Dennoch ist Hoffnung -  - E-Book

Dennoch ist Hoffnung E-Book

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Beschreibung

Es fällt nicht immer leicht, zu hoffen und zu glauben. Wir alle kennen sie - die Herausforderungen, Widersprüche und leidvollen Erfahrungen des Lebens. Aber was ist, wenn genau in diesen Situationen ein Dennoch steckt? Wenn es sich gerade hier lohnt, einem Gott zu vertrauen, der uns trotz allem nahe ist? Birgit Ortmüller hat 52 Texte gesammelt, die von diesem Dennoch erzählen. So unterschiedlich die Autor:innen dieses lebensnahen Geschichten- und Andachtsbuchs sind, so vielfältig sind auch ihre persönlichen Gedanken und Geschichten. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie machen Mut, in den großen wie kleinen Widrigkeiten des Lebens Vertrauen und Hoffnung zu wagen. Dennoch! Ein wunderbares Buch, um Ermutigung zu verschenken oder sich selbst in den zahlreichen Erlebnissen wiederzufinden. Mit Geschichten von Arno Backhaus, Thea Eichholz, Kerstin Wendel, Jürgen Mette, Josef Müller und vielen mehr.

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

 

 

 

 

 

© 2022 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Kristina Dittert, FreiSinn, Essen

unter Verwendung eines Bildes von © kore kei – stock.adobe.com; © JK-Design – stock.adobe.com

Lektorat: Sarah Müller, München

Verwendete Schriften: Scala

DTP: Magdalene Krumbeck, Wuppertal

eBook: PPP Pre Print Partner GmbH & Co. KG, Köln, www.ppp.eu

Printed in Germany

ISBN 978-3-7615-6856-9 (Print)

ISBN 978-3-7615-6857-6 (E-Book)

 

www.neukirchener-verlage.de

Inhalt

Vorwort 9

1 Dennoch siehst du mich Anna Baer 11

2 Dennochs brauchen Engel Stefan Wagener 14

3 Dennoch verzweifle ich nicht Cornelia Mandt 17

4 Dennoch auserwählt und berufen Günther Bierl 20

5 Dennoch glücklich Madeleine Ortmüller 23

6 Dennoch Gelassenheit einüben Arno Backhaus 26

7 Dennoch nimmst du mir meine Last Johannes Dose 28

8 Dennoch ist Gott treu Manuela Gücker-Braun 31

9 Dennoch ein lehrreicher Umweg Simone Röhricht 33

10 Dennoch am Leben Josef Müller 36

11 Dennoch überwindest du mein Aber Manuela Garthe 39

12 Dennoch wieder aufstehen Kerstin Wendel 42

13 Dennoch kann mich nichts von dir trennen Sibylle Limbeck 45

14 Dennoch hältst du zu mir Jutta Bamberger 49

15 Dennoch gehe ich Bettina Plötner 51

16 Dennoch Gottes Möglichkeiten sehen Daniele Beaca 55

17 Dennoch bewahrt Helmut Blatt 58

18 Dennoch getragen und geführt Hannah Klinkert 61

19 Dennoch verbunden Anke Kaiser 64

20 Dennoch ein ganz besonderer Niki-Tag Mirjam Hentschel 67

21 Dennoch ein guter Weg Claudia Schmidt 71

22 Dennoch nicht am Ende der Geschichte Katharina von Dessien 74

23 Dennoch ist alles gut Helma Rein 77

24 Dennoch fürchte ich mich nicht Dr. Ulrich Palmer 79

25 Dennoch sagen Manuel Kaiser 82

26 Dennoch ist es ein guter Gott Hanne Dangmann 86

27 Dennoch Sehnsucht Martin Simon 89

28 Dennoch das Abenteuer wagen Hannah Müller 92

29 Dennoch arbeiten und glauben Matthias Jäger 95

30 Dennoch verändert Gebet Doris Daniel 98

31 Dennoch vertrauen Esther Mann 102

32 Dennoch in Schwachheit stark Jürgen Mette 105

33 Dennoch hörst du mein Schweigen Birgit Ortmüller 108

34 Dennoch auf weitem Raum Susanne Scherer 111

35 Dennoch gehe ich meinen Weg mit Jesus Ulrich Muth 114

36 Dennoch aus seiner Kraft leben Johanna Ulrich 117

37 Dennoch ein erfülltes Leben Georg Grobe 120

38 Dennoch freundlich bleiben und beten Marga Klocke 122

39 Dennoch Gottesdienst Martin Schott 125

40 Dennoch zu Hause bei Gott Carolin Schneider 129

41 Dennoch Neuland wagen Svenja Willershäuser 132

42 Dennoch macht Gott keine Fehler Waltraud Bauch 135

43 Dennoch bewährt Joachim Fuhrländer 138

44 Dennoch ist Hoffnung Thea Eichholz 141

45 Dennoch voller Möglichkeiten Schwester Christina Kuhlmann 145

46 Dennoch suche ich dich, Herr Birgit Ortmüller 148

47 Dennoch aneinander festhalten Dr. Reiner Braun 152

48 Dennoch kann ich es schaffen Christiane Dönges 155

49 Dennoch will ich ihm treu bleiben Michaela Pez 158

50 Dennoch Gottes Zusagen vertrauen Deborah Mann 161

51 Dennoch auf dem Heimweg Timo Garthe 164

52 Dennochs sehen – Tag für Tag Anne Lindner 167

 

Dank 171

Quellenverzeichnis 173

Birgit Ortmüller (Hg.)

Dennoch ist Hoffnung

Kleine Ermutigungen, die das Leben schrieb

 

Vorwort

In der Wohnung meiner Großeltern stand ein kleiner Holzschriftzug mit dem Wort Dennoch. Damit k0nnte ich in meiner Kinder- und Jugendzeit wenig anfangen. Dieses Wort bedeutete mir nicht viel und schön fand ich dieses Holzteil auch nicht. Im Laufe der Zeit verschwand es im Keller. Nach Jahren hat mein Vater diesen Schriftzug wieder im Wohnzimmer aufgestellt. Je mehr ich ihn betrachtete, umso intensiver wurde mir die tiefe Bedeutung dieses einen Wortes bewusst und so manches Dennoch in meinem Leben wurde lebendig.

Ich durfte viele Gespräche zum Thema Dennoch führen. Sie waren berührend, nachdenklich, ehrlich und offen. Fortan ließ mich der Gedanke an ein Ermutigungsbuch, gefüllt mit Dennoch-Geschichten aus dem Leben, nicht mehr los.

So sind nun 52 hoffnungsvolle Texte zusammengekommen. Wer mag, hat für jede Woche im Jahr einen. Jedes Dennoch ist einzigartig. Es können schöne, aber auch traurige Ereignisse damit verbunden sein. Die Geschichten erzählen von Aufbruch und Neuanfang, von den Umwegen des Lebens und Glaubens und vom Durchhalten und trotzdem Hoffen. Sie alle wollen ermutigen, denn wir gehen unseren Lebensweg niemals alleine. Gottes Liebe und seine Gnade begleiten uns täglich. Er hat einen Plan für einen jeden von uns.

Wir reifen am Leben mit seinen Dennochs. Und weil Gottes Zusage feststeht und er uns an der Hand hält, dürfen auch wir an ihm bleiben – trotz allem! Das drückt auch der Psalmbeter in Psalm 73,23 so wunderbar aus: »Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.«

 

Birgit Ortmüller

1 Dennoch siehst du mich

Anna Baer

Gemeindefest! Endlich, nach so langer Zeit im Corona-Virus bedingten Lockdown können wir wieder ein richtig echtes Gemeindefest feiern! Im Vorbereitungsteam stecken wir uns mit unserer Vorfreude gegenseitig an, es soll unbedingt ein schöner Tag für alle werden.

Am Festsonntag läuft alles nach Plan. Nur leider weist dieser Plan einige recht tückische Lücken auf. Alle sind vollauf beschäftigt, aber mir springen bei jedem zweiten Schritt überraschende Details zwischen die Füße, die zwar erledigt werden müssen, aber vorab niemandem zugeteilt wurden. Äußerlich gemessenen Schrittes, innerlich im Sprinttempo arbeite ich eines nach dem anderen ab.

Der Gott, der mich sieht

Danke, dass du mich nicht aus den Augen verlierst,

auch wenn kein Mensch mich sieht.

Danke, dass dein Blick freundlich und voll Güte auf mir ruht,

auch wenn ich versage.

Danke, dass du mich mit deinen liebevollen Augen leitest,

auch wenn ich deinen Blick nicht immer spüre.

Danke, dass du in mein Herz schaust und meine Gedanken kennst,

auch wenn mich sonst niemand versteht.

Du bist der Gott, der mich sieht!

 

Pünktlich beginnt der Freiluft-Gottesdienst. Dass ich nicht rechtzeitig fertig werde, um daran teilzunehmen, ist mir seit zwei Stunden bewusst. Und eigentlich macht mir das nicht viel aus, ich bleibe ja ohnehin lieber im Hintergrund. Aber während ich nun die Würstchen ins heiße Wasser zähle, so leise und unsichtbar wie möglich die anderen Kleinigkeiten erledige, krabbelt langsam Frust in mir hoch. Und als die Gemeinde eines meiner Lieblingslieder singt, kommen mir die Tränen.

»Herr, und ich?«, bricht es aus mir heraus, »Siehst du mich auch? Wieder mal sitze ich nicht bei den anderen im Gottesdienst. Siehst du mich trotzdem? Wieder mal singe ich keine Loblieder für dich, stattdessen kleckere ich hier mit Schüsseln und Senf rum – siehst du mich trotzdem? Einer muss die Arbeit doch machen, auch wenn Sonntag ist! Hast du mich trotzdem lieb?«

Mit etwas Mühe habe ich bis zum »Amen!« die Tränen getrocknet und den letzten Salatlöffel in eine Schüssel gesteckt. Alle wandern fröhlich zu den Spielständen, zum Essen oder stehen hier und da beieinander, reden und genießen das Fest.

Und da sehe ich den Hund. Eine Festbesucherin hat ihn an der Leine, um die Nase ist sein Fell schon ein bisschen grau und in diesem wuseligen Getümmel ist er sowas von oberbrav, wie es ein knapp kniehoher Hund nur sein kann. Mir schießt es durch den Kopf: »Der hat Durst, dem hol ich jetzt was zu trinken!« Und tatsächlich: Hundi wittert sehnsüchtig den Wassernapf in meiner Hand, und kaum steht der am Boden, schlabbert er schon drauflos. Gerührt sehe ich dem netten Wuffel beim Trinken zu – doch plötzlich hört er auf damit. Nanu, schon fertig?! Der Hund tapst zu mir herüber, schnuffelt kurz an meiner Hand, macht ganz zart »Schleck!« –, und widmet sich dann weiter ausgiebig dem Wassernapf. Augenblicklich zerfließt mein Herz wie Butter in der Sonne: Er hat Danke gesagt! Er ist extra zu mir gekommen und hat auf Hundeart Danke gesagt!

Erst später begreife ich, was Gott mir durch diesen durstigen Hund geantwortet hat: »Ja, ich sehe dich! Wie du den Durst des Hundes gesehen hast, so habe ich deine Tränen gesehen. Den Gottesdienst hast du nur von Weitem gehört und dennoch war ich dir genauso nah, als hättest du am Altar gesessen. Ja, ich hab’ dich lieb. Und deine Liebe zu mir sehe ich auch an einem Wassernapf, Rasenmäher oder Salatlöffel in deiner Hand.«

2 Dennochs brauchen Engel

Stefan Wagener

Ich bin Jahrgang 1967. Zuweilen halte ich inne und betrachte die bisherige Wegstrecke meines Lebens mit ihren vielen Dennochs. Vermutlich ist es gar nicht anders möglich, wenn man ein Mensch ist, der mit körperlichen Einschränkungen leben muss. In meinem Fall ist es die Hörschädigung. Sie reichte aus, dass ich die Schule wechseln musste und eine gesonderte Schule für Hörgeschädigte besuchte. Außerdem bekam ich Hörgeräte.

Am Ende der Schulzeit stand die Berufswahl an. Was konnte ich werden mit meiner Schwerhörigkeit? Ich erinnere mich an den Tag, an dem die Berufsberatung in die Klasse kam und uns helfen sollte, passende Berufe zu finden. Berufe mit viel menschlichem Kontakt wurden mir nicht empfohlen und so wurde ich Schreiner. Es ist ein schöner Beruf, aber so richtig glücklich war ich damit nicht. Ich schlitterte als junger Mensch in eine echte Lebenskrise und haderte mit Gott, dass er mich so, mit meiner Hörschädigung, geschaffen hatte.

Eine Auszeit war nötig und so besuchte ich ein Bibelseminar. Anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zum Erzieher und ließ das Studium der Theologie folgen. Heute bin ich Pfarrer. Dankbar staune ich über meinen Lebensweg, wenn ich zurückschaue. Wie gut ist alles geworden! Doch wie war das möglich?

Ein Dickkopf war nötig. Oft musste ich mit dem Kopf durch die Wand, um die Grenzen des Lebens immer weiter zu verschieben. Ist das das Erfolgsgeheimnis meines Lebens?

Ich denke, dass besonders Menschen mit körperlichen Einschränkungen ohne Dennochs nicht leben können. Wir brauchen dieses Dennoch immer wieder, um uns von Vorstellungen zu lösen, die scheinbar zu unserem Leben gehören und es klein halten. Wir brauchen das Dennoch, um uns mit und trotz unserer Einschränkungen gegen die Vorurteile und Grenzen – auch in uns selbst – in ein Leben zu finden, das uns erfüllt.

Aber Dickkopf, Sturheit, starker Wille reichen nicht aus. Da kann man sich schnell verrennen. Wenn ich dankbar zurückschaue, nehme ich wahr, dass diese vielen Dennochs von Engeln begleitet waren. Damit meine ich nicht nur die Engel mit den Flügeln, sondern auch Menschen, die mich auf dem Weg der Veränderung begleitet haben. Mit ihrer Hilfe wurde aus einem, der mit seinem Lebensschicksal hadert, einer, der seine körperlichen Einschränkungen annimmt und aufbricht. Diese Menschen haben Potenzial in mir gesehen, das ich noch nicht erkennen konnte, und haben mich ermutigt, dieses zu entdecken und zu nutzen.

In meinem Fall gehörten zu den Engeln auch die Akkustiker und Techniker, die immer wieder neue Hörgerätemodelle entwickelten, und so meine Lebensmöglichkeiten aktiv verbessert haben. Ich denke da an meine ersten durch Computer angepassten Hörgeräte. Das war ein Quantensprung der Technik – und erst recht für mein Leben. Auf einmal standen mir neue Wege offen und das in einer Lebensphase, in der ich meinem Leben noch einmal eine neue Wende geben konnte. So war es möglich, dass ich mit 28 Jahren noch ein Theologiestudium beginnen konnte. Die neuen Hörgeräte haben mir diesen Weg eröffnet.

Ich habe einen Beruf, in dem ich mit vielen Menschen zu tun habe. Menschen haben mich auf meinem langen Weg begleitet und mir geholfen, zu werden, wer ich heute bin. Zugleich ist mein Leben stark von den technischen Fortschritten geprägt – bis heute. Jede neue Entwicklung in der Hörgerätetechnik erweitert meinen Lebenshorizont. So wurden und werden Dennochs möglich, an die vorher nicht zu denken gewesen wäre. Meine Biografie ist also eine Dennoch-Biografie, die sich von Klischees löst und die – dank dem technischen Fortschritt – zu träumen wagt. Ich halte gerne inne, staune und bin den Menschen und Gott dankbar.

Wege gehen, Wege geführt werden,

einen Weg einschlagen.

Wir möchten auf dem besten Weg sein.

Und doch sind die Wege verschlungen, die wir gehen.

Immer wieder stoßen unsere Füße an Steine.

Es ist jemand im Weg,

oder wir bleiben auf halbem Wege stehen.

Gott hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Gott verspricht uns nicht,

dass unsere Wege einfach sind.

Aber er hat uns versprochen, bei uns zu sein

und uns seine Engel zu senden, die uns behüten,

wohin wir auch gehen.

Stephan Goldschmidt

3 Dennoch verzweifle ich nicht

Cornelia Mandt

Vor etwa vier Jahren wurde bei meinem Mann Martin ein aggressiver Tumor festgestellt und die ärztliche Prognose lautete: »Achtzig Prozent versterben innerhalb von drei Jahren.« Da waren wir erstmal sprachlos.

Mein Mann mobilisierte in einer WhatsApp-Gruppe viele Beter, die für seine Heilung und um Kraft für uns beide beteten, mit dieser Situation zurechtzukommen. Es haben über hundert Leute für uns gebetet und diese Gebete haben uns in der ganzen Krankheitszeit getragen.

Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

1. Korinther 13,12

Als es Martin ein halbes Jahr später immer schlechter ging, gab es einen Tag, an dem sich Verzweiflung bei mir breitmachte. Die Angst, wie es weiter gehen sollte, packte mich. Aber gerade an diesem Tag betete Martin nochmal mit mir und Gottes Frieden kehrte wieder bei mir ein. Abends kam ich nach Hause und hatte ein Päckchen voller Ermutigungen bekommen und einen Brief mit einem Schmuckset erhalten. Darauf stand: »Don‘t be afraid. Just believe.« Ich suchte in meiner Online-Bibel die Stelle und las in Markus 5,36: »Verzweifle nicht. Vertrau mir einfach.« Gott hat mich hier ganz konkret angesprochen, so wie ich es gebraucht habe. Die Kette ermutigt mich bis heute, täglich Gott zu vertrauen.

Martin ist kurze Zeit später friedlich eingeschlafen. Seinen Sterbeprozess konnte ich mit Gottes tiefem Frieden im Herzen begleiten. Auch wenn Gott vermeintlich die vielen Gebete nicht erhört hat, so bin ich doch davon überzeugt, dass Gott es dennoch gut mit Martin gemacht hat. Denn jetzt ist er bei Gott in der Ewigkeit. Dort gibt es kein Leid und keinen Schmerz mehr, wie er es in Offenbarung 21,4 verheißt. Jetzt ist er geheilt und es geht ihm gut. Ich behaupte sogar, Gott hat alle Gebete erhört.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Martin gesund geworden wäre, und ich verstehe Gottes Entscheidung nicht. Aber Gottes Perspektive ist eine andere und er überblickt das große Ganze, wie auf einem Stickbild. Corrie ten Boom hatte ein wunderschönes Stickbild mit einer Krone. Sie benutzte diesen Vergleich, um zu verdeutlichen, dass unsere Perspektive auf dieses Stickbild – das für unsere Lebenssituation steht – die von hinten ist. Wir sehen nur das Fadenwirrwar und können nicht erkennen, was für ein Bild das werden soll. Aber Gott sieht eben die andere Seite und hat alles genau geplant. Deshalb habe ich mich wie Hiob dazu entschieden: Dennoch vertraue ich auf Gott. Denn er wird es auch mit mir gut machen (vgl. Hiob 13,15).

In der Zeit nach Martins Tod durfte ich ganz oft Gottes Hilfe erleben und dafür bin ich sehr dankbar. Kürzlich ging zum Beispiel mein Tiefkühlschrank kaputt. Meine Nachbarn haben ein paar Dinge in ihrem Gefrierschrank untergebracht. Am nächsten Tag fand ich mit Hilfe einer Freundin im Internet ein gebrauchtes günstiges Gerät, welches ich noch am gleichen Tag abends abholte. Der Verkäufer half mir, den Tiefkühlschrank ins Auto zu laden. Zwei junge Männer aus dem Haus packten mit an und gemeinsam haben wir das alte Gerät aus der Wohnung und das neue in die Wohnung getragen. Für die Entsorgung bekam ich von meiner Vermieterin einen guten Tipp und war den defekten Tiefkühlschrank schon am nächsten Tag los. Gott hat mir sechs Helfer geschickt und ich merkte, dass Gott sein Versprechen hält und sich um mich kümmert.

Niemand von uns weiß bereits heute, was die nächsten

Tage, Monate und Jahre bringen werden.

Welches Glück und welche Scherben erwarten uns?

Welche Pläne hat Gott für jeden von uns?

Was ich jedoch mit ziemlicher Sicherheit sagen kann:

Auch in der Zukunft werde ich damit kämpfen, Gott im Glück

und in den Scherben zu vertrauen und dennoch wird Jesus da sein.

Er wird niemanden verlassen, der ihn und seinen Namen kennt.

Seine Liebe wird uns an den unmöglichsten Orten finden,

und eines Tages werden wir nicht länger daran zweifeln,

dass wir ihm wirklich vollkommen vertrauen können.

Natalie Meyer

4 Dennoch auserwählt und berufen

Günther Bierl

Große Siege sind eine tolle Sache und sollten angemessen gefeiert werden! Große Zufriedenheit wäre die logische Folge. Doch läuft es oft umgekehrt. Man befindet sich auf einem Höhepunkt und die Frage stellt sich: Was jetzt? Geht’s noch höher, noch weiter? Was ist, wenn es ab jetzt nur noch, wenn auch langsam, bergab geht? Zweifel und Ängste können sich breitmachen.

Der Prophet Elia hatte einen großen Sieg errungen. Er sorgte für die Vernichtung des götzendienstlichen Baalskult. Gott hatte geholfen, die Priester des Baal zu vernichten, indem er ein deutliches Zeichen setzte, um das die Priester des Baal ihren Götzen vergeblich gebeten hatten. Das Volk Israel war beeindruckt. Bis auf eine Person.

Die Königin Isebel hatte diesen Götzendienst mit ins Land gebracht und wollte der Zerstörung ihrer Religion nicht tatenlos zusehen.

Auf dem Höhepunkt seines Siegesrausches erfährt Elia nun die Nachricht seiner Königin: »Morgen um diese Zeit wird es dir genau so ergehen wie den Priestern des Baal.«

Mit der Allmacht Gottes im Rücken wäre es doch ein Leichtes gewesen, dieser Königin aus dem Ausland zu trotzen. Aber Elia stellt seine persönliche Angst nicht unter die Kraft Gottes. Er lässt seinen eigenen unwägbaren Gefühlen freien Lauf und rennt planlos davon. Doch nimmt er sich noch die Zeit, seinen Diener zu entlassen.

Einen ganzen Tag lang läuft er durch die Wüste, wirft sich unter einen Wacholderstrauch und ist mit den Nerven am Ende. Der große Prophet und Diener Gottes möchte nur noch sterben: »Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.«

Er kann nicht mehr. Vor tiefer Erschöpfung schläft er ein.

Jetzt hätte er es doch verdient, von Gott bestraft zu werden! Wie kann man nur so undankbar sein! Steckten in seinem Verhalten nicht der pure Unglaube und der Zweifel an der Macht Gottes?

Aber was tut Gott? Er lässt Elia erst mal ausschlafen, bis er sanft von einem Engel geweckt wird. Zeit für eine Strafpredigt? Nein! Elia bekommt zuerst einmal das, was er am dringendsten braucht: etwas zu essen und zu trinken. Er darf nochmal ausschlafen, wird wieder versorgt – und nun kommt die Strafe? Nein! Gott gibt ihm einen neuen Auftrag. Elia resigniert, Gott aber designiert. Er unterschreibt Elias Auftrag wieder neu.

Elia erkennt die Gabe Gottes und wandert 40 Tage bis zum Berg Horeb, ein Weg, den er auch in fünf Tagen hätte bewältigen können. Die Furcht vor Gott lässt ihn langsam werden. Er schiebt die Begegnung mit Gott auf. Aufschiebendes Verhalten ist ein Zeichen der Angst: »Morgen, morgen, nur nicht heute.«

In einer Höhle am Horeb begegnet ihm Gott dann doch. »Was machst du hier, Elia?«

Elia bekennt sein Versagen und seine Angst, doch Gott gibt ihm eine Lehrstunde. Er erlebt nun Sturm, Erdbeben und Feuer! Das ist Gottes Gegenwart? Nein!

Elia fühlt ein sanftes Sausen – das ist die Gegenwart Gottes. Gott zeigt sich als der sanfte Vater und nicht als der hart Strafende. Elia war von Gott ausgewählt und wen Gott wählt, den lässt er nicht fallen. Mit einem neuen großen Auftrag, der Königssalbung, wird Elia von Gott auf seinen neuen Weg gesandt.

In Römer 8,28 lesen wir: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.«