Erinnerungen an Philippe - Jürgen Vogel - E-Book

Erinnerungen an Philippe E-Book

Jürgen Vogel

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Beschreibung

In Paris scheint die Aufklärung des Todes von Philippe in Gang zu geraten. Da Silvia von der Polizei dorthin gebeten wird, reist David ihr entgegen, um sie in diesem schwierigen Moment unterstützen zu können. Die erneute Konfrontation mit dem Verbrechen veranlasst Silvia, bewegend von der gemeinsamen Vergangenheit mit ihrem Mann zu berichten. Hierdurch erhält David einen tiefgründigen Einblick in Silvias Erinnerungen an Philippe.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Das Buch:

In Paris scheint die Aufklärung des Todes von Philippe in Gang zu geraten. Da Silvia von der Polizei dorthin gebeten wird, reist David ihr entgegen, um sie in diesem schwierigen Moment unterstützen zu können. Die erneute Konfrontation mit dem Verbrechen veranlasst Silvia, bewegend von der gemeinsamen Vergangenheit mit ihrem Mann zu berichten. Hierdurch erhält David einen tiefgründigen Einblick in Silvias Erinnerungen an Philippe.

 

 

Der Autor:

Jürgen Vogel, geboren 1967 in Merzig, wuchs unter anderem in Spanien, Australien und Südostasien auf. Als aufmerksamer und sensibler Beobachter sammelte er im Laufe der Jahre zahlreiche Geschichten und Erfahrungen, die er heute mit seinen Lesern teilen möchte. Seit den 90er-Jahren lebt und arbeitet der Autor im Rheinland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Vogel

 

Erinnerungen an Philippe

 

 

 

Roman

 

 

 

 

 

Tolino-Ausgabe

 

© 2017 Jürgen Vogel

Schloßstraße 64, 53773 Hennef

 

Umschlag: Jürgen Vogel

 

 

Auch als Taschenbuch erhältlich:

ISBN Paperback: 978-3-7345-1282-7

 

 

www.derandereich.de

 

 

 

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

< 1 >

 

 

Nahezu jede Nacht wache ich auf, aufgeschreckt von dem lauten Knall, der den Schuss begleitete, der mir das Liebste nahm und unser aller Leben so veränderte. Mir wurde der Mann genommen, meinen Kindern der Vater, dessen Eltern der einzige Sohn und zahlreichen Freunden ein geschätzter und treuer Begleiter durchs Leben.

Meist kommen mir dann, wach geworden und keinen Schlaf mehr findend, Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit, an diese glückliche Zeit, in der ich Philippe kennenlernen durfte. Oftmals erinnere ich mich an unser allererstes Aufeinandertreffen. Wir waren damals gerade erst vier Jahre alt und gingen demnach noch nicht einmal zur Schule.

Die Roannes sind in die unmittelbare Nachbarschaft meines Elternhauses gezogen, woraufhin seine Eltern und die meinigen sich kennenlernten, und auf Anhieb einander mochten.

Eines Abends war es dann schließlich auch so weit. Bei einem der ersten Besuche der Roannes in unserem Haus war er mit dabei, und ich war sofort hin und weg von diesem Jungen. Er war als Kind wesentlich blonder als später. Seine lebhaften Augen stachen in ihrem kaum vergleichbaren Blau so sehr aus seinem Gesicht hervor, dass ich es bereits damals als ganz besonders empfand. Dazu dann noch sein schon zu jener Zeit unwiderstehliches, geradezu einnehmendes Lächeln – einfach zum Dahinschmelzen. Mein Gott, auf Anhieb habe ich mich in diesen gerade einmal Vierjährigen unsterblich verliebt.

Leider kann ich nicht mehr die ganze Situation rekonstruieren. Ich erinnere mich aber genau daran, dass er, direkt als er mich sah, geradewegs auf mich zukam und mich ohne jede Scheu ansprach. Er sagte mir, dass seine Eltern ihm verraten hätten, dass ich Silvia heiße und genauso alt sei wie er. Dann fragte er mich knapp und zugleich unaufdringlich, ob wir etwas spielen könnten. Da blieb mir einfach keine Wahl, als ihn bei der Hand zu nehmen und in mein Zimmer zu geleiten. Ich war in jenem Moment äußerst froh darüber, dass ich nicht nur Puppen als Spielzeug besaß, sondern auch eine stattliche Ansammlung von Legosteinen. Das gefiel Philippe offensichtlich so sehr, dass seine Eltern später einiges an Mühe aufbringen mussten, um ihn von mir loszureißen und wieder mitnehmen zu können. Ich hoffte natürlich, dass das nicht nur an den kleinen Plastikbausteinen lag, sondern auch ein wenig an meiner Gesellschaft.

 

Gerne erinnere ich mich auch an die Zeit, als wir erstmals gemeinsam die Schule besuchten. Damals gab es noch getrennte Klassen für Jungen und Mädchen, sodass wir uns, wenn überhaupt, nur in den Pausen zu Gesicht bekamen. Dies ließ sich aber auch nicht immer bewerkstelligen, da wir schließlich auch noch jeweils eigene Freundeskreise unter den Schulkameraden unterhielten, die naturbedingt dann aus Jungen, oder eben Mädchen bestanden und sich nahezu nie vermischten.

Die wochentäglichen Schulwege aber, also von und nach Zuhause, ließen wir uns nicht nehmen. Das konnten wir beinahe jeden Tag einrichten und stellte, da wir so nah beieinander wohnten, nahezu die gesamte Strecke dar. Meist holte mich Philippe gemäß seiner schon immer äußerst zuvorkommenden Art sogar noch ab, obwohl das Haus der Roannes genau betrachtet ein klein wenig näher zur Schule lag. Wenn wir uns auf dem Weg unbeobachtet fühlten, gingen wir dessen größeren Teil auch schon einmal Hand in Hand entlang.

Dann hatten wir auch noch die Nachmittage für uns. An diesen begaben wir uns meist zunächst gemeinsam an die Hausaufgaben, wobei wir uns stets nach bestem Vermögen unterstützten und nur, wenn wir wirklich gar nicht weiterkamen, Hilfe von den Erwachsenen in Anspruch nahmen. Im Anschluss spielten wir dann immer so lange zusammen, bis die Eltern der Meinung waren, dass es schließlich Zeit wurde für den jeweils anderen, das eigene Zuhause aufzusuchen. Oftmals kam es aber auch vor, dass wir länger bleiben durften, häufig sogar bis zum gemeinsamen Abendessen. Irgendwann hieß es dann aber doch immer wieder, den kurzen Nachhauseweg anzutreten.

Kaum anders verhielt es sich an den stets herbeigesehnten Wochenenden. Zwar gab es auch hier die ein oder andere Tätigkeit, die einen von uns zeitweise voneinander ausschloss.

Beispielsweise nahm ich eine ganze Zeit lang Geigenunterricht, während Philippe sich in einer Schwimmmannschaft versuchte. Dann besuchte ich einen Kindertanzkurs, zu dem ich Philippe partout nicht überreden konnte. Er wiederum engagierte sich, von der Schule aus, in einer Theater-Gemeinschaft, wo hin und wieder auch am Nachmittag oder eben an den Wochenenden geprobt wurde. Grundsätzlich aber verbrachten wir von unserer gesamten Freizeit einen wahrhaft maßgeblichen Teil miteinander.

Besonders aber hege ich noch heute die schönen Erinnerungen an die gemeinsamen Schulwege.

 

Als wir älter wurden und schließlich auf weiterführende Schulen gingen, änderte sich vieles. Da wir unterschiedliche, auch wieder nach Geschlechtern getrennte Gymnasien besuchten, blieb leider der von uns so lieb gewonnene, gemeinsame tagtägliche Weg zur Schule auf der Strecke. Ich weiß noch, dass ich es anfangs einfach nicht wahrhaben wollte und mir unzählige Male den Kopf darüber zerbrach, wie wir es anstellen könnten, wenigstens noch einen Teil des Weges zusammen zurückzulegen. Da die neuen Schulen aber in völlig unterschiedlichen Richtungen zueinander lagen, war selbst dies leider nicht möglich, und ich musste lernen, das zu akzeptieren.

Auch war es so, dass zunehmend neue Interessen in den Fokus des jeweils anderen gerieten. Während ich für mich, nachdem ich zuvor bereits Geigenunterricht genommen hatte, schließlich die Liebe zum Cello fand, war es bei Philippe so, dass er verstärkt das Schwimmen für sich wiederentdeckte. Er entwickelte hier einen großen Ehrgeiz, sodass er sehr regelmäßig trainierte und auch an Wettbewerben teilnahm. Tatsächlich war er hierbei auch eine ganze Zeit lang beachtenswert erfolgreich und gewann sogar mehrfach bei einigen Jugendmeisterschaften.

Mit dem Cello wiederum hatte ich das richtige Instrument für mich gefunden. Ich nahm fortwährend Unterricht und übte äußerst fleißig, teils regelrecht besessen. Zu meinem Glück gelangte ich bereits zu Anfang an eine meisterhafte Lehrerin. Noch heute verehre ich sie sehr und versuche, Kontakt zu ihr zu halten, indem ich sie von Zeit zu Zeit besuche. Diese Cellolehrerin stachelte meinen Ehrgeiz nicht minder an, sodass auch ich recht erfolgreich an verschiedenen Wettbewerben teilnahm, und das letztlich sogar viel länger als Philippe.

Mit diesen jeweils eigenen Interessen einhergehend und aufgrund der frischen Bekanntschaften an den neuen Schulen entwickelten und verfestigten wir auch Freundschaften außerhalb der unseren. Vor allem fühlte sich Philippe bei den Kameraden aus seiner Schwimmmannschaft so sehr zu Hause, dass es mich manchmal regelrecht verletzte. Gerne ging ich aber mit zu den Wettbewerben. Es erfüllte mich irgendwie mit Stolz, mit Philippe derart eng befreundet zu sein. Stets fieberte ich mit ihm und wie bereits gesagt, es gab hierbei oftmals Grund zum Jubeln. Auch gestand ich mir irgendwann mit zunehmendem Alter ein, dass es mir gefiel, ihn lediglich in der für Mannschaftsschwimmer üblichen doch sehr knappen Badehose anzusehen. Philippe zeigte hier nie irgendeine Scheu. Es schien stets so, als würde er gar nicht bemerken, dass er beinahe nichts anhatte. Nun, das muss bei Schwimmern gewiss wohl auch so sein. Dennoch denke ich, dass er meine Blicke und die von anderen Mädchen durchaus bemerkte und genoss. Ich muss auch eingestehen, dass es mir gefiel, wenn Freundinnen von mir mich um ihn beneideten. Auch wenn wir zu jener Zeit immer noch nur befreundet gewesen sind, war er doch mein Held, mein Philippe.

Dieser Philippe war es denn auch, der heldenhaft nahezu jedes Vorspielen von mir besuchte. Keine Gelegenheit hierzu verpasste er, wenn es sich denn nur irgendwie einrichten ließ. Aufrichtig freute er sich, wenn es mir gut gelang, und stets litt er mit mir, wenn es denn einmal nicht so richtig klappte. Wenn ich einen Wettbewerb gewann, war mir sein hemmungsloses Jubeln hierüber manchmal gar ein wenig peinlich, auch wenn ich es natürlich insgeheim liebte. Ich denke zwar, dass ihm die klassische Musik, die ich spielte, kaum wirklich lag und nur äußerst bedingt zusagte, aber ich weiß auch, dass er sich wahrhaftig darüber freute, dass ich mit dem Cello so glücklich war. Irgendwann später erzählte er mir einmal, wie stolz es ihn damals gemacht hatte, dass ich so begabt und erfolgreich gewesen sei. Gespürt hatte ich das vermutlich seinerzeit schon, was meinen Ehrgeiz sicherlich zusätzlich beflügelte.

 

Auch wenn diese Zeit oftmals wesentlich von Philippes Mannschaftssport und meiner Musik geprägt wurde, war es aber eben auch die Zeit großer Veränderungen bei uns selbst. Mit Einsetzen der Pubertät und den damit einhergehenden Schwierigkeiten bei der Einordnung von Gefühlen gerieten wir immer häufiger in kleinere Streitereien miteinander, meist wegen ganz banaler Dinge. Später lachten wir oft gemeinsam darüber, wenn wir uns einmal wieder an den einen oder anderen Streit erinnerten. Damals aber schien es uns stets ungemein wichtig. Häufiger ging es vermutlich aber weniger um den Inhalt, als darum, dem anderen gegenüber nicht nachzugeben und möglichst die Oberhand zu behalten. Ach ja, wie schrecklich man sich doch häufig in diesem Alter benimmt. Meistens, ohne es selbst wahrzunehmen.

Doch egal, wie oft und intensiv wir auf unangenehme Weise aneinandergerieten, entfernten wir uns nie wirklich voneinander. Viele Nachmittage und Wochenenden verbrachten wir auch damals noch damit, uns gegenseitig bei den Hausaufgaben zu helfen. Wir besaßen zudem auch einige gemeinsame Freunde, mit denen wir uns immer wieder einmal trafen, um miteinander zu spielen, oder später, als wir älter wurden, um ins Kino zu gehen. Auch dass unsere Eltern so eng befreundet waren, trug dazu bei, dass wir weiterhin ständig zusammen etwas unternahmen. An vielen Wochenenden tätigten wir Ausflüge ins Umland von Barcelona. Manchmal besuchten wir das Kloster Montserrat, was später Philippe und ich auch häufiger mit den eigenen Kindern so unternahmen.

An einen gemeinsamen Urlaub in Italien erinnere ich mich besonders gerne. Hier hatten unsere Eltern ein großes, ganz wunderbares Ferienhaus mit Swimmingpool gemietet. Endlich einmal war da ich mit Philippe im Wasser, und nicht immer nur die Jungs aus seiner Mannschaft.

Das Haus lag in der Toskana, unweit von Florenz und gehörte Bekannten von Philippes Vater. Es war der ehemalige Landsitz einer Adelsfamilie mit wunderschönem Garten. Es gab dort auch eine Auffahrt, die von den typischen Säulenzypressen gesäumt wurde. Es schien mir damals beinahe wie ein Schloss.

Von dort aus organisierten wir zahlreiche Ausflüge, unter anderem nach Florenz und nach Pisa. Außerdem erinnere ich mich immer wieder mit großer Freude an eine herrliche Tagestour ans Meer, nach Quercianella. Das liegt in der Nähe von Livorno und ist ein ganz wunderbarer kleinerer Ort, der auch noch heute ruhig und charmant daherkommt. Philippe und ich haben dort als Erwachsene selbst noch einige Male Urlaub gemacht, weil es uns damals so sehr in Quercianella gefallen hatte.

Ich glaube, dass diese Ferien uns beiden sehr gern und andauernd in bester Erinnerung geblieben sind. Wir haben später in unserem gemeinsamen Leben oft über sie gesprochen. Wir sind uns dann auch stets einig darüber gewesen, dass wir hier vermutlich zum ersten Mal bemerkten, dass wir zu mehr bestimmt waren, als lediglich Freunde zu sein. Ich glaube, seither habe ich Philippe aus der Sicht einer Frau gesehen. Damals sind wir vierzehn gewesen, beinahe fünfzehn, und bis dahin körperlich einander nie wirklich nähergekommen. In jenem Urlaub in Italien haben wir uns zum ersten Mal richtig geküsst, natürlich im Swimmingpool. Mehr ist aber auch da noch nicht passiert. Ich denke, dass wir uns unausgesprochen darüber einig waren, den vermeintlich alles beschließenden Moment noch eine Zeit lang aufzubewahren.

 

< 2 >

Silvia hatte ich etwa ein halbes Jahr zuvor in Barcelona kennengelernt. Durch sie hatte ich auch von der früheren Existenz von Philippe erfahren. Als ich das erste Foto von ihm gesehen hatte, wollte ich kaum glauben, dass es keines von mir war. Es schien eine Laune der Natur zu sein, die ihn und mich einander so ähnlich geschaffen hatte, dass wir äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden waren. Die Zusicherung Silvias, dass wir auch von der Stimme sowie von Gestik und Mimik her kaum Unterschiede aufwiesen, wurde mir durch Videoaufnahmen von Philippe immer wieder bestätigt.

Ich konnte mich anfangs gar nicht sattsehen an Bildern und Videos meines Doppelgängers. Normal war es vermutlich eher so, dass man nach Gemeinsamkeiten zu einer anderen Person Ausschau hielt. In diesem Fall jedoch war es immerzu umgekehrt. Ich suchte, manchmal regelrecht verzweifelnd nach dem, was uns voneinander unterschied – beinahe immer vergeblich.

Nachdem ich durch Silvia von Philippe und dessen ungeheurer Ähnlichkeit zu mir erfahren hatte, begann ich tagzuträumen, wie es wäre, wenn er noch leben würde. Ob wir vielleicht zu einem brüderlichen Verhältnis gefunden hätten? Auch hingen meine Gedankengänge oftmals einer gemeinsamen Vergangenheit nach, die es gar nicht gab.

- Ende der Buchvorschau -

Impressum

Texte © Copyright by Jürgen Vogel Schloßstr. 64 53773 Hennef

Bildmaterialien © Copyright by Jürgen Vogel

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-3-7393-3918-4