da stand ein nettes junges Mädchen und sagte ohne sich zu schämen: „Ich gehe am Sonntag in die Kirche.“ Auf dem Krankenhausgelände war eine Kirche, die von beiden Konfessionen abwechselnd benutzt wurde. Also fragte ich: