Der Birkenwald - Kai-Michael Böttcher - E-Book

Der Birkenwald E-Book

Kai-Michael Böttcher

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Beschreibung

Der Programmierer Dirk Friesen hat am Institut von Dr.Grothe das Programm für einen virtuellen Stadtplan entwickelt und in Zusammenarbeit mit einer Klinik Gehirnkartographien erstellt. Dann aber kam es zum Skandal, weil an Patienten Gehirnspiegelungen ohne ihr Einverständnis vorgenommen wurden. Heimlich spionierte Dr. Grothe sogar in der Erinnerung der Menschen herum. Ein Jahr später hat Dirk Friesen bei einem Spaziergang durch einen Birkenwald ein sonderbares Erlebnis... Fortan überstürzen sich die Ereignisse, die ihn an den Rand des Wahnsinns bringen. Lebt er in der Wirklichkeit? Wo ist seine Frau Eva? Diese Fragen will er lösen und den Kampf mit Dr. Grothe aufnehmen.

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Seitenzahl: 245

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Vielen Dank an Nadine für das schöne Titelbild.

Eva geht nachdenklich die Straße hinunter. Es war ein trauriger Film, denkt sie, die Bilder aus dem Kino kreisen in ihrem Kopf. Aber war der Film wirklich so traurig? Eigentlich war sie schon vor dem Film so alleine und niedergeschlagen. Der Regen. Warum regnet es immer dann, wenn das Gemüt ohnehin schon grau ist? Ob Dirk jetzt zu Hause ist? Sonst waren sie immer gemeinsam im Kino. Sie haben nach dem Kino geredet oder über den Film gelacht. Oft sind sie verliebt Hand in Hand die Straße entlanggeschlendert. Erst in letzter Zeit bleibt Dirk so oft alleine.

Eva sieht nachdenklich in die Ferne. Ihr Blick zerfließt im Nebel, der aus Regentropfen über der Straße liegt. Die Welt erscheint so unwirklich, wenn auch die Seele von einem Schleier umgeben ist.

„Ob Dirk meinetwegen unglücklich ist?“, fragt sie sich. Eva weiß, dass sie Dirk ermutigt hat, seine Arbeit aufzugeben. Der Arbeitsmarkt ist schlecht. Ohne ihr Zutun würde er sicher noch bei Dr. Grothe arbeiten. „Bestimmt wird alles wieder gut, wenn er endlich wieder Arbeit gefunden hat“, spricht Eva sich Mut zu.

Unwirklich wie eben im Film gehen die Menschen an Eva vorbei. Fremde Gestalten, Schatten. Ab und zu blitzen Gesichter auf, aber nur kurz und kalt. Eva sehnt sich nach Wärme, nach Geborgenheit. Sie biegt in eine kleine kopfsteingepflasterte Straße ein. Die Bäume der Allee sind in der Dunkelheit zu schwarzen, gespenstischen Riesen geworden. Die Pflastersteine glitzern wie kleine Spiegel. Jetzt geht sie an einem großen Haus vorbei, welches dunkel und versteckt hinter ein paar Bäumen schläft. Es ist die alte Schule, in der Eva so viele Stunden ihres Lebens verbracht hat.

Sie bleibt stehen und denkt plötzlich mit einem so tiefen inneren Schmerz an ihre Schulzeit zurück, wie sie ihn seit Jahren nicht gefühlt hat. Sie geht hier so häufig vorüber, dass sie nicht verstehen kann, warum ihr heute alles so anders erscheint. Ihre Gedanken durchstreifen die Erinnerung früherer Tage. Die Gesetze der Physik musste sie hier lernen. Religion, Mathematik, Sprachen. Sie erinnert die Musik, welche sie mit ihren Freundinnen auf dem Schulhof gehört hat. Sie fragt sich, wo ihre Bilder geblieben sind, die sie im Kunstunterricht gemalt hat. Ist denn alles vergänglich? Sie sollte in dieser Schule die Gesetze der Menschen begreifen, warum haben sie nicht gelernt zu leben? Die Bilder alter Tage huschen durch ihre Sinne, jeden Tag ging sie diesen Weg nach Hause. Damals hatte sie die Wärme und Geborgenheit, die ihr gerade heute so sehr fehlt. Die Vergangenheit erscheint Eva so vollkommen, dass sie sich fragt, warum sie damals nicht erkannt hat, was es für ein großes Geschenk ist, ein liebevolles Zuhause zu haben. Eine Mutter, die immer für sie da war.

Sie geht weiter. Der Regen hat nachgelassen. Sie hat eine Wohnung mit Dirk zusammen, aber ist es ein Zuhause? Jetzt kann sie ihr Küchenfenster sehen, es brennt Licht. „Dirk sitzt jetzt dort oben“, denkt sie. Ihr Gesicht ist nass vom Regen. Sie geht etwas schneller. Vor dem Haus bleibt sie einen Moment lang stehen und sieht nach oben.

„Ach ja“, stöhnt sie leise, „wenn er nur wieder Arbeit hat, dann wird alles besser.“

Ihr Schlüssel dreht sich leise im Schloss, die schwere Haustür knarrt nicht. Sie steigt langsam die Stufen des Treppenhauses bis in den ersten Stock und öffnet die Wohnungstür, Dirk und Eva Friesen steht auf ihrem Namensschild. Sieben Jahre sind sie nun schon verheiratet. Sollte sie ihr Empfinden einfach dem verflixten siebten Jahr zuschreiben?

Sie geht in die Wohnung. Dirk hört mit seinem neuen Kopfhörer Musik. Als er Eva bemerkt, macht er die Augen auf und lächelt. Er macht die Augen wieder zu. Sie setzt sich zu ihm, nimmt seine Hand und malt mit den Fingerspitzen die Linien seiner Hand nach. Die lauten Passagen der Musik hört sie mit.

„Dirk, ich liebe dich“, flüstert sie leise. Er hört es nicht.

Die Schallplatte ist zu Ende. „Hast du schon gegessen?“, fragt er.

„Nein“, sagt sie, „aber ich habe auch keinen Hunger.“

Dirk kommt von seinem Kissen hoch. „Wie war es im Kino?“

Eva fängt an zu weinen, sie umklammert ihn und schluchzt. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist, Dirk, bitte halte mich fest.“

Er legt seine Arme um sie und streichelt über ihre langen Haare, wie man ein kleines Mädchen streichelt. Ihr Blick hängt an dem Kissen, auf dem eben noch sein Kopf lag. Die Mulde im Kissen, die sein Kopf hinterlassen hat, hebt sich langsam nach oben.

„Du hättest dir einen lustigen Film aussuchen sollen“, sagt er.

„Ach, Dirk, es hat sich alles so verändert, du bist so weit weg von mir.“ Sie lässt ihren Blick vom Kissen und löst sich aus seiner Umarmung. „Ich habe Angst um uns. Der Film ging so traurig zu Ende.“ Eva blickt ihm tief in die Augen. „Im Film fuhr er auf einem großen Schiff weg, für immer -- für immer -- für immer.“ Sie drückt dabei ihre Faust jedes Mal in das Kissen, sodass die Mulde von Neuem beginnt, sich nach oben zu arbeiten.

„Komm, wir gehen zu Monelli, ich habe nämlich Hunger.“

Dirk ist aufgestanden und reicht Eva ihren Mantel. Sie schluchzt.

„Ach, meine Liebe, es war doch nur ein Film.“

Sie lässt sich ohne Gegenwehr den Mantel anziehen.

„Genügt wirklich eine Leinwand, Licht und etwas Musik, damit sich fremde Menschen zum Herrscher über deine Gefühle machen können?“

Sie gehen Hand in Hand die Treppe hinunter.

„Den Film haben Filmemacher gemacht, damit du dich so fühlst.“ Dirk blickt ihr ins Gesicht, während er leise die Haustür öffnet und Eva den Vortritt auf die Straße lässt. „Dein Gefühl ist in einer Filmfabrik produziert worden und du bezahlst sogar Geld dafür.“

Sie gehen unter einem großen Regenschirm wieder den Weg an der alten Schule vorbei. Mit Dirk im Arm wirkt die Allee für sie auf einmal viel freundlicher.

„Dirk, so hast du doch sonst nicht geredet“, antwortet sie ihm. „Früher waren wir doch oft zusammen im Kino, was hat dich so sehr verändert?“

„Deine Seele wird im Kino verändert“, kontert er. „Du kannst es dir ja gefallen lassen, in einer Pseudowelt zu leben, ich möchte es jedenfalls nicht.“

„Mein Gefühl ist doch ein Teil von mir“, sagt Eva leise. „Nur wenn ich fühlen kann, weiß ich, dass ich lebe. Es ist egal, wie echt der Sonnenschein auf der Leinwand ist, solange meine Gefühle echt sind.“ Sie bleibt stehen und sieht Dirk an. „Vielleicht hast du recht, aber dann lebst du wie eine Maschine.“

„Ich bin aber keine Maschine“, sagt Dirk, „und darum habe ich auch Hunger. Da drüben ist schon Monelli.“

Sie betreten das italienische Restaurant und werden von Monelli persönlich begrüßt. Ein Italiener mit dem typischen Akzent, ohne den Pizza und Carbonara halb so italienisch schmecken würden.

„Es ist alles vorbereitet mein Herr“, sagt er zu Dirk und führt sie zu ihrem Lieblingstisch in einer kleinen Nische. Ohne ein Wort bringt er eine Flasche Champagner und füllt zwei Gläser.

Dirk hebt sein Glas und sagt: „Prosit, liebe Eva, auf meine neue Arbeit.“

Gespannt auf jede Regung heftet er seinen lächelnden Blick auf ihr Gesicht. Das Wetter draußen ist besser geworden. Wie vorhin das Kissen auf dem Sofa, das sich nach der schweren Last des Kopfes langsam in seine alte Form erhoben hatte, hebt sich Evas Blick, als würde aus ihrer Seele eine tiefe Mulde entfaltet werden, bis sie tief und strahlend in seine erwartenden Augen schaut. Sie legt ihre Arme um seinen Hals und schluchzt versteckt, um nicht schon wieder zu heulen.

„Dirk -- mein lieber Dirk“, und nun platzt das Schluchzen doch hervor. Sie küsst ihn. „Du hast wieder Arbeit? Ich bin ja so froh.“

Eine Träne rollt ihre Wange herunter, die zuvor den schönen braunen Augen einen wundervollen Glanz verliehen hat. Abwechselnd küsst sie seine Hand, um dann nachdenklich wie in einem Buch darin zu lesen. Seit seiner Kündigung bei Dr. Grothe sind jetzt genau drei Monate verstrichen.

„Ich habe heute eine Anstellung beim Neubau des großen Bürohauses in der City angenommen.“

* * *

Es ist 16 Uhr. Werner Löb ist immer noch im Labor und arbeitet an einer Auswertung. Früher war es fast selbstverständlich, abends bis in die Puppen im Institut zu sein, aber seit Dirk hier gekündigt hat, fällt es Werner schwer, mit Freude zu arbeiten. Das Verhältnis zu Dirk Friesen war mehr als nur die Beziehung zu einem netten Kollegen. Umso enttäuschter ist er, dass Dirk so völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Die ersten Wochen hat er versucht, ihn telefonisch zu erreichen, aber dann gehörte der Anschluss einem neuen Teilnehmer.

Auch Dr. Grothe hat sich seitdem verändert. Ein guter Kumpel war der Doktor eigentlich nie, aber seit Dirk nicht mehr da ist, strahlt er nur noch harten Ehrgeiz aus, der alle menschliche Fröhlichkeit erstickt. Außerdem arbeitet sein Chef seitdem fast ausschließlich mit Prof. Flemming zusammen.

Die Klinik für Schlafforschung von Prof. Walter Flemming liegt genau gegenüber vom Institut. Den Studien von Prof. Flemming ist es zu verdanken, dass die Gehirnkartografie heute so weit fortgeschritten ist. Durch sie können Krankheiten wie Schizophrenie oder Epilepsie erfolgreich operiert werden.

Gemeinsam mit Dirk Friesen hat Werner Löb die Studien für Prof. Flemming und Dr. Grothe über die Bildverarbeitung im Gehirn durchgeführt. Damals war ihr Institut noch in der Kaiserstraße. Aber dann kam der große Skandal.

„Was hast du?“

Werner zuckt zusammen. Gabriele Dohrmann ist unbemerkt ins Labor gekommen und sieht Werner aus dem Fenster starren.

„Nichts“, antwortet er.

„Geht es um die Auswertung?“, fragt Gabriele einfach weiter.

„Nein, nein -- wirklich nicht.“

„Aber dich bedrückt doch etwas. Es ist jedenfalls nicht das erste Mal, dass man den Eindruck hat, du hättest deinen Körper hier vergessen und wärst mit deinen Gedanken über alle Berge auf und davon.“ Sie stellt sich vor ihn hin. „Willst du reden?“

Ihre Frage scheint ihm unangenehm zu sein. „Du weißt, dass unser guter Doktor es nicht möchte, dass wir über unsere Arbeit reden.“

Werner wirft ihr einen schnellen Blick zu und geht zur Kaffeemaschine. Er gießt seinen Becher voll und öffnet den Kühlschrank.

„Die Milch ist schon wieder alle.“

Er macht den Kühlschrank mit einem bösen Ruck zu und sieht seinen vollen Kaffeebecher an, als ob er schuld an der fehlenden Milch sei. Dann legt er seine Auswertung und die RGB-Linsen in eines der vielen Fächer an der Wand und stellt den vollen Kaffeebecher in die Spüle der kleinen Küchenzeile.

„Kein Kaffee ist immer noch das beste Argument für Feierabend.“ Seine Aufmerksamkeit gilt nun doch Gabriele.

„Ich trinke meinen Kaffee zwar ohne Milch“, antwortet sie, „aber Feierabend ist ein wirklich gutes Argument. Gehen wir zusammen noch etwas trinken?“

„Dienstlich oder privat?“ Werner ist nun wieder voll im Leben. „Dienstlich hat es Dr. Grothe doch verboten, oder?“

Sie antwortet verschmitzt: „Gut, dann privat. In fünf Minuten am Eingang, okay?“

Er zieht seine Jacke an und sie gehen bis zur verbotenen Tür zusammen. Während Gabriele durch die Tür verschwindet, geht er weiter bis zum Empfang. Im Eingangsbereich ist ein großzügiger Tresen, an dem aber immer seltener jemand sitzt. Die Eingangstür, so will es Dr. Grothe, muss immer verschlossen sein. Außer natürlich, wenn Besuchergruppen kommen, die in den öffentlichen Cyberraum geführt werden. Aber die werden von Dr. Grothe immer rechtzeitig angemeldet.

Werner öffnet die Eingangstür und tritt auf die Straße. Gegenüber bei Prof. Flemming brennt noch Licht und neben dem Wagen des Professors parkt das Auto von Dr. Grothe. „Ob sie immer noch am BCV-Verfahren arbeiten?“, fragt er sich. Seit dem Skandal hat Werner Löb vom Doktor jedenfalls keine neue Arbeit, geschweige denn eine Veröffentlichung darüber gesehen.

„Da bin ich.“ Gabriele steht hinter ihm, er schließt die Tür ab und geht mit ihr Richtung Monelli.

„Kennst du den kleinen Italiener bei der alten Schule?“, fragt er sie.

„Nein“, antwortet Gabriele, „aber klingt gut.“

„Verstehst du all die Heimlichkeiten von Dr. Grothe?“, fragt Werner, nachdem Monelli die Kerze angezündet hat und mit der Bestellung in die Küche verschwunden ist.

„Also doch ein dienstliches Treffen?“ Gabriele lächelt und sieht ihn mit schräg gestelltem Kopf an. „Du arbeitest doch schon viel länger im Institut“, sagt sie. „Du kannst mir doch bestimmt viel mehr Gründe erzählen als ich dir. Zum Beispiel die Sache mit dem Fernsehbericht …“

„Die Sache?“ Werner unterbricht sie forsch. „Ein handfester Skandal war das. Im Fernsehen wurde ein langer Bericht darüber gesendet, dass unser Institut bei vielen Patienten ohne deren Einverständnis eine Gehirnspiegelung vorgenommen hat.“ Seine Stimme verrät, dass das Thema ihn auch persönlich betrifft und immer noch Emotionen auslöst.

„Na und?“ Gabriele klingt dagegen trocken und sachlich. „Ärzte können schon viele Jahrzehnte Nervenströme mit Elektronen messen. Meinst du, es gibt auch nur einen Patienten, der möchte, dass der Arzt die Daten nicht beachtet?“

Gabriele sieht Werner fragend an. Er nimmt einen Teelöffel in die Hand und dreht ihn langsam vor sich in der Luft, während er seine Antwort formuliert.

„Drei Viertel des menschlichen Gehirns sind vollständig entschlüsselt. Eine komprimierte Datenkopie verlangt nur 300 Terabyte Speicher. Hast du das BCV-Verfahren schon einmal praktisch gesehen? Kannst du dir vorstellen, was BCV zusammen mit diesen Daten bedeutet?“

Der Teelöffel in seiner Hand ist bei diesen Worten vom Spielzeug zum Zeigestock geworden, der rhythmisch auf sie zeigend den Ernst der Frage untermauern soll.

„Nicht wirklich“, schüttelt sie den Kopf. Er legt den Löffel wieder vor sich auf den Tisch.

„Gott sei Dank können sich viele Menschen das nicht vorstellen.“ Werner nimmt nun sein Glas zwischen die Finger und dreht es langsam. Dann atmet er die Blume des Weines genussvoll ein und spricht nach einem Schluck, nun deutlich gelassener: „Sogar die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren sofort eingestellt, aber trotzdem zog Dr. Grothe mit dem Institut von der Kaiserstraße weg.“

„Laufen die Forschungen mit BCV denn weiter?“

Werner wendet sich vor der Beantwortung dieser Frage erst einmal wieder seinem Wein zu und trinkt genussvoll ein Schlückchen.

„Seit dem Skandal ist die Arbeit sehr anstrengend geworden. Es muss immer darauf geachtet werden, dass keine Teile unserer Arbeiten an die Öffentlichkeit gelangen. Keiner weiß etwas vom anderen, und Fragen ist verboten. Was machst du zum Beispiel den ganzen Tag? Jeder behandelt den anderen wie einen Spion.“

„Jeder?“ Gabriele verzieht die Augenbrauen. „Wir sind doch nur noch zu zweit. Außer uns gibt es doch niemanden mehr.“

„Und was ist mit Alex?“

Gabriele scheint über diese Frage etwas erschrocken zu sein. Sie widmet sich nun ihrerseits intensiv dem Rotweinglas. Die Hände sind verkrampft und ihr Gesicht wird blass und starr. Alexander Schröder war vor knapp einem Jahr an das Institut gekommen. Er ist ein Typ, als wäre er in einer Zeitmaschine aus den 60er-Jahren gekommen. Mit einer schmalzigen Tolle und typisch amerikanischen Klamotten sieht er aus wie ein echter Rock-’n’-Roller und ist dabei ein Macho, wie er im Buche steht. Werner ist nie gut mit ihm zurechtgekommen.

„Was ist denn mit Alex?“ Werner hat bemerkt, dass ihr der Name des Kollegen unangenehm ist. „Warum muss er heimlich arbeiten, ist das wirklich wegen mir? Du hast dich doch auch immer über ihn beschwert, oder?“

„Alex ist ein Arsch“, sagt sie trocken. „Wie viele Mitarbeiter hatte das Institut früher eigentlich?“ Gabriele weicht seinen Fragen mit einer Gegenfrage aus.

„Wir waren in der Kaiserstraße mehr als zehn Mitarbeiter. Aber nach dem Skandal haben alle das Institut verlassen oder wurden von Dr. Grothe gekündigt. Nur Dirk Friesen und ich waren übrig geblieben und als Ersatz kamst du und dann Alex. Es ist vermutlich auch kein Zufall, dass das Institut jetzt genau gegenüber der Klinik von Prof. Flemming angesiedelt ist.“

* * *

Dirk Friesen ist auf der Baustelle und überwacht den Einbau des Spiegelglases an der Westfassade. Als er die Anstellung bekam, war gerade das Fundament gegossen, und nun bekommt das Haus schon sein endgültiges Gesicht.

„Wo ist nur die Zeit geblieben?“ Dirk überlegt, dass es nun schon neun Monate her ist, als er mit Eva den neuen Job bei Monelli gefeiert hat. Seit fast einem Jahr arbeitet er schon nicht mehr im Institut.

In dem großen Durchgang werden an beiden Seiten Spiegelplatten montiert. Die Spiegel werden parallel ausgerichtet. Dirk sieht, wie sich seine Gestalt in den Spiegeln scheinbar endlos wiederholt, und lässt seinen Blick in die unnatürliche Ferne sinken. Das erste Computerseminar, welches er damals bei Dr. Grothe besucht hat, kommt plötzlich aus den Tiefen seiner Erinnerungen hervor, es ging um rekursive Programmierung.

„Ein rekursives Programm ruft sich selbst wieder auf.“ So hat Dr. Grothe es damals erläutert. „Wenn Sie sich zwischen zwei Spiegel stellen, dann werden Sie sich beliebig oft im Spiegel sehen. Genauso ruft in einem Computer dasselbe Programm sich immer und immer wieder selbst auf.“

Dirk erinnert sich zwischen den Spiegeln an die bildhafte Erklärung für Rekursion. Mit solchen anschaulichen Vergleichen gelang es Dr. Grothe immer, seine theoretischen Vorträge anschaulich zu machen.

Bevor Dirk als Angestellter am Institut von Dr. Grothe gearbeitet hatte, besuchte er selbst dort einige Seminare. Die Verbindung von Computer und Architektur war damals noch auf das Konstruieren oder das Berechnen der Statik beschränkt. Später hat er die Computerseminare selbst gehalten. Sie wurden mit der Zeit immer spezieller.

Dirk war entscheidend daran beteiligt, eine ganze Stadt online im Rechner zu halten. Das Konzept war denkbar einfach: Die CAD-Systeme, mit denen die Architekten ihre Häuser entwerfen und konstruieren, liefern die Information über das Aussehen der Gebäude einer Stadt. Man benötigt nur noch den Längen- und Breitengrad des Gebäudes sowie dessen Ausrichtung, sozusagen den Zeiger nach Norden. Ebenso gibt es einen Datenblock für jedes Gebäude, in dem zum Beispiel auch das Baujahr des Hauses abgelegt ist.

Seit der Zwangsvernetzung für steuerlich abzugsfähige EDV-Systeme wurden Stadtpläne, die es schon lange im Computer gab, dreidimensional erweitert. Die öffentlichen Rechner nutzen die Daten fast aller Architekten und ermöglichen so den realen Cyberspace. Mit den Datenhelmen und Cyberhandschuhen wurden die Seminare zum Spaziergang durch unsere Stadt. Jedes Jahr wurden die Lücken zwischen den Häusern kleiner und die Darstellung perfekter.

Einmal sagte Dr. Grothe zu Dirk, nachdem alle Teilnehmer gegangen waren: „… und nun spielen wir Gott und programmieren das Wetter.“ Dr. Grothe war versessen darauf, jedes Detail im Cyberspace zu erfassen und zu beweisen, dass alles im Computer nachgebildet werden kann.

Dirk hat später für das Projekt diverse Pflanzen programmiert. Sein Programm AST wurde dann in dem Seminar über rekursive Programmierung als Beispiel verwendet. Das Programm berechnet einen Ast mit unterschiedlich vielen Blättern und ruft sich selbst immer wieder auf. Vom Stamm als erstem Programmaufruf bis zum letzten Blatt ist nur eine Struktur nötig, und ein ganzer Baum wird fertig berechnet. Der Stamm hat eine feste Richtung, die anderen Äste hängen dann vom Wind ab. Die Wetterkarte hat damals Werner Löb programmiert. Sie klopften sich oft gegenseitig auf die Schulter, wenn ihnen etwas besonders Eindrucksvolles gelungen war. Werner bewunderte Dirks Bäume und lobte, dass sie von einer Fotografie nicht zu unterscheiden seien.

Dirk sieht Werner in seiner Erinnerung vor sich, wie er mit seiner kleinen Nickelbrille und dem dünnen Haar vor ihm stand. Eine gute Idee kündigte sich bei ihm schon in seinem schelmischen Gesicht an, bevor er anfing, darüber zu reden. Als Werner das erste Mal seine Hubschrauberlandung am Bildschirm simulierte, lachte er und sagte: „So, Dirk, nun musst du auch noch dafür sorgen, dass ab Windstärke acht der eine oder andere Ast abknickt.“

„Hallo Schatz.“

Dirk fährt zusammen. Er hat Eva gar nicht kommen hören, so sehr war er in seine Erinnerung versunken. Er reißt seine tausend träumenden Blicke aus der Spiegelwelt und geht Eva entgegen, die mit einer kleinen Tüte vor dem Durchgang steht.

„Dein Frühstück“, sagt sie, „du hast dein Frühstück zu Hause vergessen.“

Er nimmt ihre Hand mitsamt dem Frühstücksbeutel und sagt: „Komm, ich zeige dir die weite Welt.“ Dabei führt er Eva lachend zwischen die Spiegel, an die Stelle, wo er eben selbst gestanden hat.

„Wunderbar, so ein riesiger Durchgang“, lacht sie, während ihr Blick in die unendliche und unwirkliche Weite eintaucht. „Es wird ein herrlicher Bau. Fast zu schade für ein einfaches Bürohaus. -- Komm heute nicht so spät“, sagt sie und gibt ihm einen Kuss.

„Ich bringe dich noch ein Stück“, sagt er und sie gehen Hand in Hand zur LKW-Einfahrt, durch das hektische Geschehen der Baustelle. Am Zaun, der die Baustelle weiträumig umgibt, bleiben sie stehen. Es weht ein leichter Wind, Staub wirbelt hoch. Eine alte Zeitung wird langsam über den sandigen Platz getrieben.

„Beeile dich heute Abend“, sagt Eva noch einmal. Dirk sieht der Zeitung hinterher und sagt, ohne ihr wirklich zuzuhören: „Wir könnten doch Werner Löb einmal einladen.“

„Ja“, antwortet sie trocken, „das können wir machen.“

Er gibt ihr zum Abschied noch einen Kuss und sie geht den langen Weg neben der Baustelle entlang nach Hause. Von Zeit zu Zeit sieht sie durch die breiten Spalten im Lattenzaun, dass Dirk auf der anderen Seite des Zaunes noch neben ihr geht. Sie lacht ihm durch die kurzen Lücken im Bretterzaun zu.

Sie fragt sich, wie er plötzlich wieder auf Werner Löb kommt. Hat er seine Enttäuschung vergessen, wie Werner ihn hat abblitzen lassen? Dirk kann seine Arbeit bei Dr. Grothe wohl immer noch nicht vergessen.

Bei der Erinnerung an das Institut von Dr. Grothe wird ihr ganz sonderbar zumute. Dirk hat ihr nie einen Vorwurf gemacht, dass sie ihn gedrängt hat, die Arbeit im Institut aufzugeben. Im Gegenteil, er scheint bei seiner Arbeit auf der Baustelle richtig aufzublühen, er lacht wieder öfter. Es gibt keinen Grund, warum Dirk den Kontakt mit Werner Löb nicht noch einmal suchen sollte, aber die weibliche Intuition mahnt sie zur Vorsicht.

Werner und Dirk waren die einzigen Mitarbeiter, die nach dem großen Skandal bei Dr. Grothe geblieben sind und mit ihm das neue Labor aufgebaut haben. Auch zu Hause bekamen Dirk und Eva noch eine lange Zeit unheimliche Anrufe und anonyme Drohungen. Ihr läuft es kalt den Rükken herunter, wenn sie an die Zeit denkt, als sie Dirk abends im Labor abgeholt hat.

Der Zaun ist zu Ende. Eva sieht durch den letzten großen Spalt im Zaun, Dirk ist schon abgebogen. Er geht in Richtung Bauwagen, in dem die Bauleitung untergebracht ist. Sie ruft ihm einen Gruß hinterher, aber er hört sie nicht mehr. Sie geht nach Hause und öffnet die Haustür, die Tür knarrt nicht.

Nach Feierabend geht Dirk zu Fuß nach Hause. Er mag es, die große Stadt an sich vorübereilen zu sehen. Alle Menschen wirken so geschäftig. Aber irgendwie ist es auch wie ein immer gleicher Film. Es sind die typischen Stadtgeräusche, die Stadtgerüche und die maskenhaften Personen, die ihm gleichzeitig ein so vertrautes wie auch fremdartiges Gefühl einflößen. Er geht an der Wurstbude vorbei und riecht den immer gleichen Geruch aus Fett, Pommes, Schaschlik und abgestandenem Zigarettenrauch. Die Bude wirkt vertraut, aber gleichzeitig auch fremd, weil er noch niemals drinnen war. Obwohl der Geruch nicht unappetitlich ist, hätte er keine Lust, dort zu essen.

Keine der vielen Personen, die ihm als Menschenstrom entgegeneilen, kennt er. Trotzdem ist es ihm, als erkennt er ein paar Gesichter immer wieder. Vermutlich, weil sie sich auch bei einem früheren Heimweg im Gewirr der Blicke getroffen haben. Auch wenn er die Leute nicht kennt, vielleicht teilt er mit ihnen einen ähnlichen Biorhythmus. Dirk liebt diese innere Spannung der Stadt.

Auf dem Rathausmarkt setzt er sich auf eine Bank. Als er selbst zur Ruhe kommt, erhält jeder einzelne Mensch im Fluss der Geschäftigkeit eine viel klarere Persönlichkeit. Während Dirk die Menschen beobachtet, trifft sein Blick eine Frau, die langsam auf dem Rathausmarkt spazieren geht. Sein Herz schlägt schneller. Die nötige Luft zum Atmen zu bekommen fällt ihm plötzlich so schwer. Es ist der Typ von Frau, der vermutlich auf der ganzen Welt den Männern den Atem stocken lassen würde.

„So habe ich mir immer eine Carmen vorgestellt“, haucht Dirk leise vor sich hin, während sein Kopf langsam dem Gang dieser Schönheit über den Platz folgt. Im Urlaub war er mit Eva in der Oper „Carmen“ gewesen. Danach wollte sie unbedingt von ihm wissen, welcher Typ Frau sie sei, die rassige Carmen oder die biedere Micaela. Eva ist zweifellos eine schöne Frau, aber sie hat auch eine häusliche und biedere Seite.

Die Frau dort hinten scheint davon überhaupt nichts zu haben. Sie steht an einem Zeitungskiosk mit dem Rücken zu ihm. Dirk überlegt, wie er darauf kommt, dass diese Frau nicht bieder ist, er kennt sie doch gar nicht. Sein Blick klebt an ihrem Rücken, er kann ihn immer noch nicht von dieser Person lassen. Sie hat eine Zeitschrift gekauft und kommt nun schnellen Schrittes und geradlinig auf seine Bank zu. Dirk stockt der Atem jetzt vollständig.

„Ist hier noch frei?“ Sie spricht ihn an, als sie etwa einen Meter vor seiner Bank stehen bleibt.

„Natürlich“, antwortet Dirk lässig. Er ist überrascht, wie locker und ruhig er nach außen zu sein scheint, obwohl doch sein Herz nicht nur in der Brust klopft, sondern der Anblick dieser Frau seinen ganzen Körper in gleichmäßiges Pochen zu versetzen scheint.

„Ein schöner Nachmittag, nicht wahr?“ Die Dame blickt mit einem Augenaufschlag zu ihm herüber, der Marmorstatuen zum Tanzen gebracht hätte.

„Ja, was für ein Nachmittag!“ Dirk ist nicht sicher, ob er wirklich das Wetter meint.

„Sitzen Sie oft hier?“ Ihre Stimme hat einen schönen Klang. Sie liebkost seine Seele wie der Klang der Sirenen, vor denen sich Odysseus zum Schutz anbinden lassen musste. „Von meinem Penthouse in der Parkstraße habe ich einen schönen Blick über den Rathausmarkt. Sehen Sie dort.“ Sie zeigt mit dem Finger auf eines der teuren Häuser, die an den Rathausmarkt grenzen. „Dort wohne ich.“

„Das Haus passt zu ihr“, denkt er bei sich. Ein prächtiges Gebäude, wie eine große Treppe gebaut. Jede Stufe ist ein großer, in allen Etagen blühend bewachsener Balkon. Bunte Blumenranken winden sich von einer Etage zur nächsten. In der ersten Etage erkennt man durch das verglaste Geländer eine noble Gartengarnitur mit einem bunten Sonnenschirm.

„Wenn Sie Lust haben, lade ich Sie auf einen Fruchtcocktail ein.“

Dirk glaubt, dass sein Blut den Siedepunkt erreicht hat. „Es tut mir leid, aber ich habe heute noch einen Termin.“

Seine Sprache scheint dem männlichen Empfinden nicht zu gehorchen. Ein schlechtes Gewissen seiner Frau gegenüber wird vom Verstand in die Situation gemogelt. Ihm wird die Sache unheimlich. Sie rückt unauffällig ein Stück näher an ihn heran. Dirk steht auf und gibt dieser so überraschend in sein Leben getretenen Schönheit zum Abschied die Hand. Er riecht ihr Parfüm. Sollte er ihr Angebot doch annehmen?

„Ein anderes Mal vielleicht, heute ist es leider nicht möglich“, hört er sich, wie automatisch sagen.

„Es läuft ja nicht weg“, sagt sie mit einem freundlichen Lächeln. „Mein Name ist Carmen Fournacon, ich stehe im Telefonbuch. Wenn Sie Lust haben, rufen Sie einfach mal an.“

Sie gibt seine Hand frei, und um keinen Zweifel am Ernst der Einladung aufkommen zu lassen, nickt sie ihm ganz sanft zu. Etwas eitel achtet Dirk beim Fortgehen auf eine besonders gerade Haltung seines Körpers. Ob sie ihm wohl hinterhersieht?

Erst als er um die erste Ecke biegt, nimmt er die Spannung aus seinen Muskeln und eilt nach Hause. Aber je weiter er den Rathausmarkt hinter sich lässt, kommen aus den Tiefen seiner Seele Vorwürfe in sein Gemüt.

Warum sitzt er jetzt nicht mit der Frau seiner Träume in ihrem reichen Penthouse? Sein Gaumen wird trocken bei der Vorstellung des kühlen Fruchtcocktails, den sie ihm versprochen hat. Er sieht sich mit dem Glas in seiner Hand auf dem großen, blumengeschmückten Balkon stehen. Der Sonnenuntergang und die warme Abendluft legen sich wie ein erotischer Schleier über die ganze Stadt. Aber seine Schritte scheinen nur der Vernunft verpflichtet zu sein und ziehen ihn wie magisch nach Hause.

* * *

Heute ist ein schöner Sommertag, Werner Löb macht aus diesem Grund sehr zeitig Feierabend. Er geht den Flur entlang und bleibt an der verbotenen Tür kurz stehen. Bis zum Abend mit Gabriele dachte er immer, Alex würde hinter dieser Tür arbeiten. Aber seit ihrer sonderbaren Reaktion ist die Tür für ihn noch rätselhafter geworden. Warum diese vielen Geheimnisse von Dr. Grothe? Was gibt es zu verbergen?

Er geht den Flur weiter zum Empfang und verlässt das Institut. Heute genießt er den lauen Sommerwind mehr als an anderen Tagen. Er schlendert durch die Straßen und geht nicht seinen gewohnten geraden Weg, sondern lässt sich träumend von seinem Gefühl durch die Stadt führen.

Er kommt an der alten Schule vorbei, geht durch die romantische Allee mit dem altmodischen Kopfsteinpflaster. „Nur wenige Schritte von hier wohnen Dirk und Eva“, denkt er bei sich. Wie automatisch bringen ihn seine Beine vor das Haus, in dem er früher so manches Feierabendbier mit seinem Freund getrunken hat.

Langsam öffnet er die laut knarrende Tür und schleicht das Treppenhaus hinauf. Die Wohnungstür ist einen Spalt offen, eine Fußmatte verhindert, dass sie ins Schloss fallen kann. Wagner steht auf einem neuen Namensschild. Werner fällt ein, dass sich die neue Stimme am Telefon mit Wagner gemeldet hatte. Er dreht auf der Treppe um und geht die Stufen wieder hinunter.

Kurz bevor er das Ende der Treppe erreicht hat, bemerkt er einen älteren Herrn, der mit einem Karton auf dem Arm aus dem Keller kommt. BCV ist mit schwarzem Edding darauf geschrieben. Werner geht die restlichen Stufen langsamer und bleibt hinter dem Mann. Das Haus ist ein Altbau im Jugendstil mit einem großzügigen Marmorflur. Sie verlassen dicht hintereinander das Haus und gehen bis zur Straße. Werner beobachtet, wie der Mann den Karton bei einem Müllhaufen ablegt und ins Haus zurückgeht.