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Acute geriatrics has become an important specialist discipline. It comprises the preventive, curative, rehabilitative and palliative care for older patients under consideration of the bio-psycho-social model. Multimorbidity, atypical courses of disease, increased risk of complications and many further aspects should be included in the support concept for the often very vulnerable patients. In this book, essential practice-relevant content of the acute geriatric work is presented, based on case studies.
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Seitenzahl: 760
Veröffentlichungsjahr: 2016
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1. Auflage 2017
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-029785-2
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-029786-9
epub: ISBN 978-3-17-029787-6
mobi: ISBN 978-3-17-029788-3
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Vorwort
Kasuistik 1: Hüftnahe Fraktur bei prämorbid mobiler 79-jähriger Patientin
Kasuistik 2: Zuhause lebende, multimorbidere ältere Patientin
Kasuistik 3: Akute Erkrankung einer betagten, multimorbiden Bewohnerin eines Pflegeheimes
1. Im Pflegeheim
2. Aufnahme im Krankenhaus
3. An der Abteilung für Akutgeriatrie
Allgemeine Kapitel
1 Was ist Akutgeriatrie?
Karl Cernic und Georg Pinter
1.1 Einleitung
1.2 Definition Akutgeriatrie
1.3 Versorgungsforschung
1.4 Abgestufte Versorgungsmodelle
1.5 Zusammenfassung
1.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
2 Wohnformen im höheren Lebensalter
François Höpflinger
2.1 Einleitung
2.2 Wohnen im Alter – zentrale konzeptuelle Grundsätze
2.3 Haushaltsgrößen im Alter – Trend zu Klein- und Kleinsthaushalten
2.4 Wohnformen im Alter (und für das Alter) – synoptischer Überblick
2.4.1 Privates Wohnen – weiterhin die dominante Wohnform im Alter
2.4.2 Organisiertes Wohnen im Alter – Betreutes Wohnen
2.4.3 Institutionelles Wohnen – Alten- und Pflegeheime
2.5 Zusammenfassung
2.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
3 Demografische und sozio-ökonomische Aspekte des Alter (n)s in der modernen Gesellschaft
Franz Kolland
3.1 Einleitung
3.2 Soziale Marker des Alterns
3.3 Sozio-demografischer Wandel und Altern
3.3.1 Was ist eine alternde Gesellschaft?
3.4 Altersnormen und Altersbilder
3.5 Soziale Ungleichheit und Alter(n)
3.6 Alter(n) und Lebenslauf
3.6.1 Ende der Dreiteilung des Lebenslaufs?
3.7 Zusammenfassung
3.8 Reflexions-/Diskussionfragen
Literatur
4 Kognitive Veränderungen im Alter
Gerald Gatterer
4.1 Einleitung
4.2 Intelligenz und allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit
4.3 Gedächtnis
4.4 Lernen
4.5 Psychomotorik
4.6 Zusammenfassung und Konsequenzen für die Betreuung älterer Menschen
4.7 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
5 Was ist ein guter Arzt für ältere Menschen?
Walter Schippinger
5.1 Einleitung
5.2 Was uns die betagten Menschen sagen
5.3 Die Fundamente guter ärztlicher Betreuung
5.3.1 Ausbildung und Wissen
5.3.2 Haltung und Zuwendung
5.4 Zusammenfassung
5.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
6 Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Marina Kojer
6.1 Einleitung
6.2 Das Recht auf Kommunikation
6.3 Kommunikation und Lebensqualität
6.4 Verständnisprobleme zwischen Jung und Alt
6.5 Psychische Vulnerabilität im Alter
6.6 Ethische Kommunikation im Alltag
6.6.1 Persönliche Voraussetzungen für gelingende Kommunikation
6.7 Kommunikation mit alten Menschen mit Demenz
6.8 Umgang mit Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz
6.9 Das Wichtigste auf einen Blick
6.10 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
7 Erfolgreiches Altern – ausgewählte psychologische Beiträge
Eva Mir
7.1 Altern – ein Begriff, viele Wege
7.2 Wie wird erfolgreiches Altern möglich?
7.2.1 Der Klassiker – das Modell der Selektiven Optimierung mit Kompensation (SOK)
7.2.2 Eine vielversprechende Ergänzung – Proaktive Ansätze
7.3 Zusammenfassung – das Wichtigste auf einen Blick
7.4 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
8 Das Konzept Lebensqualität und seine Bedeutung für die Geriatrie
Olivia Kada und Herbert Janig
8.1 Einleitung
8.2 Lebensqualität – die Herausforderung einer Definition
8.3 Ausgewählte Modelle zu Lebensqualität im Alter
8.4 Hinweise zur Erfassung von Lebensqualität
8.5 Langzeitpflege unter dem Aspekt Lebensqualität
8.6 Zusammenfassung
8.7 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
9 Evaluierung psychischer Belastung in der stationären Altenpflege
Matthias Becker und Jochen Prümper
9.1 Einleitung
9.2 Psychische Belastung in der Altenpflege
9.3 Novellierungen europäischer Arbeitsschutzgesetze
9.4 Fragestellung
9.5 Methode
9.5.1 Instrumente
9.5.1.1 Verfahren zur Erfassung der psychischen Arbeitsbelastung
9.5.1.2 Verfahren zur Erfassung der Beanspruchung und Beanspruchungsfolgen
9.5.2 Vorgehen und Stichprobe
9.6 Ergebnisse
9.6.1 Ergebnis der Grobanalyse
9.6.1.1 Ergebnis der KFZABelastungsanalyse
9.6.1.2 Ergebnis der ABIBeanspruchungsanalyse
9.6.2 Ergebnis der Feinanalyse
9.6.2.1 IPLV
®
-Fälle im Überblick
9.6.2.2 Beispiele für IPLV
®
-Fälle
9.6.3 Zusammenhang zwischen KFZA- und ABIWerten
9.7 Zusammenfassung – das wichtigste auf einen Blick
9.8 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
10 Sinn und Unsinn von Leitlinien in der Geriatrie
Wolfgang Schindlegger
10.1 Einleitung
Aber Geriatrie wirkt
10.2 EBM
10.3 Choosing Wisely
10.4 Welche Evidenz brauchen wir?
10.5 Zusammenfassung
10.6 Persönliche Schlussbemerkungen
10.7 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
11 Geriatrische Komplexbehandlung anhand eines Fallbeispiels (Fall 2)
Eric Stoiser
11.1 Einleitung
11.2 Zuhause lebende, multimorbide ältere Patienten
11.2.1 Schmerzen im Alter
11.2.2 Polypharmazie bzw. Polymedikation
11.2.3 Depressionen im Alter
11.2.4 Herzinsuffizienz im Alter
11.2.5 Geriatrische Komplexbehandlung
11.2.6 Entlassungsplanung, Wohnen im Alter
11.3 Zusammenfassung
11.4 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
12 Die Rolle der Pflege in der Akutgeriatrie
Monique Weissenberger-Leduc und Michaela Zmaritz
12.1 Einleitung
12.2 Pflegerische Kernkompetenzen
12.3 Pflegerische Versorgungsleistungen
12.3.1 Aufnahme
12.3.2 Stationäre Pflege
12.3.3 Entlassungsmanagement
12.4 Fallerläuterungen
12.5 Zusammenfassung
12.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
13 Die vielfältigen Gesichter der Gewalt an alten Menschen
Brigitte Jenull und Nadja Frate
13.1 Einleitung
13.2 Definitionsversuche zum »Gewalt«-Begriff
13.3 Zahlen und Fakten in einem großen Dunkelfeld
13.4 Bedingungskonstellationen für Gewalt
13.5 Erklärungsansätze für Gewalthandlungen an älteren Menschen
13.6 Modell zur Entstehung von Gewalt gegen alte Menschen
13.7 Gewalthandlungen an alten Menschen erkennen und verhindern
13.8 Zusammenfassung
13.9 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
14 Ethik im Alter
Cornel C. Sieber
14.1 Einleitung
14.2 Ethik-Code, Verhaltenskodex, Konfliktvereinbarung
14.3 Ethik-Forum
14.4 Zentrale Mobile Ethikberatung, Ethikzirkel und Ethik-Café
14.5 Schwierigkeiten der ärztlichen Rolle
14.6 Patientenverfügungen
14.7 Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen
Ökonomie
»Choosing wisely«-Initiative
»Shared decision making«
14.8 Zusammenfassung
14.9 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
15 Anamnese und klinische Untersuchung beim geriatrischen Patienten
Georg Pinter
15.1 Einleitung
15.2 Anamnese beim älteren Patienten
15.2.1 Eigenanamnese
15.2.2 Fremdanamnese
15.2.3 Sozialanamnese
15.2.4 Ernährungsanamnese
15.2.5 Medikamentenanamnese
15.2.6 Sturzanamnese
15.2.7 Kontinenzanamnese
15.2.8 Selbsthilfeanamnese
15.3 Physikalische Krankenuntersuchung des geriatrischen Patienten
15.3.1 Einleitung
15.3.2 Genereller Aspekt
15.3.2.1 Allgemeine Beobachtungen
15.3.2.2 Ernährungszustand, Hydratationszustand
15.3.2.3 Hautzustand
15.3.3 Kopf und Hals
15.3.3.1 Überprüfung des Gehörs
15.3.3.2 Augenuntersuchung
15.3.3.3 Untersuchung der Mundhöhle
15.3.3.4 Untersuchung der Halsregion
15.3.4 Herz-Kreislauf
15.3.4.1 Palpation des Radialispulses
15.3.4.2 Auskultation der Herztöne und von Herzgeräuschen
15.3.4.3 Auskultationsbefunde bei ausgewählten und für die Untersuchung von geriatrischen Patienten relevanten Klappenvitien
15.3.5 Lunge
15.3.5.1 Perkussion
15.3.5.2 Stimmfremitus
15.3.5.3 Auskultation
15.3.6 Abdomen
15.3.6.1 Inspektion
15.3.6.2 Palpation, Auskultation
15.3.6.3 Aszites
15.3.6.4 Rektale Untersuchung
15.3.7 Extremitäten, Gelenke, Muskulatur
15.3.7.1 Pulsstatus
15.3.7.2 Gelenke
15.3.7.3 Muskulatur
15.3.7.4 Häufige Befunde in der Geriatrie
15.3.8 Thorax und Rücken
15.3.9 Orientierende neurologische Untersuchung
15.3.9.1 Bewusstseinslage
15.3.9.2 Delir
15.3.9.3 Paresen
15.3.9.4 Muskeleigenreflexe
15.3.9.5 Weitere Untersuchungen
15.4 Zusammenfassung
15.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
16 Geriatrische Notfallmedizin
Arnulf Isak
16.1 Einleitung
16.2 Identifizierung geriatrischer Patienten in der Notaufnahme
16.3 Klinische Besonderheiten geriatrischer Patienten aus Sicht des Notfallmediziners
16.3.1 Triage
16.3.2 Atypische Symptome und Befunde
16.3.2.1 Atypischer Myokardinfarkt
16.3.2.2 Atypische Infekte
16.3.2.3 Das akute Abdomen
16.3.2.4 Die kardiale Dekompensation
16.3.3 Multimorbidität
16.3.4 Polypharmazie
16.3.5 Delir
16.3.6 Ethische Probleme
16.4 Überlegungen zur strukturellen Verbesserung der Versorgung geriatrischer Patienten an Notaufnahmen
16.5 Zusammenfassung
16.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
17 Multimorbidität und Priorisierung von Behandlungszielen
Daniel Grob
17.1 Einleitung
17.2 Zur Multimorbidität
17.3 Das Denken in patientenorientierten Dimensionen
17.4 Behandlungsziele
17.4.1 Ein strukturierter Zugang zur Indikationsstellung von komplexen Eingriffen
17.4.2 Zur Priorisierung von Behandlungszielen im geriatrischen Kontext
17.4.3 Sieben Schritte zur Priorisierung von Behandlungszielen bei geriatrischen Patientinnen und Patienten
17.4.4 Handlungsanleitung für die Praxis
17.5 Zusammenfassung
17.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
18 Das multidimensionale geriatrische Assessment
Ulrike Sommeregger
18.1 Einleitung
18.1.1 Was ist das geriatrische Assessment?
18.1.2 Anforderungen an die Assessmentinstrumente
18.1.3 Durchführung des geriatrischen Assessments
18.1.4 Das interdisziplinäre Team
18.2 Anamnese
18.3 Performancetests
18.3.1 Mobilitätsassessment
18.3.2 Psychometrie
18.4 Gezielte Beobachtung
18.5 Spezielle Fragestellungen
18.6 Ergebnis
18.7 Wann wird das geriatrische Assessment eingesetzt?
18.8 Wer profitiert nicht?
18.9 Ausblick
18.10 Anwendung auf die Kasuistiken
18.11 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
19 Teamarbeit in der Geriatrie
Brigitte Hermann und Walter Schippinger
19.1 Einleitung
19.2 Entwicklung und Zusammensetzung von Teams
19.3 Das geriatrische Team
19.3.1 Ärzte
19.3.2 Pflege
19.3.3 Physiotherapie
19.3.4 Ergotherapie
19.3.5 Logopädie
19.3.6 Psychologie
19.3.7 Diätologie
19.3.8 Sozialarbeit
19.4 Voraussetzungen guter Teamarbeit
19.4.1 Indikatoren guter Teamarbeit
19.4.2 Ziele geriatrischer Teamarbeit
19.5 Zusammenfassung
19.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
20 Posttraumatische Belastungsstörung und psychische Betreuung
Christian Fazekas
20.1 Einleitung
20.2 Traumatisierung beim älteren Patienten
Differentialdiagnose: Anpassungsstörung
20.2.1 Posttraumatische Belastungsstörung
20.2.2 Anamnese, Betreuung und Behandlung
20.3 Zusammenfassung
20.4 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
21 Das Frailty-Syndrom
Walter Schippinger
21.1 Einleitung
21.2 Modelle und Definitionen von Frailty
21.2.1 Modell des Frailty-Phänotyps
21.2.2 Frailty-Modell der kumulativen Defizite
21.3 Pathophysiologie
21.4 Epidemiologie
21.5 Klinische und psychosoziale Manifestationen
21.6 Behandlung des Frailty-Syndroms
21.6.1 Geriatrisches Assessment: Das zentrale Diagnostikum der Geriatrie
21.6.2 Interventionen durch ein multiprofessionelles Team
21.7 Zusammenfassung
21.8 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
22 Störungen des Sensoriums im Alter
Gerald Pichler
22.1 Hintergrund
22.2 Veränderungen der Sensomotorik im Alter
22.2.1 Rezeptor (Muskelspindel)
22.2.2 Afferenter sensorischer Schenkel
22.2.3 Interneuronen
22.2.4 Inhibitorische Mechanismen
22.2.5 Synapsen
22.2.6 Efferenter motorischer Schenkel
22.2.7 Muskulatur
22.3 Veränderungen des Gleichgewichts
22.3.1 Visuelles System
22.3.2 Auditiv vestibuläres System
22.3.3 Kinästhetisches System
22.3.4 Posturale Kontrolle
22.4 Hilfsmittel
22.5 Diabetische Polyneuropathie
22.6 Therapie der diabetischen Polyneuropathie
22.6.1 Medikamentöse Therapie
22.6.1.1 Antikonvulsiva
22.6.1.2 Antidepressiva
22.6.1.3 Analgetika
22.6.1.4 Radikalfänger
22.6.1.5 Vitamine und Spurenelemente
22.6.2 Nicht medikamentöse Therapie
22.6.3 Komplementäre Therapie
22.7 Zusammenfassung
22.8 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
23 Ernährung im Alter – Sarkopenie und Frailty
E. Kiesewetter und Cornel C. Sieber
23.1 Einleitende Begriffsbestimmung
Sarkopenie
Frailty
Malnutrition
23.2 Sarkopenie
23.2.1 Definition und Ätiologie
23.2.2 Bestimmung der Muskelmasse
23.2.3 Bestimmung von Muskelkraft und -funktion
23.2.4 Sarcopenic Obesity
23.2.5 Studienlage
23.2.6 Abgrenzung Sarkopenie – Kachexie
23.3 Frailty
23.3.1 Konzeptueller Rahmen von Frailty
23.3.2 Abgrenzung
23.3.3 Pathophysiologische Aspekte von Frailty
23.3.3.1 Exzessmodell
23.3.3.2 Defizitmodell
23.3.3.3 Diagnostik des Frailty-Syndroms
23.3.3.4 Klinische Aspekte von Frailty
23.4 Ernährungstherapeutische Ansätze bei Malnutrition, Sarkopenie und Frailty
23.4.1 Proteine
23.4.2 Fette, Vitamin D
23.5 Zusammenfassung und Ausblick
23.6 Refexions-/Diskussionsfragen
Literatur
Abkürzungsverzeichnis
24 Die Rolle des Ernährungsteams im Krankenhaus
Barbara Hoffmann
24.1 Einleitung
24.2 Ziel
24.3 Organisation
24.4 Aufgaben
24.5 Geschichte
24.6 Ergebnisse
24.7 Empfehlungen
24.8 Zusammenfassung
24.9 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
25 Polypharmazie
Ingrid Friedl
25.1 Einleitung
25.2 Definition der Polypharmazie
25.3 Grundlegende Aspekte zur Polymedikation
25.3.1 Multimorbidität
25.3.2 Verschreibungskaskaden
25.4 Klinische Folgen der Polypharmazie
25.4.1 Unerwünschtes Arzneimittelereignis (UAE) und unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW)
25.4.1.1 Unerwünschte Arzneimittelereignisse durch Arzneimittelinteraktionen
25.4.2 Beispiele unerwünschter Arzneimittelereignisse aufgrund von Arzneimittelinteraktionen
25.4.2.1 QT – Zeit-Verlängerung
25.4.2.2 Extrapyramidal-motorische Symptome, medikamentöses Parkinsonsyndrom
25.4.2.3 Anticholinerge Wirkungen, anticholinerges Syndrom
25.4.2.4 Serotoninsyndrom
25.4.2.5 Erhöhung des Blutungsrisikos durch Kombination von Thrombozytenaggegationshemmern und Antikoagulantien mit Selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmern (SSRI)
25.4.2.6 Hyperkaliämie
25.4.2.7 Hypokaliämie
25.4.3 Non-Compliance
25.5 Instrumente zur Arzneimitteltherapieoptimierung
25.5.1 Methode zur individuellen Bewertung einer Verordnung
25.5.2 Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
25.5.3 Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz
25.5.4 Vermeidung potentiell inadäquater Medikation (PIM)
25.5.5 Prozess zur Erstellung einer patientenindividuellen Pharmakotherapie im Alter
25.6 Zusammenfassung
25.7 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
26 Depressive Erkrankungen im Kontext Geriatrie
Herwig Oberlerchner
26.1 Einleitung
26.2 Depression im Kontext Geriatrie
26.2.1 Menschen mit therapieresistenter Depression
26.2.2 Depression im Alter
26.2.2.1 Psychotherapie im Alter
26.2.2.2 Psychopharmakotherapie im Alter
26.2.2.3 Aufsuchende Ansätze in der Behandlung depressiver älterer Menschen
26.3 Schlussbemerkung
26.4 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
27 Osteoporose bei geriatrischen Patienten
Peter M. Bernecker
27.1 Einführung
27.1.1 Pathophysiologie der Osteoporose des alten Menschen
27.2 Prophylaxe der Osteoporose
27.2.1 Körperliche Aktivität und Stürze
27.2.2 Ernährung, Lebensstil, Medikation
27.3 Diagnostik der Osteoporose
27.3.1 Anamnese und klinischer Befund
27.3.2 Radiologische Methoden
27.3.2.1 Nativröntgen
27.3.2.2 Densitometrie
27.3.2.3 Trabecular bone score – TBS
27.3.3 Labordiagnostik
27.3.3.1 Standard-Parameter
27.3.3.2 Empfohlene zusätzliche Parameter
27.3.4 Ermittlung des Frakturrisikos – Risikofaktoren
27.3.4.1 Allgemeine Risiken
27.3.4.2 Risiken durch spezielle Erkrankungen
27.3.4.3 Medikamente, die das Frakturrisiko erhöhen
27.3.5 Ermittlung des Frakturrisikos – Risikorechner und Entscheidungshilfen
27.3.5.1 FRAX – WHO Fracture Risc Assessment Tool
27.3.5.2 DVO-Score
27.3.5.3 Q-Fracture Score
27.4 Therapie der Osteoporose
27.4.1 Antiresorptive Therapie
27.4.1.1 Bisphosphonate (BP)
27.4.1.2 Denosumab
27.4.2 Osteoanabole Therapie
27.4.2.1 Teriparatid
27.4.2.2 Abaloparatid (pro futuro)
27.4.2.3 Romosozumab und Blosozumab (pro futuro)
27.5 Zusammenfassung
27.6 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
28 Hüftnahe Oberschenkelfrakturen
Ernst J. Müller
28.1 Einführung
28.2 Ausblick auf das Kapitel
28.2.1 Erstaufnahme
28.2.2 Präoperative Evaluierung
28.2.3 Unfallchirurgischer Entscheidungspfad
28.2.4 Postoperative Maßnahmen
28.2.5 Umsetzung eines fachübergreifenden Behandlungspfades
28.3 Erstaufnahme
28.3.1 Wesentliche Punkte
28.4 Präoperative Evaluierung
28.5 Unfallchirurgischer Entscheidungspfad
Zusammenfassung
28.6 Postoperative Maßnahmen
Zusammenfassung
28.7 Klinische Umsetzung eines fachübergreifenden Behandlungspfades
28.8 Zusammenfassung
28.9 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
29 Sturz im Alter
Stephanie A. Bridenbaugh
29.1 Einleitung
29.2 Risikofaktoren für Stürze im Alter
29.2.1 Intrinsische Sturzrisikofaktoren
29.2.1.1 Sarkopenie
29.2.1.2 Gang- und Gleichgewichtsstörungen
29.2.1.3 Kognitive Defizite
29.2.1.4 Sturzangst
29.2.2 Extrinsische Sturzrisikofaktoren
29.3 Assessment von Sturzrisikofaktoren
29.3.1 Anamnese
29.3.2 Mobilitätsassessments
29.3.2.1 Uhrentest
29.3.2.2 Gehgeschwindigkeit
29.3.2.3 »Timed Up and Go«-Test
29.3.2.4 »Timed Up and Go – imaginär«- Test
29.3.2.5 »Stops walking when talking«-Test
29.3.2.6 Quantitative Ganganalyse
29.4 Sturzprävention
29.4.1 Beispiele für die Modifikation intrinsischer Sturzrisikofaktoren
29.4.1.1 Krafttraining
29.4.1.2 Jaques-Dalcroze-Rhythmik
29.4.1.3 Tai Chi
29.4.2 Beispiele für die Modifikation extrinsischer Sturzrisikofaktoren
29.4.2.1 Heimabklärungen
29.4.2.2 Schuhwerk
29.4.2.3 Gehhilfen
29.4.2.4 Brillen
29.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
29.6 Zusätzliche Informationen
Literatur
30 Schmerz im Alter
Rudolf Likar, Stefan Neuwersch, Markus Köstenberger
30.1 Prävention, Schmerz und Ursachen
30.2 Schmerzerfassung, Schmerzmessung
30.2.1 Besonderheiten der Schmerzerfassung und -diagnostik im Alter
30.2.2 Schmerzerkennung und -messung bei kognitiv beeinträchtigten und/oder nichtkommunikativen Patienten
30.3 Schmerztherapie bei geriatrischen Patienten
30.3.1 Allgemeine Anmerkungen
Spezielle Problemstellung in der Geriatrie
30.3.2 Medikamentöse Therapie
30.3.2.1 Metabolismus
30.3.2.2 Pharmakodynamik
30.3.2.3 Besonderheiten bei der Behandlung mit schwachen und starken Opioiden
30.4 Zusammenfassung
30.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
31 Herzinsuffizienz im Alter
Manfred Wieser
31.1 Grundlagen und Bedeutung der Herzinsuffizienz im Alter
31.2 Diagnostik der Herzinsuffizienz
31.2.1 Ursachen der Herzinsuffizienz
31.2.2 Diagnostik bei Herzinsuffizienz
31.2.3 NYHA Klassifikation bei Herzinsuffizienz
31.3 Therapie der Herzinsuffizienz
31.3.1 Medikamentöse Therapie
31.3.1.1 Medikamentöse Therapie bei HFREF
31.3.1.2 Medikamentöse Therapie bei HFPEF
31.3.2 Device Therapie bei Herzinsuffizienz
31.3.2.1 Device Therapie bei HFREF
31.3.2.2 Device Therapie bei HFPEF
31.3.3 Trainingstherapie
31.3.4 Palliative Betreuung
31.4 Zusammenfassung
31.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
32 Delir – ein häufiges geriatrisches Syndrom, eine interdisziplinäre Herausforderung
Thomas Frühwald
32.1 Einleitung
32.1.1 Definition
32.1.2 Subjektives Erleben von Delir
32.2 Epidemiologie, Prognose und Folgen
32.2.1 Epidemiologie
32.2.2 Prognose
32.2.3 Ökonomische Folgen
32.3 Ätiologie
32.3.1 Multifaktorielles Modell
32.3.2 Prädispositions-, Vulnerabilitäts- und Risikofaktoren
32.4 Pathophysiologie
32.5 Rolle der Pharmaka
32.6 Klinische Präsentation und diagnostische Kriterien
32.6.1 Symptome des Delirs (Inouye SK 2006)
32.6.2 Formen des Delirs
32.6.3 Die Diagnose des Delirs
32.6.4 Screening- und Assessmentinstrumente
32.6.5 Klinische Abklärung
32.6.6 Differentialdiagnostik Delir, Demenz und Depression
32.6.7 Frailty und Delir
32.7 Prävention von Delir
32.7.1 Empfehlungen zur Prävention
32.7.2 Pflegerische und milieutherapeutische Maßnahmen
32.8 Delir-Intervention
32.8.1 Symptomatische medikamentöse Therapie
32.9 Fazit
32.10 Diskussions-/Reflexionsfragen
Literatur
33 Chronische Niereninsuffizienz
Tatjana Wiesinger
33.1 Einleitung
33.2 Pathophysiologie
33.3 Diagnose und Messmethoden
33.4 Ursachen
33.5 Symptomatik
33.6 Medikamente und ihre Auswirkungen
33.7 Patientenkasuistik
33.8 Niere, Kalzium-Phosphatstoffwechsel und Nahrung
33.9 Fazit
33.10 Diskussions-/Reflexionsfragen
Literatur
34 Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts
Tatjana Wiesinger
34.1 Komplexe, klinische Situation mit einfach diagnostizierbaren Zuständen
34.1.1 Hyponatriämie
34.1.1.1 Symptomatik
34.1.1.2 Diagnostik
34.1.1.3 Therapie
34.1.2 Hypernatriämie
34.1.2.1 Symptomatik
34.1.2.2 Therapie
34.2 Weitere klinisch relevante Elektrolytstörungen
34.2.1 Hyperkaliämie
34.2.1.1 Symptomatik
34.2.1.2 Therapie
34.2.2 Hypokaliämie
34.2.2.1 Symptomatik
34.2.2.2 Therapie
34.3.1 Hyper-Hypokalzämie
34.3.1.1 Symptomatik der Hypokalzämie
34.3.1.2 Therapie der Hypokalzämie
34.3.1.3 Symptomatik der Hyperkalzämie
34.3.1.4 Therapie der Hyperkalzämie
Literatur
35 Stoffwechselstörungen im Alter
Vinzenz Stepan
35.1 Diabetes mellitus
35.1.1 Bedeutung des Diabetes mellitus im Alter
35.1.2 Ursachen und Diagnostik des Diabetes mellitus
35.1.2.1 Ursachen des Diabetes mellitus
35.1.2.2 Diagnostik des Diabetes mellitus
35.1.3 Therapie des Diabetes mellitus
35.1.3.1 Generelle Überlegungen
35.1.3.2 Therapieziele
35.1.3.3 Nicht-Medikamentöse Therapie
35.1.3.4 Medikamentöse Therapie
35.1.4 Zusammenfassung
35.1.5 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur zum Abschnitt Diabetes
35.2 Hyperlipidämie
35.2.1 Bedeutung der Hyperlipidämie im Alter
35.2.2 Lipidtherapie im Alter
35.2.2.1 Datenlage
35.2.2.2 Leitlinien
35.2.2.3 Diagnostik und Therapieziele
35.2.2.4 Therapie/Nebenwirkungen/Kontrollen
35.2.3 Zusammenfassung
35.2.4 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur zum Abschnitt Hyperlipidämie
36 Obstruktive Lungenerkrankungen im Alter: COPD
Christian Geltner
36.1 Epidemiologie und Risiko
36.2 Assessment und Diagnose
36.2.1 Assessment
36.2.2 Evaluierung der Symptome
36.2.3 Evaluierung der funktionellen Einschränkung
36.2.4 Exazerbationsrisiko
36.2.5 Komorbiditäten
36.3 Neue kombinierte COPD-Einteilung
36.3.1 Besonderheiten beim älteren Menschen
36.4 Therapieguidelines der stabilen COPD
36.4.1 Inhalative Therapie
36.4.2 Bronchodilatation
36.4.2.1 Anticholinergika
36.4.2.2 Betamimetika (Betaagonist)
36.4.2.3 Kombination LAMA + LABA
36.4.3 Theophylline
36.4.4 Steroide und Entzündungshemmung im Bronchialsystem
36.4.5 Phosphodiesterasehemmer
36.4.6 Mukolytika
36.4.7 Immunstimulantien
36.5 Medikamentöse Stadien-abhängige Therapie
36.6 Exazerbationsmanagement
36.6.1 Diagnose und Beurteilung des Schweregrades
36.6.2 Therapie der akuten Exazerbation
36.6.2.1 Kortikosteroide
36.6.2.2 Antibiotika
36.6.3 Nicht-invasive Beatmung
36.7 Sauerstofftherapie
36.8 Rehabilitation
36.9 Zusammenfassung
36.10 Reflexions-/Diskussionsfragen
Literatur
Autorenverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Die Akutgeriatrie hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer wichtigen Spezialdisziplin in der Medizin entwickelt. Sie umfasst die präventive, kurative, rehabilitative und palliative Betreuung älterer Patienten unter besonderer Berücksichtigung des bio-psycho-sozialen Modells.
Für das behandelnde Team ergeben sich viele und komplexe Aufgabenstellungen in der Betreuung der meist sehr vulnerablen Menschen. Multimorbidität, atypische Krankheitsverläufe, erhöhtes Komplikationsrisiko, Polypharmazie und viele weitere Aspekte müssen in das Betreuungskonzept des älteren Patienten mit einfließen.
Im vorliegenden Lehrbuch haben wir anhand von drei praxisnahen Fallbeispielen und des Weges der Patienten durch die diversen Institutionen wesentliche Inhalte und Vorgehensweisen der akutgeriatrischen Arbeit dargestellt. Dies betrifft den präklinischen, klinischen und auch den poststationären Bereich.
Neben den klinisch relevanten Themen wie Ernährung, Frailty, Polypharmazie, Schmerz, kognitive Veränderungen, Delir, Störungen des Sensoriums, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Elektrolytstörungen, Stoffwechselstörungen, COPD, Osteoporose, Depression im Alter und den posttraumatischen Belastungsstörungen werden auch Themen, wie die Lebenswelt älterer Menschen im extramuralen Bereich, der respektvolle Umgang, die Kommunikation mit älteren Menschen und auch die Formen der Gewalt an älteren Menschen eingehend beschrieben. Wesentlichen Elementen der geriatrischen Teamarbeit, der geriatrischen Komplexbehandlung, des geriatrischen Basisassessments sowie der Multimorbidität und der Priorisierung von Behandlungszielen sind einzelne Kapitel im Lehrbuch gewidmet. Je ein spezielles Kapitel behandelt die geriatrische Notfallmedizin und die geriatrische Anamnese inklusive der klinischen Untersuchung älterer Menschen.
Ziel des Lehrbuches ist, den interessierten Lesern praxisrelevante Informationen zur akutgeriatrischen Behandlung zu geben und wichtige Werkzeuge geriatrischen Arbeitens am älteren Menschen zu vermitteln. Dies betrifft auch den in der Geriatrie besonders wichtigen kritischen Umgang mit Leitlinien.
Akutgeriatrie ist multidimensional und ihr Nutzen für den geriatrischen Patienten1 durch zahlreiche Untersuchungen belegt.
Akutgeriatrie erfordert viel Wissen, sie erfordert eine spezielle Haltung und viele Fertigkeiten, die erlernt, erfahren, aber auch erlebt werden müssen.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und freuen uns, wenn dieses Werk für Sie eine Unterstützung im täglichen Arbeiten mit älteren Patienten ist.
Das Herausgeberteam, September 2016
1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Buch zumeist die männliche Form gewählt, es sind jedoch immer beide Formen gemeint. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Die Patientin lebt zuhause mit ihrem pflegebedürftigen Gatten, welcher zweimal täglich Hauskrankenhilfe erhält, der Gatte kann tagsüber in den Rollstuhl mobilisiert werden und sie selbst unterstützt ihn in den Aktivitäten des tgl. Lebens. Eine Tochter lebt im Nachbarort und hilft bei der Pflege des Vaters mit. Die Patientin kommt zuhause abends durch stolpern zu Sturz, bleibt mit den Hausschuhen am Teppich hängen und verletzt sich an der rechten Hüfte, kann anschließend nicht mehr aufstehen. Von der Hauskrankenhilfe, welche etwa 30 Minuten später ins Haus kommt, wird die Rettung alarmiert und die Patientin ins Krankenhaus gebracht.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Kapitel 29: Sturz im Alter
Autorin: Stefanie Bridenbaugh
In der Notfallaufnahme zeigen sich folgende Befunde:
79-jährige Patientin in gutem AEZ, 162 cm, 63 kg, cardiorespiratorisch kompensiert, leichte Muskelatrophie, das rechte Bein verkürzt und innenrotiert, sehr schmerzhaft bei Bewegung.
Der Visus bei der Patientin bds. durch eine incipiente Maculadegeneration leicht beeinträchtigt. Grob neurologisch: abgeschwächte Muskeleigenreflexe an der linken UE (re wegen Fraktur nicht geprüft); sockenförmige Dysästhesien an den UE bds.
Anamnestisch gibt die Patientin Dyspnoe bei stärkerer Belastung an. Gelegentlich Husten mit etwas weißlichem Sputum. Vor vielen Jahren hatte die Patientin mäßig (15–20 Zigaretten über einen Zeitraum von 30 Jahren, Nikotinkarenz seit 15 Jahren) geraucht.
Kapitel 36: COPD im Alter
Autor: Christian Geltner
Es werden vom Team der Notfallabteilung folgende Befunde erhoben:
• Mini-Cog: Die Patientin kann zwei von drei Wörtern wiederholen, die Uhrzeit wird richtig eingetragen (evt. Hinweis auf eine kognitive Problematik).
• ISAR-Score: Zwei Punkte (Sehschwäche, Polypharmazie).
• Schmerzen: NRS in Ruhe 4, bei Bewegung 10.
Es wird umgehend eine Röntgenuntersuchung durchgeführt und eine pertrochantäre Fraktur rechts festgestellt.
Nebendiagnosen:
• Diabetes mellitus II
• Diabetische PNP
• COPD
• Osteoporose
• Prim. arterielle Hypertonie
• Z.n. pertrochantärer Femurfraktur links 2009
• Z.n. subcapitaler Humerusfraktur rechts 2007
Kapitel 35: Stoffwechselstörungen im Alter
Autor: Vinzenz Stepan
Kapitel 28: Schenkelhalsfraktur
Autor: Ernst Müller
Kapitel 27: Osteoporose
Autor: Peter Bernecker
Kapitel 22: Störungen des Sensoriums im Alter
Autor: Gerald Pichler
Die Patientin gibt mehrere Allergien an, unter anderem auf Morphine, Valium, Biene, Wespe und Novalgin.
Es erfolgt die stationäre Aufnahme.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Die Patientin wird am Folgetag morgens operiert.
Es wird eine Osteosynthese mittels Gammanagel durchgeführt, die Operation erfolgt in AN und dauert 50 Minuten. Postoperativ treten keine Komplikationen auf und somit kann die Patientin nach einer kurzen Überwachungsphase an die Unfallchirurgische Abteilung zur weiteren Frühremobilisation überstellt werden.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme steht die Patientin unter folgender Medikation:
• Lovenox 40 mg 1 × täglich
• Galvus 50 mg 2 × 1
• Seloken ret. 95 mg ½ täglich
• Atorvalan 10 mg 1 × 1 abends
• Neurotop ret. 300 mg 2 × 1
• Tresleen 50 mg 2 × 1
• Lendorm 0,25 mg 0-0-1
• Pantoloc 20 mg 1 × 1
• Mexalen 500 mg 2 × 1
• Cal D Vita 2 × 1
An der Unfallchirurgischen Station zeigt sich die Patientin unauffällig, schmerzarm (anfangs NRS in Ruhe 2, bei Bewegung 4, bei Entlassung NRS in Ruhe 0, bei Bewegung 2).
Es wird mehrmals eine CAM durchgeführt, diese zeigt sich während des Aufenthaltes immer unauffällig.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Eine Frühremobilisation wird durchgeführt und die Patientin kann mit zwei UA-Stützkrücken unter Vollbelastung mobilisiert werden.
Die Röntgenverlaufskontrolle zeigt eine reguläre Materiallage und eine gute Frakturstellung.
Kapitel 15: Anamnese und klinische Untersuchung beim geriatrischen Patienten
Autor: Georg Pinter
Nach 14 Tagen wird die Patientin an die Akutgeriatrie überstellt.
Dabei zeigt sie sich in gutem AZ, der Blutdruck mit 160/80 mmHg mäßiggradig erhöht, bei bekannter Trigeminusneuralgie zeigt sich eine leichte Hyperästhesie im Bereich der re. Gesichtshälfte, keine Ödeme, die peripheren Pulse sind palpabel, die Wunde ist bland.
Im Aufnahmeassessment zeigen sich folgende Befunde:
• Barthel-Index: 55 Punkte (mäßiggradiges Selbsthilfedefizit).
• Timed Up and Go-Test kann nicht durchgeführt werden.
• Tinetti-Test: 15 Punkte (höhergradige Sturzgefährdung).
• Esslinger-Transferskala: Eine professionelle Hilfe ist erforderlich.
• Hilfsmittel: Rollator.
• MNA-Shortform: 13 Punkte (Normbereich).
• GDS: 7 Punkte (leichtgradige Depression).
• MMSE: 28 Punkte
• Uhrentest nach Sunderland: 10 Punkte.
• Handkraft: 170 Newton.
Kapitel 18: Geriatrisches Assessment
Autorin: Ulrike Sommeregger
Kapitel 17: Multimorbidität und Priorisierung von Behandlungszielen
Autor: Daniel Grob
Folgende Befunde werden erhoben:
• Im Labor zeigt sich ein normales Blutbild, ebenso unauffällige Leber- und Nierenfunktion.
• Der Vitamin D-Spiegel mit 11 ng/ml massiv vermindert.
• CRP mit 2,04 mg/dl leichtgradig erhöht. Elektrolyte unauffällig.
• Albumin mit 3,4 g/dl minimal vermindert.
EKG: Sinusrhythmus, Linkstyp, Linksherzhypertrophiezeichen, Frequenz 70/min.
24h-Blutdruckmessung: Mittlerer systol. Tageswert 120 mmHg, nächtliches Dipping ist vorhanden, Pulsdruck 53 mmHg, mittlere Herzfrequenz 60/min., systol. Bandbreite 100/140 mmHg.
Lungenröntgen: chronisch bronchitische Veränderungen
Spirometrie und Bodyplethysmografie: FVC 1,98 (84%/Soll), FEV1 1,20 (65%/Soll), RV 3,08 (140%), TLC 5,88 (119%) mittelgradig obstruktive Ventilationsstörung, geringes Lungenemphysem, COPD 2/B
Physiotherapeutischer Abschlussbericht: Patientin bei den Transfers selbständig, die Patientin ist mit dem Rollator in Begleitung 100 Meter mobil, das Gangbild ist normal schrittig, aber etwas diskontinuierlich, Stiegensteigen mit Anhalten am Handlauf auf- und abwärts im Beistellschritt.
Ergotherapeutischer Abschlussbericht: Patientin rollatormobil bzw. mit 2 UA-Stützkrücken unter Aufsicht mobil. Bei Sitz und Haltemöglichkeit sind alle Tätigkeiten selbständig durchführbar.
Die Handlungsplanung ist unauffällig.
Es zeigt sich im DemTect eine leichte kongitive Beeinträchtigung, sodass ein kognitives Training durchgeführt wird. Eine Hilfsmittelberatung und Versorgung wird durchgeführt (Rollator, UA-Stützkrücken, GenuTrain rechts).
Das Geriatrische Assessment bei Entlassung:
• Barthel-Index: 100 Punkte (keine Beeinträchtigung).
• Timed Up and Go Test: 25 Sekunden (Sturzgefährdung vorhanden)
• Tinetti-Test: 19 Punkte (Sturzgefährdung vorhanden).
• Esslinger-Transferskala: Selbständig.
• Hilfsmittel: UA-Stützkrücken und Rollator.
• Handkraft: 210 Newton.
Die Patientin macht während des Aufenthalts gute Fortschritte, anfangs besteht eine ausgeprägte Sturzangst und eine gedrückte Stimmungslage, wobei durch entsprechende psychologische Betreuung diese Symptomatik deutlich gebessert werden kann.
Kapitel 20: Posttraumatische Belastungsstörungen und psychologische Betreuung
Autor: Christian Fazekas
Therapeutisch wird bei einem HbA1c von 7,6% und nur leichtgradig erhöhten Blutzuckerwerten die Galvusmedikation beibehalten. Die Seloken-Medikation wird reduziert und es wird eine Osteoporosetherapie mittels Calcium und Vitamin D eingeleitet. Eine antiresorpitive Therapie wird über den Hausarzt empfohlen.
Nach 14 Tagen wird die Patientin aus der akutgeriatrischen Station nach Hause entlassen.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Die anfangs bestehende Therapie wird adaptiert.
Entlassungstherapie:
• Seloken retard 47,5 0-0-1/2
• Neurotop 300 mg 2 × 1
• Cal D Vita 1 × 1
• Oleovit D3 gtt 21 gtt pro Woche während der Wintermonate
• Tresleen 50 mg 1 × 1
• Galvus 50 mg 2×1
• COPD Therapie: Spiriva Respimat 1×2
• Influenza Impfung und Pneumokokken-Vakzine indiziert
Abschlussdiagnosen:
• Frakt. petroch. fem. dext. – Gammanagelversorgung
• Diabetes mellitus II
• Diabetische PNP
• Osteoporose
• COPD 2/B mit Lungenemphysem
• Prim. arterielle Hypertonie
• Z.n. pertrochantärer Femurfraktur links 2009
• Z.n. subcapitaler Humerusfraktur rechts 2007
• Gonarthrose re.
• Vitamin D-Mangel
• Depression
• Z.n. Trigeminusneuralgie rechts
• Allergien siehe oben
Eine weitere Therapie in der geriatrischen Tagesklinik beginnt vier Tage nach der Entlassung durchgeführt. Die Behandlung erfolgt insgesamt über fünf Wochen (15 Therapietage)
Es kann durch die Bemühungen durch das geriatrische Team eine weitere Verbesserung des Allgemeinzustandes erreicht werden.
Eine fachärztliche Kontrolle inkl. Demenzscreening nach 6 Monaten wurde empfohlen.
Assessment bei Entlassung aus der TK:
• Barthel: 100 Punkte
• Handkraft: 280 Newton
• Timed Up and Go-Test: 18 Sekunden (Normalwert bis etwa 20 Sekunden)
• Tinetti-Test: 24 Punkte (unauffällig)
• Esslinger-Transferskala: Selbständig
• GDS: 4 Punkte (Normbereich)
Die 89-jährige Patientin lebt alleine zuhause, ist rollatormobil, 1 × tgl. Unterstützung in den Aktivitäten des täglichen Lebens durch Hauskrankenhilfe, Essen auf Rädern, Nachbarschaftshilfe, eine Tochter wohnt in der Nähe.
Wegen Rückenschmerzen, die sich in den letzten Tagen verschlechtert hatten und die Mobilität der Patientin deutlich beeinträchtigen, geht die Patientin zu ihrer Hausärztin, die ein Röntgen der Lendenwirbelsäule veranlasst. In diesem Röntgen wird der Verdacht auf eine frische LWK IV Fraktur geäußert und die Hausärztin weist die Patientin mit der Fragestellung des weiteren Procedere und einer allfälligen Miederversorgung in das lokale Krankenhaus ein.
Kapitel 30: Schmerz im Alter
Autoren: Rudolf Likar, Stefan Neuwersch, Markus Köstenberger, Georg Pinter
Klinisch zeigt sich die Patientin in leicht reduzierten AZ, leicht adipös mit einem BMI von 27,5, kardiorespiratorisch kompensiert, periphere Pulse palpabel, Visus beidseits leicht eingeschränkt, Hypakusis, periphere Sensibilitätsstörungen, Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit entlang der gesamten LWS.
Es erfolgt die stationäre Aufnahme und es werden folgende Diagnosen gestellt:
• Frakt. degen. LWK IV
• Frakt. LWK I und III invet.
• Absolute Spinalkanalstenose L1/L4, L5,
• Foramenstenose L1/L2
• Morbus Horton unter laufender Prednisolon-Einnahme
Bei der Aufnahme steht die Patientin unter folgender Therapie:
• Lovenox 40 mg s.c. 1 × täglich
• Pantoloc 40 mg 1 × 1
• Prednisolon 5 mg 2-0-0
• Atacand 8 mg 1 × 1 bei Blutdruck über 150/100
• Nitrolingual Spray 0,4 mg 1-2 Hb bei Blutdruckspitzen
• Thrombo ASS 100 mg 0-1-0
• Lasilacton 20/50 1 × 1
• Euthyrox 50 µg 1 × 1
• Saroten 25 mg 0-0-1
• Magnosolv 1 × 1 Beutel
• Tresleen 50 mg 1 × 1
• Maxikalz D3 1000 mg 1 × 1
• Laevolac 1 El bei Verstopfung
Kapitel 25: Polypharmazie
Autorin: Ingrid Friedl
Stationär wird eine Therapie mit Diclofenac 1 × täglich intravenös und Protelos 2 g 1 × 1 täglich, sowie Oleovit D3 35 gtt pro Woche eingeleitet.
Die Laborwerte zeigen eine geringgradig ausgeprägte normochrome normozytäre Anämie (Hb 11,5 g/dl, HTK 34%, Ery im Normbereich).
Im Differenzialblutbild Neutrophilie 8290/µl, Lymphozyten mit 550/µl vermindert, Natrium mit 129 mmol/l leicht vermindert, die restl. Elektrolyte im Normbereich.
Nierenwerte: Crea 1,13 um 16 mg/dl (GFR nach Cockkroft-Gault: bei 68 kg 40 ml/min.).
Leberwerte und Gerinnung im Normbereich. Albumin 3,5 g/dl (unterer Normbereich).
CRP 1,8 mg/dl.
Eine MRT-Untersuchung wird geplant. Diese wird am zweiten stationären Tag durchgeführt und zeigt eine mehrseitige Fraktur mit frischer Frakturkomponente des 4. LWKs, eine deutliche Erhöhungsminderung sämtlicher LWK insbesondere von LWK I und II im Sinne nicht rezenter Osteofrakturosen. Zusätzlich zeigt sich eine absolute Spinalkanalstenose L1/L2 sowie L4/L5 als auch eine absolute Foramenstenose L1/L2 beidseits.
Die oben beschriebene Osteoporose-Therapie wird eingeleitet.
Des Weiteren erhält die Patientin Novalgin (Metamizol) 3 × 40 gtt täglich.
Unter dieser Schmerztherapie reduziert sich die Schmerzsituation von anfänglich VRS 5 in Ruhe und 6 bei Bewegung auf VRS 2 in Ruhe und 3 bei Bewegung.
Nach fünf Tagen entwickelt die Patientin Atemnot, sodass ein internistischer Konsil durchgeführt wird, welcher eine mäßig ausgeprägte cardiale Dekompensation bei erhöhtem Blutdruck von 190/100 feststellt. Zu diesem Zeitpunkt besteht bei der Patientin ein tachycardes Vorhofflimmern mit einer durchschnittlichen Frequenz von 101/min.
Eine intravenöse Lasix-Therapie (Furosemid) wird empfohlen. Zusätzlich die zusätzliche Gabe von Nomexor 5 mg halbtäglich. Die intravenöse Therapie mit NSAR wird abgesetzt. Lovenox wird auf 2x40mg tgl. gesteigert.
Tags darauf weiterhin Verschlechterung des Allgemeinzustandes, die Patientin ist zyanotisch, zeigt eine Orthopnoe und sättigt mit 96%. Die Herzfrequenz tachycard mit 170/min., im EKG Rechtsschenkelblockbild.
Kapitel 31: Herzinsuffizienz im Alter
Autor: Manfred Wieser
Im klinischen Status zeigt sich die Patientin cardiorespiratorisch dekompensiert, über der Lunge verlängertes Exspirium sowie basal feuchte Rasselgeräusche bds., keine Ödeme, Varicositas bds., der Blutdruck liegt bei 95/60 mmHg.
Mittels CT wird eine Pulmonalembolie ausgeschlossen.
Im Labor zeigt sich zu diesem Zeitpunkt das Blutbild weitgehend unverändert, ebenso die Nierenfunktion. Troponin I mit 0,5 ng/ml deutlich erhöht. BNP mit 2970 ng/l stark erhöht. Natrium 130 mmol/l, Kalium und Magnesium im Normbereich. Die Schilddrüsenwerte im Normbereich.
Die Leberwerte zeigen eine leichte Erhöhung der GOT mit 32 U/l. und der GGT mit 111 U/l.
Die CK liegt im Normbereich.
Die Patientin erhält intravenös Furosemid, zusätzlich wird sie intravenös digitalisiert und es wird eine exakte Flüssigkeitsbilanzierung durchgeführt. Tags darauf wird die Patientin an eine internistische Abteilung überstellt.
Bei der Überstellung auf die Interne Abteilung ist die Patientin cardiorespiratorisch besser kompensiert, weiterhin besteht Vorhofflimmern mit einer Frequenz von ~90/min.
Die oben beschriebene Medikation wurde beibehalten.
Zusätzlich der anfänglich beschriebenen Therapie erhält die Patientin 1 × täglich 40 mg Furosemid i.v. sowie 100 mg Spironolacton i.v. täglich.
Es wird eine Echocardiographie durchgeführt:
Der linke Ventrikel ist konzentrisch hypertrophiert, beide Vorhöfe sind dilatiert, der rechte Ventrikel normal dimensioniert. Die systolische Pumpfunktion ist global erhalten, keine abgrenzbaren regionalen Wandbewegungsstörungen. Die Aortenklappe zeigt ein kombiniertes nicht wirksames Aortenklappenvitium mit einem mittleren Gradienten von gemittelt knapp 30 mmHg mit einer geringgradigen Aorteninsuffizienz. Die errechnete KÖF ergibt 1,1 cm2.
Zudem zeigt sich eine Mitralklappenringverkalkung mit einer mäßigen Mitralklappeninsuffizienz. Leichte Trikuspidalklappeninsuffizienz, mit einer vTI von 3,1 m/s, die Vena cava inferior ist dilatiert und im Sniff-Test vermindert kollabierend. Es errechnet sich ein sPAP von 55-60 mmHg.
Diastolische Dysfunktion mit hohem E und einem E/E’ von 25.
Kein Perikarderguss, als Nebenbefund: Pleurergüsse bds.
In den nächsten Tagen stabilisiert sich der Zustand der Patientin, im EKG wechseln mit Vorhofflimmern und Sinusrhythmus, das Röntgen zeigt Stauungszeichen und Pleuraergüsse beidseits sowie Minderbelüftungen beidseits.
Nach zehn Tagen wird die Patientin an eine Akutgeriatrische Abteilung transferiert.
Aufnahmediagnosen:
• Schwere cardiale Dekompensation
• HFPEF (Heart Failure with Preserved Ejection Fraction)
• Kombiniertes Aortenvitium mit führender nicht wirksamer Aortenklappenstenose
• Pulmonale Hypertonie
• Primäre arterielle Hypertonie
• Paroxysmales, tachykardes Vorhofflimmern
• Osteoporose
• Chronische Niereninsuffizienz III
• Frakt. degen. LWK IV
• Frakt. LWK I und III invet.
• Absolute Spinalkanalstenose L1/L4, L5,
• Foramenstenose L1/L2
• Morbus Horton unter laufender Prednisoloneinnahme
Im Aufnahmestatus zeigt sich die Patientin in reduziertem Allgemeinzustand, adipös, kurzatmig, peripher zyanotisch, der Visus beidseits reduziert, die Herzaktion normofrequent, Systolikum pm. über 2. ICR rechts als auch über der Herzspitze, über der Lunge mittelblasige feuchte RGs beidseits sowie spastische RGs, beidseits perkutorische Dämpfung.
Das Abdomen klinisch unauffällig, indirekte Osteoporosezeichen, sowie Klopfschmerzhaftigkeit über der Lendenwirbelsäule. Laseque negativ. Periphere Pulse palpabel.
Im Aufnahmeassessment werden folgende Befunde erhoben:
• Barthel-Index 45 Punkte (ausgeprägtes Selbsthilfedefizit).
• Timed Up and Go-Test bei Aufnahme nicht möglich.
• Tinetti-Test bei Aufnahme 12 Punkte (höhergradiges Sturzrisiko).
• MMSE 26 von 29 Punkten (leichtgradige kognitive Beeinträchtigung).
• GDS 6 Punkte (leichtgradige Depression).
• Bodymassindex 27.
Kapitel 26: Depression
Autor: Herwig Oberlerchner
Im Labor zu den Vorbefunden BNP mit 3490 ng/l steigend, Hypokaliämie mit 3 mmol/l, Kalzium mit 1,4 mmol/l vermindert. Die Nierenwerte unverändert. Blutbild ausgeglichen.
Medikamentös wird Digitalis, Tresleen, Saroten und Pantoloc abgesetzt, die diuretische Therapie wird von der intravenösen Therapie auf Lasilacton 20/50 1 × täglich umgestellt.
Die Schmerztherapie mit Novlagin wird weitergeführt zusätzlich erhält die Patientin ein Fentanylpflaster 12 µg/h, welches alle drei Tage gewechselt wird. Mehrmals werden Pleurapunktionen durchgeführt.
Die Patientin wird im geriatrischen Team umfassend betreut.
Physiotherapeutisch wird die Patientin einem Dreipunktmieder mobilisiert, benötigt beim Transfer und Lagewechsel leichte Hilfestellung und wird mit dem Vierradrollator 100 m unter Aufsicht mobilisiert.
In der Ergotherapie zeigt sich die Patientin motiviert, die Aktivitäten des täglichen Lebens sind mit Hilfe möglich, es besteht jedoch eine deutlich herabgesetzte Belastbarkeit.
Die Patientin benötigt laufend Sauerstoff, sodass an Hilfsmittel neben dem Rollator ein Sauerstoffkonzentrator verordnet wird.
Eine Sozialberatung wird durchgeführt. Die Patientin wird nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zur Tochter ziehen, sie erhält zur Unterstützung eine private Hilfsperson sowie täglich eine Hauskrankenhilfe, ein Pflegegelderhöhungsantrag wird gestellt.
Kapitel 2: Wohnformen im höheren Lebensalter
Autor: Francois Höpflinger
Im Entlassungsassessment
• hat sich der Barthel-Index auf 70 Punkte erhöht (mäßiggradiges Selbshilfedefizit vorhanden)
• Der Timed Up and Go-Test war weiterhin nicht möglich
• Im Tinetti-Test: 16 Punkte (erhöhtes Sturzrisiko)
Die Patientin wird nach weiteren 14 Tagen von der Akutgeriatrie entlassen, die Schmerztherapie zeigte eine gute Wirkung, die Mobilität wie oben beschrieben mit dem Rollator war wieder gegeben.
Die 86-jährige Patientin lebt seit einem halben Jahr im Pflegeheim. Der Einzug ins Pflegeheim wurde notwendig, weil die betagte, alleinstehende Dame sich selbst nicht mehr ausreichend zuhause versorgen konnte. Seit Jahren leidet sie schon an chronischen Schmerzen aufgrund einer Osteoporose mit ausgeprägten degenerativen Veränderungen an Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenken. Auch ihr Herz bereitet ihr schon seit Jahren Beschwerden: Wegen einer ischämisch bedingten Herzinsuffizienz mit immer häufigeren Dekompensationsepisoden musste sie bereits dreimal in den letzten beiden Jahren akut in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Während ihres letzten Krankenhausaufenthaltes wurde auch eine beginnende Alzheimer-Demenzerkrankung mit bereits mittelgradiger kognitiver Einschränkung diagnostiziert. Aufgrund ihres schlechten körperlichen Gesundheitszustandes, ihrer stark eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit und Mobilität und ihrer zunehmenden Vergesslichkeit, entschied sie sich, den Rat ihres Hausarztes und ihrer Tochter anzunehmen und in ein Pflegeheim einzuziehen.
Kapitel 4: Kognitive, intellektuelle Entwicklung und Veränderung
Autor: Gerald Gatterer
Anfang März trat erneut eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes auf: Die Beinödeme nahmen zu und Frau N. litt unter nächtlicher Luftnot. Ihr Hausarzt wurde daher gerufen, der die Dosis ihrer peroralen Diuretika-Therapie erhöhte. Dennoch verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Frau N. in den nächsten Tagen weiter, sodass sie am 5.3. morgens nicht mehr aus dem Bett mobilisiert werden konnte.
Wieder wurde der Hausarzt gerufen, der die Patientin im Pflegeheim besuchte. Die Patientin wirkte somnolent, zeigte eine brodelnde Atmung und klagte über starke Übelkeit. Sie konnte weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich nehmen. Auch die Einnahme der Medikamente war ihr nicht mehr möglich. Der Hausarzt untersuchte die Patientin und veranlasste die sofortige Krankenhauseinweisung. Auf dem Einweisungsformular notierte er den Einweisungsgrund, die bekannten Diagnosen der Patientin und die zuletzt verordnete medikamentöse Therapie:
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Einweisungsgrund: Kardiale Dekompensation bei chronischer Herzinsuffizienz
Diagnosen:
• Ischämische Kardiomyopathie
• Chronische Niereninsuffizienz
• Demenz vom Alzheimertyp
Medikation:
• Lasix 40 mg 1 – 0 – 0
• Concor 5 mg 1 – 0 – 0
• Lanitop 0,1 mg 1 – 0 – 0
• Thrombo ASS 100 mg 0 – 1 – 0
• Pantoloc 20 mg 1 – 0 – 0
• Maxikalz Vitamin D3 500 mg/400 IE 0 – 1 – 0
• Seropram 20 mg 1 – 0 – 0
• Trittico 75 mg 0 – 0 – 1
• Halcion 0,25 mg 0 – 0 – 0 – 1 bei Bedarf
• Mexalen 500 mg 1 – 1 – 1
• Durogesic 50 µg Pflaster alle 72 Stunden
• Movicol 1 – 0 – 0
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
In der Notfallaufnahme des Krankenhauses werden folgende Befunde erhoben:
Kapitel 16: Geriatrische Notfallmedizin
Autor: Arnulf Isak
Physikalischer Status:
• Patientin in reduziertem AZ und EZ; Bewusstseinszustand somnolent, zeitlich und örtlich desorientiert.
• Cor: Herztöne rein, rhythmisch, 110 / Min.
• Pulmo: feuchte, fein- bis mittelblasige Rasselgeräusche beidseits, abgeschwächtes Atemgeräusch beidseits basal.
• Extremitäten: Ausgeprägte Beinödeme beidseits.
• Blutdruck: 110/85 mm Hg
• Temperatur axillär: 37,1°C
Thorax-Röntgen:
Herzschatten allseits verbreitert, pulmonal deutliche Stauungszeichen, zusätzlich pneumonisches Infiltrat im rechten Lungenunterfeld, Pleuraerguß links 5 cm, rechts 3 cm.
Echokardiographie:
Linksventrikuläre Auswurffraktion 25%
Labor:
• Rotes Blutbild: Normochrom normocytäre Anämie mit Ery 3,75 Mio/ µl, Hb 11,2 g/dl, HKT 30%
• Leukocyten: 12.000 / µl, Neutrophile 70%,
• C-reaktives Protein: 120 mg/l
• Kreatinin 1,3 mg/dl; GFR 30 ml/min
• Elektrolyte: Natrium 125 mmol/l, die übrigen Elektrolyte im Normbereich.
Kapitel 33: Niereninsuffizienz
Autor: Tatjana Wiesinger
Störungen von Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
Autor: Tatjana Wiesinger
Es werden aufgrund der erhobenen Befunde folgende Aufnahmsdiagnosen gestellt:
• Kardiale Dekompensation bei ischämischer Kardiomyopathie
• Pleuraergüsse beidseits
• Hyponatriämie
• Bronchopneumonie rechts
• Opioid-Überdosierung
• Chronische Niereninsuffizienz
• Demenz vom Alzheimertyp
• Harninkontinenz
Die Patientin wird an der Abteilung für Innere Medizin stationär aufgenommen.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Es wird eine parenterale antibiotische Therapie mit Curocef eingeleitet und die diuretische Therapie von peroral auf parenteral umgestellt. Durogesic 50 µg wird aufgrund der Zeichen einer Opioid-Überdosierung entfernt. Eine Thromboseprophylaxe mit einem niedermolekularen Heparin wird eingeleitet.
Am zweiten Tag ihres stationären Aufenthalts wird die Patientin an die Abteilung für Akutgeriatrie überstellt.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Zu diesem Zeitpunkt ist die Patientin wach, jedoch ängstlich-agitiert, zeitlich, örtlich und situativ desorientiert. Sie betont immer wieder, dass man sie endlich nach Hause gehen lassen möge, weil ja ihr Ehemann zuhause warte.
Kapitel 32: Delir
Autor: Thomas Frühwald
Anamnestisch war bekannt, dass der Ehemann von Frau N. bereits vor mehr als zehn Jahren verstorben war. Die Patientin wirkt bedrückt und leidend. Auf die Frage, ob sie an Schmerzen leide, antwortet die Patientin, dass man sie in Ruhe lassen solle.
An der Abteilung für Akutgeriatrie wird aufgrund des nun zusätzlich diagnostizierten deliranten Zustandsbildes der Therapieplan folgendermaßen angepasst:
• Absetzen von Seropram 20 mg 1 – 0 – 0.
• Fortsetzung der antibiotischen Therapie mit Curocef.
• Zusätzlich zur laufenden analgetischen Therapie mit Mexalen wurde eine analgetische Opioid-Therapie mit Hydromorphon retard 2 mg 1 – 0 – 1 eingeleitet und in den folgenden zwei Tagen auf 4 mg 1 – 0 – 1 erhöht.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Unter diesem Therapieregime und allgemeinen Maßnahmen der Delir-Behandlung, wie Schaffung eines ruhigen Umfeldes, zuwendende Betreuung durch den Stationsarzt und konstant zugeteilte Pflegepersonen klang die Delir-Symptomatik in den folgenden 14 Tagen wieder ab.
Am 12. Tag des stationären Aufenthalts war die Delir-Symptomatik so weit gebessert, dass ein geriatrisches Funktionsassessment durchgeführt werden konnte, das folgende Evaluierungsergebnisse ergab:
• Barthelindex 40 Punkte (max. 100 Punkte)
• Timed get up and go-Test: 30 Sekunden
• Esslinger Transfer Skala: H2 – geschulte Laienhilfe beim Transfer notwendig.
• Mini Nutritional Assessment: 7 Punkte – Mangelernährungsrisiko
• Mini Mental State Evaluation: 14 Punkte
Kapitel 23: Ernährung im Alter
Autoren: E. Kiesewetter, Cornel C Sieber
Kapitel 24: Die Rolle des Ernährungsteams im Krankenhaus
Autorin: Barbara Hoffmann
Gleichzeitig kam es zu einer deutlichen Besserung der Herzinsuffizienz-Symptomatik und zu einer Normalisierung der Labor-Entzündungsparameter.
Kapitel 6: Kommunikation und respektvoller Umgang mit älteren Menschen
Autorin: Marina Kojer
Mit Beginn des stationären Aufenthaltes an der Abteilung für Akutgeriatrie wurden remobilisierende therapeutische Maßnahmen durch Physiotherapeutinnen und Ergotherapeutinnen in einer an die Kooperationsfähigkeiten der Patientin angepassten Weise durchgeführt. So konnte die Patientin am Ende ihres Aufenthaltes an der Akutgeriatrie auch wieder mit ihrem Rollator mehrere Ganglängen selbständig auf- und abgehen.
Kapitel 19: Teamarbeit in der Geriatrie
Autoren: Brigitte Hermann, Walter Schippinger
Am Tag 25 des stationären Aufenthaltes wurde ein abschließendes geriatrisches Assessment durchgeführt, welches nun folgende Ergebnisse zeigte:
• Barthelindex 60 Punkte
• Timed get up and go-Test 25 Sekunden
• Esslinger Transfer Skala H1 – spontane Laienhilfe ausreichend
Frau N. konnte nun wieder in das Pflegeheim, in dem sie wohnte, entlassen werden.
Folgende Therapieempfehlungen und Entlassungsdiagnosen wurden im Arztbrief festgehalten:
Medikation:
• Lasix 40 mg 1 – 0 – 0
• Concor 5 mg 1 – 0 – 0
• Lisinopril 10 mg 1 – 0 – 0
• Thrombo ASS 100 mg 0 – 1 – 0
• Pantoloc 20 mg 1 – 0 – 0
• Maxikalz Vitamin D3 500 mg/400 IE 1 – 0 – 0
• Oleovit D3 Tropfen 20 gtt (= 8.000 IE) 1 × pro Woche
• Halcion 0,25 mg 0 – 0 – 0 – 1 bei Bedarf
• Mexalen 500 mg 1 – 1 – 1
• Hydal ret. 4 mg 1 – 0 – 1
• Hydal 1,3 mg bei starken Schmerzen alle 6 Stunden
• Movicol 1 – 0 – 0
• Prolia 60 mg s.c. alle 6 Monate
Entlassungsdiagnosen:
• Herzinsuffizienz bei ischämischer Kardiomyopathie
• Pleuraerguss beidseits
• Delir
• Frailty-Syndrom
• Chronische Niereninsuffizienz kompensiert
• Demenz vom Alzheimertyp
• Osteoporose
• Spinalkanalstenose in Höhe L 2-3
• Gonarthrose li > re
• Coxarthrose beidseits
• Chronisches Schmerzsyndrom
Kapitel 21: Frailty
Autor: Walter Schippinger
Irrtümlicherweise wird die Geriatrie immer noch mit Institutionen der geriatrischen Langzeitpflege und Pflegeheimen assoziiert, jedoch bietet die moderne Geriatrie, welche auch am Akutversorgungssektor des Gesundheitssystems ihren fixen Platz hat, die Möglichkeit, entsprechend auf den – leider als Bedrohung präsentierten – demografischen Trend zu antworten und den älteren Menschen eine hohe Lebensqualität im Alter zu ermöglichen. Es ist mittlerweile erwiesen, dass spezialisierte geriatrische Strukturen im Akutkrankenhaus als eigene Abteilungen bzw. Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation den bereits durch Hospitalisierung bedingten zusätzlichen Funktionsverlust hinsichtlich der Aktivitäten des täglichen Lebens bei älteren Patienten eher minimieren können, als bestehende konventionelle Krankenhausstrukturen (Frühwald 2007).
Akutgeriatrien sind in der Behandlung multimorbider Patienten anderen Abteilungen überlegen
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz spielt die Geriatrie im Bereich der akademischen Forschung und Lehre bislang eine eher geringe Rolle. Begründet wird dieses verhältnismäßige Mauerblümchendasein gegenüber den blühenden Spezialdisziplinen, obwohl die Patientenzahlen offensichtlich eine andere Sprache sprechen, durch die Medizingeschichte. Spezialisierte Disziplinen begründen und rechtfertigen ihre Identität vor allem mit den zur Lösung der Fragen und Aufgaben angewandten Methoden und spezifischen Kompetenzen, als auch mit dem Forschungsgegenstand und Inhalt.
Heutzutage wird festgestellt, dass für die aktuellen Problemlösungen vor allem interdisziplinäre Ansätze, wie sie die Geriatrie bereits aus der Natur der Aufgaben heraus kennt, vielleicht deshalb mehr Anerkennung erfahren. Bedauerlicherweise haben die traditionellen medizinischen Disziplinen mit ihrem über weite Strecken höchst erfolgreichen reduktionistischen Wissenschaftsverhältnis die Entwicklung der Geriatrie mit dem Hinweis auf das Fehlen von geriatriespezifischen Methoden blockiert. Nunmehr ergibt sich die Situation, dass ein wachsender Bedarf an Geriatriekompetenz erkannt wird, jedoch besteht ein Mangel an medizinisch geriatrisch qualifizierten Personen zur Erfüllung der Aufgaben in Lehre und Forschung, sowie für die Weiterentwicklung der Versorgungskonzepte (Stähelin 2005).
Mangel an geriatrisch qualifizierten Personen zur Weiterentwicklung der Versorgungskonzepte
Aus folgenden Gründen ist eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Betreuung von geriatrischen Patienten in den bestehenden Fachabteilungen der stationären Akutversorgung nicht möglich:
In der Akutversorgung ist das Leistungsangebot auf ein singuläres Krankheitsgeschehen ausgerichtet und der rehabilitative Schwerpunkt steht nicht im Vordergrund. Dadurch können die Chancen für geriatrische Patienten auf Erhaltung und Wiederherstellung ihrer Selbstständigkeit nicht gesucht und gezielt genützt werden.
Akutabteilungen sind in zunehmendem Ausmaße spezialisiert. Auch im Bereich der Inneren Medizin sind immer weniger allgemeine Abteilungen vorhanden, wobei die Spezialisierung sich an Organsysteme richtet und somit von vornherein nicht das gesamte multimorbide Geschehen betrachtet wird. Konkret bedeutet dies, dass geriatrische Abteilungen nach der Überstellung von Patienten einerseits mit unentdeckten bzw. unbehandelten Erkrankungen konfrontiert sind.
Für den geriatrischen Patienten ist andererseits eine Akutabteilung mit einem spezialisierten Leistungsangebot für die gesamte Dauer des Aufenthaltes nicht erforderlich, da diese durchaus auch in einer Überversorgung münden kann, insbesondere dann, wenn das gesamte diagnostische und therapeutische Instrumentarium angewandt wird (Polypharmazie, überbordende Diagnostik mit fehlenden therapeutischen Konsequenzen, …).
Einem vermehrten Betreuungsaufwand, welcher für geriatrische Patienten anfällt (z. B. durch Immobilität, Inkontinenz, Schwierigkeiten in der Adaption an die fremde Umgebung und Kommunikation, …) stehen oft zu wenig entsprechende Ressourcen auf Akutabteilungen gegenüber. Daraus resultierend kann es zu einer Vernachlässigung jener Bedürfnisse kommen (Mobilisierung, Inkontinenztraining, basale Stimulation, Validation, …), die aber im Stationsalltag wichtig und notwendig sind.
Die Vorgaben auf den Akutabteilungen (oft getrieben durch Finanzierungsmodelle) gehen massiv in die Richtung der Verweildauerverkürzungen. Geriatrische Patienten benötigen für ihre Behandlung und Wiederherstellung jedoch mehr Zeit als jüngere Menschen. Die Folge aus zu frühen Entlassungen manifestiert sich im »Drehtüreffekt«, es kommt also zu einer raschen Wiederaufnahme.
Abschließend fehlt es schlichtweg in den Akutabteilungen an geriatrischem Fachwissen (Schaffenberger, Nemeth, Pochobradsky 2003).
Abteilungen, wie auch Departments des Fachbereiches Akutgeriatrie und Remobilisation sind eigenständige und fachübergreifende Organisationseinheiten und vor allem durch ein geriatrisches, interdisziplinäres Team charakterisiert, wobei die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärversorgung vorgenommen wird. Das Behandlungs- und Betreuungsangebot, das somatische, psychische und soziale Aspekte der Erkrankung gleichermaßen berücksichtigt, ist multidimensional (Schaffenberger, Nemeth, Pochobradsky 2003).
Das Behandlungskonzept der Akutgeriatrie ist multidimensional
Primärversorgung ist die akutgeriatrische Behandlung und damit die direkte Aufnahme, entweder von zuhause aus oder von anderen stationären Pflegeeinrichtungen. Ziel ist die Stabilisierung des aktuellen Geschehens, sowie die Vorbereitung des Patienten auf die Durchführung des geriatrischen Assessments und die Phase der geriatrischen Rehabilitation. Bei der geriatrischen Rehabilitation ist das Ziel die Wiederherstellung funktioneller Fähigkeiten zur Reintegration in den eigenen Haushalt, hierbei handelt es sich vorwiegend um Sekundärmaßnahmen. Eine Trennung zwischen Akutbehandlung (Primärversorgung) und geriatrischer Rehabilitation (Sekundärversorgung) verläuft nicht immer eindeutig, da auf der einen Seite Akutpatienten Frührehabilitation, und auf der anderen Seite Patienten in der Phase der Rehabilitation oftmals akut gefährdet sind, d. h. es gibt hohe Komplikationsraten (Böhmer 2003).
Akutgeriatrie meint kein Pflegeheim oder Langzeitpflegeeinrichtung
Neben den zahlreichen Begriffen zur Versorgungsforschung (Schwarz, Busse 1998; Badura et. al. 2001; Lohr, Steinwachs 2002) lautet die einfachste Definition, erstellt vom Arbeitskreis Versorgungsforschung beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer in Deutschland:
»Versorgungsforschung ist die wissenschaftliche Untersuchung der Versorgung von Einzelnen und der Bevölkerung mit gesundheitsrelevanten Produkten und Dienstleistungen unter Alltagsbedingungen« (Arbeitskreis 2004).
Zielsetzung der Versorgungsforschung ist die fortlaufende Verbesserung der Kranken- und Gesundheitsversorgung. Das Leitbild der Versorgungsforschung ist das »lernende Versorgungssystem.« Die Gesundheits- und Krankenversorgung soll durch die Implementierung geeigneter Lernstrukturen und -prozesse in die Lage versetzt werden, die Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Patientenorientierung, Qualität und Wirtschaftlichkeit kontinuierlich zu verbessern.
Gegenüber vielen anderen Teildisziplinen war und ist die Forschung in der Geriatrie überwiegend anwendungsbezogen.
Die Begründung hierfür ist, dass der geriatrische Patient, welcher sich, wie bereits dargestellt, vor allem durch ein multimorbides Krankheitsbild auszeichnet. Ein weiterer Grund ist auch die Komplexität der Versorgung, da fast immer ein kausal zu erklärendes Zusammenspiel medizinischer, psychischer und sozialer Probleme vorhanden ist.
Dies verdeutlicht wiederum, warum gerade in der Altersmedizin der Begriff der Versorgung zum Standardvokabular zählt und die Versorgungsforschung in der Geriatrie eine lange Tradition innehat und eine der wesentlichen wissenschaftlichen Grundlagen bildet.
Diesbezüglich liegen Schwerpunkte vor allem im Bereich der von alterstypischen Problemkonstellationen (z. B. Multimorbidität) und der klassische Versorgungsforschung, die sich den Problemen und Herausforderungen in der Versorgung von Menschen in der selbständigen Lebensführung widmet (z. B. Übergang in das Altersheim).
Wie bereits erwähnt, besteht eine Problematik darin, dass ältere Patienten oft von Studienprotokollen ausgeschlossen werden und somit die vorliegende Evidenz hinsichtlich Diagnostik und Therapie unvollständig ist.
Ältere Menschen sind oft von Interventionsstudien ausgeschlossen
Aus diesem Grund ist die Geriatrie immer wieder gezwungen, Studienresultate pragmatisch für ihre Patienten zu generalisieren und häufig mit anderen Endpunkten in Beziehung zu setzten. Die Tendenz zeigt, dass sich die Situation für den geriatrischen Bereich erfreulicherweise bessert. Es werden mittlerweile in zunehmenden Maße klassische randomisierte klinische Studien auch mit älteren Patienten durchgeführt (z. B. für Hypertonie oder Osteoporose) (Pfaff, Janßen, Pientka 2007).
Die Gründe hierfür liegen einerseits in der demografischen Entwicklung der Bevölkerung, verbunden mit einer Zunahme chronischer Erkrankungen, andererseits zeigt sich, dass Studien zu neuen Medikamenten, die oft Mortalitätssenkung als primären Endpunkt hatten, nunmehr zunehmend andere Endpunkte wie die Aufnahme in das Krankenhaus oder die Lebensqualität im primären Fokus haben.
Es wird somit in der Festlegung der Endpunkte, wie auch im Design neuer Studien deutlich, dass zusätzlich zur Überprüfung neuer Therapien auch zunehmend die Umsetzungsorganisation bereits bestehender Evidenz wissenschaftlich untersucht wird.
Versorgungsforschung in der Geriatrie wird aufgrund der weiteren demografischen Entwicklung zunehmen, jedoch wird der Bereich der Geriatrie vor die Herausforderung gestellt, seine Ansätze zunehmend einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen. Beispiele wie die Durchführung von präventiven Hausbesuchen (Morf 2002), Rehabilitationen nach Schenkelhalsfrakturen oder auch die Behandlung onkologisch erkrankter alter Patienten zeigen, dass auch in der Geriatrie klassische erfahrungsbasierte Behandlungsstandards in wissenschaftlichen Studien ihren Nutzen oft nicht sofort nachweisen können.
In Bezug auf die besondere Situation ältere Menschen wird es in Zukunft darauf ankommen, dass auch komplexe Therapie- und Versorgungsentscheidungen einer wissenschaftlichen Evaluation zugänglich sind, insbesondere in der Anwendung von altersangemessenen Forschungsmethoden mit dem Ziel valide und reliable Ergebnisse zu erhalten, um zur Versorgungsqualität älterer Menschen beizutragen (Pfaff, Janßen, Pientka 2007).
Das bestehende Phänomen der Über- bzw. Unterversorgung von älteren Menschen ist vor allem in der Verfügbarkeit von Strukturen begründet. So zeigt die Erfahrung, dass oftmals gerade die höchste Versorgungsstufe, wie zum Beispiel eine Zentrale Notfallaufnahme, zu einer Unterversorgung führen kann, da beispielsweise der nicht hochakute und nicht direkt lebensbedrohte Patient hierbei mit einem Umfeld konfrontiert wird, welches nicht adäquat auf die spezifische Problemstellung eingeht. Aktuell sind die wenigsten Akuteinrichtungen (Erstaufnahmen, Notaufnahmen, etc.) auf die Bedürfnisse von älteren Menschen ausgerichtet.
Die Behandlung von komplex kranken älteren Patienten (mit Immobilisationssyndrom, kognitiven Defiziten, sozialer Unterversorgung, …) in der Notaufnahme verlangsamt dieses auf Geschwindigkeit und Effizienz ausgelegte Hochleistungssystem und macht es ineffizient (Salvi et al. 2008).
Ärzte und Mitarbeiter aus der Pflege sind beim Umgang mit dieser Patientengruppe durch viele Faktoren be- und auch überlastet. Komplex kranke Patienten präsentieren sich sehr oft mit untypischen und wenig ausgeprägten klinischen Symptomen und haben multiple Komorbiditäten, sodass eine rasche und differenzierte Diagnostik schwierig oder gar unmöglich ist (Hwang et al 2007).
Die Versorgung und Betreuung der geriatrischen Patienten erfordert neue und innovative Konzepte (Pinter et al 2013).
Die Betreuung des geriatrischen Patienten erfordert neue und innovative Konzepte
Verschiedene Studien und Projekte zeigen, dass Patienten sehr gut und oftmals besser in deren gewohnter Umgebung, ohne diese zu hospitalisieren, versorgt werden können (Kada et al 2011).
Teils sind hier bereits die Rahmenbedingungen gegeben, teils sind hierbei aber noch Voraussetzungen des Gesetzgebers und der Trägerinstitutionen zu schaffen. Einige Beispiele sind:
• Wechsel des Dauerkatethers durch die Pflege im Pflegeheim (Kada 2011)
• Möglichkeit der Verabreichung von Infusionen durch die Pflege Zuhause bzw. im Pflegeheim
• Möglichkeit des Anlegens eines Notfallmedikamentendepots im Pflegeheim
• Heimarztmodell in Pflegeheimen
• Spezialambulanzen für Schmerzmanagement und Wundmanagement
• GEDI – geriatric emergency department innovations (Hwang 2007)
• Erstellung von Behandlungspfaden für den geriatrischen Patienten im Akutspital
• Delirprophylaxe
• …
Die jeweilige Struktur der abgestuften Versorgung richtet sich nach regionalen Gegebenheiten, wobei jede Region ihr eigenes Modell diesbezüglich entwickeln und kommunizieren kann, sodass Patientenströme dem Leistungsangebot folgen und nicht im umgekehrten Sinne einer angebotsinduzierte Nachfrage (Oliver et al 2014). Hierfür sind übergeordnete Schnittstellenvereinbarungen insbesondere zwischen dem intramuralen und extramuralen Bereich notwendig, begleitet von den entsprechenden Kommunikationsmaßnahmen. Hierbei gilt aus die Formel aus der Strategielehre: »structure follows strategy«.
Leslie S. Libow, Inhaber des ersten Lehrstuhls für Geriatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York, tätigte die Aussage: »Für unser Gesellschaft wäre es selbstzerstörerisch, würde sie die Entwicklung der Geriatrie nicht fördern«. Wollen wir für ältere Menschen ein Gesundheitssystem schaffen, das einerseits ökonomisch (cost-effective), andererseits aber vor allem auch menschlich (human-effective) ist, dann muss man auf eine gesunde Entwicklung der Geriatrie achten (Frühwald 2007).
Ula Hwang zum Thema Akutgeriatrie in der Notaufnahme: »There’s going to be some pushback, and there’s going to be some skepticism – ›Why is this needed? What’s the point of this? Is this cost-saving or not?‹« sagt sie. Und dann:. »I would say whether they like it or not, this is the way things are going to be going.« (New York Times 2011)
• Worin besteht der Vorteil der Behandlung von geriatrischen Patienten an einer Akutgeriatrie?
• Gibt es Hinweise auf Über- Fehl- und Unterversorgung von multimorbiden Patienten?
• Was sind Ziele und Inhalte der Versorgungsforschung?
• Was ist ein abgestuftes Versorgungsmodell?
Arbeitskreis Versorgungsforschung beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer (2004) Definition und Abgrenzung der Versorgungsforschung, S. 1 – 5, unter: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Definition.pdf; Zugriff 19. Januar 2016
Badura B, Schaeffer D, von Troschke J (2001) Versorgungsforschung in Deutschland – Fragestellung und Förderbedarf – Issues in Health Service Research; S. 294 – 311 in: Zeitschrift für Gesundheitswissenschaften; Jg. 9; Nr. 4;
Böhmer F (2003) Grundbegriffe der Geriatrie in Böhmer F, Rhomberg HP, Weber E (Hrsg) Grundlagen der Geriatrie; Verlagshaus der Ärzte; 1. Aufl. S. 11–19
Frühwald T (2007) Menschenrecht auf Geriatrie; ÖKZ 48 (10): 46
Hwang U, Morrison SR (2007) The Geriatric Emergency Department. JAGS; 55(1): 1873–1876
Kada O, Brunner E, Likar R, Pinter G, Leutgeb I, Francisci N, Pfeiffer B, Janig H (2011) Vom Pflegeheim ins Krankenhaus und wieder zurück… Eine multimethodale Analyse von Krankenhaustransporten aus Alten- und Pflegeheimen. Zeitschrift für Evidenz Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen 105(10):714-722.
Lohr KN, Steinwachs DM (2002) An Evolving Definition of the Research. Health Service Research; 37: 7-15
Morf U (2002) Der glückliche Hausarzt. Primary Care; Nr. 2: 410–412
Oliver D, Foot C, Humphries R (2014) Making our health and care systems fit for an ageing population: http://www.kingsfund.org.uk/sites/files/kf/field/field_publication_file/making-health-care-systems-fit-ageing-population-oliver-foot-humphries-mar14.pdf; Zugriff am 20. Januar 2016
Pfaff H, Janßen C., Pientka L (2007) Versorgungsforschung und Geriatrie. Zeitschrift für Ärztliche Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen; 101(9): 583-586.
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Salvi F, Morichi V, Grilli A, Giorgi R, Spazzafumo L, de Tommaso G, Rappelli A, Dessi-Fulgheri P (2008) A Geriatric Emergency Service for Acutely Ill Elderly Patients: Pattern of Use and Comparison with a Conventional Emergency Department in Italy: J Am Geriatr Soc;56: 2131–2138
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The New York Times (March 14, 2011) Emergency Rooms Built With the Elderly in Mind
In der nachberuflichen Lebensphase wird die Wohnung für die allermeisten Menschen zum eigentlichen Lebensmittelpunkt. Entsprechend sind hohe Wohnqualität und selbständiges Wohnen zentrale Pfeiler einer guten Lebensqualität im Alter. Eine gut eingerichtete Wohnung und eine anregende Wohnumgebung erhöhen Wohlbefinden, Sicherheit und Aktivitätsradius älterer und alter Menschen. Lebenszyklische Veränderungen (Auszug der Kinder, Tod eines Lebenspartners, einer Lebenspartnerin) führen zu einer Verringerung der Haushaltsgröße und Alleinleben – speziell bei Frauen – ist häufig. Aufgrund altersbezogener körperlicher Beschwerden und funktionaler Einschränkungen sind alte Menschen vermehrt auf eine hindernisfreie Wohnung und sozial unterstützende Wohnumgebung angewiesen. Bei starker Hilfe- und Pflegebedürftigkeit kann ein Wechsel in eine pflegerisch betreute oder stationäre Alterswohnform notwendig werden.
Eine Passung zwischen den individuellen Bedürfnissen und den räumlichen, technischen und sozialen Wohnfaktoren ist im Alter ein entscheidender Faktor für hohe Lebens- und Wohnzufriedenheit. Umgekehrt führt eine fehlende Person-Umwelt-Übereinstimmung im Alter rasch zu alltäglichen Einschränkungen und Belastungen (Mollenkopf et al. 2007). Beim Auftreten funktionaler, sensorischer und kognitiver Einschränkungen können objektiv gesehen kleine Wohnärgernisse (enge Türen, hohe Schwellen, steiler Zugang) zu unüberwindbaren Hindernissen werden.
Im Alter können schon kleine Wohnhindernisse unüberwindbar werden
Werden Fragen des Wohnens im Alter diskutiert und analysiert, sind drei zentrale gerontologische Grundsätze zu berücksichtigen (Höpflinger 2014):
Erstens unterliegen Alternsprozesse einer hohen interindividuellen Heterogenität, namentlich in individualisierten Gesellschaften mit ausgebautem Gesundheitssystem. Einerseits zeigen sich bei chronologisch gleichaltrigen Frauen und Männer deutliche Unterschiede der subjektiven Alterseinschätzung, der körperlichen Befindlichkeit und der Häufigkeit und Schwere funktionaler Einschränkungen. Gesellschaftliche Individualisierungs- und Pluralisierungstrends sind auch im Alter bedeutsam (Motel-Klingebiel et al. 2010). Andererseits trägt die Ausweitung gesunder Lebensjahre über die Pensionierungsgrenze hinaus zur Ausdifferenzierung unterschiedlicher Altersphasen, etwa in eine Differenzierung zwischen einem dritten Lebensalter und einem vierten Lebensalter. Dies wird dadurch verstärkt, dass vermehrt kompetenzorientierte Modelle des Alterns betont werden und die späteren Lebensphasen aktiver gestaltet werden als dies früher der Fall war (Kolland, Wanka 2014). Da Alternsprozesse nicht standardisiert verlaufen, sind Begriffe wie ›altersgerechte Wohnung‹ mit Zurückhaltung zu benutzen. Eine altersadäquate Wohnung kann je nach Verlauf des Alterns unterschiedliche Faktoren einschließen.
Hohe Heterogenität von Alternsprozessen
