Der Gaukler - Karin Buchholz - E-Book

Der Gaukler E-Book

Karin Buchholz

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Beschreibung

Der Gaukler ist die Geschichte eines Jungen, der so voller Phantasie steckt, dass er die Bilder aus seinem Kopf Wirklichkeit werden lässt. Wir begleiten Jakob durch die Kapitel dieser Erzählung, die zugleich die Kapitel seines Lebens sind. Vom Jungen, der bäuchlings auf dem Teppich liegt und spielt bis zum alten Mann, der erkennt: Nur wer lebt, isst Kirschen. Nur wer lebt, liest Zeitung. Erhältlich als Hardcover, Paperback und ebook

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Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Seiltänzer, Gaukler & Feuerschlucker - TANDERADEI

DER JUNGE

DER MANN

DER ALTE

DER GAUKLER

JONGLEUR

Epilog

Im Buchhandel erschienen

Seiltänzer, Gaukler & Feuerschlucker

TANDERADEI

Wie oft schon hatte er sich gewünscht, mit dem fahrenden Volk davonzuziehen, in einem der bunten Wohnwagen zu leben, nachts begleitet von Grillenzirpen und Sternenfunkeln auf einer Lichtung oder Wiese Platz zu finden und den nächsten Tag mit einem frühen Bad im nahen See oder Fluss zu beginnen; zum Klang von Schalmeien und Tamburines in bunten Horden durch die Straßen der Stadt zu ziehen und auf ihrem Weg immer neue Menschen zu verzaubern …

Wie oft war er in seinen Träumen einer von ihnen gewesen, hatte die Welt vor dem Waggonfenster vorübergleiten sehen – nichts festhalten, nicht festgehalten werden –, hatte seinen Träumen Raum in einem Zirkuszelt gegeben ohne Angst, sie könnten ihm davonfliegen.

Er hatte davon geträumt, das Strahlen in den Augen aberhunderter großer und kleiner Kinder im eigenen Innern ein Feuer entfachen zu lassen – immer wieder aufs Neue. Eine Glut, die nie verglimmt, nie verschüttet wird. Ewiges Feuer. Inneres Licht.

Beim Gedanken daran kribbelte seine Haut. Ein Prickeln und Flattern war in ihm. Er konnte nicht mehr still sitzen. Er sprang auf und durchmaß die ganze Wohnung: Stube – Küche – Diele – und von vorn. Nur nicht sitzen! Nur das Feuer nicht wieder verglimmen lassen!

Der Zirkus ist in der Stadt!

DER JUNGE

„Jakob, komm schon. Du musst Dich beeilen …!“ Die Stimme seiner Mutter mahnte ihn wie jeden Morgen zur Eile. Doch Jakob war noch nicht bereit. Nicht, dass er noch im Bett läge: nein! Seit Stunden schon war er wach, hatte sich die Zähne geputzt, geduscht, war fertig angezogen und selbst sein Ranzen war schon gepackt. Doch seither lag er bäuchlings in der Mitte seines Zimmers, umringt von bunten Spielfiguren, die auf einer großen Lichtung – seinem Teppich – begannen, eine Stadt zu bauen. Bausteine, kleine Schachteln und Papprollen ragten Türmen und Häusern gleich in die Luft, Menschen bevölkerten die Straßen, es war ein buntes Treiben. Und jetzt gerade fuhren die bunten Waggons eines Zirkus‘ mitten durch die Stadt. Gebaut aus Zeichenkarton, in stundenlanger Arbeit bunt beklebt und bemalt mit allen Farben seiner Phantasie, zogen sie bis ans Ende der Stadt. Dort, geschützt am Waldrand – einem Feld von Zahnstochern, auf denen wirr verwobene grüne und rotbraune Wollfäden das Laub darstellten – machten die Gaukler halt und errichteten eine Wagenburg. Hier würden sie für ein paar Tage rasten und die Menschen mit ihren Kunststücken in ihren Bann ziehen. Und wohlmöglich würde sich ihnen der ein oder andere anschließen und mit ihnen weiterziehen … Jakob wäre gewiss einer von ihnen!

„Jakob, jetzt mach schon!“ Die Mutter trat ins Zimmer. „Ach, Junge! Du hast noch nicht mal gefrühstückt, und wir müssen los. Komm jetzt!“ Sie beugte sich zu ihm hinunter und zog ihn am Arm. „Schau nur, ein Zirkus ist in der Stadt“, sagte Jakob und zeigte auf die gerade errichtete Wagenburg, doch die Mutter zog ihn schon mit sich davon. Im Gehen griff sie nach dem Ranzen und zerrte den Jungen eilig hinter sich die Treppe hinunter. „Wir haben dafür keine Zeit! Zieh Deine Jacke an, setz die Mütze auf. Dein Frühstück habe ich Dir eingepackt. Ich fahre Dich zur Schule, und in zwanzig Minuten muss ich im Gericht sein.“

Das Leuchten in Jakobs Augen war verschwunden. Eben noch hatte er in einer bunten, magischen Welt gelebt, dort gebaut, erschaffen, sich lebendig gefühlt – und nun war es einfach wieder nur ein neuer Morgen, wie jeder andere auch. Er seufzte, während er sich widerwillig Jacke und Mütze anzog. Seine Mutter war schon zur Tür hinaus, und er hörte sie die Wagentüren öffnen. „Jakob – komm jetzt! Mach die Tür hinter Dir zu!“