Der Grüne Planet - Gerhard Derbitz - E-Book

Der Grüne Planet E-Book

Gerhard Derbitz

3,0

Beschreibung

Der Grüne Planet ist eine Erzählung von Gerhard Derbitz. Die Trilogie umfasst eine Utopie rund ab dem Jahr 2167. Dabei steht technische Innovation, der Umgang mit der Natur - aber auch das Erleben von Abenteuern mit Kriminalfällen im Vordergrund. Entdecken Sie auf Raumflügen und risikoreichen Expeditionen die fantastische Welt des grünen Planeten. Im ersten Teil geht es um die Beseitigung des Ozonlochs, der Beendigung des Raubbaus an den Regenwäldern, um die Aufforstung von Wüsten, um die Bewässerung des trockenen Erdteils Australien, um die Einführung neuer, umweltschonender Energien und Treibstoffe, um die Überwindung der Rückständigkeit der Länder der dritten Welt, um den weiteren Konzentrationsprozess der Länder, Staaten, Nationen, Völker und Rassen. Er zeigt die Auseinandersetzung mit solchen Kräften, die an der althergebrachten Energieversorgung Milliarden verdient haben und sich jetzt dem Fortschritt mit legalen aber auch mit illegalen, verbrecherischen Methoden in den Weg stellen. Der zweite Teil befasst sich mit den schon anspruchsvoller gewordenen Raumflügen in unserem Sonnensystem, zeigt aber auch Kräfte, die sich dagegen verschworen haben. Einerseits sind es demokratisch legitimierte, aber den Sinn der Zeit nicht verstehende, legale Kräfte, andererseits aber auch Kriminelle, Saboteure und Mörder. Besonders bemerkenswert in diesem zweiten Teil ist der Bau einer riesigen Weltraumstation. Diese Station im Orbit der Erde und ihre Inbetriebnahme als "Werft" steht für den Bau großer Raumschiffe, die kaum von der Erde starten könnten. Eines dieser Raumschiffe hat den Auftrag, in der Bahn des Pluto, einen unbekannten Flugkörper aufzuspüren und zu untersuchen. Eine Katastrophe droht dabei das, das nun völlig steuerlose Raumschiff zu vernichten. Im dritten Teil starten 56 Menschen zu einer langen Reise ins Weltall. In der über zwanzig Jahre dauernden Reisezeit erleben sie manche Abenteuer. Depressionen gefährden die Reise. Ein schwarzes Loch droht sie mit unheimlicher Gravitation einzusaugen und zu vernichten. Es gibt Tote und Verletzte. Kinder werden geboren. Ein Attentäter versucht den Kommandanten zu ermorden und sie erleben den Durchbruch durch die Lichtgeschwindigkeit. Sie entdecken einen Planeten mit zwei Sonnen, werden herzlich von den menschenähnlichen Wesen aufgenommen.

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- eine Trilogie –

Utopisch-technische und abenteuerliche Erzählung, von Gerhard Derbitz. Alle Rechte vorbehalten!

I. Teil:

„Mehr Grün für unseren blauen Planeten!“

II. Teil:

„Abenteuer auf den kosmischen Bahnen des Grünen Planeten“

III. Teil:

„Die Expedition“

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Herausgebers

Vorwort des Verfassers

Teil: Mehr grün für unseren blauen Planeten!

Abschnitt: Die Leitung des arabisch-afrikanischen Konsortiums

Abschnitt: Die Stadt Alikanbar - Stadt im Wald der Wüste Sahara

Abschnitt: Jim Parker hat eine schwere Aufgabe zu lösen

Abschnitt: Mafias oder Geheimplan in Japan? Wer sind die Drahtzieher?

Abschnitt: Wunder in Australien

Abschnitt: Ein Blinddarm rettet Menschenleben und bestätigt eine Spur

Abschnitt: Eine Entführung

Abschnitt: Der schwarz-gelbe Ring

Teil: Abenteuer auf den kosmischen Bahnen des Grünen Planeten!

Abschnitt: Die Astronautika

Abschnitt: Intrigen und Verschwörungen

Abschnitt: Auf dem Wege zum Pluto!

Abschnitt: Die Katastrophe!

Abschnitt: Erste Ermittlungen

Abschnitt: Vierzig Milliarden Kilometer unterwegs!

Abschnitt: Sams Rapport und eine technische Analyse

Abschnitt: Der Mörder!

Abschnitt: Das rätselhafte „Ding“

Abschnitt: Ausblick

Teil: Die Expedition

Abschnitt: Urlaubsende

Abschnitt: Startvorbereitungen

Abschnitt: Unterwegs

Abschnitt: Zehn Jahre Später

Abschnitt: Das schwarze Loch und andere dunkle Begebenheiten

Abschnitt: Zwei Sonnen und ein Planet

Abschnitt: Die Tenoiden

Abschnitt: Aus der Geschichte der Tenoiden

Abschnitt: Novitäten und Analysen

Abschnitt: Erste Ergebnisse der geologischen, mineralogischen, hydrologischen, botanischen, biologischen und meeresbiologischen Forschungen

Abschnitt: Drahtlose Energieübertragung und der „Antigravitationsmonolit“

Abschnitt: Ein ganz ‚gewöhnlicher‘ Tag

Abschnitt: Wo ist die Interkosmos?

Abschnitt: Wie steht es mit der Kriminalität?

Abschnitt: Elektronik, Computer, Automatisierung und Roboter

Abschnitt: Ökonomie. Finanzen und Lohnpolitik

Abschnitt: Bilanz und Abschied

Epilog des Verfassers

Wichtige Personen in der Erzählung: „Der Grüne Planet“!

Kleines Sachwortverzeichnis

Anmerkungen zur Person des Autors und seinem Anliegen

Vorwort des Herausgebers

Die vorliegende Erzählung wurde von unserem leider im September 2004 verstorbenen Ehemann, Vater, Schwiegervater und Großvater Gerhard Derbitz in drei Teilen 1990, 1991 und 1995 geschrieben. Das Buch wurde zunächst nach seiner Fertigstellung 1995 in kleiner Auflage zu privaten Zwecken publiziert. In dieser Zeit war es Gerhard Derbitz leider nicht möglich, auf Verlage zurückzugreifen, die ein nationales und internationales Vertriebsnetz bereitstellen. Verlage arbeiteten mit festen Auflagehöhen und Bestelllisten zu Preisen, die als Rentner obsolet waren. Somit wartet diese Erzählung seit über zwanzig Jahren auf eine Veröffentlichung im Sinne des Autors - also für einen potenziell großen Lesekreis. Konkret gewünscht hat er sich dies auch - in seiner Hinterlassenschaft mit dem Hinweis an Jules Verne. Dessen Manuskript „Paris im 20. Jahrhundert“ wurde erst nach 131 Jahren von Nachfahren gedruckt. Als Familie freuen wir uns, unserem lieben Ehemann, Vater, Schwiegervater und Großvater die Veröffentlichung auf diesem Weg ermöglicht zu haben. Dabei wurde der Originaltext belassen und lediglich die Orthographie korrigiert.

Seit 1995 hat sich einiges getan. So wurde im April 2016 von der Bundesregierung bekannt gegeben, dass ein Gesetz für autonomes Fahren forciert werden soll. Das ‚Bedingungslose Grundeinkommen‘ wird in vielen Ländern der Welt wie in Finnland und Kenia getestet. Im zivilen, geschäftlichen und militärischen Bereich wird seit geraumer Zeit der Einsatz von Drohnen diskutiert.

Die Erkennung und Interpretation von menschlicher Sprache innerhalb der Computer-Interaktion ist Bestandteil von Smartphones. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur wird in den Gemeinschaften dieser Welt diskutiert.

Gerhard Derbitz hat dies alles bereits vor über 20 Jahren kommen sehen.

Robert Wagner

Berlin 2017

Vorwort des Verfassers

In den letzten Jahren erschienen eine Vielzahl technisch-utopischer Erzählungen, Romane, Film- und Fernsehserien.

Eigentlich, so sollte man meinen, gebe es auf diesem Gebiet kaum etwas Neues! Dennoch wird in diesem Metier jeweils eine andere Legende entwickelt.

In dieser Erzählung geht es darum, getragen von den Wünschen und Hoffnungen der Menschen unserer Zeit, eine Vision davon zu vermitteln, wie es einmal in mehr als 150 Jahren auf unserem Planeten aussehen könnte.

Im Gegensatz zu vielen anderen utopischen Schilderungen, in denen oft sehr fragwürdige physikalische und technische Praktiken entwickelt werden, soll in dieser Erzählung im Wesentlichen ein Weg beschritten werden, der den technischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten Rechnung trägt. Hier gibt es kein „Biemen“ [sic!] von Personen über tausende Kilometer hinweg. Da wird nicht von einer in kurzer Zeit durchgeführten Beschleunigung auf das Mehrfache der Lichtgeschwindigkeit ausgegangen. Keine der handelnden Personen wird dabei ein Andruck um das Hundertfache und mehr „zugemutet“. Man fragt sich, wie ist das nur möglich, daß den Schöpfern derartiger „Annahmen“ dabei noch abgenommen wird, daß sich die im Raumschiff befindlichen Personen noch frei und ungezwungen bewegen können? Sie wären doch längst bei einem Andruck von hunderten Tonnen völlig zerquetscht bzw. samt dem Raumschiff in Stücke zerrissen!

Ein wesentliches Anliegen der Erzählung besteht darin, die Menschen als bewußte Schöpfer und Bewahrer unserer natürlichen Umwelt darzustellen. Es geht um die Bewässerung, Kultivierung und Aufforstung von Wüsten und trockenen Landstrichen. Es geht um ein „Stop“ in der Abholzung der Regenwälder, um eine umweltfreundliche Energieerzeugung, um die Reinhaltung der Luft und der Ozeane, um die Schließung des Ozonloches und um die Bewahrung eines guten Klimas! Dazu gehören: Ein vernünftiger Umgang mit der Atomenergie genauso, wie mit dem Abfallprodukten menschlicher Zivilisation!

Aber auch, und vor allem! „um die Entwicklung der Menschheit!“ unter diesen, bereits positiv beeinflussten Bedingungen! Es wird angedeutet, wie solche Probleme, wie die Überwindung des Hungers, des Analphabetentums, der Überbevölkerung der Erde, der Überwindung des Rauschgifthandels und andere Geißeln der Menschheit überwunden werden können! Gleichberechtigung der Nationen, Völker, Rassen, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen sind dabei die dargestellten Grundlagen zum föderativen Zusammenschluß zu Unionen - unter der Schirmherrschaft einer Weltregierung. Anerkennung der Meinung des Andersdenkenden und gleichzeitige freiwillige Anerkennung des Notwenigen im gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen auf der Erde, sind dabei die wahren Kriterien der Freiheit und Menschenwürde! Auf der Grundlage dieser Aspekte wird der jahrtausend alte Wunsch der Menschheit: „Friede auf Erden!“ verwirklicht!

Es sind Gedanken enthalten zur Weiterentwicklung der Demokratie nach einem erdachten Beispiel in Australien und Erfahrungen auf einem anderen Planeten. Es werden Tendenzen einer höheren Wirksamkeit in der Kriminalitätsbekämpfung bei gleichzeitig sinkender Kriminalitätsrate, offeriert. Gleichzeitig wird dabei aber nicht verschwiegen, daß es durchaus auch im 22. Jahrhundert noch Motive für kriminelle Verhaltensweisen der Menschen geben kann. Wir begegnen daher nicht nur sehr tatkräftigen und liebenswerten Menschen, lernen nicht nur ihre Tugenden, Wünsche, Hoffnungen und ihre Liebe zu Partnern des anderen Geschlechts kennen, sondern treffen auch auf Unholde, Mörder und Bösewichte. Parallel zur Verbesserung der irdischen Verhältnisse wird, besonders im 2. und 3. Teil der immer währende Kampf um die Bereicherung der menschlichen Erkenntnisse, also der Forscherdrang der Menschen geschildert. Durch die Abschaffung der Rüstungshaushalte in allen Staaten, stehen dabei, sowohl für die Lösung der Probleme auf der Erde als auch für den weiteren Verstoß in die unendlichen Weiten des Alls, bedeutende Mittel zur Verfügung. Am Ende des 2. Teils wird, und diesmal wirklich „utopisch“, durch die Lösung eines Rätsels das Tor- in die Tiefen des Kosmos aufgestoßen. Das Utopische der Vorstellung wird dabei besonders im 3. Teil sehr deutlich.

Gerhard Derbitz

Rostock 1995

I. Teil: Mehr grün für unseren blauen Planeten!

1. Abschnitt: Die Leitung des arabisch-afrikanischen Konsortiums

Das Arbeitszimmer, in dem sich an diesem Morgen vier Personen versammelt hatten, wies einige Besonderheiten auf. An der einen Seite konnte man, durch eine doppelwandige Glaswand getrennt, in einen Nebenraum blicken. Man sah an der gegenüberliegenden Wand dieses völlig zum Arbeitszimmer schallisolierten Raumes, daß sie ganz mit Instrumenten, Computern, Bildschirmen, Kontrollämpchen und anderen Instrumenten förmlich übersät war. Im Raum befand sich einer der sechs aufsichtshabenden General-Dispatcher, die sich im 4-Stundenrhythmus abwechselnd, die ganze Anlage unter Kontrolle hielten. Gegenüber der Fensterseite entdeckte man einen riesigen Bildschirm, er hatte wohl die Ausmaße von zwei mal drei Metern.

Der Inhaber dieses ungewöhnlichen Arbeitszimmers hatte in der Nähe des großen Fensters, es maß wohl vier Meter in der Breite und zwei Meter in der Höhe, einen riesigen Schreibtisch mit etlichen Telefonen und Sprechapparaten zu stehen. An der anderen Seite stand ein runder Tisch, der von fünf Sesseln eingerahmt war. Der Nutzer dieses Arbeitsraumes war der Leiter des arabischafrikanischen „Konsortiums für Klimaverbesserung, Umweltgestaltung und technologischen Fortschritt“ kurz genannt K.K.U.T.. Der Leiter dieses Konsortiums war ein etwa 38 Jahre alter Araber. Er war ausgebildet als Botaniker, Biologe und Agronom und hatte dazu große Erfahrungen als Manager und Organisator. Sein Name war Ali Ben Arrassin. Er war eine angenehme Erscheinung. Er hatte dunkle Haare, lebhafte braune Augen, war mittelgroß und schlank. Durch seine äußere Erscheinung nahm er bereits jeden Gesprächspartner für sich ein. Mit drei anderen Personen saß er in den bequemen Sesseln um den niedrigen runden Tisch. Sie alle hatten ein eisgekühltes Fruchtgetränk vor sich zu stehen.

Die drei anderen am Tisch platzieren hatten aufmerksam seinem Bericht gelauscht, den er über die 167. Tagung der Weltorganisation der K.K.U.T. gegeben hatte. Diese Konferenz hatte in den USA, am Sitz der Weltorganisation, die Teil der UNO war, stattgefunden. Verteilt über die ganze Welt gab es solche Konsortien, wie das arabisch-afrikanische, auch in Nord- und Südamerika, in Europa, in Asien, in Australien und selbst in Neuseeland und auf Kamtschatka. Alle der über 15 Zweigstellen hatten ihre Delegierten zu der erwähnten Konferenz gesandt. Soeben hatte Ben seinen Bericht, er hatte wohl eineinhalb Stunden gesprochen, beendet. Er nahm einen großen Schluck aus seinem Glas, um den trocken gewordenen Mund zu erfrischen. Es herrschte minutenlanges Schweigen. Außer dem leisen Summen der Klimaanlage, die die Temperatur auf angenehme 21 Grad hielt, war fast kein Laut zu hören. Sie alle mussten erst einmal das soeben gehörte verdauen. Ben hatte seinen Bericht in englischer Sprache gegeben, aber genauso hätte er das auf Deutsch tun können, denn diese beiden Sprachen beherrschten außer ihrer Muttersprache alle Anwesenden. Zusammengefaßt drehte sich der Bericht ihres Leiters im Wesentlichen um die Ausführungen des Präsidenten der Weltorganisation, Sir Robert Lincoln. Er hatte in seiner Rede Fazit und Bilanz über die Ergebnisse der Arbeit in allen Teilen der Welt gezogen. Er hatte positiv feststellen können, daß die große Gefahr einer Klimaverschlechterung auf der Erde durch die jahrzehntelangen Bemühungen aller Zweigstellen der Weltorganisation gebannt zu sein schienen. Durch die 80 prozentige Senkung des Ausstoßes von C02, der flourhaltigen Treibgase und der Verhinderung der Belastung der Atmosphäre durch andere Stickoxyde war es gelungen, den Reinhaltsgehalt der Luft bedeutend zu verbessern. Diese hervorragenden Ergebnisse wurden durch viele Komponenten erzielt.

Da war die Automobilindustrie zu 95 Prozent bereits auf die Solartechnik umgestellt. Einem japanisch-amerikanischen Forscherkollektiv war es gelungen, durch den Einsatz neuer Werkstoffe die Solarzellen auf einen Wirkungsgrad von über 50 Prozent zu bringen. Im 20. Jahrhundert betrug z.B. dieser Wirkungsgrad, das heißt der Anteil der Umsetzung der Sonnenenergie in elektrische Energie, nur 20 Prozent. Vielversprechende Ergebnisse zeigte auch die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und Turbinenstrahlwerken durch die Umstellung des Energieträgers.

Anstelle von Benzin, Diesel oder Kerosin war es gelungen, Aggregate zu konstruieren, die mit Wasserstoffgas angetrieben wurden. Die „Abgase“ dieser krafterzeugenden Aggregate waren simpler Wasserdampf. Von elementarer Wichtigkeit war aber auch die weltweite Aktion zur Aufforstung bzw. Kultivierung der Wüsten und Steppengebiete in der Welt, wobei darauf geachtet wurde, daß das ökologische Gleichgewicht und die Biosphäre für die Tierwelt nicht zerstört wurden. Man hatte auch dem Raubbau im Amazonasgebiet und in Zentralafrika, das heißt der Abholzung der Regenwälder, erfolgreich Einhalt gebieten können. Die am Holzeinschlag und Vertrieb interessierten Unternehmen mußten erst amtlich beglaubigt den Nachweis über die erfolgreiche Aufforstung von 5 ha Wald nachweisen, bevor 1 ha Wald eingeschlagen werden konnte. Das hatte natürlich zu einer bedeutenden Erhöhung des Holzpreises auf dem Weltmarkt geführt, andererseits aber dazu, daß im verstärkten Maße weit billigere Werkstoffe der chemischen Industrie und der Baustoffindustrie zur Anwendung kamen.

Schließlich hatte der Bau weiterer Wasserkraftwerke dazu geführt, daß nicht nur im genügenden Umfang Elektroenergie, umweltfreundlich erzeugt, zur Verfügung stand, sondern daß auch durch die zahlreichen Stauseen, die notwendigermaßen entstanden waren, dazu führten, daß Millionen Kubikmeter Wasser aufgespeichert wurden. Das hatte zwei gewünschte Wirkungen zur Folge: erstens war es gelungen, die Trinkwasserversorgung erheblich zu verbessern und zweitens war das weitere Ansteigen des Meeresspiegels, gekoppelt mit anderen Maßnahmen, vermieden worden!

Bestanden so etwa 1 500 Wasserkraftwerke im zwanzigsten Jahrhundert, so waren es jetzt weltweit fast 3 000. Man war auch dazu übergegangen, das Baggergut beim Ausbaggern von Flüssen, Seekanälen, Einfahrten usw. nicht einfach auf Klappschuten zu verladen und auf hoher See einfach zu „verkippen“, sondern dieses Baggergut wurde dazu verwandt, tiefliegende Küstenstreifen in Holland, Bangladesch, auf den Marschen in Friesland und in anderen Regionen der Welt dazu zu nutzen, die Oberfläche dieser Landgebiete um zwei bis drei Meter zu erhöhen. Das waren natürlich Jahrhundertprojekte, denn es waren dazu Millionen Kubikkilometer ehemaliger Meeresboden erforderlich. Aber auch das wirkte sich positiv auf die Senkung des Wasserspiegels der Weltmeere aus, denn anstelle von festem Meeresgrund konnte jetzt in Dimensionen von Millionen Kubikkilometern das Wasser treten.

War es noch um die Jahrhundertwende, d. h. also um das Jahr 2100 herum um 30 cm höher als im 20. Jahrhundert, so war es gelungen, bis zum Jahre 2167 den Wasserspiegel wieder um 25 cm zu senken.

Natürlich waren diese Ergebnisse nur dadurch möglich geworden, da die Regierungen der Länder bzw. der auf den Erdteilen entstandenen Unionen die Einsicht der Politiker und Wirtschaftsbosse, daß es sich hierbei um Sein oder Nichtsein der Mutter Erde handelt, bedeutungsvoll zugenommen hatte. Waren im 20. Jahrhundert die Aufrufe und Appelle zur Gestaltung einer ökologischen Umwelt und zum Schutz der natürlichen Lebensbedingungen zunächst nur das Anliegen der sogenannten „Grünen“, von „Greenpeace“ und vorausdenkenden Wissenschaftlern, so hatte heute das ökologische Denken selbst Multimilliardäre erfaßt, die jetzt großzügig als Sponsoren den kostspieligen Projekten jährlich 100e von Milliarden Dollar zur Verfügung stellten.

Forscher hatten nun bereits feststellen können, daß das sogenannte Ozonloch etwas kleiner geworden war, daß der Treibhauseffekt bedeutend verlangsamt werden konnte und daß die mit allen Maßnahmen verbundene Hilfe für die sogenannte dritte Welt dem Hunger und dem Elend erfolgreich Paroli geboten hatte. Man hatte es verstanden, durch umfangreiche Bildungsmaßnahmen in Asien, Afrika und Lateinamerika und entsprechende Aufklärung die befürchtete Bevölkerungsexplosion zu stoppen. Man hatte auch in diesen Breiten Probleme der Familienplanung, der Schwangerschaftsverhütung und der Kontrolle der Menschheitsentwicklung erfolgreich voranbringen können. Nicht zuletzt waren die Völker dann auch freiwillig mit einer Steuerpolitik einverstanden, die Familien mit einem oder mit zwei Kindern besonders förderte, beim dritten und vierten Kind aber jegliche Steuerermäßigung strichen und bei mehr Kindern auch jegliche Unterstützung einstellte. Das klingt zwar radikal und antihumanistisch. Dies war und ist aber ein Gebot, daß der Menschheit überhaupt eine Lebenschance bzw. das Überleben sichert. Immerhin zählte man bereits 9 Milliarden Menschen auf dem Erdball.

Der Leiter des Konsortiums, Ali Ben, hatte nach der Darlegung dieser Fakten und der Erläuterung der Details eine kurze Pause gemacht. Mit ernster Stimme fuhr er in seinen Darlegungen fort. Er meinte, eigentlich ist das alles ein Grund zur Freude, da wären aber noch einige sehr ernste Aspekte, die ich nicht verschweigen möchte. Der Präsident hatte die Konferenzteilnehmer davon in Kenntnis gesetzt, daß unbekannte kriminelle Elemente die Arbeit der Weltorganisation sabotierten, ja in verbrecherischer Weise bekämpften. So war der technische Leiter für das Projekt „Niveaumäßige Erhöhung der Tiefebenen solcher Gebiete, die unter dem Meeresspiegel lagen“ auf offener Straße erschossen worden. Trotz sofort eingeleiteter Maßnahmen fehlte von den Tätern jede Spur.

Der Japaner, Ikatsu Okanawa, ein berühmter Forscher und Wissenschaftler auf den Gebieten der Elektronik, Elektrotechnik und praktische Nutzung der Solarenergie, war eines Morgens in seinem Wohnhaus erstochen aufgefunden worden. Private Motive kämen nicht in Betracht. Auch hier hatte man bisher die Täter nicht ermitteln können.

Ein Großraumflugzeug, das zur Erprobung des neuen Wasserstoffantriebs, glücklicherweise ohne Passagiere, zu einem Fernflug gestartet war, stürzte kurz vor der Landung mit abgerissener rechter Tragfläche kurz vor der Landepiste ab. Die vier Mann starke Besatzung war dabei ums Leben gekommen. Augenzeugen hatten berichtet, daß die rechte Tragfläche plötzlich explodiert und dann abgerissen sei. Gegenwärtig würde eifrig untersucht, ob es sich um einen Unfall oder um ein Verbrechen handelt. Es waren beide Flugschreiber gefunden worden. Auch im Bereich anderer Konsortien der Weltorganisation hatte es Anschläge, Sabotageakte und andere - auf Fremdursachen zu schließende Störungen - gegeben.

Der „Weltkriminalrat“, eine Nachfolgeorganisation der bis vor 150 Jahren bestehenden Interpol, hatte mit seinen zahlreichen Einrichtungen, Detektiven und Agenten mit einer umfangreichen und fieberhaften Fahndung und Untersuchung begonnen. Vor allem ging es darum, die Hintergründe und das Motiv dieser Verbrechen aufzudecken. Es war eine folgerichtige Schlußfolgerung, daß die Weltorganisation beschlossen hatte, die Sicherheitsmaßnahmen in allen 15 Gebietskonsortien bedeutend zu erhöhen. Das Schweigen nach diesem sehr informativen Bericht brach als erste die einzig anwesende Dame, Madam Yvonne de Viara. Auch sie, eine Französin, war eine Enddreißigerin. Sie hatte in der Leitung dieses Konsortiums eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu lösen. Sie war Chefchemikerin, Mikrobiologin und Bionekerin. Ihr unterstanden die chemischen und Mischaufbereitungsanlagen. Sie meinte: „Jetzt ist mir auch klar, daß die vor zehn Tagen aufgetretene Havarie an unserem Süßwasserzuflußkanal kein unerklärlicher Zufall ist! Da steckt etwas anderes dahinter!“. Was war da vor zehn Tagen geschehen? Auf eine rätselhafte Weise waren sehr giftige Chemikalien in das Wasser des Süßwasserkanals eingedrungen und hatten es in katastrophaler Weise verseucht. Wäre es beim Abfließen in das Landesinnere in das komplizierte Berieselungssystem der Aufforstungen gelangt, dann wären etliche Quadratkilometer junger Wald vernichtet und die Arbeit von mehr als sechs Jahren null und nichtig. Dank der elektronisch gesteuerten chemischen Analysatoren mit ihren empfindlich reagierenden Sensoren hatte sich automatisch ein Schott geschlossen und Alarm ausgelöst. Es dauerte vier Tage, bis man das vergiftete Wasser ausgepumpt und zur Entsorgung abtransportiert hatte. In dieser Zeit mußten etliche Quadratkilometer Wald durch ein ganzes Geschwader von Löschflugzeugen aus der Luft mit Wasser versorgt werden, damit die jungen Bäume in der großen Hitze nicht verdorrten. Karl Carlson, der Chefhydrologe des örtlichen Unternehmens, Sohn eines deutschen Physikers und einer schwedischen Schriftstellerin, pflichtete Yvonne auf seine ruhige aber bestimmte Art voll bei. Wie gesagt, Karl Carlson war ein ruhiger, sympathischer Typ. Er war breitschultrig, hatte eine lange blonde Haarmähne, die ihm ein gelehrtes und gleichzeitig verwegenes Aussehen verlieh. Seine blauen Augen paßten wohltuend in dieses Gesicht. Er wählte immer sehr bedächtig seine Worte, bevor er sprach. Alles an ihm strahlte Ruhe und Besonnenheit aus. Mit bereits 54 Jahren war er auch der Älteste in dieser Runde. Carlson hatte große Erfahrungen in der Hydrotechnik. Er war am Bau von Wasserkraftwerken, Staumauern und Stauseen, Kanälen und anderen Wasserbauwerken beteiligt, oft in leitender Position. Nur der Vierte in der Runde, ein kleiner schmächtiger Mann mit einer hohen Stirn, den man sofort als Japaner identifizierte, verhielt sich in dem jetzt zustande gekommenen Gespräch noch schweigsam. Oki Okanawa, wie sein Name lautete, war der Spezialist für Elektronik und Elektrik. Ihm war es zu verdanken, daß zahlreiche, oft selbst entwickelte technische Einrichtungen, vollautomatisch das reibungslose Funktionieren aller Anlagen sicherten. Auch für die relativ junge Stadt, deren Aufbau vor etwa 70 Jahren für die Arbeit dieses Konsortiums unerlässlich war, hatte der Japaner ebenfalls viel getan.

Diese Stadt trug den Namen Alikanbar.

Der Fünfte zu diesem Konsortium zählende leitende Mitarbeiter war nicht anwesend. Er nahm an einer sehr wichtigen Konferenz in Europa teil. Es handelte sich um Jack Brownsvill, einem Deutsch-Amerikaner. Das Verantwortungsgebiet dieses 45jährigen Mannes waren alle technischen maschinellen Anlagen und Aggregate, die Transportmittel und Hebezeuge von der Beschaffung über die Wartung bis zu notwendigen Reparaturen.

Diese fünf leitenden Mitarbeiter des Konsortiums hatten schon ihre Vorgänger. Normalerweise war die Tätigkeit in diesen Funktionen auf 9 bis 10 Jahre begrenzt. Außerdem konnte man bereits mit 50 Jahren in den Ruhestand treten. Die noch vorhandene Tätigkeit Karl Carlsons war also eine Ausnahme. Man konnte auf ihn und seine Erfahrungen noch nicht verzichten. Nun ergriff Oki Okinawa doch noch das Wort. Mit leiser Stimme bemerkte er: „Dieser ermordete japanische Wissenschaftler und Forscher war mein Vater!“ Betroffen schwiegen alle. Oki hatte, obwohl dieser Mord bereits 14 Tage zurücklag, mit niemanden darüber gesprochen. Alle wußten zwar, daß er ein Telegramm aus Japan erhalten hatte, aber niemand hätte eine derartige Mitteilung vermutet. Auf Grund der Havarie war Oki nun nicht 'mal zur Beisetzung seines Vaters nach Japan geflogen. Sein Pflichtgefühl war stärker als seine Trauer. „Ich habe viel von ihm gelernt“ fuhr er fort, „es hat aber auch in meinem Verhältnis zu meinem Vater Probleme gegeben, über die ich aber nicht sprechen möchte. Ich sage das nur, damit Sie nicht glauben, ich sei ein gefühlloser Klotz“. Er fuhr dann fort: „Es ist doch merkwürdig. Wir glauben, daß wir die Welt bereits so verändert haben, daß es kaum noch ein Verbrechen gibt. Diese Ereignisse bestätigen, daß das eine falsche Einschätzung wäre. Zwar wurde dadurch ein großer Sieg errungen, daß es der Menschheit gelang, den Frieden zu bewahren; selbst aus rassistischen Gründen gibt es keine Machtkämpfe mehr“.

„Es ist auch ein Segen für die Menschheit“ so fuhr der Japaner mit sachlicher Stimme fort, „daß sich seit mehr als 30 Jahren eine Ökumenische Weltorganisation gebildet hat, die dafür wirkt, jeden Glaubenskrieg oder Hader aus religiösen Gründen zu unterbinden. Ob Christ oder Atheist, Katholik oder Evangelist, ob Moslem oder Hindu, um nur einige der über 380 Religionsgemeinschaften bzw. Weltanschauungen zu nennen, alle haben sich darauf geeinigt, daß der Humanismus die große vereinigende Kraft ist und jeder in diesem Rahmen seine Religion ohne Haß und Willkür gegenüber Andersdenkenden ausüben kann“. Nach dieser, vom Japaner ungewohnten langen Rede, schwieg er. Sein Gesicht hatte dabei keine Gefühlsbewegung erkennen lassen, aber der Gegenstand seiner Bemerkungen und vor allem ihr Umfang ließen darauf schließen, daß er innerlich sehr bewegt war. „Ja,“ so meinte Karl Carlson, „das ist schon ein toller Fortschritt. Wir sollten aber dabei nicht vergessen, daß es dem Weltkriminalamt bereits vor 20 Jahren gelungen ist, jeglichen Anbau von Rauschgift, seinen Handel und seinen Gebrauch völlig auszuschalten, der Drogenhandel und Mißbrauch damit bereits geschichtliche Vergangenheit ist“. Yvonne ergänzte: „Das Wichtigste dabei war aber dann auch die Entwöhnung der Drogenkranken und ihre Heilung, so daß es schon lange keine Drogentoten mehr gibt“. Die Anwesenden rätselten dann weiter darüber, was wohl der Hintergrund bzw. das Motiv für die neuerlichen Verbrechen sein mögen. Der Leiter, also All Ben, wies darauf darauf hin, daß man nicht vergessen sollte, daß die Kriminalität zwar bedeutend gesunken sei, aber es immer noch Motive für Verbrechen gäbe, sei es Mord aus Eifersucht, Sexualverbrechen, ja, es gibt auch immer noch Motive zur persönlichen Bereicherung. Es würde noch lange dauern, diese negativen Symptome aus den Charakteren und menschlichen Verhaltensweisen zu verbannen. Ich bin aber davon überzeugt, daß es dem Weltkriminalamt und seinen Einrichtungen gelingen wird, auch in die Serie der Verbrechen gegen uns einzudringen und Licht in das Dunkel zu bringen.

„Doch nun, denke ich, wird es Zeit, daß wir zum Mittagessen kommen!“ Damit schloß er die mehr als dreistündige Beratung. Sie schritten gemeinsam durch das Vorzimmer, begrüßten die kleine zierliche japanische Sekretärin und die schlanke blonde Holländerin Lisa, die beide die nicht unerhebliche Büroarbeit zu bewältigen hatten. Natürlich standen ihnen die modernsten Geräte, sprechende Computer, Kopiergeräte, Funk- und Fernsehmoderationseinrichtungen, zur Verfügung. Die Vier traten durch die Tür auf den kreisrunden vier Meter breiten Korridor, der das Mittelstück des Hauses umgab. In der Mittelsäule, die starr und fest auf Fundamenten errichtet war, befanden sich die Personen- und Lastenaufzüge, die sanitären Einrichtungen mit Toiletten und Duschen. Diese Häuser in Alikanbar hatten schon ihre besonderen technischen Eigenarten.

Um die zwölf Meter im Durchmesser feststehende Säule mit ihren scheibenartigen Bodenstücken der einzelnen Etagen, also der Korridore, drehte sich, vom Erdgeschoß bis zum 25. Stockwerk, ein gewaltiger, ebenfalls in Etagen eingeteilter, Außenmantel. In diesem Außenring, der sich in 24 Stunden einmal um die innere Säule drehte, waren die Büroräume, Sitzungszimmer, Restaurants, Wohnräume und Lager- bzw. Vorratsräume untergebracht. Nur 60 Prozent der Außenfläche des Hauses besaßen Fenster. Diese Fensterpartie war durch die Drehung des Hauses in 24 Stunden stets an der Seite, die der Sonne abgewandt war, also im Schatten. Die Trennfugen in den einzelnen Etagen unmittelbar vor den Türen, die in die Räume des Außenrings führten, waren kaum wahrnehmbar. In den insgesamt 24 Bodenscheiben waren überdimensionale Kegellager mit Rollen angebracht, die gleichzeitig das ganze Gewicht des Außenrings trugen. Die Räume in dem Außenmantel hatten alle, von innen nach außen gemessen, einen Durchmesser von 8 Metern. Damit hatte jedes Haus einen Gesamtdurchmesser von 36 Metern. Im Keller des Gebäudes befanden sich Schleifringe zur Übertragung der erforderlichen Elektroenergie in die Räume des Außenmantels. Die notwendigen Zuleitungen zu den Computern, Telefonen, Funk-, Sende- und Empfangseinrichtungen waren auf elektronische Weise gekoppelt bzw. ähnlich wie bei der Elektroenergie konstruiert. Außerdem befanden sich im Keller Tiefgaragen. Im Erdgeschoß waren die Kühl- und auch Heizungssysteme für die Klimaanlage untergebracht. Diese Klimaanlage hatte ein derartiges Leistungsvermögen, daß die Innentemperatur selbst bei einer Außentemperatur von 40 und mehr Grad Celsius bis zu 15 Grad heruntergekühlt werden konnte. Umgekehrt war es möglich, in eisigen Nächten die Innentemperatur bis auf 24 Grad zu bringen. Die in den Räumen verbrauchte Luft wurde ständig abgesaugt und durch sauerstoffangereicherte Luft ersetzt. Das Dach des Hauses war eine riesige, 36 Meter im Durchmesser große Betonplatte, die gleichzeitig als Landeplatz für Hubschrauber diente. Vom Dach aus konnte man dann die Lifts zu den einzelnen Etagen benutzen. Auf Grund der hohen technischen Zuverlässigkeit der Aufzüge, von denen es mehrere gab, hatte man auf den Einbau von Treppen völlig verzichtet. Auf Grund der geringen Geschwindigkeit, mit dem sich der Außenmantel um die feststehende Säule drehte, gab es überhaupt keine Probleme beim Betreten bzw. Verlassen der Räume. Immerhin betrug die Geschwindigkeit nur zwei Meter pro Stunde. Spätestens jetzt drängt sich dem Leser die Frage auf: Was war das eigentlich für eine Stadt? Wo lag sie? Was hatte zu ihrem Bau geführt? Was trieben ihre Bewohner?

2. Abschnitt: Die Stadt Alikanbar - Stadt im Wald der Wüste Sahara

Als die Weltorganisation im Jahre 2073 - also vor 90 Jahren - auf der ganzen Erde den Beschluß faßte, den Kampf um die Klimaverbesserung, den Umweltschutz und für den technologischen Fortschritt aufzunehmen, ahnte noch niemand welche gravierenden Initiativen, welche menschliche Schöpferkraft, welche Genialität, welchen Erfindungsgeist und welches persönliches Engagement von zig Tausenden Menschen aller Rassen und Nationen ausgelöst werden wird! Auch im Norden Afrikas, an der Küste zum Mittelmeer, am Rande der Wüste „Sahara“ galt es, ein K.K.U.T., also ein „Konsortium zur Klimaverbesserung, Umweltschutz und technologischen Fortschritt“ ins Leben zu rufen!

Der gefaßte Beschluß, zwar von großer Bedeutung, war aber nur ein ganz bescheidener Anfang. Jetzt galt es zunächst überall auf der Welt entsprechende Projekte zu erarbeiten. Da waren Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit die kühnen Ideen der Weltorganisation ihre praktische Realisierung finden konnte. Galt es doch, den ganzen Planeten bzw. seine Oberfläche, die Weltmeere aber auch die Atmosphäre positiv zu beeinflussen. Das Hauptziel bei der Bildung der K.K.U.T.'s bestand darin, spezifische Maßnahmen zu konzipieren und in der Praxis zu verwirklichen. In Nordafrika stand das schier unmögliche Unterfangen, große Teile der Wüste Sahara aufzuforsten bzw. zu kultivieren! Drei Hauptmomente standen dieser Aufgabe im Wege.

Da war einmal die große tropische Hitze, in der normalerweise alles verdorrte, zum anderen der unfruchtbare Wüstensand und drittens die große Trockenheit, also das fehlende Süßwasser. Ohne Wasser zur Bewässerung der anzubauenden Bäume und Pflanzen wäre das ganze Projekt von vornherein ein totgeborenes Kind. Es ging aber darum, den Planeten zu retten! Die Pioniere, die sich dieser Aufgabe als erste stellten, hatten dabei zwar die Unterstützung der Weltorganisation und der arabischen Länder, aber hier galt es erst einmal tiefschürfend zu denken, Projektideen zu entwerfen, zu diskutieren, wieder zu verwerfen und neue Ideen zu entwickeln. Die Kühnsten und besten Wissenschaftler, Forscher, Chemiker und Biologen, Techniker und Ingenieure, aber auch die besten Facharbeiter und Monteure, die bereits auf vielen Baustellen der Welt ihren Mann gestanden hatten, stellten zur Verfügung. Nach einer dreijährigen Projektierungszeit konnte man dann endlich in der Praxis beginnen. Zunächst waren es nur bescheidene Unterkünfte, zwar bereits mit Klimaanlagen und sanitären Einrichtungen, aber ansonsten nicht gleichwertig mit den komfortablen Wohn- und Arbeitsstätten in der zivilisierten Welt.

Der Hauptinitiator jener Jahre war der bedeutende Ökologe und Organisator Robert Wagner aus Deutschland. Er hatte dann auch bis zu seinem 60. Lebensjahr, also bis zum Jahre 2105, das arabischafrikanische Unternehmen geleitet und sich dabei weltweite Anerkennung erworben. In seinen späteren Lebensjahren, er war immerhin 92 Jahre alt geworden, hatte er es sich nicht nehmen lassen, jährlich etwa vier Wochen seine nordafrikanische Wirkungsstätte zu besuchen und sich hier zu erholen. Er konnte seinen Nachfolgern mit seinen immer noch wachen Augen und seinem wachen Geist so manche Hinweise und Ratschläge erteilen. Völlig verdient hing daher sein großes in Öl gemaltes Porträt im Arbeitszimmer des jetzigen Leiters. Zunächst waren es nur einige hundert, die zur notwenigen Errichtung der erforderlichen Anlagen, für Dienstleistungen und für die Versorgung benötigt wurden. Schon damals war der Stand der Technik sehr hoch, so daß viele Arbeitsgänge voll oder halbautomatisch ausgeführt werden konnten. Bei allen Vorhaben hatte die Errichtung des großen chemischen Mischwerkes Priorität. Ohne dieses chemische Misch- und Aufbereitungswerk wäre keine Kultivierung und Aufforstung der Wüste möglich gewesen. Von der Küste führte zunächst ein breiter Kanal, er mochte wohl an die 300 Meter breit sein, mit einem Kilometer Gesamtlänge in das Landesinnere. Es war ein Schiffahrtskanal und Hafen zugleich. Seine Tiefe betrug durchschnittlich 20 Meter, war also auch für große Seeschiffe passierbar. Die Uferböschungen waren mit abertausenden, bis zu 40 Meter langen Betonpfeilern, befestigt. Das hatte zwei Vorteile: Erstens wurde dadurch verhindert, daß loser Sand den Kanal in kürze versandete und zweitens konnten die den Kanal befahrenden Schiffe unmittelbar an dem steilen Uferrand festmachen und ihre Ladung löschen. Die Einfahrt zu diesem Kanal war durch zwei 800 Meter weit ins Mittelmeer reichende Molen geschlitzt. Eine große Flotte sogenannter Schüttgutfrachter gehörte zu diesem künstlich angelegten Hafen. Sie waren nach einem Zeitzyklogramm so eingeteilt, daß ständig drei Frachter ihre Ladung im Hafen löschten, während sich die anderen auf Reise befanden. Die Schiffe waren erforderlich, damit der Antransport der riesigen Mengen notwendiger Zuschlagstoffe, aber auch von stets neuen Baumsetzlingen aus den Ländern West- und Ostafrikas, gesichert werden konnte. Der Hafen, mit seinen Umschlagplätzen, Entladeeinrichtungen und Förderbändern, lag am Ostufer des Kanals.

In unmittelbarer Nähe, also ebenfalls am östlichen Ufer, lag das zwar nur 180 Meter breite, aber fast einen Kilometer lange chemische Aufbereitungs- und Mischwerk. Die Zuschlagstoffe waren chemische Düngemittel, Kali, Stickstoff, Phosphor, aber auch natürlicher Dünger wie Guano, dem Vogelmist steiler Felseninseln der Südsee, Kamelmist und mit anderen tierischen Exkrementen angereicherten Streustroh und, soweit es möglich war, künstlich erzeugtem Humus aus der Biomasse von Pflanzen und sonstigen verrottbaren Abfällen. Mit moderner Technik wurden diese Zuschlagstoffe aus den Bäuchen der Schiffe herausgeholt und auf riesigen Fördereinrichtungen zum Aufbereitungswerk transportiert. Dort erfolgte ihre, immer noch getrennte Aufbewahrung in riesigen Vorratssilos. Über sogenannte Schüttelwerke wurde dann der Weitertransport in das Werk vorgenommen. Dabei hatten die Förderbänder entsprechend der vorgesehenen prozentualen Mischung bereits unterschiedliche Geschwindigkeiten; elektronisch gesteuert erfolgte dann ihre genaue Proportionierung, mit der sie in das Innere des ersten Blocks verschwanden.

Der „Moloch“ der Anlage, der also am meisten „verschluckte“, befand sich an der östlichen Seite des Werkes. Dort befand sich eine breite, mit Schienen versehene Trasse, auf der sich in nicht endender Reihenfolge die Züge mit ihrem abkippbaren Inhalt drängten. Die Züge, die hier ankamen, entluden, man höre und staune, simplen Wüstensand, der, weitab von den aufzuforstenden Flächen, auf den mehr als genug vorhandenen Sanddünen gewonnen und mit modernster Technik auf die offenen Waggons verladen wurde. Dieser Sand verschwand in Unmengen in einer riesigen Öffnung auf der Seite des Chemie- und Mischwerkes. Es wurde vom „Moloch“ verschluckt. Über eine längere Bearbeitungsstraße mit speziellen Vorrichtungen wurde dann der Sand zu Staub zermahlen, da die Korngröße des Sandes für die Produktion einer fruchtbaren Kunsterde zu groß war. Nach einer genauen Rezeptur fand dann die Mischung mit den bereits erwähnten Zuschlagstoffen statt. Das Ganze wurde dann zu einem wasserlöslichen Granulat verarbeitet und verließ in großen Mengen am Ende des Werkes die Mischanlagen. Dieses Granulat stellte eine äußerst fruchtbare künstliche Erde dar. Man konnte kaum glauben, daß sie zu 80 Prozent aus Wüstensand bestand. Die vorher vom Sand entleerten Züge übernahmen hier die wertvolle Kunsterde und brachten sie zu den vorgesehenen Flächen, wobei die Gleisanlagen durch moderne Gleisverschiebungseinrichtungen laufend neu verlegt werden mußten. Da das Volumen der Kunsterde die Menge des antransportierten Wüstensandes übertraf, mußten nach einem genauen Programm nach sieben Zügen, die mit Wüstensand beim Werk ankamen, drei weitere Züge, die als Leerzüge bereitgestellt waren, den Transport der erzeugten Erde unterstützen. Die anderen Züge wurden nach Entladung der Kunsterde wieder zu den Sanddünen geleitet und brachten neue Sandmengen heran. Es waren wirklich bedeutende Mengen, die erforderlich waren. Man bedenke, für einen Quadratkilometer aufgetragener Kunsterde wurden immerhin 350 000 Kubikmeter Erde benötigt. Davon waren 320 000 Kubikmeter Wüstensand, der bewegt werden mußte und 50 000 Tonnen Zuschlagstoffe, die die Frachter herbeischaffen mußten. Die gesamte Arbeit in diesem gigantischen Mischwerk erfolgte vollautomatisch. Nur an bestimmten Schaltstellen saßen einzelne Kontrolleure, die den bereits von Computern überwachten Prozeß zusätzlich beobachteten. Weiter ostwärts, unmittelbar an der Mittelmeerküste, befanden sich kilometerweite neben- und hintereinander angeordnete Becken in den Ausmaßen 20 mal 50 Meter. Sie waren tiefer als das Niveau des Meeresspiegels angelegt. In den genau ausnivellierten Betonboden dieser Becken waren endlose, ebenfalls 20 Meter breite und stabile Gummibänder angebracht. Während die obere Seite fest auf dem Boden der Becken auflag, wurde das Gummiband über Walzen an der Vorderund Hinterkante der Becken unterhalb der Betonböden zurückgeführt. Die Vorder- und Hinterseite waren in ihrer ganzen Breite von 20 Metern hydraulisch als Schotten absenkbar. Ebenso konnte man sie aber wieder öffnen. Diese Becken hatten nur eine Tiefe von knapp eineinhalb Metern. Die Unterseiten der Gummibänder liefen, leicht durch mineralische Fette geschmiert, auf den geglätteten Betonboden. Über den Becken befanden sich in sogenannter Dachstuhlkonstruktion 24 quer über die Becken laufende Konstruktionen in den Abmessungen 2 mal 2 Metern. Diese, aus leichtem Aluminium gefertigten Konstruktionen, waren mit einer stabilen aber völlig lichtdurchlässigen Folie bespannt.

Die Funktion dieser Becken war nun folgendermaßen: Zunächst strömte auf Grund des natürlichen Gefälles Meereswasser in die Becken ein. Dieser Vorgang erfolgte in den frühen Morgenstunden. Hatte das Wasser in den Becken einen Stand von ca. 1,1 Metern erreicht, dann schlossen sich automatisch die Schieber. Durch die starke Sonneneinstrahlung verdunstete am Tage das Wasser und schlug sich als Wrasen ab den Innenseiten der Folie nieder. Unter den Fußpunkten der sogenannten Dachstühle befanden sich über die ganze Breite von 20 Metern breite Rinnen, die das abtropfende bzw. abfließende Kondenswasser sammelten und seitlich durch entsprechendes geringes Gefälle in ein Röhrensystem leiteten. Nachdem alles Wasser verdunstet war, befand sich auf dem Gummiboden eine etwa zwei cm starke Salzschicht. Jetzt wurden die Abschottungen des Beckens nach oben gezogen, so daß die maschinell angetriebenen Walzen den Gummiboden um 50 Meter vorziehen konnten. Dabei brach die Salzkruste infolge der Krümmung ab und fiel in Stücken auf ein Förderband, daß das Salz seitwärts über viele hundert Meter abtransportierte. Danach wurden die Absperrungen wieder hydraulisch nach unten gefahren, drückten auf das nunmehr wieder freie Gummiband und dichteten damit das Becken wieder ab. Eine Füllung dieser Becken erbrachte so etwa 980 Kubikmeter entsalztes Meerwasser.

Auf Grund der Vielzahl der vorhandenen Becken standen somit täglich bis zu 800 000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Ein Teil wurde zu Trinkwasser in entsprechenden Wasserwerken weiterbehandelt, der größte Teil stand jedoch zur Bewässerung der kultivierten bzw. aufgeforsteten Flächen zur Verfügung.

Zunächst waren es nur einige hundert Hektar Wüste, auf der man mit der Kultivierung und Aufforstung begonnen hatte. Dazu war der Wüstenboden mit riesigen Schrappern geglättet, das heißt eingeebnet. Auf diesen geglätteten Wüstenboden wurde ein ganzes System von Meliorationsröhren aufgebracht und miteinander verbunden. Auf diesen mit Löchern versehenen Röhren, durch die die Bewässerung erfolgen konnte, wurde dann eine etwa 30 bis 40 cm starke Schicht des Kunstbodens, besser gesagt des künstlich aufbereiteten Bodens, aufgebracht.

Das geschah mit modernen Großgeräten, die den Boden von den eintreffenden Zügen übernommen hatten. Beim Befahren der Flächen sorgte ein elektronisches System in diesen Geräten, daß sich jeweils das Radpaar, welche gerade ein Meliorationsrohr passieren würde, hydraulisch nach oben zog. Bei den 10 vorhandenen Radpaaren war dabei stets im ausreichenden Maße der Bodenkontakt vorhanden. Auf diese Weise wurde aber vermieden, daß die auf der Wüstenoberfläche aufgebrachten Meliorationsröhren zu Bruch gefahren wurden.

Diese Großgeräte hatten natürlich zu ihrer Bedienung klimageregelte Fahrerkabinen, ohne diese wäre es in der glühenden Sonne unmöglich gewesen, diese Arbeit über Stunden zu verrichten. Durch einen Seitenkanal des mit entsalzenen Meerwasser gefüllten Hauptkanals wurde das Wasser in das Meliorations bzw. Bewässerungssystem geleitet. Der Kurs dieser Großgeräte war in Abständen von jeweils ca. vier Metern durch einen Laserstrahl fest fixiert und gespeichert. Die nachfolgenden Großgeräte, die auf breiten Raupenketten fuhren und über ein automatisches System die Baumsetzlinge in den Boden pflanzten, konnten so auf derselben Fahrspur gehalten werden, wie die, die den Boden aufbrachten. Im Abstand von je vier Metern, sowohl in der Fahrspur als auch seitwärts, wurde so mit erstaunlicher Akuratesse die Aufforstung durchgeführt. Bei den Setzlingen handelte es sich hauptsächlich um Baumsorten, die auch an den West- und Ostküsten Afrikas wuchsen. Zunächst war es nur ein Mischwald. Später ging man auch dazu über, Olivenhaine, Plantagen mit Bananen und anderen Südfrüchten, aber auch Hirse und anderes Getreide auf Flächen, mitten im Wald anzubauen. Alle 100 Meter stand ein Gitterturm, dessen Sprühkopf über Leitungen mit starken Pumpen Wasser versprühen konnte. Der Radius der besprühten Fläche war so groß, daß eine flächendeckende Beregnung erfolgen konnte. Das war aber noch nicht alles! In einem Abstand von ca. 100 Metern vom äußersten Rand der bereits aufgeforsteten bzw. kultivierten Rächen befanden sich weitere Türme. Diese waren durch einen schweren, auf Rädern und Gleisketten getragenen Unterbau mobil, konnten also immer weiter nach außen versetzt werden. Am Fußende des Turmes befand sich ein großer Druckbehälter mit verflüssigtem, brennbarem Gas. An der Spitze des Turmes endeten starke Rohre, die, über einen Kompressor gespeist, das Gas mit hohem Druck ausstoßen konnten. Automatische Anlagen mit Radar, Infrarotgeräten und Laser konnten automatisch, rund um die Uhr, den Himmel in einem flachen Winkel zur Erdoberfläche abtasten und bei sich annähernden Heuschreckenschwärmen automatisch den Flammenwerfer, denn um einen solchen handelte es sich bei jedem Turm, in Aktion setzen. Dreimal hatten in den letzten 20 Jahren diese Schutzmaßnahmen bereits ihren erfolgreichen Dienst getan. Fast 200 Meter lange Feuerstrahlen waren den Milliarden Heuschrecken, die sich in Schwärmen näherten, entgegengebraust. Die verbrannten Insekten bedeckten bis zu 40 cm stark den Boden vor den Waldflächen. Wären sie ungehindert in die Waldflächen eingefallen, dann wäre die Arbeit von 50 Jahren völlig vernichtet worden.

Mit entsprechenden Tankzügen auf Raupenketten wurden nach einem solchen Einsatz diese Türme wieder aufgetankt. Eine andere Schutzmaßnahme waren die umittelbar vor dem Waldrand stehenden, ebenfalls mobilen Fahrzeuge, die seitwärts miteinander verkoppelt wurden und wie ein überdimensionales Hauszelt in Dreiecksform zwei große, miteinander verbundene Flächen, in Leichtkonstruktion trugen. Die Außenseiten dieser Flächen waren wie eine Mauer, die rund um die Aufforstung lief. Sie war besonders in den ersten Jahren unerläßlich, denn sie war der Schutz bei schweren Sandstürmen. Später, als schon ein großer Teil der Wüste aufgeforstet war, ließ die Intensität dieser ansonsten verheerenden Stürme nach.

Natürlich konnte man nicht den ganzen Umfang der aufgeforsteten Flächen mit derartigen mobilen Fahrzeugen umstellen. Dazu wäre eine kollossale Anzahl erforderlich, die selbst die Möglichkeiten des 22. Jahrhunderts überstiegen hätten. Diese Fahrzeuge standen nur an den bekanntesten, von der Verwehung am meisten gefährdeten Stellen in südlicher Richtung, also in Richtung des Vortriebes der Aufforstungen. Die gesamte Ostseite der schon älteren und jungen Wälder war von Flächen geschützt, die in der Art von Schneezäunen aufgestellt und mit geeigneten Maßnahmen im Wüstenboden verankert waren. Die Westseite war dagegen durch den Süßwasserkanal und der 30 Meter entfernten und bis zu 4 Meter hohen Trasse für die Eisenbahnverbindungen geschützt.

Zwischen dem Süßwasserkanal und den im Norden angelegten Becken zur Entsalzung des Meereswassers befand sich die Stadt Alikanbar. Östlich war sie von den Solarenergiekraftwerken und Feldern, südlich vom ersten angelegten Wald begrenzt. Die Grundfläche der Stadt betrug nicht mehr als zehn Quadratkilometer! Bereits Ende des 20. Jahrhunderts hatte man erkannt, daß es unbedingt notwendig wurde, die bis dahin vorrangige Erzeugung von elektrischem Strom alternativ durch andere Stromquellen als durch C02-ausstoßende Wärmekraftwerke und vor allem der Atomkraftwerke zu ersetzen. Zwar war es gelungen, anstelle der Atommeiler, die nach dem Prinzip der Atomspaltung arbeiteten, die Atomfusion in den Griff zu bekommen, jedoch wurde diese Energieart aus Sicherheitsgründennur noch im Weltraum zum Antrieb der Weltraumschiffe verwandt.

Die Versuche mit Windkraftwerken waren zunächst sehr vielversprechend, jedoch sehr aufwendig und unzuverlässig. Oft herrschte tagelang Windstille und die Anlagen lieferten nicht eine Kilowattstunde Strom. Die Solartechnik hatte dagegen die Welt erobert. Stand doch die Energie der Sonne in unerschöpflichem Umfang zur Verfügung. Mit tiefgekühlten Überlandleitungen, also mit Supraleitern über zig tausende Kilometer hinweg miteinander verbunden, konnte auf diese Art der Energieerzeugung und ihre Verteilung entsprechend der Drehung des Erdballs, die Tag- und Nachtunterschiede weitgehend ausgleichen, so daß stets Energie zur Verfügung stand.

Aber es gab noch einen weiteren Umstand! Er wird dem Leser bei der Schilderung der an der nordafrikanischen Küste installierten Bauwerke sofort bewußt werden. Auf einem Gebiet von etlichen Quadratkilometern waren hier quadratmetergroße Flächen mit Solarzellen auf einer kardanisch konstruierten Haltervorrichtung auf entsprechende Unterkonstruktionen angebracht. Jede dieser mit Solarzellen bestückten Flächen, von denen 85 mehr als eine Million gab, waren mit seitlich angebrachten Fotozellen ausgerüstet, die automatisch die Steuerung der Winkel dieser Flächen zum einstrahlenden Sonnenlicht übernahmen. Mit anderen Worten, diese Flächen waren unabhängig von der Tageszeit und dem damit verbundenen Sonnenstand, stets mit ihrer ganzen Fläche der Sonne zugewandt. Durch den stets senkrechten Einfall der Sonnenstrahlen war damit bereits eine hohe Wirksamkeit erreicht. Das entscheidende aber bestand darin, daß es einem amerikanischenjapanischen Forscherkollektiv durch die Entwicklung und den Einsatz neuer Werkstoffe gelungen war, den Wirkungsgrad der Solarzellen, der im 20. Jahrhundert nur etwa 20 Prozent betrug, auf ca. 50 Prozent zu erhöhen. Das heißt, 50 Prozent der Sonnenenergie wurden jetzt unmittelbar in Elektroenergie umgewandelt. Über Leitungen und Kabel, die letztendlich Armdicke erreichten, wurde die gesamte Energie gesammelt und dem Energiesammelwerk zugeleitet. Ein Teil der vielen Megawatt betragenden Gesamtenergie wurde in einer etwa zwei Hektar großen Halle in leistungsfähigen Batterien mit hoher Kapazität gesichert und nachts für die dann bedeutend gesenkte Energieabnahme abgegeben. In dem nun schon 60 Jahre alten Wald der ersten Anpflanzung dieses Projektes herrschte an diesem Nachmittag ein angenehmes Halbdunkel. Die Baumkronen bildeten ein großes grünes Dach, durch das die Sonne nur mit wenigen Strahlen hindurch kam. Man sah die unterschiedlichsten Bäume. Da gab es den afrikanischen Brotbaum, die Korkeiche, Sandel- und Ebenholzgewächse und sogar Mammutbäume mit ihren weit ausladenen Baumkronen. So unterschiedlich wie die Arten, von denen hier nur einige genannt wurden, so unterschiedlich waren auch die erreichten Durchmesser ihrer Stämme. Da gab es mehr als armdicke, aber auch bereits solche mit einem Durchmesser von mehr als einem dreiviertel Meter. An manchen Stellen sah man auch, daß offenbar, verdeckt durch schnell wachsende Arten, andere eingegangen waren.

An manchen Stellen sah man auch Baumstubben von bereits gefällten Bäumen. Diese Bäume hatten den weit ausladenen Baumkronen ihrer Nachbarn weichen müssen, um deren Wachstum nicht zu behindern. Der Eingeweihte wußte auch, daß man andere Bäume nach den ersten Jahren ihres Wachstums ausgegraben und in die später angelegten Neuaufforstungen verpflanzt hatte. Zwischen besonders starken Bäumen war eine Reihe vollends entfernt worden. In der nun vorhandenen 8 Meter breiten Schneise zeichnete sich jetzt ein bequemer Waldweg ab. Alle hundert Meter standen am Rand dieses Weges Bänke, die zum Verweilen einluden. Zwischen den Bäumen hatte sich Farnkraut angesiedelt, aber man sah auch bemooste FIächen, Gras und eine Fülle bunter Blumen, ja selbst Orchideen hatten die „Waldschöpfer“ hier erfolgreich angesiedelt. Die Luft war erfüllt mit dem Gezwitscher zahlreicher tropischer Vogelarten. Sittiche, Kolibris un selbst Papageien konnten die Spaziergänger hier antreffen, es gab aber auch anderes Getier. Da gab es Eidechsen, Schildkröten, eine besondere Art von Antilopen und das afrikanische Rüsselschwein. Von giftigen Schlangen und Raubtieren war jedoch der Wald noch frei.

Die Luft war zwar nicht kühl zu nennen, sie war feuchtwarm, aber immer noch angenehmer als in der prallen afrikanischen Sonne. Auf dem Waldweg sah man, stadteinwärts gehend, zwei Personen, die von einem Spaziergang zurückkehrten.

Yvonne und Karl Carlson hatten diesen Nachmittag auf ihre Weise, den Schatten der Bäume und die sie umgebende gesunde Natur genossen. Etwas müde kehrten sie jetzt zurück und Yvonne hatte Karl gerade dazu eingeladen, bei ihr in der Wohnung noch ein Täßchen Kaffee zu trinken. Natürlich hatte Karl diese freundliche Einladung angenommen. „Niemand“ so fuhr dann Yvonne fort „würde es uns glauben, daß es hier vor hundert Jahren nichts als Wüste gegeben hat“. „Ja“ so meinte Karl, der sich bei ihr eingehakt hatte, „ es ist schon was Grandioses, das hier, und man darf nicht vergessen, was auch in anderen Teilen unserer Erde geschaffen wurde! Allein hier in Nordafrika hatten wir bereits über 100 Quadratkilometer aufgeforstet, Getreidefelder angelegt und Obstplantagen zum Anbau von Südfrüchten ins Leben gerufen. Doch das, so meinte er, wäre unmöglich gewesen, wenn wir nur die vor 60 Jahren geschaffenen Voraussetzungen gehabt hätten. Ein Glück, daß man vor 50 Jahren bei der Oase Kuratti bei einer Tiefenbohrung auf ein riesiges unterirdisches Süßwasserbecken gestoßen ist!“ Yvonne, die gerade mit ihrer Hand nach einem in allen Farben schillernden Schmetterling gehascht hatte, ohne ihn jedoch ergreifen zu können, wußte das natürlich. Auch daß man unmittelbar danach in direkter Nähe dieser unterirdischen Quelle mit großen Maschinen dazu übergegangen war, mit Schaufel- und Löffelbagger, Planierraupen und Kränen in der Wüste ein tiefes Locb zu „buddeln“. Das Loch hatte dann immerhin die Ausmaße von einem Quadratkilometer und war bis zu 50 Meter tief. In diesem künstlichen See waren inzwischen Millionen und Abermillionen Kubikmeter Süßwasser geflossen. Der Kanal, der das entsalzte Meereswasser nach Süden führt, war bis zu diesem fast 100 Kilometer entfernten See verlängert worden, ein Projekt, das in ganzen 3 Jahren bewältigt worden war. Seit dieser Zeit mischte sich das von Norden kommende entsalzte Meerwasser mit dem von Süden kommenden Südwasser und garantierte so die ausreichende Bewässerung aller kultivierten Gebiete, sowohl aus dem Boden als auch mit den künstlichen Regen versprühenden Berieselungstürmen. Yvonne dachte daran, daß das alles der Verdienst des Vorgangers von Karl war, dieser aber ebenfalls Verdienste im weiteren Aufbau der hydrologischen Anlagen erworben hatte. So waren, um der ungünstigen Verdunstung des Wassers in den offenen Kanälen wirksam zu begegnen, weite Teile des Kanals mit einer Abdeckung versehen worden, sie war immerhin so stabil, daß sie auch schwere Fahrzeuge passieren konnten und der Bau weiterer Brücken entfiel. Innerlich aber mußte Yvonne über die lebhaften Äußerungen ihres Begleiters staunen. Noch nie hatte sie bemerkt, daß dieser sonst Ruhe und Sachlichkeit ausstrahlende Mann so schwärmerisch sein konnte. Yvonne bemerkte: „Es ist aber ein Glück, daß die Meerentsalzungsanlagen nicht stillgelegt wurden; haben wir es doch verstanden, neben der Kochsalzgewinnung als Nebenprodukt auch Spuren von Eisen und anderen Mineralien heraus zu filtern, die für den Kunstboden ungeheuer wichtig sind“. Jetzt nahm Karl das Gespräch wieder auf: „Wir sollten aber, liebe Yvonne, auch nicht die große Bedeutung des neu geschaffenen Wärmekraftwerkes auf der Basis der Verwendung von Wasserstoff als Energieträger vergessen. Wir haben dadurch den erhöhten Energiebedarf decken können und vor allem die arbeitszeit- und kostenaufwendige Speicherung der Elektroenergie in der Batteriespeicherungsanlage stillegen können. Das war umso wichtiger, da noch einige Tonnen Blei und Säure jetzt keine Probleme bei der Umweltentsorgung schaffen“.

Langsam schlenderten sie den Weg weiter. Sie waren bereits fast am Ausgang des Waldes, der, wie der Leser nun weiß, fast parkähnlichen Charakter trug, und konnten das Panorama ihrer ihnen so liebgewordenen Stadt schon sehen. Sie kannten alle Einzelheiten ihrer zweiten Heimat. Da waren zunächst um einen großen freien Platz die Supermärkte und Kaufhäuser angeordnet. Dieser Platz, der mit Parkflächen umgeben war, hatte nur 2 breite Straßen mit vierfacher Fahrspur als Zugang. Diese Straßen waren mit Parks umgeben. Dahinter befanden sich mehrere Reihen gradlinig verlaufender Anliegerstraßen, die von den kreisförmigen 25 Stock hohen Rundbauten umgeben waren. Darin befanden sich Banken, Behörden, Dienstleistungsbetriebe, Gaststätten und Bars. Alle Straßen waren beidseitig von Bäumen umgeben, also als Alleen angelegt. In den Außenbezirken waren dann diese Rundbauten als Wohnstätten eingerichtet. Die notwendigen Betriebe befanden sich dann noch weiter außen, also am Stadtrand. Rings um den zentralen Platz war alles Fußgängerzone. Im Nordwesten befand sich die Trinkwasseraufbereitungsanlage und kurz danach war der in südlicher Richtung führende Kanal mit dem entsalzten Meerwasser in große Becken verbreitert. Sie wurden hauptsächlich von der Jugend der Stadt als Badeanstalt genutzt. Daneben gab es aber auch eine große Schwimmhalle, Sportplätze, Sport- und Turnhallen, Fitneßräume und anderes. Direkt im Norden, zwischen der Stadt und den Anlagen zur Meerwasseraufbereitung, befand sich der Bahnhof. Über ihn führte die doppelgleisige Küstenbahn, die Marokko über alle anderen Küstenstädte bis hin nach Saudi Arabien verband. Ebenso führte über diesen Bahnhof die Einschienen-Magnet-Schnellbahn. Eine weitere Trasse, die am Westrand nach Süden schwenkte, war noch im Bau. Es gab aber außer dem zentralen Platz noch viele andere schöne in Grün eingebettete Plätze mit zahlreichen Springbrunnen und Wasserspielen. Natürlich gab es auch Einrichtungen des Gesundheitswesens, ebenso Kinderkrippen, - gärten und Horte. Auch Spielplätze waren nicht vergessen. Der gesamte Verkehr in der Stadt war auf Elektromobile umgestellt. Da gab es die kleinen wendigen Flitzer, die man zum Einkauf benutzte, die elektroangetriebenen Lieferwagen und andere Nutzfahrzeuge und die Elektrobusse für den Nahverkehr. Eine Ausnahme gab es für die Überlandtransporte mit ihren großen Trucks, die auf der Basis des Wasserstoffgasantriebs noch über Verbrennungsmotore verfügten. Am Rande der Stadt konnte jeder Besucher, der mit einem für die Stadt nicht zugelassenen Transportmittel anreiste, ein ElektroKleinmobil zu einem geringen Entgelt mieten.

Selbstverständlich war die Stadt auch an die große Trasse der mehrspurigen Ost-West-Autobahn angeschlossen. Ihre Trasse verlief jedoch 10 Kilometersüdlich von der Stadt und führte durch den an dieser Stelle bereits 20 Kilometerbreiten Wald. Erwähnenswert ist noch, daß sich am Südrand des zentralen Platzes das Rathaus mit einem angrenzenden Kongreßgebäude und in unmittelbarer Nähe zahlreiche moderne Hotels befanden. In den Außenbezirken gab es einen Tempel, Moscheen und Kirchen für die katholischen und evangelischen Christen. Alle diese Gebäude in ihrer Konstruktion, Architektur und Innenausstattung näher zu beschreiben, würde zu weit führen, sie entsprachen aber den modernsten Normen des 22. Jahrhundert. Auf eine Frage muß aber unbedingt noch eingegangen werden. Das ist das Problem der Entsorgung von Abfällen. Den Chemikern war es gelungen, eine Plaste zu entwickeln, die sich nach spätestens einem halben Jahr von selbst auflöste. Dabei blieben keine giftigen Abfallprodukte zurück. Zusammen mit der Praxis, daß flüssige Stoffe nur in Mehrwegflaschen gehandelt werden durften, war es schon lange ein ungeschriebenes Gesetz, daß auf Mülldeponien, die mit Wiederaufbereitungsanlagen verbunden waren, diese Abfälle kompostiert und ebenfalls zur Erzeugung der Kunsterde mitverwendet wurden. Yvonne und Karl hatten nun bereits die Außenbezirke ihrer Stadt durchschritten und näherten sich dem Haus der K.K.U.T., in dem sich auch ihre Wohnungen befanden. Yvonne und Karl saßen jetzt am großen Fenster, das den Blick bei dem gerade jetzt erreichten Stand der Drehung um die Achse des Hauses, voll auf die Stadt freigab. Sie sahen auch die breite Trasse, die nach dem Süden führte. Es war ein breiter, ca 3 Meter hoher Erdwall, der ca. 10 Meter neben dem Süßwasserkanal nach Süden führte. Man erkannte drei Einrichtungen, für die die Trasse bestimmt war. Einmal den breiten Bahndamm für die zweigleisige elektrifizierte Bahn, deren Geschwindigkeit mit 220 km/h konzipiert war. Die sich auf dieser Trasse erhebenden Betonpfeiler; sie waren alle 50 Meter mit in spannbetonweise hergestellten Stützbalken verbunden. Darauf befand sich die Schiene, die einen Höchstgeschwindigkeitszug auf Magnetkissen aufnehmen konnte. Dieser Zug konnte eine Geschwindigkeit von 500 km/h entwickeln, war also schon eine kleine Konkurrenz für den Flugverkehr. Beide, sowohl Yvonne als auch Karl wußten, daß zunächst erst 120 Kilometerder Strecke, die schnurgerade nach Kapstadt führen sollte, fertiggestellt war. Neben dieser Anlage gab es dann eine ca. 100 Meter breite mehrspurige Autobahn, ebenfalls noch im Bau. Alle Straßen, Kanäle und auch die Autobahn in Ost-West-Richtung führten unterhalb dieser Trasse hindurch, es gab also keine Kreuzungen auf gleichem Niveau. Weiter südwärts, in Zentralafrika, war geplant, alle fünf Kilometer, diese Trasse über breite Brücken zu führen, damit der Wildwechsel - der in Afrika beheimateten Tiere - ungestört von statten gehen konnte. Die Trasse selbst würde fast senkrechte Wände erhalten, damit kein Tier die Bahngleise und die Autobahn überqueren konnte. Verträumt schauten beide auf die Stadt. Seit mehreren Monaten verband sie eine tiefe Kameradschaft und Freundschaft. Ja, es mochte noch mehr sein, was sie miteinander verband, aber darüber waren sie sich selbst wohl noch nicht ganz im Klaren, zumindest hatten sie das voreinander noch nicht offenbart. Sie sahen: Die Luft über der Stadt flimmerte. Daneben sah man auf den auf einigen Hochhäusern montierten kleinen Türmen, wie sich aus Strahlern mit großem Druck auf einen großen Umkreis künstlicher Regen ausbreitete. In den Milliarden kleiner Wassertröpfchen sah man einen künstlichen Regenbogen, der die Romantik des Tages abrundete. „Ich lebe und arbeite gern in dieser Stadt“ sagte Yvonne zu Karl. „Es ist doch schön, zu sehen, wie wir als Menschen es verstehen, die Welt so zu verändern, daß wir keine Angst für die Zukunft unseres Erdballs haben müssen“. Karl schwieg zunächst, dann meinte er: „Weißt Du eigentlich, daß wir in drei Tagen ein Jubiläum begehen?“ Yvonne schüttelte den Kopf. „Mir ist nichts dergleichen bekannt oder hast Du eventuell Geburtstag?“ „Das nicht“ fuhr Karl fort, „aber in drei Tagen werden wir den 70 Millionsten Baum pflanzen!“. Nach einem sehr schönen, durch Gespräche, Musik und Sekt (sie tranken übrigens echten Champagner), verlaufenden Abend blieb Karl erstmalig über Nacht bei Yvonne.

3. Abschnitt: Jim Parker hat eine schwere Aufgabe zu lösen

Mister Ben Hallingfort, seines Zeichens Kriminaloberrat, hatte an diesem Morgen, schlechte Laune. Selbst das soeben genommene Duschbad hatte seine Verdrießlichkeit nicht abspülen können. Am Vortag war er kurz vor Dienstschluß zum Präsidenten des Weltkriminalamtes, in dem auch Jim Parker tätig war, gerufen worden. Er hatte eine mächtige Zigarre erhalten. Wahrscheinlich hatte aber der Präsident diese nur weitergegeben, denn Ben wußte, daß „sein“ Präsident gerade aus dem Sekretariat der UNO gekommen war. Fakt war, es ging den Verantwortlichen bei der UNO, in der Weltorganisation der K.K.U.T.‘s ‚ aber auch der öffentlichen Meinung einfach zu langsam und vor allem ergebnislos, was die Ermittlungen zur Aufklärung der Straftaten, die offensichtlich gegen die K.K.U.T.'s gerichtet waren, betraf. Zwar war es gelungen, durch einen Zeugen, der sich erst jetzt gemeldet hatte, eine Personenbeschreibung von dem Täter zu erhalten, der in Amsterdam den Technischen Leiter erschossen hatte. Es war auch nach seinen Angaben ein Phantombild angefertigt und eine steckbriefliche Fahndung ausgelöst worden, aber bisher war alles ergebnislos.

In Japan hatte man immerhin die Mordwaffe, einen Dolch, in der Mülltonne gefunden und, was eigentlich verwunderlich war, sogar noch Fingerabdrücke feststellen können, aber ein Vergleich mit der weltweiten Kartei hatte zu keinem Resultat geführt. Offenhar handelte es sich nicht um einen bereits bekannten Profi, ja es war unwahrscheinlich, daß es überhaupt ein Profi war. Auch die gefundenen Flugschreiber der abgestürzten Maschine brachten keine neuen Erkenntnisse. Der Flug war völlig normal verlaufen, die Explosion und der Abriß der Tragfläche mußte in Bruchteilen von Sekunden erfolgt sein. Kriminalrat Ben Hallingfort hatte sich rasiert, war in seine Sachen gesprungen und trank jetzt, immer noch wie abwesend, seine Tasse des starken und von ihm geliebten Morgenkaffees.

Gedanklich hatte er nochmals alle diese Fakten Revue passieren lassen. Sein Entschluß stand jetzt schon fest. Er mußte mit einer neuen Strategie den Kampf um die Aufklärung dieser, gegen die Weltorganisation der K.K.U.T.'s mysteriösen Verbrechen aufnehmen. Er fuhr mit dem Lift in die Tiefgarage und bestieg seinen „Elektroflitzer“. Dieses Gefährt hatte kaum noch eine Ähnlichkeit mit den sogenannten „Autos“, wie sie vor 200 Jahren noch üblich waren. Er setzte sich in einen bequemen Sessel dieses Gefährts, drückte auf einige Knöpfe und schon schoß der Elektroflitzer davon. Automatisch verfolgte der Flitzer den programmierten Kurs zum Weltkriminalamt. Mit einer komplizierten Elektronik mit Radar, Infrarot- und Ultraschallsensoren sowie mit Laser ausgerüstet, suchte sich das Fahrzeug automatisch seinen Weg, wich Hindernissen aus, beschleunigte bzw. bremste das Fahrzeug bei Bedarf, fuhr optimale Kurven an Abbiegungen und hatte ein computergesteuertes Reaktionsvermögen, welches in der Schnelligkeit mit jedem Menschen, mochte er noch so trainiert sein, aufnehmen konnte. In knapp 10 Minuten war der Kriminaloberrat an seinem Ziel angelangt. Oben, in seinem Arbeitszimmer angekommen, es lag im 12. Stockwerk, überdachte er noch einmal den bereits gedanklich gefaßten Entschluß. Es war ihm klar geworden, er mußte unter der Leitung seines fähigsten Beamten ein Sonderdezernat schaffen, das mit allen Vollmachten und Möglichkeiten auszurüsten war. Es war ihm klar, daß die Aufklärung und der Kampf gegen diese Verbrechen keine Einmannarbeit sein konnten. Es galt sich darauf einzustellen, daß eine ganze Anzahl von Mitarbeitern hierfür freizustellen war. Es verstand sich von selbst, daß dem Leiter dieses Ressorts und seinen Mitarbeitern alle technischen Einrichtungen des Kriminalinstituts zur Verfügung standen. Am geeignetsten für die Leitung dieses Dezernats schien ihm der Oberinspektor Jim Parker zu sein. Jim Parker war erst vor 2 Jahren von Scotland Yard zum Weltkriminalamt in die Union der nordamerikanischen Staaten versetzt worden. Diese Union umfaßte die ehemaligen Staaten wie die USA, Kanada und Mexiko. Seine Versetzung war ein folgerichtiger Schluß, wenn man seine bisherigen Leistungen unter die Lupe nahm. Mit über 95 Prozent Aufklärung aller ihm übertragenen Fälle galt er als der erfolgreichste Kriminalist des 22. Jahrhunderts. Er galt als ein Mensch mit genialer Logik, einer enormen Kombinationsgabe und immer neuen Einfällen in der Methodik der Ermittlungen.

Er war aber auch ein sportlich durchtrainierter Typ, sprach sechs Sprachen und war ein Meister der Maske und der Verkleidung. Eine Stunde später war alles perfekt. Jim Parker war zum Kriminaloberrat gerufen worden. Nach einigen gezielten Fragen, die er seinem Chef ohne Hemmungen stellte, war er einverstanden, dieses Sonderdezernat zu übernehmen. Hatte der Oberrat vermutet, daß Jim Parker mindestens 50 Beamte für sein zu bildendes Dezernat fordern würde, so war er darüber erstaunt, daß Parker ganze sechs Leute, diese allerdings namentlich, für sich in Anspruch nehmen wollte. Diese sechs Kriminalisten hatte Jim in seiner bisherigen Arbeit als äußerst intelligent und zuverlässig kennengelernt. Es handelte sich um drei ehemalige Kollegen vom Yard, um einen deutschen Kriminaloberkommissar, um einen FBI-Agenten und um einen versierten Spezialisten vom C.I.A.E. Es standen ihm natürlich sofort alle in Computern gespeicherte Informationen über die Serie der Verbrechen, von denen man vermuten mußte, daß sie direkt oder indirekt gegen die K.K.U.T.’s gerichtet waren, zur Verfügung.

Nach einer zweitägigen, fast permanenten Beratung, die Jim mit den sechs herbeigeholten Kollegen durchführte, war man sich über das weitere Vorgehen im Wesentlichen einig. Man hatte nochmals alle zur Verfügung stehenden Fakten analysiert, bewertet und mit entsprechenden Ermittlungszielen, Methoden und Aufgaben versehen. Jetzt hieß es an die Arbeit gehen. Zwei der Beamten verblieben zunächst in der Zentrale des neugebildeten Dezernats. Sie hatten die Aufgabe, alle entsprechenden Informationen weiter zu sichten, miteinander, so weit als möglich, zu kombinieren und entsprechend von den anderen Detektiven angeforderte Recherchen mit Hilfe der technischen Anlagen des Kriminalinstituts anzustellen. Darüber hinaus galt es mit den anderen Mitarbeitern und natürlich auch mit Jim, den täglichen Funk- und Fernsprechkontakt aufrechtzuerhalten. Zwei der Mitarbeiter machten sich nun, wie von Jim Parker festgelegt, auf den Weg nach Japan.

Den FBI-Mann, einen noch relativ jungen Mitarbeiter, der sich vor allem in technischen Bereichen gut auskannte, hatte man mit falschen Namen und frisierten Personalangaben in die Transportabteilung der K.K.U.T. in Nordafrika eingeschleust. Der Verdacht lag nahe, daß der oder die Täter, die mit den giftigen Chemikalien das Süß- bzw. das entsalzte Meerwasser verseucht hatten, aus diesem Bereich kommen mußten, denn zur notwendigen Konzentration waren einige Mengen erforderlich. Es mußten mehrere Fässer gewesen sein, die man in den Graben geschüttet hatte. Seine Einstellung war auch völlig normal verlaufen. Niemand ahnte, um wen es sich bei diesem neuen „Fahrer“ in Wirklichkeit handelte. Selbst All Ben, also der Leiter, war nicht informiert worden. Mit dem sechsten der Mitarbeiter flog Jim nach Holland. Er hatte das nach Aussagen des einzigen Zeugen angefertigte Phantombild von dem mutmaßlichen Täter, der in Amsterdam den Technischen Leiter der europäischen K.K.U.T. erschossen hatte, zum Kriminaltechnischen Institut des Weltkriminalamtes gesandt.

Dort wurde es in einen Neuro-analytischen Computer gegeben. Der Computer machte daraus zehn fast gleiche Farbbilder, die man kaum von Farbfoto-Aufnahmen unterscheiden konnte. Es waren jetzt Identikit-Bilder besonderer Art. Diese zehn Bilder hatten untereinander nur ganz geringe Abweichungen, ermöglichen aber so eine noch bessere Bestimmung der Ähnlichkeit mit dem vom Auge des Zeugen aufgenommenen tatsächlichen Abbildes des zu identifizierenden Objektes. Man hatte diese zehn vom Computer ausgewiesenen „Porträts“ mit Hilfe eines zweiten Computers mit den mehr als 500 000 in der Verbrecherkartei gespeicherten „Aufnahmen“, die alle in diesem Computer gespeichert waren, verglichen und dabei dreizehn scheinbar übereinstimmende Personen mit den dazu gehörenden Angaben ausfindig machen können.