Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Nele Ellermann sah die beiden stämmigen Männer in Uniform, die vor ihrer Haustür, dem sogenannten ›Schlossportal‹, standen, fragend an. »Ja, bitte?« »Äh …« Der ältere der beiden, der einen ziemlich dicken Bauch und einen knallroten Kopf hatte, kratzte sich hinter dem Ohr. »Frau Ellermann?« »Ja«, antwortete Nele ungeduldig. Sie ahnte, worum es ging, aber sie dachte nicht daran, den beiden Typen auf die Sprünge zu helfen. Die letzten waren ihr ganz sympathisch gewesen, aber diese hier gefielen ihr nicht. Der Dicke ebenso wenig wie sein dünnerer und jüngerer Kollege, der sie so ungeniert anglotzte, als hätte er in seinem Leben noch keine Frau mit kurzen hellblonden Haaren gesehen, die so früh am Morgen – es war noch keine sieben – gerade erst aufgestanden war. Wahrscheinlich standen ihre Haare in alle Richtungen ab, und ›ordentlich‹ angezogen war sie natürlich auch nicht: Sie hatte sich in aller Eile lediglich ihren einstmals schönen, mittlerweile aber leider ziemlich zerschlissenen Seidenkimono über ihr flauschiges, warmes Nachthemd gezogen und war schnell in ihre Fellpantoffeln geschlüpft. Sie sorgte im Winter immer dafür, warm genug angezogen zu sein, denn Heizen im ›kleinen Schloss‹ – der Vorbesitzer hatte es ›petit château‹ genannt – war teuer, und sie musste ihr Geld zusammenhalten und möglichst sparen, wo sie es irgendwie konnte. Was sie auch tat. Der Ältere kratzte sich wieder hinter den Ohren. »Es geht um Ihren Nachbarn«, sagte er wichtig, während sein jüngerer Kollege eifrig nickte. Offenbar konnte er nicht sprechen, aber das mit dem Nicken bekam er sehr schön hin. »Und wer sind Sie?«, fragte Nele schroff. Meine Güte, das war doch nicht zu fassen!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nele Ellermann sah die beiden stämmigen Männer in Uniform, die vor ihrer Haustür, dem sogenannten ›Schlossportal‹, standen, fragend an. »Ja, bitte?«
»Äh …« Der ältere der beiden, der einen ziemlich dicken Bauch und einen knallroten Kopf hatte, kratzte sich hinter dem Ohr. »Frau Ellermann?«
»Ja«, antwortete Nele ungeduldig. Sie ahnte, worum es ging, aber sie dachte nicht daran, den beiden Typen auf die Sprünge zu helfen. Die letzten waren ihr ganz sympathisch gewesen, aber diese hier gefielen ihr nicht. Der Dicke ebenso wenig wie sein dünnerer und jüngerer Kollege, der sie so ungeniert anglotzte, als hätte er in seinem Leben noch keine Frau mit kurzen hellblonden Haaren gesehen, die so früh am Morgen – es war noch keine sieben – gerade erst aufgestanden war. Wahrscheinlich standen ihre Haare in alle Richtungen ab, und ›ordentlich‹ angezogen war sie natürlich auch nicht: Sie hatte sich in aller Eile lediglich ihren einstmals schönen, mittlerweile aber leider ziemlich zerschlissenen Seidenkimono über ihr flauschiges, warmes Nachthemd gezogen und war schnell in ihre Fellpantoffeln geschlüpft. Sie sorgte im Winter immer dafür, warm genug angezogen zu sein, denn Heizen im ›kleinen Schloss‹ – der Vorbesitzer hatte es ›petit château‹ genannt – war teuer, und sie musste ihr Geld zusammenhalten und möglichst sparen, wo sie es irgendwie konnte. Was sie auch tat.
Der Ältere kratzte sich wieder hinter den Ohren. »Es geht um Ihren Nachbarn«, sagte er wichtig, während sein jüngerer Kollege eifrig nickte. Offenbar konnte er nicht sprechen, aber das mit dem Nicken bekam er sehr schön hin.
»Und wer sind Sie?«, fragte Nele schroff. Meine Güte, das war doch nicht zu fassen! War die Personalnot bei der Polizei mittlerweile so groß, dass sie jeden nehmen mussten, der sich bewarb?
»Oh … äh … Entschuldigung, also wir sind von der Polizei.«
»Ja, das dachte ich mir schon, Sie tragen ja Uniform. Ihre Ausweise?«, fragte Nele kühl.
Das trug ihr zwei fassungslose Blicke ein, aber der Ältere begriff dann doch, dass sie keinen Scherz machte, und so kramte er seinen Ausweis heraus, der Jüngere daraufhin ebenfalls. Natürlich, er würde nie etwas anderes machen als sein Kollege, dachte Nele.
Sie ließ sich Zeit beim Studieren der Ausweise, obwohl sie mittlerweile erbärmlich fror, denn sie hatte die Socken in den Pantoffeln vergessen, und der Kimono war eindeutig zu dünn, warmes Nachthemd hin oder her. Die Temperatur fiel hier oben – das Schlösschen lag natürlich auf einer Erhebung, die freilich den Namen ›Berg‹ nicht verdiente – oft unter die Gefriergrenze, es war schon seit Tagen empfindlich kalt.
Sie reichte den beiden die Ausweise zurück. »Schön, und was kann ich jetzt für Sie tun?«
»Ihr Nachbar, Herr Durandt …« Der Dicke war offenbar auch kurzatmig, denn er musste schon nach diesen vier Worten nach Luft schnappen.
»Hat er sich mal wieder beschwert?«, fragte Nele spöttisch, was den Dicken noch mehr aus dem Konzept brachte. Sie fragte sich, ob er betrunken war. Denn warum sonst hätte er am frühen Morgen einen so roten Kopf haben sollen? Richtig ungesund sah das aus. Aber sie roch nichts. Vielleicht war er krank. Der Gedanke stimmte sie etwas milder.
»Ich … äh … ja, aber mehr kann ich dazu nicht sagen. Mein Kollege und ich helfen hier nur aus, der Krankenstand bei uns ist sehr hoch, deshalb … äh … also, deshalb sind wir hier.«
Immerhin, er konnte in ganzen Sätzen sprechen. »Worüber?«, fragte sie sachlich.
»Wie bitte?«
»Worüber hat er sich dieses Mal beschwert?«
»Ich … äh …« Der Dicke suchte in seiner Tasche, wo er jedoch nichts fand, bis sein Kollege auf die Idee kam, dass er das gesuchte Papier ja in der Hand hielt. Hilfsbereit reichte er es weiter, und der Dicke las vor: »Nächtliche Ruhestörung durch Hühner, Versetzung der Grundstücksgrenze zu seinen Ungunsten …«
»Wie bitte?«, fragte Nele verblüfft. »Wollen Sie mit mir scherzen?« Die Sache mit den Hühnern nahm sie gar nicht ernst, der alte Knacker nebenan hatte ständig etwas anderes zu meckern, aber auf die Hühner kam er regelmäßig zurück. Nein eigentlich nicht auf die Hühner, nur auf den Hahn, um den ging es. Aber so genau nahm Herr Durandt es offenbar nicht. Der Vorwurf mit der Grundstücksgrenze jedoch war neu und dazu noch ziemlich originell, fand sie. Hatte er sich also endlich einmal etwas einfallen lassen.
Der Dicke drückte ihr nun hastig einen verschlossenen Briefumschlag in die Hand. »Da steht alles drin«, sagte er. »Wegen der Hühner sprechen wir hiermit eine Verwarnung aus, die andere Sache ist natürlich ernster. Er hat Anzeige gegen Sie erstattet. Einen schönen Tag noch.«
Auf einmal sprach er direkt flüssig, Nele fragte sich, woran das lag, während sie den beiden nachsah, wie sie eilig davonliefen, als hätten sie gerade einen Einsatz hinter sich gebracht, bei dem sie in Lebensgefahr geraten waren.
Sie warf den Brief auf ein kleines Tischchen und eilte in die geräumige Küche, wo es bereits schön warm war, denn dort gab es einen Kachelofen, den sie ständig befeuerte. Zum Glück hatte sie genug Holz, und ein paar Briketts lagen auch noch im Keller.
Nachdem sie sich warme Socken und einen dicken alten Bademantel angezogen hatte, kochte sie Tee, machte Frühstück und ließ sich dann viel Zeit. Auf sie wartete ein arbeitsreicher Tag, wie immer, aber morgens beim Frühstück ließ sie sich nicht drängen. Es waren die einzigen beiden Stunden des Tages, die nur ihr gehörten. Und die würde sie sich heute bestimmt nicht von einem amtlichen Schreiben vermiesen lassen. Das konnte warten.
Aber als sich ihr Frühstück dem Ende zuneigte, siegte ihre Neugier, und sie holte den Brief, den sie auf dem Tischchen hatte liegen lassen, um sich anzusehen, worum es sich handelte.
Ein amtliches Schreiben mit einer Vorladung: P.D. Durandt hatte sie verklagt. Sie habe ihr Grundstück unrechtmäßig um mehr als dreißig Zentimeter verbreitert, auf einer Länge von insgesamt hundert Metern …
»Der ist ja völlig durchgeknallt«, murmelte Nele.
P.D. Durandt war ihr Nachbar, den sie noch nie gesehen hatte, der dennoch vom ersten Moment an, da sie hier eingezogen war, jede Gelegenheit ergriffen hatte, ihr das Leben schwer zu machen. Angeblich feierte sie dauernd Partys und beschallte damit die sonst so stillen Nächte dieses Dorfs in der Nähe der Großstadt München – oder ihre Tiere übernahmen das. Klar, ihr Hahn krähte frühmorgens so laut, dass es weithin hörbar war, und einmal war ein Fuchs in den Hühnerstall eingebrochen, das hatte auch ein lautes Spektakel gegeben, aber sonst? Sie hatte noch zwei Ziegen und eine Handvoll Schafe, die jedoch nachts schliefen.
Sie hatte sogar schon versucht, mit Herrn Durandt ein Gespräch zu führen, doch er hatte sich verleugnen lassen, dabei war er garantiert zu Hause gewesen, sie hatte eine Bewegung an einem der Fenster gesehen, bevor sie wieder gegangen war. Einen zweiten Versuch würde sie jedenfalls nicht starten. Er konnte sie mal!
Leider stand sie aber nicht nur mit Herrn Durandt auf keinem guten Fuß. Sie wusste nicht genau, was die Leute im Dorf gegen sie hatten, aber fast alle mieden sie, und so hatte sie bislang auch nicht in Erfahrung bringen können, warum ihr direkter Nachbar sie so erbittert bekämpfte. Tatsache war leider, dass die Hoffnungen, die sie an den Erwerb des alten Hauses, dessen Bauweise tatsächlich an ein kleines Schloss denken ließ, sich nicht erfüllt hatten. Sie war hier weitgehend isoliert, und es sah nicht danach aus, als würde sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern. Es gab Tage, an denen sie es bitter bereute, ihre Erbschaft in dieses Gemäuer gesteckt zu haben, obwohl es damals Liebe auf den ersten Blick gewesen war.
Sie hatte von ihrem geliebten Großvater eine nicht unbeträchtliche Summe bekommen, die er ihr zum Teil schon lange vor seinem Tod überschrieben hatte, sodass nur wenig Erbschaftssteuer angefallen war. »Mach etwas Gutes damit«, hatte er ihr dazu geschrieben. »Du bist ein bunter Vogel, Nele, du musst unabhängig bleiben, aber sieh zu, dass du einen Ort findest, an dem du zu Hause bist.«
Dieser Ort war das kleine Schloss – so lautete der mehr oder weniger offizielle Name im Dorf. In Wirklichkeit war es einmal eine herrschaftliche Villa gewesen, die sich ein vermögender Graf mit verwandtschaftlichen Beziehungen zum englischen Königshaus an diesem schönen Ort hatte errichten lassen, um seine königlichen Verwandten bei einem eventuellen Besuch angemessen empfangen zu können. Dem Vernehmen nach hatten sich die Verwandten aber niemals blicken lassen, und irgendwann war auch der Graf weggewesen. Leider waren nach ihm Leute in die Villa gezogen, die nicht nur das schöne alte Parkett mit Teppichboden überklebt, sondern auch andere schlimme Sünden an der liebevollen Ausstattung begangen hatten, aber Nele hatte die einmal vorhandene Schönheit der Villa immer noch sehen können und war wild entschlossen, sie wieder zum Vorschein zu bringen.
So sah also das Gebäude, als sie es gekauft hatte, nicht mehr ganz so herrschaftlich aus wie zurzeit seiner Erbauung, im Gegenteil, es war grundsätzlich sanierungsbedürftig gewesen, hatte aber ihr Herz vielleicht gerade deshalb im Sturm erobert. Für die wichtigsten Arbeiten hatte das Geld aus der Erbschaft noch gereicht, den Rest würde sie nach und nach erledigen. Vieles konnte sie selbst machen, denn sie war handwerklich sehr geschickt und hatte Spaß am Heimwerken. Besondere Freude hatte es ihr gemacht, in einem großen Saal im Erdgeschoss das alte Parkett wieder freizulegen und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen.
Sie gab hier Sport- und Musikunterricht – zum Glück war München nah und das Dorf verkehrstechnisch gut angebunden, sodass ihr die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler nach dem Umzug hierher erhalten geblieben waren. Sie war eine gute Lehrerin, das hatte sich herumgesprochen. Neuerdings unterrichtete sie sogar ein kleines Mädchen aus dem Dorf, das gerne Klavierspielen lernen wollte – die kleine Rosalie war begabt und kam gerne zu ihr.
Neuerdings gab Nele auch einen Kurs für Menschen mit Rückenproblemen. Der war noch nicht so gut besucht, aber auch dort waren neuerdings zwei Frauen aus dem Dorf dabei. Demnächst würde sie es noch mit einem Tanzkurs versuchen, das reizte sie.
Das lief alles etwas stockend an, aber sie war zufrieden. Sie baute Obst und Gemüse selbst an, hatte für den Winter vieles eingemacht, und sie hielt ein paar Tiere, die ihr lieferten, was sie sonst noch brauchte. Sie aß gern Eier, gelegentlich schlachtete sie ein Huhn, und sie war eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin – außerdem machte sie Käse aus Schaf- und Ziegenmilch.
Und seit allerneuestem hatte sie zwei Mieterinnen – Studentinnen aus München, die sich glücklich schätzten, in ihrem schönen Schlösschen eine bezahlbare Unterkunft gefunden zu haben. Die beiden teilten sich ein kleines Auto, so waren sie von Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmittel unabhängig, und sie brachten Leben ins Haus, was Nele nur recht war. Platz gab es ja genug, sie kamen sich gegenseitig nicht in die Quere. Kurz nach dem Einzug hatten sie einen Abend zusammen verbracht, das war richtig nett gewesen. Livia und Louise hießen die beiden, sie waren im ersten Semester. Livia studierte Sprachen, Louise Tiermedizin. Sie war besonders glücklich über Neles Tiere gewesen.
Nele sah nicht allzu viel von den beiden, aber wenn sie sich über den Weg liefen, reichte es immer für ein kurzes Gespräch. Manchmal aßen sie auch zusammen, wenn es sich ergab. Nele fand es jedenfalls schön, dass sie nicht mehr allein war in ihrem alten Gemäuer.
P.D. Durandt, falls er es erfuhr, würde natürlich nicht zufrieden sein, denn mehr Menschen bedeuteten in seinen Augen mit Sicherheit mehr Lärm und noch mehr Unannehmlichkeiten für ihn. Dabei hatte sich Nele schon oft gefragt, was er eigentlich mitbekam. Sie wohnten ja nicht in einer engen Straße, wo zwischen zwei Häusern keine fünfzehn Meter Abstand waren, sondern auf zwei richtig großen Grundstücken, die Häuser standen weit voneinander entfernt. Und trotzdem meckerte er über ihren Hahn oder – im Sommer, wenn die Fenster geöffnet waren – über ihr Klavierspiel und den Chorgesang. Er musste schon ein sehr merkwürdiger Kauz sein!
Sie führte jetzt, überlegte sie, genau das Leben, das sie sich immer gewünscht hatte, jedenfalls, wenn sie von P.D. Durandt und der Tatsache absah, dass die Leute im Dorf ihr größtenteils noch immer mit Misstrauen begegneten. Dabei gab sie sich alle Mühe, ihnen zu beweisen, dass sie nicht mit wie auch immer gearteten bösen Absichten hierhergezogen war. Aber da sie Optimistin war, ging sie davon aus, dass es ihr irgendwann schon gelingen würde, von den Leuten hier nicht nur akzeptiert, sondern auch gemocht zu werden.
Noch einmal griff sie nach dem Brief. Das klang ernst. Sie fragte sich, ob sie einen Anwalt brauchte. Der würde allerdings wieder Geld kosten, das ihr an anderer Stelle fehlen würde. Sie kam zwar gut zurecht, aber große Rücklagen hatte sie nicht mehr. Die Grundsanierung des kleinen Schlosses war teurer gewesen als erwartet, jetzt musste sie erst einmal Geld verdienen, bevor sie wieder größere Summen ausgab.
Sie schenkte sich noch einen Tee ein, dachte nach, während sie ihn trank, warf dabei einen Blick in den Terminkalender und sprang mit einem leisen Aufschrei auf. Sie musste ja heute nach München – das hatte sie über dem Besuch der beiden Polizisten doch tatsächlich vergessen!
*
Antonia Laurin setzte ihre kleine Patientin Rosalie Ernstinger auf die Untersuchungsliege. »Du bist aber arg erkältet, Rosalie«, sagte sie.
»Sie hat auch Fieber, Frau Doktor«, erklärte Rosalies Mutter Kirsten. »Seit gestern schon, deshalb dachte ich, wir kommen besser mal her.«
»Und beim Schlucken tut es weh«, klagte die Patientin.
»Dann mach mal deinen Mund auf und lass mich sehen, was da los ist«, bat Antonia.
Brav öffnete Rosalie den Mund und sagte: »Aaaah!«
»Das ist eine richtig starke Entzündung«, stellte Antonia fest. »Und da du immer noch Fieber hast, steckt dich deine Mama am besten ins Bett, da bleibst du, bis du kein Fieber und keine Schmerzen mehr hast.«
»Das geht nicht«, krächzte Rosalie.
Antonia sah sie verwundert an. »Warum denn nicht?«
Da die Kleine nicht sofort antwortete, tat es ihre Mutter für sie. »Sie hat morgen Klavierstunde«, seufzte Kirsten Ernstinger. »Die will sie auf keinen Fall verpassen.«
