Der Gärtner war nicht der Mörder - Hans Pürstner - E-Book

Der Gärtner war nicht der Mörder E-Book

Hans Pürstner

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Beschreibung

Der Seniorchef eines großen Lebensmitteldiscounters lädt seine Familienangehörigen zum Dinner in seine Villa in Hamburg-Blankenese, um ihnen einen wichtigen Entschluss über seine Nachfolge mitzuteilen. Kurz davor kippt er tot vom Stuhl. Kommissar Woldmann und seine Assistentin recherchiern in der großen Familie und in ihrem Umfeld, bis sie gegen zahlreiche Widerstände, auch seiner Vorgesetzten, die traurige Wahrheit herausfinden.

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Hans Pürstner

Der Gärtner war nicht der Mörder

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1.Kapitel

2.Kapitel

3.Kapitel

4.Kapitel

5.Kapitel

6.Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10.Kapitel

11. Kapitel

Das „Mord“Menü

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Impressum neobooks

1.Kapitel

Fröstelnd stand das Häufchen Aufrechter vor dem kleinen Saal des Stadtteilzentrums im Hamburger

Schanzenviertel. Sie alle waren dem Aufruf einer ökologischen Bürgerinitiative gefolgt, um dem Vortrag von Dr.Weinreb über die schleichende Vergiftung unserer Lebensmittel zu lauschen.

Eine verhärmte kleine Frau im braunen Leinenmantel verteilte Flugzettel, die auf den Vortrag aufmerksam machten.

„Na, Sabine, bist du denn immer noch nicht alle Flyer losgeworden?“, fragte sie ein junger Mann, der unbemerkt auf sie zugetreten war.

„Mensch, Joe, lange nicht gesehen. Schön dass du auch zur Versammlung kommst!“

Mit dem einen Arm deutete sie eine Umarmung des jungen Studenten an, während die andere Hand krampfhaft das immer noch viel zu dicke Bündel Flugblätter festhielt.

Joe gab ihr einen eher angedeuteten Kuss auf die linke Wange und fragte vorwurfsvoll:

„Warum hast du mich denn nicht angerufen, von dem Vortrag hab ich erst heute Morgen durch Zufall gehört!“

„Na, ja, jetzt bist du ja hier, das ist die Hauptsache“, gab sie zur Antwort.

„Wir haben erst letzte Woche bei einer Sitzung unserer Ortsgruppe der ökologischen Liste von Dr. Weinreb

erfahren. Einer der Parteifreunde, er studiert Chemie, hat ihn bei einem Praktikum bei der Windu-Gmbh kennen gelernt. Weinreb soll lange Jahre Leiter eines Untersuchungslabors für Lebensmittel gewesen sein, dessen Existenz maßgeblich von den regelmäßig eingehenden Aufträgen der Windu-GmbH abhing“. Sie zog Joe am Arm in Richtung Eingang, wo sie sofort freudig von der Frau, die den Eingang kontrollierte, begrüßt wurde.

„Ihr könnt euch eure Plätze aussuchen, für die paar Leute lohnt es sich nicht, Platzkarten auszugeben“, meinte sie mit bekümmerter Miene.

Die beiden setzten sich in die zweite Reihe, fast direkt unter das Rednerpodium und Sabine fuhr fort, ihren

Begleiter über den Gastredner des heutigen Vortrags, aufzuklären. „Die Windu-Gmbh produziert schon seit

Jahrzehnten Trocken-Extrakte für Suppen und Saucen“, erzählte sie, “diese eher kleine Firma war aber irgendwann in den Siebzigerjahren der Konkurrenz von Markenartikelherstellern nicht mehr gewachsen. Deshalb hatte der

Juniorchef der Firma, Heinz Windisch, gegen den erbitterten Widerstand seines Vaters beschlossen, sich auf einen Exklusivabnehmer einzulassen. Die Rabbisch KG garantierte die langfristige Abnahme der gesamten Produktion jeweils für ein Jahr, und bisher war der Vertrag auch stets ohne Probleme verlängert worden.

Doch vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der BSE Hysterie, verlangte man die Vorlage von

Untersuchungsberichten, in denen jedwede Verwendung von Rindfleisch ausgeschlossen wurde. Natürlich war eine derartige Umstellung der Produktion nicht von heute auf morgen möglich gewesen, und so sollte das

Lebensmittellabor eben ein dementsprechendes Gefälligkeitsgutachten erstellen.

Dr.Weinreb hatte dies vehement abgelehnt, und so war der Besitzer des Labors, wollte er nicht seinen wichtigsten Kunden verlieren, zur Entlassung des Laborleiters gezwungen gewesen“. Inzwischen hatte sich der kleine Saal des Stadtteilzentrums einigermaßen gefüllt und Sabine meinte zufrieden: „Meine Zettelverteilung hat sich vielleicht doch noch gelohnt!“.

Beim prüfenden Blick nach hinten erkannte sie noch einige weitere Gesinnungsgenossen, wie Alfred, der in einem Nobelschuppen als Koch arbeitete. Sie beschloss, am Ende der Veranstaltung mal zu ihm rüber zu gehen.

Ein Raunen im Publikum deutete die Ankunft des Redners an, und kurz danach stand er auch schon an dem

Rednerpult und überprüfte das wackelige Mikrofon.

„Guten Tag, meine Damen und Herren, wie ich sehe, scheint das Mikro seine besten Tage schon hinter sich zu

haben. Aber in diesem kleinen Saal haben wir es vielleicht gar nicht nötig. Ich hoffe, Sie können mich auch so

verstehen!“. An seiner Art zu sprechen, merkte man, dass dies weiß Gott nicht seine erste Rede war. Höflich stellte er sich vor und begann seinen Vortrag damit zu erklären, wie er als Chemiker überhaupt in die Situation gekommen war, als Gastredner für alternative Bürgerinitiativen aufzutreten.

„Jahrelang habe ich geschwiegen, obwohl ich bei meiner Arbeit als Laborleiter einer lebensmitteltechnischen

Untersuchungsanstalt aus erster Hand erfahren konnte, wie sich die Beschaffenheit unserer Nahrung immer mehr verschlechtert.

Teils aus Gewinnstreben einzelner schwarzer Schafe, aber auch durch den immer härter werdenden Preisdruck durch die Verbraucher sparen die Produzenten eben an den Zutaten. Da werden billigere Sachen zugekauft, mit künstlichen Aromen etc. aufgepeppt, und bei jedem neuen Skandal nimmt man die Ware öffentlichkeitswirksam aus den Regalen.

Tatsächlich friert man sie meistens nur ein oder stellt sie ins Lager. Um sie dann, sobald das Interesse etwas

abgeflaut ist, wieder auf den Markt zu werfen. Viele der Besucher waren Studenten und wohl auch selbst häufig Kunden der Billig-Läden, deshalb schauten sie auch etwas schuldbewusst zu Boden, als der Redner seine Thesen vorbrachte. Es war natürlich leichter, den bösen Unternehmern die Schuld an den Lebensmittelskandalen der letzten Jahre zu geben, als sich vorwerfen zu lassen, selbst mitverantwortlich zu sein.

„Wenn wir nicht bereit sind, dem Viehzüchter, dem Weinbauern oder meinetwegen dem Wurstfabrikanten einen fairen Preis für seine Produkte zu zahlen, dann bleibt ihm doch kaum noch eine andere Wahl, als bei den Zutaten zu sparen!“, rief Weinreb erregt, „und schuld sind auch die Diskont-Geschäfte, ganz besonders die Rabbisch-Brüder, die haben mit ihren Läden als Erste damit angefangen, die Produzentenpreise so extrem zu drücken. Was ihnen selbst ja nicht gerade zum Nachteil gereichte, wie man in der Statistik der reichsten Menschen Deutschlands im letzten Jahr sehen konnte“, setzte er einen leichten Seitenhieb hinterher.

Da stand in der hintersten Reihe eine kleine rundliche Frau auf und rief zornig:

„Sie sollten sich was schämen, den Rabbisch-Markt anzuklagen, so billig können wir nirgends einkaufen! Schauen Sie sich das an in meiner Tragetasche. Dieselbe Menge würde im Supermarkt vom Kaufhaus 40 Euro kosten. Ich habe 27 bezahlt, sehen Sie?“, rief sie aufgebracht und fuchtelte demonstrativ mit ihrem Einkaufsbeleg in Richtung Gastredner.

Dem kam der Zwischenruf gerade recht, mit erhobener Stimme rief er:

„Was glauben Sie eigentlich, wie diese günstigen Preise entstehen, gute Frau? Die Gebrüder Rabbisch verzichten bestimmt nicht auf einen Teil ihres Gewinns, um diese zu ermöglichen!“

Weinreb verließ das Podium und mischte sich unter das Publikum und fuhr fort

„Sondern sie setzen ihre Lieferanten so lange unter Druck, bis diese an die unterste Grenze der Kalkulation gehen. Und dann bleibt denen meist nur, entweder Leute rauszuschmeißen, oder bei der Herstellung zu sparen.

Hier, diese Leberwurst“, sagte er als er bei der Dame angelangt war und hielt triumphierend eine vakuumverpackte Wurst aus dem Korb in die Höhe, „Wissen Sie eigentlich, aus welchen Zutaten eine fachmännisch erzeugte

Leberwurst hergestellt wird? Nicht gerade appetitlich, ich hab mal bei meinem Schlachter zugeschaut. Aber wenn ich mir vorstelle, dass bei diesen Zutaten dann auch noch gespart werden muss, da dreht sich mir beim bloßen

Gedanken daran schon der Magen um!“

„Geben Sie mir sofort meine Wurst zurück, was fällt Ihnen eigentlich ein“, schrie die Dame empört und verstaute das gute Stück wieder in ihrer Einkaufstasche.

„Wo sollen wir denn sonst noch sparen, wenn nicht beim Essen?“ rief sie dem Doktor zu und wartete gespannt auf seine Antwort. „Wo haben Sie denn die Lederjacke gekauft, die Sie gerade anhaben?“, gab er statt einer Antwort zurück. „War die etwa ein Sonderangebot bei Kuhlmann?“

„Dort kauf ich mir doch keine Lederjacke!“, antwortete sie beleidigt. „Die hab ich bei Leder Schmidt im Neuen Wall gekauft. Für was Gutes muss man auch etwas mehr ausgeben!“, setzte sie ganz selbstbewusst hinzu.

Das war natürlich Wasser auf die Mühlen von Weinreb.

„Aha, und warum soll diese durchaus vernünftige Ansicht für Bekleidung gelten, und nicht für Lebensmittel?

Ausgerechnet für etwas, was mehr als alles andere wichtig ist für unsere Gesundheit, unser Wohlergehen und nicht zuletzt für unseren guten Geschmack. Dafür sollen wir nie etwas mehr, sondern am liebsten immer weniger

ausgeben, oder was?“

Er redete sich richtig in Rage. Unterdessen war eine der Demonstrantinnen interessiert zu der Runde gestoßen und als die Dame in ihr eine Nachbarin erkannte, fing sie sofort an zu schimpfen.

„Frau Krüger, machen Sie da etwa auch mit bei dieser Öko-Geschichte? Sie kaufen doch sonst auch immer im

Rabbisch Markt ein!“

Eine leichte Röte überzog das ansonsten blasse, wenn auch nicht unhübsche Gesicht der zartgliedrigen Frau.

2.Kapitel

Genervt unterbrach Kriminaloberrat Berger, der Leiter der Mordkommission des Hamburger Landeskriminalamtes, sein intensives Aktenstudium.

„Ja, bitte?“ blaffte er zur Tür, an der ihm gerade ein vorsichtiges Klopfen unangemeldeten Besuch ankündigte.

„Sie wollten mich sprechen, Chef?“, antwortete der Besucher und trat, ohne eine Antwort abzuwarten, in das Büro.

Augenblicklich hellte sich die Miene des Kripo-Chefs auf, als er sah, wer ihn da in seiner Konzentration gestört hatte.

„Ach Sie sind´s, Woldmann, das hab ich doch glatt vergessen!“ rechtfertigte Berger seine unwirsche Reaktion von vorhin. „Danke, dass Sie so schnell vorbei gekommen sind“.

Der altgediente Kriminaloberkommissar akzeptierte die etwas mühsam herausgepresste Entschuldigung wortlos und setzte sich auf einen der Besucherstühle. Insgeheim lächelnd verfolgte er die wichtigtuerisch hin gekritzelten

handschriftlichen Vermerke auf einer der Akten, die sein Chef noch schnell vornahm, ehe sich dieser voll seinem Gast widmete.

„Ich hab Sie rufen lassen, mein lieber Woldmann, weil Sie mein erfahrenster und fähigster Ermittler sind“, sagte er zu seinem Gegenüber und schaute ihn erwartungsvoll an, um zu sehen, wie seine pathetisch vorgetragene

Begrüßung wohl ankommen würde.

Doch der wusste schon, dass bei solch ungewohntem Lob das dicke Ende meistens hinterher kam und verzog keine Miene. Enttäuscht von dessen Reaktion fuhr der Kriminalrat fort.

„Vom Gerichtsmedizinischen Institut kam gestern der Untersuchungsbericht zur Leichensache Rabbisch.“

Wiederum blickte er seinen Beamten gespannt an, doch auch jetzt war nicht das geringste Flackern in den Augen von Kriminaloberkommissar Woldmann zu erkennen.

„Dies ist eine äußerst delikate Angelegenheit, lieber Woldmann“, verlegte sich Berger jetzt wieder auf die

liebenswürdige Tour. Der beschloss daraufhin endlich, doch ein wenig Interesse zu heucheln und fragte scheinheilig „Meinen Sie etwa d e n Rabbisch?“ und wiegte den Kopf.

Berger senkte seine ansonsten eher polternd laute Stimme erschrocken ab und flüsterte fast

„Ja, genau d e n meine ich! Der alte Rabbisch hat vor einigen Jahren die Geschäfte an seinen Sohn übergeben, war aber nie ganz aus der Firma verschwunden. Als eine Art Aufsichtsratsvorsitzender überwachte er noch jeden

wichtigen Vorgang im Geschäftsleben seiner ehemaligen Firma“.

Die kaum verhüllte Bewunderung war ihm an den Augen abzulesen

“Am vergangenen Wochenende lud er zu einer Familienfeier, in der er eine wichtige Erklärung abzugeben

versprochen hatte. Während er mit seiner Familie gerade beim Nachtisch war, soll er plötzlich mitsamt seinem Stuhl nach hinten gekippt und ohnmächtig liegen geblieben sein.

Der natürlich sofort herbeigerufene Notarzt konnte genau wie sein beim Essen anwesender Kollege Doktor Windelen, der Hausarzt der Familie, nichts mehr für seinen Patienten tun. Kurz nach der Einlieferung im Krankenhaus Rissen verstarb der Seniorchef des Hauses Rabbisch, ohne noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.“

„Aha“, meinte der Kriminalbeamte nur, nachdem er die langatmige Erklärung seines Vorgesetzten zur Kenntnis genommen hatte,

„Und was haben wir damit zu tun? Er war doch schon über siebzig, der alte Rabbisch. Auf die Dauer hat halt sein Körper den Raubbau an seiner Gesundheit nicht länger hingenommen, oder?“

„Unsinn, Woldmann!“, das lieber ließ Berger jetzt verärgert weg.

„Selbstverständlich wurde eine Obduktion durchgeführt setzte er fort, „und zwar von Professor Ullrich!“.

Der war zwar eine unbestrittene Kapazität unter den Hamburger Pathologen, doch der Kripomann dachte nicht im Traum daran, jetzt vor Ehrfurcht zu erzittern.

„Was hat er denn als Todesursache angegeben, der Herr Professor?“.

Berger gefiel es überhaupt nicht, wie er Herr Professor betonte, aber er wollte nicht gerade jetzt wieder das alte Thema aufwärmen. Oft genug schon hatte er sich über den seiner Meinung nach mangelnden Respekt gegenüber Höherrangigen von Woldmann aufgeregt.

So holte er das Gutachten aus seiner Ablage hervor, setzte seine Lesebrille auf und überflog noch einmal das Schreiben, bevor er kopfschüttelnd antwortete:

„Dr. Ulrich gibt als Todesursache zwar plötzliches Herzversagen an, meint aber, dass auf Grund nicht näher

beschriebener Umstände eine Fremdeinwirkung nicht auszuschließen sei. Er spricht von Botulismus oder so..“ setzte der Kriminalrat, immer noch verwundert, hinzu.

Woldmann, der gerade an einem verzwickten Fall arbeitete, war alles andere als begeistert, sich noch zusätzliche Arbeit aufzuhalsen und fragte mürrisch:

„Kann das nicht der Kollege bearbeiten, der bei der Tatortbesichtigung dabei war?“

„Das ist es ja gerade, mein lieber Woldmann“, bekam er fast flüsternd zur Antwort,

„wir konnten doch nicht gleich mit unserem ganzen Apparat dort aufkreuzen, zumal es ja anfangs wie ein ganz normaler Todesfall aussah“, meinte er eine Spur zu ehrfürchtig

„Der Notarzt hat aber gegenüber dem anwesenden Beamten des Streifenwagens eine dem entsprechende Vermutung geäußert“, druckste er verlegen herum.

Das war es also, anscheinend hatte der pflichtbewusste Beamte dies in seinem Bericht vermerkt und dadurch