Der andere Ich - Jürgen Vogel - E-Book

Der andere Ich E-Book

Jürgen Vogel

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Beschreibung

David begibt sich auf eine Reise nach Barcelona, wo er zufällig Silvia begegnet, deren Mann Philippe ein Jahr zuvor verstorben war. Philippe und David sind äußerlich Doppelgänger. David ist fasziniert von der Vorstellung des anderen Ichs und dessen früherem Leben. Silvia und ihre Familie hingegen wissen zunächst nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, begeben sie sich doch fortlaufend durch ein Wechselbad an Emotionen. Dennoch können sie nicht davon ablassen, David immer wieder zu treffen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Das Buch:

David begibt sich auf eine Reise nach Barcelona, wo er zufällig Silvia begegnet, deren Mann Philippe ein Jahr zuvor verstorben war. Philippe und David sind äußerlich Doppelgänger. David ist fasziniert von der Vorstellung des anderen Ichs und dessen früheren Leben. Silvia und ihre Familie hingegen wissen zunächst nicht wie sie mit der Situation umgehen sollen, begeben sie sich doch fortlaufend durch ein Wechselbad an Emotionen. Dennoch können sie nicht davon ablassen, David immer wieder zu treffen.

 

Der Autor:

Jürgen Vogel, geboren 1967 in Merzig, wuchs unter anderem in Spanien, Australien und Südostasien auf. Als aufmerksamer und sensibler Beobachter sammelte er im Laufe der Jahre zahlreiche Geschichten und Erfahrungen, die er heute mit seinen Lesern teilen möchte. Seit den 90er-Jahren lebt und arbeitet der Autor im Rheinland.

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Vogel

 

Der andere Ich

 

Verwirrungen in Barcelona

 

 

Roman

 

 

 

 

Tolino-Ausgabe 2016

 

© 2014 Jürgen Vogel

Schloßstraße 64, D-53773 Hennef

 

Umschlag: Jürgen Vogel

 

 

Auch als Taschenbuch erhältlich:

ISBN Paperback: 978-3-7323-1131-6

 

 

www.derandereich.de

 

 

 

 

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

 

< 1 >

 

 

 

»Ich will eine Katze.«

»Ich will einen Hund.«

So ging es wieder einmal hin und her zwischen Marcus und mir, während im Fernsehen gerade Sam, ein nicht mehr ganz junger und leicht übergewichtiger Kater, vorgestellt wurde.

Es war an dem Abend, bevor ich nach Barcelona flog, um gemeinsam und in Ruhe mit Jonas an einem neuen Auftrag zu arbeiten. Jonas hatte ich vor etwa fünfzehn Jahren kennengelernt. Letztlich war er der Auslöser für meinen Sprung in die berufliche Selbstständigkeit. Anfangs arbeiteten wir grundsätzlich zusammen. Auch wenn das inzwischen nicht mehr so war und er mittlerweile in Barcelona lebte, führten wir hin und wieder ein Projekt gemeinsam durch oder unterstützten uns zumindest gegenseitig.

Marcus und ich saßen vor dem Fernseher und schauten uns eine Sendung an, bei der Tiere, überwiegend natürlich Katzen und Hunde, aus den verschiedensten Tierheimen vermittelt wurden. Schon seit vielen Jahren gehörte diese Sendung zu einem regelrechten Ritual am Sonntagabend.

Ich stellte mir gerade vor, wie der grau getigerte Sam, der im Fernsehen so aussah, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun, Marcus’ Wohnung derangierte, während dieser seinen täglichen Verpflichtungen im Beruf nachkam. Die Tierheimleiterin meinte auch so etwas wie, dass man sich in Sam bitte nicht täuschen solle. Er könne wesentlicher agiler sein, als er hier momentan wirke, und benötige unbedingt ein Zuhause, in dem ihm ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt würde. Die Moderatorin versuchte, hier ein wenig beschwichtigend einzugreifen, indem sie dem Kater dafür einen zärtlichen, ja regelrecht Liebe suchenden Charakter zusprach. Als hätte Sam dies als einen Wink dahin gehend verstanden, dass es genau jetzt auf sein bestes Benehmen ankam, rollte er sich schnurrend zur Seite und ließ die zärtlichen Berührungen der in die Kamera lächelnden Frau scheinbar wohlwollend über sich ergehen.

So kam Sam natürlich ebenfalls nicht infrage. Die gegenseitigen Fragestellungen und Feststellungen hinsichtlich unserer jeweiligen Präferenzen bei der Auswahl eines in den Haushalt aufzunehmenden Tieres waren ohnehin nie wirklich ernst gemeint. Sicherlich hätte ich gerne einmal wieder einen Hund, so wie ich es aus meiner Kindheit gewohnt war, und gewiss auch hätte Marcus gerne eine Katze an seiner Seite, er war eben mit einer solchen aufgewachsen. Doch wir waren uns beide darüber einig, dass wir die damit verbundene Verantwortung erst dann übernehmen wollten, wenn wir tatsächlich ausreichend Zeit für einen tierischen Mitbewohner besaßen, egal ob Katze oder Hund.

Marcus machte sich auf, die leeren Kartons unserer aus Lieferpizza bestehenden Mahlzeit zu entsorgen. Bislang standen diese noch zwischen uns auf dem Tisch und boten wahrlich keinen erfreulichen Anblick. Außerdem roch es wie in der Pizzeria selbst, aus der ich zuvor die italienischen Köstlichkeiten für den Abend mitgebracht hatte.

Hierbei hatte ich bereits das Glück aufzufallen, jedoch leider eher im peinlichen Sinn. Weder Marcus noch ich verspürten Lust zu kochen, weshalb ich vorgeschlagen hatte, etwas Fertiges mitzubringen. Ich begab mich dafür zu einem Italiener, der auf dem Weg zu Marcus lag. Dort wählte ich zwei Pizzen aus und einen großen gemischten Salat. Da ich nicht viel Bargeld dabei hatte, aber unbedingt noch Wein mitnehmen wollte, rutschte es einfach so aus mir heraus: »Dazu hätte ich gerne noch einen billigen Rotwein.«

Dass meine Betonung auf billig lag, war leider so offensichtlich, dass ich das Gefühl hatte, jeder in der Gaststätte Anwesende starrte mich und mein Gegenüber plötzlich an und wartete ab, wie der junge Mann hinter der Ladentheke hierauf reagieren würde. Dieser reagierte zu meinem Glück mehr als souverän. Er griff nach einer Flasche in einem Regal hinter sich und überreichte sie mir mit den Worten: »Hier bitte, die ist besonders günstig, die gibt es heute umsonst dazu.«

Das ganze Lokal lachte und der freundliche Pizzabäcker zwinkerte mir noch wohlwollend zu, bevor er sich wieder an seine Arbeit begab.

Der Wein war zwar grauenhaft, nachdem ich Marcus aber die kleine Geschichte erzählt hatte, schmeckte er uns dennoch hervorragend.

< 2 >

 

Der Flug war unproblematisch, ebenso die Gepäckausgabe, sodass ich mich gefühlt bereits im Flughafenbus in Richtung Innenstadt befand, kaum dass ich vom heimatlichen Flughafen abgehoben hatte. Meinem Aufenthalt in Barcelona sah ich entspannt entgegen. Da ich schon einmal mit Marcus für eine ganze Woche hier gewesen war, fühlte ich mich nicht sehr fremd.

An der Placa de Catalunya und somit im Herzen der Stadt angekommen, machte ich mich zu Fuß über eine in Richtung Eixample führende Straße auf. Aus irgendeinem Grund konnte ich mir den Namen dieser Straße einfach nie merken. Ich erkannte sie aber immer direkt wieder, da sie im Gegensatz zu der Straße, die davor in die gleiche Richtung verlief, im geraden Winkel vom Passeig de Gracia abging. Auch war es hier, obwohl sich in der Straße ebenfalls Geschäfte und Restaurants befanden, weniger geschäftig. Man konnte die Straße stets zügig durchlaufen, was meiner Art sehr entgegenkam.

Eixample, die einstige Stadterweiterung vom Reißbrett, war mittlerweile beinahe mittig in der Stadt gelegen. Die quadratischen Blocks mit ihren abgeschrägten Ecken, die einheitliche Breite der Straßen und Höhe der Gebäude sowie die allgemeine Homogenität des Gesamtbildes zeigten noch immer deutlich die Charakteristik der Planstadt. Deren Konzept und erste Umsetzung stammten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Straße, deren Namen mir immerzu nicht einfallen wollte, folgte ich bis zur Carrer Napols, wo sich mein Zuhause für die nächsten beiden Wochen befinden würde. Ich konnte bei Jonas und dessen neuer Freundin wohnen. Ich hatte zuvor angeboten, in einem Appartementhotel in direkter Nähe unterzukommen, das ich von meinem damaligen Besuch her kannte. Jonas bestand aber darauf, dass ich bei ihm wohnen sollte, was ich dann gerne auch annahm, zumal ich ihn schon länger nicht mehr persönlich gesehen hatte. Außerdem war ich gespannt, wie er so in Barcelona lebte und zurechtkam.

Der Fußweg dauerte etwa zwanzig Minuten. Da das Wetter sehr angenehm war, stellte er, trotz des in Anbetracht des etwas längeren Aufenthalts recht schweren Koffers, keinerlei Strapaze dar.

Die angegebene Adresse fand ich auf Anhieb. Da Jonas und seine Freundin nicht da sein würden, benötigte ich zum Öffnen der Haustüre einen Code, den ich über eine Tastatur eingab. Mir war bereits seinerzeit aufgefallen, dass hier viele Eingänge derart gesichert wurden. Für die Tür zur Wohnung hatte ich einen weiteren Code erhalten und schon befand ich mich in einer großzügigen, hellen Wohnung mit angenehm hohen Decken. Ich trat unmittelbar in einen Flur, von dem alle Zimmer abzugehen schienen. Zwei Türen waren geschlossen, während die übrigen offen standen, sodass ich, direkt vor mir liegend, in den Arbeitsraum sehen konnte. Dieser mutete bereits auf den ersten Blick, was ich bei Jonas auch nicht anders erwartet hatte, technisch bestens ausgerüstet an. Links vom Arbeitszimmer befand sich eine der verschlossenen Türen, hinter der ich ein Gäste-WC oder eine Abstellkammer vermutete, weil neben diesem offensichtlich kleinen Raum das Wohnzimmer lag, zu dem die Tür wiederum offen stand. Ich betrat das sehr große Zimmer, welches, mittels einer gemauerten Theke abgegrenzt, auch die Küche beherbergte.

Wie abgesprochen, fand ich hier eine Nachricht von Jonas, der ich noch einmal entnahm, dass es ihm leidtat, dass er mich nicht vom Flughafen abholen konnte. Außerdem erfuhr ich, dass mein Zimmer, das Gästezimmer, der Raum direkt neben der Eingangstüre war. Schließlich enthielt die Notiz noch Zugangsdaten für das Internet sowie den Hinweis, dass wir am Abend gemeinsam essen gehen würden. Er habe in der Nähe einen Tisch für halb acht bestellt, sodass wir uns spätestens um sieben in der Wohnung treffen sollten.

Neugierig suchte ich mein Zimmer auf, neben dem sich das Bad befand, während gegenüber diesem offensichtlich das eigentliche Schlafzimmer lag. Mich wunderte zunächst, warum Jonas nicht das Gästezimmer als Schlafraum gewählt hatte, da dieses nach hinten lag und sogar über einen kleinen Balkon verfügte. Ein Blick in das Zimmer der beiden verriet mir aber, dass es sich um einen wunderschönen, sehr hellen Raum handelte, der zudem um einiges größer war. Ich richtete mich schnell ein, indem ich den Schrank mit meinen Sachen füllte. Außerdem packte ich mein eigenes technisches Equipment aus, was eigentlich nur aus Laptop, einem Notizblock und ein paar Stiften bestand. Im Nu war ich auch mit dem Internet verbunden. Ich schaute mir noch das Bad an und überzeugte mich davon, dass hinter der anderen geschlossenen Tür tatsächlich eine Gästetoilette lag und kein Abstellraum.

Ich freute mich bereits auf das Wiedersehen und die Zusammenarbeit mit Jonas. Außerdem fand ich die Unvermeidbarkeit der Verständigung in Fremdsprachen aufregend, wobei ich mich mit Spanisch und Englisch begnügen müsste, da mir das Katalanische völlig fremd war. Wenn ich in ihr Geschriebenes sah, schien es mir manchmal wie eine Mischung aus Französisch und Spanisch und tatsächlich fiel es mir wesentlich leichter, die inzwischen bei den Barceloniern immer beliebtere Sprache zu lesen, als hierin Gesprochenes zu verstehen.

Da noch ein paar Stunden vor mir lagen, ehe ich Jonas treffen würde, überlegte ich, ob ich bereits beginnen sollte zu arbeiten. Ich entschied mich jedoch dagegen und durchwanderte stattdessen ziellos die Straßen meiner näheren Umgebung.

Gegen sechs begab ich mich zurück zur Wohnung und schrieb noch eine E-Mail an Marcus, in der ich ihm kurz versicherte, dass die Reise gut verlaufen war. Ich merkte noch an, dass ich bisher kaum Veränderungen in der Stadt wahrgenommen hatte und dass ich am Abend mit Jonas und dessen Freundin zum Essen verabredet war.

Etwa eine halbe Stunde später traf Jonas endlich ein. Wir begrüßten uns überschwänglich und ich spürte, dass er sich wirklich freute und ich willkommen war.

Jonas wollte noch duschen und meinte, dass Mireia, seine Freundin, nachher im Lokal zu uns stoßen würde. Ich gab dazu von mir, dass wir doch auch hätten später zu Abend essen gehen können. Daraufhin lachte er mich nur an und meinte: »David, ich weiß doch nur zu gut, dass du eigentlich am liebsten schon um sieben essen würdest.«

Ich machte es mir derweil mit einem Sherry als vorgezogenem Aperitif an der Theke zwischen Küche und Wohnbereich gemütlich. Als sich Jonas frisch geduscht und umgezogen kurz dazugesellte, merkte ich, dass ich bisher kaum etwas gegessen hatte, und spürte bereits den Drink.

Jonas wirkte unverändert, obwohl ich ihn schon seit drei Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Er war etwa einen halben Kopf größer als ich und ebenfalls von schlanker Statur. Seine blauen Augen stachen unter dem vollen, sehr dunklen Haar hervor. Als ich genauer hinsah, meinte ich aber, das ein oder andere graue darin entdeckt zu haben. Hiervon war ich bislang glücklicherweise verschont geblieben. In dunkler Jeans und weißem Hemd machte er eine wirklich gute Figur und ich kam nicht umhin, ihn ein wenig für das Glück, hier in Barcelona leben zu können, zu beneiden.

Wir tranken aus und machten uns alsbald auf den Weg. Zu meiner Überraschung hatten die beiden ein Restaurant ausgewählt, das ich bereits von meinem ersten Aufenthalt in Barcelona her kannte. Es lag an der Straße, über die ich zuvor aus Richtung der Placa de Catalunya gekommen war, etwa auf halber Strecke dorthin.

Im Lokal wurden wir sehr freundlich empfangen. Da es für spanische Verhältnisse noch recht früh war, hielt sich die Anzahl der übrigen Gäste in beschaulichen Grenzen. Jonas und ich bestellten noch einen Sherry, direkt aber auch Wasser dazu. Mit der Bestellung für das Essen wollten wir warten, bis Mireia eintraf.

Dies dauerte auch nicht lange und Jonas stellte sie mir mit sichtlichem Stolz vor. Wir sprachen ab jetzt Spanisch und Mireia machte auf mich einen ganz bezaubernden Eindruck. Vielleicht vor allem wegen ihrer Fremdartigkeit. Sie war wie Jonas Anfang dreißig, jedoch kleiner als dieser, auch etwas als ich. Lange, pechschwarze Haare, kastanienbraune, leicht mandelförmige Augen und ein beinahe kantiges Gesicht, in dem eine durchaus markante Nase prangte, ließen Mireia wie eine Spanierin aus dem Bilderbuch erscheinen. Auf meine Frage nach der Herkunft ihres Namens erfuhr ich, dass es eine katalanische Form von Maria war.

Wir bestellten Wein zum Essen. Vorne weg wählten wir »Pa amb tomàquet«, das typische Brot mit Tomate, das es durchaus aber auch in anderen Gegenden von Spanien gab, wo es dann eben »Pan con tomate« hieß. Ich hatte auch nichts gegen eine Vorspeise einzuwenden, da ich zuvor noch nicht viel gegessen hatte und wirklich ein wenig hungrig war. Hierbei entschied ich mich hier für »Esqueixada«. Bisher hatte ich mich noch nicht getraut, diesen Salat aus Stockfisch, Zwiebeln, Oliven und Tomaten sowie gekochtem Ei zu probieren. Da ich inzwischen aber positive Erfahrungen mit Stockfisch in Portugal gemacht hatte, wollte ich diese Spezialität unbedingt einmal kosten und wurde auch nicht enttäuscht.

Jonas verzog bei meiner Wahl das Gesicht – ich glaube, er mochte gar keinen Fisch.

---ENDE DER LESEPROBE---