Der Beweis des Verbrechens - Thomas Tralantry - E-Book

Der Beweis des Verbrechens E-Book

Thomas Tralantry

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Beschreibung

Sally besucht ihre Freundin Julie in Amerika und hofft darauf, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Aber dann wird ihre Freundin entführt. Ein Gegenstand soll sich in ihrem Besitz befinden, den die Entführer zurück haben wollen An die Polizei kann sie sich nicht wenden. Kann sie ihre Freundin retten?

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Der Beweis des Verbrechens

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Der Beweis des Verbrechens

 Thomas Tralantry Kurzgeschichte

1

Sally Lorn war verärgert. Nicht wegen des langen Fluges, sondern wegen ihrer Sitznachbarin. Die Engländerin hatte sich auf einen ruhigen, angenehmen Flug gefreut, aber die Frau neben ihr machte das Ganze zunichte. Den ganzen Flug über redete sie auf Sally ein und erzählte ihr von ihrer Familie, ihrem Mann, der sich hatte scheiden lassen (was Sally überhaupt nicht wunderte), und ihrer Tochter, die in New York lebte und Jura studierte, welche sie auch besuchen wollte. Nicht einmal die sechs kleinen Flaschen Sekt halfen ihr, diese Person zu ertragen. Und auch als sie versuchte zu schlafen, hörte die Frau nicht auf, sondern redete ununterbrochen weiter auf sie und zum Teil auch auf die anderen Passagiere ein.

Sally hätte am Liebsten einen Freudenschrei ausgestoßen, als man verkündete, dass sie im Landeanflug auf New York waren und jeder sich bitte auf seinen Platz begeben und sich anschnallen sollte. Aber selbst das veranlasste die Frau nicht dazu, ihren Mund zu halten. Stattdessen erzählte sie ihr noch eine Geschichte, die sie mal erlebt hatte.

Mit einem Gefühl der Erleichterung holte Sally nach der Landung ihre Koffer, ließ die Zollprüfung über sich ergehen, und begab sich dann in Richtung Ausgang, wo sie schon freudig von einer jungen Amerikanerin erwartet wurde. Beide Frauen umarmten sich voller Glück.

»Es ist lange her«, sagte die junge Frau.

»Drei Jahre, Julie«, sagte die Engländerin.

»Du siehst irgendwie genervt aus.«

»Es war ein langer Flug.«

Sally bemerkte die Frau, neben der sie den ganzen Flug über gesessen hatte. Diese winkte ihr mit einem breiten Lächeln zu.

»Ein sehr langer Flug.«

Auf dem Weg zum Auto erzählte sie Julie, was vorgefallen war.

»Hattest du nicht die Möglichkeit, Musik zu hören oder dem Film zu lauschen?«

»Meine Kopfhörer waren kaputt, und sie hatten keinen Ersatz an Bord. Und die anderen Passagiere wollten um nichts in der Welt mir ihre geben.«

Sie stiegen in den Wagen.

»Jetzt hast du es ja geschafft«, sagte Julie und fuhr los.

Einige Jahre war es schon her, dass Sally zuletzt hier war. Sie war froh, weit weg von der Firma zu sein. Seit mehreren Jahren war Sally als Reporterin für ein Magazin tätig, aber ihre Chefin schien irgend etwas gegen sie zu haben. Es ging das Gerücht um, das ihr Ehemann ein Auge auf Sally geworfen hatte, weswegen ihre Chefin so einen Groll auf sie hegte.

Aber jetzt bot sich die Chance, ihren Traum zu erfüllen und das Ganze hinter sich zu lassen.

Die Fahrt nach Manhattan über betrachtete sie sich die Wolkenkratzer und die Geschäfte. Mitten in der Stadt gerieten sie in einen Stau. Einige Leute hupten und fluchten wie verrückt. Ein Fahrradfahrer fuhr an ihnen vorbei, der sich wohl einen Ast ablachte, denn als einziger kam er vorwärts.

»Wann hast du noch mal das Vorstellungsgespräch?«, fragte Julie, ohne dabei den Verkehr aus den Augen zu lassen.

»Montag. Ich bin richtig aufgeregt.«

»Es wird schon klappen. Mr. Roldon ist ein freundlicher Mann, und ich habe ein gutes Wort für dich eingelegt. Deine Referenzen haben den Rest erledigt. Jetzt musst du ihn nur noch überzeugen, dich einzustellen, und dann wären wir Kolleginnen bei »Clothes«.«

»Wer ist denn auf diesen Namen für eine Modezeitschrift gekommen?«

»Mr. Roldon selbst. Ist gar nicht so schlecht der Name. Wäre es nicht toll, wenn wir Kolleginnen wären?«

Sally lächelte.

»Ja, das wäre es. Ich setze meine ganzen Hoffnungen darauf. Ah, endlich geht es weiter.«

Etwas später parkte Julie den Wagen vor einem großen Gebäude, wo sich im vierten Stock ihre Wohnung befand.

Sally war erstaunt, wie ordentlich es bei ihr zu Hause aussah. Keine Klamotten lagen verstreut in der Gegend herum, kein Geschirr, wo die Reste schon begannen zu trocknen.

»Deine Wohnung habe ich anders in Erinnerung. Hast ja aufgeräumt.«

»Ja, sagte Julie, »ich begann, nichts mehr wiederzufinden. Und langsam gewöhne ich mich daran. Kaffee?«

Die Engländerin nickte, und Julie verschwand in die Küche.

Fotos standen auf einem Tisch hinter der Couch. Sie zeigten Julie mit männlichen und weiblichen Freunden, Julie mit ihren Eltern oder Julie alleine. Ein Bild zeigte die Amerikanerin mit Sally Lorn, wo sie frech in die Kamera lachten. Sie erinnerte sich. Das Foto entstand, als sie als Austauschstudentin nach New York gekommen war. Anfangs zerbrach Sally sich den Kopf, ob sie Freunde finden würde, was aber kein Problem darstellte. Mit Julie hatte sie sich am Besten verstanden.

»Kein Foto von Greg?«