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In der sexualtherapeutischen Arbeit mit Frauen zählt sexuelle Unlust zu den häufigsten Problemen. Dieses Buch gibt den verschiedenen Facetten weiblicher Erotik, wie sie in der Therapie sichtbar werden, einen angemessenen Raum. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie Frauen die widersprüchliche Situation ressourcenorientiert nutzen können, dass sie wollen wollen, aber keine Lust auf Sex haben oder nicht wissen, was sie wollen könnten. Lustlosigkeit als Kompetenz zu begreifen ist eine der zentralen Botschaften des Buches. Weitere Themen sind Vaginismus, Orgasmusstörungen sowie die Rolle der Fantasien in der Therapie als Zugang zur häufig als ambivalent empfundenen Erotik. Im zweiten Teil des Buches steht der Körper im Fokus. Dabei geht es um Aspekte der Beziehung zum eigenen Geschlecht, den sexuellen und reproduktiven Funktionen. Therapeutische Konzepte und Interventionen werden ausführlich anhand von Fallbeispielen beschrieben. Die vielfältigen Beiträge schaffen ein breites Spektrum therapeutischer Möglichkeiten, die Fallbeispiele einen hohen Grad an Anschaulichkeit. Mit Beiträgen von: Angelika Beck • Karoline Bischof • Johannes Bitzer • Ulrich Clement • Angelika Eck • Diana Ecker • Elsbeth Freudenfeld •Peggy Kleinplatz • Carina B. Pika • Dania Schiftan • Aglaja Valentina Stirn • Sibil Tschudin.
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Seitenzahl: 350
Veröffentlichungsjahr: 2018
»Therapie, Liebe, Gedicht war doch alles gleich.
Oder gab es da Unterschiede?
Im Gelingen nicht, nur im Misslingen.
Wenn es glückt, ist es dasselbe
und kann anders nicht sein.
Es ist immer Anfang.«
Friedrich G. Pfaff (2008)
Angelika Eck (Hrsg.)
Fragen der weiblichen Sexualität in der Therapie
Dritte Auflage, 2022
Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Carl-Auer Verlags:
Prof. Dr. Rolf Arnold (Kaiserslautern)
Prof. Dr. Dirk Baecker (Witten/Herdecke)
Prof. Dr. Ulrich Clement (Heidelberg)
Prof. Dr. Jörg Fengler (Köln)
Dr. Barbara Heitger (Wien)
Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp (Merseburg)
Prof. Dr. Bruno Hildenbrand (Jena)
Prof. Dr. Karl L. Holtz (Heidelberg)
Prof. Dr. Heiko Kleve (Witten/Herdecke)
Dr. Roswita Königswieser (Wien)
Prof. Dr. Jürgen Kriz (Osnabrück)
Prof. Dr. Friedebert Kröger (Heidelberg)
Tom Levold (Köln)
Dr. Kurt Ludewig (Münster)
Dr. Burkhard Peter (München)
Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Tübingen)
Prof. Dr. Kersten Reich (Köln)
Dr. Rüdiger Retzlaff (Heidelberg)
Prof. Dr. Wolf Ritscher (Esslingen)
Dr. Wilhelm Rotthaus (Bergheim bei Köln)
Prof. Dr. Arist von Schlippe (Witten/Herdecke)
Dr. Gunther Schmidt (Heidelberg)
Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt (Münster)
Jakob R. Schneider (München)
Prof. Dr. Jochen Schweitzer (Heidelberg)
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Dr. Therese Steiner (Embrach)
Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin ✝ (Heidelberg)
Karsten Trebesch (Berlin)
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Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln)
Prof. Dr. Reinhard Voß (Koblenz)
Dr. Gunthard Weber (Wiesloch)
Prof. Dr. Rudolf Wimmer (Wien)
Prof. Dr. Michael Wirsching (Freiburg)
Prof. Dr. Jan V. Wirth (Meerbusch)
Reihengestaltung: Uwe Göbel
Umschlagbild: Antonio Canova »Sleeping Nymph«
Umschlagfoto: © Victoria and Albert Museum
Satz: Drißner-Design u. DTP, Meßstetten
Printed in Germany
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
Dritte Auflage, 2022
ISBN 978-3-8497-0234-2 (Printausgabe)
ISBN 978-3-8497-8140-8 (ePUB)
ISBN 978-3-8497-8139-2 (PDF)
© 2016, 2022 Carl-Auer-Systeme Verlag
und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg
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Carl-Auer Verlag GmbH
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Vorwort
Einleitung
Angelika Eck
I. Vom Nein zum Ja – selbstbestimmte Auswege aus der Paradoxie des Wollenwollens und anderen erotischen Lebenslagen
1 Lustlosigkeit als Kompetenz – Zur Dialektik von Nein und Ja
Ulrich Clement
1.1 Autorin der eigenen Lust/Unlust
1.2 Erotische Barrieren als Übergangskompetenz
1.3 Sexuelle Hemmung als Ressource
1.4 Therapie
2 Die »innere lustvolle Frau« – eine sexualtherapeutische Intervention
Diana Ecker
2.1 Zur Entwicklung eines vorläufigen Verständnisses sexueller Unlust
2.2 Wie und warum reagieren sexuell lustlose Frauen »anders« auf sexuelle Reize?
2.3 Lustvolles sexuelles Erleben als »Ausnahme«
2.4 Die »innere lustvolle Frau«
2.5 Weitere Interventionen
Fazit
3 Raum für die eigene Lust – Was Frauen brauchen, damit sie wollen können
Elsbeth Freudenfeld
3.1 Das selbstbestimmte Verfügen über den eigenen Raum
3.2 Das Wiedererlangen der Subjekthaftigkeit
3.3 Eine gute Beziehung zu sich selbst
Fazit
4 Sexualtherapie bei Vaginismus – Übersicht, Kritik und eine humanistische Alternative
Peggy Kleinplatz
4.1 Problembeschreibung
4.2 Kritik an konventioneller Sexualtherapie bei Vaginismus
4.3 Das Modell der existenziell-erlebnisorientierten Psychotherapie: eine Alternative zur konventionellen Sexualtherapie
Fazit
5 Fantasien in der Therapie – Minus- und Plussymptome als Zugang zur erotischen Entwicklung
Angelika Eck
5.1 Fantasien als Landkarte der Erotik
5.2 Therapie bei Minussymptomen: Fantasien erschließen
5.3 Therapie bei Plussymptomen: Fantasien als Anzeichen anstehender Entwicklungen
Fazit
II. Der Körper im Fokus: Die Beziehung zum eigenen Geschlecht, den sexuellen und den reproduktiven Funktionen
6 Zwischen den Ohren und zwischen den Beinen – Bilder vom eigenen Geschlecht
Angelika Beck
6.1 Mon sexe, my sex und mein Geschlecht
6.2 Unangemessene Sexualerziehung
6.3 Weißes Rauschen zwischen den Ohren
6.4 Bilder der Anatomie »zwischen den Beinen« – und die Folgen
6.5 Zwischen den Ohren blüht ein aufregender wilder Garten – und zwischen den Beinen pulsiert das Leben
Fazit: Schöne Aussichten
7 »Nur die schönen Vögel sperrt man in Käfige«? – Das Streben nach dem perfekten Körper und seine Folgen
Aglaja Stirn und Carina Pika
7.1 Was ist Schönheit?
7.2 Unzufriedenheit mit dem Körper und ihre Folgen
7.3 Sexualität mit dem ungeliebten Körper?
7.4 Der weibliche Körper in der Sexualtherapie
7.5 Den Körper den eigenen Vorstellungen anpassen? – Die therapeutische Haltung gegenüber körpermodifizierendem Verhalten
Fazit
8 Ausweitung der Lustzone – Wie Frauen ihren Weg zum Orgasmus finden
Dania Schiftan
8.1 Wie wir Lust lernen – der frühkindliche Sexualisierungsprozess
8.2 Die Vagina, das unbekannte Land
8.3 Erregung
8.4 Lernschritte in der Therapie
9 Lust auf Sex durch Lust am Sex – Das Begehren und die Neurophysiologie der Erotik
Karoline Bischof
9.1 Hintergrund
9.2 Physiologie des sexuellen Lusterlebens
9.3 Emotionen und sexuelles Lusterleben
9.4 Kognitionen und sexuelles Lusterleben
Fazit
10 Sexualität und Verhütung – zwischen Befreiung und Entfremdung
Johannes Bitzer
10.1 Mögliche Wirkungen von Verhütungsmethoden auf die Sexualität der Frau
10.2 Was tun, wenn eine Frau über sexuelle Schwierigkeiten bei Anwendung einer Verhütungsmethode klagt?
11 Babypause auch beim Sex? – Sexualität in der Schwangerschaft und nach der Geburt
Sibil Tschudin
11.1 Sexualität und Veränderungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt
11.2 Untersuchungen zu den Auswirkungen von Schwangerschaft und Postpartum auf die Sexualität
11.3 Erkennen und Abklären von sexuellen Schwierigkeiten
11.4 Therapiebedarf und Therapie bei sexuellen Schwierigkeiten
Fazit
Literatur
Über die Autorinnen und Autoren
Über die Herausgeberin
»Was für eine Fortbildung gibst du denn heute?«, fragten mich zwei Frauen. »Eine über sexuelle Lustlosigkeit in der Zeit der jungen Elternschaft«, antwortete ich. »Ah ja …, ich weiß, wovon du sprichst!«, verabschiedete sich die eine schnell mit vielsagendem Lächeln. Die andere: »Dazu wollte ich dich schon lange mal was fragen.«
Konversationen mit diesem Auftakt erlebe ich in meinem Alltag häufig, mit Frauen jeglichen Alters. Ihr Verlauf bringt Varianten von Erzählungen sexueller Unlust oder anderer sexueller Probleme hervor. Der Grad der Verzweiflung und der Grad der Uneinigkeit mit dem Partner sind unterschiedlich ausgeprägt. Die Lösungsversuche sind vielfältig und reichen von Selbstbezichtigung, Rückzug oder pragmatischer Resignation über die Inspirationssuche in Ratgeberbüchern bis hin zur Affäre. Die wenigsten dieser Frauen haben je eine sexualtherapeutische Praxis aufgesucht. Trotzdem leiden sie an ihrer Unlust, sehen ihre Beziehung gefährdet oder vermissen eine gewisse vitale Kraft. Sie suchen wieder Anschluss an ihre Erotik, finden den Zugang jedoch schwierig.
Diejenigen, die Erfahrung mit Psychotherapie haben, berichten oft, dass das Thema Sexualität dort nicht oder nur sehr oberflächlich berührt werde. In der (paar-)sexualtherapeutischen Praxis zählen Konflikte um Lustunterschiede zwischen Partnern oder beklagte individuelle Lustlosigkeit zu den am häufigsten beschriebenen Problemen von Menschen jeden Alters und jeder Lebens- und Beziehungsphase. Eine erfahrene Kollegin bekannte dazu: »Ehrlich gesagt hab ich gar keine Lust mehr auf das Thema Lustlosigkeit. Es ist so ausgelutscht. Und mit den Klienten oft so zäh.« Die Bemerkung spielt auf eine Ausgangskonstellation mit Lähmungsgefahr für den Therapieprozess an: Die lustlose Person will (oder soll) etwas wollen, das sie aktuell nicht will. Eine paradoxe Situation also, der auch die Therapeutin sich stellen muss.
Dieses Buch ist darauf angelegt, genau dies nicht als Entmutigung, sondern als interessanten Ausgangspunkt zu nehmen und seine Leser zu sinnvollen und lebendigen Therapieprozessen anzuregen. Die Form des Herausgeberbuches erschien dafür geradezu ideal. Um die systemische Praxis zu bereichern, wurde der Rahmen bewusst weit gespannt: Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher fachlicher und therapeutischer Orientierung wurden eingeladen, zu diesem Themenkomplex über etwas zu schreiben, das ihnen Lust bereitet, und dies so nahe wie möglich an der praktischen Arbeit zu illustrieren. Herausgekommen ist ein reichhaltiges Werk.
Warum interessiert sich das Buch primär für therapeutische Perspektiven auf Frauen? Nicht, um Unterschiede zwischen den Geschlechtern größer zu zeichnen, als sie womöglich sind. Und nicht, um die paardynamischen Prozesse ums sexuelle Begehren zu übersehen. Sondern um in Ruhe einer ganzen – unvollständigen – Reihe von Facetten weiblicher Erotik, wie sie in der Therapie erblühen können, einen Raum zu geben.
Ich bedanke mich herzlich bei allen Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge und die Bereitschaft, ihre Expertise und ihre kostbare Zeit diesem Vorhaben zu widmen. Allen Klientinnen, die von sich berichten ließen, danke ich ebenfalls. Um sie geht es, und durch sie wird alles lebendig. Ohne Ulrich Clement und seine Androhung »Wenn Du dieses Buch nicht herausgibst, tue ich es!« wäre dieses nie entstanden. Ihm sowie Julika und Mirko Zwack danke ich für die Inspiration, das unerschütterliche Interesse, die gedanklichen Klärungen und die beglückende Möglichkeit, gemeinsam die Freude an der Arbeit mit der am Rest des Lebens zu verbinden. Esther Gries danke ich fürs aufmerksame Korrekturlesen, Inge und Josef Bechler für ihre Unterstützung durch hingebungsvolle Kinderbetreuung. Und meinem Mann Dirk Bechler danke ich für alles.
Angelika Eck
Karlsruhe, im Dezember 2015
