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Beschreibung

Der deutsche Märchenschatz ist groß und vielfältig. Er reicht vom 'Erdkühlein', dem vermutlich ältesten deutschen Märchen, bis zum modernen Kunstmärchen und von den berühmten Sammlungen Hauffs, Bechsteins oder der Brüder Grimm bis zu den beliebten Märchenstoffen um Till Eulenspiegel oder Rübezahl. Dieser Erzähl-Schatz ist nicht nur einer der Deutschen: Auch die Österreicher, Schweizer und die Bewohner Siebenbürgens haben ihre Geschichten zu ihm beigetragen. Rund 140 Märchen aus vielen Jahrhunderten versammelt dieses prächtig ausgestattete Buch.

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Seitenzahl: 1312

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Der große deutsche Märchenschatz

Der große

deutsche

Märchen

schatz

Ausgewählt und herausgegebenvon Erich Ackermann

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2012 Anaconda Verlag GmbH, KölnAlle Rechte vorbehalten.ISBN 978-3-86647-851-0eISBN [email protected]

Inhalt

Vorwort

Der undankbare Zwerg

Das Märchen von der Padde

Das Märchen vom Popanz

Erschreckliche Geschichte vom Hühnchen und vom Hähnchen

Hans Dudeldee

Die drei Königssöhne

Das Erdkühlein

Der starke Hans

Der Glasbrunnen

Die Schlangenkönigin

Die Geisterküche

Der Schweinehirt

Der einfältige Geselle

Aschengrübel

Riesenbirne und Riesenkuh

Recht bleibt immer Recht

Die Schwanenfrau

Der Wunderbaum

Der Hünentöter

Das Borstenkind

Die Hälfte von allem

De Fischprinzessin un de Snider

Uns’ Herrgott un de Döster

De Könisdochter in ’n Keller

Die Schlangenkrone

Von dem Schaf, das eine Königstochter trug

Das Rautier

Das goldene Salzfass, der goldene Haspel und der Tannenzweig

Böse werden

Der lustige Zaunigel

Der Jäger und die drei Brüder

Der Schneider und der Jäger

Die zwei Schwestern

Der pfiffige Hans

Die Jungfrau auf dem gläsernen Berge

Die schönste Braut

Die Königstochter ein Schmetterling

Donner, Blitz und Wetter

Der Sohn des Kohlenbrenners

Die goldene Ente

Der Glasberg

Münchhausens Reisen und Abenteuer

Prinz Siegmund

Der Faule und der Fleißige

Der Heinzelstein

Prinz Goldfisch und das Fischermädchen

Die Wurzelprinzessin

Geschichte vom Nussknacker

Gänsechristel

Wie ein kluges Schneiderlein seine Seele rettete

Das kluge Schneiderlein und die Wölfe

Goldtöchterchen

Vom unsichtbaren Königreiche

Die drei Schwestern mit den gläsernen Herzen

Wie sich der Christoph und das Bärbel immer aneinander vorbeigewünscht haben

Die Traumbuche

Der Wunschring

Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der nicht das Brummeisen spielen konnte

Der Taler, der vom Himmel fiel

Das Kind unter den Wölfen

Lustige Stücklein von den Schildbürgern

Der Rattenfänger von Hameln

Tyll Eulenspiegels lustige Schwänke

Rübezahl hilft einem armen Mann einen Schlitten Holz herunter aus dem Gebirge fahren

Der Vogel Phönix

Die Zwerchpfeife

Des Toten Dank

Der goldene Hirsch

Von der schönen Schwanenjungfer

Das graue Männchen

Das goldne Königreich

Goldener

Die Gaben der Tiere

Hans ohne Bart

Kleesam

Die Königin von Siebenbürgen

Wie Dummhans für ein Gerstenkorn ein Königreich bekam

Die drei Wünsche

Der kleine Häwelmann

Der Soldat mit den drei Pfennigen

Lüttjemann und Püttjerinchen

Das Riesenspielzeug

Die barmherzige Kaiserin

Einochs

Vom dicken fetten Pfannekuchen

Warum das Meerwasser salzig ist

Der Freischütz

Das blaue Band

Vom Mann ohne Herz

Siebenschön

Clarawunde

Zistel im Körbel

Purzinigele

Werweiß

Griseldele

Der Stinkkäfer

Peter Bär

Widewau

Die singende Meerminne

Die beiden Goldkinder

Die verwünschte Prinzessin

Die verwünschte Prinzenbraut

Die Seidenspinnerin

Die Königstochter zum goldenen Berge

Die Wasserlisse

Die Zwergmännchen

Es ist schon gut

Vom Ursprung des Namens Bärnhäuter

Der Bärenhäuter

Das Märchen vom Schulmeister Klopfstock und seinen fünf Söhnen

Das Märchen vom Witzenspitzel

Die Elfen

Der gläserne Schuh

Hyazinth und Rosenblütchen

Die Sterntaler

Das arme Kind

Zwerg Nase

Königin Isabelle

Drei Königskinder

Die zwei Brüder

Das verwünschte Schloss

Friedrich Goldhaar

Der Hase und der Fuchs

Der Schmied von Jüterbog

Die drei Hochzeitsgäste

Oda und die Schlange

Der Richter und der Teufel

Goldhähnchen

Des kleinen Hirten Glückstraum

Gott Überall

Das Tränenkrüglein

Die drei Hunde

Der Müller und die Nixe

Das Märchen vom Mann im Monde

Die sieben Schwanen

Die drei Musikanten

Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel

Die Bremer Stadtmusikanten

Das Lumpengesindel

Der Gevatter Tod

Der treue Johannes

König Drosselbart

Der Schneider im Himmel

Fitchers Vogel

Rapunzel

Der goldene Vogel

Quellenverzeichnis

Vorwort

Die Wurzeln des deutschen Volksmärchens reichen weit zurück bis in die germanische Vorzeit. Hier sind es vor allem Motive, die in der Edda überliefert sind und später im Volksmärchen allenthalben wieder auftauchen: Wettkämpfe Thors mit dem Riesen Utgardloki, die Suche Freyas nach ihrem Gatten Odin, die Riesentochter Skada oder die boshaften Zwerge. Diese in der germanischen Mythologie wurzelnden Motive finden sich märchenhaft ausgeschmückt auch in den berühmten Heldensagen um Siegfried und Diedrich und andere Recken, alles Geschichten, die gerade im Mittelalter in den höfischen Epen ihren schriftlichen Niederschlag fanden. In ihnen findet man ganze Themenstränge von Märchen. Insbesondere die Artus-Epik mit ihrem irisch-keltischen Erzählgut bereicherte, noch ins Fantastische gesteigert, die große Fülle der märchenhaften Thematik. Hier wimmelt es von Riesen, Zwergen, Drachen und weiteren dämonischen Gestalten, die der Held bekämpfen muss. Auch sind häufig in diesen Geschichten Liebesmärchen eingewoben, in denen der Held seine Geliebte aus den Fängen eines dämonischen Ungetüms befreien muss, um damit die Ordnung in der Welt wieder herzustellen. Auch darin findet sich schon ein Grundzug des Märchens schlechthin: die optimistische Weltsicht, in der das Gute letztendlich das Böse besiegt und alles wieder im rechten Lot ist.

Auch die Geistlichkeit bediente sich im Mittelalter des Märchens. Um die christliche Lehre nicht allzu trocken und theoretisch zu vermitteln, flochten die Priester Märchen, Fabeln und Exempel in ihre Predigten ein, die Predigtmärlein. Das bezeugt, dass es neben den Märchen in der hohen Literatur auch bei der breiten analphabetischen Masse des Volkes eine Unmenge von Märchen gegeben haben muss, die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden. Darunter sind Schwankmärchen, Fabeln und Tiermärchen bezeugt, Themen also, die in der hehren Epik weniger vorkommen.

Erst im 16. Jahrhundert treten häufiger Quellen mit schriftlich fixierten Märchen auf. So scheint das Erdkühlein von Martin Montanus (1557), zuerst in alemannischem Dialekt aufgezeichnet, das erste schriftlich fixierte Märchen im deutschsprachigen Raum gewesen zu sein. Goethe kannte es. Aus seinem Gartenhäuschen schrieb er 1778 an Frau von Stein: »Zum ersten Mal im Garten geschlafen, und nun Erdkülin für ewig.« Bei den Brüdern Grimm taucht dieses Märchen in einer anderen jüngeren Fassung als Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein auf.

Zur Zeit des Barock erschienen auch in anderen europäischen Ländern Sammlungen zumeist echter Volksmärchen. In Italien sind es die Piacevoli Notti (Die ergötzlichen Nächte) von Straparola (1553), dann die Cunto de li cunti oder Pentamerone von Basile (1636). In Frankreich hatte Charles Perrault Volksmärchen gesammelt und sie unter dem Titel Contes de ma mère l’oye (Erzählungen meiner Mutter Gans) 1697 herausgegeben. Hinzu kamen noch die Feenmärchen einer Madame d’Aulnoy und vor allem die französische Übersetzung von Tausendundeiner Nacht durch einen gewissen Antoine Galland. All diese Sammlungen enthielten Geschichten, die einen maßgeblichen Einfluss auf das deutsche Märchengut ausübten und aus denen auch die Brüder Grimm später schöpfen sollten.

Im Deutschland der Aufklärung ist Johann Karl August Musäus (1735–1787) einer der ersten, der eine deutsche Märchensammlung zusammenstellte, die Volksmärchen der Deutschen. Es sind meist längere, novellistisch erweiterte Märchen, die sprachlich von Musäus stilisiert wurden. Obwohl die Sprache literarisch gehoben ist und in der Sammlung deutlich der Geist der Aufklärung zu spüren ist, handelt es sich doch im Kern um echte Volksmärchen. Der Weimarer Gymnasialprofessor sollte zum Wegbereiter der Brüder Grimm werden. Und die waren es auch, die dem deutschen Märchen das eigentliche Gepräge gegeben haben, und das sowohl durch den sprachlichen Stil als auch durch die Überfülle an Themen, Motiven und Varianten, die ihre Sammlung enthält. 1812 kam die erste Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm heraus, drei Jahre später der zweite Band. Die Absicht der beiden Brüder war es, die Märchen so rein und treu wiederzugeben, wie sie sie von ihren Erzählern und aus sonstigen Quellen erfahren hatten.

Die Grimms hatten für ihre umfangreiche Sammlung verschiedene Quellen. An erster Stelle war die Forschung in der königlichen Bibliothek in Kassel; allmählich begannen sie dann die Märchen von Gewährsleuten zu sammeln. Sie haben ihre Märchen vor allem bei Wanderungen in Hessen erzählt bekommen, auch Freunde übermittelten ihnen Geschichten. Vor allem von Dorothea Viehmann, deren Vorfahren französische Hugenotten waren, hörten die Brüder französische Märchen, die sich auch in der schon erwähnten Sammlung von Charles Perrault befanden.

Durch die Grimms wurden aus den überlieferten Märchen Buchmärchen, die sich natürlich vorzüglich zum Vorlesen eigneten. Dafür sorgte vor allem der jüngere Bruder Wilhelm ab der 2. Auflage der Sammlung, indem er die ohnehin schon biedermeierliche Sprache noch besonders für Kinder glättete und die märchenhaften Formeln einfügte; zudem wurden viele allzu grausame Passagen der Vorlagen geglättet oder ausgemerzt. Auch die bekanntesten Sprüche wie »Spieglein, Spieglein an der Wand« und alle anderen, die noch heute jedes Kind kennt, stammen von ihm.

Die Brüder Grimm haben aber nicht nur dem Märchen den Einzug in die Nationalliteratur eröffnet, sondern sie haben auch durch ihre Kommentierung der Märchen maßgeblich zur Erforschung der Volksdichtung beigetragen. Allerdings blieb dem Märchen durch die Bearbeitung der Grimms bis heute der Platz in der Kinderliteratur vorbehalten.

Nach dem Vorbild der Grimm’schen Sammlung entstanden bald überall in Europa nationale Sammlungen. In Deutschland war es vornehmlich Ludwig Bechstein (1801–1865), der mit seinem Werk Deutsches Märchenbuch großen Erfolg hatte. Die Popularität seiner Märchen wurde noch durch die biedermeierlichen Illustrationen von Ludwig Richter gesteigert. Es folgten dann im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert Sammlungen aus nahezu allen deutschen und deutschsprachigen Landstrichen.

Der vorliegende Band bringt neben Märchen vor Grimm auch solche von Grimm und nach Grimm, was nicht unbedingt sagt, dass die einen älter sind als die anderen. Daneben finden sich hier auch bekannte Kunstmärchen vor allem aus der Romantik, die bald schon Einzug in die klassischen deutschen Märchenbücher gefunden hatten. In diesen verknüpft der Autor seine Fantasiegestalten und imaginären Welten mit denen, die er aus den tradierten Volksmärchen kennt. Mitte des 19. Jahrhunderts haben auch Autoren Märchen eigens für Kinder erfunden und deren kindlicher Welt sprachlich und bildlich angepasst – oft etwas kitschig, süßlich und moralisierend wie etwa Robert Reinick. Auch dafür gibt es in unserem Band einige Beispiele, und nicht zu vergessen Schwänke und Lügengeschichten, die in keiner klassischen Märchensammlung fehlen dürfen (z.B. Eulenspiegel, Münchhausen).

Die vorliegende Sammlung versucht der großen Motivfülle und Bandbreite des deutschen Märchens gerecht zu werden, indem sie eine zeitliche und räumliche Reise zugleich bietet: Zeitlich geht es von den ältesten deutschen Märchen über die Grimms bis hin zu Sammlungen aus dem 20. Jahrhundert, räumlich geht die Reise durch fast alle deutschsprachigen Gebiete, durch die vielen einzelnen Gefilde Deutschlands über die Schweiz und Österreich bis hin ins entlegene Siebenbürgen, wo sich bei den deutschsprachigen Siedlern die uralten Geschichten aus der fernen Heimat erhalten haben.

Erich Ackermann

Der undankbare Zwerg

Ein paar sehr arme Leute hatten viele, viele Kinder, welche sie nur mit Mühe ernähren konnten. Einst gingen einige dieser Kinder in den Wald, um Reisig zusammenzusuchen. Eines der Mädchen, mit Namen Schneeweißchen, verlor sich zufällig von den anderen und fand mit Erstaunen einen hässlichen Zwerg, der kaum eine Elle lang sein mochte, in der größten Not. Er hatte einen Baum, welcher gefällt war, spalten wollen und auch wirklich eine tiefe Spalte hineingehauen, in welche er einen Pflock getan. Dieser Pflock war, ich weiß nicht wie, wieder herausgekommen, und da sich die Spalte schnell schloss, hatte sie ein ziemliches Stück von seinem gewaltig langen Bart erwischt und eingeklemmt, sodass der Zwerg gefangen dastand. Er rief das Kind um Hilfe an, und Schneeweißchen war auch gleich bereit ihm zu helfen; aber sie mochte es anfangen, wie sie wollte, der Bart war nicht herauszubringen. Da erbot sich Schneeweißchen, schnell nach Hause zu laufen und ihren Vater zu rufen; das verbot ihr aber der Zwerg und befahl ihr, eine Schere zu holen, um den Bart abzuschneiden; sie gehorchte und lief fort.

Bald kam sie wieder und befreite ihn durch das Abschneiden des eingeklemmten Stückes vom Bart. Hierauf zog der Zwerg einen großen Sack mit Geld unter dem Baume hervor, und obwohl es schicklich gewesen wäre, dass er seiner Befreierin höflich gedankt und ihr von seinem vielen Gelde auch reichlich ausgeteilt hätte, so tat er doch weder das eine noch das andere, sondern schlich, murrend über seinen Unfall, ohne Gruß noch Dank davon. Schneeweißchen sah ihm nach, dann hüpfte sie wieder fort.

Nicht lange nachher ging Schneeweißchen mit ihrer Schwester Rosenrot an den Fluss, um zu angeln und zu krebsen. Siehe, da war der Zwerg wieder, und dieses Mal hatte sich der Faden der Angelrute in seinem Bart ganz verwickelt. Ein Fisch hatte unten angebissen und zog so mit der Angel das quäkende Zwerglein in das Wasser hinein. Die Mädchen ergriffen das Männchen, um es festzuhalten, aber es war unmöglich, Schnur und Bart voneinander zu entwirren, und der große Fisch, der viel größer als der Angler war, zog immerfort. Da sprach Schneeweißchen zu ihrer Schwester, sie solle stehen bleiben und den Zwerg festhalten, indessen wolle sie nach Hause laufen und eine Schere holen. Wie der Blitz lief sie hin und her und zerschnitt die Angelrute, wobei aber auch ein Teil des Bartes verloren ging. Darüber murrte das Zwerglein sehr, ergriff einen Sack mit den schönsten Perlen und machte sich, wie das erste Mal, undankbar und unhöflich davon. Die Kinder aber angelten und krebsten und dachten nicht mehr an das grobe Männlein.

Da geschah es abermals, dass die Kinder weggeschickt wurden, um etwas aus der Stadt zu holen. Als die Mädchen über das Feld gingen, erblickten sie einen Adler, welcher das bekannte Zwerglein anpackte und mit sich fortnehmen wollte. Die beiden, Rosenrot und Schneeweißchen, warfen den Vogel mit Steinen, da das nichts half, fassten sie das Männchen an und zerrten sich mit dem Adler herum, und keins wollte die Beute lassen. Da schrie der böse Zwerg so jämmerlich, dass der Adler erschrak und von ihm abließ. Dieses Mal hatte er einen Sack mit Edelsteinen bei sich, und er ging wie das erste Mal davon, sang- und klanglos davon.

Wiederum nach einiger Zeit fanden die beiden Kinder den Zwerg unter den Tatzen eines Bären, der im Begriff stand, ihn zu kämmen. Sie schrien laut auf vor Schrecken, und der Bär stutzte und sah nach ihnen hin. Da bat das Zwerglein: »Ach lieber, gnädiger Herr Bär, friss mich nicht! Ich will dir auch meine Säcke mit Gold, Perlen und Edelsteinen geben. Sieh, die beiden Kinder da, die sind jung und fett und zart, an ihnen wirst du einen bessern Bissen finden als an mir; nimm und friss sie.«

Die Mädchen waren starr vor Schrecken über den undankbaren Bösewicht, der Bär aber kehrte sich um sein Gerede nicht, sondern fraß ihn brummend mit Haut und Haar und ging dann seiner Wege. Die Mädchen fanden nun die Säcke mit Perlen, Gold und Edelsteinen, welche sie mühsam genug – denn sie waren sehr schwer – zu den Eltern nach Hause schleppten. Da waren sie nun mit einem Mal so reich wie die reichsten Fürsten und kauften sich schöne Schlösser und Landgüter, und Schneeweißchen und Rosenrot sowie ihre Geschwister konnten nun recht viel lernen und bekamen schöne Kleider und Sachen. Das garstige Zwerglein aber bedauerte niemand, denn es hatte sein Schicksal gar zu wohl verdient.

Das Märchen von der Padde

Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne. Es lebte aber auch damals eine alte Frau, die hatte nur ein Töchterlein, welches Petersilie hieß.

Der König schickte seine Söhne aus, um sich in der Welt umzusehen, seine und fremde Lande kennenzulernen, um so weise genug zu werden, dereinst ihr Erbteil beherrschen zu können.

Die alte Frau aber lebte stille und eingezogen mit ihrem Töchterlein, das den Namen davon hatte, dass es Petersilie lieber als alle andere Speise aß, ja einen rechten Heißhunger darnach hatte. Die arme Mutter hatte nicht Geld genug, immer und immerfort Petersilie für die Tochter zu kaufen, und es blieb ihr daher nichts übrig, da das Töchterlein gar zu schön war und sie auf keine Weise ihrer Schönheit nachteilig sein wollte, als nächtlich aus dem Garten des gegenüberliegenden Jungfrauenklosters die schönsten Petersilienwurzeln zu entwenden und das Töchterchen damit zu füttern. Das Gelüst der schönen Petersilie war nicht unbekannt, ebenso wenig blieb der Diebstahl verborgen, und die Äbtissin war über ihre schöne Nachbarin nicht wenig erzürnt.

Die drei Prinzen kamen auf ihrer Wanderung auch in das Städtlein, wo Petersilie mit ihrer Mutter wohnte, und gingen gerade durch die Straße, als das schöne Mägdlein am Fenster stand und ihre langen, wunderprächtigen Haare kämmte und flocht. Entzündet von Liebe, stieg in einem jeden der Wunsch auf, die Schöne zu besitzen, und kaum war der Wunsch über die Lippen gekommen, als auch ein jeglicher, in blinder Eifersucht, seinen Säbel zog und auf seinen brüderlichen Mitbewerber losging. Der Kampf ward nicht wenig heftig, auch die Äbtissin trat an die Pforte, und kaum hatte die fromme Frau gehört, dass ihre Nachbarin die Ursache sei, als aller Grimm, früher und späterer, sich in ihr zu der Verwünschung sammelte: Sie wünschte, dass Petersilie in einen hässlichen Frosch verwandelt würde und unter einer Brücke am entferntesten Ende der Erde säße.

Kaum ausgesprochen, ward Petersilie ein Frosch und war verschwunden. Die Prinzen, die nun keinen Gegenstand des Kampfes hatten, steckten ihre Degen ein, umarmten sich wieder brüderlich und zogen heim zu ihrem Vater.

Der alte Herr merkte indes, dass er stumpf und schwach in den Regierungsgeschäften ward, und wollte daher das Reich abtreten, aber wem? Dazu konnte sich sein väterliches Herz nicht entschließen, unter den drei Söhnen zu wählen. Das Schicksal sollte es bestimmen, und er ließ sie daher vor sich kommen.

»Meine lieben Kinder«, sprach er, »ich werde alt und schwach und will meine Regierung niederlegen, kann mich aber nicht entschließen, einen von euch zu wählen, da ich euch alle drei gleich zärtlich liebe und denn doch auch dem Besten und Klügsten von euch mein Volk übergeben wollte. Ihr sollt mir daher drei Aufgaben lösen, und wer sie mir löst, der soll mein Erbe sein. Das erste ist: Ihr müsst mir ein Stück Leinwand von hundert Ellen bringen, das man durch einen goldenen Ring ziehen kann.«

Die Söhne verneigten sich, versprachen ihr Möglichstes zu tun und machten sich auf die Reise. Die beiden ältesten Brüder nahmen viel Gefolge und viele Wagen mit, um alle die schöne Leinwand, die sie finden würden, aufzuladen, der Jüngste ging ganz allein. Bald kamen drei Wege, zwei lustig und trocken, der dritte düster, feucht und schmutzig. Die beiden älteren Brüder nahmen die beiden ersten Wege, der Jüngste nahm Abschied von ihnen und schlenderte den düsteren Weg entlang.

Wo nur schöne Leinwand war, besahen sie die älteren Brüder und erstanden sie, ihre Wagen krachten unter der Last, und wo nur irgend der Ruf sie hinwies, dahin eilten sie auch und kauften. Sie kehrten reich versehen zurück. Der Jüngste dagegen ging mehrere Tagereisen auf seinem unwirtlichen Wege fort. Nirgends wollte ihm ein Ort erscheinen, in dem er auch nur eine erträglich feine Leinwand gefunden, und so reiste er lange und ward immer missmutiger.

Einst kam er an eine Brücke, setzte sich an dem Rande nieder und seufzte recht tief über sein böses Schicksal. Da kroch eine missgestaltete Padde aus dem Sumpf hervor, stellte sich vor ihn und fragte, mit nicht ganz übertönender Stimme, was ihm denn fehle.

Der Prinz, unwillig, antwortete: »Frosch, du wirst mir nicht helfen.«

»Und doch«, erwiderte der Frosch. »Sagt mir nur eure Leiden.«

Nach mehreren Weigerungen erklärte endlich der Prinz die Ursache, warum ihn sein Vater ausgesendet habe.

»Dir soll geholfen werden«, sagte die Padde, kroch in ihren Sumpf zurück und zerrte bald ein Läppchen Leinwand, nicht größer als eine Hand und nicht eben zum saubersten aussehend, hervor, das sie vor den Prinzen niederlegte und ihm andeutete, das solle er nur nehmen. Der Prinz hatte gar keine Lust, ein so übel scheinendes Läppchen anzunehmen, doch lag etwas in den Zuredungen der Padde, das ihn bereitwillig machte, und er dachte: »Etwas ist doch besser als gar nichts«, steckte daher sein Läppchen ein und empfahl sich dem Frosche, der mühsam sich wieder in das Wasser schob.

Je weiter er ging, je mehr merkte er zu seiner Freude, dass ihm die Tasche, in welche er das Läppchen gesteckt hatte, immer schwerer ward, und er wanderte daher mutvoll auf den Hof seines Vaters zu, den er auch in kurzem erreichte, als eben auch seine Brüder mit ihren Frachtwagen wieder anlangten.

Der Vater war erfreut, seine drei Kinder wiederzusehen, zog sogleich seinen Ring vom Finger, und die Probe begann. Auf all den Frachtwagen war auch nicht ein Stück, das nur zum zehnten Teile durch den Ring gegangen wäre, und die beiden älteren Brüder, die erst ziemlich spöttisch auf ihren Bruder, der ganz ohne alle große Vorräte gekommen war, sahen, wurden ziemlich kleinlaut. Wie war ihnen zumute, als er aus seiner Tasche ein Gespinst zog, das an Zartheit, Feinheit und Weiße alles übertraf, was man je gesehen hatte. Es wallte in glänzenden Lagen und ging nicht allein höchst bequem durch den Ring durch, man hätte wohl noch ein Stück zu gleicher Zeit durch den Ring ziehen können, und dennoch gab das Maß richtige hundert Ellen.

Der Vater umarmte den glücklichen Sohn, befahl, die unbrauchbare Leinwand ins Wasser zu werfen, und sagte dann zu seinen Kindern: »Nun, ihr lieben Prinzen, müsst ihr die zweite Forderung erfüllen. Ihr müsst mir ein Hündlein bringen, das in eine Nussschale passt.«

Die Söhne waren über eine so wunderbare Aufgabe nicht wenig erschrocken, aber der Reiz der Krone war zu groß, sie versprachen, auch dies zu erfüllen zu suchen, und wanderten nach wenig Tagen Ruhe wieder aus.

Am Scheidewege trennten sie sich; der Jüngste ging seinen feuchten, unscheinbaren Weg, er hatte schon bei Weitem mehr Mut. Kaum hatte er einige Zeit an der Brücke gesessen und wieder geseufzt, so kroch auch die Padde wieder hervor, setzte sich ihm, wie das erste Mal, gegenüber, öffnete den weiten Mund und fragte, was ihm denn fehle.

Der Prinz setzte diesmal keinen Zweifel in die Macht der Padde, sondern gestand ihr gleich sein Bedürfnis.

»Dir soll geholfen werden«, sagte wiederum die Padde, kroch in den Sumpf und brachte ein Haselnüsslein hervor, legte sie ihm vor die Füße, sagte ihm, er solle sie nur mitnehmen und seinen Herrn Vater bitten, die Nuss sauber aufzuknacken, das andere würde er schon sehen. Der Prinz ging vergnügt fort, und die Padde schob sich wieder mühsam in das Wasser hinab.

Daheim waren die Brüder auch schon zu gleicher Zeit angekommen und hatten eine große Menge sehr zierlicher Hündlein mitgebracht. Der alte Vater hatte eine beträchtliche große Walnussschale bereit und schob jedes Hündlein hinein, aber die hingen bald mit den Vorderfüßen, bald mit dem Kopf, bald mit den Hinterfüßen, bald ganz über die Walnussschale fort, sodass gar nicht daran zu denken war, dass ein Hündlein hineingepasst hätte.

Als nun kein Hund mehr zu proben übrig war, überreichte der Jüngste mit einer zierlichen Verbeugung dem Vater seine Haselnuss und bat, sie auf das Behutsamste aufzuknacken. Kaum hatte der alte König es getan, als aus der Haselnuss ein wunderkleines und niedliches Hündlein sprang, das gleich auf der Hand des Königs umherlief, mit dem Schwänzlein wedelte, ihm schmeichelte und gegen die andern auf das Zierlichste bellte.

Die Freude des Hofes war allgemein. Der Vater umarmte wieder den glücklichen Sohn, befahl abermals, die anderen Hunde in das Wasser zu werfen und zu ersäufen, und sagte dann zu seinen Söhnen: »Liebe Kinder, die beiden schwierigsten Bedingungen sind nun erfüllt. Hört nun mein drittes Verlangen: Wer die schönste Frau mir bringt, der soll mein Erbe und Nachfolger sein.«

Die Bedingung war zu nahe, der Preis zu reizend, als dass die Prinzen nicht sogleich, jeder auf seinem gewohnten Wege, wieder hätten aufbrechen sollen.

Dem Jüngsten war diesmal gar nicht wohl zumute. Er dachte: »Alles andere hat der alte Frosch wohl erfüllen können, aber nun wird es vorbei sein, wo wird er mir ein schönes Mädchen und noch dazu das schönste herschaffen können? Seine Sümpfe sind fern und breit menschenleer, und nur Kröten, Unken und anderes Ungeziefer wohnen dort.« Er ging indessen doch fort und seufzte diesmal aus schwerem Herzen, als er wieder an der Brücke saß.

Nicht lange darnach stand die Padde wieder vor ihm und fragte, was ihm fehle.

»Ach, Padde, diesmal kannst du mir nicht helfen. Das übersteigt deine Kräfte.«

»Und doch«, erwiderte der Frosch. »Sagt mir nur euer Leiden.«

Der Prinz entdeckte ihm endlich seine neuen Leiden.

»Dir soll geholfen werden«, sagte wieder der Frosch. »Gehe du nur voran, die Schöne wird dir schon folgen, aber du musst über das, was du sehen wirst, nicht lachen.«

Darauf sprang er, wider seine Gewohnheit, mit einem herzhaften Sprunge weit in das Wasser hinein und verschwand.

Der Prinz seufzte wiederum recht tief, stand auf und ging fort, denn er erwartete nicht viel von dem Versprechen. Kaum hatte er einige Schritte gemacht, so hörte er hinter sich ein Geräusch. Er blickte sich um und sah sechs große Wasserratzen, die in vollem Trabe einen Wagen von Kartenpappe gemacht hinter sich herzogen. Auf dem Bocke saß eine übergroße Kröte als Kutscher, hinten auf standen zwei kleinere Kröten als Bediente und zwei bedeutend große Mäuse mit stattlichen Schnurrbärten als Lakaien. Im Wagen selbst aber saß die ihm wohlbekannte dicke Padde, die im Vorbeifahren etwas ungeschickt, aber doch möglichst zierlich ihm eine Verbeugung machte.

Viel zu sehr in Betrachtungen vertieft von der Nähe seines Glückes und wie ferne es nun sei, da er die schönste Schöne nicht finden würde, betrachtete der Prinz kaum diesen lächerlichen Aufzug, noch weniger hatte er gar Lust zu lachen.

Der Wagen fuhr eine Weile vor ihm her und bog dann um eine Ecke. Wie war ihm aber, als bald darauf um dieselbe Ecke ein herrlicher Wagen rollte, gezogen von sechs mächtigen schwarzen Pferden, regiert von einem wohlgekleideten Kutscher und in dem Wagen die schönste Frau, die er je gesehen und in der er sogleich die reizende Petersilie erkannte, für die sein Herz schon früher entbrannt war. Der Wagen hielt bei ihm stille. Bediente und Lakaien, aus der Tiergestalt entzaubert, öffneten ihm den Wagen, und er säumte nicht, sich zu der schönen Prinzessin zu setzen.

Bald kam er in der Hauptstadt seines Vaters an, mit ihm seine Brüder, die eine große Menge der schönsten Frauen mit sich führten. Aber als die vor den König traten, erkannte sogleich der ganze Hof der schönen Petersilie den Kranz der Schönheit zu.

Der entzückte Vater umarmte seinen Sohn als Nachfolger und seine neue Schwiegertochter. Die anderen Frauen wurden aber alle, wie es der Leinwand und den Hündlein geschehen war, ins Wasser geworfen und ersäuft.

Der Prinz heiratete die Prinzessin Petersilie, regierte lange und glücklich mit ihr, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch.

Das Märchen vom Popanz

Es war einmal ein König, der hatte eine sehr schöne Tochter, die schönste Prinzessin, die man jemals mit Augen gesehen. Schon als Kind verliebten sich alle in sie. Ihr Vater und ihre Mutter hatten sie einem benachbarten Königssohn versprochen, der sehr hässlich und bucklig, dessen Mutter aber eine große Zauberin war.

In der Nachbarschaft der Prinzessin wohnte ein Pastetenbäcker, der so schöne Pasteten backte, dass der König und der ganze Hof von keinem anderen Pasteten nahm als von ihm. Daher kam es, dass er die Prinzessin einst sah und sie ihn. Beide verliebten sich ineinander und so heftig, dass sie eins ohne das andere nicht mehr leben zu können glaubten. Da nun die Prinzessin immer größer ward und endlich die Zeit herannahte, dass sie mit dem buckligen Prinzen Hochzeit machen sollte, wussten sie sich nicht mehr zu helfen vor Schmerz. In ihrer Angst des Herzens wandte sie sich an ihre Amme und entdeckte ihr ihre Liebe zu dem Pastetenbäcker. Die Amme war sehr erschrocken hierüber und ermahnte sie, diese Liebe fahren zu lassen, da sie doch den Pastetenbäcker nie heiraten könne und dürfe. Sie solle hingegen ihre Gedanken auf den Prinzen, ihren künftigen Gemahl, richten.

Die Prinzessin aber weinte und schluchzte und versicherte ihrer Amme, dass sie nicht eher wieder essen und trinken würde, bis sie ihr in ihrer Liebe Rat gegeben hätte. Die Amme, die wohl wusste, dass die Prinzessin hielt, was sie sagte, war sehr bestürzt und bat sie, nur ruhig zu Bett zu gehen, und versprach ihr auf Morgen nachzusinnen, was sie für sie tun könne. Diese Amme verstand auch etwas von der Feerei und der geheimen Wissenschaft und riet am folgenden Tage der Prinzessin, ihren Vater zu bitten, dass er die Hochzeit noch ein Jahr aufschöbe; unterdessen würde sich Rat finden, und sie könnte so lange nach wie vor ihren Pastetenbäcker sehen.

Dies geschah auch, und da die Amme um das Geheimnis wusste, so konnte er täglich die Pasteten in ihr Zimmer bringen und beide sich ungestört sprechen, solange sie wollten. Auch vergaß derselbe niemals etliche Pasteten für die Amme mitzubringen, die mit Gold gefüllt waren. So gewann ihn diese sehr lieb und versprach ihm, alles zu tun, was möglich wäre, ihnen zu helfen.

Da die beiden Verliebten aber täglich vertrauter wurden und oft halbe Tage lang zusammensaßen, ohne Vorsicht zu gebrauchen, so geschah es, dass, als sie einst wieder so recht traulich beisammensaßen, es dem Prinzen, ihrem Bräutigam, einfiel, den König zu bitten, mit ihm zu seiner Braut zu gehen. Aber welch Erstaunen ergriff sie, als sie beim Eintritt die schöne Prinzessin in den Armen des Pastetenbäckers sahen. Der Vater wollte fast vor Schrecken in Ohnmacht fallen, der Prinz aber vor Wut zergehen. Der Pastetenbäcker benutzte die Verwirrung und lief davon. Der Prinz, im Übermaß seiner Wut, verwünschte sie alle, da er von seiner Mutter die Feerei gelernt hatte, dass sie in derselben Stellung unbeweglich blieben, bis er sie wieder aufwecke. Dies geschah auch sogleich. Über die Amme hatte er aber keine Macht, da sie selber eine Fee war.

Diese war sehr betroffen über den Vorfall; da sie nicht mächtig genug war, den Zauber zu vernichten, so bedachte sie sich kurz, ging zum Pastetenbäcker und sagte ihm alles. Dieser war sehr betrübt darüber; die Amme tröstete ihn aber und sagte ihm, wenn er wirklich die Prinzessin so sehr liebte, wie er zeige, so könnte er ihr noch helfen und den Zauber auflösen. Er beteuerte seine Liebe und war sogleich bereit, alles zu tun und auch sein Leben dafür hinzugeben.

»Nun gut«, sagte die Amme, »so sollst du dich anschicken, eine weite Reise zu machen. In einem Lande, viele tausend Meilen von hier, wohnt ein Popanz, der Oberste aller Popanze, dem nichts verborgen ist und der das Größte und Kleinste weiß, was durch die Zauberei geschieht und geschehen kann. Zu diesem musst du hin und sieben Federn aus seinem Schwanz zu kriegen suchen.«

Als dies der Pastetenbäcker hörte, war er sehr erschrocken und antwortete der Amme, dass solches unmöglich wäre, da er wüsste, dass alle Menschen, die zu dem Popanz kämen, von ihm aufgefressen würden. Die Amme eröffnete ihm aber, der Popanz hätte eine schöne Frau, die keine Menschen fresse; diese müsste er zu sprechen suchen und sie bitten, ihm zu helfen. Sie wüsste durch ihre Kunst, dass der Popanz alle Nachmittage um vier Uhr ausginge und nicht nach Hause käme vor Abend; unterdessen könnte er hingehen und die Frau bitten, ihm die sieben Federn zu verschaffen und sieben Fragen zu beantworten, die sie ihm jetzo sagen wollte: die erste beträfe die Entzauberung des Schlosses und seiner Bewohner; die zweite: wie eine andere Prinzessin, die schon seit vielen tausend Jahren im Schlaf läge, aufgeweckt werden könnte; die dritte: wie der Weinstock in dem Garten eines Königssohns, der sonst so schöne Trauben getragen, nun aber verdorrt und dieser darüber in Krankheit gefallen, wieder zum Grünen zu bringen; viertens: woher es käme, dass der Prinz so hässlich und bucklig wäre, da doch seine Mutter eine Fee und ihn so schön, als sie gewollt, hätte schaffen können; fünftens: wo der Mann wohne, der Tag und Nacht auf dem Rücken trägt; sechstens: wo das Schiff zu kriegen, dass so gut zu Lande als zu Wasser geht; siebentens: wie die Frau des Popanz zu entführen wäre; denn dazu müsste er sich zur schuldigen Dankbarkeit entschließen: An ihrer Einwilligung wäre nicht zu zweifeln; denn das würde die Bedingung sein, worunter sie ihm die sieben Federn aus dem Schwanz des Popanzes verschaffen wolle, indem sie sehr unglücklich mit demselben lebe. Die Amme gab ihm hierauf einen versiegelten Zettel und sagte ihm, er sollte ihn nicht eher aufbrechen als in der Nacht um zwölf Uhr vor dem Tore der Stadt, und alsdann solle er die Worte, die darauf geschrieben stünden, dreimal laut ausrufen: Sogleich würde er sich in einem dichten Walde befinden, in welchem ein großes Schloss stehe. Er solle sich aber in dem Walde verborgen halten, bis die Glocke vier geschlagen habe. Alsdann solle er in das Schloss gehen und mit der Frau des Popanzes sprechen. Dies alles versprach er getreulich zu erfüllen oder zu sterben.

Als nun Mitternacht kam und er vor dem Tore die drei Wörter ausgesprochen hatte, befand er sich auf einmal in dem Walde nahe bei dem Schloss des Popanzes. Er verbarg sich, so gut er konnte, in dem Dickicht, und es währte nicht lange, so sah er den Popanz ausgehen, welcher fürchterlich umherschnupperte, als rieche er Menschenfleisch. Als er ihm aus den Augen war, ging er in das Schloss zu der Frau und bat sie um ein Nachtlager. Sie war sehr verwundert, als sie ein menschliches Wesen zu ihr hereintreten sah: »Mein Gott«, rief sie aus, »wie kommst du in diese Gegend? Es ist dein Glück, dass du nicht früher gekommen bist und meinen Mann getroffen hast, er hätte dich gewiss gefressen. Er ist aber auf die Jagd gegangen, nach seiner Gewohnheit. Ich will dir zwar etwas zu essen geben; aber mache, dass du wieder fortkommst, sonst frisst dich mein Mann, wenn er zurückkehrt und dich hier trifft: denn er spürt sogleich, wenn ein Mensch im Hause ist.«

Der Pastetenbäcker fing aber an, die Frau sehr zu bitten und ihr die ganze Sache vorzutragen: Er wollte weder essen noch trinken und bat sie nur inständig um die sieben Federn und um die sieben Fragen. Die Frau war sehr verwundert darüber und antwortete, solches wäre unmöglich; ihr Mann würde sich weder die Federn ausziehen lassen noch die sieben Fragen beantworten, und wenn er im Hause bliebe, so wäre sein Tod gewiss; er möchte sich verstecken, wo er wollte, ihr Mann fände ihn doch. Er bat aber so dringend und verhieß ihr, alles für sie zu tun, was sie nur verlangte, wenn sie ihn dagegen zu den sieben Sachen verhelfe. Endlich sagte sie es ihm zu, mit dem Beding aber, dass er sie mit sich hinwegführe. Darauf überlegten sie miteinander, wie es anzustellen wäre. Indessen sie noch darüber redeten, hörten sie den Popanz kommen. Die Frau wusste in der Geschwindigkeit keinen andern Rat, als ihren Freund unter das Bett zu verstecken, und dass er da bliebe, bis am folgenden Tage der Popanz wieder auf die Jagd ginge.

Kaum war der Freund versteckt, so trat der Popanz schon in die Stube herein, und das erste, was er aussprach, war: »Frau, ich rieche Menschenfleisch.« Und sogleich fing er an zu suchen, dass der armen Frau ganz angst und bange ward. Er befahl ihr, ihm zu sagen, wo der Mensch wäre, damit er ihn sogleich fressen könnte; denn er wäre noch sehr hungrig und müde von der Jagd, da er nicht viel gefunden. Die Frau versicherte, es wäre niemand da; einer wäre zwar da gewesen, aber sogleich wieder davongelaufen, als er gemerkt habe, wo er hingekommen; dieser würde wahrscheinlich noch im Walde versteckt sein, wo er ihn morgen noch aufspüren könne. Darauf beruhigte sich der Popanz und legte sich mit seiner Frau zu Bett. Als sie nun merkte, dass er eingeschlafen war, da er laut schnarchte, so fasste sie eine Feder in seinem Schwanz und riss sie mit aller Gewalt heraus. Sogleich wachte der Popanz auf und schrie vor Schmerz: »Weib, bist du toll? Was ist das, dass du mich so am Schwanze rupfst?« – »Ach, lieber Mann«, antwortete die Frau, »verzeihe mir. Ich träumte eben einen fürchterlichen Traum, wie in einem fernen Lande ein Schloss mit allen seinen Bewohnern erstarrt und versteinert worden durch die Macht eines bösen Zauberers, und mir war, als wenn ich auch darin war und mit versteinert wurde. Daher packte ich dich so fest. Könnte so etwas wohl wirklich geschehen?« – »Allerdings«, antwortete er; »neulich hat sich eben dieser Fall ereignet in einem fernen Königreiche.« – »Mein Gott«, sagte die Frau, »ist denn der Zauber nicht wieder aufzulösen?« – »O ja«, erwiderte er, »aber das Mittel dazu ist keinem Menschen bekannt.« – »Nun was ist es dann für eins, lieber Mann?« – »Derjenige, der die Prinzessin liebt und durch den das Unglück geschehen ist, müsste hier in unsern Wald kommen und zu dem Wasserfall gehen, der darinnen ist, und warten, bis ein ganz kleiner unansehnlicher Zwerg erscheint, der ein Felsenstück auf den Schultern trägt und in das Wasser schmeißt. Doch, Weib, lass mich schlafen; was nützt dir diese Erzählung? Ich bin müde.« Sie bat aber so schön, dass er fortfuhr: »Dies alles würde ihm doch noch nichts helfen; denn der Zwerg würde nicht mit ihm gehen wollen, es sei denn, dass er eine von meinen Schwanzfedern hätte und ihm damit ins Gesicht schlüge: Dann würde der Zwerg plötzlich zu einem großen Riesen werden und freundlich mit ihm gehen, wohin er wolle. Derselbe müsste dann das verwünschte Schloss emporheben und umdrehen und der Geliebte der Prinzessin sie mit der Feder berühren: worauf alles wieder wie vorher leben und der Zauber gelöst sein würde. Aber das wird nimmer geschehen; denn wer wollte mir wohl eine Feder ausziehen? Und nun lass mich schlafen.«

Die Frau war still, wie sie ihn aber wieder schlafen hörte, riss sie ihm abermals eine Feder aus. Der Popanz fuhr noch heftiger auf als das erste Mal. »Ach Mann, ich bitte dich um Verzeihung, ich habe soeben wieder einen ängstlichen Traum gehabt; mir träumte, wie eine schöne Prinzessin eines fernen Königreichs schon seit vielen tausend Jahren in einem Zauberschlafe versenkt läge und in dem ganzen Palast keine lebendige Seele mehr wäre, da alles schon ausgestorben.« – »Du hast recht, Frau«, erwiderte der Popanz, »es gibt ein solches Schloss, wo eine versteinerte Prinzessin schläft und alles ausgestorben ist, bis auf ein kleines Hündlein, das immer vor dem Fenster liegt und ihn bewacht, weil, solange er dies tut, nichts Lebendiges hinein kann; denn sobald sich was nähert, verwandelt es sich in ein fürchterliches Ungeheuer, das alles zerreißt. Es gibt aber eine Stunde des Tages, wo es das Fenster verlässt und zu der Prinzessin geht und sich bei ihr schlafen legt. Diese Stunde ist von ein bis zwei Uhr, und wenn sich alsdann jemand hineinschleichen könnte und sich dem Hündlein näherte, ohne dass es erwache, und ihm vor den Kopf schösse, aber gerade in die Mitte des weißen Sterns daselbst und so, dass sein Blut die Prinzessin benetzte, so würde sie aus dem Zauberschlafe erwachen; träfe er aber nicht also, so wäre sein Tod gewiss. Nun rat ich dir Frau, wecke mich nicht zum dritten Male mit deinen beschwerlichen Träumen.« Damit drehte er sich um und fing bald wieder an zu schnarchen.

Sobald aber die Frau dies hörte, zog sie ihm zum dritten Mal eine Feder aus. Jetzt ward der Popanz ganz wütend und wollte sie zum Bette hinauswerfen. Er schrie: »Weib, du musst besessen sein, mich schon wieder so zu rupfen, ich glaube, dass ich blute.« Sie versicherte ihm aber, sie habe sich bloß an ihm festgehalten aus Furcht vor einem Traum, der sie befallen. »Nun, was hast du denn schon wieder geträumt?«, fragte er. »Ich träumte, dass ein Königssohn in seinem Garten einen schönen Weinstock hätte, der sonst so schöne Trauben getragen, plötzlich aber unfruchtbar geworden und verdorrt, und so wie er verdorrt, so vergeht auch der Prinz: Sage mir lieber Mann, ist das wohl wahr?« – »Allerdings, verwünschte Träumerin.« – »Nun sage mir das, lieber Mann, was man wohl tun müsste, um den Weinstock wieder grünen und den Prinzen gesund zu machen?« – »Man muss in das Hühnerhaus, welches dort auf dem Hof ist, und wird da einen schönen bunten Hahn finden, der nicht zu den Hühnern gehört, den muss man nehmen; doch was sage ich für dummes Zeug? Man muss auch dazu wieder eine von meinen Federn haben.« – »I nu, lieber Mann, erzähle nur aus.« – »Man nimmt den Hahn und trägt ihn zwischen zwölf und ein Uhr zu dem Weinstock: Hier steckt man ihm meine Feder in seinen Schnabel und sogleich wird er anfangen zu graben und so lange fortfahren, bis drei Kröten herauskriechen. Diese Kröten soll man nehmen und sogleich verbrennen und die Asche davon auf die Wurzeln der Rebe streuen und sie mit Erde bedecken und noch den Prinzen mit meiner Feder berühren. Alsbald wird er wieder blühen und der Prinz genesen. – Nun aber sage ich dir, wecke mich nicht wieder auf zum vierten Male.«

Kaum war er eingeschlafen, so reichte die Frau die drei Federn dem Pastetenbäcker, der unter dem Bette lag, mit diesen Worten: »Verwahre sie; du hast gehört, was mit ihnen zu tun ist: Und ich weiß nicht, wie ich die anderen kriegen werde.« Damit drehte sie sich zu ihrem Mann und riss ihm die vierte aus. Der sprang aus dem Bett vor Wut und Schmerz und gab seiner Frau zwei derbe Stöße. »Du Unhold du, werd’ ich vor dir gar nicht schlafen können diese Nacht! Ich glaube, du rupfst mir wirklich meinen Schwanz.« – »Ach lieber Mann, ich fange an zu glauben, dass ich behext bin; da hatte ich wieder einen fatalen Traum: Mir träumte von einem hässlichen Königssohn, der mich liebhaben wollte und küssen, und er war so abscheulich hässlich, dass ich mich so entsetzte und mich an deinem Schwanz festhielt.« – »Nun wahrlich, er muss sehr hässlich gewesen sein, dass du mich so gezupft hast!« – »Ach ja, stelle dir vor eine Figur von kaum zwei Fuß, hinten und vorn mit einem Buckel, einem Kopf, der so breit ist, als sein ganzer missgeschaffener Leib lang ist, und darauf eine Nase, die noch mit drei anderen kleinern Nasen besetzt ist, und rote Augen.« Hierüber konnte sich der Popanz des Lachens nicht enthalten und er rief aus: »Aha, du hast den Prinzen Kabubulusch gesehen!« – »Ei lieber Mann, also gibt es solch einen?« – »Ja, und seine Mutter ist dazu eine der schönsten Frauen, die man sehen kann, und Fee zugleich.« – »Aber kann sie ihm denn keine andere Gestalt geben?« – »Nein, es sei denn, dass der Hahn, von dem ich vorhin gesagt habe, seine Gestalt wiederkriegt, dessen Mutter ihn verwünscht hat, dadurch, dass man ihm die Sporen abschneidet und sie in des Prinzen Fersen steckt. Nun aber schlafe.«

Er tat’s, aber sie ließ ihn nicht lange schlafen, sondern riss mit aller Gewalt noch eine Feder aus und schrie dabei fürchterlich. »Ach lieber Mann, schon wieder ein schrecklicher Traum!« – »Du hörst die ganze Nacht nicht auf zu träumen und mich zu zupfen; sieh, wenn ich dir nicht so gut wäre, so fräße ich dich auf der Stelle: Ich habe heut so nicht viel gefressen und rieche beständig Menschenfleisch. Was hast du denn wieder geträumt?« – »Ich träumte, dass du ausgegangen warest, und plötzlich trat ein Fremder herein, der einen Kasten auf dem Rücken trug, worin Tag und Nacht sein sollte. Ich war neugierig und bat ihn, mich hineinsehen zu lassen, und siehe, er packte mich und wollte mich in seinen Kasten stecken: Daher muss es gekommen sein, dass ich dich so gezogen habe.« – »Was du für närrisches Zeug träumst!« – »Gibt’s denn einen solchen Mann?« – »O ja, den hab ich ja in meinem Lande!« – »Aber wie kommt es denn, dass ich ihn nie gesehen habe?« – »Das ist, weil du das Mittel nicht kennst, wodurch man ihn sieht oder gebrauchen kann.« – »Was muss man denn tun, um seiner habhaft zu werden?« – »Das ist ebenfalls ein Mittel, das von mir abhängt, denn es gehört eine Feder aus meinem Schwanze dazu. Man muss diese Feder in die Ritze des Kastens zu bringen suchen: Alsbald geht der Mann mit dem Kasten, wohin man will, und tut, was man ihm befiehlt. Jetzt aber, hoffe ich, wirst du mich schlafen lassen und nicht mehr träumen; denn die Nacht ist bald zu Ende.«

Er entschlief wieder, die Frau nicht faul, riss ihm die sechste Feder aus. Er schalt fürchterlich: »Verdammtes Weib! Ich glaube wirklich, dass du besessen bist.« – »Ach lieber Mann, ich weiß nicht, wie ich diese Nacht mit ungeheueren Träumen geplagt bin: Eben träumte ich, dass in deiner Abwesenheit hier Leute hereinkamen, die mir sagten, dass sie ein Schiff hätten, das so gut zu Lande als zu Wasser ging; und ob ich es nicht sehen wollte? Als ich herausging, wollte mich einer packen und in das Schiff setzen; daher meine Angst. So ein Schiff gibt es aber wohl nicht?« – »O ja, und es gehört mir, es kann niemand sich desselben bedienen, es sei denn, dass er eine Feder aus meinem Schwanz hätte.« – »Wenn dies nun wäre, würdest du denn nicht mit deinen andern Federn dagegen wirken können?« – »Nein, weil mein Schwanz nur sechzig Federn hat und sie alle sechzig ihre eigene Bestimmung haben; und wenn man mir eine Feder auszöge mit dem Gedanken von einer dieser Bestimmungen, so träfe man immer die dazugehörige, sodass ich alsdann keine Macht mehr darüber hätte.« – »Wie findet man aber das Schiff?« – »Man kann nicht fehlen; man legt die Feder vor sich an die Erde nieder, sogleich erhebt sie sich und fliegt ganz langsam zu dem Ort hin, wo das Schiff steht: Hier lässt sie sich herunter und man nimmt sie und pflanzt sie als Fahne auf den Mast, worauf es so gut zu Lande als zu Wasser geht. – Nun aber sage ich dir, störst du mich noch einmal, so binde ich dich an die Bettstolle, damit ich Ruhe vor dir habe.«

Er drehte sich um und schlief, aber nicht lange, denn die Frau zögerte nicht, ihm auch die siebente und letzte Feder auszureißen. Worauf er aufsprang und sie wirklich anbinden wollte. Sie bat und liebkoste ihn aber so viel, dass er sich wieder beruhigte. Sie versprach ihm heilig, es nicht wieder zu tun, sie wollte lieber die ganze Nacht wach bleiben, um den bösen Träumen zu entgehen. »Nun, was hast du denn schon wieder geträumt?« – »Es war mir, als wenn ich von einem fremden Mann entführt würde, und zwar mit meinem Wissen und Willen. Könnte das wohl geschehen, und ohne dass du es merken würdest?« – »Es könnte wohl gehen: Aber wehe dir und dem, der es unternähme! Ihr wäret beide des Todes: Es wäre denn, dass er die Feder hätte, wodurch ich dich halte, und was freilich nicht gut wäre für mich, wiewohl für viele andere, denn dein Gemahl, der Prinz, welchen du glaubst, dass ich ihn gefressen habe, ist eben der Prinz, welcher immer krank ist, und dein Sohn, das ist der Weinstock.«

Mit diesen Worten schlief er, müde von dem vielen Wachen, wieder ein. Kaum hörte sie ihn schnarchen, so stand sie leise auf, zog den Pastetenbäcker unterm Bette hervor und schlich mit ihm leise zum Schlosse hinaus. Das erste, was sie taten, war in dem Wald den Zwerg aufzusuchen und mit ihm zu tun, wie sie von dem Popanz gehört hatten. So taten sie es auch mit dem Kasten, worin Tag und Nacht, und dem Land- und Wasserschiff. Sogleich setzten sie sich in dieses und fuhren fort.

Unterdessen war es Tag geworden und der Popanz erwachte. Als er seine Frau vermisste, fiel es ihm aufs Herz; er besah seinen Schwanz und da er seine Federn zählte, ward ihm alles klar. Sogleich fasste er die Feder an, welche ihm alles offenbarte, und erfuhr dadurch die Flucht seiner Frau mit dem Pastetenbäcker. Er war außer sich vor Bosheit und Wut und wollte schier von Sinnen kommen; er schwor, sie zu verfolgen und sich zu rächen, und sollte er auch darüber seinen ganzen Schwanz einbüßen. Er säumte auch nicht lange und machte sich gleich fertig. Er nahm eine Feder, biss darein und sogleich waren mehr als hunderttausend Soldaten zu Pferde hinter dem Schiff mit den Flüchtigen her. Aber die Frau, die das merkte, warnte den Pastetenbäcker und ließ sie dem Schiffe ganz nahe kommen: Alsdann befahl er dem Riesen, sie alle zu nehmen und hundert Klafter tief in die Erde zu schmeißen. Das geschah auf der Stelle, und alle verschwanden mit Ross und Mann.

Als dies der Popanz sah, biss er in eine andere Feder, und sogleich wurde das Schiff verfolgt von einem Heer Schlangen, Eidechsen, Kröten und anderem giftigen Gewürm. Der Pastetenbäcker steckte in der Angst noch eine von den Federn auf den Mastbaum, und das Schiff flog, wenn es vorher nur ging, und das Gewürme aber immer stärker hinterdrein. Endlich kamen sie an einen großen See. Hier befahl er dem Schiff stillzustehen, und sowie das Ungeziefer nahe genug war, ließ er den Kasten drehen und finstere Nacht machen. Kaum war das geschehen, so fuhr das Schiff wieder von dannen: Das Gewürm aber verfolgte und fiel alles in das Wasser. Unterdessen kamen sie in das Königreich; denn der Popanz hatte sie nicht weiter verfolgt, weil er gewiss glaubte, die Tiere würden sie einholen und zu Tode quälen. Der Pastetenbäcker ließ den Riesen das mit seinen Bewohnern versteinerte Schloss umkehren, berührte seine geliebte Prinzessin mit der Feder und sogleich erwachte sie samt allen aus der Erstarrung.

Die beiden Geliebten freuten sich des lebendigen Wiedersehens und umarmten sich inbrünstig. Der König, gerührt über die treue Liebe und über den Mut und die Standhaftigkeit seines und ihres Erlösers, dagegen erzürnt über die Untat des Prinzen, gab sogleich seine Einwilligung in die Vermählung der beiden Geliebten. Sein neuer Eidam dankte für diese Güte, bat aber noch um einen kurzen Urlaub, indem es ihm obläge, noch die anderen von den auferlegten Verzauberungen zu befreien, ehe er würdig wäre, die Hand der geliebten Prinzessin zu empfangen. Es ward ihm, wiewohl nicht zu gern, gestattet. Er reiste weiter, die Frau des Popanzen aber blieb bei der Prinzessin.

Sie fuhren beinahe drei Jahre, ehe sie in das Königreich kamen, indem sie viel Ungemach von Zauberern und auch vom Popanz zu erdulden hatten. Endlich kam er an das Schloss der Prinzessin, die im tausendjährigen Schlafe lag; er tat, wie ihm gesagt war, und die Prinzessin erwachte. Sie sprach sogleich zu ihm: »Großmütiger Fürst, wie viel Dank bin ich dir schuldig! Du hast mir das Licht und Leben wiedergegeben, aber zugleich mich nur erweckt, um in den größten Schmerz zu versinken. Das Hündlein, das du getötet hast, ist mein Geliebter, ein edler Prinz von Geburt, und keiner vermag ihm das Leben zu geben als du. Lass dein Werk nicht halb vollendet und erwecke auch ihn.« – »Wie kann ich das?«, fragte der Fürst. »Hier«, sagte die Prinzessin, indem sie ihm ein blankes Schwert reichte, »haue dem Hündlein den Kopf ab und lege ihn säuberlich hier aufs Bett.«

Und nun entblößte sie ihren schönen Hals, der so weiß als Alabaster war: »Nun haue auch meinen Kopf ab, und wenn das geschehen ist, setze meinen Kopf auf des Hündleins Rumpf und des Hündleins Kopf auf meinen Rumpf, und du wirst Wunder sehen.« Der Prinz tat, wie sie sagte. Kaum war es geschehen, so sprangen die Köpfe wieder zurück, jeder auf seinen Rumpf, und die Prinzessin steht lebendig und unversehrt da, aus dem Hündlein ist aber plötzlich ein schöner Prinz geworden, welcher ihr um den Hals fiel und ausrief: »Ja, du liebst mich, und ich werde von nun an mehr Zutrauen zu dir haben.« Hierauf dankten sie ihrem Befreier und erzählten ihm ihre Geschichte.

Der junge Held fuhr weiter und gelangte zu dem Prinzen mit dem Weinstock; er tat, wie er vernommen hatte, und beide fingen an wieder zu blühen, aber der Weinstock war noch nicht wieder verwandelt: Dies geschah durch Berührung mit der einen übrigen Feder, und Sohn und Vater erkannten und freuten sich herzinniglich, und noch mehr, als sie von ihrem Befreier vernahmen, dass ihre Gattin und Mutter noch am Leben und ebenfalls erlöst wären. Sie setzten sich darauf alle zusammen ins Schiff, nahmen auch den Hahn und brachten ihn der schönen Fee, um dadurch die Verwünschung ihres Sohnes zu lösen und dessen Gestalt zugleich durch die Entzauberung des Hahnes, dessen Mutter unterdes gestorben war, herzustellen. Die Fee und ihr Sohn, der Nebenbuhler unseres Helden, wurden dadurch mit ihm versöhnt. Dieser kehrte nun mit seinen Gefährten zurück zu seiner geliebten Prinzessin. Alle freuten sich des Wiedersehens, zumal die gewesene Frau des Popanzes mit ihrem Mann und Sohn. Sie feierten aufs Neue ihre Vermählung mit der des Prinzen und der Prinzessin, die herrlich und in Freuden begann und endigte.

Erschreckliche Geschichtevom Hühnchen und vom Hähnchen

Ein Hühnchen und ein Hähnchen sind miteinander in die Nusshecken gegangen, um Nüsse zu essen, und jedes Nüsschen, welches das Hähnchen fand, hat es mit dem Hühnchen geteilt; endlich hat das Hühnchen auch eine Nuss gefunden, und das Hähnchen hat sie ihm aufgepickt, aber das Hühnchen war neidisch und hat nicht teilen wollen und hat aus Neid den Nusskern ganz verschluckt. Der ist ihm aber im Halse steckengeblieben und wollte nicht hinter sich und nicht vor sich, da hat es geschrien: »Lauf zum Born und hol mir Wasser.«

Hähnchen ist zum Born gelaufen:

»Born, du sollst mir Wasser geben,

Hühnchen liegt an jenem Berg

Und schluckt an einem Nusskern.«

Und da hat der Born gesprochen:

»Erst sollst du zur Braut hinspringen,

Und mir klare Seide bringen.«

Hähnchen ist zur Braut gesprungen:

»Braut du sollst mir Seide geben,

Seide soll ich Brunnen bringen,

Brunnen soll mir Wasser geben,

Wasser soll ich Hühnchen bringen,

Hühnchen liegt an jenem Berg

Und schluckt an einem Nusskern.«

Und da hat die Braut gesprochen:

»Sollst mir erst mein Kränzlein langen,

Blieb mir in den Weiden hangen.«

Hähnchen ist zur Weide flogen,

Hat das Kränzlein runterzogen:

»Braut, ich tu dir’s Kränzlein bringen,

Sollst mir klare Seiden geben,

Seide soll ich Brunnen bringen,

Brunnen soll mir Wasser geben,

Wasser soll ich Hühnchen bringen,

Hühnchen liegt an jenem Berg

Und schluckt an einem Nusskern.«

Braut gab für das Kränzlein Seide,

Born gab für die Seide Wasser,

Wasser bringt er zu dem Hühnchen,

Aber Hühnchen war erstickt,

Hat den Nusskern nicht verschlickt.

Da war das Hähnchen sehr traurig und hat ein Wägelchen von Weiden geflochten, hat sechs Mäuschen davorgespannt und das Hühnchen daraufgelegt, um es zu Grabe zu fahren, und wie es so fortfuhr, kam ein Fuchs.

»Wohin, Hähnchen?«

»Mein Hühnchen begraben.«

»Darf ich aufsitzen?«

»Sitz hinten auf den Wagen,

Vorne können’s meine Pferdchen nicht vertragen.«

Da hat sich der Fuchs aufgesetzt, kam ein Wolf.

»Wohin, Hähnchen?« usw.

Kam ein Löwe, kam ein Bär usw., alle hinten drauf, endlich kam noch ein Floh,

»Wohin, Hähnchen?« usw.

Aber der war zu schwer, der hat grade noch gefehlt, das ganze Wägelchen mit aller Bagage, mit Mann und Maus ist im Sumpfe versunken, da braucht es auch kein Grab. Das Hähnchen ist allein davongekommen, ist auf den Kirchturm geflogen, da steht es noch und dreht sich überall herum und passt auf schön Wetter, dass der Sumpf austrocknet; da will es wieder hin und will sehen, wie er seinen Leichenzug weiterbringt, wird aber wohl zu spät kommen, denn es ist allerlei Kraut und Gras drüber gewachsen, Hühnerdarm und Hahnenfuß und Löwenzahn und Fuchsia, und lauter solche Geschichten; wer sie nicht weiß, der muss sie erdichten.

Hans Dudeldee

Es ist nun schon lang her, wohl viel hundert Jahr. Da lebte ein Fischer mit seiner Frau, der hieß Dudeldee. Sie waren aber so arm, dass sie kein recht Haus hatten, und wohnten in einer bretternen Hütte und hatten kein Fenster daran; sie schauten durch die Astlöcher hinaus. Dudeldee war doch zufrieden; seine Frau aber war nicht zufrieden. Sie wünschte sich bald das, bald jenes und quälte immer ihren Mann, weil er ihr’s nicht geben konnte.

Da schwieg aber Dudeldee gewöhnlich und dachte nur bei sich: »Wär ich nur reich« oder »wär nur alles gleich da, wie ich’s wünsche.«

Einmal abends stand er mit seiner Frau vor der Haustüre, und sie sahen umher in der Nachbarschaft. Da standen etliche schöne Bauershäuser. Da sagte seine Frau zu ihm: »Ja, wenn wir nur so eine Hütte hätten wie die schlechteste unter diesen Nachbarshäusern. Wir könnten sie wohl noch kriegen, aber du bist zu faul, du kannst nicht arbeiten, wie andere Leute arbeiten.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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