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Während gut zwei Monaten wanderte ich auf dem Jakobsweg von Le Puy en Velay nach Santiago, Finisterre und Muxia. Es war für mich eine sehr schöne Zeit. Ich hoffe, mit diesem Erlebnisbericht einige von diesem Weg überzeugen zu können.
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Seitenzahl: 275
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Dieses Buch widme ich allen Menschen, die mich, fürlängere Zeit oder auch nur für Augenblicke, auf meinemJakobsweg begleitet haben, wobei jeder als wichtigesPuzzleteil dazu beitrug, ein wunderschönes Bild zu gestalten.
Reisetagebuch mit Erlebnissen undErfahrungen auf dem Jakobswegvon Le Puy en Velay nachSantiago, Finisterreund Muxía
Vorwort
Planung
Mosnang - Le Puy en Velay
Le Puy en Velay - St. Privat d’Allier
St. Privat d’Allier - Saugues
Saugues - Les Faux
Les Faux - Aumont Aubrac
Aumont Aubrac - Nasbinals
Nasbinals - Castelnau de Mandailles
Castelnau de Mandailles - Espalion
Espalion - Massip (vor Golinhac)
Massip - Conques
Conques - Livinhac le Haut
Livinhac le Haut - Figeac
Figeac - Cajarc
Cajarc - Bach
Bach - Cahors
Cahors
Cahors - Lascabanes
Lascabanes - Lauzerte
Lauzerte - Moissac
Moissac - St.Antoine
St. Antoine - Lectoure
Lectoure - Castelnau sur l’Auvignon
Castelnau sur l’Auvignon - Montréal
Montréal - Eauze
Eauze - Nogaro
Nogaro - Aire sur l’Adour
Aire sur l’Adour - Pimbo
Pimbo - Arthez de Béarn
Arthez de Béarn - Navarrenx
Navarrenx - Aroue
Aroue - Ostabat
Ostabat - St. Jean Pied de Port
St. Jean Pied de Port - Roncesvalles
Roncesvalles - Zubiri
Zubiri - Pamplona
Pamplona - Puente la Reina
Puente de Reina - Ayegui
Ayegui - Torres del Río
Torres del Río - Logroño
Logroño - Nájera
Nájera - Santo Domingo de la Calzada
Santo Domingo de la Calzada - Belorado
Belorado - Agés
Agés - Burgos
Burgos - Hontanas
Hontanas - Boadilla del Camino
Boadilla del Camino - Carrion de los Condes
Carrion de los Condes - Terradillos de los Templarios
Terradillos de los Templarios - Calzadilla de los Hermanillos
Calzadilla de los Hermanillos - Mansilla de las Mulas
Mansilla de las Mulas - León
León - Hospital de Orbigo
Hospital de Orbigo - Astorga
Astorga - El Acebo
El Acebo - Cacabelos
Cacabelos - Vega de Valcarce
Vega de Valcarce - Triacastela
Triacastela - Sarria
Sarria - Hospital da Cruz
Hospital da Cruz - Mélide
Mélide - Lavacolla
Lavacolla - Santiago de Compostela
Santiago de Compostela - Negreira
Negreira - Olveiroa
Olveiroa - Finisterre
Finisterre - Muxía
Finisterre - Santiago
Santiago – Mosnang
Nachwort
Du liest nun gerade in diesem Buch, das es eigentlich gar nicht geben sollte. Denn vor dem Camino sagte ich mir, dass ich nichts aufschreiben würde. Ich wollte einfach die kommenden Erlebnisse geniessen und in meinem Herzen speichern.
Diese meine Meinung warf ich schon nach dem Anreisetag nach le Puy en Velay über den Haufen. Bereits an diesem ersten Tag hatte ich so viele interessante Erlebnisse und Begegnungen gehabt, dass ich mir vornahm doch ein Tagebuch zu führen.
Bei Schreibbeginn wusste ich noch nicht, dass es später ein Buch geben würde für die Öffentlichkeit, da ich mit meinen Aufzeichnungen einfach die Reise für mich festhalten wollte für spätere Zeiten.
Papier hatte ich zwar keines dabei und ich wollte damit sowieso nicht den schon genug schweren Rucksack belasten. Deshalb notierte ich alles mit meinem „Einfingeradlersystem“ auf dem Smartphone. Natürlich war das eine etwas langwierige Angelegenheit, da ich nicht gerade Olympiareife erreichte beim Tippen.
So schrieb ich denn jeden Tag alles auf was mir wichtig war. Dabei fügte ich nichts hinzu, was ich nicht wirklich erlebt hatte. So war es auch klar, dass es während der etwas mehr als zweimonatigen Reise auch Tage gab, die ruhig und ohne besondere Ereignisse über die Bühne gingen und diese Aufzeichnungen dadurch etwas kürzer ausfielen.
Ich bin heute äusserst froh darüber, alles aufgeschrieben zu haben. So konnte ich zu Hause beim Schreiben dieses Buches die ganze Reise wie in einem Film ein zweites Mal erleben und nachempfinden.
Noch etwas zu den Kilometerangaben. Für diese übernehme ich keine Gewähr und sie sind nur ungefähre Zahlen. Ich möchte keine Verantwortung dafür übernehmen, wenn jemand sich nach diesen Zahlen richten und dann wegen falschen Kilometerangaben zusätzliche Blasen einfangen würde.
Rund vierzig Jahre lang war ich Primarlehrer und hatte in dieser Zeit sehr viele schöne Erfahrungen mit Kindern machen dürfen.
Vor gut einem Jahr hatte ich den Beschluss gefasst, mein „Lehrerdasein“ zu beenden. Als Übergang vom aktiven Berufsleben in den sogenannten „Ruhestand“ wollte ich noch etwas Besonderes machen.
Zuerst dachte ich an ein dreiwöchiges Fasten. Da hörte ich aber vom Jakobsweg und dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Ja, das wollte und musste ich unbedingt machen! Deshalb las ich voller Begeisterung beinahe zehn Bücher über den Jakobsweg.
An dieser Stelle möchte ich einen Dank an meine Frau Elisabeth aussprechen, die mein Vorhaben nicht gerade mit Begeisterung aufnahm, doch sich auch nicht dagegen wehrte. Und ich wollte den Weg dieses Mal alleine gehen, um genügend Zeit für mich zu haben.
Die erste Frage war: Wo sollte ich den Camino beginnen? Meine Arbeitszeit würde ja im Sommer enden und es war meine Absicht, den Weg noch bei angenehmen Temperaturen unter die Füsse zu nehmen. Nach langem Durchforschen des Internets beschloss ich, von Moissac aus zu starten.
Nun hatte ich ein Jahr Zeit, das notwendige Material zu besorgen. Auch hier war das Internet eine wichtige Informationsquelle.
Als erstes kaufte ich mir einen 351 Rucksack. Dieser musste genügen. Den Rucksack testete ich, indem ich ihn mit Zuckerpaketen füllte und einige Stunden mit mir trug, während meine Mitwanderer fast verdursteten. Tipp: Rucksack besser mit Bieroder Wasserflaschen füllen!
Nun kaufte ich mir einen sehr guten Schlafsack. Beim Packen merkte ich aber, dass er sehr viel Platz in Anspruch nahm. So versorgte ich den neuen Schlafsack im Schrank und kaufte mir zwei Seidenschlafsäcke, die zusammengepresst kaum grösser als eine Faust waren.
Für den Fall, dass die Herbergen einmal voll sein sollten, besorgte ich mir eine aufblasbare Matte, die „nur“ etwa 450g wog. Und dies vorweg: Ich schleppte die Matte bis zum Ende des Jakobsweges mit, ohne sie auch nur einmal gebraucht zu haben. Aber man trägt ja so gerne einen schweren Rucksack! Das nächste Mal werde ich sie aber zu Hause lassen.
Zu Weihnachten schenkten mir meine drei Kinder noch ein sehr gutes Taschenmesser mit der Aufschrift: „Carpe Diem“ (geniesse den Tag). Ja, diese Tage wollte ich wirklich geniessen! Klar hatte ich Freude an diesem Messer, aber es war so gross und schwer, dass es eigentlich nicht in meine Planung passte. Nach einigem Zögern nahm ich es dann doch mit.
Falls es auf dem Camino einmal regnen sollte, brauchte es auch einen Regenschutz. Im Internet fand ich, wie ich glaubte, eine Superlösung. Diesen Regenponcho konnte man sogar zu einem kleinen Schutzzelt umfunktionieren. Perfekt!
Es machte mir übrigens sehr viel Spass, all das Material zusammenzusuchen. Zum Abschied aus dem Schulalltag schenkten mir die Lehrerkolleginnen und -kollegen noch so viel Material, dass ich damit spielend zwei Personen für den Camino hätte ausrüsten können.
Während der langen Vorbereitungszeit begann ich etwas Spanisch zu lernen. Allerdings machte ich nicht gerade grosse Fortschritte. Spanisch war für mich wirklich spanisch! Das Babbelprogramm leistete mir dazu aber gute Dienste. Beim Start zum Camino hatte ich einen Wortschatz von etwa 600 Wörtern beisammen und ich fühlte mich schon recht gut damit.
Das Jahr der Planung verging im Flug und meine einzige Sorge war, dass ich noch krank werden könnte vor Beginn des Jakobsweges.
Nun wurde es Zeit, einen Flug zu buchen. Ich kaufte den Flug nach Toulouse und dann das Bahnticket nach Moissac. Kurz vor der Abreise aber erschien mir die Strecke von Moissac aus nach Santiago plötzlich etwas zu kurz. Ich wollte weiter wandern. Dazu kam auch noch eine gewisse Flugangst. Was, wenn das Flugzeug abstürzte? Der Flug kostete nämlich nur etwa neunzig Franken. Konnte das ein gutes Transportmittel sein? Wenn nicht, wäre der Traum schon vor dem eigentlichen Start zu Ende gewesen.
So beschloss ich, nicht von Moissac, sondern schon von Le Puy en Velay aus zu starten. Und die Reise dorthin wollte ich nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Zug machen. Sofort wurde das Bahnticket gelöst. Die Flugreise nach Moissac wurde so nie angetreten, da diese (nur Hinflug) niemand als Geschenk von mir annehmen wollte. So undankbar ist die Menschheit!
Je näher der Zeitpunkt der Abreise kam, desto mehr freute ich mich darauf. Allerdings kamen doch gelegentliche Zweifel auf, ob ich diese etwa 1‘600 Kilometer zu Fuss schaffen würde. Erstens hatte ich nicht speziell dafür trainiert, zweitens waren meine Füsse eine Schwachstelle. Ich bekam schon immer sehr schnell Blasen und auch sonst hatte ich manchmal Schmerzen beim Gehen und war schon beim Arzt deswegen (Spreizfuss). Ich tröstete mich damit, dass ich wenigstens gut eingelaufene Wanderschuhe besass.
Eine weitere Sorge war die der Kontakte. Ich habe gerne Menschen um mich, aber Mühe, längere Zeit mit vielen um einen Tisch zu sitzen in Gesprächen. Wie ich in Büchern gelesen hatte, würde dies auf dem Camino auch vorkommen. Und würde ich überhaupt Kontakte zu andern Menschen finden können?
Trotz diverser solcher kleinen Ängste überwog die Vorfreude auf diese Herausforderung. Dabei sagte ich mir immer wieder, dass ich jederzeit den Camino beenden könnte, ich sei ja niemandem Rechenschaft schuldig und hatte auch keine Wette abgeschlossen, dass ich es schaffen würde.
Als mir mein Sohn Benjamin aber sagte, dass ich sicher in einer Woche wieder zu Hause sei, war mein Ehrgeiz doch etwas erwacht und deshalb war es nun für mich absolute Pflicht, im Minimum zwei Wochen durchzuhalten!
Endlich war es soweit. Am Morgen etwa um halb acht Uhr stand ich mit meinem grünen, neun Kilogramm schweren Rucksack vor unserem Haus.
Meine Frau Elisabeth hatte ich schon am Vortag verabschieden müssen, da sie noch zu Diana, unserer Tochter gegangen war, um mit ihr und ihrem Freund eine Ferienwoche zu verbringen.
Ich schloss die Haustüre zu, warf nochmals einen Blick auf das Haus und die Umgebung, die ich nun, so hoffte ich doch, gut zwei Monate nicht mehr sehen würde. Der Rucksack war schon ungewohnt schwer. Aber die Postautohaltestelle war ja nicht weit entfernt. Da kam mir in den Sinn, dass dieses Gepäckstück für recht lange Zeit mein zusätzlicher Körperteil sein würde und dies manchmal 25 Kilometer und mehr pro Tag! Das war schon ein bisschen ein komisches Gefühl.
Etwa fünfzig Meter weiter unten standen Ester und Gabi, Freunde aus der Nachbarschaft, bereit, um mich zu verabschieden. Ester hatte sogar einen Stuhl bereitgestellt, damit ich mich schon einmal etwas ausruhen konnte. Nach einem kurzen Fotoshooting und einer herzlichen Verabschiedung ging es endgültig los.
Weiter unten hatten noch Helen und Georges gewartet, um mir ebenfalls Glückwünsche für die Reise mitzugeben. Allerdings waren sie früher bereit gewesen und als ich nicht gekommen war, waren sie wieder zurück ins Haus gegangen. An der Bushaltestelle sah ich dann von weitem, wie Helene mir noch zuwinkte und zur Arbeit wegfuhr.
Im Zug traf ich auf Frau Fischbacher, eine Frau in der weiteren Nachbarschaft, mit der ich ins Gespräch kam. So lange hatte ich mit ihr bisher noch nie gesprochen. Zugfahrten schaffen wirklich Kontakte!
In Wil beim Einkauf des Proviants für die Reise begegnete ich noch Doris, einer ehemaligen Schülerin von mir, die mir auch gutes Gelingen wünschte. An dieser Stelle muss ich auch noch den Brief erwähnen, den mir Leana, eine Erstklässlerin aus meiner letzten Klasse, am Vortag der Abreise gebracht hatte, in welchem sie mir alles Gute wünschte für die Reise.
All diese Verabschiedungen hatten mich sehr berührt und mich gut starten lassen! An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!
Via Genf ging die Fahrt nach Lyon, wo ich Richtung Le Puy umsteigen musste. Ich suchte nach der in der Schweiz oft üblichen, gelben Tafel, wo die Abfahrtszeiten sowie das Perron der Züge angezeigt werden. Aber so viel ich auch suchte, da waren keine solchen Tafeln...auch keine blauen oder grünen. Da ich nicht so viel Zeit hatte, wurde ich allmählich nervös. Deshalb fragte ich, soweit ich dies konnte mit meinem „dürftigen Französisch“, jemanden, der gerade vorbeiging. Dieser schien meine Frage leider nicht zu verstehen und zeigte irgendwie nach oben. Erst da bemerkte ich eine riesige Leuchttafel, wo alle Abfahrtszeiten und Destinationen eingeblendet waren. Aber wo waren denn die Gleise vermerkt. Diese konnte ich nicht finden. Also hiess es weiter fragen.
Gerade kam ein wohlbeleibter Mann vorbei, den ich fragte, wo denn die Gleise verzeichnet seien. Er erklärte mir, dass die Züge nicht immer auf den gleichen Perrons starteten und diese deshalb erst kurz vor der Abfahrt eingeblendet würden. Da er den gleichen Zug nehme, solle ich bei ihm warten und er helfe mir dann weiter. Bei unserem Zug sei das Gleis noch nicht festgelegt.
Ich vertraute ihm und wartete, bis nur noch etwa sechs Minuten übrigblieben. Da bemerkte ich, dass er bei einem Zug eine Stunde später geschaut hatte. Unser Zug war natürlich schon lange eingeblendet gewesen. Nun mussten wir schnell machen.
Ich wollte ihm einen seiner zwei Koffer abnehmen, da er kaum rennen konnte. Zuerst klammerte er sich am Koffer fest. Er dachte wohl, ich wolle ihm diesen stehlen. Schliesslich gab er nach und überliess mir einen. Zum Glück hatte er im Bahnhof eine gute Orientierung und wir erreichten den Zug gerade noch rechtzeitig.
Dank dieser nicht gerade erfreulichen Erfahrung hatte ich wieder etwas dazugelernt. Nun war es mir doch viel wohler. Das Umsteigen in St. Etienne war dann nur noch Formsache. Nach ungefähr achteinhalb Stunden fuhr der Zug in Le Puy en Velay ein. Das Abenteuer Jakobsweg konnte also so richtig beginnen.
Allerdings hatte ich mir das schon ein bisschen anders vorgestellt. Le Puy war eine grosse Stadt und wo würde ich da eine Herberge finden? Planen war noch nie so meine Lieblingssache, jedenfalls was das Reisen anging oder das Zusammensetzen eines Möbelstückes.
Plötzlich sah ich zwei Leute mit grossen Rucksäcken. Das waren also auch Pilger. Und diese hatten mehr vorausgeplant und ihre Herberge schon zu Hause via Internet gebucht. „Aha, ganz einfach, ich muss denen einfach nur folgen, dann habe ich einen Schlafplatz“...dachte ich.
Aber die beiden Pilger drehten und wendeten an jeder Kreuzung ihren Plan mit dem Standort der Herberge nach allen Seiten, bis mir das ständige Warten verleidet war und ich auf gut Glück einfach die nächste Strasse hinaufging, in der Hoffnung, irgendwann schon eine Unterkunft zu finden. Und siehe da, schon war ich fündig geworden.
Etwa fünf Minuten später staunte ich nicht wenig, als die beiden „Kartenpilger“ zur Türe hereinspazierten. Ich war also in ihrer Herberge gelandet!
Nachdem ich mich in meinem Zimmer, in dem sich noch drei weitere Pilger einquartiert hatten, eingerichtet hatte, machte ich einen Spaziergang zur Kathedrale. Hier wurden gerade Choräle gesungen. Dies war für mich eine wirklich sehr schöne und bewegende Begrüssung.
In einem Restaurant ass ich ein Käsesandwich und trank dazu eine Cola Zero. Dabei kam ich ins Gespräch mit einem Ehepaar aus Luzern. Es waren die letzten Deutschschweizer, welche ich treffen sollte bis zur spanischen Grenze. Sie machten eine Rundreise im Gebiet des französischen Jakobsweges, allerdings mit dem Auto. Die Frau war Kindergärtnerin und ihr Mann arbeitete bei einer Krankenkasse. Wir führten eine sehr interessante Unterhaltung.
In der Herberge musste ich nun zum ersten Mal meine Kleider von Hand waschen. Dies war eine ganz neue Erfahrung.
Neben mir logierte Katrin, eine Neuseeländerin. Sie war in letzter Zeit viel herumgereist und wollte als Abschluss noch den Jakobsweg machen, bevor sie in Australien eine Stelle als Kinderärztin übernehmen wollte.
Im Zimmer fand sie etwas nicht in ihrem Rucksack und ich war gerade auch am Suchen. So kam es zum ersten Kennenlernen. Wir hatten es sehr lustig zusammen und mussten viel lachen.
Das Abendessen genossen wir gemeinsam im Herbergsgarten, wobei jeder von uns beiden etwas zum Nachtessen beisteuerte. Um zehn Uhr war dann Lichterlöschen in der Herberge.
Die vergangene Nacht war nicht gerade das, was man von einer Nacht erwartete. Erstens war es im Zimmer ausgesprochen heiss und mein Metallbett knarrte und quietschte bei der kleinsten Bewegung. Und wenn ich heiss habe, drehe ich mich laufend hin und her und suche eine bessere Position zum Schlafen.
Nun, das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, wenn nicht noch so ein „Griesgram“ im gleichen Zimmer geschlafen hätte, dessen mürrischer Gesichtsausdruck mir schon am Abend aufgefallen war. Plötzlich knurrte er im Dunkeln, ich soll einmal ruhig liegen bleiben. Nun, jetzt war es sowieso vorbei mit schlafen. Ich getraute mich kaum mehr zu atmen.
Am Morgen fühlte ich mich aber trotzdem fit. Viele Pilger besuchten vor dem Start zur Etappe in der Kathedrale noch die Pilgermesse, die sehr schön sein soll, wie mir Pilger später versicherten. Nun, mich rief einfach der Weg und ich konnte nicht mehr warten.
Mit Katrin zusammen genoss ich aber zuerst noch das feine Frühstück mit Croissants, Orangensaft, Jogurt und Kaffee. Danach musste ich mich von ihr verabschieden, da sie heute noch Material für den Jakobsweg einkaufen musste und so erst morgen losgehen wollte. Da sah sie meine Jakobsmuschel und schwärmte, wie schön diese sei und wo ich sie gekauft hätte. Leider musste ich ihr mitteilen, dass das die letzte dieser Art gewesen war im kleinen Laden.
Nach einer netten Verabschiedung ging sie ihre Wäsche waschen und ich wanderte los. Zuvor aber hatte ich noch meine Jakobsmuschel von meinem Rucksack entfernt und diese auf Katrins Bett gelegt. Ich konnte ja auch ohne Jakobsmuschel ein guter Pilger sein!
Insgeheim hoffte ich, Katrin noch einmal auf dem Weg zu begegnen um zu erfahren, wie es ihr wohl ergangen sei. Aber dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung.
Unterwegs traf ich eine Pianistin, die zwei Kinder hatte. Auch ihr Ehemann war Musiker. Sie ging ein Teilstück des Camino alleine und mit Zelt. Die kleine Frau trug einen Rucksack mit zwölf Kilogramm Inhalt, der ihr bei ihrer Körpergrösse wie „Tonnen“ vorkommen musste.
Die Französin war sehr gesprächig. Aber leider verstand ich weniger als die Hälfte dessen, was sie erzählte und es wurde mir bald zu anstrengend zuzuhören. Deshalb verabschiedete ich mich und ging in meinem Tempo weiter.
Der Weg führte durch wunderschöne, rötlichgefärbte Vulkanlandschaften.
Nach etwa einer Stunde traf ich auf einen Franzosen, der langsamer als ich unterwegs war. Unter anderem erzählte er mir von seinen Knieproblemen, die er schon zu Hause gehabt hatte. Aber es ginge schon, wie er mir versicherte, einfach etwas langsamer. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass dieser Mann einer meiner besten Freunde auf dem Camino werden würde. Später stellte sich heraus, dass er Michel hiess und in der Nähe von Paris wohnte.
Nach kurzer Zeit war ich wieder alleine unterwegs. Ohne Blasen kam ich in St. Privat d’Allier an. Es war ein sehr schönes kleines Dörfchen mit einer Abtei auf einer Anhöhe. In dieser Abtei aus dem 11. Jahrhundert hatten auch schon Pilger schlafen können, aber im Moment war diese leider geschlossen. Nun, es gab ja noch andere Unterkünfte. Aber ich musste schnell feststellen, dass in diesem kleinen Dörfchen alle Herbergen ausgebucht waren, das hiess, dass viele Pilger vorreserviert hatten.
Plötzlich stand ich vor dem Gemeindehaus des Dorfes. Vielleicht konnten sie mir hier weiterhelfen. Die Frau auf dem Büro war äusserst nett und telefonierte fleissig herum. Sie führte sicher etwa fünf Telefongespräche. Endlich hatte sie für mich einen Platz in einer alten, aber wunderschön kühlen Wohnung gefunden.
Hier logierte in einem Zimmer ein französisches Ehepaar mit einem Mädchen und in meinem Zimmer soll sich noch eine Deutsche Pilgerin einen Platz reserviert haben. Diese erschien auch bald und stellte sich mit Hilde vor. Sie war neben Katrin und dem „Griesgram“ in Le Puy die vierte Person im Zimmer der Herberge gewesen.
Zum Abendessen gab es für mich Brot, Aprikosen, Bananen und Camembert. So ging der erste Tag positiv zu Ende.
Allerdings hatte ich heute neben der gut ausgegangenen Herbergssuche noch einmal das Glück beansprucht. Als ich nämlich unterwegs einen Wegweiser lesen wollte, trat ich rückwärtsschreitend in ein grosses Loch im Boden und ich glaubte nach einem starken Schmerz schon, dass jetzt der Camino zu Ende sei. Aber nach ein paar Metern spürte ich nicht mehr viel. Seitdem war ich wesentlich vorsichtiger unterwegs.
In der vergangenen Nacht hatte ich sehr gut geschlafen. Dies war sicher auch deshalb so gewesen, weil Hilde und ich das Fenster offen gelassen hatten und es darüber hinaus geregnet hatte. So war das Klima in unserem Zimmer angenehm kühl gewesen.
Um acht Uhr war ich startklar und voller Tatendrang. Zuerst ging es bei angenehmen Temperaturen leicht bergauf. Das Wetter schien gut zu werden. Nur unten im Tal sah man noch dicke Nebelschwaden, die sich so langsam auflösten.
Da ich schon zu Hause eher ein „Schnellläufer“ war, ging es natürlich hier auf dem Camino vorerst gleich so weiter. Bis zum Dörfchen Monistrol d’Allier hatte ich bereits mehr als zwanzig Pilger überholt. Und es machte mir sogar Spass, gleich den nächsten zu „packen“.
Nach der Überquerung des schönen Flusses am Ende des Dorfes führte ein gewundener, schmaler Pfad relativ steil aufwärts. Beim Aufstieg war es prächtig anzusehen, wie sich der Fluss zwischen den Hügeln seinen Weg gebahnt hatte. Bis zum Ende der Steigung schien ich auch die letzten Pilger überholt zu haben, denn ich war nun alleine unterwegs.
Am frühen Nachmittag war es schon recht warm, aber es zogen mehr und mehr Wolken auf, was mich noch schneller vorwärtstrieb. Aber eben, Geschwindigkeit ist nicht alles! Ich lief und lief und bemerkte dabei als Anfänger nicht, dass schon lange keine rot-weissen Wegmarkierungen mehr zu sehen waren. Zum Glück fuhr gerade ein Postbote mit dem Auto vorbei und ich erkundigte mich bei ihm, ob ich noch auf dem Camino sei. Er bestätigte dies, so dass ich beruhigt den Weg fortsetzte.
Der Himmel wurde nun immer dunkler. Als ich zu einer Strassenkreuzung kam und ich immer noch kein Caminozeichen entdecken konnte, war ich mir sicher, dass da doch etwas falsch war.
Ich weiss heute noch nicht, ob mich der Pöstler falsch verstanden hatte oder ob er mich bewusst hatte falsch laufen lassen. Nun gut, ich fand nach einiger Zeit ein Haus, wo ich läutete und nach dem Weg fragte. Ein netter Mann sagte mir, dass ich hier völlig falsch sei und zeigte mir, wo sich der Weg befand.
Unterdessen war der Himmel Richtung Westen schon drohend schwarz geworden und es kam bei mir eine gewisse Panik auf, da ich vor Gewittern grossen Respekt, ja sogar Angst habe.
Ich musste nun querfeldein über manche Stacheldrahtzäune klettern und etwa hundert Höhenmeter zurücklegen. Durch diesen Umweg musste ich heute etwa drei bis vier Kilometer zusätzlich absolvieren. Als ich wieder eine Markierung sah, fiel mir ein Stein vom Herzen. Aber da ich von weitem schon Donnergrollen hörte, mobilisierte ich meine letzten Kraftreserven, um möglichst schnell an meinem Ziel anzukommen.
Kurz vor Saugues begann es dann zu regnen. Trotzdem erreichte ich noch halbwegs trocken die Herberge Martins.
Aber diese Raserei hatte auch Folgen. Zwischen meinen Beinen machte sich der „Wolf“ bemerkbar. Eine Deutsche Pilgerin empfahl mir dafür Vacelinesalbe. Zum Glück war die „Pharmacie“ noch offen und ich konnte eine Tube davon besorgen. In der Kirche des Dorfes liess ich mir darüber hinaus noch einen Stempel in den Pilgerpass machen.
Zum Nachtessen gab es Linsen- und Gemüsesuppe, Reis und mit Fleisch gefüllte Tomaten und zum Dessert eine feine Creme. Da ich Vegetarier bin, mussten die Tomaten erst vom Fleisch befreit werden. Das Essen war soweit gut, aber im Reis drin befanden sich viele harte Körner, die nur mit Mühe zu knacken waren. Zuerst dachte ich, die Franzosen würden den Reis eben auf diese Art und Weise essen. Wie mir aber danach ein Franzose lachend erklärte, sei dies wohl nur in dieser Herberge so üblich. Nun, meine Zähne hatten diese Tortur zum Glück schadlos überstanden.
Nach einer geruhsamen Nacht alleine in einem Zweibettzimmer kam heute eine erste Herausforderung: Es waren 26 Kilometer zu bewältigen und mein “Wolf“ hatte sich mit der Vacelinesalbe nicht verbessert, sondern verschlechtert, also keine guten Aussichten. Zum Glück waren heute nur wenige Höhenmeter zu bewältigen.
Zum Frühstück gab es frischgebackenes Brot, Butter, Konfitüre, Frischkäse und Kaffee mit frischer Milch. Und siehe da, sogar ein Sieb für die Milch stand zur Verfügung - für mich also ein perfektes Frühstück! So ertrug ich problemlos das Gesprächsbombardement der Hospitalera, die unaufhörlich laut sprach ohne eine Pause einzulegen. Dazu kam, dass ich davon eigentlich nichts verstand, so dass sie für mich einfach eine zusätzliche Geräuschkulisse darstellte. Dies war aber nur die eine Seite dieser Frau. Sie war wirklich sehr nett und hilfsbereit!
Nach dem Frühstück ging es ans Packen. Und dies war eine Wissenschaft für sich. Was kam zuerst in den Rucksack und was brauchte man vielleicht unterwegs. So war der Zeitaufwand dafür am Anfang noch sehr gross. Dazu kam, dass ich den Rucksack fertig gepackt hatte, aber unter dem Bett standen noch meine Ausgangsschuhe, die im Rucksack unten hätten sein sollen. Also hiess es auspacken und erneut einpacken!
Endlich ging es aber doch los. Kurz nach Saugues traf ich auf eine Familie, die sich ebenfalls auf dem Pilgerweg befand. Das etwa neunjährige Mädchen wurde vom Vater und der Mutter liebevoll an der Hand geführt. Dazu sangen sie gemeinsam mit leuchtenden Augen Lieder. Dieses Erlebnis beeindruckte mich tief. Ich schoss noch schnell ein Foto von ihnen. Es blieb eines meiner Lieblingsbilder vom Camino. Nach dieser kleinen Episode ging es in meinem Tempo weiter und wie bis anhin traf ich anfangs viele Pilger, dann immer weniger.
Familie unterwegs auf dem Camino
In einer Bar stillte ich meinen Durst. Hier traf ich eine Frau aus Paris, die im Moment Schuhverkäuferin war. Sie hatte Kommunikationswissenschaft oder so etwas Ähnliches studiert und hoffte nun auf dem Jakobsweg Klarheit zu bekommen, wie es nun weitergehen sollte.
Der Weg führte nun durch die Hochebene der Margeride. Das Landschaftsbild war sehr abwechslungsreich mit kaum bewachsenen Gebieten und Wäldern. Häufig war der Wegrand geschmückt mit relativ hohen Pflanzen mit rosa und violetten Blüten.
Plötzlich traf ich auf drei Männer und wollte diese passieren, als einer rief: „Hello le Suisse!“ Da kam mir in den Sinn, dass ich gestern nur so ganz kurz mit diesen drei Männern in gleichen Leibchen und besonderen Schlapphüten gesprochen hatte. Heute waren sie anders gekleidet und ich hatte sie deshalb nicht gleich erkannt.
Diesmal kamen wir etwas tiefer in ein Gespräch. Sie waren Freunde und wohnten im Gebiet zwischen Lausanne und Genf. Daniel, einer dieser Gruppe, soweit ersichtlich der „Anführer“, sprach gut Deutsch, was ich sehr schätzte - endlich verstand ich wieder einmal alles! Daniel führte einst eine Druckerei und war nun pensioniert. Er arbeitete vor einigen Jahren auch eine gewisse Zeit in Bern. Die drei Männer wollten zehn Tage lang in kurzen Etappen einen Teil des Camino absolvieren, allerdings nur mit kleinen Rucksäcken. Daniel hatte via Internet schon im Voraus für alle drei den Gepäcktransport organisiert sowie alle kommenden Herbergen reserviert.
Bei der Quelle des heiligen Rochus machten wir eine Rast. Das Wasser kam da aus einer Röhre heraus und soll gut sein für Augenleiden und Wunden. Natürlich bestrich ich mit diesem Wasser meine Augen. Vielleicht konnte es ja auch meine Kurzsichtigkeit beheben, man wusste ja nie! Zur Information muss ich sagen, dass ich trotz Quellwasser immer noch kurzsichtig bin, obwohl ich am Anfang tatsächlich glaubte, eine Besserung festzustellen.
Nach dem Durstlöschen mit diesem Quellwasser und einem kleinen Fotoshooting ging die Reise weiter. Etwa eine halbe Stunde später verabschiedeten mich die drei Westschweizer, da sie etwas abseits des Jakobsweges ihre Herberge reserviert hatten.
Bei der Abzweigung zur Herberge in Les Faux war ich schon etwas geschafft. Auch mein „Wolf“ wollte nicht klein beigeben. Was ich aber nun sicher wusste, war, dass die empfohlene Salbe für mich nichts taugte. So wollte ich in St. Alban sur Limagnole Babypuder kaufen und es damit probieren.
Bei der Abzweigung zur Herberge stand auf der Tafel 1 km. Aber dieser Kilometer schien nie enden zu wollen und ich war kurz davor umzukehren, weil ich glaubte, eine Abzweigung verpasst zu haben. Da tauchte im Blätterwald doch noch ein Hausdach auf.
Und tatsächlich, es war die gesuchte Herberge.
Nach den üblichen Arbeiten wie Bett einrichten, duschen, waschen und Füsse pflegen setzte ich mich in den wunderschönen grossen Herbergsgarten, wo ich ins Gespräch kam mit einem netten französischen Ehepaar. Nicht weit neben uns spielte eine Pilgerin auf ihrer Geige, was eine sehr friedliche und heimelige Stimmung erzeugte.
Danach wollte ich zum ersten Mal via Telefon die Herberge La Ferme du Barry reservieren, da mir das Ehepaar gesagt hatte, dass die Plätze in Aumont Aubrac limitiert und schnell ausgebucht seien - und dies mit meinem Französch!?
Nun, es klappte überraschend gut, auch wenn die Herbergsmutter am andern Ende fast verzweifelte, weil sie meinen Namen einfach nicht erfassen konnte. Nach einigen Fehlversuchen, meinen Namen zu sagen und zu buchstabieren, gab ich auf und sagte, dass sie einfach aufschreiben soll: „Le Suisse“! Diesen Namen gab ich von jetzt an immer an bei einer Reservierung. Natürlich war ich mächtig stolz darauf, dass die Reservation geklappt hatte!
Das ausgezeichnete Nachtessen mit Suppe, Teigwaren und für mich als Vegetarier statt Wurst eine Omelette genoss ich mit drei pädagogisch ausgerichteten Frauen. Eine war nämlich Musiklehrerin, eine Kinderbetreuerin und eine wie ich Primarlehrerin. Das Thema am Tisch war damit ebenfalls schon vorgegeben. Ich hatte diese drei Frauen auch schon vorher irgendwo gesehen, konnte den Zeitpunkt und den Ort aber nicht mehr evaluieren. Sie klärten mich dann aber darüber auf.
Es war immer wieder schön, bekannte Gesichter wiederzusehen. Und dies geschah natürlich je länger man auf dem Weg war, umso häufiger.
In dieser Nacht schlief ich relativ gut, da im grossen Schlafsaal nur wenige Pilger übernachteten. Der einzige Nachteil war, dass die Toiletten sich im unteren Stock befanden und nur durch eine knatternde Holztreppe erreicht werden konnten. Und ich musste diese ja mindestens einmal in der Nacht aufsuchen. Dabei leistete meine Stirnlampe aber gute Arbeit und meine Mitschläfer schien dies auch nicht zu stören.
Allerdings stellte ich fest, dass meine Waden schmerzten. Ich hoffte aber, dass dies bis zum Aufstehen am Morgen wieder weg sein würde.
Mein Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. Meine Krankheit mit dem „Wolf“ hatte sich also dank der Wadenschmerzen mit einer weiteren Krankheit verbündet. Zum Glück durfte ich dann aber lernen, dass solche Wadenschmerzen meist nach einigen Gehminuten wieder fast vollständig verschwanden, aber bei Pausen zwischendurch sich beim Starten wieder meldeten, wahrscheinlich um nicht vergessen zu werden. Wie heisst es doch so schön: Wer rastet der rostet! Und das schien zu stimmen!
Nach einem phantastischen Frühstück wie in einem Hotel liess es sich dann gut wandern. Das Frühstück war für mich sowieso immer ein sehr wichtiger Teil des Tages, eigentlich wichtiger als das Mittagoder Nachtessen.
Zuerst ging es nun meist abwärts nach St. Alban sur Limagnole. Unterbrochen wurde mein Weg vorerst nur durch eine Maus, die angstvoll vor mir über den Weg huschte. Ich selber erschrak aber ebenso, denn meine Angst vor Schlangen liess jedes sich bewegende und raschelnde Objekt als Schlange erscheinen.
Bald kam ich mit einer Frau aus der Romandie ins Gespräch. Und diese hatte wohl welchen Beruf? Natürlich - Lehrerin! Die letzten beiden Tage hatte mich die „Pädagogik“ hartnäckig verfolgt. Allerdings verlor ich diese Frau in Limagnole wieder aus den Augen, da ich ja noch meinen Puder kaufen musste.
In einem Restaurant bestellte ich mir die obligate Cola Light, bevor ich auf der Toilette meinen „Wolf“ mit dem gekauften Puder bekämpfen wollte. Dabei war es gar nicht so einfach, die relativ grosse Puderdose von den Gästen unbemerkt aus dem Rucksack auf die Toilette zu schmuggeln. Später füllte ich den Puder dann in eine kleinere Dose ab, welche im Hosensack gut Platz fand. Nun, das Pudern auf der Toilette war auch sonst kein einfaches Unterfangen, jedenfalls musste ich zu guter Letzt auch noch den schön weiss verzierten Boden aufwischen.
Auf dem letzten Wegabschnitt nach Aumont Aubrac begegnete mir eine Familie mit einem Esel. Dabei gab bei ihnen der Esel die Geschwindigkeit vor und mir versperrte er den Weg. Er wollte wohl alleine an der Spitze sein. Das Ehepaar und ein Mädchen wechselten sich laufend ab mit der Betreuung des Esels. Nun, ich hoffe, sie sind unterdessen auch an ihrem Zielort angekommen!
Der Weg über die Hochebene von Aubrac war wunderschön. Auf Wiesen weideten Kühe oder Pferde. Dazu lagen überall auch Steinbrocken herum, die oft zu Zäunen aufgeschichtet waren.
Etwa um halb vier Uhr kam ich in Aumont Aubrac an. Und siehe da, meine Reservierung mit „le Suisse“ hatte definitiv geklappt. Ich wurde freundlich in der Herberge aufgenommen und erhielt einen Platz in einem Viererzimmer.
