Der Baum - Andreas Thierauf - E-Book

Der Baum E-Book

Andreas Thierauf

0,0

Beschreibung

Ein kleiner, unscheinbarer Junge aus gutem Hause erfährt von seinem Vater, was ein Milliardär ist und ab diesen Zeitpunkt rennt er dem Geld hinterher, bis er es eines Tages geschafft hat. Ausgestattet mit einer besonderen Gabe, die ihm einen Vorteil verschafft, wird er einer der reichsten Männer der Erde. Als er einen besonderen Menschen kennenlernt, kommt er aber zum Nachdenken und trifft eine furiose Entscheidung! Poetisch, spannend, leicht brutal und ein ganz kleines bisschen vulgär erzählt, eine Geschichte über Macht, Geld, Sex, Liebe und Tod.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 648

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Ich bin jetzt 200 Jahre alt, ich habe heute Geburtstag, und jetzt ist die Zeit gekommen mal was auszuplaudern, zu erzählen, kundzutun, Geschichten, Anekdoten, heiteres, ernstes, Dinge die das Leben schreibt, Dinge die normal, unfassbar, abartig, schön, liebenswert, lebenswert, vom Menschen, vom Leben, vom dasein, Krieg, Feste, Feiern, Geburtstage, Geburten, Tod, all jene Dinge die sich hinter verschlossenen Türen, hinter Türen die geschlossen werden und wieder geöffnet, und was in der Zeit von öffnen zum schließen und wieder öffnen und wieder schließen passieren und eigentlich nicht nach außen dringen sollten! Geheimnisse, kranke Fantasien , Alltägliches, Banales, Schönes, und all das was zum Leben, leben und lieben, streiten und hassen gehört, von all dem werde ich heute berichten!!! Im Herbst ,bei einem tosenden ,erschreckenden, stürmischen Gewitter viel ich , eine Eichel von den riesigen Verzweigungen der riesigen wunderschönen, anmutigen, ja fast majestätisch anzuschauenden Eiche zu Boden in den durch platzenden Regen aufgeweichten Waldboden wo mich sofort eine orkanartige Windbö gezielt erfasste ,Windbö für Windbö aneinander gereiht ,wie an einer endlos langen Perlenkette flog ich , rollte ich , schlitterte ich ,Sekunde für Sekunde , Minute für Minute, Stunde für Stunde, Zentimeter für Zentimeter , Meter für Meter , Kilometer für Kilometer im zickzackkurz Richtung Westen von der großen Eiche fort! Nach vielen Stunden meiner ungewollten, schnellen, stürmischen Reise lies der Wind endlich und abrupt nach und wurde zu einem lauen , sanften, liebevollen Lüftchen , und ich blieb zwischen einem graublauem, von der Natur in hunderten von Jahren geschliffenen fast runden Stein und einem Stück Gehölz eingeklemmt ruhig und friedlich liegen! Es begann dann recht bald der Winter , er kündigte sich an, indem sich der erste Raureif so grau und pflaumig wie ein Pelz, in den Morgenstunden auf mich nieder lies , aus Reif wurde Schnee und aus Schnee wurde Eis , Eis so wunderschön bläulich und durchsichtig wie dickes Panzerglas! Mit der etwas höher stehenden Sonne und den erwärmenden Strahlen derer ihr entfleuchten, konnte man merken und erahnen das der Frühling vor der Tür stand ,es wurde von Tag zu Tag wärmer , wohliger, lauer und ich die Eichel öffnete mich und fühlte wie eine Wurzel aus mir in den sandigen nahrhaften Boden eindrang und das Leben der Natur aus ihm saugte und mich zum Leben erweckte , und schon recht bald keimte das erste winzige Blättchen nach oben in Richtung Himmel und Sonne , es hatte begonnen, das Leben, mein Leben! Zu Anfang erschien mir alles riesengroß, gerade zu mächtig, jedes Blatt, jedes Insekt, jedes Tier, jeder Stein, alles kam mir so unermäßlich und ungeheuer groß vor, und jeder kleine Regentropfen der vom grauen, düsteren Himmel viel, kam einem reißenden Wasserfall gleich und brachte mich mächtig zum beben! Aber im laufe der vielen Jahre wurde alles, auch das kleinste Detail im Verhälltniss zu mir immer kleiner und kleiner und kleiner, manches sogar ungeheuer winzig und bald nicht mehr real und exeztent! Und ich wuchs, und ich sah, und ich hörte, wie viele male sah ich, hörte ich, spürte ich den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter! Der Frühling, alles wird zum Leben erweckt, die Landschaft die mich umgab erstrahlte in den schönsten verschiedensten Grüntönen, Vögel in ihren unterschiedlichsten Arten, Formen, und Farben fingen an ein traumhaftes, schrilles Konzert zu pfeifen und zu zwitschern , die Sonne fing an alles lau zu erwärmen, die Tage wurden merklich länger, es machte immer den Anschein, das die ganze Welt neu zum Leben erweckt wurde! Der Sommer mit der hoch stehenden Sonne, seiner sengenden Hitze, seiner Glut, wilden rasenden Regenstürzen und flammenden Gewittern, unzählige Libellen mit gläsernen Flügeln die ihr golden Feuer entzündeten, Tiere aller Arten die an schattenspendenden Orten, Plätzen, Büschen, Bäumen, nach etwas Abkühlung und Schutz suchten! Der Herbst, der anfing die Sonne wieder zu senken, der die ersehnte Abkühlung brachte, die Winde taten sich zusammen und wurde zu tosenden Stürmen, zu Stürmen die die Welt erbeben läst und ließ! Vögel flogen wie Pfeilspitzen durch den mit weißen Wolken durchzogenen Himmel in Richtung Süden, Tiere sammelten Nahrung und bauten sich ihr Winterquatier, bereit für einen langen herholsammen Schlaf! Der Winter, es wurde still, teilweise eine Gespenstige Stille, Ruhe , alles war wunderschön in Weiß gehüllt die ganze Welt schien gedämpft, verpackt, die Luft so klar und rein, vom Himmel fielen gefrohrende Regentropfen in wunderschönen Formen wie ein leuchtender Kristallregen nieder und verzauberten die Welt in ein Märchen, ein Märchen in weiß! Wie oft duftete es nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter, wie oft? Unzählige Tage vergingen, die Schatten wanderten und die Zeit zog an mir still und leise vorbei! Und ich wuchs, und ich sah, und ich hörte immer weiter , meine Verzweigungen wurden zu einer großen prächtigen Krone, meine Blätter immer schöner und mein Stamm immer fester, immer breiter, immer dicker, immer höher, ich wurde zu einem riesigen Baum einem Baum den man anschaut, einem Baum der Schatten spendet, einem Baum der bei Regen Schutz bietet, zu einer riesigen, prächtigen, imposanten Eiche! Irgendwann war es soweit, ich überragte alles neben mir, alles!! An dem Tag als es soweit war und ich alles überblicken konnte, duftete es nach Frühling, der süße angenehme Duft des Lebens war stark und intensiv zu spüren , ich stand auf einer großen Wiese, durchzogen von grasigen Wegen die ins nirgendwo zu führen schienen, bunte Blumenstreifen zierten die Wiese und Bienen mit surrenden Flügeln drangen begierig in die höhlungen der Blumen ein! Etwas weiter von mir entfernt war ein kleines Tannenwäldchen, und in meiner nahen umgebung ein paar Birken mit ihren schön anzuschauenden weissen Stämmen , Richtung Westen viele Äcker, Kartoffeln, Mais, Weizen und dahinter lagen kleine Dörfer mit ihrem ländlichen Charm, Richtung Osten etwa 150 Meter von mir, ein kleiner See mit einem winzigen Kanal der in einen Fluss mündete, das Wasser das den See und auch Fluss füllte war tief Schwarz, dunkel, nicht schön anzusehen, nur wenn die Sonne tiefer stand und fast den Horizont erreicht hatte, legte sich ein wunderschöner Film wie aus Blattgold über den See und Fluss und im hellen Mondschein war dieser Film in Silbern getaucht! Die Landschaft war nicht spektakulär, keine riesigen Berge, keine grünen Hügel, kein blaues Meer, nichts der gleichen eher flach und öde, aber eines war doch noch sehr erwähnenswert, interessant, und auch in gewisser Weise spektakulär, ich stand am Rande einer riesigen Stadt, genauer am westlichen Stadtrand!! In dieser Stadt pulsierte das Leben, überall Kalkhaufen, Ziegelsteine, Baugerüste, Staub, Stahl, Eisen, Holzbalken, Mauersteine, ein unendlich scheinendes Geflächt aus gepflasterten Strassen durchzogen diese riesige Stadt!

Häuser in allen Formen und Variationen, große Fabriken, Plätze, wunderschön anzusehen ,Alleen, Kaufmannsläden in dem man alles mögliche zu seinem eigen machen konnte, Caffees, Nachtlokale, Tanzbars! Die ersten Filmtheater wurden errichtet, Schulen, Sportplätze und auf einem riesigen Feld wurde im Eiltempo mit viel Fleiß, Liebe und Akkoratesse ein Flughafen errichtet! Grüne Wälder und viele Seen durchzogen wie von Künstlerhand gemalt die gesamte Stadt und gaben ihr ein einzigartiges und besonderes Flair! An diesem lauen sonnigen Frühlingstag waren die Strassen mit vielen Menschen gefüllt, Menschen die den Tag genossen, in den Gartencaffees saßen Paare gut und elegant gekleidet die Damen hatten teilweise riesige Hüte auf ihren gut frisierten Köpfen, es gab Männer mit schwarzen Zylindern auf ihren Haupt die regelmäßig in ihren Hosen oder Fracktaschen nach ihren Taschenuhren griffen, sie heraus zogen und mit einen gekonnten Druck des Daumens den Deckel aufspringen ließen um dann einen flüchtigen Blick auf das Ziffernblatt zu werfen! Die Gartencaffees und Strassen waren gut besucht und gefüllt, es war Samstagnachmittag! In einem dieser Gartencaffees saß ein Paar im mittlerem Alter mit guter Sicht auf die prächtige Allee, gut und elegant gekleidet, er ein Mann groß und mit guter Statur gerade einen Blick auf seine goldene Taschenuhr werfend hob dann seinen Kopf und schaute seine Frau mit lieben aber doch scharfen gezieltem Blick in ihr feines hübsches Gesicht und sagte “Marlene meine Teuerste ich muß so langsamm nach der Rechnung verlangen, wir sind heute Abend mit Amtsrat Schneider und seiner entzückenden Frau in diesem neuen feinen Tanzlokal Blauer Engel verabredet, Amtsrat Schneider hat zu 2o Uhr einen Tisch bestellt, es wird wohl das ein oder andere Fläschchen Champagner fließen und ein gutes Mahl werden wir uns auch zu Munde führen” Sie “ ja lieber Walter dann mach das mal, wenn ich so an den sehr dekadenten Abend heute denke, kann ich es kaum glauben das wir noch vor ganz wenigen Jahren einen Weltkrieg der 17 Millionen Menschen das Leben kostete verloren haben” Er “Marlene meine Gute rede nicht immer so, genieße lieber, das nennt man dann die goldenen 20ziger! Herr Ober die Rechnung bitte”!! Ein wildes Treiben herrschte in dieser Stadt, kein wildes durcheinander eher sehr wohl geordnet, alles hatte seine Bestimmung, alles hatte irgendwie seine Ordnung, alles hatte einen Sinn! Die Industrie hatte Hochkonjunktur, in den zahlreichen Fabriken dieser Stadt rauchten die Schornsteine, der Qualm des Geldes und des Wohlstandes zog langsam, leise und bedächtig in den Himmel, hinaus in die Welt! Morgens gingen Männer, Familienväter in Anzügen mit ihren Aktentaschen in dem das von ihren Frauen liebevoll hergerichtete Mittagsbrot lag zur Arbeit, Männer in Uniformen, Arbeitsanzügen mit Werzeugkisten in den Händen und unter den Armen gingen meist gut gelaunt und pfeifend durch die Strassen , Fuhrwerke mit ihren kräftigen Lastpferden vorn eingespannt rollten über die Pflastersteinstrassen und machten laute, nervende Geräuche, die aber niemanden zu stören schien und auch keiner missen wollte! Überfüllte Bäckereien und an allen Ecken stehende Zeitungsstände, wo man zugriff und mit schneller Hand das lose Kleingeld hinlegte, rundete das quirlige aber doch wohl geordnete und mit viel liebevollem Charme durchzogene Gesamtbild der Stadt ab! Am Abend wenn die Väter und Ehemänner von ihren Büro oder auch schweißtreibenden Arbeiten nachhause kamen wurde gut gegessen und auch getrunken und so mancher Mann gönnte sich eine würzige, geschmackvolle, große Zigarre und in der freien Zeit an Samstagabenden oder auch Sonntags wurden Theater, Kinos und Revuen besucht und genossen alles schien gut alles war schön und nahezu perfekt!! Aber der Schein trog, diese Idylle schwankte, das Gute, das Schöne, das wunderbar angenehme und würdevolle Leben von Familien, Kindern, Frauen und Männern wurde an einem einzigen Tage in seinen Grundmauern erschüttert ja sogar zum einstürzen gebracht! Es war im Herbst, dunkle tiefschwarze Regenwolken die nur darauf warteten aufzubrechen und ihr Nass in Form von starken großen Regentropfen freizulassen und die lauen Sommerwinde hatten schon längst mit starken Herbststürmen getauscht, es war an einem Freitag, es war der schwarze Freitag, wahrlich ein schwarzer Tag! An diesem Tage veränderte sich auf einem Schlag, in minutenschnelle die heile Welt von Millionen Menschen! Dieser dunkle, furchtbare und furchterregende Tag brachte ein riesiges Unheil, eine Wirtschaftskrise von unübersehbaren, unvorstellbaren Aussmaß, eine Weltwirtschaftskrise, eine überdimensionale Geldblase aufgebaut aus Schulden, explodierte, zerschmetterte, wurde zerfetzt und in Milliarden kleinster Teilchen gerissen, ein Unheil, eine Katastrophe! Die Auswirkungen in der Stadt neben mir, waren nicht zu übersehen, der Rauch, der Qualm des Wohlstandes trat nicht mehr heraus, heraus aus den Schornsteinen der Fabriken, hinaus in den Himmel, Morgens sah man nicht mehr die fleißigen Arbeiter hin und her rennen und um Pünktlichkeit bemüht die Beine in die Hand nehmend! Die meisten großen Stahltore der Fabriken blieben geschlossen und die Arbeitslosigkeit stieg in ungeahnte Dimensionen, die ganze Stadt schien still zu stehen, Hunger, Armut, Elend und Leid machten sich breit! Die Familien lebten von der Hand in den Mund und ihre Hoffnungen vielen ins bodenlose zurück und es machte nicht den Anschein das da irgendwo eine Bremse im Verborgenen lag, es schien Hoffnungslos! Krankheiten breiteten sich aus, auf den Strassen an jeder Ecke standen Männer, Familienväter mit selbstgebastelten Pappschildern um den Hals gebunden, auf denen war zu lesen “ Suche Arbeit” “ nehme jede Arbeit egal welcher Art” “ brauche dringend Arbeit, habe Hunger” Es herrschte ein Bild des Grauens, ein Bild der Armut und des Elends auf den dreckigen und herutergekommenden Strassen! So manch gestandene Mannsbilder waren der Lage nicht mehr Herr und dem Wahnsinn nahe und machten ihre Frauen und Kinder zu Witwen und Halbwaisen! Die Leierkastenmänner liefen wie eh und je mit ihren Drehorgeln von Hof zu Hof, drehten gekonnt die Kurbel im richtig wohldosiertem Tempo, und fröhliche Musik füllte die Innenhöfe, aber eines war doch anders als eh und je, wenn sie die Melodien beendet hatten machte es nicht mehr wie sonst plock,plock…….plock……..plock,plock,plock….plock, wenn Mütter und Kinder kleine Münzen gut eingewickelt in Papier, aus dem Fenster zu Boden warfen, nein jetzt machte es nur noch mit viel Glück plock!!! Was war geschehen, was war nur los, hatte sich denn die ganze Welt umgedreht? Wenn nichts mehr zu helfen scheint, weder Liebe, Seele, Herz, noch Verstand, dann hilft der Teufel! Und der Teufel kam, er kam in Gestalt eines kleinen bösen Mannes! Auf einmal war er da, klein, schmächtig, strenger Seitenscheitel, winziger Schnautzbart, stechende Augen und ein Gesicht aus dem jeden Moment der Irrsinn heraus zu springen drohte! Er kam daher in affektierter aber würdevoller Haltung und fing an zu reden, er redete vor 5 Menschen, 10 Menschen, 30 Menschen, bald waren es hunderte dann tausende, für viele war es nur Verstiegenheit und Phantastereien, aber trotzdem hörten sie ihm zu!Wenn er seine Reden hielt dann aus vollster Seele mit vollem Einsatz, der Kopf rotierte hin und her, er wurde immer lauter, er gestikulierte, er schrie, er haute voller Eifer mit den Fäusten auf den Tisch, ja er zerriss sich förmlich und die Leute hörten ihm zu, es wurden immer mehr die ihm zuhörten, ja es wurden sogar Millionen, er war zur rechten Zeit am rechten Ort! Sein Aufstieg schien nicht mehr zu stoppen, es wurde versucht, aber eher halbherzig, nicht mit dem nötigen Nachdruck denn es verlangt hätte um das Grauen abzuwenden , er hatte Verbündete aus aller höchsten Kreisen, er hatte Führsprecher, er hatte Beführworter, ja er hatte sogar Fans! Und so geschah es wie es geschehen mußte, der Tag kam, der kleine böse Mann war oben angekommen, ganz oben, und als er oben war wollte er viel er wollte sehr viel, er hatte Visionen, kranke Visionen, aber er hatte sie! Er wollte Stück für Stück die Welt erobern, ja er wollte die ganze Welt zu seinem eigen machen, er wollte die gottverdammte Welt! Und nebenbei gab es da noch ein kleines Völkchen das ihm zu wider war und das wollte er auf brutalster, abscheulichster Art und Weise ausrotten, bis auch der letzte Mensch dieses Volkes nicht mehr da war und qualvoll sterben musste, oh wie abscheulich! Eines Tages stand er hoch oben auf seinem Rednerpult, und er redete sich und Millionen in Trance, wie versteinert und doch in halber Extase und ihm gehörend standen tausende vor ihm, vor ihrem Führer und er schrie aus vollster Kehle, er schrie den Satz, voller Überzeugund und aus tiefstem Herzen schrie er diesen Satz, er schrie “wollt ihr den totalen Krieg?” Und die Menschen und die Massen und alle schrien wie aus einem Guss, wie aus einer Kehle wie aus einem Munde, wie aus einem Herzen, ja wie aus einem Körper - jaaaaaaaaaaaaaaaaaa-! Sie schrien “ja”!!!!!

Oh wie trüb und dunkel war es in seiner Seele? Es dauerte dann auch nicht mehr lang und die Armee des kleinen bösen Mannes marschierte voller Tatendrang und Inbrunst im Stechschritt über die Grenze ins Nachbarland ein! Der kleine böse Mann forderte das Schicksal zum Kampf heraus! ES WAR KRIEG! Sehr schnell und rasch bot sich ein Bild der Traurigkeit und der Trostlosigkeit, riesengroß wie eine Leinwand, eine Leinwand voll gemahlt mit Schmerz und Verlust, Männer standen vor ihren Haus und Wohnungseingängen, bereit sich von Frau und Kindern zu verabschieden und auf beiden Seiten gab es keine Gewissheit sich je wieder in die Augen zu schauen, sich irgendwann wieder voller Glück und Freude in den Armen zu liegen, das war einfach weit weg und sehr ungewiss! Unzählige Tränen wurden vergossen, Angst und Schrecken konnte man überall wie Sonne und Wind spüren, Angst so stark und gewaltig das es die ganze Stadt auszufüllen schien! Frauen und Kinder waren ab jetzt zu meist auf sich alleine gestellt, und ihre Männer und Väter kämpften an allen Ecken und Fronten, bei Hitze, bei eisiger Kälte, bei Regen und Sonnenschein, bei Sturm und Schneegestöber und die Zeit verging in den Schützengräben bei Kugelhagel, Granatfeuer und Bombenfall mal schnell und hastig, mal langsam und lau und in den verzerrten Gesichtern der Männer sah man die blanke Angst, eine gespenstische, schmerzvolle Todesangst! Man konnte sie schon hören bevor man sie sah, die donnernden Motoren an denen sich die rotierenden Propeller befanden und augenblicke später sah man sie auch, die Bomber, sie machten einen höllischen Lärm wenn sie über meiner Krone in Richtung Stadt flogen, in der Stadt gingen dann die bis ins Mark stechenden Sirenen an, dann war Bombenalarm! Bombenalarm, oh wie oft hörten die Menschen in der Stadt diese furchtbare Sirene, und dann gab es immer das gleiche Bild, immer das gleiche Treiben, Frauen, Kinder und alte kranke Männer rannten wirr und in aller Eile kreuz und quer durch die Strassen um sich so schnell wie möglich in ihren Kellern oder Luftschutzbunkern in Sicherheit zu bringen! Da saßen sie dann zusammen gefercht und die blanke Angst stand ihnen in den weit aufgerissenen Augen und sie hörten und lauschten und zuckten zusammen wenn in der Nähe eine Bombe viel und es in den Kellern und Bunkern wackelte und der Lärm in den Ohren pochte und sie warteten geduldig bis der Luftangriff vorüber ging! Langsam, vorsichtig und mit dem unguten Gefühl den kläglichen Rest ihres Hab und Gutes verloren zu haben traten sie heraus auf die Strassen und sahen ein Bild der Zerstörung, der sinnlosen Zerstörung und wieder und wieder waren Menschen noch ärmer als sie es vorher schon waren! Es bot sich dann ein furchtbares Bild, ein schrecklicher Anblick, ein tosendes Inferno, überall stiegen die gelb, orange, roten Feuerschwalle hoch, hoch in den Himmel, Rauchschwaden durchzogen wie mit dem Stift gemalt die weissen Wolken und ließen sie grau bis schwarz erscheinen, überall zerstörte Strassen, zerstörte Häuser, es schien kein Stein mehr auf dem andere an seinem Platze zu liegen! Die einst wundervoll anzuschauende Stadt glich nach und nach von Angriff zu Angriff immer mehr einer steinernden Geröllwüste! Und zwischen all dem Elend dem Leid, dem Blut, den Leichen, der Zerstörung, liefen Männer in ihren braunen Uniformen bewaffnet mit Gewehren hektisch umher, sie rannten von Haus zu Haus und durchsuchten Raum für Raum und wenn sie dann wieder heraus traten, trieben sie Frauen, Kinder, Männer, vor sich her, Menschen mit aufgenähtem gelben Sternen auf ihren Brüsten und sie trieben sie wie eine Herde Tiere zum Bahnhof, Frauen und Männer wurden dann getrennt und sie wurden in Güterwagons wie Vieh gefercht, gedrückt, gepresst, getreten bis zwischen ihnen kein cm Platz mehr war, ohne Fenster ohne Luft standen sie förmlich zusammen gepresst und mit einer unvorstellbaren Angst wie eingeschweißt in ihren Köpfen, ja so standen sie da! Güterzug nach Güterzug rollte ein und wieder und wieder wurden die Menschen hinein gequetscht und es waren doch immer noch Menschen! Die Züge rollten los, Zug nach Zug rollte aus dem Bahnhof sie rollten, sie fuhren langsam und dann schneller, Meter für Meter in den Tod, Kilometer für Kilometer in den sicheren Tod, denn es waren die Todeszüge! Die Zeit schmolz langsam und schmerzvoll dahin, viele Tage vergingen, viele Vollmonde gingen auf und tauchten die Nächte in einen silbernen Glanz, die Baumkronen blüten schon, sie blüten in weiss und rot, auf den Wiesen waren schon die Blumen wie Teppische ausgebreitet, die Luft war lau und wohlig und die Sonne stand schon höher am Horizont! Es war Frühling, die Natur wurde wieder zum Leben erweckt und die Menschen in der Stadt waren weiter dem Tode geweiht! Von weitem sah ich Soldaten über die Äcker schreiten, 20 mögen es gewesen sein, sie liefen auf die Wiese zu und sangen Kameradenlieder, aus voller Kehle, tief und angenehm als hätten sie es Wochenlang geprobt, ihre Gesichter waren dreckverschmiert und ausgezerrt! “30 min Pause” rief der Feldwebel klar, deutlich, unmissverständlich! Die Soldaten ließen sich erschöpft auf der Wiese nieder, zwei von ihnen setzten sich unter meiner prächtigen Krone nieder und lehnten sich an meinem breiten, festen, starken Stamm! Der eine, klein, schmächtig ja sogar schon von zarter Statur, blonde Locken traten aus dem Stahlhelm hervor und betonten sein feines sehr junges Gesicht, möge er 19-20 jahre alt gewesen sein, der andere groß, kräftig, stechende braune Augen, ein Blick zum fürchten und älter als der kleine, etwa 25-30 jahre alt! “ich werde sterben, ich werde sterben”sagte der kleine mit zitternder Stimme “hör auf, das sagst und denkst du schon ewig, und sieh dich an, hier sitzt du immer noch” sagte der große mit leicht gereizter Stimme! “du und deine große Klappe immer, wie man hört steht der Feind schon vor allen Toren, bereit uns fertig zu machen” “uns macht niemand fertig wir sind so stark wie diese große Deutsche Eiche hier, der Führer hat noch seine Geheimwaffe, du wirst schon sehen, sehr bald schon wirst du es sehen” sagte der große mit voller Überzeugung in seiner Stimme! “ich bin noch so jung, nicht einmal ein Mädchen habe ich je geküsst, nicht einmal das, beinah hätte ich es getan, Liese, sie war so klein und zart, wir haben als Kinder schon zusammen gespielt, und später hat sie so richtig mein Herz berührt, wir saßen auf der Bank bei uns im Park und wir hielten uns schon bei den Händen, schauten uns tief in die Augen, in meinem Bauch ging es auf und ab und ich wollte mit meinem Munde ganz dicht zu ihrem Munde es war fast soweit, aber dann kamen diese Soldaten und haben mich mitgenommen, mich in eine Uniform gesteckt mir ein Gewehr gegeben und mich in den Zug, in den Zug der zur Front fuhr gesetzt, ein Gewehr, was sollte ich damit? ich wusste doch gar nicht was ich damit anfangen soll und dann habe ich dich getroffen, du hast mir gezeigt was man damit macht, oh Gott, ich habe Menschen damit erschossen, umgebracht, tot gemacht, ich habe ihnen dabei in die Augen sehen müssen, ich zitterte am ganzen Körper, ein Blitz, ja wie ein Blitzeinschlag durchzuckte es meine Seele, aber der Selbsterhaltungstrieb machte es wohl möglich, und jetzt werde ich sterben, mein Gott ich werde sterben, ich will nicht sterben, ich habe doch noch kein Mädchen geküsst” Der große schaute ihn mit großen Augen an “du wirst nicht sterben ich passe doch wie immer auf dich auf und jetzt höre auf zu jammern” Der Feldwebel stand dann auf und schrie “Männer, Pause beendet, noch ca 2 Stunden Fussmarsch und wir sind im Quatier, los geht’s” Die Männer raften sich auf, müde verzerrt waren ihre Gesichter, sie nahmen ihr Marschgepäck und schulterten ihre Gewehre und liefen dem Feldwebel mit lethargischem Schritt hinterher! Plötzlich kamen aus dem Tannenwäldchen zwei Soldaten heraus gerannt, ihre Gesichter hochrot, der Schweiss rinnte ihnen die Stirn und Schläfe entlang, aber in ihren Augen konnte man das reine Glück herausspringen sehen, einen Ausdruck im Gesicht den man lange nicht mehr gesehen hatte, sehr lange nicht mehr in dem vor Angst, Leid und Schmerz verstellten Gesichtern der Menschen! “Kapitulation“, schrien sie und waren völlig außer sich!” der Krieg ist aus, er ist vorbei” “Wie kommt ihr darauf? Woher wollt ihr das Wissen?” fragte der Feldwebel mit mißtrauischem Gesichtsausdruck “unsere Einheit ist gleich dort” er zeigte mit dem Finger in Richtung Norden “gleich dort etwa 30 Minuten von hier, 300 Soldaten sind wir auf dem Weg zum Hauptquartier, da hats unseren Funker angeklingelt und der hats unseren Leutnant gegeben, und der hat es dann gesagt, wir haben getanzt vor lauter Freude, es ist vorbei, aus, Ende” sagte der eine der beiden Soldaten völlig aufgeregt! “ wer hat kapituliert? Wer?” fragte der große “Wir” antwortete der Soldat, der große reckte seine Arme und seinen Kopf nach oben zum Himmel und schrie “Nein, Nein, Warum, Wieso? Was soll das? Wir hätten sie doch alle noch fertig gemacht, ich hätte sie alleine fertig gemacht, diese Bastarde, einen nach dem anderen hätte ich eigenhändig abgemurkst, mit meinen Händen hätte ich sie alle erwürgt, alle, jeden einzelnen von diesen Bastarden, Waaaarum?” Der kleine sah ihn mit glücklichen Augen an und sagte “ja ich glaube es dir du riesen Hornochse, aber freue dich doch der Krieg ist aus er ist vorbei, ich werde doch noch ein Mädchen küssen, ich werde es bald tun, ich werde vieles tun, sehr vieles und ich freue mich so darauf, ja ich werde leben, ja Leben!” “lass mich” sagte der große mit gesenktem Kopf und trat voller Wut und Zorn gegen eine Tanne “lasst mich bloß alle” Die Männer gingen, ja sie tanzten schon mehr voller Freude in den Tannenwald hinein und man konnte noch hören wie sie glücklich, ja sogar völlig außer sich ein Liedchen sangen!

Zur selben Zeit oben in der Luft, eine Bomberstaffel auf dem Anflug zur Stadt, bereit, jeder einzelne von ihnen von den todbringenden Piloten bereit die Stadt zu bombardieren, die Sicherungen für den Bombenabwurfschalter schon entriegelt! Im Bomber 42 saß Pilot Smith, er entriegelte gerade die Sicherung, versunken in seinen Gedanken, schon als kleiner Junge wollte er fliegen, alleine am Steuer sitzen, ganz alleine, seine ganze Jugend hat er daraufhin gearbeitet Pilot zu werden, er hat alles dafür gegeben und ging dann mit genau diesem in seinem Kopf tief verankertem Ziel zur Armee und er schafte es auch, er selbst hat nie daran gezweifelt, zu stark, zu groß war sein Wille, zu groß seine Sehnsucht, aber niemals hatte er darüber nachgedacht Bomben abzuwerfen, zu zerstören, zu töten und beim ersten Flug über die Stadt, als das Komando zum Bombenabwurf kam mußte er sich zwingen, er sträubte sich mit jeder Faser seines Körpers dagegen und als er den schrecklichen roten Knopf gerdückt hatte überrollte ihn eine Welle des Grauens vom Scheitel bis zur Sohle, ganz tief spürte er den Ekel, den Ekel vor sich selbst und er mußte sich übergeben, wieder und wieder und das schlechte Gewissen war da, Tag für Tag, tief verwurzelt in seiner Seele! Er dachte gerade an seinen kleinen Sohn und an seine wunderschöne Frau, werde ich sie je wiedersehen? Es kam wieder die schon üblich gewordene Angst in ihm hoch, die Todesangst die ihm jedes Mal, bei jedem Einsatz bis fast zum wahnsinn quälte, und der Angstschweiss kroch ihm langsam und unaufhaltsam aus allen Poren, werde ich jemals wieder frei, ungezwungen, und mit gutem Gewissen, ohne Reue ohne mich selbst zu hassen leben können, leben und geniessen, leben und lieben, werde ich das jemals wieder können? Genau in dem Moment als er in seinen Gedanken vertieft war, kam sie über Funk auf seine Kopfhörer, die Meldung! “Achtung an Bomberstaffel,Achtung an Bomberstaffel, der Feind hat kapituliert, der Feind hat kapituliert, keine Bomben abwerfen, bitte keine Bomben abwerfen, unverzüglich abdrehen, sofort abdrehen und zum Landeplatz zurück fliegen, der Krieg ist aus, vorbei, keine Bomben, abdrehen und zurück , der Krieg ist beendet!! Pilot Smith konnte kaum glauben was er da gerade hörte, ein unvorstellbares Glücksgefühl stieg in im auf und er fing an bis über beide Ohren zu grinsen, er riss beide Arme hoch, er ließ das Steuer los und klatschte voller Freude in seine schweissnassen Hände, es schossen ihm sofort Gedanken in seinen Kopf und er sah seine Frau und seinen Sohn vor seinen leuchtenden Augen umherschwirren, gerade so als seien sie mit ihm in dem Cokpit, er jubelte weiter und schrie laut, er schrie aus vollster Kraft, aus voller Kehle und sah dabei den von ihm verhassten roten Knopf an und er schrie nie wieder werde ich auf ihn drücken müssen um eine Bombe abzuwerfen, nie wieder, er holte weit aus und voller Wut schlug er auf ihn ein, in dem Moment huschte ihm ein Gedanke wie ein Blitz durch den Kopf, oh mein Gott ich hatte den Knopf doch schon entriegelt, oh nein oh nein, was habe ich da nur getan?Unten am Boden des Bombers ging die Klappe auf und 200 kg Stahl sausten herunter, wie ein Pfeil schien sie die laue Luft zu durchschneiden und sie raste genau auf den Tannenwald zu genau auf die Soldaten, die das sahen und sich schnell zu Boden warfen, oben in der Luft konnte Smith das genau mit ansehen und er riss weit die Augen auf, ohne Gedanken im Kopf, es war Leere und Trostlosikeit in ihm, er war nur noch eine Hülle und kein Körper mehr, er erstarrte und ging sofort in den Sturzflug!

Mit einem Donnerknall schlug die Bombe im Tannenwäldchen ein und kurze Zeit später krachte es im Kartoffelacker und der Bomber zerschellte in 1000 Einzelteile wie bei einem herunter gefallenden Glass flogen Splitter in allen Richtungen! Der Tannenwald ging sofort in Flammen auf und es war ein riesiger Krater zu sehen in dem die Soldaten wild verstreut lagen, ein Anblick des Grauens trat hervor überall Blut und Leichen, und der blonde kleine lag auf dem Rücken, der Leib von oben bis unten aufgeplatzt, die Eingeweide krochen langsam heraus und das Blut lief in Stömen aus ihm, und bildete schon eine große Pfütze die bis zum großen reichte der neben ihm lag, er lag da mit zerfetztem Schädel, seine Beine waren so stark verdreht und man hätte denken können das sie nicht zu diesem Körper gehörten und sein rechter Arm war abgerissen und lag über seinem Kopf, man sah die Sehnen und die einzelnen Venen aus denen das Blut in regelmäßigen Stößen heraus schoß, es war ein starker Arm ein kräftiger Arm und an seiner Hand zuckten noch alle fünf Finger, beinah so als ob sie den Krieg noch ganz alleine gewinnen möchte! Das war die letzte Bombe die in diesem furchterregenden, bösen, brutalen, schlimmen Krieg, der 65 Millionen Menschenleben forderte, vom Himmel fiel!Es braute sich dann sofort ein mächtiges Gewitter zusammen, tief schwarze Wolken trafen aus allen Richtungen aneinander und es fing an zu regnen, wie aus Eimern gegossen, fast in einem Strahl plätscherte es zur Erde hinab, ganz langsam und bedächtig wurden die lodernen Flammen im Tannenwald gelöscht! Eines wusste ich jetzt ganz genau, im Krieg wird, gesungen, geredet, gehungert, geweint, gekämpft, geschossen, gebombt, und gestorben!!!!!!! Die ganze Welt drehte sich dann trotz allem weiter, oben war noch der Nordpol und unten der Südpol, wie immer links herum gegen den Uhrzeigersinn, wie von einem riesengroßen unsichtbarem Finger ständig, leicht und sanft angestupst!Und nach einer anfänglichen, ungeheuren Euphorie und Glücksgefühlewelle die die Menschen überrollte wie ein riesiger rosaroter Ball, kam dann doch danach die Ernüchterung und sie sahen das wirkliche, das Reale, das Jetzt! Sie sahen eine völligzerstörte Stadt und sie fühlten Verlust und Demütigung, mit gesenkten Köpfen und tief in ihren Herzen verletzt liefen sie durch die Trümmerstadt und dachten, was habe ich getan, was hatte ich damit zu tun? Ernüchterung verfälschte und verblaßte die gewohnten Gefühle und Freuden, die Gärten waren ohne Duft, die Wälder lockten nicht mehr, die Welt stand um sie herum wie ein Ausverkauf alter Sachen, fad und reizlos, die Bücher waren Papier und Musik nur ein Geräusch, Regen rinnte an ihnen herab, Sonne durchflutete ihre Körper, und Frost ließ sie frieren und erzittern, aber sie merkten es nicht, sie standen ruhig, still und leise umher und warteten, sie warteten auf Veränderung auf einen Ruck, auf ein Wunder? Die Menschen erholten sich rasch, es bedurfte kein Wunder, nur Menschen, Menschen die ihr Haupt wieder hoch nach oben trugen, die gierig nach Leben, Luft, Duft, schmecken, fühlen, riechen, sehen, hören, sprechen waren, Menschen die aus Papier wieder Bücher machten, aus Geräusche wieder Musik in ihren Ohren erkannten und erklingen ließen! Es ging dann rasend schnell, man konnte meinen die Menschen hatten es eilig um keine doch so kostbare Zeit zu verlieren, sie räumten auf, sie bauten auf, Stein auf Stein ließen sie voller Tatendrang eingestürzte Mauerwerke im neuen Glanz erstrahlen, wie Ameisenkollonien zogen sie wohl geordnet und gut organisiert Tag für Tag durch die Stadt, nach allen Richtungen schwirrten sie aus und durchzogen wie kleine Äderchen die ganze Landschaft! Es pulsierte an allen Ecken und Enden, man musste auf der Hut sein, ja aufmerksam musste man sein um auch nichts zu verpassen dort und hier und überall, die Stadt wuchs und wuchs in alle Richtungen, an allen Tagen, in allen Monaten, und besonders in Jahren wurde sie immer moderner und futuristischer anzusehen, die Pflastersteine auf den Strassen mussten schon längst Asphalt und Teer weichen, Pferdefuhrwerke gab es schon lange nicht mehr, sie wurden durch Autos und Lastwagen ersetzt, immer mehr und mehr man hätte fast denken können das sie in Strömen vom Himmel fielen, sie verstopften die Strassen und machten ein Höllenlärm und die Strassen wurden immer breiter um der Sache Herr zu werden!

Riesige Betonsiedlungen für tausende von Menschen wurden hochgezogen, nicht schön anzusehen aber praktisch, es wurden mehrere dieser Betonwüsten gebaut, man musste die vielen Menschen unterbringen, die Menschen die dieser Stadt ihr Leben und ihren Flair gaben, es wurden Millionen! Prächtige Glasspaläste wurden gebaut die in der Abendsonne überall wie Bleikristall funkelten, ganze Plätze gab es davon überall konnte man sie sehen, Häuser die bis in den Himmel zu ragen schienen mal hier , mal da, wie kleine Farbtupfer auf einem Gemälde stachen sie heraus! Aus der Stadt wurde im laufe der Zeit im laufe der Jahre eine pulsierende Metropole, eine Metropole in der sich Millionen umher tummelten, es wurden Feste gefeiert, Feste aller Art, kleine, große, riesige, bunte , bizarre, laute, besinnliche, schöne, weniger schöne, es war alles dabei und es wurde sogar Geschichte ja Weltgeschichte hier an diesem Ort geschrieben! Aber es gab sie immer noch, die grünen Wälder, die schimmernden Seen, die romantischen Parks, die Flüsse, all diese schönen von der Natur uns dargereichten Dinge blieben meist und größtenteils unangetastet und machten diese mächtige Metropole zu etwas besonderem, nahezu einzigartig und würdevoll! Es war wohl die uralte Spekulation auf Natur und Barmherzigkeit die das möglich machte! Man konnte sich wohlfühlen, musste es aber nicht, für jeden war und wurde etwas geboten, ob Frau, Mann oder Kind sämtliche Bedürfnisse wurden gestillt, normale, seichte, feine, ruhige, auch abnormale, bizarre, schlechte und böse, es gab alles wenn man nur wusste wie und wo! Eigentlich liebte ich die leisen, stillen, sanften Geräusche der Natur, ich lauschte ihnen mit Wonne, aber die lauten Töne des Lebens kamen im laufe der Zeit immer näher, der Gürtel aus Stahl, Beton, Glass, Strassen, Autos und vielen Menschen zog sich langsam und erdrückend wie ein riesiges Korsett um mich herum zu! Nach und nach kamen Männer in Anzügen ja meist gut gekleidet, auch Frauen in Kostümen, sie hatten alle berge von Schriften dabei und sie begutachteten alles um mich herum, sie machten Zeichnungen und schrieben unermüdlich und mit vollem Eifer in ihren Schriften, Büchern, Ordner hinein, sie diskutierten, manchmal stritten sie auch und alle gaben peinlich genau darauf acht, das in ihren Gesichter bei den hitzigen Gesprächen immer der Ausdruck vom allwissenden klar und deutlich zu erkennen war! Dann wurde es wieder still, die Ruhe und Einsamkeit der Natur beherrschte wieder in ihrer vollen Schönheit und Pracht das um mich herum, aber nur für kurze Zeit, dann kamen sie, die Männer die Maß nahmen es wurde gemessen, es wurde vermessen, aufgemessen, abgemessen, zugemessen, untergemessen, übergemessen, und des öffteren auch vermessen, was immer riesige nicht mehr aufzuhörende Wortgefechte und Diskusionen nach sich führte, aber nach mehrmaligem nachmessen gab es doch immer einen eindeutigen Gewinner, dessen Gesicht nach solch einem Sieg immer des eines antiken Helden glich und dessen ganzer Stolz jeden Moment aus seinen leuchtenden Augen heraus zu springen drohte! Kurze Zeit später wurde alles markiert, Holzpflöcke wurden in den Boden gerammt und alles mit Rot-Weißem Band umspannt, ein undurchsichtiges Geflächt und ein kaum zu überschauendes Wirrwarr aus Rot-Weißem Band durchzog großflächig die Landschaft um mich herum, dass Wirrwarr und Geflächt ging sogar rechts und links am See vorbei und vereinnahmte ihn ganz und gar! Was ist hier los? Was wird hier geschehen? Was passiert hier nur? Eines war sicher hier wird gebaut, was Großes wird hier gebaut, aber was? Der Gürtel, das riesige Korsett, zog sich unaufhaltsam und gnadenlos Stück für Stück zusammen, ich merkte es, ich spürte es und ich wusste es, werde ich ihm, dem Gürtel zum Opfer fallen? Wird mein doch so langes Leben ausgelöscht? Nach allem was ich gesehen, gehört und auch gespürt und erlebt habe, nach all dem! Werde ich umgeholzt? Werde ich gefällt????? Die erste Nacht nahm ich seit längerem mal wieder so richtig war, ein riesiger Vollmond ging auf und in seinem Silber schweigendem Schein schien die Welt so friedlich und vollkommen, am Himmel standen Haufenwolken freundlich aufgetürmt wie Eiscremkugeln, und darüber die zarten Ranken der kleinen Federwolken, langsam, ruhig, und bedächtig zogen sie durch den Himmel und verdeckten mal kurz, mal lang den hellen Schein des Mondes, Milliarden Sterne wie glitzerne Diamantsplitter verteilten sich unregelmäßig von Horizont zu Horizont und die dunklen Schatten meiner Verzweigungen verstreuten sich in allen möglichen Figuren und gespenstisch anzuschauenden Formen unten am Boden! Es war eine stille Nacht, ganz ruhig und friedlich schien alles, ein Geräusch mal hier mal da alles wie immer und wie es sein sollte, dann färbte sich der Himmel blutrot, die Sonne der große heisse Gasballon trat am Horizont hervor und läutete mit hellem Licht einen neuen Tag ein! Ich war aufs höchste darauf gespannt was passieren wird, aber es blieb still, noch zwei mal ging der Mond auf und wieder unter, die Sonne auf und wieder unter, und am dritten Tag in der Frühe, es war alles noch im nächtlichem Glanz getaucht, ruhig und friedlich war es noch so früh am Morgen! Als der Boden unter mir anfing sich zu erzittern und laute Geräusche Meter für Meter näher zu kommen drohten! Dann bebte der Boden, und der Lärm, der ohrenbetäubende Krach fraß sich schrill, nervig und unaufhaltsam in meine Richtung durch, im nu kam er näher und wurde immer lauter und dröhnender, dann sah ich es, tausende Kilo, ja Tonnen aus Stahl rollten auf mich zu und machten den schönen Morgen zu einem furchterregenden Ereignis! Bauwagen rollten an, Toiletten aus Plastik wurden aufgestellt, Bauarbeiter aus allen Himmelsrichtungen fielen über das große weitläufige Areal wie blutrünstige Piranhas über ein Stück Fleisch her!

Starke kräftige Männer im Einklang mit ihren tonnenschweren Maschinen fingen an wie furchtlose Krieger umher zu wüten, laut in ihrer Sprache, mit Stolz in ihren Gesichtern und Zielstrebigkeit in den Augen, sie rissen die alten Birken samt ihren feinen Wurzeln aus dem Boden, ein Anblick der einem bis ins Mark erschüttern konnte, überall wurde gebaggert, geschaufelt, gefurcht, gegraben, gewälzt und ausgehoben! Wann? Ja wann nur werden sie mich aus dem Boden reißen? Aber kurze Zeit später wurde ein neuer, glänzender, schön anzuschauender Bauwagen direkt neben mich abgestellt, ja sogar geparkt, fest verankert und ein riesiges undurchschaubares Kabelgewirr an ihm angeschlossen, so stand er nun da und meine zärtliche runde Krone spendete ihm Schatten und schützte ihn vor der Sonne, was die Vermutung doch sehr nahe legte das ich überlebe, nicht rausgerissen werde und dem Schauspiel des Lebens weiter mit meiner ganzen Aufmerksamkeit und Neugier beiwohnen durfte!

An dem Bauwagen wurde dann ein großes Schild angebracht auf dem zu lesen stand- Architekt/Bauleitung- Dr.Werner Keßler/Markus Müller! Zwei Männer liefen der Wiese entlang, genau auf den Bauwagen zu, sie unterhielten sich angeregt und intensiv wärend ihre Beine sie schnell und zielstrebig voran trugen, unter ihren Armen waren Aktenordner eingeklemmt und in ihren Händen hielten sie Zeichnungen, sie traten in den Bauwagen ein und setzten sich an einen großen breiten Tisch, sie rollten ihre Zeichnungen darauf aus und sahen sich gegenseitig mit scharfen und gezielten Blicken in ihre Augen! Bauleiter Markus Müller war ein Mann von Großer schlanker Statur, sein dunkles Haar trug er bis auf die breiten Schultern hängend und strich sie ständig mit den Zeigefingern hinter die Ohren, er war beliebt in der großen Baufirma, er war stets nett und fair und er konnte auch selbst mit anpacken wenn es notwendig war, man konnte es an seinen abgearbeiteten Händen sehr leicht erkennen, Kollegen die ihn länger und gut kannten nannten ihn leicht ironisch aber voller Respekt MundMs was den etwa 45 jährigen Mann nicht zu stören schien! Architekt Dr.Werner Keßler war ein kleiner leicht rundlicher Mann mit grauem kurz geschorenem Haar, sein Gesicht hatte immer einen leicht angespannten Ausdruck und er schaute immer etwas finster drein, aus seinen grauen Augen schien das pure Intellekt heraus zu springen, er trug einen edelen schwarzen Anzug dem man sofort ansah das es ihn nicht irgendwo von der Stange zu kaufen gab, und wenn der etwa 55 jährige Mann anfing zu reden, hieß es gut zu hören, denn seine Worte schossen so schnell aus seinem schmalen Mund heraus, wie Projektile aus einem Schnellfeuergewehr, Keßler war ein im höchstem Maaße angesehener Architekt der schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde unter anderem dem BDA den er zweimal hintereinander erhielt, er war bekannt dafür unmögliches möglich zu machen und schien immer für alle Probleme eine angemessene Lösung zu finden, er hatte so seine Eigenheiten und Wiederspruch schien ihm immer und überall unangemessen und des öffteren warf er dem Widersprecher einen geringschätzigen Blick zu, sein Wort war das Gesetz! Soviel war mal sicher Bauleiter Müller war das alles bekannt, sie kannten sich sehr gut, sie haben schon sehr oft miteinander gearbeitet, und beide zusammen versuchten immer und auch stehts mit Erfolg aus Keßlers Vorstellungen ein lebendiges Bild zu machen!

“Wir sehen uns wie besprochen Montags um 10 Uhr in meinem Büro zur Baubesprechung und jeden Donnerstag werde ich hier vor Ort sein, die Besprechung halten wir dann hier im Wagen ab, ich hoffe auf gute Zusammenarbeit Herr Müller, aber wird schon gut gehen wie immer, bei Fragen bitte ich Sie mich anzurufen, wir halten uns an das Besprochene denn wir wissen ja beide wer der Bauherr ist” Für diese Worte brauchte Keßler keine 10 Sekunden! Müllers Gesicht verzog sich zu einem leichten Grinsen und er musste breit lächeln “sagen wir doch lieber “Bauherrin” oder haben sie Ihn bei irgendeiner Besprechung oder einem Treffen je gesehen?” “he-he-he sie haben recht Müller hab ich nicht, aber egal, uns soll es recht sein, er zahlt die die Zeche he-he-he eine recht hohe Zeche he-he-he, aber egal was geht es uns an, lassen sie uns professionell bleiben he-he-he Entschuldigung ich entgleise he-he-he” “kein Problem Herr Keßler, schön sie mal lachen zu sehen” “gut Herr Müller ich sehe sie dann Donnerstag hier vor Ort und ich nehme an hören werde ich sie wohl schon vorher! Bauherrin he-he-he! Bis dann” er stand auf und mit einem breitem Grinsen in seinem meist doch sonst so ernstem Gesicht trat er aus den Bauwagen heraus und schloss die Tür mit einem festen Ruck und man konnte noch kurz ein he-he-he hören! Bauleiter Müller wusste nur zu genau was auf ihn in der nächsten Zeit zukommen würde, er machte sich erst einmal einen Kaffee, er nahm eine Kapsel aus der Verpackung und schob sie in die Maschine hinein, dann stellte er seine Lieblingstasse darunter, weiß mit einem Foto von seiner Frau und seinen Jungs, Zwillinge 10 Jahre alt, er drückte auf den Knopf , setzte sich auf einen der Stühle, lehnte sich entspannt nach hinten, streckte die Beine aus, nahm sich eine Zigarette aus der roten Schachtel, zündete sie an, nahm ein schluck Kaffee, zog genüsslich an der Zigarette, stieß den Rauch aus, machte die Augen kurz zu, “ha-ha-ha Bauherrin”! Es ging los überall an jeder Ecke in jedem Winkel des riesigen Areals wurde gearbeitet, da wurde gegraben, dort wurde betoniert, hier gezimmert, da hinten gemauert, links geteert, rechts verglasst, in der mitte gefliest, überall Kabel gezogen, ringsum eingezäunt, hier und dort etwas ausgehoben, unzählige Rohre verlegt, gelötet und vergraben, Teile geformt, an einigen Stücken gemeißelt, gesägt, feinster italienischer Marmor gelegt, Eisen geflochten, wunderschön zierend bleiverglast, zu geziegelt, gepflanzt, gesät, es wurde Kaffe getrunken, Bier getrunken, geredet, diskutiert, gestritten, geschrien, vertragen, versöhnt und verbrüdert! Es war ein Wirrwarr, es herrschte Chaos, das Spektakel was sich jeden Tag dann abspielte, schien undurchschaulich zu sein und aus allen Winkeln, Ecken und Seiten, ja von überall her bildeten sich Fäden, Stricke, Seile die sich vor dem glänzenden Bauwagen zu einem reissenden Strom zusammen taten und verschmolzen, um dann an der Tür zu enden! Der Bauwagen von Bauleiter Müller schien der Nabel der Welt zu sein, das pulsierende Herz, das ganze Leben und Sein der Baustelle, alles, so hätte man denken können nahm hier seinen Anfang und sein Ende! Alle wollten ständig und zu jeder Zeit, war sie auch noch so unangebracht, eine Auskunft, hatten eine Frage, wollten reden, brauchten Bestätigung, oder ein ja oft auch ein nein! Zeitweise waren die Nerven von Müller zum zerbersten gespannt. Aber er blieb immer ruhig und der Sache dienlich, er war einfach ein Profi, er war einfach gut, aber wenn er spät am Abend in sein Bett fiel und die Augen schloss, dachte er manchmal darüber nach ob 6000-7000 Euro im Monat der ganzen Sache wert sei? Die Antwort darauf war immer die gleiche “ja” Nach 4610 beantworteten Fragen, 3312 Telefonaten, 2640 wohl durchdachten Entscheidungen, 1760 gut überlegten Bestellungen, 901 Ärgerlichen Reklamationen, 692 hastig getrunkenen Tassen Kaffee, 452 zu Fuß zurückgelegten Kilometern auf der Baustelle, 312 mal schweren mal weniger schweren Arbeitsunfällen, 19 Entlassungen, 9 Neueinstellungen und einem dramatischen Todesfall, war das Werk vollbracht, der Bau war fertig gestellt, es war in seiner ganzen Pracht und Schönheit vollendet! Hier und dort wurden noch ein paar letzte feine und gut sortierte Handgriffe angelegt, aufgeräumt, geputzt und peinlich genau sauber gemacht, die Tonnen schweren Giganten hatten schon nach und nach das riesige Areal mit einem tosenden Krach verlassen und zu guter letzt wurde noch der Nabel der Welt, das Herz, die Seele abgeholt, der Bauwagen von Keßler und Müller wurde aus meinem Schatten rausgezogen und man hätte denken können das sich der eigentlich tote Gegenstand dagegen zu wehren vermochte, so als ob doch Leben in ihm steckte, kurze Zeit später war auch er entfernt worden, ich werde in der Nacht sein leichtes Knirschen und Quietschen im Wind vermissen! Die Nacht war lau und still, eine leichte Brise nur durchzog sanft und zärtlich meine Krone und entlockte ihr ein ganz stilles rascheln meiner doch schon sehr giftig grünen Blätter! Die Sonne war schon aufgegangen und sie hatte schon zwischen dem Horizont und ihr selbst etwas Platz gelassen, ein herrlich milder Sommertag schien seinen Lauf zu nehmen als ich plötzlich auf der neu erbauten Strasse eine schwarze Limousine auf dem schwarzen Asphalt in ruhiger fahrt sah, sie hielt vor dem Tor das ins Areal führte, drinnen saßen Dr.Keßler und Bauleiter Müller, sie unterhielten sich angeregt und richteten dann ihre Augen und angespannten Gesichter geradeaus direkt auf das Tor zu, Müller hielt eine Fernbedienung in der rechten Hand auf der er einen roten Knopf drückte, in diesem Moment öffneten sich zwei riesige etwa 5 Meter hohe schwarz-goldene von Hand geschmiedete Stahltore indem sie sich nach rechts oder links verschoben, an den Toren grenzte ein nicht enden wollender schwarz-goldener mit viel Liebe zum Detail geschmiedeter 2,5 Meter hoher Zaun der das komplette Anwesen umspannte! Die Limousine fuhr langsam herein, auf einem breiten Weg, der ganz leicht nur mit hellblauem Rollsplitt versehen war und in der Morgensonne wie ein Wasserlauf auszusehen schien, ihre Blicke richteten sich dann genau auf mich, einer 25 Meter hohen Eiche die genau in der Mitte, in der Verlängerung, in einer Achse mit dem riesigen Eingangstor stand, der Weg teilte sich dann nach rechts und links und führte in einem eleganten Schwung und Bogen auf beiden Seiten an der Eiche vorbei um sich danach wieder zu einem Weg zu vereinen!

Der Weg führte dann weiter über einen dunkelgrünen Englischen Rasen verschönert mit allerlei bunten Zierbeeten, Rosensträuchern und Buchsbäumen angeordnet in der verschiedensten Formen und Figuren, direkt auf einen traumhaft anzuschauenden im Durchmesser etwa 15-20 Meter großen Marmorbrunnen zu, aus dem Brunnen sprangen drei ineinander verschlungende und verdrehte Delphine steil in die höhe und spuckten eine riesig hohe Wasserfontäne aus ihren langen und feinen Mündern, im Wasserbecken des Brunnens schwammen noch weitere drei Tümmler mechanisch angetrieben den ganzen Tag im Kreise, auf den glatt geschliffenen Marmorrand des Brunnen saßen noch sechs Wasserschildkröten gut verteilt, die ihre langen Hälse empor streckten und aus ihren Mäulern spuckten sie einen feinen Wasserstrahl der in einem halbrunden Bogen in das Becken plätscherte, der Weg teilte sich dann wieder und führte links und rechts um den Brunnen herum um sich erneut zu vereinen! Und dann hatte man freien Blick, es konnte einem der Atem stocken bei diesem Anblick, es war einfach nur schön, traumhaft, einfach Dekadent, man stand vor einem unglaublichen Märchenschloss, an Schönheit kaum zu überbieten, der Baustil erinnerte an das 18.Jahrhundert, daran war er angelehnt aber mit seiner eigenen Eleganz und Anmut, das Mauerwerk bestand aus ein mal ein Meter großen in ihrer Oberfläche unregelmäßigen Steinen die in zarten Gelb bis hin zum ganz leicht Orange-Ocker Ton in ihrer Farbe waren! Ein von doppelten Doppelsäulen getragener Rundbogen zierte das mächtige aus Mahagoniholz bestehende Eingangstor das mit kunstvollen Schnitzereien verziert war, die Fenster waren teils rechteckig, teils oben abgerundet, wovon einige bunt und stilvoll bleiverglast waren, an dem Hauptgebäude angrenzend waren in unregelmäßigkeit rechteckige und runde Türme angebaut, die sich in das Gesamtbild des zweistöckigen Schlosses erbarmungslos schön einfügten, die Dächer der in ihrer Form und Größe verschiedenen Türme waren hoch, steil und spitz zulaufend, im Hauptgebäude hingegen eher flach und stumpf, gedeckt war das Dach überall mit dunkelgrauen halbrunden Schieferplatten die im Sonnenlicht ein leichtes verspieltes Funkeln in die Welt warfen, auf den Dächern der Türme befanden sich eine Art Turmspitzen aus geschmiedeten Stahl die jeweils von einer kunstvollen Figur getragen wurden und steil in den Himmel ragten, am Mauerwerk der Fassade waren noch in regelmäßigen Abständen handgemeisselte Figuren in allen möglichen Arten und Formen als Verzierung angebracht! An der Rückseite des Schlosses hielt man sich an dem Gesamtbild, eine große Kunstvoll gestaltete Flügeltür gab einem den Weg auf die sehr große und schöne Terrasse frei von der man über eine 20Meter breite 10 stufige Steintreppe deren Geländer üppig verziert war direkt in den weitläufig und großzügigen Park gelangte, er war sehr kunstvoll angelegt und trotzdem von einer blauen Poollandschaft durchzogen, an dem an einer Seite riesige Hinkelsteine aus Frankreich aufgetürmt zu einem Wasserfall lagen, das Wasser prasselte in dicken Strömen an ihnen hinab und stürzte in die Poollandschaft hinein, wo es dann schneeweiß aufschäumte wie eine Schneelawine in den Bergen, in weiter Entfernung konnte man einen Tennisplatz erkennen an dem ein Gebäude grenzte das im Stil des Schlosses gehalten wurde, innen sah man einen Pool von 25 Meter länge und das Antlitz im inneren ähnelte das eines Römischen Dampfbades, Antik und verspielt! Ganz am Ende fast am See angrenzend gab es noch einen sehr modernen Pferdestall an dessen hinterausgang ein Reitplatz mit allem was dazu gehört in der Sonne strahlte!

Und einmal um den nicht gerade kleinen See herum wurden alle 20 Meter wunderschöne große in Antike gehaltene Eisenlaternen aufgebaut und ließen ihn um dunkelen sanft und romantisch erleuchten! Dr.Keßler und Müller hatten hinter der Eiche genau da wo der Weg wieder zu einem verschmolz angehalten und sind dann ausgestiegen, sie lehnten beide an der Kühlerhaube und ließen ihre Blicke schweifen mal rechts, mal links, überall umher “ein Traum” sagte Müller “ja wunderschön, ich bin ja nicht gerade arm, aber wie muß das sein wenn man sich so etwas leisten kann, einfach schön ist uns gelungen Herr Müller, ich danke ihnen für ihre tolle Zusammenarbeit” und im Gesicht von Dr.Keßler konnte man ehrliche Dankbarkeit erkennen “ich danke ihnen, ich danke ihnen dafür das sie so etwas erschaffen können, sie sind ein Genie” sagte Müller voller Erfurcht! “danke schön sehr nett von ihnen, so jetzt müßte der Bauherr aber jeden Moment erscheinen, oder Bauherrin he-he-he” “ha-ha-ha” beide lachten herzlich und reichten sich die Hände! In genau diesem doch so herzlichen Moment ging das Stahltor auf die riesigen Türen schoben sich bei Seite und gaben den Weg und Anblick frei, ein Bentley in Braunmetallic fuhr sanft und bedächtig herein, rechts an der Eiche vorbei, er hielt genau neben Keßler und Müller, die Fahrertür öffnete sich und es stieg ein Mann heraus, im ersten Augenblick dachte man das sich die ganze Welt zu verdunkeln schien, ein Mann wie man ihn nur ein oder höchstens zweimal im Leben begegnet, 2,02 Meter groß 160 kg schwer, durch seinem dunkelen Anzug konnte man die gewaltigen Muskelmassen erkennen, man wartete nur darauf das bei jeder Bewegung die dieser Körper doch so geschmeidig machte der Anzug in tausend Stücke zerrissen wird, der Schneider der diesen edlen Anzug schneiderte wird sich wohl dessen Maße nicht notiert haben, denn er wird sie nie wieder vergessen können, der Riese lief um den Bentley herum nach hinten rechts, sein Gesicht war ernst und zum fürchten, die Haare sehr kurz geschoren, die Nase flach und breit, die Augen stechend und voll konzentriert, er griff mit seinen riesigen Pranken in der größe einer Bratpfanne den Türgriff ganz fest, in diesem Moment konnte man einen Pistolenhalfter an seinem Gürtel deutlich erkennen und dann öffnete er die Tür! Sein Name Dimitrie Rassjenkoff, Beruf Leibwächter, Alter 36 Jahre!

Aus dem Wagen stieg eine Frau, als sie aufrecht stand konnte man sofort den Glanzschimmer der sie umgab erkennen und fühlen, eine Figur Elfengleich und einfach nur perfekt! Das Gesicht bildete ein unbeschreibliches liebliches Oval, die Augenbrauen waren so regelmäßig schön und rein, dass sie gemalt zu sein schienen und die grünen kullervörmigen Augen waren von langen Wimpern verschleiert, welche auf die sanft geröteten Wangen einen Schatten warfen, die Nase war fein und edel geformt und gaben dem ganzen Gesicht einen geistreichen Ausdruck, der Mund mit seinen üppig und schön geformten Lippen verdiente es wirklich das man stehen blieb, um ihn anzusehen, die Haut hatte jenen zarten Flaum, auf welchem das glänzende Tageslicht spielte, die glänzend dunklen Haare waren in einem Scheitel geteilt, welche sich an den Augenbrauen vorbei zogen und am Hinterhaupt zusammen gebunden waren und die zierlichen Ohrläppchen sehen ließen, an welchen zwei Diamanten im Wert von etwa 10000 Euro funkelten. Dieses reizende, wunderschöne Köpfchen hatte einen ganz kindlichnaiven Ausdruck, man hätte glauben können, diese großen, unschuldigen Augen hätten nie etwas anderes als den blauen Himmel angesehen und der Mund habe nur fromme Worte gesprochen, aber dem war ganz und gar nicht so! Ihr Name Sophia Gutmann, Beruf Gattin, Alter 29 Jahre! Dann ging hinten links die mächtige Tür des Bentleys auf und ein Mann stieg aus, und als er gerade und aufrecht so da stand, sah man einen kleinen sehr zarten, ja dürren Mann, er gehörte zu den rothaarigen Typen und besaß dessen milchige und sommersproßige Haut, sein Gesicht war hager und seine hellen grauen Augen wurden leicht von einer starken Nickelbrille verdeckt, es war ein Mann den man nicht gerade als auch nur ansatzweise Attraktiv bezeichnen konnte, er war eher hässlich, was ihn aber nicht unscheinbar zu machen schien, weil einem ein solch Äußeres zum hinschauen verleitete, aber sein Blick war scharf und gezielt, aufmerksam und begierig, seine Haare waren rot, kurz und leicht gekräuselt!

Sein Name Alexander Gutmann, Beruf Privat Bankier, Aktien Magnat, Immobilien Mogul, Pharmazie Unternehmer! Besondere Merkmale, Milliardär, Alter 30 Jahre! “Herzlich willkommen Frau und Herr Gutmann, ich hoffe es gefällt ihnen was sie so entfernt sehen?” Sophia stand da mit weit geöffneten Mund, sie führte ihre zarten wunderschön anzuschauenden Hände nach oben um ihren weit offenen Mund zu verdecken, und sie stieß einen leichten Jubelschrei heraus “ein Traum, wunderschön, bezaubernd, reizend, sie sind wunderbar Dr.Keßler, der Beste, einfach genial” sagte Sophia überwältigt! “ich habe sofort ein Mangel entdeckt Dr.Keßler, unter dieser wunderschönen prächtigen Eiche gehört eine Bank, damit ich unter ihr sitzen und denken kann, ha-ha-ha” sagte Alexander mit einem lachen, “ kein Problem, wird gleich morgen erledigt, sie können sich darauf verlassen” sagte Müller mit Hochachtung in seiner Stimme! “ so wenn sie möchten können wir, lassen sie uns in aller Ruhe einen Rundgang machen und alles anschauen” sagte Keßler rasend schnell wie immer! “ Sophia geh du mit den Herren, ich würde sehr gerne noch etwas hier verweilen, so ganz für mich alleine, wenn es recht ist, ich komme dann später hinzu” “ganz wie sie möchten Herr Gutmann” und schon gingen die drei in Richtung Marmorbrunnen, in wilder Gestik und angeregt unterhaltend! Alexander Gutmann drehte sich um und sah die Eiche an, dann ging er auf sie zu setzte sich auf den Boden, lehnte sich entspannt zurück mit dem Rücken an ihren dicken, kräftigen Stamm und schaute in Richtung Brunnen den dreien hinterher, dann griff er mit seiner Hand in seine Jackentasche und holte eine Schachtel Zigaretten heraus, zog mit seinen dürren eher weibischen Fingern eine Zigarette raus, steckte sie in seinen schmalen Mund zwischen seinen blassen Lippen, zündete sie an, inhalierte den Rauch mit genuss, schloss seine Augen und gab seinen Gedanken mit seinen Schicksalen und Geheimnissen die er tief in sich trug ihren freien Lauf!

Ende erstes Kapitel!!

Zweites Kapitel!!

Eine Erinnerung begann sich in ihm aus dem Schlaf zu arbeiten, die Erinnerung wie es dazu kam, die Erinnerung vom Kinde bis hin zu diesem doch so kostbaren Moment.Alexander merkte sehr schnell das er anders war, kindliche Verspieltheit war ihm fast fremd, woran andere Kinder ihre Freude hatten, brachten sein Herz und seine Seele nicht in Wallung, er fand es eher trübe, fad und langweilig! Jeden Morgen wenn er mit noch viel zu müden Augen als Erstklässler das Haus verließ um zur Schule zu laufen, drehte er sich am großen weissen Gartentor noch einmal um und betrachtete sein Zuhause , ein großes, wunderschön anzusehendes weisses Haus, erbaut im Viktorianischen Stil mit vielen Verschnörkelungen und einem roten, gewaltigen, spitz zulaufenden Dach, würdevoll umrahmt von einem prächtigen, gepflegtem Garten. Am Ende des Gartens, dort wo der weiße Zaun das Grundstück zum Nachbarn teilte, blickte Alex sich ein letztes mal um, um noch einen letzten flüchtigen Blick auf den doch recht weit entfernten Pool zu erhaschen, und das strahlende Blau der edlen Fliesen des großen Bassins blitzte in einem Strahl zurück in seine hellen Augen und zauberte noch ein