Der Blick auf Vater und Mutter -  - E-Book

Der Blick auf Vater und Mutter E-Book

0,0

Beschreibung

Sowohl in Theorie und Forschung als auch in der erzieherischen Alltagspraxis herrscht die Blickrichtung der Erwachsenen auf das Kind vor. In radikaler Umkehr dessen interessiert sich dieser Band für die Kinderperspektive. Bis dato wurde in der Forschung der Blick von Kindern auf ihre Eltern kaum berücksichtigt. Diese vorherrschende Herangehensweise wird nun auf den Kopf gestellt: Nicht Erwachsene geben Auskunft darüber, wie sie das Kind und ihre Beziehung zu ihm erleben. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie das Kind Vater und Mutter und seine Beziehung zu ihnen erlebt. Die empirisch-sozialwissenschaftlichen Studien, aber auch berufspraktischen Beiträge spannen einen weiten Bogen inhaltlicher Dimensionen, des Alters und Geschlechts der Kinder, der direkten oder indirekten Zugangsweisen zur Kinderwahrnehmung.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 421

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Johannes Huber/Heinz Walter (Hg.)

Der Blick aufVater und Mutter

Wie Kinder ihre Eltern erleben

Vandenhoeck & Ruprecht

Mit 7 Abbildungen und 5 Tabellen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sindim Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-647-99661-5

Umschlagabbildung: Father Sits On Sofa With Children SmokingAnd Drinking © Monkey Business Images/shutterstock.com

© 2016, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG,Theaterstraße 13, 37073 Göttingen /Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.www.v-r.deAlle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlichgeschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällenbedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Inhalt

Vorwort

Heinz Walter und Johannes HuberPerspektivenwechsel: Kinder blicken in die Richtung von Vater und Mutter

Aus der Praxis, für die Praxis

Birgit LangebartelsVerborgene Botschaften von Heranwachsenden. Eine Skizze der rheingold-Methode und wie sie die Welt von Kindern und Eltern entschlüsselt

Mark Riklin und Andreas Borter»Vätergeschichten«. Sich erzählend dem Vater nähern

Julia SchollWas wünschen sich Kinder von ihren Vätern? Impulse für die väterbezogene Arbeit in Kindergarten und Grundschule

Forschungszugänge – eine Auswahl

Johannes Huber und Bernd Traxl»Public Fathers«? Welche Bedeutung kommt männlichen Fachkräften im Kindergarten zu? Kinder geben Antworten

Diana BaumgartenWie sehen Kinder und Jugendliche die Beziehung zu ihrem Vater? Eine Sekundäranalyse kindlicher Sichtweisen und Deutungsmuster in Interviews aus drei Forschungsprojekten

Alba PoloDie Bedeutung des Vaters im Erleben weiblicher Adoleszenter

Mathias Graf, Joulios Liacopoulos und Heinz WalterAlle Drei. Wie Kind, Mutter und Vater die Beziehungen in ihrer Familie erleben. Ein Streiflicht auf die »emotionale Randposition des Vaters«

Heike Drexler und Rita BalakrishnanDie Thematisierung der Eltern in den Zeichnungen von Vorschulkindern

Zur Psychodynamik des Einzelfalls im therapeutischen Setting

Bernd TraxlPavel empfängt das Trojanische Pferd oder Die Unausweichlichkeit transgenerationaler Traumata

Arne BurchartzAngst verstellt den Blick. Die getrübte Sicht eines Kindes auf Vater und Mutter

Beate KunzeReflexionen zum Artikel »Angst verstellt den Blick«.Mit einem Epilog von Arne Burchartz

Hans HopfTöchter träumen ihren Vater

Sensibilisierung für die Kinderperspektive als präventive Maßnahme

Matthias FranzDer schwierige Weg zum Vater. Die Bedeutung des eigenen Vaterbildes für die Wahrnehmung kindlicher Bedürfnisse am Beispiel des Bindungstrainings für alleinerziehende Mütter »wir2«

Sabine BrunnerDie Kindesanhörung – ein Grundrecht.Zeit und Raum für die Sicht des Kindes

Die Autorinnen und Autoren

Vorwort

Der Blick der Eltern auf das Kind. – Als wir in einem Gespräch am Rande einer Tagung beide das Unbehagen über diese fast ausschließliche Blickrichtung in der einschlägigen Forschung feststellten, war ein Band mit Alternativprogramm beschlossene Sache. Allerdings war uns damals nicht bewusst, auf welch vielschichtiges Terrain wir uns damit begeben würden.

Zunehmend mussten wir erkennen, dass das Programm einer »Perspektive vom Kinde aus« sowohl innerhalb der Scientific Community wie auch in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten zwar durchaus für zentral gehalten wird, bezüglich seiner Umsetzung aber ungeklärte, unscharfe und einander widersprechende Sichtweisen bestehen.

Wir blieben dran, konnten für uns Wichtiges klären. Mit dem einleitenden Überblick und einem bunten Strauß an Beiträgen geben wir das Erarbeitete an die hoffentlich vielen Interessierten weiter – interessiert an der »Perspektive des Kindes«, im Speziellen am Blick des Kindes auf Vater und Mutter.

Wir danken allen beitragenden Autorinnen und Autoren für ihr großes Engagement und ihre Gesprächsbereitschaft, wodurch das Buchprojekt in der vorliegenden Form erst realisiert werden konnte. Im Verlagshaus Vandenhoeck & Ruprecht danken wir der Verlagsbereichsleitung, Günter Presting, und unserer unmittelbaren Ansprechpartnerin, Imke Heuer, für das uns entgegengebrachte Vertrauen, ihre Unterstützungsbereitschaft und Geduld während des Entstehungsverlaufs des Bandes.

Innsbruck und Biel/Bienne,

Johannes Huber

im September 2015

Heinz Walter

Was ich mir wünsche:Daß er mich an der Hand nimmt.Daß er mit mir zum Bauern milchholen geht.Daß er in der Kirche neben mir sitzt.Daß er sich mitten unter die Bauern setztund auf den Tisch haut.Daß er zum Elternsprechtag geht.Daß er mir antwortet wenn ich ihn etwas frage.Daß ich einen Vater habeden ich herzeigen kann.

Mein Vater war ein Italiener.Er sprach wenig.Ging nie fort.Sperrte sich in seine Werkstätte einund schnitzte Barockstühle und Madonnen.Selbst in der heiligen Nachtwenn alle Bauernkinder an der Hand ihrer Väterzur Christmette gingenblieb er in der verschlossenen Werkstattund arbeitete.

Was ich mir noch immer wünsche:Daß ich ihn endlich treffe.

(Turrini, 1980, S. 12)

Perspektivenwechsel: Kinder blicken in die Richtung von Vater und Mutter

Heinz Walter und Johannes Huber1

Es ist die Intention dieses Beitrags, grundlegend Klärendes zur Thematik des vorliegenden Bandes beizutragen. Die Ausführungen leitend ist die Frage, wie man sich dem »Kinderblick« annähern kann, das heißt, was ihn ausmacht, wo und wie er aufzuspüren ist – insbesondere jener in Richtung Vater und Mutter.

Doch vorneweg sagen wir, warum wir es gemäß dem aktuellen Forschungsstand für wichtig halten und auch die beitragenden Autorinnen und Autoren darum gebeten haben, in ihren Ausführungen zwischen »Mutter« und »Vater« als Elternteile zu differenzieren und der Väter-Seite neben der Mütter-Seite – soweit Material hierfür zur Verfügung steht – die auch ihr gebührende Beachtung zu schenken.

Nach einem kurzen Plädoyer dafür, die im Alltag wie in den Sozialwissenschaften vorherrschend thematisierte Blickrichtung »Erwachsene in Richtung Kinder« nicht einseitig beizubehalten, sondern ebenso der Blickrichtung »Kinder in Richtung Erwachsene« systematisch nachzugehen, wenden wir uns der zurzeit dominierenden Untersuchungsform zu, die vorgibt, die »Kinderperspektive« zu ergründen. Wir finden, sie tut es nur in sehr begrenztem Maße; wir fügen unserer exemplarisch geführten Kritik allgemeine Argumente hinzu, die vor allem der sogenannten Neuen Kindheitsforschung entstammen.

Es folgt Ungewöhnliches – Ungewöhnliches für einen Einstieg in ein wissenschaftliches Themenfeld: Kurzbiografien. Es sind Skizzen von drei Zugangswegen zur »Kindsperspektive«, für die sich drei Persönlichkeiten entschieden haben. So unterschiedlich ihre Wege sind, so ist ihnen doch gemeinsam: die Ausdauer und Kreativität, mit der sie sie gegangen sind, und die ansteckende Faszination, die von ihrem Suchen ausgeht.

Nach dem ersten Portrait schalten wir uns, von diesem dazu angestoßen, in die gegenwärtig breit geführte Diskussion über Kinderrechte ein, fragen nach deren Realisierung hierzulande.

Abschließend geben wir einen Überblick über die in diesen Band aufgenommenen Beiträge.

Warum dem Vater so breiten Raum geben?

Bereits vor dem Erscheinen des vorliegenden Bandes haben Kolleginnen und Kollegen, die seine Ankündigung auf der Homepage des Verlags entdeckt hatten, gefragt: Wo bleibt die Mutter auf dem Coverfoto? Haben sie nun noch Gelegenheit, im Inhaltsverzeichnis zu blättern, werden sie sich in ihrem kritischen Nachfragen bestätigt fühlen: Da taucht in den Titeln der Beiträge fast nur »Vater« auf! Und jetzt noch das an den Anfang dieser thematischen Einführung gestellte Gedicht – wieder ausschließlich mit dem Vater im Blick.

Das frühe Gedicht des bekannten österreichischen Dramatikers Peter Turrini drückt alles andere als eine Idealisierung oder gar Heroisierung einer väterlichen Gestalt aus. Im Gegenteil: Bei so mancher/manchem Lesenden werden sich aufgrund vergleichbarer Erfahrungen Gefühle von Schmerz und Trauer oder aber ein Mitgefühl einstellen, was dem Autor in seiner Kindheit und Jugend an männlich-wärmender Nähe und kraftvollem Vorbild entgangen sein mag.

Ein belesener Freund gab den Hinweis, dass vergleichbare väterliche Unnahbarkeit auch in Goethes »Dichtung und Wahrheit« zu finden sei. Deutlich in dieser Passage:

»Die alte, winkelhafte, an vielen Stellen düstere Beschaffenheit des Hauses war übrigens geeignet, Schauer und Furcht in kindlichen Gemütern zu erwecken. Unglücklicher Weise hatte man noch die Erziehungsmaxime, den Kindern frühzeitig alle Furcht vor dem Ahnungsvollen und Unsichtbaren zu benehmen, und sie an das Schauderhafte zu gewöhnen. Wir Kinder sollten daher allein schlafen, und wenn uns dieses unmöglich fiel, und wir uns sacht aus den Betten hervormachten und die Gesellschaft der Bedienten und Mägde suchten, so stellte sich, in ungewandtem Schlafrock und also für uns verkleidet genug, der Vater in den Weg und schreckte uns in unsere Ruhestätte zurück. Die daraus entspringende üble Wirkung denkt sich jedermann. Wie soll derjenige die Furcht los werden, den man zwischen ein doppelt Furchtbares einklemmt? Meine Mutter, stets heiter und froh, und andern das gleiche gönnend, erfand eine bessere pädagogische Auskunft. Sie wusste ihren Zweck durch Belohnungen zu erreichen. Es war die Zeit der Pfirschen, deren reichlichen Genuss sie uns jeden Morgen versprach, wenn wir nachts die Furcht überwunden hätten. Es gelang, und beide Teile waren zufrieden« (Goethe, 1811–33/1993, S. 12 f.).

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!