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Der Efeufluch: Das Efeu-Siegel E-Book

Mayana Jaeger

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Beschreibung

Der Gargoyle Ceyres kämpft mit Hilfe von Emma gegen seinen seit Jahrhunderten währenden Fluch. Nach einem Etappenziel müssen beide schnell feststellen, dass sie nun die gesamte Kleinstadt Breverhölz ins Chaos gestürzt haben. Emma hofft weiterhin auf Ceyres' Erlösung, doch der Weg ist schwierig und ihnen rennt die Zeit davon. Emmas Uroma Ottilie, ohne die sie den Fluch des Gargoyles niemals lösen können, verliert zusehends an Lebenskraft. Zu allem Überfluss haben es auch Ceyres' Artgenossen auf ihn abgesehen. Kann die Hexe Theresa ihnen auf ihrem Weg helfen? „Das Efeu-Siegel“ ist der zweite Teil der zwei-teiligen Serie „Der Efeufluch“. Der erste Teil ist unter dem Titel „Das Efeu-Amulett“ erschienen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der Efeufluch

Teil 2: Das Efeu-Siegel

von

Mayana Jaeger

 

Alle in diesem Roman geschilderten Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

 

 

 

Dieser Roman ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Verwertung, auch in Teilen, ist ohne die schriftliche Genehmigung des Verlages und der Autorin unzulässig.

 

 

1. Auflage

© 2020

Mayana Jaeger

c/o AutorenServices.de

Birkenallee 24

36037 Fulda

 

Für Rocco

I

Das Sonnenlicht fiel direkt auf Ottilies Gesicht. Langsam öffnete sie ihre müden Augen. Sie war auf Emmas Bett eingeschlafen. Nach und nach kam die Erinnerung an den vergangenen Tag zurück. Ottilie starrte an die Decke. Ihr Körper fühlte sich müde an. Jeder Muskel schmerzte, ihre Beine waren schwer und sie wollte am liebsten einfach wieder einschlafen. Emma war in der Nacht nicht nach Hause gekommen.

Aber sie lebt. Das spüre ich. Und sie hat Erfolg gehabt. Sie hat ihr Amulett richtig eingesetzt. Allerdings bringt sie das nur noch mehr in Gefahr. Aber ist es nicht sowieso schon zu spät, um sie zu schützen? Ich spüre, wie meine Kraft schwindet. Ich muss Emma auf ihrem Weg unterstützen, solange ich noch dazu fähig bin.

Hastig richtete Ottilie sich auf dem Bett auf. Sofort übermannte sie ein ihr mittlerweile schon vertrautes Schwindelgefühl, das sie nicht einfach hinnehmen wollte, doch sie konnte sich nicht lange dagegen wehren und sackte zurück in die weichen Kissen. Nach ein paar Minuten versuchte sie es erneut. Sie richtete sich langsam Stück für Stück auf und setzte sich auf die Bettkante. Jedes ihrer alten Gelenke schmerzte. Als sie sicher war, dass die Schwindelattacke vorüber war, stand sie vorsichtig auf. Sie stützte sich an der Wand ab und tastete sich bis zur Treppe vor. Stufe für Stufe schritt sie nach unten. Der Weg bis zu ihrem Schlafzimmer im Erdgeschoss erschien der alten Dame doppelt so lang wie gewöhnlich. Außer Atem und mit schmerzenden Beinen kam sie an der Kommode an, die gegenüber ihres Bettes stand. Sie zog die oberste Schublade auf, nahm ein kleines schwarzglänzendes Kästchen heraus und öffnete es. In einem schwarzen Samtbeutel lag es gut versteckt – das Efeu-Siegel. Ottilie streifte den alten Siegelring über ihren linken Ringfinger. Er rutschte sogleich wieder herunter.

Meine Finger sind auch nur noch Haut und Knochen. Früher hat mir der Ring wie angegossen gepasst. Es scheint Zeit zu sein, ihn endlich weiter zu geben. Ich hoffe nur, dass Emma dieser Aufgabe wirklich gewachsen ist.

Ottilie betrachtete den Ring kurz und ließ ihre Finger über das Siegel gleiten. Sie spürte die Maserung des goldenen Efeublattes unter ihren Fingerkuppen. Sie beschloss, Emma den Ring zu geben, sobald sie nach Hause kommen würde. Bis dahin verstaute sie ihn wieder sicher in seinem Samtsäckchen in ihrer Rocktasche.

Emma trat an die Burgmauer und ließ ihren Blick über das Tal wandern, das sich unterhalb der Burg erstreckte. Sie versuchte, sich vorzustellen, wie es hier vor Jahrhunderten ausgesehen haben musste, als Ceyres noch ein Mensch gewesen war. Ihr Blick glitt über die Wipfel der Tannen, Kiefern, Eichen und Buchen und verschwamm bis sie sich schwerelos fühlte. In Trance kletterte Emma auf die mächtige Mauer. Sie fühlte sich, als würde sie über die Baumwipfel fliegen, den bewaldeten Berghang hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Ihr Flug endete an einer verwitterten Grabplatte auf einem kleinen Waldfriedhof. Sie schwebte direkt über der alten Sandsteinplatte. Auf dem bemoosten Stein war kaum noch etwas von der ursprünglichen Inschrift zu lesen, so verwittert war er. Emma konnte den Namen und die Daten, die in den Stein gemeißelt worden waren, gerade noch entziffern. Die Inschrift darunter konnte sie jedoch nicht entziffern. Sie streckte ihre Finger aus und ließ sie über die erhabenen Ränder der Buchstaben gleiten, als sie einen kräftigen Stoß in ihrem Rücken spürte, mit dem die Bilder vor ihren Augen verschwammen.

„Tu mir nur diesen einen Gefallen und stirb endlich!“, hallte Noras Stimme durch den menschenleeren Burghof.

Niemand wird je erfahren, dass ich sie getötet habe. Ceyres kann mir niemals die Schuld an ihrem Tod geben. So habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Seine Menschenfreundin ist endlich tot und Ceyres gehört endgültig mir. Denn, wenn sie seinen Fluch nicht lösen kann, dann kann es niemand. Sie ist die letzte Nachfahrin seiner Ottilie, die genügend Macht besitzt.

Nora blickte über den Rand der Mauer und beobachtete zufrieden, wie Emma rasend schnell dem Erdboden entgegen stürzte Emma spürte den scharfen Wind in ihrem Gesicht, während das Grün der Tannen unter ihr rasend schnell näherkam. Langsam kehrte sie aus ihrer Vision in die Realität zurück. Gerade als sie begriff, was mit ihr passierte, wurde ihr Fall abrupt gestoppt. Erschrocken schrie sie auf. Ihr eigener Schrei hallte noch durch das verlassene Tal, als sie einen spitzen Schrei über sich hörte. Nora stand auf der Burgmauer und sah auf sie herab.

„Was zur Hölle soll das? Wer ist das verdammt?“

Überrascht von dem Windstoß, der plötzlich über die Mauer fegte, verlor Nora das Gleichgewicht und stürzte auf den unebenen Boden des Burghofs. Sie schlug mit dem Hinterkopf auf dem unebenen Pflaster auf. Leicht benommen blieb sie liegen und starrte in den blauen Himmel, als das Sonnenlicht im nächsten Moment verschwand und der Himmel sich verdunkelte. Ceyres landete dicht vor ihr. Emma hielt er sicher im Arm. Es dauerte einige Augenblicke, bis Nora wieder klar sehen konnte. Erschrocken sprang sie auf ihre Füße.

„Du? Wie kann das sein? Ich dachte, ...“

„Du dachtest, dass ich niemals herausfinden würde, was du Emma angetan hast? Da hast du aber falsch gedacht!“, sagte Ceyres in scharfem Ton und setzte Emma sanft auf dem Boden ab.

Sie war immer noch etwas mitgenommen von ihrem Sturz und dem abrupten Flug zurück nach oben. Etwas unsicher auf den Beinen blieb Emma dicht neben Ceyres stehen. So nah bei ihm fühlte sie sich sicher. Dennoch behielt sie Nora die ganze Zeit im Auge.

„Du siehst das völlig falsch. Ich habe ihr doch nur helfen wollen“, versuchte Nora, zu erklären, und klimperte unschuldig mit ihren mandelförmigen Augen.

„Lass den Scheiß, Norana, deine Masche zieht bei mir nicht, das solltest du langsam wissen.“

„Nora!“, verbesserte sie Ceyres mit einem Funkeln in den Augen. „Nenn mich tagsüber gefälligst Nora!“

„Ob Nora oder Norana, du bist und bleibst ein verlogenes Miststück!“

„Reg dich doch nicht so auf. Sie ist an der Mauer abgerutscht und da habe ich versucht sie zu retten. Gut, dass du so schnell zur Stelle warst, ich hätte ja wohl schlecht hinterher springen können in meiner zerbrechlichen menschlichen Gestalt,“ flötete Nora nun.

„Du hältst mich wohl für saublöd, Norana. Ich habe dich beobachtet. Also spar dir deine Lügen.“

Einen Moment lang dachte Emma, dass Nora aufgeben würde, doch sie machte einen Schritt auf Ceyres zu, während sie Emma einen giftigen Blick zuwarf.

„Sieh dich doch nur mal an. Ist es das, was du wolltest? Auch noch tagsüber als Gargoyle unterwegs zu sein?“ Ceyres sah sie stumm an. „Und du Schlampe bist an allem Schuld!“, wetterte Nora und packte Emma an ihrer Jacke.

Blitzschnell verpasste Emma ihr eine Ohrfeige. Wenn sie Nora zeigte, dass sie Angst vor ihr hatte, hätte sie schon verloren. Doch der Schlag ins Gesicht, ließ Nora noch wütender werden. Sie schlug zurück. Ihr Schlag verfehlte Emma und traf Ceyres mit voller Wucht gegen die Brust, als er sich zwischen die beiden Frauen drängte. Ceyres packte Noras Handgelenke und hielt sie fest umschlossen. Wild mit den Armen fuchtelnd, versuchte sie, sich aus seinem festen Griff zu befreien.

„Lass mich los, du verblendeter Idiot! Versteh doch endlich, dass dich dieses Weib direkt ins Verderben stürzen wird!“

„Halt du dich da raus!“

„Wir haben eine Abmachung, vergiss das nicht! Ich werde dich nicht aufgeben. Und an dieses Miststück werde ich dich schon gar nicht verlieren. Bevor sie dich kriegt, verrate ich dich lieber an die anderen.“

„Das wagst du nicht!“

„Und ob. Du hast mir versprochen, dass ich sie töten darf, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, vergiss das nicht.“

Erschrocken wich Emma bei diesen Worten einen Schritt von Ceyres zurück.

„Wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Ob und wann er da ist, das entscheide ich ganz allein, merk dir das.“

Was soll das heißen? Sollte ich mich so in Ceyres getäuscht haben?

Unsicher blickte Emma auf Ceyres, der weiter mit Nora stritt. Er schien völlig vergessen zu haben, dass sie direkt hinter ihm stand. Schritt für Schritt tastete sie sich rückwärts, bis sie an die Burgmauer stieß, ohne die beiden aus den Augen zu lassen, obwohl sie sich mittlerweile so sehr in ihren Streit hineingesteigert hatten, dass sie Emma nicht mehr beachteten. Sie schlich sich zum Bergfried herüber. Als sie hinter dem Turm angekommen war, spähte sie noch einmal zu den Beiden herüber. Ceyres und Nora standen sich immer noch wild gestikulierend gegenüber. Emma zog sich an der Burgmauer hinauf und ließ sich vorsichtig auf der anderen Seite hinunter. Sie balancierte auf dem moosigen Boden entlang. Ihre Füße konnte sie geradeso nebeneinandersetzen, bevor der schmale Wall steil nach unten abfiel. Emma versuchte, sich an einzelnen Steinen festzuhalten, die aus der alten Mauer herausragten. So schnell sie konnte, tastete sie sich zwischen Abgrund und Burgmauer entlang bis zum Weg. Im Schutz der Sträucher am Wegesrand rannte sie bis zum rettenden Wald. Bevor sie zwischen den Bäumen verschwand, warf sie noch einmal einen kurzen Blick über die Schulter. Sie konnte jedoch nicht erkennen, ob Ceyres und Nora noch immer im Burghof stritten. Angsterfüllt lief sie weiter. Auf dem unwegsamen Waldboden kam sie nur langsam voran, daher entschied sie, nach der nächsten Biegung doch direkt auf dem Wanderweg zu laufen. Keine Menschenseele begegnete ihr auf dem Weg in Richtung Bundesstraße.

Kein Wunder, bei dieser Eiseskälte verirrt sich auch niemand hierher.

Emma griff im Laufen nach ihrem Handy und versuchte, es einzuschalten. Doch der Bildschirm blieb schwarz.

Verdammt! Wie soll ich jetzt bloß hier wegkommen? Emma spürte, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten. Bis in die Stadt ist es ein weiter Weg, zumindest zu Fuß. Ceyres kann mich mühelos einholen. Und ich wette, dass Norana schon kurz hinter mir ist. Die beiden haben sicherlich mittlerweile gemerkt, dass ich verschwunden bin.

Emma lief weiter. Sie war bereits völlig außer Atem, doch stehenbleiben wollte sie auf keinen Fall. Hinter der nächsten Biegung konnte sie bereits den kleinen Parkplatz erkennen. Ein einzelnes Auto stand da. Die Heckklappe war offen. Ein älterer Herr ließ gerade seinen Hund in den Kofferraum einsteigen. Obwohl sie vor Anstrengung kaum noch Luft bekam, legte sie noch einen Spurt hin.

Wenn ich es rechtzeitig zu dem Auto schaffe, habe ich eine Chance hier wegzukommen. Ich muss mir nur eine schlüssige Erklärung einfallen lassen, was ich hier so alleine im Wald mache.

Ceyres und Nora lieferten sich weiter ein Wortgefecht.

„Ich weiß gar nicht, warum du so sauer bist. Mein Fluch ist nicht mehr derselbe. Es hat sich etwas getan und ...“

„Ich sehe, was sich getan hat, Ceyres. Deine Lage hat sich enorm verbessert – du bist jetzt auch tagsüber als Gargoyle unterwegs!“

„Kein Grund gleich sarkastisch zu werden. Emma hat ein kleines Wunder vollbracht, dafür solltest du ihr danken und keine Mordgedanken hegen.“

„Dafür ist es wohl zu spät. Deine kleine Freundin scheint sich aus dem Staub gemacht zu haben.“

Erstaunt drehte Ceyres sich um. Nora hatte Recht. Emma war verschwunden.

Kein Wunder, wenn sie gehört hat, was Norana gesagt hat. Was muss sie nun von mir denken? Sie glaubt bestimmt, dass ich sie nur ausgenutzt habe. Ich muss unbedingt mit ihr reden.

„Worauf wartest du noch?“, fragte Nora genervt und stieß Ceyres unsanft gegen die Brust. „Wir müssen sie suchen und verhindern, dass sie irgendjemandem von dir erzählt.“

Nora lief entnervt los. Sie rannte durch das steinerne Tor, das vom Burghof auf den Wanderweg führte. Ceyres blieb im Hof stehen. Er war unschlüssig, was er tun sollte.

Ich kann wohl kaum in dieser Gestalt den Wanderweg hinunterfliegen, um Emma abzufangen. Was, wenn mich ein Spaziergänger sieht? Und wenn ich über den Baumwipfeln fliege? Ist unser Schutzschild am Tage intakt? Vermutlich hat es noch kein Gargoyle getestet, weil noch kein Gargoyle diese Welt je bei Tageslicht gesehen hat. Und woher weiß ich überhaupt, dass sie den Weg hinunter gelaufen ist? Vielleicht läuft sie ja auch mitten durch den Wald?

„Ach, was soll’s. Wer weiß, was Norana noch für Schaden anrichtet, wenn ich sie nicht stoppe,“ sagte der Gargoyle zu sich selbst und folgte Nora.

Er rannte die ersten hundert Meter, dann schwang er sich aber doch in die Lüfte und schwebte dicht über dem Erdboden den verschlungenen Wanderweg hinunter. Norana hatte er schnell eingeholt. Er glitt dicht über ihr entlang und schnellte um die nächste Kurve, ehe er seine Flügel von einer Sekunde auf die andere still hielt und unsanft auf dem Waldboden landete. Er sah gerade noch, wie Emma auf der Beifahrerseite eines silbernen Autos einstieg und die Tür hinter sich schloss. Ceyres hörte Noras schweren Atem hinter sich und streckte seinen Arm aus. Nora prallte prompt dagegen.

„Was soll das, Ceyres!? Ich kann sie noch erwischen.“

„Nein! Lass sie in Ruhe.“

„Aber sie wird uns weiter in Gefahr bringen“, protestierte Nora und versuchte sich zappelnd aus Ceyres‘ Griff zu lösen.

„Wenn uns jemand in Gefahr gebracht hat, dann bin ich das. Und ich werde das wieder gerade biegen.“

Es war sowieso zu spät, denn der silberne Wagen bog bereits nach links auf die Bundesstraße ab und das Motorengeräusch entfernte sich schnell in Richtung der Stadt. Entnervt stemmte Nora ihre Hände in die Hüften.

„Ich hoffe, dass du weißt, was du tust, aber lange werde ich keine Geduld mehr haben, das verspreche ich dir.“

Emma sah sich noch einmal um. Als das Auto angefahren war, hatte sie für einen kurzen Moment geglaubt, Ceyres zwischen den Bäumen zu sehen. Doch sie war sich nicht sicher. Und es war auch egal, denn sie war erst einmal in Sicherheit. Entspannt ließ sie sich in den Beifahrersitz sinken, während ihr Chauffeur sie der Stadt entgegenfuhr.

„Ich möchte ja nicht neugierig wirken, aber was haben sie um diese Uhrzeit allein im Wald gemacht? Und dann auch noch bei dieser Kälte?“

Emma hatte gewusst, dass diese Frage unweigerlich kommen musste. Sie lächelte den älteren Herren neben sich verlegen an. Normal stieg sie nicht zu fremden Männern ins Auto, aber erstens hatte sie keine andere Wahl gehabt, wenn sie schnell zurück in die Stadt wollte und außerdem hatte der Mann mit den grauen Haaren und dem dunkelgrünen Jägeroutfit so vertrauenswürdig ausgesehen. Und sein großer brauner Jagdhund hatte sie sofort freudig begrüßt, als sie an das Auto herangetreten war.

„Es ist etwas peinlich. Ich war mit meinem Freund im Auto unterwegs, als wir uns wegen einer Kleinigkeit gestritten haben. Ich habe dann irgendwann vor lauter Ärger gesagt, dass er mich einfach am nächsten Parkplatz rauslassen soll und das hat er dann auch getan.“

„Klingt mir nicht nach einem sehr fürsorglichen und verantwortungsbewussten jungen Mann.“

„Das ist er wohl auch nicht. Aber ich war auch nicht besser. Ich bin nur froh, dass ich sie getroffen habe. Sonst hätte ich den ganzen Weg in die Stadt laufen müssen.“

Der Mann schüttelte lächelnd mit dem Kopf.

„Wo soll ich sie den rauslassen?“, fragte er schließlich, als sie das Ortsschild von Breverhölzen passierten.

„Gleich dort vorne am Friedhof. Von dort habe ich es nicht mehr weit.“

Emma sah aus dem Fenster. Sie wollte nur noch nach Hause und eine heiße Dusche nehmen.

Habe ich mich wirklich so sehr in Ceyres getäuscht? Das kann nicht sein. Er hätte doch nie so etwas in meiner Gegenwart gesagt oder hatte er vergessen, dass ich direkt hinter ihm stand? Wartet er nur darauf, dass sein Fluch gelöst wird, damit er dann mit Norana zusammen sein kann?

Langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen. Sie wollte nicht glauben, dass Ceyres seine Zuneigung zu ihr nur gespielt hatte. Sie wollte sich nicht so in ihm getäuscht haben. Sie wollte sich nicht schon wieder in einem Mann so getäuscht haben.

„Oh!“, rief ihr Fahrer plötzlich.

Emma wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen.

„Was ist los?“, fragte sie und sah nach vorne aus der Frontscheibe des Wagens. „Oh!“, entfuhr es ihr ebenfalls.

Der Friedhof lag direkt vor ihnen. Die gesamte Straße war in blaues Licht getaucht.

„Sieht so aus, als wenn wir hier erst einmal nicht durchkommen. Wohnen sie hier in der Nähe?“

„Ja, direkt dort drüben“, log Emma und deutete gegenüber des Eingangstores zum Friedhof auf eine kleine Seitenstraße, die von einem Polizeiwagen versperrt war.

„Da werden sie jetzt wohl nicht reinkommen. Was ist hier nur passiert?“

„Hmm, scheint so, als wäre etwas auf dem Friedhof vorgefallen“, stellte Emma fest und deutete auf eine kleine Gruppe von Polizeibeamten, die an dem massiven Eisentor zum Friedhof standen und das Tor gerade mit rot-weißem Flatterband absperrten.

Der ältere Herr fuhr halb auf den Bordstein und begann den Wagen zu wenden, als ein ziviler Polizeiwagen mit eingeschalteter Sirene von hinten angerast kam. Er stoppte direkt vor einem Rettungswagen, der mit offenen Türen mitten auf der Straße stand. Zwei Sanitäter schob gerade eine leere Trage zurück in den Wagen. Emma spürte, wie sich ihr Magen bei diesem Anblick verkrampfte. Bitterer Schleim stieg ihre Kehle hinauf und sie begann zu husten. Ihr Fahrer warf ihr einen besorgten Blick zu.

„Kann ich sie woanders hinfahren? Haben sie Verwandte oder Freunde in der Stadt?“

„Ja“, sagte Emma und schluckte kräftig, um sich nicht übergeben zu müssen.

Sie sah wieder die Bilder vor sich, wie Norana dem nichtsahnenden Mark die Kehle zerfetzt hatte.

Es ist alles meine Schuld. Ich habe Mark auf dem Gewissen. Ich hätte ihn besser schützen müssen. Was mache ich nur?

Der ältere Herr hatte seinen Wagen mittlerweile gewendet und fuhr wieder stadtauswärts.

„Wenn es ihnen nichts ausmacht, dann könnten sie mich am anderen Ende der Stadt rauslassen. Meine Uroma wohnt dort.“

Eigentlich hatte Emma lieber niemandem sagen wollen, wo sie wirklich wohnte, aber es war ihr mittlerweile egal. Ihr Auto stand noch am Friedhof, da würde die Polizei sowieso früher oder später zu ihr kommen. Und bevor das passierte, wollte sie wenigstens noch etwas Zeit zum Nachdenken haben. Sie sagte dem Mann ihre Adresse und er fuhr sie bereitwillig zu Omma Ottis Haus.

„Nehmen sie das Bitte als Entschädigung für ihre Mühe.“ Emma hielt dem Mann einen Fünfeuroschein hin, den sie aus ihrer Hosentasche gefischt hatte. Er hob abwehrend die Hände und wollte protestieren, doch Emma ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Doch, bitte. Ich bestehe darauf. Sie sind schließlich nur wegen mir einmal quer durch die Stadt gefahren. Wenn sie das Geld nicht möchten, dann kaufen sie ihrem Hund einfach ein paar Leckerlis dafür.“

Sie lächelte den Herren an und stieg aus.

„Vielen Dank! Kommen sie nachher gut nach Hause!“

„Danke. Das werde ich sicher.“

Emma schloss die Beifahrertür und winkte noch kurz, als der Herr mit seinem Hund zurück in die Stadt fuhr. Schnell ging sie ins Haus.

II

„Verdammte Scheiße, konnte der Kerl sich nicht einen besseren Tag zum Sterben aussuchen? Es ist arschkalt hier draußen!“

Kommissar Sprenger drückte seine Zigarette auf dem Fußweg vor dem Friedhof aus und steckte die Kippe in seine Manteltasche. Langsam ging er den Kiesweg entlang und steuerte direkt auf eine Gruppe von Uniformierten zu, die den Tatortfotografen abschirmten und damit vor neugierigen Blicken schützten.

„Guten Morgen, Jungs! Wie sieht’s aus?“

„Nicht so gut. Einem der Frischlinge ist schon schlecht geworden.“

Kommissar Sprenger grunzte verächtlich. Er konnte es nicht ausstehen, wenn die jungen Beamten sich nicht im Griff hatten. Schroff schob er sich an den Uniformierten vorbei und sah dem Fotografen über die Schulter, als er plötzlich selber ein Würgen unterdrücken musste. So sehr sich sein Magen auch in diesem Moment verkrampfte, konnte er doch seinen Blick nicht von dem Leichnam abwenden. In seinen fast dreißig Dienstjahren hatte er kaum einen Toten gesehen, der so schlimm zugerichtet worden war. Der junge Mann lag in einer Lache aus zum Teil bereits getrocknetem Blut. Seine Kehle war völlig zerfetzt und sein Blick schien immer noch panikerfüllt. Sprenger schluckte kräftig und fuhr sich mit seiner Hand durch seine graue Löwenmähne. Nachdenklich kratzte er sich an der Schläfe.

„Wissen sie schon, womit er so zugerichtet wurde?“, fragte er vorsichtig an den Gerichtsmediziner gewandt, der neben dem Leichnam kniete.

„Es sieht nach einem Biss aus,“ antwortete der junge Mann wie selbstverständlich und ohne von dem Leichnam aufzublicken.

„Ein Biss? Haben sie getrunken oder was? Nicht einmal ein Wolf würde solche Bissspuren an einer menschlichen Kehle hinterlassen!“

„Es muss etwas Größeres gewesen sein“, sinnierte der Mediziner.

„Kommen sie zu Verstand!“, rief Sprenger aufgebracht. Er konnte abgehobene Mordtheorien nicht ausstehen. Für jedes Verbrechen gab es eine schlüssige Erklärung, davon war er überzeugt. Und so würde es auch hier sein.

„Es sind auf alle Fälle Abdrücke von so etwas wie kräftigen Fangzähnen zu sehen. Vielleicht hat auch nur jemand versucht, mit einem Raubtiergebiss als Hilfsmittel seine Spuren zu verwischen!?“, überlegte der Gerichtsmediziner nun laut.

„Klingt mir immer noch etwas abgehoben, aber schon schlüssiger, als dass hier ein Löwe oder etwas Ähnliches frei rumlaufen soll, der Menschen tötet. Ich denke, wir sprechen uns lieber nach der Obduktion nochmal. Vielleicht haben sie dann eine bessere Erklärung parat.“

Sprenger drehte sich um und verließ den Friedhof. Er trat auf den Fußweg und sog die kalte Luft ein. Langsam beruhigte sich sein Magen wieder. Der Kommissar ließ seinen Blick an der Straße entlang wandern und heftete ihn schließlich auf den Kleinwagen, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Friedhofsparkplatz stand. Die Scheiben waren nass und auf dem Dach hatte sich eine dünne Schicht Raureif gebildet.

„Wem gehört der Wagen?“, rief er zu einem der Beamten an der Straßensperre herüber und deutete mit seinem Zeigefinger auf das kleine Auto. Der Beamte zuckte nur mit den Schultern. „Rausfinden!“, befahl er in scharfem Ton.

Sprenger steckte sich noch eine Zigarette an. Er sah den beiden Männern in Schwarz nach, die den metallenen Sarg mit dem Leichnam vorbei trugen und in den bereitstehenden Leichenwagen schoben. Er blies den Rauch seiner Zigarette in die Luft und trat von einem Bein auf das andere.

„Er gehört einer Frau!“, rief einer der Beamten von der anderen Straßenseite herüber.

Sprenger drückte seine Zigarette aus und steckte den Stummel zu den anderen in seine Manteltasche, ehe er zu dem Beamten herüberging.

Emma ließ sich müde gegen die Haustür fallen, die sie soeben hinter sich geschlossen hatte. Sie atmete tief durch, während sie langsam an der Tür zu Boden glitt. Ihren Kopf legte sie auf ihren Knien ab und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, als sie ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte.

Mark ist tot. Einfach tot. Das habe ich alles nicht gewollt. Wieder sah sie die Bilder vom Abend vor sich und ihre Trauer brach völlig aus ihr heraus. Laut schluchzend saß sie weiter im Flur. Und wofür ist er gestorben? Für einen hinterhältigen Gargoyle, der nichts anderes im Sinn hatte, als jemand Dummes zu finden, der seinen dämlichen Fluch löst. Die kalte Winterluft zog unter der Tür herein und ließ Emma zittern. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und stand langsam auf. Nein, ich tue ihm Unrecht. Er ist es nicht, auf den ich sauer sein sollte. Norana, diese falsche Schlange, sie ist die treibende Kraft in der Sache. Sie war es, die Mark getötet hat. Ceyres kann doch nicht so verlogen sein! Oder doch!? Bin ich schon wieder auf so einen Heuchler reingefallen? Mark war ja nicht der erste Mann, der es geschafft hat, mich jahrelang zu belügen, ohne, dass ich dumme Gans etwas bemerkt habe.

Emma warf ihre Jacke auf die Garderobe, als sie die Stille im Haus bemerkte. Sie lauschte, doch es war kein Ton zu hören.

„Omma?“, rief sie, während sie in das leere Wohnzimmer sah und dann mit schnellen Schritten weiter in Richtung Küche ging. Doch ihre Uroma war auch dort nicht zu sehen. Emma kroch Gänsehaut am ganzen Körper hinauf. Es war noch nicht lange her, dass sie ihre Uroma nachts bewusstlos auf dem Wohnzimmerboden gefunden hatte. Sofort waren die Bilder aus dieser Nacht wieder in ihrem Kopf. Emma sah wie der Notarzt über ihrer Uroma kniete und sie wiederbelebte. Sie würde diesen Anblick nie vergessen, wie die alte Dame leichenblass auf dem Boden gelegen hatte. Ein Schlaganfall, hatten ihr die Ärzte erklärt, auch wenn Ottilie diese Diagnose weiterhin vehement als falsch bezeichnete. Emma konnte kaum glauben, dass ihre Uroma in dieser Nacht wirklich eine Vision gehabt hatte, die so stark gewesen war, dass sie einen Atemstillstand erlitten hatte. Aber die alte Dame blieb stur bei dieser Erklärung. Emma ließ ihren Blick durch die verlassene Küche wandern. Die Kaffeetasse, die Ottilie immer schon am Vorabend für das Frühstück bereitstellte, stand noch unbenutzt auf der Arbeitsplatte neben der Kaffeemaschine. Emma rannte den Flur entlang und stürmte in Ottilies Schlafzimmer. Dort lag sie. Emma setzte sich vorsichtig auf die Bettkante neben ihre Uroma und rüttelte sie sanft.

„Omma Otti! Wach auf! Es ist schon spät!“ Emma rüttelte kräftiger an der Schulter ihrer Uroma. „Omma?“

Sie hatte noch nie erlebt, dass Ottilie tagsüber auf ihrem Bett geschlafen hatte. Zudem trug sie noch immer ihre Kleidung und die Schürze, die sie schon am Vorabend getragen hatte, als Emma das Haus verlassen hatte. Gerade, als Emma spürte, wie sich ihr Magen vor Angst verkrampfte, schlug die alte Dame ihre Augen auf. Langsam kam Ottilie zu sich. Sie hatte nur nochmal ein kleines Nickerchen machen wollen, war dann aber doch fester eingeschlafen. Ottilie gähnte und streckte ihre müden Beine. Sie fühlte sich, als hätte sie seit Nächten kaum geschlafen. Langsam richtete sie sich auf ihrem Bett auf und setzte sich neben ihre Urenkelin an die Bettkante.

„Ist alles in Ordnung, Liebes? Ich hatte so gehofft, dass du wieder nach Hause kommst.“

„Ja. Nein, eigentlich ist gar nichts in Ordnung.“ Ottilie legte ihre Hand auf Emmas und Emma spürte sofort die Kälte, die von ihr ausging, doch sie ignorierte sie. „Ich habe eine Bestie erweckt. Ich weiß nicht genau wie, außer, dass Ceyres mein Amulett getragen hat und dann ging alles so schnell, aber jetzt ist er auch am Tage ein lebendiger Gargoyle. Und er will mich töten lassen. Von seiner Freundin Norana.“

„Das glaube ich nicht, Emma. Bist du dir da wirklich sicher?“

„Er hat es gesagt. Und Norana, sie hat Mark getötet. Mark ist tot, verstehst du?“, schrie Emma hysterisch und ließ sich in Ottilies Schoß fallen. Sie weinte hemmungslos, während Omma Otti ihr zärtlich über das Haar strich.

„Arme Emma. Beruhig dich erst einmal und dann reden wir in Ruhe über alles. Ich bin mir sicher, dass Ceyres dir nichts tun will. Es ist alles bestimmt nur etwas viel für dich.“

„Aber versteh doch. Er hat gehofft, dass ich seinen Fluch lösen kann, aber ich habe ihn nur noch schlimmer gemacht. Er erträgt es nicht mehr, in diesem Körper gefangen zu sein und nun ist er nicht nur nachts ein Gargoyle, sondern auch tagsüber.“

„Schhhhh. Ruhig, meine Kleine. Ganz ruhig. Hast du wirklich erwartet, dass du seinen Fluch in nur einer Nacht lösen kannst?“

Emma schniefte und richtete sich langsam auf. Sie sah ihre Uroma nachdenklich an.

„Ja, ehrlich gesagt schon. Ich dachte, wenn wir erstmal die Lösung gefunden haben, dann ist er wieder frei.“

„So einfach ist das nicht. Sidonia war eine mächtige Hexe und ihr Fluch ist komplex.“

„Du weißt, wie er verflucht worden ist?“

„Ich weiß, was letzte Nacht auf der Burg passiert ist. Und ich denke, dass ich dir helfen kann.“

Emma wischte sich die letzten Tränen aus den Augen und spürte, wie sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen legte. Sie hatte schon nicht mehr zu hoffen gewagt, dass ihre Uroma ihr noch einmal helfen könnte. Emma beobachtete gespannt, wie Ottilie ein kleines Säckchen aus ihrer Schürzentasche holte und ihr reichte.

„Was ist das?“, fragte Emma und öffnete den schwarzen Beutel aus Samt.

Sie zog einen Ring heraus. Der Ring war aus massivem Gold gefertigt und wog schwer in ihrer Hand. Sie drehte ihn zwischen den Fingern und starrte auf den Ringkopf. Er glich ihrem Amulett, als würden beide zu einem Set gehören. Emma strich mit ihrem rechten Zeigefinger über das Efeublatt, das, wie an ihrem Amulett, auf einer Basis aus Rosenquarz thronte. Das Blatt war jedoch nicht grün, wie das an ihrem Amulett, bevor Ceyres es angelegt hatte, sondern golden. Emma spürte die Maserung des Blattes deutlich an ihrer Fingerkuppe und strich noch einmal darüber.

„Es ist das Siegel“, sagte Omma Otti mit sanfter Stimme.

„Das Siegel?“

„Das Siegel, mit dem Sidonia Ceyres die Brandmarke auf die Brust gesetzt hat.“

„Du meinst, dass dieser Ring seinen Fluch lösen kann?“

„Nein, das denke ich nicht.“ Emma seufzte enttäuscht. „Ich denke aber, dass er ein Teil der Lösung ist.“

„Hmm.“

Emma musste zugeben, dass Ottilies These schlüssig klang. Sie musste sich eingestehen, dass sie es sich einfacher vorgestellt hatte, einen Fluch zu lösen.

Wenn das so einfach wäre, dann hätte es wohl kaum Jahrhunderte gedauert, Ceyres zu retten. Aber wie kann mir das Efeu-Siegel helfen? Sidonia hatte es bei sich, als sie Ceyres verflucht hat, so, wie sie vermutlich auch mein Amulett während der Zeremonie getragen hat. Das Amulett hat sie später Ottilie gegeben. Und den Siegelring? Wer hat ihn all die Zeit aufbewahrt?

„Warum hast du mir den Ring nicht schon eher gegeben?“

„Ich wusste nicht, dass er eine Bedeutung hat. Erst, als ich ihn in der Nacht in meiner Vision gesehen habe, habe ich die Verbindung zu deinem Amulett erkannt.“

„Woher hast du ihn?“

„Meine Mutter hat ihn mal von einer Bekannten bekommen. Die Dame hatte das Amulett bei ihr gesehen und hat sich an den Ring in ihrem Besitz erinnert. Da sie ihn nie trug, hat sie ihn meiner Mutter geschenkt.“

„Und wer war diese Bekannte?“

„Das weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nur erinnern, dass sie einen riesigen Kräutergarten gehabt hat.“

„Wo?“

„In einem der Dörfer hinter dem Burgberg. Aber wo genau, das weiß ich nicht mehr. Ich war damals noch sehr jung und es hat sich so viel verändert. Ich glaube nicht, dass es den Garten heute noch gibt.“

Emma drehte den Ring in ihren Fingern. Dann schob sie ihn auf ihren Mittelfinger, doch er war ihr viel zu groß. Die Türklingel ertönte. Erschrocken fuhr Emma zusammen.

„Erwartest du jemanden?“, fragte sie ihre Uroma überrascht.

„Nein, du?“

„Nein. Wer sollte mich hier besuchen!?“

„Ich gehe aufmachen.“

„Nein, lass nur. Ich kümmere mich darum, Omma. Ruh du dich lieber noch etwas aus.“

Emma warf einen kurzen Blick in den Spiegel auf dem Flur. Sie öffnete ihren Zopf und fuhr sich kurz durch ihre langen Haare, bevor sie sie wieder zu einem Zopf zusammenfasste.

Emma hatte die Haustür noch nicht ganz geöffnet, als Kassandra sich schon hereindrängte.

„Was zur Hölle habt ihr mit Mark gemacht?“, schrie sie hysterisch und gab Emma einen kräftigen Schubs. Emma taumelte überrascht nach hinten, fing sich nach ein paar Schritten aber wieder.

„Sag mal, spinnst du? Hier so reinzuplatzen und rumzubrüllen, als wärst du nicht bei Sinnen? Was soll das Ganze?“

„Mark ist tot! Tot, verstehst du? Ermordet!“

Emma starrte Kassandra an. Ihre Haare waren zerzaust, ihre Augen blutunterlaufen und ihre Hände zitterten, während sie sich an Emmas Pullover festkrallte und sie schüttelte.

„Ich weiß“, sagte Emma leise und senkte ihren Blick. Kassandra ließ sie los. Mit weit aufgerissenen Augen stand sie ihr gegenüber und rang um Fassung. „Ich war dabei.“

Emma stiegen Tränen in die Augen. Sie wollte nicht weinen, immerhin hatte Mark sie mit Kassandra betrogen, aber sie konnte nicht anders. Kassandra tat ihr Leid und Mark hatte diesen Tod nicht verdient, egal, was er ihr angetan hatte.

„Und dann hast du ihm nicht geholfen? Du hast diese Bestie nicht davon abgehalten? Warum hat er es getan, warum, zu Hölle?“

„Er? Von wem redest du?“

„Von deinem … deinem … ach, ich weiß auch nicht, dieser Bestie, die dich verfolgt. Er war in unserer Wohnung und hat nach dir gesucht.“

„In eurer Wohnung, die eigentlich meine Wohnung ist, falls du dich erinnerst. Und ich dachte, zwischen Mark und dir wäre es gar nicht so ernst, zumindest hat er sich ja auch mit anderen Frauen getroffen.“

„Was? Du Biest!“

Emma wusste nicht, warum sie so gemein zu Kassandra war, aber sie konnte nicht anders.

„Nicht mit mir, falls du das jetzt denkst. Aber ich dachte, du wüsstest davon!?“

„Du lügst. Er war gestern auf dem Friedhof. Und mit wem sollte er sich da treffen, wenn nicht mit dir?“

„Mit Nora?“

„Welche Nora? Ich kenne keine Nora!“

„Wirklich nicht?“ Emma verschränkte ihre Arme vor der Brust, um ihrer Frage Nachdruck zu verleihen. Kassandras Blick wurde sanfter. Sie schaute unsicherer und die Anspannung in ihrem Körper ließ langsam nach, bevor sie Emma schließlich losließ. Sie begann krampfhaft nachzudenken. „Sie ist großgewachsen, üppig ausgestattet, hat einen blonden Bob“, sprach Emma langsam weiter.

„Meinst du diese Bedienung aus dem Stadtcafé?“

„Keine Ahnung. Ich war da noch nie. Oder zumindest nicht in letzter Zeit.“

„Aber ich, also mit Mark. Und ich weiß, dass Mark da auch öfter alleine war. Da ist eine Bedienung, auf die deine Beschreibung passt. Mark hat sie immer angehimmelt.“

„Siehst du. Dann wird sie es sein. Dann weiß ich jetzt immerhin, wo ich sie finden kann.“

„Was meinst du damit?“

„Kassandra, lass uns bitte ins Wohnzimmer gehen. Ich denke, dass ich dir einiges erklären muss, damit du endlich verstehst, dass nicht Ceyres die Bestie ist, sondern ganz andere Kreaturen.“

Emma schob Kassandra durch den Flur in Richtung Wohnzimmer, als es erneut an der Haustür klingelte.

„Hier geht es ja heute Morgen zu wie in einem Taubenschlag“, seufzte Emma kraftlos und ging zurück durch den Flur in Richtung Haustür.

Eigentlich wollte sie nur noch in ihr Bett. Sie konnte sich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten. Während sie die Tür öffnete, gähnte sie ungeniert. Ein Mann mittleren Alters, in einen wollenen Mantel gehüllt, stand vor ihr.

„Wir brauchen keinen Staubsauger“, sagte Emma mit einem weiteren Gähnen, nachdem sie den Mann von oben bis unten gemustert hatte und schob die Tür wieder zu, doch er war schneller und schob seinen Fuß in den Türspalt. Emma steckte noch einmal ihren Kopf durch die Tür. „Ich möchte mit ihnen auch nicht über Gott reden. Also nehmen sie bitte ihren Fuß weg oder ich rufe die Polizei!“, fuhr Emma ihn an.

„Kommissar Sprenger. Kripo“, sagte der Mann unbeeindruckt und streckte Emma seinen Ausweis entgegen.

Sie wich erschrocken zurück und öffnete die Tür. Dann warf sie einen näheren Blick auf seinen Polizeiausweis, um etwas Zeit zu gewinnen. Emmas Kopf dröhnte vor Schmerzen. Immer, wenn sie übermüdet war, bekam sie diese hämmernden Kopfschmerzen. Sie konnte kaum noch ihre Augen offen halten. Emma rieb sich über ihre brennenden Augen und die schmerzende Stirn.

Was mache ich nur? Es war ja klar, dass die Polizei irgendwann hier aufkreuzen würde, aber warum so früh? Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Soll ich so tun, als wenn ich von nichts weiß? Oder mache ich mich damit nur verdächtig?

„Kripo?“, fragte sie schließlich betont überrascht und rieb sich erneut über die Stirn. „Sind sie sicher, dass sie zu mir wollen?“

„Emma Lautenbach, das sind sie doch oder nicht?“

„Ja ja. Das bin ich. Was wollen sie von mir? Mir geht es heute nicht gut.“

„Darf ich reinkommen?“

„Muss das sein?“, fragte Emma genervt.

Sie hatte wirklich keine Lust darauf, dass der Kommissar mit Kassandra zusammentraf, nicht in ihrem hysterischen Zustand. Zum ersten Mal sah Emma den Polizisten direkt an. Sofort fiel ihr sein misstrauischer Blick auf.

„Entschuldigen sie. Ich stehe etwas neben mir. Natürlich können sie reinkommen. Gehen sie einfach durch ins Wohnzimmer.“

Emma folgte Kommissar Sprenger dicht und zwängte sich direkt hinter der Wohnzimmertür an ihm vorbei, um ihm den Blick auf Kassandra zu versperren.

„Ich muss ihnen leider eine traurige Mitteilung machen“, fing er in ernstem Ton an, zu erklären.

Emma überlegte krampfhaft, wie sie sich verhalten sollte.

Soll ich überrascht sein und direkt in Tränen ausbrechen oder, wie Kassandra, einfach hysterisch schreien?

Doch es war zu spät, denn in diesem Moment bekam Kassandra einen weiteren Heulkrampf.

„Frau Neudorf, sie hier?“, fragte Kommissar Sprenger überrascht, als er Kassandra auf der Couch entdeckte. „Was machen sie hier?“

„Wir sind Freundinnen“, beeilte Emma sich, zu erklären. Unsicher zog sie den Kommissar am Arm. „Lassen sie uns lieber in die Küche gehen,“ flüsterte sie ihm zu. „Es geht ihr nicht gut. Ihre traurige Mitteilung hat sie sehr mitgenommen.“

„Also wissen sie, warum ich hier bin!?“

Emma nickte stumm und ging voraus in die Küche.

„Kaffee?“, fragte sie beiläufig.

„Eine gute Idee. Das schreckliche Gebräu, das die Streifenkollegen mir heute Morgen als Kaffee verkaufen wollten, war ungenießbar.“

Kommissar Sprenger setzte sich an den runden Küchentisch und streckte seine Beine aus. Seit Stunden hatte er nicht mehr gesessen. Er beobachtete jeden von Emmas Handgriffen genau. Emma spürte seinen Blick. Langsam kroch Gänsehaut ihren Rücken hinauf. Im nächsten Moment ließ sie den Löffel mit dem Kaffeepulver fallen. Ihre Hände zitterten plötzlich und waren schweißnass. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Omma Otti betrat die Küche. Sie hatte sich zurechtgemacht und sah aus wie immer. Wäre da nicht ein Gehstock in ihrer linken Hand gewesen, den Emma noch nie zuvor bei ihrer Uroma gesehen hatte, hätte sie ihr die Nummer der starken alten Frau direkt abgekauft.

„Setz dich, mein Kind, ich mache das schon“, sagte sie mit einem fürsorglichen Lächeln auf den Lippen.

Kommissar Sprenger beobachtete die Szene stumm. Er verfolgte Emma mit seinem Blick von der Kaffeemaschine bis an den Tisch, wo sie sich ihm unsicher gegenübersetzte.

„Sie wussten also die ganze Zeit, warum ich hier bin. Warum haben sie dann so überrascht getan?“

Emma schluchzte in ihre Hände. Ihre Gedanken drehten sich wirr in ihrem Kopf. Sie wollte sich auf keinen Fall noch verdächtiger machen, als sie es vermutlich sowieso schon war. Allerdings fürchtete sie, dass sie in ihrem Zustand gar nicht anders konnte als von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten.

„Ehrlich gesagt, hatte ich gehofft, dass sie einfach wieder gehen würden. Ich stand unter Schock und stehe es vermutlich immer noch. Kassandra war gerade erst zu mir gekommen und hatte mit erzählt, dass Mark tot ist. Ich kann es einfach nicht glauben. Ich meine, ich habe ihn gestern noch getroffen. Und jetzt soll er einfach tot sein.“

„Was heißt das, sie haben ihn gestern noch getroffen? Auf dem Friedhof?“

„Woher wissen sie? Ach so, mein Auto. Es steht noch auf dem Parkplatz am Friedhof.“

„Allerdings. Warum haben sie es dort stehen lassen?“

„Ich habe mich gestern Abend mit einem Bekannten getroffen. Wir sind etwas trinken gegangen und dann wollte ich nicht mehr fahren. Deshalb habe ich den Wagen stehenlassen. Ich wollte ihn heute abholen, aber mir ging es heute Morgen nicht gut. Sie wissen schon, ein paar Drinks zu viel.“

Emma lächelte gequält.

„Er hat Mark umgebracht. Er war es!“, schrie Kassandra plötzlich vom Sofa herüber.

„Wen meint sie? Ihren Bekannten?“, fragte der Kommissar an Emma gewandt.

„Nein, Quatsch. Ich habe keine Ahnung, wovon sie redet.“

„Das hast du sehr wohl!“, schrie Kassandra unter Tränen, während sie auf Emma zugestürmt kam. Sie packte sie an den Schultern und schüttelte sie. „Begreif doch endlich, dass dieser Gargoyle eine Bestie ist. Er hat Mark kaltblütig umgebracht!“

„Gargoyle?“, fragte der Kommissar verwirrt. „Eine Bestie? Was soll das?“

„Kassandra, hör auf mit dem Quatsch. Beruhig dich endlich“, zischte Emma und krallte sich an Kassandras Arm fest.

Kassandra sank weinend auf die Knie. Ottilie kam herüber und griff nach ihr. Emma half Kassandra mit aller Kraft auf die Beine und führte sie zurück zur Couch. Kommissar Sprenger sah dem Treiben schweigend zu. Langsam und auf ihren Stock gestützt, kam Ottilie zurück in die Küche, während Kassandra schluchzend auf dem Sofa lag.

„Das arme Ding. Sie ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich mache ihr schnell einen Baldriantee. Der wird sie beruhigen. Sie sollten vielleicht ein anderes Mal wiederkommen, Herr Kommissar.“

Sprenger gab nur ein Grunzen von sich. Er wusste offensichtlich nicht, was er von der ganzen Szene halten sollte.

„Was meint sie mit Gargoyle und Bestie?“

„Ich habe keine Ahnung. Vielleicht meinen Bekannten. Er ist ein richtiger Hüne, wenn sie verstehen. Er kann einem schon Angst einjagen, wenn man ihn nicht kennt.“

„Wie heißt der Herr denn? Ich müsste auch mit ihm sprechen. Alibi und so, sie verstehen.“

„Alibi? Wie im Film, ja? Aber warum brauche ich ein Alibi?“

„Sie haben sich mit ihrem Bekannten auf dem Friedhof getroffen.“

„Ähm, nein. Ich habe Mark dort zufällig getroffen.“

„Zufällig?“

„Ja. Ich habe ein paar Fotos gemacht. Für meinen Onlineshop. Ich bin Künstlerin, verstehen sie!?“

Emma nahm ihr Tablet, das auf dem Küchentisch lag und öffnete ihren Onlineshop. Argwöhnisch blätterte Kommissar Sprenger durch ihren Shop.

„So so“, sagte er schließlich. „Etwas ungewöhnlich ihre Motive.“

„Nun ja, genau das hebt mich von der Masse an Fotografen ab.“

„Ja, sicher. Zurück zu ihrem Bekannten. Sie haben ihn also auf dem Friedhof getroffen.“

„Ja. Ähm, ich meine nein. Ich habe ihn vor dem Friedhof getroffen. Mark habe ich auf dem Friedhof getroffen.“

„Mark geht nie auf diesen dämlichen Friedhof!“, schrie Kassandra aus dem Wohnzimmer herüber.

Um Gottes willen, halt doch endlich deine Klappe! Als wenn alles nicht schon kompliziert genug wäre.

„Stimmt das?“, wollte Kommissar Sprenger sofort wissen und kritzelte weiter in seinem Notizbuch herum.

„Ja. Das stimmt. Es hat mich auch gewundert, aber Mark sagte, dass er mit einer Freundin verabredet sei.“

„Kennen sie diese Freundin?“

„Nein. Er sagte nur, dass sie Nora heißt und in einem Café arbeitet. Im Stadtcafé am Markt, glaube ich. Ich bin mir aber nicht sicher. Ich habe Mark nicht richtig zugehört. Blond soll sie sein und gut gebaut, wenn sie verstehen. Er meinte, sie wäre das komplette Gegenteil von mir. Ich weiß nicht, ob es stimmt. Vielleicht wollte er mich auch nur aufziehen, weil wir uns erst vor kurzem getrennt haben. Es war eine unschöne Sache, aber ich bin mittlerweile drüber weg.“

Hoffentlich merkt dieser Typ nicht, dass ich ihn nach Strich und Faden belüge.

„Hmm.“ Kommissar Sprenger nahm einen Schluck aus der Tasse, die Ottilie ihm hingestellt hatte. „Wirklich gut ihr Kaffee, Frau ...“

„Sagen sie einfach Oma Ottilie zu mir, dass machen alle.“

Kommissar Sprenger nickte der alten Dame zu und nahm noch einen Schluck Kaffee.

„Zurück zu ihrem Bekannten. Wie heißt er noch?“

„Ceyres“, sagte Emma, ohne weiter nachzudenken.

„Ceyres? Ein sehr ungewöhnlicher Name. Und wie weiter?“

„Ähm. Also. Ja, das ist ein sehr ungewöhnlicher Name. Ich weiß auch nicht, ob er wirklich so heißt oder ob es nur ein Spitzname ist.“

„Und wie heißt er weiter?“

„Das weiß ich nicht.“ Emma suchte nach einem passenden Nachnamen, aber ihr wollte einfach keiner einfallen. Sie dachte auch darüber nach, ob es nicht besser gewesen wäre, sich einen anderen Vornamen auszudenken, der nicht so ungewöhnlich war. Nein, besser so dicht bei der Wahrheit bleiben, wie es nur irgendwie geht. Ich bin schließlich eine schlechte Lügnerin. Wenn ich jetzt auch noch anfange, mir irgendwelche Namen auszudenken, dann vertausche ich sie am Ende noch und mache mich damit noch verdächtiger.

„Wo können wir den Herrn denn finden? Wo arbeitet er, wo wohnt er?“

„Das weiß ich alles nicht. Wir kennen uns erst seit Kurzem“, sagte Emma unsicher. Sie trank einen großen Schluck Kaffee, um etwas Zeit zu gewinnen. Unsicher spähte sie über den Rand ihrer Tasse zu Kommissar Sprenger herüber. Wie in Zeitlupe setzte sie die Tasse vor sich ab. „Aber er hat mir erzählt, dass er heute in den Urlaub fliegt. Nach Gran Canaria. Zwei Wochen will er bleiben.“

„Nun gut“, brummte der Kommissar. „Vertagen wir das. Kümmern sie sich am besten erst einmal um ihre Freundin.“ Sprenger stand vom Tisch auf. Er trank den restlichen Kaffee auf ex und stellte die Tasse klirrend zurück auf die Untertasse. Während er in Richtung Flur schlenderte, zog er seine Hose zurecht. „Es ist bewundernswert, dass sie beide noch befreundet sind.“

„Warum?“, fragte Emma betont überrascht.

„Nach allem was dieser Mark ihnen angetan hat, sie mit ihrer besten Freundin betrügen... andere würden ihn dafür am liebsten umbringen.“

„Andere vielleicht, ich aber nicht. Ich denke, es gehören immer Zwei dazu. Auch, wenn eine Beziehung in die Brüche geht. Wir wollten beide nicht wahrhaben, dass wir uns auseinandergelebt haben. So ist das nun mal. Und was Kassandra angeht – sie tut mir leid, denn anscheinend hat Mark nicht nur mich betrogen, sondern sie auch oder was meinen sie?

---ENDE DER LESEPROBE---