Der galaktische Impuls - Curt Carstens - E-Book

Der galaktische Impuls E-Book

Curt Carstens

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Beschreibung

Der galaktische Impuls SF-Roman von Curt Carstens Der Umfang dieses Buchs entspricht 214 Taschenbuchseiten. Der Friedensvertrag zwischen dem Kelradan-Imperium und den Terranern ist brüchig. Das zeigt sich, als ein Impuls ausgelöst wird, der quer durch die Galaxis rast und sämtliche Technik der Alienwandler zum Erliegen bringt. Damit sind die Menschen auf Planet 1 völlig abgeschnitten und in akuter Gefahr. Um zu überleben, die Erde zu informieren und zu fliehen, brauchen sie einen Raumjäger, den die Kelradan nicht freiwillig hergeben wollen. Ein Himmelfahrtskommando macht sich auf den Weg...

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Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Der galaktische Impuls

Curt Carstens

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Der galaktische Impuls | SF-Roman von Curt Carstens

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

Epilog

Further Reading: 30 Sternenkrieger Romane - Das 3440 Seiten Science Fiction Action Paket: Chronik der Sternenkrieger

About the Publisher

Der galaktische Impuls

SF-Roman von Curt Carstens

Der Umfang dieses Buchs entspricht 214 Taschenbuchseiten.

Der Friedensvertrag zwischen dem Kelradan-Imperium und den Terranern ist brüchig. Das zeigt sich, als ein Impuls ausgelöst wird, der quer durch die Galaxis rast und sämtliche Technik der Alienwandler zum Erliegen bringt. Damit sind die Menschen auf Planet 1 völlig abgeschnitten und in akuter Gefahr. Um zu überleben, die Erde zu informieren und zu fliehen, brauchen sie einen Raumjäger, den die Kelradan nicht freiwillig hergeben wollen. Ein Himmelfahrtskommando macht sich auf den Weg...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1.

Twist strahlte gelblich am Himmel über Planet 1. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Stern keine echte Sonne war, sondern eine künstliche Sonnenkorona, in deren Innerem sich ein Planet verbarg! Ortungstechnisch war dieser Planet nicht zu erfassen, und selbst ausgefuchste Astroexperten hielten die siebte Sonne der Sonnenbrücke für echt – bis ihnen klargemacht wurde, um welches Phänomen es sich tatsächlich handelte.

Die Alienwandler, jenes rätselhafte Volk, das vor rund tausend Jahren aus der Galaxis verschwunden war und alle seine Stützpunkte und technischen Relikte zurückgelassen hatte, nicht aber auch nur die Spur einer Abbildung, die Hinweise auf das Aussehen dieser Wesen geben konnte – dieses Volk hatte einst nicht nur Twist »konstruiert«, sondern die komplette Sonnenbrücke!

Neun Sonnen, die von ihren ursprünglichen Positionen entfernt worden waren, um in eine lange Reihe gebracht zu werden – unvorstellbar für menschliche Fantasie das technische Können, das hinter dieser Unternehmung steckte. Aber hatten die Alienwandler mit dem längst noch nicht erforschten Sternbild der Sterne und auch mit dem Schaffen von sternenleeren Räumen, die auf dem Weg zur »Zweiten Galaxis« als Transitionsinseln dienten, nicht noch größere Wunder vollbracht?

Jene Alienwandler, von denen es hieß, Martin Takener habe sie in der besagten Zweiten Galaxis aufgespürt und die letzten Überlebenden des aussterbenden Volkes nach Terra gebracht. In die Zweite Galaxis, die seit Äonen mit der heimatlichen Milchstraße kollidierte, was von Terra aus nie von Astronomen hatte beobachtet werden können, sollten sich die letzten Alienwandler vor langer Zeit zurückgezogen haben. Auch auf anderen inzwischen von Menschen besiedelten Planeten oder an Bord von Raumschiffen hatte niemand dieses Phänomen registriert, weil das Zentrum der Milchstraße mit seiner Sternenballung und den Materiewolken jede direkte Sicht auf die so nahe zweite Sterneninsel verhinderte.

So zumindest hieß es in den Nachrichten, die von der Erde zur Sonnenbrücke kamen.

Zu diesen Sonnen, von denen jede zweite auch Planeten besaß, und die im Abstand von jeweils 2,01 Lichtjahren aufgereiht waren wie Perlen an einer Schnur. Die Sonnen waren durch ein rot leuchtendes, schlauchförmiges, diffuses Strahlenfeld miteinander verbunden – genauer gesagt, durch zwei dieser Felder, die jedoch wie ein einziger Schlauch wirkten, obwohl sie aus beiden Richtungen kommend an der siebten, falschen Sonne namens Twist endeten.

Über diesen energetisch-gravitatorischen Hohlschlauch wurde von den acht anderen Sonnen Energie an die siebte geliefert!

Gigantische Energiemengen, denn die künstliche Korona war auch ein gigantischer Energiefresser, der, um den Anschein einer echten Sonne aufrecht zu erhalten, immerhin so viel Licht und Wärme abzustrahlen hatte wie jeder normale F-Stern!

Valerie Nortai, 36 Jahre alt und seit drei Monaten auf Planet 1 stationiert, konnte sich immer noch nicht an den Gedanken gewöhnen, es bei Twist nicht mit einer echten Sonne zu tun zu haben, sondern mit einer falschen, die sogar entsprechende Gravitations- und Massewerte simulierte, um Ortungen und Messinstrumente zu täuschen. Selbst die Supertechnik der Alienwandler konnte diese Tarnung nicht durchdringen, und die Kelradan, die im System der fünften Sonne einen Stützpunkt unterhielten, hatten ebenfalls nicht geahnt, was da wirklich in ihrer Nähe leuchtete, bis Martin Takener mit seiner NOVA GALACTICA, dem Flaggschiff der Terranischen Flotte, in die Sonnenkorona hinein transistiert war.

Nortai hielt den Commander für verrückt!

Was hatte ihn bewogen, diese Transition durchzuführen, die doch nichts anderes als Selbstmord sein musste, da ja auch die Ortungen der NOVA GALACTICA eine normale Sonne angezeigt hatten! Welcher Narr transistierte schon bewusst in eine Sonne hinein?

Das Raumschiff hätte doch im Moment der Rematerialisierung verglühen müssen wie ein Fetzen Papier im Hochofen! Auch das Polysterium, das von den Alienwandler entwickelte Kunstmetall, konnte trotz seines hohen Schmelzpunkts von 143.750° C der Sonnenhitze nicht lange widerstehen.

Dass Takener einen Hinweis erhalten hatte, ahnte Nortai nicht. Selbst die Besatzung der NOVA GALACTICA war ahnungslos, weil der Commander niemals darüber gesprochen hatte, von wem er diesen Tipp bekommen hatte.

Nome, das unsichtbare, rätselhafte Wesen aus Energie und nur einer von vielen Nomen, die den von den Kelradan okkupierten Planeten der fünften Sonne bewohnten, hatte sich nur ihm gezeigt und niemandem sonst; selbst die Kelradan ahnten nicht, dass sie auf dem Planeten nicht allein waren. Zugleich hatte Nome aber auch eine Sperre in Takeners Bewusstsein verankert, die ihn daran hinderte, über seinen Kontakt mit diesem eigenartigen Geschöpf zu sprechen.

Nortai zuckte mit den Schultern. Mochte Commander Takener verrückt sein und ein lebensmüder Hasardeur – sie ging es wenig an. Sie hatte auf Planet 1 ihre Arbeit, war per Transmitter schon einige Male mit den Wissenschaftlerteams auf Twist zusammengetroffen und wartete darauf, dass ihre Dienstzeit hier endete und sie anderswo eingesetzt wurde.

Hier passierte doch nichts!

Seit Terra und das Kelradan-Imperium den Friedensvertrag unterzeichnet hatten, hielten sich die Kelradan in der Sonnenbrücke zurück und verzichteten auf jegliche Kontaktaufnahme – in welcher Form auch immer diese zu erwarten gewesen wäre. Die Terraner verzichteten ebenfalls darauf, über Hyperfunk Smalltalk mit den Kelradan zu führen, aber sicherheitshalber flog ständig mindestens ein Orbis-Raumer Patrouille im Bereich der Sonnenbrücke, mit spezieller Aufmerksamkeit für die fünfte Sonne und ihre Planeten.

Natürlich hielten die Kelradan es nicht anders – auch sie hatten permanent einen oder zwei ihrer Duosphärenraumer im All.

Nortai fragte sich, wann sie Verstärkung erhielten. Als Orr-Gi Twist angreifen ließ, weil er die Transitionsdaten der NOVA GALACTICA erhalten hatte, waren sämtliche Schiffe der Invasionsflotte zerstört oder ins Hy-Kon geschleudert worden, was sicher auf dasselbe hinaus lief. Damit war die hier stationierte Kelradan-Flotte drastisch dezimiert worden. Aber scheinbar dachte auf Sundovan niemand daran, Ersatz zu entsenden.

Vielleicht, dachte Valerie Nortai, liegt’s am Siklu, diesem Supercomputer, der die Geschicke des Kelradan-Reiches gesteuert hat, bis Takener und dieser Tolun Dro Cmic das verflixte Ding größtenteils lahmlegten.

Doch das war nicht ihr Problem. Solange die Kelradan keine Verstärkung bekamen, bedeuteten sie eine eher geringe Gefahr – Nortai war nicht so naiv zu glauben, der Friedensvertrag habe für alle Zeiten Gültigkeit.

Aber solange Orr-Gi keine neue Flotte zur Verfügung gestellt wurde, waren die Terraner zumindest nicht unterlegen. Zwanzig S-Kreuzer hatte die TF hier stationiert. Die besaßen eine beachtliche Schlagkraft. Ein Raumer lag in ständiger Bereitschaft auf Planet 1, die anderen, die nicht gerade Patrouille flogen, befanden sich auf dem Planeten Twist im Inneren der künstlichen Sonnenkorona.

Offiziell hieß es natürlich, dass die Orbis-Raumer einen eventuellen Angriff der unsichtbaren Riesenstationen abwehren sollten, die derzeit die Galaxis unsicher machten. Dem war sicher auch so – inoffiziell dagegen dienten die Kreuzer auch dem Schutz vor eventuellen Übergriffen der Kelradan.

Denn an sich war Twist durchaus in der Lage, sich und das Planetensystem zu schützen. Das hatte diese gigantische Anlage nachhaltig unter Beweis gestellt, als sie seinerzeit Commander Takener mental zwang, zum KI-Master der Station in Twists Planetenkern zu werden und ihn die Invasionsflotte der Kelradan ins Hy-Kon schleudern ließ!

Nortai wagte nicht, sich vorzustellen, wie Takener sich dabei gefühlt haben musste. Noch weniger, wie es war, als KI-Master zu fungieren! Denn war der KI-Master nicht eigentlich dieser Superrechner in der NOVA GALACTICA? Der galt doch als einmalig im Universum!

Nortai war sich nicht sicher, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Die wenigsten Menschen wussten überhaupt davon. Sie hatte die Story von Oberleutnant Derrod gehört, der ursprünglich zur Besatzung der NOVA GALACTICA gezählt hatte, dann aber im Twist-System geblieben war – auf eigenen Wunsch, um diesen Stützpunkt für Terra aufzubauen.

Einen Stützpunkt, der auf Terra zum Streitfall geworden war.

Die TF - die Terranische Flotte -  hätte liebend gern eine größere Flotte und wesentlich mehr »Bodenpersonal« hier stationiert, um die terranische Präsenz in der Sonnenbrücke zu verstärken und den Kelradan klarzumachen, dass sie hier nur noch Nummer zwei waren. Aber der extrem schwindsüchtige Finanzhaushalt ließ das nicht zu. Wer sollte einen solchen Einsatz bezahlen? Wie sollten die Finanzmittel gerechtfertigt werden? In den Ministerien wurden die Stimmen immer lauter, die forderten, das 300-köpfige Wissenschaftlerteam komplett abzuziehen und die terranische Präsenz in der Sonnenbrücke auf reine Anwesenheit und Gebietsanspruch zu reduzieren.

»Glauben Sie im Ernst, es würde reichen, die terranische Flagge auf Twist zu hissen, damit andere unsere Ansprüche respektieren?«, hatte Marschall Boulder gepoltert. »Glauben Sie im Ernst, dass wir auf die Erkenntnisse, die wir in diesem High-Tech-Bereich gewinnen können, verzichten dürfen?«

Langfristig sah es so aus, als habe er gegen Wände gepredigt. Die Regierung war eher gewillt, diese Hochtechnologie aufzugeben, als ein finanzielles Risiko einzugehen, dessen Erfolg sich frühestens in zehn oder zwanzig Jahren zeigen würde. Auch wenn Martin Takener die letzten Alienwandler, die sich Later nannten, nach Terra geholt haben sollte, war es fraglich, ob unter ihnen gerade die Spezialisten waren, die sich mit der in der Sonnenbrücke verwendeten Supertechnologie auskannten.

Aber was sollte es? Man hatte ja den Industriedom auf Passion, man hatte Yardley, man hatte Norre-1, und die Kelradan saßen doch schon so viel länger in der Sonnenbrücke und hatten auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse daraus ziehen können – nur vergaß jeder dieser Pfennigfuchser dabei, dass die Kelradan das Geheimnis der 7. Sonne nie entdeckt hatten, und gerade in ihr steckte die Supertechnologie. Das, was auf den Planeten der anderen acht Sonnen zu finden war, war relativ wertlos.

Nortai seufzte. Alles, was auf Terra entschieden wurde, bekam sie sowieso nicht mit. Sie war nur eine kleine GASIOR-Spezialistin in der Uniform einer TF-Angehörigen. GASIOR stand für GALAKTISCHE SICHERHEITS-ORGANISATION und bezeichnete den Geheimdienst der TF, der Terranischen Flotte. Sie wusste schon deutlich mehr als die Wissenschaftlerteams und Colonel János Bèrev, aber auch sie musste sich auf das wenige verlassen, was sie in verschlüsselter Form von der Zentrale der Galaktischen Sicherheitsorganisation in Terra Town erreichte.

Sie sah auf ihr Chrono. Noch drei Stunden, dann würde die STAHLTÄNZER wieder auf Planet 1 landen. Zurück von der Patrouille. Sie grinste; den ungewöhnlichen Namen für seinen Orbis-Raumer hatte Captain Wimussa gegen alle Einwände des Flottenstabs durchgesetzt. Wimussa war ohnehin ein verrückter Hund. Eine Weile waren Nortai und der Captain zusammen gewesen, hatten sich dann auseinandergelebt, aber Sympathie empfanden sie immer noch füreinander. Araz Wimussa empfand keine Eifersucht darüber, dass Nortai inzwischen einen anderen Partner hatte.

Da würde es wohl eher ein Drama werden, wenn Nortai routinemäßig auf einen anderen Stützpunkt versetzt würde. Denn Igor Wonkrob würde hierbleiben müssen.

Immerhin hatte Wonkrob nichts dagegen, wenn sich Nortai hin und wieder noch mit Wimussa traf.

Noch drei Stunden ...

Und alle waren sie ahnungslos ...

*

DIE STAHLTÄNZER OPERIERTE in der Nähe der 5. Sonne. Nichts als Routine für Captain Wimussa und seine Mannschaft, die unter chronischem Personalmangel litt. Kein Wunder, expandierte die Terranische Flotte doch in fast unvorstellbarem Maß, seit Martin Takener in einer waghalsigen Aktion einige tausend Robotraumer der Alienwandler in Terras Besitz gebracht hatte. Diese S-Kreuzer wurden in fliegender Eile umgerüstet, bemannt und – ja, und Marschall Boulder wusste kaum noch, woher er die Mannschaften nehmen sollte. Ein Hoffnungsschimmer waren die Roboter, die Sillaw Industries produzierte, aber das Angebot hinkte der Nachfrage weit hinterher, und die Roboter kosteten auch eine Menge Geld, über das die TF nicht verfügte.

Die NOVA GALACTICA, das Flaggschiff, besaß eine 200-köpfige Mannschaft. Damit konnten vier Dienstschichten abgedeckt werden. Die S-Kreuzer ließen sich mit 20 bis 30 Mann Besatzung fliegen – wenn sie denn zur Verfügung standen. Wimussas Mannschaft bestand aus gerade mal fünfzehn Leuten. Also fünf pro Achtstundenwache. Mithin drei für die Funk-Z, drei für die Ortung, drei für die Zentrale, drei für den Maschinenraum und drei für die Waffensteuerungen, von denen eben nur eine besetzt werden konnte. Im Alarmfall würde Wimussa logischerweise auch die Freiwachen aus den Kabinen scheuchen, aber allein in der Zentrale war der Normalflug schon schwierig. Wo in den Beuteraumern aus der Hinterlassenschaft der Titans wenigstens zehn Personen in der Zentrale zu tun hatten und auch in der NOVA GALACTICA noch mindestens vier Menschen Vollbeschäftigung hatten, musste Wimussa mit einem Besatzungsmitglied auskommen.

Und er selbst brauchte hin und wieder ebenfalls Schlaf; in dem Fall war der jeweilige Pilot allein auf sich gestellt.

Wie ihm erging es unzähligen anderen Kapitänen der alienwandlerischen Superkreuzer. Wimussa wurde vom Neid gepackt, wenn er daran dachte, wie die Flaggschiffe von Geschwaderführern wie Clark, Szardak oder Nesral personell ausgestattet waren. Die hatten hundert Mann Besatzung an Bord!

Andererseits – ohne diese personelle Notlage hätte Wimussa ein eigenes Kommando vermutlich erst in zehn oder zwanzig Jahren bekommen. Er wäre als 2. oder vielleicht 1. Offizier auf anderen Raumern mitgeflogen. Als die TF aber plötzlich vor der Chance stand, Tausende von Raumern einfach so übernehmen zu können, drehte sich das Karussell plötzlich im Wahnsinnstempo. Leute wie Araz Wimussa konnten Raumschiffe fliegen und besaßen Führungseigenschaften – und schon war er nicht mehr Leutnant, sondern gleich Captain und bekam ein eigenes Schiff!

Wirklich froh darüber konnte er trotzdem nicht werden. Es war einfach zu schnell gegangen. Er war ins kalte Wasser gestoßen worden, bevor er richtig schwimmen gelernt hatte. Er fühlte sich noch nicht bereit für seine Aufgabe, und irgendwie war er froh, es nur mit einer 15-köpfigen Mannschaft zu tun zu haben. Unter normalen Umständen, ohne Kommando, wäre er durchaus gut mit einer Hundertschaft klar gekommen. Jetzt aber kam die Verantwortung als Kapitän hinzu. Sein Schiff war Teil einer Sicherungsflottille direkt im Feindgebiet.

Nun gut, »Feindgebiet« durfte niemand sagen, da es ja einen Vertrag mit den Kelradan gab. Aber wer wollte diesem Vertrag schon trauen? Die Kelradan hatten in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass sie ihren Machtanspruch mit niemandem teilen wollten. Was auch immer der Commander und seine Diplomaten auf Sundovan erreicht hatten – Sundovan und Terra waren Politik, das hier war die Wirklichkeit.

Der potentielle Gegner war nur 4,02 Lichtjahre entfernt – nur zwei Sonnensysteme weiter ...

»Strukturerschütterung!«, meldete Casanuova von der Ortung. »Fremdobjekt materialisierte. Energiespektrum zeigt ... A-Technik. Fliegt mit RMD in Richtung Planet 5.«

»Spezifizieren!«, verlangte Wimussa, der mit der Meldung unzufrieden war, weil A-Technik nicht nur von Terranern, sondern auch von den Kelradan verwendet wurde – und bisweilen noch von Automaten der Alienwandler selbst, wie der Angriff der Robotflotte auf Terra vor nicht ganz einem Dreivierteljahr gezeigt hatte.

Wie lange lag das nun schon zurück?

Damals hatte Takener einen Teil der Robotraumer gekapert – eines dieser Schiffe kommandierte jetzt Wimussa – und war dem sich zurückziehenden Rest gefolgt, war dabei aber auf die Sonnenbrücke gestoßen und hier praktisch »hängengeblieben«. Wohin die anderen Robotraumer verschwunden waren, wusste bis heute kein Mensch.

Das schien alles eine Ewigkeit her zu sein!

»Scheint ein Raumjäger zu sein ...«

»Scheint? Casanuova, hätten Sie die Freundlichkeit, etwas genauer auf die Anzeigen Ihrer Instrumente zu schielen?«

»Scusi, aber die Werte waren undeutlich ... ja, es handelt sich eindeutig um einen Raumjäger, Sir!«

Dumme Ausreden hatte Wimussa auch schon in dem kleinen Dorf hundert Kilometer östlich von Teheran gehört, in dem er aufgewachsen war. Aber Casanuova hatte seinen Fehler korrigiert, und da es keine Gefechtssituation war, ließ es der Captain dabei bewenden.

Ein Raumjäger also.

Die Dinger wurden von den Kelradan geflogen.

Weit größer als ein Spaceflash, wie die kleinen, zweisitzigen Beiboote der NOVA GALACTICA genannt wurden, konnten sie mehr als zehn Personen aufnehmen und waren dabei noch überaus geräumig. Aber Terraner hatten bisher noch auf keinem Planeten oder Stützpunkt der Alienwandler Raumjäger entdecken können, doch auch keine normalen Spaceflash. Konnten diese Mini-Raumboote tatsächlich nur eine Sonderanfertigung für die NOVA GALACTICA gewesen sein?

Immerhin waren sie überlichtschnell und fernflugtauglich, und Wimussa traute den Alienwandler nicht zu, dass sie eine solche Supertechnik nicht überall in ihrem seit tausend Jahren verwaisten Reich benutzten. Irgendwo musste es Depots mit Raumjäger geben, oder auch eine Produktionsstätte, so wie auf Yardley Orbis-Raumer gebaut worden waren, ehe deren Produktion gestoppt wurde, nur waren die Yardley-Raumer kleiner gewesen als die S-Kreuzer und die von den Abmessungen her ebenso große NOVA GALACTICA.

Und wo es Raumjäger zu okkupieren gab, wussten wohl auch nur die Kelradan.

»Lässt sich die Sprungweite und Richtung der Transition ermitteln?«, fragte Wimussa.

Jetzt hatte Casanuova seine Hilfsmittel endlich im Griff. »Der Energieemission am Wiedereintrittspunkt zufolge könnte das Kelradan-System der Ausgangspunkt sein. Die Strukturerschütterung der Entmaterialisierung lässt sich dort aber nicht anmessen, so weit reicht unsere Technik nicht. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Sir, ist Sundovan oder das Kelradan-System allerdings höchstwahrscheinlich der Startpunkt.«

»Raumjäger nimmt Funkverbindung mit Planet 5 auf«, meldete Vasa aus der Funk-Z.

»Mitschneiden!«

Nur kam dabei nichts heraus, weil die Sendung in einem Code verschlüsselt war, den der Kristallsensor der STAHLTÄNZER nicht knacken konnte.

»Wir werden geortet«, meldete Casanuova. »Der Kelradan-Stützpunkt auf Planet 5 misst unsere Position an.«

Vermutlich haben sie mitbekommen, dass wir uns für den Raumjäger interessieren, dachte Wimussa. »Waffenortung?«

»Keine. Aber – gerade starten zwei Duosphärenraumer von Planet fünf«, stellte Casanuova fest, der immer besser mit seiner Technik zurechtkam und offenbar etwas ausbügeln wollte. »Gehen auf Kollisionskurs zum Raumjäger. Offenbar Geleitschutz. Energieerzeuger auf normalem Niveau.«

Der Pilot des Orbis-Raumers sah seinen Captain fragend an. Wimussa nickte.

Das doppelte Hyperraumfeld wurde aktiviert. Von einem Moment zum anderen befand sich die STAHLTÄNZER im Schutz eines künstlichen Miniweltraums. Nicht, dass Wimussa das aus Sicherheitsgründen für nötig gehalten hatte, da die Kelradan lediglich den weit entfernten Raumjäger eskortieren wollten. Aber vielleicht ließen sie sich ja ein wenig provozieren. Wimussa war leichtfertig genug, um das herausfinden zu wollen.

»Werden nach wie vor von Planet fünf aus geortet«, meldete Casanuova. »Die Duosphärenraumer interessieren sich nicht für uns.«

War also nichts mit der Provokation. Die Kelradan reagierten nicht darauf. Wimussa verzichtete weiterhin darauf, Alarm zu geben.

»Raumjäger aktiviert Hyperraumfeld«, gab Casanuova durch.

Aha, dachte Wimussa. Wenigstens eine kleine Reaktion.

»Was jetzt, Sir?«, fragte der Pilot.

»Abwarten. Vasa, teilen Sie Twist und Planet eins unsere Beobachtung mit. Für den Fall, dass die da unten auf beiden Backen schlafen und nichts vom Anflug des Raumjägers mitbekommen haben.«

»Aye, Sir.«

Wimussa lehnte sich zurück und warf einen Blick auf das Bordchrono. In drei Stunden hatte er wieder auf Planet 1 zu landen. Dann übernahm Captain Hoyt mit der YNIR die nächste Patrouille.

Und Wimussa war mit Valerie Nortai verabredet.

Er sah dem Treffen – wie immer, seit Nortai mit Wonkrob verbandelt war – mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber es machte immer wieder Spaß, mit Valerie zu plaudern und zu lachen.

Er stoppte seinen Gedankenfluss. Er war hier draußen im All, und sein Schiff observierte die Kelradan.

Und da draußen war noch etwas, von dem niemand etwas ahnte.

Aber es kam.

Wahnsinnig schnell.

*

LAR ROTT ZEIGTE SICH entspannt. Der Raumsprung von Sundovan nach Nome war kaum wahrnehmbar gewesen; ein schnelles Gleiten von Ort zu Ort. Deshalb benutzte Rott auch lieber die Technik der Geheimnisvollen, der Farses, als sich einem Raumer der Kelradan-Flotte anzuvertrauen.

Seine Position gab ihm die Möglichkeit, jederzeit über einen Raumjäger verfügen zu können.

Früher wie heute, aber diesmal war es ihm ein persönliches Vergnügen, Orr-Gi gegenüberzutreten, der ihm gleichrangig war, aber durch Beziehungen zum Santar die Station in der Sonnenbrücke zugeteilt bekommen hatte.

Das war einmal.

Auf Sundovan hatte sich eine Menge geändert, seit der Siklu teilweise deaktiviert wurde und jetzt nur noch das tat, wozu er vor Jahrtausenden konstruiert worden war – das Kelradan-Sternenreich zu verwalten, nicht aber es zu beherrschen. Daher war auch der Santar neu gewählt worden, und die neuen Mitglieder dieses Gremiums hatten es nicht nötig, als Marionetten eines Großcomputers zu dienen. Sie wollten eigene Regierungsverantwortung übernehmen.

Santarko Crt Glasa, in dem viele gern ein Mitglied des neuen Santar gesehen hätten, verzichtete auf diese Ehre, aber sein Einfluss war gestiegen, und er war es auch, dessen Netzhautabdruck die Ernennungsurkunde für Tolun Lar Rott siegelte – Ex-Tolun Rott, denn sein militärischer Rang spielte jetzt kaum noch eine Rolle. Als neuer Kommandant der Sonnenbrücke stand er neben dem Militär, ohne seine Befehlsgewalt eingebüßt zu haben, aber Orr-Gi, sein Vorgänger, hatte nun alle Macht verloren.

Weil er eine verhängnisvolle Fehlentscheidung getroffen hatte, die die Kelradan ihren Einfluss in der Sonnenbrücke kosten konnte, wenn sich die Terraner immer weiter ausbreiteten.

Er hatte eine ganze Flotte verloren!

Das verzieh man ihm nicht, wie man auch Tolun Dro Cmic nicht verziehen hatte, dass seine Robotflotte vom »Weißen Affen« Martin Takener vernichtet worden war, entgegen den Plänen des Santar und den Berechnungen des Siklu. Cmic besaß in Crt Glasa einen einflussreichen Förderer, aber es war gut, dass Cmic sich nicht mehr im Kelradan-Imperium aufhielt, sondern bei den Terranern weilte; man hatte es offiziell so bemäntelt, dass er als »Berater« zu den Emporkömmlingen entsandt worden sei. Ob er selbst von seinem »Berater«-Titel etwas wusste, war fraglich, und für viele Kelradan galt er als ein Verräter am eigenen Volk. Daran änderte auch der Friedensvertrag nichts, der lediglich aus dem heißen einen kalten Krieg gemacht hatte.

Auf Sundovan hasste man die Terraner, weil sie den Kelradan vorexerziert hatten, wie spielend leicht ihr Verteidigungsring zu durchbrechen war, als die Terranische Flotte per Transition direkt in der Atmosphäre des Planeten materialisierte und den bereits zum Tode verurteilten terranischen Regierungshäuptling Takener befreite; eine Demütigung, die unvergesslich blieb und nach Vergeltung schrie – zumal man extra eine Relaissatellitenstrecke in Richtung Terra installiert hatte, um per Television den Terranern die Hinrichtung ihres Ersten unter Gleichen als Supershow ins Unterhaltungsprogramm zu hacken.

In der Sonnenbrücke hasste man die Terraner, weil sie Orr-Gis Flotte mit einer unbekannten Waffe vernichtet hatten, die ähnlich wie das »Q« funktionieren sollte, über das es die unglaublichsten Gerüchte gab. Nur wenige Toluns der Flotte waren tatsächlich über dessen Funktionsweise informiert; zu ihnen gehörten Dro Cmic und auch Lar Rott – und man hasste Orr-Gi, weil er den Befehl zur Invasion der 7. Sonne gegeben hatte, ohne über die Waffentechnik der Terraner ausreichend informiert zu sein.

Für Orr-Gi wäre es besser gewesen, er wäre mit an Bord eines der vernichteten Invasionsschiffe gewesen, aber rechtzeitig vorher musste er die Katastrophe erfasst haben, und statt den Rückzug zu befehlen, hatte er sich lediglich per Transmitter nach Nome abgesetzt und die Flotte in ihren Untergang fliegen lassen.

Als Toter wäre ihm einiges an Peinlichkeiten erspart geblieben.

Vor allem die Niederlage, als Kommandant der Station abgesetzt und zu Lar Rotts Stellvertreter gemacht zu werden!

Wie ein stolzer und überheblicher Mann wie Orr-Gi damit fertig wurde, konnte sich Rott kaum vorstellen, aber er ahnte, dass er in Orr-Gi seinen größten Feind haben würde, zumal ihrer beider politischen Richtungen weit auseinanderdrifteten. Orr-Gi war ein reaktionärer Hardliner, während Rott eine weitaus gemäßigtere Linie vertrat und der Ansicht war, es sei besser, mit den Terranern zusammenzuarbeiten statt sie zu bekämpfen.

Die Weißen Affen waren zwar erst vor sehr kurzer Zeit auf der galaktischen Bühne aufgetaucht, aber sie waren stark – und Lar Rott war sich nicht einmal sicher, ob es sie nicht schon viel länger gab, denn die Expansion des Kelradan-Imperiums war in andere Richtungen der Galaxis erfolgt, kaum einmal in den Raumsektor, den die Terraner beherrschten. So konnten beide Reiche schon seit Jahrtausenden nebeneinander existiert haben, ohne viel voneinander zu bemerken. Erst in der Sonnenbrücke war es zum Kontakt und in der Folge zum Konflikt gekommen.

Ein Konflikt, der vermeidbar gewesen wäre, wenn Orr-Gi den Terranern nicht gleich feindselig entgegengetreten wäre. Damals waren, dessen war sich Rott sicher, sehr viele Fehler begangen worden.

Zumal es ja auch schon vorher Kontakte gegeben hatte, was sich erst später offiziell herausstellte. Nurrmer, Sektorchef der Weißen Gruppe, hatte auf einem Werftplaneten der Farses Terraner kennengelernt, und schließlich hatten auch die letzten Crabber, diese Para-Ungeheuer, noch ihren Teil beigetragen, indem sie die galaktische Position Terras preisgaben, aber zum Dank dafür hatte der Siklu ihr Todesurteil verkündet, und die Crabber-Kelradan waren auf dem Rost den Wonnen des Abgrunds überantwortet worden.

Rott bedauerte das Schicksal der Crabber nicht, weil die mit ihrem Para-Können in der Lage waren, den Geist eines anderen Wesens zu deformieren und ihnen nicht nur ihren Willen aufzuzwingen, sondern auch eine falsche Erinnerung. Was er bedauerte, war die Reaktion des Siklu, der die wertvolle Information zwar gespeichert hatte, den Crabber-Kelradan aber das freie Geleit verweigerte und sie töten ließ.

So wie alle anderen Crabber ihrer Paragabe wegen schon früher gehetzt und vernichtet worden waren.

Rott verstand diese letzten Crabber nicht. Warum gingen sie das Risiko ein, ihre Tarnung aufzugeben und nach Sundovan zu kommen, nur um die galaktische Position eines Planeten zu verraten, auf dem sie subversiv tätig gewesen waren? Sie hätten doch wissen müssen, dass sie keine Dankbarkeit erwarten durften.

Eine Hyperfunknachricht hätte den gleichen Zweck erfüllt.

Aber der Siklu hatte auf jeden Fall einen verhängnisvollen Fehler gemacht. Denn die Crabber hatten gewusst, wie terranische Cyborgs manipuliert werden konnten.

An den Cyborgs Mildan und Dordig hatten sie es bewiesen, wie Rott von Nurrmer wusste.

Nurrmer schien sein Wissen allerdings nicht an den Siklu und nicht an den Santar oder die Santarko weitergegeben zu haben, denn offensichtlich wusste niemand etwas davon, dass es Terraner mit roboterartigen Fähigkeiten gab. Nicht einmal Crt Glasa, und der hätte am ehesten etwas davon mitbekommen müssen, war doch Dro Cmic einer seiner Söhne, und Dro Cmic war doch ständig bei den Terranern und bei diesem Takener!

Rott straffte sich. Sein Raumjäger näherte sich Nome, und es war Zeit, sich auf die Begegnung mit Orr-Gi vorzubereiten.

Dem war zuzutrauen, dass er sich eine besondere Bosheit zur Begrüßung einfallen ließ, denn er musste doch wissen, dass Tolun Rott ihn ablösen sollte.

Nome ...

Warum hatte man diesen Planeten so genannt? Den Begriff Nome gab es in der Sprache der Kelradan nicht, und es gab auch nichts, was lautmalerisch dafür sorgen konnte, diese Welt so zu nennen. Trotzdem hatte jemand sie Nome genannt und unter diesem Namen eintragen lassen.

Woher allerdings sollte Rott von den Nomen wissen, die in diesem Planeten wohnten und sich niemandem zu erkennen gaben? Mit einer einzigen Ausnahme, als ein Nome Martin Takener aus der Gewalt der Kelradan befreite und ihm den verschlüsselten Hinweis auf die 7. Sonne gab.

Er konnte nichts davon wissen, wie alle anderen Kelradan auch nichts davon wissen konnten.

Selbst für Orr-Gi war es ein unlösbares Rätsel, wie der Terraner Martin Takener ihm hatte entkommen können.

Vorn im Raumjäger wurde es laut. »Werden von Ortung eines terranischen Raumers erfasst.«

Tolun Lar Rott interessierte sich kaum dafür. Die Terraner würden es nicht wagen, anzugreifen, um keinen diplomatischen Konflikt heraufzubeschwören, und er konnte es ihnen auch nicht verdenken, dass sie im Bereich der Sonnenbrücke Patrouille flogen – die Kelradan taten dies ja ebenso.

Hoffentlich. Wenn nicht, würde er es einführen.

»Nome-Station schickt uns eine Eskorte.«

Er nahm es zur Kenntnis, wie er vorher auch die Ortungsmeldung zur Kenntnis genommen hatte.

»Terranisches Orbis-Schiff aktiviert Hyperraumfeld.«

»Dann schalten Sie unseres doch auch ein«, sagte Rott.

»Rechnen Sie ernsthaft mit einem Angriff, Tolun?« Der Pilot des Raumjäger hatte sich umgewandt, und sein Gesicht drückte äußerstes Erstaunen aus.

Rott lachte leise.

»Ich denke, sie wollen uns provozieren, indem sie ihr Hyperraumfeld einschalten. Es soll uns Kampfbereitschaft signalisieren. Tun wir ihnen den Gefallen und gehen darauf ein, dann können sie später besser schlafen, diese ... Terraner.«

»Aber wenn das eskaliert? Tolun, bei allem Respekt möchte ich daran erinnern, dass die Flotte Orr-Gis und auch die von Tolun Cmic ...«

»Nun halten Sie doch mal inne«, empfahl Rott gelassen. »Die Terraner müssten wahnsinnig sein, uns wirklich anzugreifen. Wahnsinnige aber haben sich nie zu raumfahrenden Völkern entwickeln können. Diese Totenbleichen wollen uns nur verunsichern und eine Reaktion herausfordern. Gut, die bekommen sie, und wir fliegen ungestört weiter und landen auf Nome.«

Damit, dass etwas Gravierendes dazwischenkam, rechnete er in diesem Augenblick nicht.

*

ORR-GI SAH DAS VERHÄNGNIS kommen.

Es hatte damit begonnen, dass jener anmaßende, arrogante Martin Takener mit seinem Orbis-Schiff die Sonnenbrücke angeflogen hatte. Mit einem jener Schiffe, die nachweislich von den Farses erbaut worden waren.

Im ersten Moment hatte damals Furcht sein Handeln bestimmt – die Furcht davor, die Geheimnisvollen könnten nach etwas mehr als tausendsiebenhundertfünfzig Sundovan-Jahren zurückgekehrt sein und wieder für sich beanspruchen, was ihnen vor ihrem Rückzug gehörte. Aber dann stellte er fest, dass andere den Raumer flogen – Kreaturen, die mit den technischen Möglichkeiten der Farses weit weniger vertraut waren als die Kelradan.

Da wagten es also Emporkömmlinge, sich der Technik der Farses zu bemächtigen, sie zu missbrauchen und auch noch hierherzukommen!

Orr-Gi hatte die ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel benutzt.