Der falsche Mann! - Viola Maybach - E-Book

Der falsche Mann! E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Mist«, sagte Pauline Feuerbach. »Ich dachte, wir gehen da zusammen hin.« »Tut mir leid, das dachte ich auch, und ich hätte natürlich viel mehr Lust, mit dir auf ein Open-Air-Festival zu gehen als zu meiner Oma zu fahren.« Paulines Freundin Pia Gregorius zog die Augenbrauen zusammen. »Aber es ist ihr Achtzigster, sie feiert ganz groß, und sie wäre sehr gekränkt, wenn ich nicht käme. Ich habe den Termin einfach verschwitzt und bin schon froh, dass es niemand gemerkt hat. Wenn meine Mutter neulich nicht gefragt hätte, ob ich bereit wäre, auf dem Geburtstag eine Rede zu halten …« Pia brach ab und lächelte verlegen. »Ich hätte beinahe gefragt: ›Wieso das denn? ‹ Zum Glück hat meine Mutter gleich weitergeredet und gesagt, schließlich sei der Achtzigste ja ein besonderer Geburtstag, deshalb fände sie es schön, wenn ich ihrer Mutter zu diesem Anlass eine besondere Freude bereiten würde. Da ist mir das erst wieder eingefallen.« »Schade«, sagte Pauline. »Vielleicht gehe ich dann auch nicht. Ohne dich ist es einfach nicht dasselbe.« »Quatsch, natürlich gehst du dahin. Du triffst garantiert lauter Leute, die du kennst, und es treten ja ganz tolle Bands auf. Du wirst überhaupt nicht merken, dass ich nicht dabei bin.« Pauline seufzte.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Der neue Dr. Laurin – 107 –Der falsche Mann!

Unveröffentlichter Roman

Viola Maybach

»Mist«, sagte Pauline Feuerbach. »Ich dachte, wir gehen da zusammen hin.«

»Tut mir leid, das dachte ich auch, und ich hätte natürlich viel mehr Lust, mit dir auf ein Open-Air-Festival zu gehen als zu meiner Oma zu fahren.« Paulines Freundin Pia Gregorius zog die Augenbrauen zusammen. »Aber es ist ihr Achtzigster, sie feiert ganz groß, und sie wäre sehr gekränkt, wenn ich nicht käme. Ich habe den Termin einfach verschwitzt und bin schon froh, dass es niemand gemerkt hat. Wenn meine Mutter neulich nicht gefragt hätte, ob ich bereit wäre, auf dem Geburtstag eine Rede zu halten …« Pia brach ab und lächelte verlegen. »Ich hätte beinahe gefragt: ›Wieso das denn?‹ Zum Glück hat meine Mutter gleich weitergeredet und gesagt, schließlich sei der Achtzigste ja ein besonderer Geburtstag, deshalb fände sie es schön, wenn ich ihrer Mutter zu diesem Anlass eine besondere Freude bereiten würde. Da ist mir das erst wieder eingefallen.«

»Schade«, sagte Pauline. »Vielleicht gehe ich dann auch nicht. Ohne dich ist es einfach nicht dasselbe.«

»Quatsch, natürlich gehst du dahin. Du triffst garantiert lauter Leute, die du kennst, und es treten ja ganz tolle Bands auf. Du wirst überhaupt nicht merken, dass ich nicht dabei bin.«

Pauline seufzte. »Abwarten. Mal sehen, wie ich mich am Samstag fühle.«

»Großartig natürlich.«

Sie sahen einander an und lachten wie auf Kommando. Pauline und Pia waren schon zusammen zur Schule gegangen, hatten sich auch während ihrer unterschiedlichen Ausbildungen nicht aus den Augen verloren, und noch immer waren sie die besten Freundinnen. Pia hatte sich nach dem Abitur eine Zeit des ›Herumstreunens‹, wie sie es nannte, gegönnt und schließlich, zum Entsetzen nicht nur ihrer ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer, ein Tattoo-Studio aufgemacht. Damit war sie enorm erfolgreich. Sie hatte eine künstlerische Ader, ihre Tattoos waren berühmt. Wer sich bei ihr eins stechen lassen wollte, musste Wartezeiten in Kauf nehmen, dabei arbeitete sie oft genug auch noch an den Wochenenden.

Auch ihre Familie war zuerst sehr unglücklich über ihre Berufswahl gewesen, doch nun, da Pia so erfolgreich war, hatten sich alle damit abgefunden. Insgeheim waren ihre Eltern sogar stolz auf die tüchtige Tochter.

Pauline war, wie Pia, künstlerisch interessiert und auch begabt, sie hatte eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht und war Kostümbildnerin am Theater geworden. Dort, wo es oft genug auch chaotisch zuging, kam ihr ihre Ordnungsliebe sehr zugute. Pia und sie sprachen oft über die sehr unterschiedlichen Anforderungen in ihren Berufen, aber immer wieder entdeckten sie auch Gemeinsamkeiten, und sie gaben sich gegenseitig Anregungen.

»Uns bringt nichts auseinander!«, hatte Pia einmal gesagt, Pauline teilte diese Überzeugung.

Sie hätten Schwestern sein können, Pauline mit den kurzen schwarzen Haaren und Pia mit den dunkelbraunen Locken. Braune Augen hatten sie beide, darüber fein gezeichnete, dichte Augenbrauen, und wer wollte, sah in ihren Gesichtern vor allem Ähnlichkeiten. Pias Wangen waren runder, der Mund war größer, die Nase schmaler, aber das waren auch schon die größten Unterschiede im Aussehen.

Was ihr Wesen betraf, waren sie freilich sehr verschieden. Pauline war bestens organisiert, sie kam nie zu spät, legte Aktenordner für wichtige Unterlagen an, und sie hatte genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Leben: Sie würde sich nicht zu früh binden, damit sie später nicht glaubte, etwas versäumt zu haben. Sie würde einen Mann heiraten, der mindestens fünf Jahre älter war als sie. Gut musste er aussehen, möglichst groß musste er sein, und sie musste sich auf ihn verlassen können. Natürlich sollte er verrückt nach ihr sein. Ihr erstes Kind würde sie mit zweiunddreißig bekommen, zwei Jahre später noch eins, danach wäre die Familienplanung abgeschlossen, denn sie wollte berufstätig bleiben. Schließlich hatte sie ihre Ausbildung nicht gemacht, um anschließend das Haus und die Kinder zu hüten. Und sie liebte das Theater, sie konnte sich nicht vorstellen, darauf zu verzichten.

Pia war in allem das Gegenteil, sie war eine Chaotin, aber niemand konnte ihr deshalb böse sein. Sie kam zu spät, sie vergaß Verabredungen, ständig suchte sie etwas, denn bei ihr hatte nichts einen festen Platz. Sie trug bunte, unkonventionelle Kleidung, die sie sich auf Flohmärkten oder in Secondhandgeschäften zusammenstellte, aber sie hatte, was viele verwunderte, nicht ein verstecktes Tattoo.

Ihre Wohnung war ein einziges Durcheinander, und so war es nicht verwunderlich, dass auch ihr Liebesleben chaotisch war. Sie konnte sich aus dem Stand ›wahnsinnig‹ verlieben, aber schon drei Tage später war alles vorbei. Trotzdem kam sie bestens durchs Leben, obwohl sie manchmal aneckte. Und: Wenn es um ihr Geschäft ging, war sie hundertprozentig zuverlässig – da vergaß sie nichts, kam nicht zu spät, alles war peinlich sauber.

Pauline hingegen kleidete sich klassisch, in ihrer Wohnung war alles an seinem Platz, und sie hatte bislang erst zweimal ihr Herz verloren – freilich jeweils an den falschen Mann. Die Beziehungen hatten nicht lange gedauert, sie war beide Male froh über das Ende gewesen. Insgeheim hatte sie sich auch schon einmal gefragt, ob sie nicht ein Mensch war, der besser allein lebte. Doch das konnte sie sich dann für ihr ganzes Leben auch wieder nicht vorstellen.

»Vielleicht wird ja das Wetter schlecht«, sagte sie jetzt, »dann gehe ich sowieso nicht.«

»Ruf doch ein paar Leute an und geh mit denen hin«, schlug Pia vor.

Aber Pauline schüttelte den Kopf. »Ich lasse es auf mich zukommen.« Da sie sich keine weiteren Vorschläge von Pia anhören wollte, fragte sie: »Hast du die Rede für deine Oma schon fertig?«

Pia sah sie verwundert an. »Fertig? Wie meinst du das?«

»Na ja, weißt du schon, was du sagen wirst?«

»So ungefähr schon. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken, wenn ich dastehe und meine Oma ansehe, fällt mir schon was ein.«

Das war, dachte Pauline, wieder einmal typisch: Sie selbst hätte sich hingesetzt und eine Rede geschrieben, daran gefeilt, bis jedes Wort saß – und sie dann möglichst auswendig vorgetragen. Pia würde sich einfach hinstellen und anfangen zu reden, und die Leute würden sich amüsieren, lachen, sich freuen und am Ende die Oma hochleben lassen. Und alle würden mehr als zufrieden sein, auch wenn es keine perfekte Rede gewesen war. Aber vermutlich würde sie das sogar sein.

»Du könntest aus ihrem Leben erzählen.«

Pia schüttelte den Kopf. »Ich kann nur über das reden, was ich selbst erlebt habe. Ich glaube, ich rede über das Essen, das sie mir immer gekocht hat, wenn ich allein mal länger bei ihr zu Besuch war. Sie hat mir lauter Lieblingsessen gekocht, auch Lieblingsnachtisch, ich durfte mir jeden Tag was wünschen. Das war lange unser Geheimnis. Ich weiß noch, als meine Mutter dahintergekommen ist: Sie war empört und hat wochenlang nicht mehr mit meiner Oma geredet. Sie hat ihr vorgeworfen, mich zu verwöhnen, und deshalb sei sie schuld daran, dass ich zu Hause noch wählerischer als ohnehin schon mit dem Essen geworden war. Heute lachen wir darüber, aber damals war das eine ernste Sache. Ich glaube, es ist rausgekommen, weil ich aus einem dieser Urlaube ziemlich pummelig nach Hause gekommen bin. Kein Wunder: Jeden Tag Eis oder Pudding oder Himbeercreme, Honigkuchen …«

Pia verdrehte bei der Erinnerung schwärmerisch die Augen. »Da hat es auch nicht mehr geholfen, dass ich den ganzen Tag unterwegs war, ein paar Kilos sind offenbar hängen geblieben. Aber meine Mutter hat dafür gesorgt, dass sie ruckzuck wieder verschwunden sind.«

Pauline stellte sich die kleine Pia vor, wie sie sich bei ihrer Oma begeistert all das Essen hineinstopfte, das es zu Hause nur in Ausnahmefällen gab. »Das ist eine gute Idee«, sagte sie. »Es wird den Gästen deiner Oma gefallen, wenn sie so eine Geschichte hören.«

»Mal sehen«, sagte Pia. »Vielleicht erzähle ich ja auch, wie wir immer Verkleiden gespielt haben.« Sie warf einen Blick auf die Uhr und sprang auf. »Ich muss los, Paule«, sagte sie.

»Ich habe auch nicht mehr viel Zeit«, erwiderte Pauline. »Eins der Kostüme für die heutige Vorstellung hat einen Riss bekommen, und die Hauptrolle klagt, dass sie keine Luft kriegt, weil das Oberteil des Kleides zu eng ist. Wenn du mich fragst: Sie hat zugenommen, aber das würde sie nie zugeben.«

Pia lachte, umarmte Pauline stürmisch, wie es ihre Art war, und verließ im Laufschritt die Wohnung.

Pauline blieb noch einen Moment sitzen und nippte an ihrem Kaffee. Eine halbe Stunde Zeit blieb ihr noch, so eilig wie ihre Freundin hatte sie es nicht. Ihre Gedanken wandten sich noch einmal dem kommenden Wochenende zu. Wahrscheinlich würde sie sich das Festival im Park sparen. Ohne Pia würde es nur halb so lustig sein wie mit ihr.

Andererseits: Sie hatte das ganze Wochenende frei, und die Bands würden praktisch vor ihrer Haustür im Münchener Südwesten auftreten, in ihrem persönlichen Münchner Lieblingspark, den sie von ihrem Wohnzimmer aus sehen konnte. Der Park war so etwas wie das natürliche Zentrum dieser Gegend, hier traf man sich zum Joggen, Ballspielen, Picknicken, Spielen oder auch nur zum Spazierengehen. Und nun eben auch, um Musik zu hören.

Sie stand auf, um die Kaffeetassen wegzuräumen. Es waren ja noch ein paar Tage bis zum Festival, sie musste die Entscheidung noch nicht jetzt fällen.

*

»Kann ich mit euch gehen?«, fragte Kyra Laurin, nachdem ihre älteren Geschwister beim Abendessen ausführlich erörtert hatten, dass sie am Wochenende das Open-Air-Festival im Park besuchen wollten. Kyras Stimme war leise, sie sah unsicher von einem zum anderen, denn sie ahnte, dass die anderen lieber ohne sie gehen wollten. Sie war erst elf und somit für Teenager bei solchen Veranstaltungen eher ein Klotz am Bein.

Ihre Eltern Antonia und Leon Laurin hatten bislang keine Einwände gegen die Pläne ihrer Kinder erhoben. Die Zwillinge Kaja und Konstantin waren mit ihren sechzehn Jahren alt genug, um solche Veranstaltungen zu besuchen. An den Wochenenden waren sie regelmäßig unterwegs, meist mit einer Gruppe von Freundinnen und Freunden. Kevin, der drei Jahre jünger war, ging gern mit seiner Freundin Emma ins Kino, auch da legten ihm die Eltern keine Steine in den Weg. Und da das Festival bereits am späten Nachmittag begann, sahen sie keinen Grund, ihm den Besuch zu verbieten.

Kyra freilich war in ihren Augen zu jung, um allein auf eine solche Veranstaltung zu gehen, zumal sie nicht nur die Jüngste, sondern auch die Stillste in der Familie war. Zwar wurde auch sie immer selbstbewusster, aber gegen ihre lebhaften und meinungsstarken Geschwister hatte sie es in der Regel schwer. Wenn nicht Kevin sich jedes Mal auf ihre Seite geschlagen hätte, wäre sie den schon fast erwachsenen Zwillingen bei Auseinandersetzungen nicht gewachsen gewesen. Sie war schon etwas zurückhaltend.

Dieses Mal jedoch zögerte auch Kevin. Antonia konnte den Widerstreit der Gefühle von seinem Gesicht ablesen. Natürlich wollte er lieber mit Emma allein sein, seiner ersten großen Liebe, mit der er in einem Fußballteam zusammenspielte. Aber er fühlte sich auch Kyra verpflichtet, deshalb war er hin- und hergerissen.

»Ich wollte auch hingehen, Mäuschen«, sagte sie daher. »Wollen wir beide das zusammen machen?«

Kyra strahlte, vor allem, als auch Leon bekundete, er werde sich anschließen. Die drei älteren Kinder der Familie Laurin atmeten erleichtert, aber auch dankbar auf. Sie liebten ihre kleine Schwester, aber bei einem Open-Air-Festival, das sie mit Gleichaltrigen besuchen wollten, konnten sie eine Elfjährige, um die sie sich würden kümmern müssen, nun wirklich nicht gebrauchen.

Es kam dann sogar noch besser für Kyra, denn wenig später bekam sie eine Nachricht von ihrem besten Freund Peter Stadler, der sie fragte, ob sie mit ihm und seiner Mutter Britta das Festival besuchen wolle. Das war eine unerwartete und nicht nur für Kyra erfreuliche Wendung der Geschichte, sondern auch für ihre Eltern, die mit Britta befreundet waren. So würde das Konzert also einen willkommenen Anlass bieten, sich endlich wieder einmal zu sehen. Das letzte Treffen lag schon eine ganze Zeit zurück, alle hatten zu viel zu tun, immer wieder hatte es Hindernisse für eine Verabredung gewesen. Aber nun würde es endlich klappen.

»Super«, sagte Konstantin, »dann sind wir ja alle bestens untergebracht.«

Kyra, der nun endlich ein Stein vom Herzen gefallen war, lud sich den Teller noch einmal richtig voll. Vorher hatte sie keinen rechten Appetit gehabt, doch nun verputzte sie das Essen in Windeseile. Es war köstlich wie immer, denn Simon Daume hatte es vorbereitet, der junge Mann, der Familie Laurin den Haushalt führte, seit Antonia wieder arbeitete.

Kyra und Simon hatten ein sehr enges Verhältnis zueinander, denn sie sahen sich jeden Tag, da sie als Erste aus der Schule kam: Simon stand dann noch in der Küche und war mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt. In dieser halben Stunde, bevor er nach Hause fuhr, sprachen sie über alles, was sie bewegte. Kyra erzählte aus der Schule, Simon berichtete, was ihm beim Einkaufen widerfahren war oder wie es seinen beiden jüngeren Schwestern ging, für die er verantwortlich war, seit die Eltern vor drei Jahren innerhalb weniger Monate beide verstorben waren. An Gesprächsstoff mangelte es ihnen nie. Oft bat Simon Kyra auch um ihre Meinung zu einem neuen Gericht, das er sich ausgedacht hatte. Später würde er einmal sein eigenes Restaurant führen, und es stand für jedes Mitglied der Familie Laurin außer Frage, dass er damit den allergrößten Erfolg haben würde.

»Das war lecker!«, sagte Kyra strahlend. »Ihr glaubt gar nicht, wie ich mich auf den Samstag freue.«

»Wir freuen uns alle«, sagte Kaja, die sich, wie ihre beiden Brüder, ein bisschen schämte, weil sie Kyra nicht hatte mitnehmen wollen.

Natürlich wussten alle drei, dass sie es vor allem ihrer Mutter zu verdanken hatten, dass jetzt keine weinende und bitter enttäuschte kleine Schwester mit ihnen am Tisch saß.

*

»Vielleicht gehe ich auf dieses Open-Air-Festival«, sagte Clemens Schütte zu seiner besten Freundin Felicitas Mahler, die er an diesem Abend zum Essen eingeladen hatte. »Es ist nur blöd, dass ich am Sonntag Frühdienst habe, es sind so viele krank, dass sie mich einteilen mussten. Eigentlich ist das ja während der Ausbildung nicht vorgesehen.«