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Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Kennst du die Frau, die gerade hereingekommen ist?«, fragte Ulrich Braun. »Die Schöne mit den braunen Locken und diesen wahnsinnigen dunklen Augen?« Alexander Wittkamp folgte dem Blick seines Freundes und wandte sich ihm dann erstaunt zu. »Seid ihr euch noch nie begegnet?« »Dann hätte ich nicht gefragt, wer sie ist, oder? Also, wie heißt sie?« Alexander grinste breit und ließ sich Zeit mit seiner Antwort, die er schließlich langsam und mit besonderer Betonung jeder einzelnen Silbe vortrug: »Carlotta Maria Sofia Johanna Gräfin von Hedestein.« »Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst. Du kennst sie also nicht.« Ulrich folgte der jungen Frau mit dem Blick, bis sie im angrenzenden Zimmer verschwand. Die beiden jungen Männer waren auf der Geburtstagsparty eines Freundes und hatten sich bis jetzt vor allem miteinander unterhalten, obwohl es nicht an auffordernden Blicken der anwesenden Frauen mangelte, von denen auffallend viele offenbar allein gekommen waren. Ulrich war blond und schlaksig, er überragte die meisten Anwesenden um mindestens einen Kopf. An seinem Gesicht faszinierten vor allem die blauen Augen, die je nach Stimmung die Farbschattierung wechseln konnten. Er hatte Alexander auf diese Party begleitet, um sich von der vielen Arbeit der letzten Zeit zu erholen und auf andere Gedanken zu kommen. Sein Freund war, rein äußerlich, ein völlig anderer Typ: Er hatte dichte rotbraune Locken und grüne Augen, die Frauen besonders aufregend fanden. Er trieb viel Sport, was man seinem durchtrainierten Körper auch ansah, während Ulrich Sport langweilig und aufreibend fand. Ulrich beschloss, der jungen Frau zu folgen. Bis jetzt war die Party nicht besonders aufregend gewesen, vielleicht änderte sich das ja jetzt? Doch Alexanders nächste Worte hielten ihn zurück.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Kennst du die Frau, die gerade hereingekommen ist?«, fragte Ulrich Braun. »Die Schöne mit den braunen Locken und diesen wahnsinnigen dunklen Augen?«
Alexander Wittkamp folgte dem Blick seines Freundes und wandte sich ihm dann erstaunt zu. »Seid ihr euch noch nie begegnet?«
»Dann hätte ich nicht gefragt, wer sie ist, oder? Also, wie heißt sie?«
Alexander grinste breit und ließ sich Zeit mit seiner Antwort, die er schließlich langsam und mit besonderer Betonung jeder einzelnen Silbe vortrug: »Carlotta Maria Sofia Johanna Gräfin von Hedestein.«
»Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst. Du kennst sie also nicht.« Ulrich folgte der jungen Frau mit dem Blick, bis sie im angrenzenden Zimmer verschwand.
Die beiden jungen Männer waren auf der Geburtstagsparty eines Freundes und hatten sich bis jetzt vor allem miteinander unterhalten, obwohl es nicht an auffordernden Blicken der anwesenden Frauen mangelte, von denen auffallend viele offenbar allein gekommen waren.
Ulrich war blond und schlaksig, er überragte die meisten Anwesenden um mindestens einen Kopf. An seinem Gesicht faszinierten vor allem die blauen Augen, die je nach Stimmung die Farbschattierung wechseln konnten. Er hatte Alexander auf diese Party begleitet, um sich von der vielen Arbeit der letzten Zeit zu erholen und auf andere Gedanken zu kommen.
Sein Freund war, rein äußerlich, ein völlig anderer Typ: Er hatte dichte rotbraune Locken und grüne Augen, die Frauen besonders aufregend fanden. Er trieb viel Sport, was man seinem durchtrainierten Körper auch ansah, während Ulrich Sport langweilig und aufreibend fand.
Ulrich beschloss, der jungen Frau zu folgen. Bis jetzt war die Party nicht besonders aufregend gewesen, vielleicht änderte sich das ja jetzt?
Doch Alexanders nächste Worte hielten ihn zurück. »Ich nehme dich nicht auf den Arm«, beteuerte er. »Carlotta ist wirklich eine Gräfin von Hedestein, und ich habe dir nur vier ihrer Vornamen aufgezählt, weil ich mir die anderen nicht merken kann.«
»Schwöre, dass du die Wahrheit sagst!«
Gehorsam hob Alexander die rechte Hand. »Ich schwöre.«
»Wieso hast du mir nie von ihr erzählt?«
»Na ja, so lange interessierst du dich ja noch nicht für den Adel, weshalb hätte ich sie also erwähnen sollen? Aber früher oder später wäre ich schon noch auf sie zu sprechen gekommen, keine Sorge. Außerdem, wie gesagt, war mir nicht bewusst, dass ihr euch noch nie begegnet seid.«
»Und wann hat sie deinen Weg gekreuzt?
»Überhaupt nicht – beziehungsweise hat sie es vor so langer Zeit getan, dass sie gewissermaßen zum Inventar gehört. Ich kenne sie schon, seit wir zusammen in der Schule waren. Meine Eltern haben mich ja auf so eine superteure Privatschule geschickt, da war sie auch. Wir haben uns immer gut verstanden, aber zu ihr nach Hause wurde ich nie eingeladen. Ich glaube, ihre Großmutter war sogar mal in der Schule und hat sich darüber beschwert, dass Kinder wie ich dort überhaupt aufgenommen werden. Jedenfalls hat das die Schulsekretärin einmal ausgeplaudert, als sie etwas beschwipst war.«
»Das denkst du dir doch jetzt aus, Alex!«
»Nein, wirklich nicht!«, beteuerte Alexander. »Carlottas Familie ist sehr standesbewusst.« Er schlug sich mit der flachen Hand vor den Kopf. »Ich hätte daran denken müssen, dass sie die ideale Informantin für dich ist.«
»Nicht so laut!«, zischte Ulrich.
»Schon gut, schon gut, aber es stimmt trotzdem. Sie kann dir endlose Geschichten aus ihrer Familie erzählen, die alle vom Thema ›Standesdünkel‹ handeln.«
»Worauf warten wir dann noch? Stell mich ihr vor. Aber achte auf deine Worte, keine dunklen Andeutungen bitte!«
»Willst du mich beleidigen? Habe ich mich schon jemals verplappert?«
»Nein, hast du nicht. Und jetzt komm schon!«
»Aber dann sehe ich für den Rest der Party nichts mehr von dir!«, protestierte Alexander.
»Tja, das könnte allerdings passieren.« Jetzt war es Ulrich, der breit grinste. »Aber hier sind genug attraktive Frauen, um dich über diesen Verlust hinwegzutrösten.«
Sie schoben sich durch die dicht gedrängten Menschen ins angrenzende Zimmer, wobei sie immer wieder von Leuten aufgehalten wurden, die sie begrüßten.
»Oh«, sagte Alexander und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen, »Dina ist auch da! Wieso haben wir sie nicht kommen sehen?«
»Vielleicht war sie schon da. Du wirst mich also überhaupt nicht mehr vermissen, während ich mit deiner Gräfin rede«, sagte Ulrich.
»Dieser Kerl, der Dina gerade anbaggert, kennst du den?«
»Nie gesehen, nein.«
»Sie sieht aus, als gefiele er ihr.«
Ulrich zog es vor, darauf lieber nichts zu erwidern. Seit ungefähr einem Jahr war sein Freund, der kluge Jurist und Betriebswirt Alexander Wittkamp, in die Buchhändlerin Dina Zehrfeld verliebt, schaffte es aber nicht, ihr das zu sagen. Dabei waren sie öfter mit ihr zusammen, Dina war klug und hübsch, quirlig und unternehmungslustig – und bindungsscheu. Zwar verliebte sie sich gelegentlich, aber vor einer festen Beziehung schreckte sie regelmäßig zurück.
Die Wohnung war sehr groß. Drei weitere Zimmer mussten sie durchqueren, bis sie Carlotta von Hedestein mit einem Glas Wein auf einer Fensterbank sitzen sahen. Sie war allein, schien das aber nicht zu bedauern. Mit amüsiertem Gesichtsausdruck beobachtete sie die anderen Partygäste, die in dem weitgehend leer geräumten Zimmer wild tanzten.
Sie war tatsächlich eine Schönheit, dachte Ulrich, als sie sich ihr näherten. Braune Locken umrahmten ein fein gezeichnetes Gesicht mit großen dunklen Augen. Ihrem vollen Mund sah man an, dass er gern lächelte, die Nase war schmal und gerade, über den Augen wölbten sich die Brauen in elegantem Schwung. Sie trug einen kurzen Rock und ein ärmelloses Top, dazu Sandalen. Sie sah, fand er, nicht aus, wie man sich landläufig eine junge Adelige aus standesbewusster Familie vorstellte. Dazu sah sie einfach viel zu … ja, zu normal aus. Sie trug keinen Schmuck, sie war nicht groß geschminkt, sie war eigentlich überhaupt nicht zurechtgemacht. Sie sah aus wie viele junge Frauen, denen man auf der Straße begegnete – mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie sehr viel hübscher war als die meisten.
Sie trank einen Schluck Wein, danach stellte sie das Glas neben sich auf der Fensterbank ab, ohne den Blick von den Tanzenden abzuwenden.
»Hallo, Carl«, sagte Alexander.
Sie war offenbar tief in Gedanken gewesen, denn sie schrak bei dieser Anrede richtig zusammen. Doch schon im nächsten Moment sprang sie auf und fiel Alexander um den Hals. »Alex!« rief sie. »Ich hatte ja keine Ahnung, dass du auch kommen würdest.«
»Danke, gleichfalls. Das ist übrigens mein Freund Ulrich Braun. Uli.«
Ein forschender Blick traf ihn, dann lächelte die junge Gräfin. »Ich bin Carlotta. Nur Alex sagt immer noch Carl zu mir. Damals in der Schule haben sich alle einen Spaß daraus gemacht, mich so zu nennen. Heute sagen die meisten Lotta.«
»Freut mich, dich kennenzulernen, Lotta.«
»Du bist der, der an der Uni unterrichtet, oder?«, fragte sie.
Ulrichs erstaunter Blick wanderte zu Alexander, der sich aber schon wieder den Kopf nach Dina verrenkte und ihn deshalb nicht bemerkte.
»Ja, der bin ich«, bestätigte er. »Ich bin Literaturdozent. Professor werde ich wahrscheinlich nie, weil es zu wenige Stellen gibt.«
Die letzten Worte hatte Alexander gehört, er wandte ihnen wieder seine Aufmerksamkeit zu. »Seine Vorlesungen sind immer voll«, sagte er zu Carlotta, »und seine Fachaufsätze erregen auch regelmäßig Aufsehen. Also lass dir nichts erzählen, er wird garantiert mal Professor.«
»Du siehst nicht so aus, wie ich mir einen Professor vorstelle«, erklärte Carlotta. »Du weißt schon, so ein bisschen schusselig und in Gedanken immer bei seiner Forschung. Ich habe bei dem Wort ›Professor‹ jemanden vor Augen, der irgendwie nicht ganz von dieser Welt ist.«
»Und ich stelle mir unter einer Gräfin eine Frau vor, die im maßgeschneiderten Kostüm mit Seidenbluse an einem zierlichen antiken Tisch sitzt und Tee trinkt, während sie gepflegte Konversation macht«, erwiderte Ulrich.
Carlotta lachte schallend. »Meine Großmutter, meine Mutter, meine Tanten – genau so! Du hast sie treffend beschrieben.« Dann wurde sie wieder ernst und bedachte Alexander mit einem strafenden Blick. »Du hättest ihm nicht gleich erzählen müssen, aus was für einer Familie ich komme!«
»Habe ich eigentlich auch nicht getan, er hat sich das selbst ausgedacht.« Alexander begegnete Ulrichs Blick, woraufhin er sich beinahe verschluckte. »Entschuldigt mich, ja? Ich … es gibt ein paar Leute, die ich noch nicht begrüßt habe.«
Ulrich seufzte, als er ihm nachsah.
»Dina?«, fragte Carlotta.
Er sah sie erstaunt an. »Ach, du weißt davon?«, fragte er.
»Man kann Alex nicht kennen, ohne mit ihm über Dina reden zu müssen«, erklärte sie. »Wir sehen uns nicht so häufig, aber wenn wir uns über den Weg laufen, sind wir nach kurzer Zeit immer bei Dina.« Sie lächelte versonnen. »Aber ich schätze mal, das ist bald vorbei.«
»Was willst du denn damit sagen? Hat Dina sich etwa verliebt?«
»Ja, ich glaube, so könnte man das sagen.«
»Oh nein!«, stöhnte Ulrich. »Dann ist mit Alex in den nächsten Monaten nichts mehr anzufangen! Er lebt ja immer noch von der Hoffnung, dass das eines Tages vielleicht doch noch etwas wird mit ihm und Dina, und jetzt sagst du mir …«
»Ich sage gar nichts!«
»Aber gerade eben hast du doch …« Er brach ab, als er ihren Gesichtsausdruck sah. »Alex ist mein bester Freund, du weißt nicht, was es für ihn bedeuten würde, wenn er sich Dina endgültig aus dem Kopf schlagen müsste.«
»Doch, weiß ich!«, sagte sie. »Warte einfach ab, was passiert, okay? Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Ende der Diskussion.«
»Du kannst ganz schön bestimmend sein, wenn dir etwas nicht passt. Spricht da deine Erziehung aus dir?«
Sie grinste ihn an. »Netter Versuch, nicht schlecht. Aber so leicht lasse ich mich nicht beleidigen.«
»Wieso bist du so normal? Alex hat mir wirklich nicht viel über deine Familie erzählt, aber immerhin erwähnt, dass sie sehr standesbewusst ist.«
»Müssen wir wirklich darüber reden?«, fragte Carlotta. »Das ist so ein unerfreuliches Kapitel!«
»Es interessiert mich.«
»Wieso?«
»Keine Ahnung«, log Ulrich. »Ich erfahre gerne etwas über Lebenswelten, die mir fremd sind.«
»Ich bin in dieser Lebenswelt auch fremd«, murmelte Carlotta. »Als Kind habe ich mir öfter vorgestellt, dass ich bei der Geburt vertauscht worden bin, dass ich also in Wirklichkeit gar nicht zu unserer Familie gehöre. Ich bin aus der Art geschlagen, jedenfalls sagen das meine Verwandten. Sie sind sich da alle einig, und ich finde das auch.«
»Alex sagte, du bist eine Gräfin von Hedestein.«
»Ja. Hedestein-Uhren – das sagt dir doch wahrscheinlich was.«
»Das sagt mir allerdings etwas: Uhren der Luxus-Klasse. Allerdings besitze ich keine.« Er grinste sie an. »Zu teuer.«
»Ich bin die Einzige, die nicht ins Familienunternehmen einsteigen wollte«, erklärte Carlotta, wobei sie sich die wilden Locken aus dem Gesicht strich. »Meine drei Brüder sind alle im Unternehmen tätig, meine Eltern ebenfalls, selbst meine Großmutter mischt noch mit. Nur ich fand die Uhren zwar immer schön, aber ich wollte mich beruflich nicht damit beschäftigen.«
»Und was machst du?«
»Ich mache gerade meine Facharzt-Ausbildung zur Kinderärztin, bald bin ich fertig. Noch arbeite ich in einem Krankenhaus, als angestellte Ärztin, aber ich will später meine eigene Praxis eröffnen.«
»Sieh mal einer an. Du siehst viel zu jung aus, um schon beinahe Fachärztin zu sein.«
»Ach, das täuscht«, sagte Carlotta. »Jedenfalls bin ich selbstständig, ich kann mich ernähren, ich brauche die Familie nicht. Das war mir schon immer wichtig.«
»Magst du sie nicht? Deine Familie?«
»Ich weiß nicht, wie es dir gehen würde, wenn dir immer klar gemacht würde, dass du irgendwie nicht dazu gehörst. Ich war wie ein Kuckuckskind, verstehst du? Ich passe nicht dazu. Wenn es eine Familienfeier gibt, wird mir vorher immer eingebläut, wie ich mich zu verhalten habe, weil man angeblich bei mir ständig damit rechnen muss, dass ich mich daneben benehme. Womit eigentlich nur gemeint ist: dass ich zum Beispiel meine Meinung sage. Dass ich also einem meiner Onkel widerspreche, wenn er wieder einmal dummes Zeug redet, was er regelmäßig tut. Oder wenn ich darauf bestehe, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Dann ist meine Großmutter jedes Mal einer Ohnmacht nahe, obwohl sie für sich selbst diese Rechte unbedingt in Anspruch nimmt. Selbstverständlich sind sie alle sicher, dass ich entweder überhaupt keinen Mann finde, der sich so viel ›Unweiblichkeit‹ bieten lässt – oder, falls wider Erwarten doch, dass er dann keinesfalls in unsere Familie passt.«
»Wenn du also einen bürgerlichen Mann heiraten wolltest, was würde dann passieren?«
»Die Welt würde selbstverständlich untergehen«, erklärte Carlotta mit trockener Stimme. »Was dachtest du denn? Das ist, glaube ich, ihre größte Sorge. Eine ›unstandesgemäße Verbindung‹ bei den Hedesteins ist eine furchtbare Vorstellung für meine Familie. Das ist in den letzten Jahrhunderten nicht ein einziges Mal vorgekommen.«
»Aber selbst in den europäischen Königshäusern sind solche Verbindungen doch mittlerweile üblich und auch kein großes Problem mehr!«
»Bürgerliche Frauen heiraten ein, das stimmt. Sie werden kurzerhand durch die Heirat zu Adeligen – und alles ist gut. Nach zwei Generationen denkt niemand mehr daran. Umgekehrt ist das schwieriger. Zum Glück habe ich noch drei Brüder, die alle genau so geworden sind, wie meine Eltern und meine Großmutter sich das gewünscht haben. Sie haben adelige Frauen, bewegen sich in den richtigen Kreisen, arbeiten im Familienunternehmen. Sie tragen also dazu bei, das Vermögen der Hedesteins zu mehren und den guten Ruf der Familie zu festigen. Da sie mich nicht oft sehen, werden sie auch nicht oft daran erinnert, was für ein Totalausfall ich bin.«
»Du klingst nicht so, als machte dir das viel aus.«
»Spurlos an mir vorbei geht es aber auch nicht. Du kannst dir doch bestimmt vorstellen, dass es für ein Kind und auch noch für einen Teenager eine schwierige Erkenntnis ist, eine Enttäuschung für die Familie zu sein. Man will ja eigentlich so sein wie die anderen und geliebt werden. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich von diesen Vorstellungen befreit hatte. Manchmal schmerzt es trotzdem immer noch.«
»Aber du lebst nicht im Streit mit deinen Eltern, oder?«
