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Andreas Wacker ist ein Schriftsteller Anfang dreißig. Mit der Veröffentlichung von Kriminalromanen bei einem drittklassigen Verlag kommt er so gerade eben über die Runden. Eines Abends erhält er einen mysteriösen Anruf von einem Rechtsanwalt. Es geht um eine schriftstellerische Auftragsarbeit für einen wohlhabenden Mandanten, dessen Name ungenannt bleibt. Wackers Interesse wird durch eine hohe Anzahlung geweckt, sodass er schließlich einwilligt. Erfüllungsort des Auftrags ist Paris, wo er eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommt. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Wackers letzter Kriminalroman wird vom Verlag wegen eines Plagiatsvorwurfs aus dem Handel genommen. Ein Journalist, der sich für diesen Roman interessiert hatte, verschwindet spurlos in Paris. Die Tochter des Journalisten bittet Wacker dringend um Hilfe.
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Seitenzahl: 599
Veröffentlichungsjahr: 2025
Fabian Holting
Der Auftrag in Paris
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Epilog
Impressum neobooks
Warum ist in einer Demokratie der Großteil des Volksvermögens in den Händen einer Minderheit, und warum glaubt die Mehrheit an der Macht zu sein?
Max Frisch
1. Auflage
Alles begann mit einem Anruf. Das Telefon läutete am frühen Abend so gegen acht Uhr. Klang der Klingelton energischer als sonst? Nein, das konnte nicht sein. Ein Telefon klingelt immer gleich. Andreas Wacker ließ es noch vier oder fünf Mal klingeln. Vielleicht hoffte er, der Anrufer würde die Geduld verlieren und wieder auflegen. Er erwartete keinen Anruf und vermutete eine Umfrage irgendeines Marktforschungsinstituts, einen Werbeanruf oder einen Betrugsversuch. Um diese Uhrzeit hatte er schon häufiger solche Anrufe erhalten.
Doch der Anruf war nur die Folge von etwas, das früher geschah. Die Geschichte hatte ihren Anfang einige Zeit vor dem Anruf genommen. Wacker ahnte davon nichts. Wir wollen diesen Umstand und das zuvor Geschehene zunächst einmal beiseitelassen. Auch mit Andreas Wacker brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten. Menschen wie Wacker gibt es viele und nur der Zufall sorgt dafür, dass wir uns mit ihnen eine kurze Zeit beschäftigen. So, wie man sich mit einem bemerkenswerten Ereignis eine Weile auseinandersetzt, weil es den Alltag für einen kurzen Moment aufhellt oder für eine gewisse Ablenkung sorgt. Doch wir sollten nicht sarkastisch und erst recht nicht überheblich oder herablassend werden, wenn wir von Wacker sprechen. Eigentlich ist schon alles gesagt, wenn wir wissen, dass er dreißig Jahre alt war, von der Mutter seines dreijährigen Sohnes getrennt lebte und sich mit kleinen Artikeln, gelegentlichen Kolumnen in unbedeutenden Provinzblättern und der Veröffentlichung von durchschnittlichen Kriminalromanen in einem drittklassigen Verlag mehr schlecht als recht finanziell über Wasser hielt. Wie bei vielen Vätern in seinem Alter hatte das Schicksal es so gewollt, dass er seinen Sohn nur noch unregelmäßig zu Gesicht bekam. Die Frau, von der er geglaubt hatte, dass sie ihn über alles lieben würde, hatte ein Jahr zuvor einen neuen Mann kennengelernt und Wacker abgelegt, wie ein Kleidungsstück, das aus der Mode gekommen war. Es war sogar von Hochzeit die Rede. Um das Bild, dass wir uns von Wacker bereits machen können, noch abzurunden, sollte noch erwähnt werden, dass er sowohl das Studium der Germanistik als auch der Literaturwissenschaften nach wenigen Semestern abgebrochen hatte. Doch sein Schreibstil erreichte auch ohne Bachelor, Master oder Magister ein Niveau, das ihm zu einer erquicklichen Anzahl von Lesern und der gelegentlichen Anerkennung von mittelmäßigen Zeitungsredakteuren verhalf. Zu seinen Eigenschaften gehörte auch, dass er ziemlich zügig schreiben konnte und in der Lage war, sich von seinen Texten nach kurzer Zeit der Überarbeitung zu trennen vermochte. Eine Eigenschaft, die nicht jedem seiner Kollegen zu Eigen war. Doch Wacker hatte dies auch bitter nötig, konnte er die Zeit, die ihm dadurch blieb, noch für den einen oder anderen Gelegenheitsjob nutzen. Er half in Kneipen aus, langweilte sich als Aufsichtsperson in Kunstmuseen, fuhr gelegentlich Taxi und übernahm Fahrdienste jeglicher Art. Und so reichten die Honorare, die Tantiemen und die Löhne aus den Gelegenheitsjobs, um sich die Miete für eine kleine Wohnung im Aachener Stadtbezirk Steinebrück zu leisten, ausreichend satt zu werden und sich zudem noch den einen oder anderen Luxus zu gönnen. Doch damit kein falscher Eindruck entsteht, sei hinzugefügt, dass Wacker unter Luxus den gelegentlichen Restaurantbesuch, das Sitzen in Cafés und von Zeit zu Zeit eine kleine Reise mit dem Zug und ganz selten mit dem Flugzeug verstand. Er hatte kein Auto und auch keine neue Freundin. Das Ende seiner Partnerschaft mit der Mutter seines Sohnes war ihm nachhaltig aufs Gemüt geschlagen und bis zu dem Tage des Anrufs hatte er sich davon nicht erholt. Verheiratet war er nicht gewesen, doch das machte die Sache für seinen Sohn und ihn nicht eben leichter.
Beim zweiten Klingeln des Telefons schob Wacker mit dem Ellenbogen die Kühlschranktür zu, stellte beim dritten Klingeln die noch ungeöffnete Bierflasche auf die Arbeitsplatte der Küchenzeile und legte beim vierten Klingelton auch den Flaschenöffner, den er bereits in der Hand hielt, zur Seite. Kurz bevor das Telefon ein weiteres Mal klingelte, hob er es vom kleinen Küchentisch auf. Während es ein viertes und wohl auch noch ein fünftes Mal läutete, las er auf dem verschmierten Display des Telefons das Wort »Unbekannt«. Dann drückte er die Annahmetaste und sagte:
»Ja.«
Am anderen Ende der Leitung blieb es stumm. Wacker überlegte, ob er sich ein zweites Mal melden oder das Gespräch gleich wegdrücken sollte. Noch bevor er eine Entscheidung getroffen hatte, hörte er eine sonore Männerstimme sagen:
»Guten Abend, mit wem spreche ich bitte?«
»Worum geht es denn?«, fragte Wacker und klang bereits jetzt genervt.
»Das möchte ich gern mit Herrn Andreas Wacker besprechen. Sind Sie Herr Wacker?« Es entstand eine Verlegenheitspause und erst danach antwortete Wacker missmutig:
»Ja, der bin ich und wenn Sie mir jetzt bitte Ihren Namen verraten könnten.«
»Entschuldigen Sie bitte, mein Name ist Martin Fleckenstein, Rechtsanwalt Dr. Martin Fleckenstein. Ich rufe im Auftrag meiner Mandantschaft an. Es geht um einen Auftrag. Meine Mandantschaft ist durch einen Zufall auf ihre schriftstellerischen Fähigkeiten aufmerksam geworden und möchte Sie gerne für eine größere Auftragsarbeit gewinnen.«
Kurzes Schweigen. Wacker dachte an die Möglichkeit eines schlechten Scherzes und fragte sich, ob er die Stimme schon einmal gehört hatte. Doch ihm fiel keine passende Person dazu ein.
»Um was für eine Auftragsarbeit geht es denn?«, fragte er schließlich in die Stille der Leitung hinein.
»Das kann ich Ihnen selbst nicht sagen. Ich habe zunächst einmal nur den Auftrag, Sie für dieses Projekt zu gewinnen. Alles Weitere sollen Sie dann zu einem späteren Zeitpunkt erfahren.«
»Verraten Sie mir dann wenigstens den Namen Ihrer Mandantschaft?«
»Leider kann ich Ihnen den Namen zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht nennen. Hierzu hat man mich ausdrücklich nicht befugt. Doch so viel kann ich sagen: Es handelt sich um eine mehr oder weniger bekannte Person des öffentlichen Lebens«, antwortete der Rechtsanwalt.
Wacker glaubte umso mehr an einen dummen Scherz. Doch wenigstens war es ein interessanter Scherz und der Anruf fing an, ihm Spaß zu machen.
»Aber wie soll ich mich für eine Auftragsarbeit entscheiden, wenn ich weder weiß, für welches Thema man mich beauftragen will, noch wer der Auftraggeber ist.« Wacker klang erheitert, obwohl er diesen Eindruck nicht entstehen lassen wollte.
»Vielleicht überzeugt Sie das pekuniäre? Meine Mandantschaft ist außerdem zu einem großzügigen Vorschuss bereit.«
Wacker dachte an einen skurrilen Millionär, der die Geschichte seiner verschrobenen Familie aufschreiben lassen wollte, oder vielleicht auch seine eigene Biographie. Von so etwas hatte er schon gehört. Doch warum wurde gerade er dafür ausgewählt.
»Von welchem Betrag reden wir denn?«, fragte Wacker forsch.
»Als Anzahlung hat sich meine Mandantschaft dreißigtausend Euro vorgestellt.«
Wacker schluckte trocken. Sein Gesprächspartner ließ ihm ein wenig Zeit, über diesen Betrag nachzudenken.
»Und nach Fertigstellung der Arbeit?«
»Erhalten Sie weitere einhundertvierzehntausend Euro, also insgesamt einhundertvierundvierzigtausend Euro«, sagte der Anwalt mit einem triumphierenden Klang in der Stimme.
»Wie lange werde ich schätzungsweise dafür benötigen?«, fragte Wacker ungläubig.
»Nicht länger als ein halbes Jahr, eher weniger. Sollte es länger dauern, erhalten Sie achttausend Euro für jeden weiteren Monat.«
Das alles klang so unwahrscheinlich, dass es schon fast wieder wahr sein konnte.
»Das bedeutet also, dass ich die Katze im Sack kaufen muss?«, entgegnete Wacker, der sich mittlerweile an den Küchentisch gesetzt hatte und auf die ungeöffnete Bierflasche starrte.
»Wenn Sie so wollen, ja. Aber mir erscheint das Honorar dafür sehr großzügig zu sein. Ich verstehe natürlich, dass Sie darüber nachdenken wollen. Viel Zeit haben wir allerdings nicht mehr. Meine Mandantschaft ist sehr ungeduldig. Sie werden morgen mit der Post einen Briefumschlag mit einem Auftragsschreiben, den Auftragsbedingungen und einem Verrechnungsscheck in Höhe von dreißigtausend Euro erhalten. Wenn Sie den Auftrag annehmen, dann senden Sie mir bitte die Auftragsbestätigung noch am selben Tag zurück. Sobald diese bei mir eingegangen ist, können Sie den Scheck bei einer Bank Ihrer Wahl einlösen. Sie erhalten dann weitere Anweisungen von mir. Falls Sie sich dagegen entscheiden, vergessen Sie bitte die ganze Angelegenheit.«
Wacker schwieg.
»Sind Sie noch da?«, fragte der Rechtsanwalt.
»Ja, bin ich. Gut, ich werde es mir überlegen.«
»Herr Wacker, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.«
Noch bevor Wacker etwas darauf erwidern konnte, hatte der Anrufer aufgelegt. Wacker stand auf, nahm sich die Bierflasche und öffnete sie. Während er einen langen Schluck trank, sah er hinunter auf die ruhige Nebenstraße, in der auf beiden Seiten im Schein der Straßenlaternen die Autos der Anwohner parkten. Erst jetzt sah er im Lichtkegel der Laternen die feinen Regentropfen, die vom schon nachtblauen Himmel fielen. Es war Ende September und der Sommer hatte sich bereits vor zwei Wochen verabschiedet und einer kühleren Witterung mit gelegentlichem Regen und vielen Wolken Platz gemacht. Am liebsten hätte Wacker seinen grauschwarzen Wollmantel angezogen und wäre durch die Straßen seines Viertels spaziert, um über alles nachzudenken. Spazierengehen war eine seiner großen Leidenschaften, zumindest in der kühleren Jahreszeit. Im Sommer fuhr er gerne mit dem Fahrrad. Dabei war es ihm egal, wohin er fuhr, Hauptsache fahren, viele Kilometer weit, bis der Kopf wieder frei war. Den Kopf bekam er seltsamerweise nur durch angestrengtes Nachdenken frei. Er musste immer über alles nachdenken und die Gedanken in seinem Kopf sortieren, ihnen eine Ordnung geben, sie zu etwas Sinnvollem miteinander verknüpfen. Alles musste einen Sinn ergeben. Und wenn dies nicht der Fall war, dann redete er sich einen Sinn ein, um die Wirklichkeit erträglicher zu machen. Doch wegen des Regens, der stärker wurde und von einem plötzlich aufkommenden Wind gegen die Fensterscheibe gedrückt wurde, blieb ihm nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben.
An diesem Abend fand Wacker nicht gleich in den Schlaf. Es regnete noch immer, doch der Wind hatte nachgelassen. Er hörte das Regenwasser beständig auf die Fensterbank vor seinem Schlafzimmerfenster tropfen. Es war wie das Ticken einer alten Uhr. Die Regenrinne war undicht. Wacker hatte den Vermieter schon mehrmals darauf hingewiesen, doch nichts geschah. Selbstverständlich musste er über den seltsamen Anrufer nachdenken. Ein Scherz vielleicht, oder der Anruf eines Verrückten. Eventuell auch der Versuch, ihn zu betrügen; der Anrufer könnte mit einer fadenscheinigen Begründung zunächst Geld von ihm verlangen. Solche Fälle kannte Wacker, wenn auch nicht aus eigener Erfahrung. Es kam zum Beispiel vor, dass Schriftsteller sich bei Verlagen einkauften. Wer sollte nur auf die Idee kommen, sich von einem fast unbekannten Schriftsteller, der allenfalls ein paar tausend Leser hatte, etwas schreiben zu lassen, dachte Wacker. Wie konnte er nur mit seinen kriminalistisch eingefärbten Romanen so etwas bei einem Menschen bewirken? Ein spleeniger Millionär vielleicht, der einer fixen Idee verfallen war? Vermutlich aber, würde am nächsten Tag ohnehin kein Schreiben in seinem Briefkasten liegen und vom Anrufer würde er niemals mehr etwas hören. Irgendwann hatte Wacker genug nachgedacht und schlief ein.
Am nächsten Morgen wachte Wacker früher auf als sonst. Zu seiner Überraschung schien die Sonne in sein Fenster hinein und warf ein helles, beinahe blendendes Rechteck auf den Parkettboden vor seinem Bett. Er stand auf, ging in die Küche und setzte sich einen Kaffee auf. Er zog seine Jeanshose über die kurze Schlafanzughose und ging wie jeden Morgen hinunter, um die Zeitung aus seinem Briefkasten zu holen. Als Mitarbeiter hatte er ein Freiabonnement, was ihn über die mitunter schlechte Qualität der Artikel und ihren häufig geringen Informationswert hinwegtröstete. Für die Post war es noch zu früh; wenn der Postzusteller überhaupt kam, dann nicht vor zwei Uhr nachmittags. Er öffnete seinen verbeulten Briefkasten und fand zu seiner Überraschung nicht nur die Zeitung darin, sondern auch einen großen Briefumschlag. Im Sichtfenster des Umschlags standen sein Name und seine Anschrift, ansonsten keine Briefmarke, kein Poststempel und auch keine Absenderadresse. Er sah sich den Umschlag vorsichtshalber noch einmal von allen Seiten an, doch fand er nichts dergleichen. Nachdenklich schloss er die kleine Metalltür seines Briefkastens. Im Treppenhaus waren Schritte zu hören. Es klappte eine Tür. Auf dem Weg nach oben kam ihm eine Nachbarin entgegen. Eine ältere Frau, die jeden Morgen um diese Zeit Brötchen holen ging, außer sonntags. Er grüßte im Vorbeigehen.
Wacker legte die Zeitung und den Briefumschlag auf den Küchentisch, nahm sich eine Tasse aus dem Schrank und schenkte sich Kaffee ein. Er beschloss, den Brief sofort zu öffnen, ließ es dann aber doch bleiben. Vielleicht war es die Angst davor, der Anrufer könnte wirklich die Wahrheit gesagt haben. Stattdessen ging er ins Bad und duschte. Während er sich anzog lief das Radio. Er rasierte sich und betrachtete für einen kurzen Moment sein Gesicht im Spiegel. Mit seinem Leben war er derzeit nicht wirklich zufrieden. Vieles hatte er sich anders vorgestellt. Er lebte mittlerweile mit der Gewissheit, dass er früher oder später seinen Sohn an den neuen Partner verlieren würde. Er hieß Torben und war gerade mal knapp zwei Jahre alt, als Chiara sich wegen des neuen Mannes von Wacker trennte. In diesem Alter bauen Kinder schnell neue Beziehungen zu anderen Menschen auf und vergessen alles, was vorher gewesen war. Auf leeren Magen wollte Wacker den Briefumschlag nicht öffnen. Während er aß und gelegentlich einen Schluck Kaffee trank, starrte er auf den Umschlag, den er gegen die Wasserkaraffe gelehnt hatte. Er musste an Gregory Pecks Rolle in dem Film The Million Pound Note denken. Würde ihm der Brief tatsächlich zu Glück und Wohlstand verhelfen. In diesem Film, frei nach einer Erzählung von Mark Twain, war das am Anfang der Fall gewesen, doch dann kehrte sich das kurze Glück ins Gegenteil um und stürzte den Protagonisten ins Chaos. Hatte der Rechtsanwalt am Telefon nicht gesagt, der Brief käme mit der Post und nicht mit einem Boten. Er schob den letzten Bissen in den Mund, nahm den Umschlag und riss ihn mit dem Zeigefinger auf. Der Umschlag enthielt ein einseitiges Schreiben in zweifacher Ausführung und tatsächlich einen Verrechnungsscheck in Höhe von dreißigtausend Euro. Ein frankierter Rückumschlag lag ebenfalls bei. Ungläubig betrachtete Wacker den Scheck; drehte ihn hin und her, las die Angabe des Betrags in Worten und als Zahl. »In Worten dreißigtausend Euro«, murmelte er vor sich hin. Dann las er seinen Namen auf dem Scheck. Auszuzahlen an Andreas Wacker. Es war nicht das erste Mal, dass er einen Verrechnungsscheck in Händen hielt. Doch dieser Betrag war mit Abstand der höchste, den er jemals zu Gesicht bekommen hatte. Der Scheck wirkte authentisch. Ob er auch gedeckt war, musste sich erst noch zeigen, sofern Wacker überhaupt bereit war, die Auftragsarbeit anzunehmen. Doch konnte er bei solchen Beträgen überhaupt nein sagen. Wenn er seinen Lebenswandel beibehielte und weiterhin sparsam lebte, dann konnte er mit diesem Geld einige Zeit recht gut leben. Er könnte auch seinem Bruder einiges von dem Geld zurückzahlen, dass er sich über die Jahre von ihm geliehen hatte. Es hatte nämlich immer wieder Phasen in Wackers Leben gegeben, wo das wenige selbstverdiente Geld nicht annähernd ausgereicht hatte, um alle Kosten decken zu können. Die ihm auferlegten Unterhaltszahlungen für seinen Sohn verschärften seine finanzielle Lage zusehends. Wacker konnte sich nur schwer überwinden, das Auftragsschreiben zu lesen. Es musste doch einen Haken an der ganzen Sache geben. Wacker nahm das Auftragsschreiben in die Hand und las die wenigen Zeilen. Auftraggeber war eine Rechtsanwaltskanzlei in New York, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Martin Fleckenstein. Auftragnehmer Andreas Wacker, wohnhaft in Aachen und so weiter.
Der Auftragnehmer verpflichtet sich zur Verfassung eines Textes zu einem noch zu benennenden Thema. Den Ort und den Zeitraum zur Anfertigung der Auftragsarbeit bestimmt der Auftraggeber. Für die Auftragserbringung wird ein Festpreis in Höhe von hundertvierundvierzigtausend Euro zuzüglich etwaiger Nebenkosten vereinbart. Als Vorauszahlung ist vorab ein Betrag von dreißigtausend Euro an den Auftragnehmer zu zahlen. Sollte die Auftragsarbeit nicht innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten abgeschlossen sein, zahlt der Auftraggeber für jeden angefangenen Monat eine Leistungsvergütung in Höhe von achttausend Euro. Der Auftragnehmer verpflichtet sich, sowohl über die Durchführung der Auftragsarbeit, als auch über dessen Inhalt Stillschweigen zu bewahren. Sämtliche Informationen, die der Auftragnehmer im Zusammenhang mit der Auftragserfüllung erhält, sind streng vertraulich zu behandeln und dürfen Dritten nicht zugänglich gemacht werden. Die Rechte an der Auftragsarbeit gehen vollumfänglich an den Auftraggeber über. Der Auftraggeber versichert hiermit, dass mit der Auftragsarbeit und deren späterer Verwendung nicht gegen gültige gesetzliche Bestimmungen jedweder Art verstoßen wird.
Für den Auftraggeber RA Dr. Martin Fleckenstein.
Die Unterschrift des Rechtsanwalts beeindruckte Wacker. Sie war groß, zackig und mit weiten Amplituden geschrieben. Fleckenstein hatte ganz offenbar einen Füllfederhalter benutzt, so wie man es nur noch selten sah. Links daneben stand Wackers Name, darüber ausreichend Platz für seine Unterschrift. Durch das Küchenfenster schien mittlerweile die Sonne herein und tauchte das Schriftstück und den Verrechnungsscheck auf dem Tisch in ein gleißendes Licht. Wacker stand auf und stellte sich mit der Kaffeetasse in der Hand ans Fenster. Den Ort und den Zeitraum zur Anfertigung der Auftragsarbeit bestimmt der Auftraggeber, murmelte er leise vor sich hin. Was hatte das zu bedeuten? Sollte er für diese Arbeit etwa nach New York reisen müssen? Würde er dann überhaupt noch Zeit für seine Artikel und Kolumnen haben. Aber war das alles so wichtig, wenn man damit so viel Geld verdienen konnte. Vielmehr interessierte ihn, worüber er wohl schreiben sollte. Vielleicht ein Roman über eine bestimmte Person oder einer Familiendynastie. Möglicherweise sollte er auch als Ghostwriter herhalten. In die Stille seiner Gedanken drang das Klingeln des Telefons. Es lag auf der Anrichte neben dem Kühlschrank. Wacker nahm es in die Hand. Der Anrufer wurde ihm wieder als »Unbekannt« angezeigt. Er nahm das Gespräch an und dieses Mal nannte er gleich seinen Namen.
»Fleckenstein hier. Herr Wacker, haben Sie den Vertrag und den Scheck erhalten?«
»Ja, liegt beides vor mir.«
»Hatten Sie schon die Gelegenheit, den Vertrag zu lesen.«
»Ich habe ihn gelesen. Er ist ja nicht besonders lang.«
»Und, haben Sie auch bereits eine Entscheidung getroffen?«
»Ich denke gerade darüber nach. Dürfen Sie mir wirklich nicht mitteilen, worum es bei dieser Auftragsarbeit geht?«
»Nein, das darf ich nicht. Aber Sie werden es schon bald erfahren, sofern Sie den Auftrag annehmen.« Rechtsanwalt Fleckenstein hatte mit der Antwort keine Sekunde gezögert.
»Dann ist da noch der Ort für die Auftragserfüllung. Bisher war ich davon ausgegangen, hier in Aachen die Arbeit erledigen zu können. Ich würde schon gerne wissen, wo ihr Mandant mich hinschicken wird. Wacker hatte die männliche Form gewählt. Doch verbarg sich hinter der Mandantschaft wirklich ein Mann? Am anderen Ende der Leitung wurde ganz offensichtlich darüber nachgedacht, zumindest war es für einen Moment still. Wacker wartete geduldig ab.
»Ich denke, die Stadt darf ich Ihnen wohl nennen«, sagte der Rechtsanwalt. Nichts deutete darauf hin, dass zwischen dem Anrufer und Wacker ein ganzer Ozean lag.
»Es ist Paris.«
»Warum Paris?«, fragte Wacker. Seine Stimme klang erstaunt.
»Herr Wacker, können Sie mir schon mitteilen, ob Sie den Auftrag annehmen werden?«
»Ich denke weiter darüber nach.«
»Waren Sie schon einmal in Paris?«, erkundigte sich Fleckenstein.
»Ja, aber das ist schon ein paar Jahre her.«
»Von Aachen ist es ja nicht besonders weit. Sollten Sie annehmen, werden wir alles für Sie arrangieren. Sie brauchen sich um nichts weiter zu kümmern. Übrigens die Unterkunft dort wird Ihnen gefallen. Mehr darf ich aber nicht verraten.«
Wacker brachte kein Wort mehr heraus. Vielleicht war seine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt schon gefallen. Der Rechtsanwalt hatte begriffen, dass es von Wacker in diesem Moment keine Antwort geben würde.
»Herr Wacker, treffen Sie bitte Ihre Entscheidung heute noch und schicken Sie mir dann gegebenenfalls ein unterschriebenes Exemplar zurück. Den Rückumschlag haben Sie sicherlich gesehen. Sollten wir den unterschriebenen Vertrag nicht bis übermorgen zurückerhalten haben, ist die Sache für uns erledigt. Bitte bedenken Sie das. Am Geld dürfte es sicherlich nicht liegen, nehme ich an. Sollte Ihnen die Arbeit besonders gut gelingen, könnte ich mir sogar vorstellen, dass Ihr Salär im Nachhinein noch aufgestockt wird.«
»Herr Fleckenstein, Sie haben mir meine Frage nicht beantwortet. Warum ausgerechnet Paris?«
»Herr Wacker, ich muss auflegen. Meine Sekretärin macht mich gerade auf einen Anschlusstermin aufmerksam. Machen Sie es gut.«
Noch bevor Wacker etwas erwidern konnte, hatte der Rechtsanwalt aufgelegt. Wie spät war es jetzt in New York, fragte sich Wacker. War es dort nicht jetzt Nacht? Aber was wusste Wacker schon, von wo aus der Rechtsanwalt angerufen hatte. Heute konnte fast jeder innerhalb kürzester Zeit einmal um die ganze Welt reisen. Wacker öffnete das Fenster. Die Sonne hatte die kleine Küche kräftig aufgeheizt und er brauchte nach diesem Telefonat frische Luft. Draußen war es kühl, keine fünf Grad. Bürgersteig und Straße waren noch nass vom Regen, der die halbe Nacht vom Himmel gefallen war. Er schloss das Fenster wieder und sah sich den frankierten Rückumschlag genauer an. Als Empfänger war auf dem Umschlag RA Dr. Martin Fleckenstein und eine Postfachanschrift in Aachen aufgedruckt. Wacker verstand jetzt gar nichts mehr. Seltsam, die ganze Angelegenheit. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch verließ er seine kleine Wohnung. Er musste nachdenken.
Mit versteinerter Miene, die Hände tief in den Taschen seines dunkelgrauen Wollmantels vergraben, ging Wacker die Mozartstraße entlang. Trotz Sonnenschein war es durch einen unangenehmen Ostwind noch immer empfindlich kühl. Es herrschte reger Verkehr auf den Straßen und wie üblich, mussten Fußgänger und Fahrradfahrer sich in Acht nehmen vor den Autofahrern, die in Aachen und Umgebung das Wort Rücksicht nicht kannten. In der Aureliusstraße blieb Wacker vor einem Schaufenster stehen und betrachtete die Ledertaschen. Er überlegte kurz, hineinzugehen, ließ es dann aber doch bleiben und ging weiter. Konnte man die Anschrift eines Postfaches herausfinden, fragte er sich in Gedanken. In der Theaterstraße blieb er vor einem Laden mit Haushaltsartikeln stehen und zog sein Smartphone aus der Hostentasche. Über eine Suchmaschine informierte er sich über Postfächer. Diese hätten den Vorteil, dass die Empfänger die Post zu einer frei verfügbaren Zeit abholen konnten, fand er heraus. Der Postfachinhaber musste dem Absender zudem nicht die Hausanschrift bekanntgeben. Einer weiteren Information zu Postfächern konnte er entnehmen, dass man sich an die Polizei wenden müsse, um die Anschrift eines Postfaches in Erfahrung zu bringen. Er steckte das Smartphone zurück in die Hosentasche. Seine Hände fühlten sich von der Kälte ganz steif an. Wacker ging weiter Richtung Kapuzinergraben. Die Anschrift eines Postfaches war also nicht so einfach herauszufinden. Aber war das nicht auch egal. Wenn er den Auftrag annahm und der Scheck gedeckt war, dürfte doch alles mit rechten Dingen zugehen.
Am Brunnen des Geldes wurde er von asiatisch aussehenden Touristen angesprochen. Sie baten ihn darum, ein Foto zu machen. Wacker nahm wortlos das Smartphone in die Hand. Die drei Touristen posierten vor den lebensgroßen Figuren des Brunnens, dessen Wasser aus der Thermalquelle stammte und das ganze Jahr über im Kreis geführt wurde. Es sollte den Kreislauf des Geldes darstellen. Er machte zur Sicherheit gleich mehrere Fotos. Sie bedankten sich bei ihm mit einem Lächeln und einer leichten Verbeugung. Wacker blieb noch einen Moment am Brunnen stehen, an dem er sonst immer achtlos vorüberging und betrachtete die Bronzefiguren.
Auf dem Brunnenrand die Skulptur eines Jungen, der seine Füße ins Wasser baumeln lässt. Daneben sein Vater, der ihm den Umgang mit dem Geld erklärt. Zwei Männer, zwielichtige Gestalten mit hässlichen Gesichtern, die ihre Hand aufhalten. Daneben die Bronzeplastik, die eine dicke Frau dabei zeigt, wie sie Geld in eine der aufgehaltenen Hände legt. Und schließlich die Bronzefigur eines alten Mannes, der in der unterwürfigen Bettlerpose und mit mitleidserregender Miene um ein Almosen bittet. Geiz und Gier, Gönnerhaftigkeit und Bettelei, Themen, die schon die Alten Schriften aufgegriffen haben und immer wieder neu erzählt werden. Wacker fragte sich, welche Rolle er wohl beim Kreislauf des Geldes spielte. Vermutlich irgendwo zwischen Bittsteller, Klinkenputzer und Bettler, dachte er.
Am Münsterplatz kaufte er eine Aachener Printe und ging damit zum Dom. Den letzten Bissen noch im Mund, öffnete er das zweiflüglige Hauptportal des Doms, die Wolfstür. Wacker kam gerne hierher, auch wenn er nicht gläubig war. Ihn faszinierte der oktogonale Zentralbau des Doms aus der karolingischen Zeit. Es hieß, es wäre der erste kuppelüberwölbte Bau nachantiker Zeit nördlich der Alpen. Karl der Große, allgegenwärtig in der ganzen Stadt, hatte den Bau zu Lebzeiten in Auftrag gegeben. Es war seine Marienkirche, die er mit bedeutenden Reliquien der damaligen Zeit ausstatten ließ. Wie wohl die meisten Aachener, kannte auch Wacker die Geschichte des Doms und vor allem Karls des Großen beinahe in- und auswendig. Der Kirchenbau wurde auf den Resten einer römischen Thermenanlage erbaut. Grundriss und Aufbau der Kirche folgen einer mystischen Logik, bei welcher die Zahlen sechs, acht, sechszehn und hundertvierundvierzig eine Rolle spielen. Allein dies hatte Wacker schon als Kind beeindruckt. Gelehrten Theologen gilt die Ziffer sechs als vollkommene Zahl, schließlich erschuf Gott die Welt in sechs Tagen. Die geschriebene Acht ist das Symbol der Auferstehung, des Glücks und der Erlösung. In Noahs Arche werden acht Menschen gerettet. Paulus weist der Liebe sechzehn Eigenschaften zu:
Die Liebe ist langmütig,
die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht,
sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles,
glaubt alles,
hofft alles,
hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf.
Wacker hatte mit der Liebe andere Erfahrungen gemacht. Es war nicht auszuschließen, dass die Liebe, wie Paulus sie einst beschrieben hatte, nur Ausdruck eines Wunsches war. Der menschlichen Liebe fehlten wohl immer eine oder mehrere dieser Eigenschaften.
Was gab es noch für mystische Zahlen. In der Bibel steht geschrieben, dass nach der Apokalypse hundertvierundvierzigtausend Gläubige als einzige Menschen gerettet werden. Doch wo finden sich nun diese geheimnisvollen Zahlen im Gotteshaus Karls des Großen wieder? Der Durchmesser des Achtecks beträgt sechs mal acht karolingische Fuß und darüber wölbt sich in sechs mal acht Fuß Höhe die Kuppel. Dann sind da noch die acht karolingischen Bronzegitter, die den Raum schmücken. Das Orthogon wiederum wird umschlossen von einem sechzehnseitigen Umgang. Bleibt nur noch die Zahl Hundertvierundvierzig. So viele Fuß misst die Länge der Marienkirche und hoch oben befindet sich das Bild des Weltenrichters, umgeben von hundertvierundvierzig glänzenden Sternen. Unter diesem Bild wurden zudem drei Bogenfelder errichtet. Das Symbol der heiligen Dreifaltigkeit. Und vermutlich lassen sich noch weitere Bezüge zur Bibel in diesem einzigartigen Bauwerk finden, so wie drei mal sechs mal acht die Zahl hundertvierundvierzig ergibt.
Für die Auftragsarbeit sollte er hundertvierundvierzigtausend Euro erhalten. Das entsprach der Anzahl der geretteten Gläubigen nach der Apokalypse. Vermutlich reiner Zufall, oder war der Auftraggeber ein religiöser Mensch. Das waren auf jeden Fall pro Monat vierundzwanzigtausend, sofern er wirklich ein halbes Jahr für die Arbeit bräuchte. Wacker lächelte in sich hinein. Sechs Monate und an sechs Tagen hatte Gott die Welt erschaffen. Vermutlich begegneten einem diese symbolträchtigen Zahlen häufiger im Alltagsleben. Wie war sein Auftraggeber überhaupt auf ihn aufmerksam geworden? Seinen letzten Kriminalroman hatte er einigen Autoren per Post zugeschickt, nicht etwa, weil es gute Bekannte von ihm waren, sondern vielmehr, weil er diese bewunderte und sie sich bereits mit einem ähnlichen Thema auseinandergesetzt hatten. Darunter war auch ein Journalist, dessen Zeitungsartikel Wacker bei seinen Recherchen genutzt hatte. Zwei dieser Autoren hatten ihm sogar geantwortet und einige nette Worte zu seinem neuesten Werk geschrieben. Wurde er von diesen Autoren etwa weiterempfohlen?
Um ihn herum wurde es lauter. Eine kleine Gruppe von Schulkindern ließ sich von einem Mann das Gnadenbild »Unserer Lieben Frau von Aachen« erklären. Daneben stand eine junge Frau mit einem hübschen Gesicht, die Wacker anlächelte, als er sich an der Gruppe Richtung Annakapelle vorbeischob. Er stellte sich neben den Hauptaltar und sah hinüber zum Karlsschrein. Vierhundert Jahre nach dem Tode Karls des Großen wurden seine Gebeine aus seinem Grab in der Aachener Pfalzkapelle entnommen und in diesen Schrein gelegt. Nach allem, was man über die sterblichen Überreste Karls wusste, waren sie wohl echt. So deckte sich auch die anhand der Knochen ermittelte Körpergröße des Herrschers über das Frankenreich mit der Angabe seines zeitgenössischen Biographen mit dem Namen Einhard, der glaubhaft niederschrieb: denn seine Länge betrug, wie man weiß, sieben seiner Füße. Einhard begann als Urkundenschreiber, war Gelehrter und gehörte später zum engsten Kreis um Karl dem Großen.
Wenn es sich bei der Auftragsarbeit um die Biographie einer bekannten Persönlichkeit handeln sollte, dachte Wacker, dann würde er eine ähnliche Arbeit verrichten wie Einhard. Ein komischer Gedanke. Wie musste es für einen Gelehrten wie Einhard gewesen sein, über einen Mann zu schreiben, der mit rücksichtsloser Härte und einer zynischen Ehepolitik ein Reich nie gekannten Ausmaßes schuf. Karl, so Einhard, soll es geliebt haben, mit seinen Getreuen in den heißen Thermalquellen Aachens zu baden. Neben seiner militärischen Härte war Karl aber auch für Bildung zu haben und scharte die wichtigsten Gelehrten seiner Zeit um sich. Von ihm soll der Satz stammen, das Wissen geht dem Handeln voraus. Die antiken Wissenschaften waren dabei der Schlüssel zum Verständnis der Welt. Und so führte er nicht nur Kriege, sondern gründete Schulen, förderte Gelehrte und ließ Brücken sowie Kanäle in seinem Reich bauen.
Wacker machte Platz für ein Pärchen, das die ganze Zeit schon eng umschlungen den Dom besichtigt hatte. Ein Mann in einem braunen Parka mit Fellkragen fotografierte an Wacker vorbei die Chorhalle mit den Schreinen, der Strahlenkranzmadonna und dem Adlerpult für die Chorsänger. Es war eine teure Kamera, vielleicht ein Fotojournalist, dachte Wacker und ging aus dem Weg. Als Wacker die Treppe hinauf zur Empore stieg, um sich den Thron Karls des Großen im Hochmünster des Doms anzusehen, drehte er sich noch einmal zu dem Mann mit der Kamera um. Er hatte Wacker hinterhergesehen und als sich ihre Blicke trafen, wandte er sich ab.
Der Thron ist ein schlichter Marmorsessel. Karl hatte die antiken Marmorplatten aus der Grabeskirche in Jerusalem extra nach Aachen bringen und sie zu einem Thron zusammenfügen lassen. Einer der Marmorplatten zeigt sogar noch Einritzungen aus dem Altertum. Ein Mühlespiel ist darunter. Fast zu banal, um wahr zu sein. Beim Verlassen des Doms traf Wacker vor dem Eingangsportal auf eine große Touristengruppe. Er schob sich vorbei und schlenderte hinüber zum Friedrich-Wilhelm-Platz, wo er sich ins Café Elisenbrunnen setzte. Wacker saß gerne in dem Raum mit den Bücherregalen. Er bestellte einen doppelten Espresso und einen Cognac. Das half ihm manchmal beim Nachdenken, wenn er nicht gerade mit dem Fahrrad fuhr oder zu Fuß unterwegs war. Eine Frau am Nachbartisch las in einer Zeitschrift über moderne Kunst. Wacker musste an ein Interview denken, das er vor noch nicht allzu langer Zeit gelesen hatte. Ein Vertreter der Neuen Leipziger Schule und langjähriger Meisterschüler, der seine Arbeiten bei Auktionen zu Preisen von bis zu dreihunderttausend Euro verkaufte, stand Rede und Antwort. Er lebte seit einigen Jahren in Paris. Manche Sammler wollten, dass er sie für Geld porträtiere, aber der Maler gab stets zur Antwort, dass er keine Auftragsarbeiten annehme. Er wolle kein Unternehmer werden, sondern Künstler bleiben. Konnte Wacker sich diesen Luxus leisten, schließlich erzielte er mit seinen Büchern keine hundertvierundvierzigtausend Euro und erst recht nicht binnen eines halben Jahres.
Hinter der Glaswand, die den Cafébereich mit den Bücherregalen von einem deutlich größeren Raum mit vorwiegendem Restaurantbetrieb trennte, entdeckte Wacker den Mann aus dem Aachener Dom. Die Kamera lag neben ihm auf dem Tisch. Er wollte ihm zulächeln, doch der Mann sah weg. Der Restaurantbereich füllte sich mit Mittagsgästen. Wacker hatte keinen Hunger und bestellte ein stilles Wasser. In seinem Kopf arbeitete es noch immer. Er freundete sich allmählich mit dem Gedanken an, das Abenteuer einzugehen und den Auftrag anzunehmen. Er nippte an seinem Cognac und entdeckte in einem der Bücherregale eine antiquarische Ausgabe des phantastischen Prager Schauerromans »Der Golem« von Gustav Meyrink. Ein Buch, das er vor vielen Jahren gelesen hatte, obwohl er mit übersinnlichen Phänomenen und Metaphysik nur recht wenig anfangen konnte. Beim Anblick des Bücherrückens fiel ihm ein, dass Meyrink selbst einmal vor der Entscheidung stand, eine Auftragsarbeit anzunehmen. Die Umstände waren ebenfalls ein wenig ominös gewesen. Im vorletzten Jahr des Ersten Weltkriegs wurde Meyrink vom deutschen Auswärtigen Amt in Berlin aufgefordert, einen okkulten Roman zu schreiben, der den Lesern suggerieren sollte, die Freimaurerei trage die Schuld am Krieg. Meyrink soll einem befreundeten Theologen hierzu mitgeteilt haben, dass er telegraphisch nach Berlin ins Auswärtige Amt gebeten worden sei. Dort habe er einen Legationsrat nebst zwei Vertrauensmännern getroffen. Einer der Vertrauten sei der Beichtvater der Königin von Bayern gewesen. Die Herrschaften kamen gleich zur Sache. Meyrink solle ihnen einen Roman schreiben, in welchem der Nachweis geführt werde, dass die Freimaurer am Weltkrieg schuld seien. Er wollte zunächst ablehnen und schlug geeignetere Autoren für dieses Unterfangen vor. Zudem war Meyrink in der Vergangenheit als scharfzüngiger Kritiker des Kaiserreiches hervorgetreten und hatte auch das Militär nicht mit seiner Kritik verschont. Doch die Bittsteller vertraten hartnäckig die Ansicht, dass es für diese Aufgabe eines Schriftstellers bedürfe, der ausreichend prominent sei und von dem das Publikum wisse, dass er diesen Dingen mehr als kritisch gegenüber stünde. Meyrink nahm den Auftrag samt Vorschuss an und kurze Zeit später stapelten sich alte und neue Bücher freimaurerischen Inhalts auf seinem Schreibtisch. Doch er kam mit der Arbeit nicht voran und so wurde ihm der Auftrag nach einigen Monaten wieder entzogen. Über die Gründe wurde seither viel spekuliert. Es wurde von diversen Anläufen gesprochen, die durch Schreibblockaden immer wieder ein jähes Ende fanden. Meyrink soll schon kurz nach der Annahme des Auftrags bewusst geworden sein, in welch groteske Lage er sich damit gebracht hatte, war er doch Zeit seines Lebens ein eher unpolitischer Individualist gewesen, der sich viel lieber mit übersinnlichen Themen beschäftigte und später sogar zum Buddhismus konvertierte. Doch es hieß auch, Meyrink hätte den Auftrag angenommen, um das ganze Projekt scheitern zu lassen oder zumindest so zu beeinflussen, dass es im Resultat den Freimaurern keinen nennenswerten Schaden zufügen konnte.
Wie würde er sich selbst entscheiden, wenn er die Auftragsarbeit nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Denn Wacker leistete sich tatsächlich noch den Luxus, ein Gewissen zu haben. So wie die Tierärztin Margrit Herbst, die in den Neunziger Jahren die ersten Verdachtsfälle von Rinderwahnsinn meldete und zur Belohnung schikaniert, herabgesetzt und schließlich entlassen wurde. Sie war ihrem Gewissen gefolgt und wurde für diese Dreistigkeit von der Obrigkeit bestraft und in die Armut getrieben. Die Bevölkerung hatte ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren, es ging um nicht mehr und nicht weniger als um die Gesundheit der Menschen, hatte Margrit Herbst später gesagt. Mit einer anderen Entscheidung hätte sie nicht leben können.
Wacker sah auf die Uhr. Noch war ausreichend Zeit, zurück in seine Wohnung zu gehen, den Vertrag zu unterzeichnen und ihn rechtzeitig vor der heutigen Leerung in den nächsten Briefkasten zu werfen. Wacker winkte der Bedienung. Sie verstand sofort und kam gleich darauf mit dem ausgedruckten Bon in der Hand zu seinem Tisch. Der Mann aus dem Dom machte ebenfalls Anstalten zu gehen und fing damit an, seine Kamera in einem kleinen Lederrucksack zu verstauen. Wacker ließ großzügig aufrunden. Er hatte ein Herz für Studierende, die sich im Café Elisenbrunnen gern etwas dazuverdienten. Vor die Sonne hatten sich große weißgraue Wolken geschoben, die in großer Anzahl mit dem Ostwind herangetragen wurden. Vor dem Elisenbrunnen war viel Betrieb. Wacker schob sich an den Leuten vorbei und schlug den direkten Weg zu seiner Wohnung ein. Er lief am Theaterplatz entlang. Zwischen den griechischen Säulen hing ein großes Banner. Es wurde Hagen - Die Ring-Trilogie - Teil 1 gespielt. Musik und Libretto von Richard Wagner. Hagen, Halbbruder der Gibichungen, tötet Siegfried, Brünnhilde schaut zu. Hagens Vater, der Zwerg Alberich, hatte ihm den Auftrag erteilt, den einst vom Göttervater Wotan entrissenen Ring zu rächen und zurückzugewinnen. Der ewige Kampf um Macht, dachte Wacker, der mit der germanischen Mythologie nie viel anfangen konnte.
In seinem Briefkasten fand er Werbung und zwei Rechnungen. Er warf alles auf den Küchentisch und holte seinen Füller, der auf dem Schreibtisch lag. Ohne lange zu zögern unterschrieb er den Vertrag, faltete das Schriftstück und steckte es in den frankierten Rückumschlag. Er hatte seinen Wollmantel angelassen und ging wieder hinunter. Der Briefkasten war gleich um die Ecke. Fünf Minuten später saß er bereits wieder an seinem Schreibtisch und arbeitete an einem Artikel über eine französische Autorin. Diese Frau schrieb autobiografische Romane und verarbeitete darin ihr eigenes Leben; so auch die Beziehung zu ihrer Mutter, von der sie sich in ihrer Jugendzeit ständig überwacht gefühlt habe. Sie habe sogar ihr Tagebuch gelesen und es anschließend verbrannt. Was konnte eine Mutter ihrer Tochter schlimmeres antun, dachte Wacker. Dennoch habe sie ihre Mutter immer geliebt, hatte die Autorin in einem Interview verraten.
Nach dem Abendessen öffnete Wacker das Küchenfenster und blickte über die Dächer hinweg auf den wolkenverhangenen Himmel, dann hinunter auf die Straße. In einem der parkenden Autos rauchte jemand, zumindest sah Wacker, wie Rauch aus dem geöffneten Seitenfenster emporstieg und sich im Schein der Straßenlaterne verlor. Wacker war gespannt auf die nächsten Tage.
Am nächsten Morgen wurde Wacker von einem Gewitter geweckt. Es donnerte laut und am grauen Himmel waren Blitze zu sehen. Eine Warmfront aus dem Süden war auf deutlich kühlere Luftmassen aus Nordost gestoßen. Als Wacker die Tür der Duschkabine öffnete, fielen Blitz und Donner zusammen. Der Knall war so laut, dass er annahm, der Blitz wäre ganz in der Nähe, wenn nicht sogar in dem Dach über ihm eingeschlagen. Er verzichtete vorerst aufs Duschen, denn er hatte mal gehört, dass ein Blitzeinschlag unangenehme Folgen für den Duschenden haben könnte. Wacker zog stattdessen seinen Schlafanzug wieder an und setzte sich an seinen Schreibtisch. Dort stand das aufgeklappte Notebook. Er hatte den Eindruck, dass es jeden Tag ein wenig länger fürs Hochfahren brauchte. Vielleicht sollte er sich von dem Vorschuss ein neues kaufen. Der Verrechnungsscheck, schoss es ihm in den Kopf, wo hatte er ihn bloß hingelegt. Auf dem Schreibtisch lag er nicht. Wacker ging in die Küche. Dort lag noch das zweite Exemplar des Vertrags über die Auftragsarbeit. Doch vom Scheck keine Spur. Schließlich erinnerte er sich daran, den Scheck in seine Nachttischschublade gelegt zu haben. Mit Erleichterung stellte er fest, dass er dort wirklich lag. Das Gewitter schien nur langsam weiter zu ziehen. Wacker sah nach, ob er neue E-Mails bekommen hatte. Vielleicht eine neue Abrechnung des Verlags, bei dem er seine Kriminalromane veröffentlichte. Meistens stellten diese Abrechnungen aber eine große Enttäuschung dar. Von der Tageszeitung, für die er schrieb, bekam er die Aufträge per E-Mail. Es gab keinen neuen Auftrag. Zwischen den üblichen Werbemails entdeckte er die Nachricht des Journalisten, dem er seinen neuesten Kriminalroman geschickt hatte und der ihm auch bereits ein paar nette Zeilen dazu geschrieben hatte. Eine angenehme Überraschung, dachte Wacker und öffnete die E-Mail. Anerkennung war für ihn beinahe genauso viel wert wie die Tantiemen. Der Journalist bedankte sich nochmals für den interessanten und spannend geschriebenen Krimi. Er lobte besonders die gute Recherche zu dem Thema Steuerkriminalität, mit der auch er sich schon so viele Jahre in seinen Artikeln befasst habe. Er fragte zudem an, ob man sich nicht einmal bei einer Tasse Kaffee dazu auszutauschen könne. Wacker freute sich darüber sehr und antwortete dem Journalisten umgehend. Gerne könne man sich treffen. In den nächsten Tagen sei es aber eher ungünstig, weil er viel zu tun habe und wohl schon sehr bald für einen längeren Aufenthalt nach Paris reisen werde. Vielleicht könne ein Treffen sogar dort stattfinden. Paris sei ja schließlich immer eine Reise wert. Wacker beantwortete die Nachricht nicht ganz ohne Stolz. Er wusste, dass der renommierte Journalist in Köln wohnte, obwohl er für eine süddeutsche Tageszeitung schrieb. Von Köln nach Paris war es wirklich nicht allzu weit.
Wacker arbeitete den ganzen Vormittag an verschiedenen Texten. Als er sich das zweite Mal Kaffee aufsetzte, war es kurz vor zwölf Uhr mittags. Der Journalist hatte seine E-Mail noch nicht beantwortet. Er spielte mit dem Gedanken, heute Essen zu gehen. Vielleicht sogar im Café Elisenbrunnen oder in einem der Restaurants am Platz zum Hühnerdieb. Um halb eins klingelte das Telefon. Draußen schien bereits wieder die Sonne. Wacker wusste gleich, wer es war.
»Herr Wacker, es freut mich, dass Sie sich für den Auftrag entschieden haben. Ich soll Sie auch ganz herzlich von meinem Mandanten grüßen.«
»Dürfen Sie mir jetzt verraten, wer mein Auftraggeber ist?«, unterbrach Wacker den Rechtsanwalt.
»Nein, leider nicht. Ihr Auftraggeber möchte sich Ihnen in Paris persönlich vorstellen und dann alles mit Ihnen zum geplanten Arbeitsauftrag besprechen. Aber Sie werden sich nicht mehr lange gedulden müssen. Ihr Zug geht in zwei Tagen. Das Bahnticket erhalten Sie spätestens morgen mit der Post. Nehmen Sie nur das Nötigste mit. Alles was Sie darüber hinaus noch brauchen, können Sie sich in Paris kaufen und als Spesen abrechnen. Ich hatte Ihnen ja bereits gesagt, dass mein Mandant sehr großzügig ist.«
»Es handelt sich also um einen Mann.« schob Wacker dazwischen.
»Ja, das ist richtig. Herr Wacker, wir haben für Sie eine Wohnung in Paris, die Sie für diese Zeit beziehen können. Bitte notieren Sie sich Straße und Hausnummer.«
»Warten Sie einen Moment, ich muss mir etwas zum Schreiben holen.« Wacker setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm Stift und einen Notizzettel zur Hand.
»Die Wohnung befindet sich im neunten Arrondissement in der Rue de Rochechouart Nummer einhundertvierundvierzig. Ich wiederhole...«
»Ist notiert«, sagte Wacker und unterstrich zweimal die Zahl einhundertvierundvierzig. Das konnte kein Zufall mehr sein.
»Bitte melden Sie sich beim Concierge. Er hat seine Loge im Erdgeschoß gleich neben dem Fahrstuhl und wird Sie erwarten. Nennen Sie ihm einfach Ihren Namen. Die Wohnung wird Ihnen gefallen. Sie liegt ziemlich zentral. Zum Square Louise-Michel ist es nicht sehr weit. Sie wissen schon, dort wo sich auf dem Hügel die berühmte Wallfahrtskirche Sacré-Cœur befindet. Naja, Sie werden sich schon zurechtfinden.«
»Und wenn ich dort bin, wie geht es dann weiter?«
»Wir melden uns dann bei Ihnen, keine Sorge. Richten Sie sich dort erst einmal ein wenig ein. Es soll Ihnen an nichts fehlen. Sie können dem Concierge übrigens Aufträge erteilen. Er wird Ihnen alles besorgen, wenn Sie möchten.«
Wacker wollte noch etwas sagen, doch der Rechtsanwalt Fleckenstein fiel ihm ins Wort.
»Übrigens, Sie können den Verrechnungsscheck jetzt einlösen. Aber denken Sie daran, alles, was Sie in Paris für Ihren Aufenthalt und die Durchführung der Auftragsarbeit kaufen, können Sie als Spesen abrechnen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Wacker.« Fleckenstein legte auf, ohne dass Wacker die Gelegenheit hatte, sich seinerseits zu verabschieden.
Das Abenteuer sollte also schon bald beginnen. Es galt Reisevorbereitungen zu treffen. Wacker war kein Mensch, der alles dem Zufall überließ, aber auch kein Pedant. Er hatte schon von Menschen gehört, die nachts nicht schlafen konnten, weil sie nicht wussten, was man von ihnen am nächsten Tag erwartete. Wacker beschloss nun endgültig, Essen zu gehen. Es würde ihn ein wenig ablenken. Anschließend wollte er zur Bank und den Scheck einlösen. Den Wollmantel brauchte er an diesem Tag nicht. Nach dem morgendlichen Gewitter war das Thermometer auf fast zwanzig Grad gestiegen. Viel zu warm für die Jahreszeit, aber solche Wetterkapriolen waren mittlerweile zur Gewohnheit geworden, genauso wie die regelmäßige Wortmeldung der Leugner des Klimawandels. Wacker zog sich seinen Sommerblouson über, verstaute den Verrechnungsscheck in der Innentasche, steckte seinen Personalausweis dazu und verließ die Wohnung. Der Briefkasten war leer. Auf der Straße zauberten der Sonnenschein, die milde Luft und die Aussicht auf eine kleine Wende in seinem Leben ein Lächeln in Wackers Gesicht. In einem der Autos saß ein Mann, der in irgendwelchen Unterlagen blätterte, als er vorrüberging.
Wacker ging in eines der besseren Restaurants am Platz zum Hühnerdieb. Hier verkehrte er sonst nicht, aber schließlich gab es etwas zu feiern und außerdem wollte er sich schon ein wenig an die Upperclass gewöhnen, mit der er es wohl bald zu tun bekommen würde. An etlichen Tischen saßen Geschäftsleute. Viele noch mit Krawatte und weißem Hemd, Sakko oder sogar Anzug. Die Damen im Business Blazer, dezent bis auffällig geschminkt. Gepflegte Konversation, eloquente Gesprächsführung, Komplimente hier und da, unverfänglicher Smalltalk. Man sprach auch englisch und von einem der Tische drang eine Unterhaltung in französischer Sprache an Wackers Ohr. Es gab vornehme ältere Herrschaften, ebenfalls bestens gekleidet, obwohl kein Büro auf sie wartete. Wacker fiel ein wenig aus der Reihe. An einem der Tische saß eine Gruppe von Hipstern, vermutlich aus der IT-Branche, eventuell auch Marketing-Leute. Wacker wählte einen Tisch am Fenster. Der Kellner, weißes Hemd, darüber eine schwarze Weste und die dazu passende Tuchhose, nahm seine Bestellung auf. Wacker entschied sich für das Steinpilzconsommé mit Wurzelgemüse und gebratenen Waldpilzen als Vorspeise. Als Hauptgericht wählte er Kalbsbacke mit glasierten Äpfeln, gerösteten Zwiebeln, Kartoffelpüree und Fingermöhren. Auch beim Wein wollte er sich nicht zurückhalten und orderte eine halbe Flasche Chassagne-Montrachet aus dem Burgund, nicht ganz billig, wie er fand. Dazu eine Flasche stilles Wasser. Auf einen Aperitif verzichtete er, obwohl er gerne ein kleines Gläschen Crémant de Loire La Chetau Brut getrunken hätte, aber er wollte ja noch ein Bankgeschäft tätigen.
Der Wein ließ nicht lange auf sich warten. Während er den ersten Schluck trank, sah er hinaus auf den kleinen Platz. Hier wurde früher der Hühnermarkt abgehalten. Vor dem Brunnen mit der Bronzefigur, versammelte sich eine Gruppe von Touristen mit ihrer Stadtführerin. Der Brunnen mit seinem achteckigen Becken aus bayrischem Muschelkalk gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Bronzefigur stellt einen Hühnerdieb dar, der wohl versehentlich einen Hahn erwischt hat, der ihn durch sein Krähen verrät.
Die Suppe wurde serviert und Wacker schoss plötzlich der unschöne Gedanke durch den Kopf, dass sich vielleicht doch jemand einen Scherz mit ihm erlaubte und der Scheck nicht gedeckt war. Er probierte vorsichtig die Suppe. Vor dem Brunnen tauchte der Mann vom Vortag auf. Er hatte wieder den braunen Parker mit dem Fellkragen an, obwohl das Wetter dafür viel zu warm war. Wacker musste beim Anblick des Brunnens an die Aachener Industriellenfamilie Cockerill denken, mit deren Stiftungsgeld der Brunnen kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde. Es hat immer schon Familien gegeben, die nicht wussten, wohin mit dem ganzen Geld. James Cockerill betrieb mit seinem Bruder auch eine Wollspinnerei und eine Maschinenbauanstalt. Die Cockerills engagierten sich mit ihrem vielen Geld ausgiebig für den Pferderennsport und unterhielten sogar ein Gestüt. Eine Leidenschaft, der auch heute noch vermögende Menschen nachgehen. Aber die Familie Cockerill bekam den Zorn der Arbeiterklasse zu spüren. Der Aufstand der Arbeiter fand am dreißigsten Januar achtzehnhundertdreißig statt und ging als Aachener Aufruhr in die Annalen ein. Die Arbeiter einer Tuchfabrik bekamen Strafabzüge vom Lohn, wenn sie ein Tuch beschädigten. Das erregte ihren Unmut und so versammelten sie sich vor den Toren der Tuchfabrik, um lautstark die Beseitigung der Strafabzüge zu fordern. Doch die Gendarmen griffen ein und das Geschehen verlagerte sich zum Privathaus Cockerills, der für seinen Reichtum stadtbekannt war. Mit den Webmaschinen, die er herstellen ließ, hatte er viel Geld verdient, während viele Fabrikarbeiter deswegen überflüssig wurden und ihren Arbeitsplatz verloren. Die Einrichtung seines Hauses wurde geplündert oder direkt vor Ort zerstört. Wacker fragte sich, ob sein Auftraggeber auch einer Industriellenfamilie entstammte. Aber heutzutage konnte man auch auf andere Weise zu Geld kommen. Er hatte seinen Teller Steinpilzconsommé ausgelöffelt. Die Kalbsbacke wurde gebracht. Der Mann mit dem Parker trank auf der Terrasse des Cafés auf der gegenüberliegenden Seite einen Latte macchiato. Seine Jacke hatte er über einen der Stühle gehängt. Vielleicht hätte man auch draußen zu Mittag essen können, dachte Wacker und ärgerte sich ein wenig darüber, drinnen zu sitzen. Während er seine Kalbsbacke aß, löste sich die Gruppe der Hipster lautstark auf. Auch andere Gäste sahen von ihren Tellern auf. Es wurde mit goldener American Express Karte gezahlt. Als der letzte Gast dieser Gruppe gegangen war, wurde es für einen Moment still im Restaurant. Wacker wurde gefragt, ob er noch einen Nachtisch wünsche. Er ließ sich die Karte bringen. Mit dem letzten Schluck Wein entschied er sich für Crème Brûlee von Zitronenthymian und Vanille. Draußen hatte sich die nächste Touristengruppe vor dem Brunnen eingefunden. Der Mann aus dem Aachener Dom bekam einen Eisbecher serviert. Langsam leerte sich das Restaurant. Wackers Nachtisch war ein Hauch von Nichts, ganz im Gegensatz zur Rechnung, die er sich zusammen mit einem Espresso bringen ließ. Wacker verließ das Restaurant und lenkte seine Schritte zu seiner Hausbank.
Als er die Bank betrat, spürte er seine Aufregung. Sein Herz schlug schneller, als er es gewohnt war. Vor ihm in der Reihe stand ein altes Ehepaar auf wackeligen Beinen. An der abgemagerten, von bläulichen Adern durchzogenen Hand des Mannes baumelte eine verschlissene Plastiktüte, aus welcher schmutzige Pfandflaschen herausragten. Wacker erkannte das Label eines Energydrinks. Vermutlich hatte der alte Mann die Flaschen mühselig aus verdreckten Mülleimern heraus gesammelt, um die schmale Rente ein wenig aufzubessern.
Ein Mann mittleren Alters mit Glatze und buschigem Schnurrbart bediente an diesem Schalter. Ihm standen feine Schweißperlen auf der Stirn. Wacker schob ihm den Verrechnungsscheck hin. Der Bankangestellte betrachtete das Papier einen kurzen Augenblick lang von beiden Seiten.
»Ein Orderscheck.«, sagte er trocken und fügte in sachlichem Tonfall hinzu: »Ihren Personalausweis bitte.« Wacker hielt ihn bereits in seiner Hand und legte den Ausweis ebenfalls auf den Tresen. Der Mann prüfte den Personalausweis mit geschultem Blick und tippte den Namen des Ausweisinhabers in den Rechner ein.
»Der Betrag geht dann direkt auf Ihr Girokonto, Herr Wacker«, sagte er, blickte zu Wacker kurz auf und betrachtete gleich darauf erneut das Foto auf dem Personalausweis. Wacker bemerkte den Überbiss des Mannes; deshalb also der markante Schnurbart.
»Sie müssen den Scheck hier unterschreiben.« Der Bankangestellte verglich die Unterschriften und gab dann wieder etwas in den Rechner ein.
»Wann wird das Geld auf meinem Konto eingehen?«, fragte Wacker. Der Mann runzelte die Stirn und zupfte mit Daumen und Zeigefinger an seinem Schnurbart.
»Das geht bei uns ziemlich schnell, sofern der Scheck gedeckt ist.« Er betrachtete noch einmal den Orderscheck und sagte dann: »Bei dieser auszahlenden Bank könnte der Betrag unter Umständen bereits morgen, höchstwahrscheinlich aber übermorgen auf Ihrem Konto sein.«
Wacker sah ihn zufrieden an. So wie es aussah, gab es keinen Grund mehr anzunehmen, dass der Scheck nicht gedeckt war.
Am nächsten Morgen lag auch das Bahnticket nach Paris in Wackers Briefkasten. Der Journalist hatte ebenfalls auf seine E-Mail geantwortet. Gerne könne man sich auch in Paris treffen, nur würde er sich freuen, wenn dies bereits in den nächsten Tagen möglich sein könne. Wacker schrieb zurück, dass er schon morgen, also am Freitag nach Paris führe und dort eine Wohnung in der Rue de Rochechouart Nummer einhundertvierundvierzig beziehe. Dort oder auch in einem der Cafés könne man sich gerne treffen. Vielleicht nicht gleich am Samstag, aber eventuell am Sonntagnachmittag oder auch schon zum Mittagessen. Wacker war sehr gespannt auf das Gespräch mit dem Journalisten. Er hatte seinen letzten Roman, der sich bisher nur schleppend verkaufte, auch verschiedenen anderen Personen zukommen lassen, aber niemand zeigte so viel Interesse an dem Buch, wie dieser Journalist, der unter dem Namen Hermann Ottenstedt publizierte.
Wacker verbrachte den Tag damit, einen mittelgroßen Koffer zu packen. Dabei wollte er, so wie der Rechtsanwalt Fleckenstein es ihm geraten hatte, nur das Nötigste einpacken. Er ging davon aus, gelegentlich ohnehin nach Aachen zurückkehren zu können. Die Zugfahrt dauerte schließlich nur knapp drei Stunden. Das Geld war noch nicht auf seinem Konto eingegangen. Draußen war warme, schmierige Luft. Ein feiner Sprühregen hatte am Vormittag eingesetzt. Die bleiernen Wolken hingen tief und mit Wasser schwer beladen über der ganzen Stadt. Von der Zeitungsredaktion kam eine E-Mail mit nur wenigen Änderungswünschen an dem Artikel über die französische Schriftstellerin. Wacker arbeitete die Änderungen zügig ein und schickte den Text zurück zur Redaktion. Er hatte sich vorgenommen, erst einmal alles so weiter laufen zu lassen, wie bisher, zumindest all das, was seine Tätigkeiten als Autor anbelangte. Dem Taxiunternehmen, für das er gelegentlich fuhr, gab er Bescheid, dass er für die nächste Zeit nicht in der Stadt sei und sich wieder melde. Auch in der Kneipe, in der er noch vor zwei Wochen ausgeholfen hatte, rief er an, um mitzuteilen, dass man ihn vorerst nicht einzuplanen brauche. Die Nacht vor der Abreise nach Paris schlief Wacker schlecht. Das Gedankenkarussell hatte sich seiner bemächtigt. Mitten in der Nacht stand er auf und holte sein Notebook aus dem gepackten Rucksack, der neben dem prall gefüllten Koffer stand. Es dauerte wieder viel zu lange, bis das Notebook hochgefahren war. Wacker loggte sich bei seiner Bank ein. Der Kontostand betrug jetzt dreißigtausendachthundertundzwölf Euro und dreiundfünfzig Cent. Das Geld war also da. Die letzten Stunden der Nacht fand Wacker doch noch in einen unruhigen Schlaf, bei dem er sich ungezählte Male von der einen auf die andere Seite wälzte. Um acht Uhr klingelte sein Wecker. Das Taxi zum Bahnhof hatte er für neun Uhr bestellt.
Das Taxi war pünktlich. Ein Mercedes Kombi. Wacker stand unten an der Straße und erwartete es bereits. Der Taxifahrer hievte seinen Koffer hinein. Wacker stellte seinen Rucksack dazu. Der Bahnhof war nicht weit entfernt. Die Fahrt lohnte sich für den Taxifahrer kaum. Wacker gab Trinkgeld. Vor dem Bahnhof der übliche Betrieb zu dieser Zeit. Die Pendler waren längst weg und saßen vermutlich schon in ihren Büros bei der Arbeit. Der Himmel war noch immer grau, aber wenigstens regnete es an diesem Morgen nicht. Am Bahnhofskiosk kaufte Wacker eine Zeitung und verschiedene Zeitschriften. Beim Bäcker musste er einen Moment warten, ehe er dran kam und zwei Laugenbrezel und eine Halbliterflasche Apfelschorle bestellte. Wacker hatte noch ein paar Minuten Zeit. Der Thalys fuhr regelmäßig vom äußersten Gleis des Bahnhofs ab. Vor dem viel zu kleinen Fahrstuhl warteten eine Frau mit Kinderwagen und ein Rollstuhlfahrer sowie zwei Männer mit Fahrrädern. Wacker nahm die Treppe. Auf dem Bahnsteig nur eine Handvoll Fahrgäste. Neben Wacker stand eine ältere Frau, sehr klein, der Rücken vom Alter krumm und unterhielt sich mit einem jungen Mann. Sie sprachen französisch miteinander. Er hätte ihr Enkel sein können und war es wahrscheinlich auch. In der Regel kam der Thalys pünktlich, was auf dem deutschen Streckennetz nicht immer einfach war. Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Bahn nicht nur privatisiert, sondern von ihren Gemeinwohlverpflichtungen weitgehend befreit. Damit begann auch für den Aachener Bahnhof der Abstieg. Wichtige Verbindungen wurden gestrichen, so auch die Züge von Moskau nach Paris und von Wien nach Ostende und das in einem vereinten Europa. Selbst der Nachtzug von Aachen nach Dresden wurde aufgegeben. Zwei Frauen Anfang zwanzig, mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken, betraten den Bahnsteig. Vielleicht befanden sie sich auf einer Reise quer durch Europa und Paris war ihre nächste Station. Wacker hatte auch schon einmal darüber nachgedacht, mit Reisebeschreibungen Geld zu verdienen. Doch an dieser Art von Schriftstellerei versuchten sich viele. Es gab sie wie Sand am mehr, zumal heute fast jeder nach Belieben reisen konnte, auch mit schmalem Budget. Der Thalys fuhr pünktlich ein. Der Zug war in die Jahre gekommen, wirkte aber gepflegt und gut gereinigt. Wacker sah noch einmal auf sein Billett. Man hatte ihm einen Platz am Fenster reserviert. Das war das angenehme am Thalys, eine Fahrt ohne Reservierung war nicht möglich. Also kein Gedränge und Geschiebe, keine Fahrgäste, die die Gänge versperrten oder verzweifelt nach einer Sitzgelegenheit suchten. So konnte der Thalys auch zur vorgesehenen Zeit seine Reise nach Paris fortsetzen. Während der Zug sich träge aus dem Bahnhof bewegte und nur langsam Fahrt aufnahm, musste Wacker an so manche chaotische Bahnfahrt in Deutschland denken. Die Fahrpläne der Deutschen Bahn waren mittlerweile alles andere als eine verlässliche Reiseauskunft, sondern unverbindliche Abfahrtsempfehlungen mit Gleisvorschlag. Nicht einmal die Wagenreihung konnte zuverlässig vorhergesagt werden. Tagtäglich spielten sich hierzulande kleine und große Tragödien ab, die jedem Verschwörungstheoretiker genug Belege dafür lieferte, dass dahinter nur der Einfluss der Automobilkonzerne und der Mineralölindustrie stecken konnte, dachte Wacker, während der Thalys allmählich die weitverzweigten Gleisanlagen des Aachener Bahnhofs hinter sich ließ.
Obschon Wacker genug zum Lesen dabei hatte, sah er die ganze Zeit über aus dem Fenster oder beobachtete andere Fahrgäste. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern spielte Mensch ärgere dich nicht. Der Platz neben Wacker war frei geblieben. Ganz in seiner Nähe hatte eine Frau mittleren Alters ein Notebook auf dem Schoß und bearbeitete einen langen Text. In Lüttich stiegen nur wenige Leute aus, aber viele dazu. Wacker betrachtete die Menschen auf dem Bahnsteig. Einige mit schweren Koffern, viele mit Aktentasche oder kleinem Rucksack. Junge Frauen im Businessrock, schwarzer Nylonstrumpfhose und hochhackigen Schuhen hasteten zu den Treppen. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Nächster Halt war Brüssel. Die Landschaft wirkte auf Wacker beruhigend. Das flachwellige Hügelland, gesprenkelt von kleinen und größeren Bauernhöfen zwischen ausgedehnten Äckern und Wiesen, vermittelte ihm das Gefühl, dass sich nicht die ganze Welt verändert hatte. In Brüssel bekam Wacker eine Sitznachbarin. Eine Japanerin mit kurzen Haaren, die sich ganz offensichtlich auf dem Weg zu einer Orthopädentagung in Paris befand, wie Wacker der Konferenzmappe auf dem Schoß der Frau entnehmen konnte. In der Picardie musste er an den Wahnsinn des Ersten Weltkrieges denken. Eine Materialschlacht von damals ungekanntem Ausmaß mit hohen Verlusten und unbedeutenden Geländegewinnen. Eine nicht zu überbietende Sinnlosigkeit menschlichen Handelns. Tod und Elend ohne den geringsten Nutzen. Ein Massensterben ausgelöst von Eliten, die sich selbst nicht in Gefahr begaben und stattdessen in Konferenzräumen saßen und an Planspieltischen standen.
Auf den letzten fünfzig Kilometern wechselten sich Sonne und Wolken ab. Die letzten zwanzig Minuten der Zugfahrt hatte er sich mit seiner Sitznachbarin über belanglose Themen unterhalten. Das Wetter, die Stadt Berlin und das hektische Paris. Sie war Ärztin in Nagasaki und hatte als Orthopädin viel zu tun. Das viele Sitzen mache den modernen Menschen krank, auch in Japan, sagte sie. Der Bewegungsapparat leide als erstes und später der ganze Körper. Es sei ein unterschätztes Problem. Dann hatten sie den Bahnhof Gare du Nord erreicht.
