Der gierige Würger - Donald Kulesza-Betzen - E-Book

Der gierige Würger E-Book

Donald Kulesza-Betzen

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Beschreibung

Lyrik bewegt Gefühle und Gedanken. Sie verleiht ihnen Worte, die sich in Metaphern und rhetorischen Figuren verdichten. Poesie ist Ästhetik und feiert den Klang des meist durch Metrum und Reimschema gebundenen Textes. Lyrik ist weder egoistisch noch selbstverliebt. Sie hat den Mitmenschen fest im Blick, denn das lyrische Ich tritt in einen emotionalen Dialog mit ihm ein. Poesie ist der Königsweg zum Herzen. Poesie ist Therapie für die Seele. Ohne Poesie leben wir in einer kalten Welt

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GEGOSSEN IN GOLD IST DES DICHTERS WORT.

ES TROTZT DER VERSCHLINGENDEN ZEIT.

GEMEIßELT IN GRANIT IST DES DICHTERS WORT.

ES WIRD LEBEN IN ALLE EWIGKEIT.

Inhalt

Vorwort

Poesie als Einmischung

Der gierige Würger

Natur

Ein Lob auf die Jahreszeiten

Der Sturm als Lehrmeister

Winterruhe

Frühlingssonne

Frühlingserwachen

Altfunnixsieler Idylle

Bescheidenheit

Die richtige Mischung

Grenzen der Macht

Stilles Glück am Watt

Politik

„Grüner“ Atomstrom

Lob der Poesie

Alles für die Freiheit

Politik als Beruf

Gebrochene Versprechungen

Impfpflicht oder nicht?

Der Nährboden der Pandemie

Plädoyer für den Frieden

Der ewige Friede

Wie schützt man die Freiheit?

Alles für den Frieden

Die Völker wollen den Frieden

Krieg ist Menschenwerk

Verhindert den Krieg!

Der Weg zum Frieden

Aufgewacht in einer anderen Welt?

Tränen der Hilflosigkeit

Imperiale Fantasien

Melancholie in schwerer Zeit

Die Söhne Luzifers

Zeitenwende

Krisen über Krisen

Tod der Tyrannei

Naht der Dritte Weltkrieg?

Das Böse abwehren

Das Versprechen

Freiheit oder Barbarei

Hyperinflation?

Weisheiten

Grenzen

Familienglück

Endlichkeit

Hochmut kommt vor dem Fall

Glauben

Polarität

Zweifel

Zum achtundsechzigsten

Geburtstag

Der Sieg des Philosophen

Janusköpfigkeit

Geduld ist eine Tugend

Beständigkeit als Illusion?

Wirksame Verteidigung

Haltung zeigen

Wut

Gedankenspiel

Falsche Gurus

Sehnsucht nach ewigem Leben

Liebesgedichte

Seelenwind

Nachts

Wahre Liebe

Was ist Liebe?

Liebe im Alter

Treue Liebe

Klagegedichte

Allein

Der Drachentöter

Angst

Die Macht des Schicksals

Epilog

Der kundige Heiler

Vorwort

Poesie als Einmischung

Lyrik bewegt Gefühle und Gedanken. Die Poesie verleiht ihnen die Worte, die sich in Metaphern und rhetorischen Figuren verdichten. Still tobt der Kampf. Die Seele bebt. Sie will heraus aus ihrem Kerker. Schluss mit dem Mauerblümchendasein! Doch nur selten wird es ihr gelingen, sich den ihr gebührenden Platz in der Gesellschaft zu erobern, es sei denn im politischen Lied, beispielhaft in den Nationalhymnen der Völker verkörpert.

Lyrik ist weder egoistisch noch selbstverliebt. Wenn die Seele spricht, hat sie den Mitmenschen fest im Blick. Das lyrische Ich tritt in einen emotionalen Dialog mit ihm ein.

Sie engagiert sich mit heißem Herzen und mischt sich entschieden in die Politik ein, denn sie propagiert die Freiheit und die menschliche Würde, hasst die Tyrannei und verabscheut das Enkomion als billigste Erscheinung einer wertlosen Anbiederung und Unterwerfung. Warum sollte sie feige den Verrat an der Humanität feiern um des Judaslohns willen? Der Kampf um die Menschenrechte hat erst begonnen. Sie möchte den noch Unentschiedenen begeistern und mitreißen. Hat sie sich erniedrigt, wenn sie in das politische Tagesgeschehen trotzig eingreift, auch wenn die Gefahr des schnellen Verfallsdatums besteht? Nein, die Lyrik soll bewusst den Elfenbeinturm verlassen. "L'art pour l'art" verkürzt ihr Potential.

Kritik setzt Erkenntnis voraus. Sie entwickelt sich aus dem Lebensvollzug und der philosophischen Reflexion. Mit ihrer bewusst einfachen Sprache reduziert die politische Poesie Komplexität aus didaktischer Verantwortung.

Moderne Poesie zieht sich keine Hemmschuhe an, sondern sie sollte präsent sein in allen Feldern menschlicher Existenz. Sie verlässt das konventionelle Terrain der Ästhetisierung der Gefühlswelten und betritt mutig die Räume der Abstraktion. In der ungezwungenen Verbindung beider Bereiche bewegt sich der Geist. Das ist kein neuer revolutionärer Zugriff auf Sphären, die sich oberflächlich betrachtet scheinbar einer Poetisierung widersetzen. Genau diesen Spagat wagten schon die Dichter des Barock wie John Donne, als sie den “metaphysical conceit“ als zentrales Element in ihre Sonette einführten.

Die Lyrik sollte wieder den Stellenwert einnehmen, der ihr gebührt. Sie gehört wie das Lied in die Mitte der Gesellschaft.

Der vorliegende Band schließt eine Trilogie ab, die Gedichte aus den Jahren 2015 bis 2022 darbietet.

April 2022

Der gierige Würger

Blind und grausam ist die Schicksalsmacht.

Der vernichtende Schlag kommt über Nacht.

Du fühlst dich am Boden, ganz ausgelaugt.

Was hat dich nur so ausgesaugt?

Du machst dir große Sorgen.

Denkst mit Schaudern an Morgen.

Woher sollst du die Kraft nehmen?

Versagst du, wird man dich verfemen.

Du fühlst dich mutterseelenallein.

Gibt es für dich noch Sonnenschein?

Die Welt ist dunkel und leer.

Selbst das Atmen fällt dir mächtig schwer.

In pechschwarzer Nacht schreit deine wunde Seele,

Ins Prokrustesbett eingezwängt wie Keilschrift auf der Stele

Des Hammurabi, grausam, unerbittlich, voller Bosheit

Aus Mangel an Mitleid und erbarmender Menschlichkeit.

Du willst heraus aus dieser bösen Klemme.

Wenn du 's nicht schaffst, beleidigen sie dich als Memme.

Doch was befreit dich aus dem Seelenknast?

Bleib besonnen! Gönne dir zur Reflexion die nötige Rast.

Bedenke alles ohne Hast.

Im Garten saß ich, versunken in schweren Gedanken.

Mir war, als würde selbst der Boden unter mir wanken.

So elend und schwach hatte ich mich noch nie gefühlt.

Alles in meiner wunden Seele war von innerer Unruhe aufgewühlt.

An wen sollte ich mich wenden,

Um diese unerträglichen Turbulenzen zu beenden?

Beten konnte ich leider schon lange nicht mehr.

Ja, allein der Gedanke daran gefiel mir nicht sehr.

Ich brauchte eine wirksame Seelentherapie.

Das war mir so klar wie noch nie.

Jedoch die Hilfe eines Psychoanalytikers wollte ich nicht.

Man hört nicht nur gelegentlich, was so mancher verbricht.

Was sollte ich denn wagen,

Um den Gordischen Knoten zu durchschlagen?

Gewiss doch, manchmal helfen Pillen.

Mit ihnen stützt man den kraftlosen Willen.

Doch dies nützt nicht allen und nur kurz.

Führt in vielen Fällen später zum jähen Absturz.

Die Seele lässt sich nicht belügen

Oder auf die Dauer mit Pharmazie betrügen.

Ich will nachhaltig gesunden.

Genau das verlange ich unumwunden.

Vor mir auf den alten, schon knorrigen Mirabellenbaum

Flog ein Würger. Ich erwachte wie aus einem Traum.

Sein Schnabel war voll und trotzdem gierte er noch nach Beute.

Damit ist er nicht allein, denn so halten es viele Leute.

Vor allem am Büfett übernehmen sie sich gern.

Die Völler strömen herbei von nah und fern.

Nach gierigem Fressen begann er, geräuschvoll zu würgen.

Wie unappetitlich! So benahm er sich. Ich könnte dafür bürgen.

Bällchen auf Bällchen warf er unverschämt vom Ast

Haare, Knochen und Unverdauliches trafen mich fast