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Sinnlichkeit pur: Eine schöne Frau, ein skrupelloser Herrscher und die wahre Leidenschaft Die bezaubernde Cirina lebt in der Wüste Gobi. Als Marco Polo mit seinem Gefolge bei ihrer Familie Station macht, verliebt sie sich in den venezianischen Künstler Antonio. Er ist ihr erster Mann und will nach seiner Reise nach Xanadu zu ihr zurückkommen. Dann wird sie jedoch als anregende Gespielin an den Hof des Kublai Khan gebracht. Dort entdeckt sie die Liebe – und grenzenlose Leidenschaft.
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Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Roxanne Carr
Der Harem des Khans
Erotischer Roman
Aus dem Englischen von Silke Bremer
Ihr Verlagsname
Sinnlichkeit pur: Eine schöne Frau, ein skrupelloser Herrscher und die wahre Leidenschaft
Die bezaubernde Cirina lebt in der Wüste Gobi. Als Marco Polo mit seinem Gefolge bei ihrer Familie Station macht, verliebt sie sich in den venezianischen Künstler Antonio. Er ist ihr erster Mann und will nach seiner Reise nach Xanadu zu ihr zurückkommen. Dann wird sie jedoch als anregende Gespielin an den Hof des Kublai Khan gebracht. Dort entdeckt sie die Liebe – und grenzenlose Leidenschaft.
Roxanne Carr ist Autorin mehrerer erotischer Romane.
Cirina stellte den Wassereimer zu ihren Füßen in den Sand und drückte die Hände ins schmerzende Kreuz. Die Augen gegen die gleißende Sonne zusammengekniffen, wischte sie sich mit dem Kopftuch den Schweiß von der Stirn.
Seufzend blickte sie zurück zur Wasserstelle und der dahinter ausgebreiteten Takla Makan. Wie gern wäre sie durch die Wüste gewandert, um zu erfahren, was es auf der anderen Seite zu sehen gab! Schon als kleines Kind hatte sie sich gefragt, was wohl hinter den rot getönten Sanddünen liegen mochte, und hatte großäugig den Geschichten der Reisenden gelauscht, die auf dem Weg von einem exotischen Ort zum nächsten in der Karawanserei rasteten.
Cirina hob den Eimer wieder hoch und stapfte zur Karawanserei. Was auch immer sich jenseits der Wüste befinden mochte, dort war bestimmt mehr los als hier.
Es war einfach ungerecht! Jedes Mal, wenn ihre Tante und ihre Cousine die Besucher unterhielten, musste sie deren Arbeit mit übernehmen. Wenn es der Göttin wohlgefällig war, dass die Frauen des Hauses den Reisenden beiwohnten, so begriff sie nicht, warum nicht auch ihr diese Ehre zuteil wurde. Sie war weder zu jung noch zu hässlich – sie hatte die Blicke bemerkt, die manche Männer ihr zuwarfen, wenn sie die Karawanserei erreichten. Ihr Onkel Lengke aber scheuchte sie stets fort und hielt sie versteckt, bis wieder Ruhe eingekehrt war.
«Ich habe meiner Schwester, deiner Mutter, versprochen, auf dich aufzupassen und dich zu beschützen», erwiderte ihr Onkel immer, wenn sie ihn fragte, warum sie die Betten der Reisenden nicht wärmen dürfe.
Keta, ihre Tante, lag Lengke ständig in den Ohren, weil er Cirina ihrer Meinung nach glauben machte, sie sei etwas Besseres. Ihre hübsche Cousine Bortai zwickte sie bisweilen verstohlen, nannte sie ‹Kaiserin›, wenn Lengke außer Hörweite war, und kicherte zusammen mit ihrer Mutter über Dinge, die zu begreifen Cirina nie Gelegenheit gehabt hatte.
Sie war froh, als sie den kühlen, schattigen Hof betrat. Niemand hielt sich dort auf. Ihr Onkel trieb wohl gerade wie jeden Abend die Ziegen zusammen, denn er war nirgendwo zu sehen. Es schickte sich für den Mann des Hauses, sich rar zu machen, hatte er seine Frauen den Gästen angeboten. Deshalb nahm Cirina an, dass er sich eine Weile nicht blicken lassen würde.
Die beiden Pferde der Besucher waren beim Stall angebunden, und Cirina ging hinüber und streichelte sie. Es waren hübsche Tiere. Sie wusste, dass nur hochrangige Offiziere der kaiserlichen Armee solche Pferde reiten durften. Dem Sattelzeug nach zu schließen waren sie Tataren – viele Tataren dienten in der Armee des Khans.
Cirina blickte zu dem offenen Fenster hoch, als sie auf einmal Bortais schrilles Kichern vernahm, gefolgt von einem sehr männlichen Stöhnen. Aus irgendeinem Grund prickelte Cirina davon die Haut. Verunsichert entfernte sie sich.
Die Empfindungen, die sie seit einiger Zeit überkamen, verwirrten sie. Die Blicke der Männer, eine eigentümliche innere Rastlosigkeit, die Geräusche aus den oberen Räumen, wenn sie Gäste hatten – dies alles hatte zur Folge, dass sie ein Flattern im Bauch verspürte und dass die geheimen Fleischfalten zwischen ihren Schenkeln anschwollen und feucht wurden.
Cirina glaubte, über Männer und Frauen ganz genau Bescheid zu wissen. Von Kindheit an hatte sie den Tieren der Karawanserei bei der Paarung zugesehen und notfalls sogar dabei mitgeholfen. Das Ganze hatte sie nicht sonderlich aufregend gefunden; auf keinen Fall war es etwas, vor dem man sie zu beschützen brauchte.
Das erklärte jedoch nicht das atemlose Gekicher, sagte eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf, als sie begann, Mehl und Wasser zu mischen und die Nudeln für die Abendsuppe zu bereiten. Als die Nudeln in der Mischung aus Wasser und Schafsfett über dem Feuer köchelten, wurde Cirina abermals von Rastlosigkeit erfasst.
Sie langweilte sich in der endlosen Tageshitze. Das Kopftuch war schmutzig von Staub und Schweiß, und sie hätte sich gern ein neues geholt. Oben waren sie inzwischen doch wohl fertig? Wenn sie sich in das kleine Zimmer schliche, das sie sich mit Bortai teilte, würde man sie vom Hauptschlafbereich aus nicht sehen.
Die Steintreppe fühlte sich kühl unter ihren Sandalen an, als sie leichtfüßig nach oben rannte und im Laufen das Halstuch löste. Da die Holztür zum Schlafbereich weit offen stand, blieb sie stehen. Im Raum waren zwei Strohlager zu sehen. Auf dem einen saß Bortai rittlings auf der steifen Latte eines der Soldaten. Ihr schlankes Hinterteil wippte auf seinen behaarten Beinen auf und nieder. Cirinas Augen weiteten sich, als der von Bortais Säften glänzende Schaft zum Vorschein kann und wieder in den Leib ihrer Cousine hineinglitt.
Mit seinen großen, behaarten Händen streichelte der Mann Bortais kecke kleine Brüste, zwickte sie und brachte sie zum Quietschen. Aus dem Tonfall des Schreis musste Cirina jedoch schließen, dass er ihr offenbar keinen Schmerz bereitete. Ein unbekanntes, fiebriges Gefühl machte sich in ihr breit, während sie Bortai dabei zusah, wie sie den Mann ritt, als wäre er ein Pferd. Das lange schwarze Haar hing ihr den schmalen braunen Rücken hinunter, die Silbermünzen, mit denen sie ihre Zöpfe beschwerte, klimperten geradezu fröhlich, als sie den Kopf hin und her schwenkte. Cirina beobachtete gebannt, wie der Schwanz des Mannes in den Leib der jungen Frau hinein- und herausglitt.
Ein leises Stöhnen vom anderen Lager lenkte sie ab. Ihre Tante hockte auf allen vieren, wie ein Tier. Cirina stockte fast der Atem, als ihr klar wurde, dass der Soldat nicht Ketas Weiblichkeit benutzte, sondern zwischen ihre Hinterbacken stieß.
Ihre Tante hatte den Kopf zur Seite gedreht, sodass Cirina ihr schmerzverzerrtes Gesicht sah. Trotzdem lächelte sie und zeigte ihre gelblichen Zähne, während der Mann unermüdlich in ihre empfindliche Hinterpforte hineinrammelte.
Cirina brach der Schweiß aus allen Poren. Ein Schweißrinnsal lief zwischen ihren Brüsten entlang. Ihr Atem ging so schnell wie der eines gefangenen Vogels, während sie großäugig mit ansah, wie die keuchende Keta sich unter dem ächzenden Soldaten wand.
Cirina ließ den Blick über den Körper des Mannes schweifen. Von der Hüfte abwärts war er nackt. Seine Hinterbacken waren schwabbelig, die Haut zernarbt und behaart. Die Schenkel aber, die ihn stützten, während er sich mit Keta paarte, waren kräftig, angenehm geformt und mit drahtigem Haar besetzt.
Plötzlich zog sich der Soldat aus Ketas Leib zurück und spritzte ihrer Tante mit einem erstickten Aufschrei seinen Samen auf den Rücken. Während Cirina fasziniert beobachtete, wie die Flüssigkeit stoßweise aus der geschwollenen Eichel hervorschoss und auf Ketas fleischigem Rücken landete, spürte sie, wie ihr heiß wurde.
In diesem Moment kam auch Bortais Soldat zum Ende. Bortai entzog sich ihm so eilig, dass sein Samen einen Bogen durch die Luft beschrieb und Brust und Haar des Mädchens bekleckerte. Zu Cirinas Erstaunen lachte ihre eingebildete, zimperliche Cousine nur und bezüngelte das rasch schrumpfende Glied des Mannes.
Das war doch bestimmt nicht recht, dass sie von seiner Körperflüssigkeit kostete? Cirina war bestürzt, dennoch reagierte ihr Körper auf den Anblick ihrer schwanzleckenden Cousine mit noch mehr Feuchtigkeit. Die Innenseite ihrer Schenkel fühlte sich bereits klebrig an.
Sie sah wieder zu ihrer Tante, die sich inzwischen umgedreht hatte. Der Soldat saugte wie ein Säugling an ihren schlaffen Brüsten, während er sich mit den Händen zwischen den angeschwollenen Falten von Ketas Geschlecht zu schaffen machte. Und auf einmal passierte etwas mit ihrer Tante.
Sie warf den Kopf zurück und öffnete weit den Mund. Sie stemmte die Hüften von der Strohunterlage hoch, als wollte sie sich an den in ihr vergrabenen Fingern des Soldaten reiben, sodass ihm die von seinem Speichel glänzenden Brüste entglitten.
«So, das war’s», meinte er lachend, als Keta aufschrie, ein lang gezogener, schriller Schrei, der in Cirinas Kopf widerhallte, während sie mit einer Mischung aus Erregung und Abscheu alles mit ansah.
Erreichten die Frauen etwa einen ganz ähnlichen Gipfel der Fleischeslust wie die Männer? Cirina konnte es kaum glauben, doch ihre Entdeckung erhitzte sie und machte sie unruhig.
«Na, Cousine – willst du vielleicht bei uns mitmachen?»
Als Bortai sie in durchtriebenem Ton ansprach, schreckte Cirina zusammen. Auf einmal wurde ihr bewusst, dass auch das andere Paar sie beobachtete.
«Oh! Ich … ich …»
«Na, komm schon, Cousine – komm her und sieh, was ein richtiger Mann ist!»
Bevor sie fortlaufen konnte, sprang Bortai auf und packte sie am Handgelenk. Cirina wollte sich losmachen, verlor aber das Gleichgewicht und fiel über die ausgestreckten Beine des Soldaten, der Bortai beigewohnt hatte. Sie spürte, wie sein Glied wieder steif wurde und gegen ihren Rücken drückte. Im Raum roch es nach vergorener Stutenmilch und Lust, eine berauschende Mischung, von der ihr ganz schwindelig wurde. Der Mann fasste ihr mit seinen schwieligen Händen an die Brüste.
«Ah!», schrie sie auf, als er sie grob über sich zog. Lachend drückte er ihr seine dicken, nassen Lippen auf den Mund. Seine Zunge schmeckte nach Kumyss und Wodka, sein heißer Atem versengte ihr die Haut.
Cirina schlug heftig um sich und bearbeitete die Schultern des Mannes mit den Fäusten. Ebenso gut hätte sie ihn liebkosen können, so ungerührt nahm der Mann ihre Schläge hin. Sie prallten wirkungslos von seinen muskulösen Schultern ab, dann packte der andere Soldat lachend ihre wirbelnden Fäuste.
Schließlich hörte der Mann auf, sie zu küssen. Cirina schnappte nach Luft und erblickte über der Schulter des zweiten Soldaten das grinsende Gesicht ihrer Cousine. Hasste Bortai sie wirklich so sehr, dass sie nichts dagegen hatte, wenn die Männer sie so derb begrapschten?
Als sie ihre Tante auf dem anderen Lager lachen sah, sank Cirina der Mut, denn ihr wurde klar, dass sie von den beiden Frauen keine Hilfe zu erwarten hatte. Sie quiekte, als derbe Finger ihr die Hemdschnüre zerrissen, sodass ihre vollen Brüste zum Vorschein kamen.
«Cirina, bist du aber gewachsen!», spottete Bortai und streichelte Cirinas weiche, honigfarbene Brüste.
Als hätten sie sich abgesprochen, machten die beiden Männer Bortai Platz, hielten Cirina aber weiterhin fest. Entsetzt sah sie mit an, wie ihre Cousine mit dem Fingernagel über ihre Haut streifte und der Brustwarze immer näher kam.
Peinlicherweise zog sich ihr weicher, rosig-brauner Nippel unter der Berührung zusammen. Ihre Cousine lachte erfreut auf. Sie senkte den Kopf und nahm den verräterischen Knubbel in den Mund. Cirina schnappte nach Luft. Wie kam Bortai dazu, mit ihrer heißen, nassen Zunge ihren Nippel zu umspielen? Bortai neckte und leckte sie mit der Zungenspitze, bis Cirina erneut nach Luft schnappte und sich gegen die Empfindungen wehrte, die Bortai ihrem geschändeten Körper entlockte.
Bortai hob lachend den Kopf.
«Du hattest Recht, Mutter; sie ist reif für die Liebe.»
«Reif zum Pflücken, keine Frage!», meinte spottend einer der Soldaten.
Bevor Cirina klar wurde, was sie vorhatten, drückten die Männer sie zu Boden und nahmen jeweils eine ihrer Brüste in den Mund. Das fühlte sich ganz anders an als Bortais behutsame Liebkosung; die Soldaten waren grob und unbedacht, ihre Zähne verletzten ihre zarte Haut und bissen in die Nippel. Cirina schrie auf und begann sich ernsthaft zu wehren. Als sich die groben Finger unter ihren Röcken zu schaffen machten, geriet sie in Panik.
Auf einmal wurden die Männer weggezerrt, und Cirina blieb mit entblößten Brüsten und verrutschten Röcken auf dem stinkenden Stroh liegen.
«Bedeck deine Blöße!», befahl ihr Onkel mit zornbebender Stimme. Dann drehte er sich um. «Was geht hier vor?»
Keta wandte den Blick ab, und Bortai zuckte mit den Schultern.
«Wir haben uns nur ein bisschen vergnügt, Vater», antwortete sie störrisch.
Lengke sah so aus, als würde er jeden Moment vor Wut platzen. Er war knallrot im Gesicht, die Augen quollen ihm aus den Höhlen. Er musterte die beiden Soldaten, die schwankend mitten im Raum standen und einen verdatterten Eindruck machten. Dann fluchte er heftig.
«Ihr habt die Gastfreundschaft meines Hauses genossen. Bei Tagesanbruch verschwindet ihr. Keta und du, Bortai, ihr holt frisches Stroh für unsere Gäste. Cirina» – sein Tonfall wurde ein wenig milder –, «du kümmerst dich um das Abendessen.»
Er zog sie auf die Beine. Cirina sah sich noch einmal ängstlich um, dann stürzte sie aus der Tür.
Als sie die Kochstelle erreicht hatte und wieder in Sicherheit war, stellte sie fest, dass sie zitterte. Hatte sie das Unheil herausgefordert, als sie heimlich ins Zimmer schaute? Schließlich war sie insgeheim erregt gewesen. Dennoch wusste sie tief in ihrem Innern, dass Bortai die Schuld an der grausamen Misshandlung trug. Die Soldaten hatten sie nicht ernsthaft verletzt, aber aufgrund des Verhaltens ihrer Cousine offenbar gemeint, sie könnten frei über sie verfügen.
Während sie die fettige Suppe umrührte, erinnerte sich Cirina, wie ihr Körper trotz ihrer Angst und ihres Abscheus reagiert hatte. Sie dachte an die kundige Berührung von Bortais Fingern, an ihre weichen Lippen und ihre Zunge … an das Glied, das sich so ungestüm gegen ihren Rücken gepresst hatte, und an den muskulösen, männlichen Körper so dicht an ihrem. Bei der Göttin, was war nur mit ihr los?
Furchtsam schaute sie hoch, als ihre Tante und ihr Onkel in den Kochraum traten. Keta wirkte verärgert und funkelte Cirina mit ihren kleinen schwarzen Augen vorwurfsvoll an. Lengke war offenbar immer noch erbost, doch als Cirina spürte, dass sich sein Zorn nicht gegen sie richtete, entspannte sie sich ein wenig.
«Warum bist du nach oben gegangen, Cirina? Du weißt doch, dass du das nicht tun sollst, wenn Reisende da sind.»
«Es tut mir Leid, Onkel», flüsterte sie mit niedergeschlagenem Blick. «Ich wollte etwas aus meinem Zimmer holen.»
«Um Himmels willen, Lengke – sie ist doch kein Kind mehr!», platzte Keta gereizt heraus. «Wenn du sie von allem fern hältst, ziehst du dir den Fluch der Göttin zu!»
«Sei still, Frau!»
«Nein, mein Gemahl, ich muss sagen, was ich denke. Was meinst du wohl, warum die Geschäfte im letzten Jahr nicht mehr so gut gelaufen sind? Die Göttin ist unzufrieden mit dir, weil du den Reisenden, die bei dir einkehren, keine großzügige Gastfreundschaft gewährst.»
«Schweig!» Lengke hob die Hand, als wollte er Keta schlagen. Sie wich einen Schritt zurück und schaffte es mit Mühe, den Mund zu halten.
Cirina fürchtete sich. So wütend, dass er seine Frau in Anwesenheit Fremder geschlagen hätte, war ihr Onkel noch nie gewesen. Obwohl sie ihre Tante nicht besonders mochte, tat es ihr Leid, dass sie der Anlass für Ketas Erniedrigung war.
«Ich bin es, die bestraft werden sollte, Onkel», sagte sie mit furchtsamer Stimme.
«Mag sein», erwiderte Lengke skeptisch, «aber ich will nichts mehr davon hören, dass Cirina dir und Bortai beispringen solle. Hast du mich verstanden, Keta?»
Keta nickte mit gesenktem Blick, und Bortai, die rechtzeitig aufgetaucht war, um das Machtwort ihres Vaters zu vernehmen, neigte den Kopf. Lengke sah von einer Frau zur anderen, fluchte verhalten und schritt hinaus, als habe er genug vom ganzen Weibervolk.
Kaum war er fort, veränderte sich die Stimmung im Raum, und Cirina wurde wieder ängstlich zumute. Unruhig sah sie zu ihrer Tante und Cousine hinüber und bemerkte, dass die beiden einen Blick wechselten. Trotz der Hitze fröstelte sie.
«Pass auf, dass die Suppe nicht anbrennt, Mädchen!», fauchte Keta und rauschte unter Aufbietung des letzten Rests ihrer Würde hinaus.
Cirina konzentrierte sich auf den Topf und rührte eifrig die dicke Suppe um. Dabei war sie sich des Umstands, dass Bortai sie von der anderen Seite des Raums aus beobachtete, deutlich bewusst.
«Na, kleine Cousine», sagte Bortai nach kurzem angespanntem Schweigen, «also gibt es ja doch ein bisschen Hitze zwischen deinen fest zusammengepressten Beinen, hab ich Recht?»
Als sie Cirinas erschrockene Miene sah, lachte sie, tänzelte näher und streifte mit den Fingerspitzen über die Brüste der Jüngeren. Sofort versteiften sich die Nippel unter dem dünnen Stoff, und Cirina schoss das Blut in die Wangen.
«Siehst du? Gib’s zu, Cirina – was dort oben passiert ist, hat dir gefallen, oder etwa nicht? Es hat dir Spaß gemacht, Mutter und mir zuzusehen. Möchtest du beim nächsten Mal nicht auch einen Mann haben? Ich teile meinen nämlich nicht immer gern, weißt du!»
Cirina gab keine Antwort, sondern blickte angestrengt in den Topf. Nach einer Weile ging Bortai hämisch lachend hinaus. Cirina blieb allein in der Küche zurück. Sie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus; erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie den Atem angehalten hatte.
Mit Tränen in den Augen vergegenwärtigte sie sich Bortais Bemerkung. Nein, was man ihr angetan hatte, hatte ihr keinen Spaß gemacht! Aber in einer Beziehung hatte Bortai Recht – sie wünschte sich tatsächlich einen Mann ganz für sich allein. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass dieser Wunsch der Ursprung ihrer Rastlosigkeit war.
Unwillkürlich presste Cirina den Handrücken zwischen die Schenkel und reizte das Zentrum ihrer Weiblichkeit. Kleine Wellen der Lust durchströmten sie, unbekannt und unerforscht. Sie schloss die Augen, bis die Wellen verebbten, dann wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
Draußen arbeitete sich Lengke im Stall in Wallung. Als er seine Nichte bei seiner Frau, seiner Tochter und den Soldaten vorgefunden hatte, war er so wütend geworden, dass er um ein Haar außer sich geraten wäre. Zum Glück waren die Soldaten betrunken gewesen, sonst hätte einer womöglich noch das Schwert gezogen. Wenn sie am Morgen aufwachten, würden sie sich hoffentlich nur noch an die Befriedigung erinnern, welche die beiden Frauen ihnen verschafft hatten, und nicht an die Beleidigung durch ihren Gastgeber.
Beim Arbeiten dachte er über Ketas Worte nach. Sie hatte Recht, das Geschäft war in den vergangenen Monaten nicht gut gelaufen. Dem Brauche nach hätte Cirina längst ihren Platz an Ketas und Bortais Seite einnehmen sollen.
Cirina aber war anders als seine Frau und seine Tochter. Beide waren gute Frauen und übten freudigen Herzens Gastfreundschaft, doch waren sie derb und schlichten Gemüts. Cirina mit ihrer hellen Haut, welche die Farbe von Honigmet hatte, und den ungewöhnlich hellen Augen, die an den Sommerhimmel erinnerten, unterschied sich von ihnen. Sie hatte etwas … Vornehmes, ja, das traf es. Er wälzte das Wort auf der Zunge, als passte es nicht recht in seinen Mund. Dieses Wort gehörte eigentlich nicht zu seinem Wortschatz.
Sicher, Cirina ähnelte ihrer Mutter, aber Anya hatte sich stets gastfreundlich gezeigt. Auch gegenüber dem reisenden Mönch, der Cirina gezeugt hatte.
Lengke schüttelte den Kopf, um die Traurigkeit loszuwerden, die ihn stets überkam, wenn er an seine schöne Schwester dachte, in deren Adern dasselbe Blut wie in seinen geflossen war.
«Gib mir ein Zeichen, Anya», flüsterte er in die heiße, unbewegte Luft. «Sag mir, was ich mit Cirina machen soll.»
Er wartete einen Moment, dann zuckte er irritiert die Schultern und machte sich wieder an die Arbeit. Wie kam er nur dazu, die Toten um Rat zu bitten?
Cirina hatte sich in letzter Zeit verändert – entwickelt, musste man wohl sagen. Sie war bereit für einen Mann. Als ihr Onkel hätte er sie eigentlich selbst in die Liebe einführen sollen, doch irgendetwas hielt ihn davor zurück. Es war beinahe so, dachte er, erneut bei der Arbeit innehaltend, als habe er Angst, es immer wieder tun zu wollen und nicht mehr von ihr loszukommen, wenn er erst einmal mit Cirina geschlafen hätte. Mit ihrer Mutter Anya war es jedenfalls so gewesen.
Fluchend machte Lengke sich wieder an die Arbeit und beschloss, sich später mit seiner Nichte zu befassen.
Als sie sich Kashgar näherten, gab der Karawanenführer den Befehl zum Anhalten. Hier würden sie die erschöpften Jaks und Packpferde gegen die zähen zweihöckrigen Kamele austauschen können, die man zur Wüstendurchquerung brauchte. Die meisten der Männer saßen ab oder ritten zur Stadtmauer, wo die Händler bereits auf die Abfertigung warteten. Nur Antonio Ballerei schloss zu Marco Polo auf.
«Wie weit ist es noch, mein Freund?», fragte er.
Marco grinste ihn an. «Leidest du unter der Hitze und der Sonne, Antonio? Freust du dich nicht, nach der Kälte in den Bergen mal etwas aufheizen zu können?»
«Das gewiss!», meinte Antonio, dem die bittere Kälte noch frisch im Gedächtnis war. «Aber die Sonne ist einfach zu stark, um ein willkommener Reisegefährte zu sein.»
Marco lachte. «Du meine Güte, man sollte doch meinen, du hättest dich inzwischen dran gewöhnt!»
Antonio schnitt eine Grimasse; Marcos Bemerkung hatte ihn offenbar nicht verärgert. Sein Landsmann und er, offizieller Künstler der venezianischen Regierung, waren nun schon drei Jahre lang in diesem gottverfluchten Land umhergestreift – ohne dem sagenumwobenen Xanadu auch nur nahe zu kommen. So sehnte er sich allmählich nach den Annehmlichkeiten seiner Heimat. Wäre sein Auftrag nicht so geheim gewesen, dass nicht einmal Marco davon wusste, hätte er seine Zeichenarbeiten schon vor Monaten abgeschlossen und wäre nach Venedig zurückgekehrt.
Maffeo und Niccolò, Marcos Onkel und sein Vater, schlossen zu ihnen auf und beteiligten sich an dem munteren Geplauder.
«Antonio, deine Haut ist so zart wie die einer Frau!», meinte Maffeo lachend, während Antonio seinen Turban richtete. «Was würde dein Vater wohl sagen, wenn er dich in dieser Kleidung sehen könnte?»
Antonio lachte gutmütig. «Er würde sich im Grab umdrehen, Maffeo, das weißt du genau. Aber genug gescherzt – wir müssen diese verfluchten Tiere gegen Kamele eintauschen und uns vor der Wüstendurchquerung noch ausruhen.»
Marco nickte. «Antonio hat Recht. Wir werden in der Stadt übernachten und frühmorgens aufbrechen. Hier in Kashgar besorgen wir uns ausreichend Proviant und Wasser und vielleicht noch ein, zwei hübsche Frauen, was meinst du, Antonio?»
Antonio schüttelte mit gespieltem Bedauern den Kopf.
«Wenn der große Khan wüsste, dass der Gouverneur von Langchow ein solcher Tunichtgut ist, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen!», sagte er.
Marco schnaubte vernehmlich. «Kublai Khan würde den Seelenverwandten in mir sehen, mein Freund, das weißt du genau! Außerdem bin ich nicht mehr Gouverneur. Warum hätte mich unser mongolischer Freund sonst anweisen sollen, mich im Anschluss an unsere Reise nach Samarkand in Peking einzufinden?»
«Ja, warum wohl?», murmelte Antonio halblaut, während die Europäer ihre Reittiere in die Stadt trieben.
Dass sie sich von der Karawane entfernt hatten, war anscheinend unbemerkt geblieben. Wieder einmal wunderte sich Antonio über das unergründliche Wesen der Einheimischen. Da Marco die Gunst des Khans genoss, war er ein bekannter Mann, und so hatten sie unterwegs kaum Schwierigkeiten gehabt. Dennoch hatte Antonio stets das Gefühl, sie würden überwacht und alle ihre Schritte Peking gemeldet. Wie hätte sich Kublai Khan sonst ihrer Loyalität versichern sollen?
Am nächsten Morgen verließen sie mit frischen Kamelen und neuen Vorräten die Stadt.
«Kennst du den Weg nach Südwesten, Niccolò?», fragte Marco seinen Vater.
«Gewiss. Es wird mehrere Wochen dauern, bis wir Khotan erreichen, so Gott will.»
«Hm. Wenn ich mich recht erinnere, liegt nur fünfzehn li hinter Khotan eine Karawanserei», bemerkte Marco nachdenklich. «Es wäre schön, wenn wir uns dort ein paar Tage ausruhen könnten, bevor wir uns in die Takla Makan hineinbegeben.»
«Ausruhen, Marco?», meinte Antonio spöttisch, als er bemerkte, wie abgespannt sein Freund wirkte. «Ich nehme an, heute Nacht hast du nur wenig Ruhe gefunden, mein Freund.»
Marco lachte.
«Du kennst mich nur zu gut, Antonio. Aber hübsch war sie schon», meinte er versonnen.
Als sie mehrere Wochen später Khotan hinter sich ließen, dachte Antonio an diese Unterhaltung. Bei dem Gedanken an Marcos unersättliche Begierde lächelte er. Auch jetzt gab sein Freund in Erwartung der Karawanserei und des seltsamen Brauchs der Einheimischen, ‹Gastfreundschaft› zu üben, seinem langbeinigen Kamel Bactrian die Sporen. Die lis flogen nur so vorbei.
Er persönlich hatte genug von den einheimischen Frauen, so hübsch sie mit ihren markanten, rot geschminkten Wangenknochen und dem langen schwarzen Haar auch sein mochten. Es gefiel ihm, wie sie ihre Zöpfe mit Münzen beschwerten, sodass sie bei jeder Kopfbewegung klimperten, und er mochte ihre ungezwungene, sinnliche Art, mit der sie ihn in ihren Betten willkommen hießen. Doch er sehnte sich nach dem Anblick einer hellhäutigen Europäerin, die mehr mit ihren Reizen geizte, denn umso größer war die Herausforderung.
Obwohl auch er mit den Einheimischen vorlieb nahm, wenn genügend Frauen verfügbar waren, war er mit dem Herzen nicht bei der Sache. Die wüsten Ausschweifungen überließ er Marco. Er selbst freute sich auf das Essen, den erholsamen Schlaf und die Aussicht, zur Abwechslung ein Dach über dem Kopf und vielleicht sogar frisches weiches Stroh als Unterlage zu haben.
Keta sah die Staubwolke am Horizont, welche die Ankunft der Reisenden ankündigte, als Erste. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie nicht nur eines, sondern gleich vier Kamele mit Reitern und vier Packtiere zählte. Es war zwei Wochen her, dass Lengke die Tataren weggeschickt hatte, und sie verlangte nach einer neuen Zerstreuung.
Seit dem peinlichen Zwischenfall mit Cirina ging Keta ihr nach Möglichkeit aus dem Weg und erteilte ihr nur knappe Anweisungen. Lengke glaubte wohl, sie merke nicht, dass er das Mädchen für sich selbst aufsparte. Ihre Augen verengten sich, als sie an ihren Mann dachte. Lengke war ein Narr, wenn er meinte, sie würde sich damit abfinden! Cirina würde dem Haus Segen einbringen, genau wie Bortai. Dafür würde sie schon sorgen.
Als die Reisenden näher kamen, trat Lengke zu ihr auf den Hof.
«Gleich vier? Kommst du damit zurecht?», fragte er.
Keta sah ihn durchtrieben an.
«Ist dir an den Reisenden noch nichts aufgefallen?», fragte sie einschmeichelnd.
Lengke musterte sie misstrauisch.
«Was redest du da, Frau?»
Keta lächelte und deutete mit dem Kopf zu den Männern, die soeben in den Hof einritten.
«Siehst du?», meinte sie triumphierend. «Sie sind hellhäutig, genau wie Cirina. Das ist ein Omen – die Göttin möchte, dass Cirina den Reisenden Gastfreundschaft erweist.»
Bevor Lengke etwas erwidern konnte, schritt Keta den Fremden entgegen und überließ es ihm, sich ihre Äußerung durch den Kopf gehen zu lassen.
Lengke sah ihr mit schwerem Herzen nach. Trotz ihres boshaften Wesens verstand sie sich auf die spirituelle Seite des Lebens. Hatte er nicht Anya erst vor zwei Wochen um ein Zeichen angefleht? Wie hatte er nur so dumm sein können, zu glauben, sie werde ihm auf der Stelle Antwort geben? Als er die Europäer auf sich zukommen sah, wurde ihm klar, dass das Zeichen nicht eindeutiger hätte ausfallen können.
Nachdem er sich der Wünsche der Reisenden angenommen und sie in seinem Haus willkommen geheißen hatte, machte er sich daran, Cirina zu suchen. Leise vor sich hin summend, fütterte sie gerade die Hühner. Er schaute ihr eine Weile zu, ohne von ihr bemerkt zu werden.
Die Gewissheit, dass er sie niemals besitzen würde, schmerzte ihn. Er hätte sie nehmen sollen, solange noch Gelegenheit dazu gewesen war. Jetzt, da er beschlossen hatte, dass sie zu einem Fremden gehen sollte, hatte er kein Anrecht mehr auf sie.
«Cirina?»
Sie drehte sich um und lächelte ihn unsicher an. Lengke zwang sich, sein Gemüt zu verhärten.
«Cirina, mir ist ein Zeichen zuteil geworden. In der Karawanserei sind neue Reisende eingetroffen – Europäer. Heute wirst du ihnen Gastfreundschaft erweisen.»
Cirinas Gedanken wanderten sofort zu den groben Soldaten, die so derb mit ihr umgesprungen waren. Der Abscheu stand ihr ins Gesicht geschrieben.
«Aber Onkel –»
«Schweig!» Lengke hob die Hand, und Cirina biss sich auf die Lippen. «Es ist beschlossene Sache. Wenn du magst, kannst du das kleine Zimmer benutzen. Mach dich bereit.»
Cirina neigte den Kopf.
«Ja, Onkel», flüsterte sie gehorsam.
Antonio rekelte sich auf dem Kissen und streckte genießerisch die Glieder. Sein Bauch war prall gefüllt, im Hof hatte er sich mit eiskaltem Wasser gewaschen, und am Abend würde er bestimmt auf frischem Stroh ruhen. Er war rundum zufrieden. Maffeo und Niccolò würfelten miteinander, und Marco wartete bereits gespannt auf den Abend, wenn die Frauen sie zu ihren Zimmern geleiten würden.
Marco hatte bereits ein Auge auf die schlanke Göre geworfen, die ihnen das Abendessen aufgetragen hatte, und Antonio konnte es ihm nicht verdenken. Marcos freundschaftliches Angebot, sich die junge Frau zu teilen, hatte er bereits abgelehnt, denn er wollte endlich einmal wieder richtig ausschlafen.
Die ältere Frau, die Mutter der Kleinen, hatte ihm schöne Augen gemacht, doch sie würde sich wohl mit der Gesellschaft der älteren Polo-Brüder begnügen müssen. Jedenfalls begehrte er sie nicht im Geringsten.
Mit einem Stück Holzkohle zeichnete er nach, wie Bortai Marco scheu angelächelt hatte, bevor sie ihn bei der Hand zu seinem Zimmer führte, dann warf er ein paar Skizzen aufs Papier, die darstellten, wie Keta zwischen Niccolò und Maffeo aus dem Zimmer ging.
Da er wusste, dass der Mann des Hauses sich fern hielt, wenn das Weibervolk Gastfreundschaft übte, genoss Antonio die höchst seltene Einsamkeit, machte es sich vor dem Feuer bequem und trank noch einen Becher Ziegenmilch.
Erst als die Tür aufging und eine junge Frau hereinschlüpfte, sah er verwundert auf.
«Sei gegrüßt», sagte er, als sie sich im Schatten herumdrückte. «Wer bist du?»
Sie räusperte sich nervös, dann antwortete sie so leise, dass er die Ohren spitzen musste:
«Ich bin Cirina, Herr. Ich … ich möchte dir meine … meine Gastfreundschaft anbieten.»
Die letzten Worte hatte sie in großer Eile hervorgestoßen. Antonio lächelte.
«Das ist sehr freundlich von dir … Cirina», sagte er, «aber es ist wirklich nicht nötig.»
«Oh! Aber du musst! Ich meine … ich muss! So wurde es beschlossen!»
«Ach, tatsächlich?», meinte Antonio belustigt.
Er setzte sich auf und spähte in den Schatten.
«Möchtest du nicht näher kommen, damit ich dich anschauen kann? Wenn du mir deine Gastfreundschaft anbietest, dann sollte ich das Angebot doch wohl begutachten dürfen, meinst du nicht?», scherzte er.
Nach kurzem Zögern trat die junge Frau in den Schein des ersterbenden Feuers vor. Als er sie so vor sich sah, atmete Antonio scharf ein. Sein Ruhebedürfnis und sein Wunsch nach Alleinsein waren vergessen.
«Du meine Güte … wo kommst du her?»
Sie hatte einen exquisiten Körper. Ihr langes schwarzes Haar war in der Mitte gescheitelt. Ein einzelner dicker Zopf fiel ihr über die Schulter bis zur Hüfte. Ihre Haut hatte die Farbe von Honigmet, und ihre nahezu mandelförmigen Augen zeigten ein klares, verblüffendes Blau. Als sie näher trat, sah Antonio, dass die Augen mit dicken schwarzen Wimpern besetzt waren, die sanfte Schatten auf ihre Wangen warfen. Den Blick hatte sie niedergeschlagen.
Der Künstler in ihm verlangte danach, sie zu malen, der Mann, sie zu berühren und sich zu vergewissern, ob sich ihre Haut wirklich so seidig anfühlte, wie sie aussah. Der Mann gewann über den Künstler die Oberhand. Um sie nicht zu erschrecken, streckte Antonio ganz langsam die Hand aus und streifte mit dem Zeigefinger über ihren Handrücken, während sie demütig vor ihm stand.
Ihre Haut war weicher als Seide, und von seiner Berührung bekam sie eine Gänsehaut. Sie war ganz anders als die anderen Frauen, so … unschuldig, dass er sich auf einmal verlegen fühlte.
«Möchtest du dich nicht zu mir setzen und etwas Kumyss trinken?», fragte er, als er sich wieder gefasst hatte.
Sie ließ sich anmutig im Schneidersitz nieder und nahm den Becher entgegen, den er ihr reichte. Hingerissen schaute er zu, wie sie einen Schluck gegorene Stutenmilch trank. Durfte man ein solches Wesen ausnutzen? Sein hartnäckiger Steifer gab ihm die Antwort. Er nahm ihr den Becher wieder ab. Sie zitterte leicht und sah immer noch zu Boden. Er legte ihr den Zeigefinger unters Kinn und hob ihren Kopf an, forderte sie auf, ihm in die Augen zu schauen.
Ihr Blick flackerte, als sie gezwungen war, ihn anzusehen. Er erkundete den Ausdruck in der Tiefe ihrer klaren blauen Augen. Er sah Angst darin und Unsicherheit. Doch da war auch noch etwas anderes, etwas, das seinen Herzschlag beschleunigte und sein Glied in der Kniehose zum Zucken brachte.
«Ich nehme dein Angebot an, Cirina», flüsterte er. Er war ihrem Mund sehr nahe.
Erst wirkte sie erleichtert, dann zeigte sich Erwartung in ihren Augen. Er reichte ihr die Hand, die sie ergriff. Ihre Hand fühlte sich zerbrechlich an, und er spürte, dass er ebenso stark zitterte wie zuletzt als unreifer Jüngling.
«Hier entlang», sagte sie leise. Antonio erhob sich gemeinsam mit ihr und ließ sich hinausführen.
Cirina verspürte ein mit Angst vermischtes erwartungsvolles Prickeln, als sie den Europäer über die steinerne Wendeltreppe zu dem kleinen Dachzimmer der Karawanserei geleitete. Für gewöhnlich teilte sie sich das Zimmer mit Bortai, doch da ihre Cousine im großen Schlafraum im ersten Stock mit dem Mann beschäftigt war, der Marco Polo genannt wurde, hatten sie die Kammer für sich.
Darüber war sie froh. Es kam nicht alle Tage vor, dass ein Mädchen zum ersten Mal mit einem Mann ins Bett ging, und Cirina war sich der Bedeutung des Augenblicks wohl bewusst.
Sie blickte sich über die Schulter um und sah, dass der Mann, den man ihr zugeteilt hatte, aufmerksam beobachtete, wie sie vor ihm die Treppe hochstieg. Als er ihren Blick auffing, lächelte er sie an, was ihr ein wenig Mut machte. Jedenfalls war er ein freundlicher Mann und bestimmt nicht rücksichtslos. Er würde sie nicht grob oder achtlos nehmen, das spürte sie.
Außerdem war er ausgesprochen stattlich. Sein langes Haar war schwarz gelockt und fiel ihm über die Schultern. Seine Haut war so hell, als wäre sie nie der glühenden Sonne ausgesetzt gewesen, und seine Augen zeigten das blasseste Blau, das Cirina je gesehen hatte. Sie hatte bemerkt, dass er das Handwerkszeug eines Künstlers mit sich führte, und vor diesem Beruf hatte sie große Hochachtung. Das galt freilich nicht nur für den Beruf, sondern auch für den Mann an sich.
Als sie das kleine, quadratische Zimmer betraten, das Cirina ihr Eigen nannte, schien es so, als beanspruche der Mann den ganzen Raum für sich, nicht aufgrund seiner Körpergröße, sondern allein durch seine Anwesenheit. Sein Geruch und seine Männlichkeit hüllten sie geradezu ein, als hätte er jedem Fingerbreit seinen Stempel aufgedrückt.
«Ich heiße Antonio Ballerei», stellte er sich vor und verneigte sich mit gänzlich unangemessener Ritterlichkeit. Cirina klopfte das Herz bis zum Hals.
Da sie nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte, blieb sie in der Hoffnung, der Reisende werde ihr ihre Unerfahrenheit ansehen und sie anleiten, einfach mitten im Zimmer stehen.
Antonio betrachtete sie. Zufällig fiel ein Lichtstrahl durch das schmale Fenster auf sie. Ihr rabenschwarzes Haar glänzte wie ein Ballen feinster Seide, der Zopf fiel ihr über die Schulter bis zur Hüfte.
Ihre Haut, der die staubverhüllte untergehende Sonne einen goldenen Schimmer verlieh, war makellos. Ihre Vollkommenheit weckte in ihm den Wunsch, sie zu berühren und zu schmecken. Unwillkürlich fuhr er sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Die Aussicht auf eine lange Nacht voller Leidenschaft wurde von Augenblick zu Augenblick reizvoller.
Irgendetwas aber hielt ihn zurück. Die Unsicherheit in ihren klaren blauen Augen weckte ein ganz ungewohntes Gefühl in seiner Brust. Eine Art Beschützerinstinkt, wie er ihn nicht an sich kannte und der ihn etwas beunruhigte. Sie strahlte etwas Ergebenes aus, eine stille Würde, die ihn rührte und mit der ersten Berührung zögern ließ.
«Hast du dein ganzes Leben in der Karawanserei verbracht?», fragte er, wohl wissend, dass dies wahrscheinlich die dümmste aller denkbaren Fragen war. Wo hätte sie sonst gewesen sein sollen?
«Ja, Herr», bestätigte sie und schlug verlegen den Blick nieder. «Mein ganzes Leben.»
«Und dennoch hast du bis jetzt noch nie nach altem Brauch Gastfreundschaft geübt?»
«Nein, Herr.»
«Kennst du den Grund dafür, Cirina?» Da er mit den Gebräuchen dieser Menschen vertraut war, kam es ihm merkwürdig vor, dass man eine so hübsche Frau so lange Zeit von Fremden fern gehalten hatte.
«Nein, Herr», flüsterte Cirina und erschauerte vor Freude, ihren Namen aus seinem Mund zu vernehmen. Noch niemand hatte ihren Namen so ausgesprochen wie er, mit der Betonung auf der zweiten Silbe, sodass er länger und sinnlicher klang als in ihrer eigenen Sprache.
Antonio näherte sich ihr, streckte die Hand aus und streifte mit den Fingerrücken über ihre flaumigen, weichen Wangen.
«Es ist mir eine Ehre, der Erste zu sein», sagte er mit leiser, ernsthafter Stimme.
Da schaute Cirina zu ihm hoch, als wollte sie sich vergewissern, dass es ihm auch ernst war. Als sie in seine ruhigen blassblauen Augen blickte, bekam sie Herzklopfen und einen trockenen Mund.
«Ich … ich bin auch froh darüber», sagte sie schüchtern und schlug den Blick nieder, damit er ihre Verwirrung nicht sah.
Und froh war sie wirklich. Der hellhäutige Fremde hatte etwas an sich, das sie anzog und in ihr den Wunsch weckte, bei ihm zu liegen und endlich herauszufinden, wie es sich anfühlte, einen Mann in ihren jungfräulichen Körper aufzunehmen.
Antonio betrachtete sie und fragte sich, warum sie anders wirkte als die einheimischen Frauen, die ihm in den Jahren unterwegs das Bett gewärmt hatten. Noch nie zuvor hatte er das Bedürfnis verspürt, sich mit ihnen zu unterhalten und mehr über das Mädchen zu erfahren, das ihm angeboten wurde. Cirina aber faszinierte ihn, nicht zuletzt deshalb, weil er in ihren klaren blauen Augen nicht nur gespannte Erwartung, sondern auch Erregung wahrnahm. Das Glied regte sich in seiner Hose.
«Du hast sehr ungewöhnliche Augen», sagte er und zeichnete mit dem Finger deren Umriss nach.
«Mein … mein Vater war ein Nestorianermönch, glaube ich, unterwegs zur heiligen Stadt.»
Daher die blauen Augen. War vielleicht irgendein Aberglaube der Grund dafür, dass sie sich ihre Jungfräulichkeit so lange bewahrt hatte? Denn dass sie tatsächlich noch unberührt war, daran hatte Antonio keinen Zweifel – dieser unschuldige, vertrauensvolle Blick ließ sich nicht vortäuschen. Sie erinnerte ihn an ein in die Enge getriebenes Reh, das zwar zitterte vor Angst, dem Unvermeidlichen aber mit einem stillen Mut entgegensah, der den Respekt des Jägers verdient hatte.
Während er überlegte, wie es wohl sein würde, sie zu entjungfern, durchrieselte ihn ein Schauer köstlicher Vorfreude.
Um sie nicht zu erschrecken, fuhr er ganz langsam mit dem Zeigefinger über ihre Stirn und an der Nase entlang, umkreiste das Kinn und streichelte vorsichtig über ihre vollen roten Lippen. Zu seinem Entzücken teilten sie sich ein wenig. Behutsam massierte er die weiche, feuchte Haut an der Innenseite der Unterlippe.
Sie war leicht zu erregen; die Augen hatte sie halb geschlossen, ihr Atem liebkoste seine Fingerspitzen. Antonio bemerkte, dass sie am ganzen Leib zitterte und dass seine Gliedmaßen ebenfalls bebten. Der Abend versprach interessant zu werden.
