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Durch die Bibelverse und die erklärenden Begleittexte möchte dieser Kalender Gottes Wort täglich in Erinnerung bringen und den Leser dazu anregen, selbst die Bibel in seiner ganzen Vielfalt und Weite zu lesen und darüber nachzudenken. Die Texte sind gut verständlich und doch tief gehend.
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Seitenzahl: 545
Veröffentlichungsjahr: 2018
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An unsere Leser
„Euer Herz werde nicht bestürzt.“ Mit diesem Zuruf ermutigte der Herr Jesus Christus seine Jünger. Er selbst stand im Begriff, von der Erde in den Himmel zurückzukehren. Und die Vorstellung, dass ihr Herr und Meister bald nicht mehr bei ihnen sein würde, konnte die Jünger erschrecken lassen. Wie würde alles werden? (Johannes 14,1).
Deshalb machte der Herr Jesus den Jüngern Mut. Sie glaubten an Gott; sie waren es gewohnt, dem unsichtbaren Gott zu vertrauen. Genauso sollten sie nach seiner Himmelfahrt nun auch ihrem Herrn vertrauen. Ja, Er würde die Erde verlassen; aber das bedeutete für die Jünger keinen Nachteil – im Gegenteil, es war sogar nützlich für sie. Er würde ihnen den Heiligen Geist als Sachwalter senden, der sie auf besondere Weise mit Christus in der Herrlichkeit verbinden würde (Johannes 16,7.13-15).
Als Jesus hier auf der Erde war, konnten sich nur die Menschen an Ihn wenden, die sich in seiner Umgebung aufhielten. Doch als verherrlichter Mensch im Himmel ist Er jetzt für alle Gläubigen zu jeder Zeit erreichbar. Was für ein Segen: Christus im Himmel ist unsere Zuflucht! Kommen wir im Gebet mit unserer täglichen Last zu Ihm! Er will uns Kraft und Frieden schenken.
Noch etwas gab den Jüngern Mut, der Zukunft froh ins Auge zu sehen: Sie würden nicht für immer auf der Erde bleiben; Jesus, ihr Herr, würde kommen und sie zu sich nehmen. Dort, wo Er zu Hause ist, haben auch die Gläubigen ihre ewige Heimat. Unfassbares Glück! Und der Augenblick, wo wir zu Ihm hin entrückt werden, ist nicht fern. Dann heißt es: „allezeit bei dem Herrn“! Darauf freuen wir uns (Johannes 14,2.3; 1. Thessalonicher 4,17).
Noch nie war der Titel unseres Kalenders so aktuell: Der Herr ist nahe. Vielleicht kommt der Herr im Jahr 2019, um uns zu sich zu nehmen. Doch bis dahin sollen die täglichen Andachten uns helfen, in allem Wirrwarr dieser Zeit unser Vertrauen auf Jesus Christus zu setzen. Er will uns täglich durch sein Wort Wegweisung und Speise geben.
Mit herzlichen Segenswünschen
Die Mitarbeiter
Die Bibelstellen werden nach der „Elberfelder Übersetzung“ (Edition CSV Hückeswagen) angeführt. Der Bibelleseplan führt in drei Jahren durch die ganze Bibel – erste Zeile: Altes Testament; zweite Zeile: Neues Testament, Psalmen und Sprüche.
Ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen. Sei stark und mutig! Josua 1,5.6
Für Josua begann ein neuer Lebensabschnitt. Gott gab ihm den klar umrissenen Auftrag: „Du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen“ (V. 6). Und wenn Gott Aufträge erteilt, dann rüstet Er seine Diener auch mit allem aus, was sie benötigen, um seinen Auftrag auszuführen.
Josua kannte die Schwierigkeiten, die mit seinem Auftrag verbunden waren. Lange genug hatte er gemeinsam mit Mose erfahren, wie hartnäckig und eigenwillig das Volk war.
Wir können uns vorstellen, dass Josua mutlos werden konnte, wenn er über die Zukunft nachdachte. Wie schwierig würde sich seine Aufgabe gestalten, dieses Volk in das verheißene Land zu führen! Darum ruft Gott ihm in diesem Kapitel dreimal zu, dass er „stark und mutig“ sein soll. Und dazu gibt Er seinem Knecht noch ermunternde Zusagen, wie der heutige Vers zeigt.
Noch immer gibt Gott seinen Dienern Aufträge; darunter auch solche Aufgaben, die zunächst fast undurchführbar erscheinen. Und noch immer ermuntert Er gleichzeitig und sagt seine Hilfe zu. Dem Apostel Paulus sagt der Herr Jesus: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.“ – Auf diese Verheißung dürfen auch wir uns stützen, gerade zu Beginn eines neuen Jahres. (2. Korinther 12,9).
Für jeden der Seinen hat der Herr eine Aufgabe. Vielleicht erscheint sie zuerst klein und unbedeutend. Doch ob sie uns klein oder groß anmutet – wichtig ist, dass wir erkennen: Wir können jede Aufgabe nur dann zu seiner Ehre ausführen, wenn wir von Ihm abhängig bleiben und dann in seiner Kraft handeln.
„Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“Philipper 4,13
Große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name. Lukas 1,49
Wenn ich sage: „Ich kann das machen“, dann meine ich oft: „Ich mach das – später einmal.“ Doch die Formulierung bedeutet viel mehr. Denn wenn ein Automechaniker sagt: „Ich kann ihr Auto reparieren“, meint er nicht nur: „Ich habe die Zeit dazu“, sondern auch: „Ich habe die Fähigkeit und die Kraft dazu, die Arbeit auszuführen.“
Darum geht es auch, wenn wir in der Bibel von Gott, dem Allmächtigen lesen oder davon, dass Gott alles kann oder vermag. Gott hat die Fähigkeit und die Kraft. Er allein hat die Macht, die mit allen Situationen und Hindernissen fertigwird.
Hier in unserem Bibelvers wird Gott „der Mächtige“ genannt. Das ist ein schöner Ausdruck, denn er spricht nicht nur davon, was Gott in einer besonderen Situation tun kann, sondern auch davon, was Er ist. Er ist der Mächtige, und deshalb tut Er „große Dinge“. Hier nennt Maria, die Mutter Jesu, Ihn so, nachdem sie erfahren hat, dass sie den Retter zur Welt bringen soll.
Bis dahin hatte Gott den Menschen auf verschiedene Weise gezeigt, wie sie mit Ihm leben können. Doch Egoismus und Stolz hatten jeden möglichen Weg verdorben. Die Menschen wollten lieber ihre eigenen, selbst gewählten Wege gehen. Was konnte Gott noch tun, um mit seinen Geschöpfen Gemeinschaft zu haben? Zwingen wollte Er sie nicht dazu – das wäre das Gegenteil von Gemeinschaft.
Gott gibt seinen Wunsch nicht auf, uns seine Liebe zu zeigen – und gibt uns deshalb einen Retter! Damit tritt Er dem Stolz und der Selbstgefälligkeit der Menschen entgegen, und damit beweist Er seine Gnade und Macht denen, die demütig sind (V. 51.52).
Unsere Gemeinschaft mit Gott beruht nicht auf unserem Wert oder unserem Tun, sondern auf seiner Güte und Macht. Der Mächtige hat alles für uns getan; und auch weiterhin „vermag er jede Gnade uns gegenüber überströmen zu lassen“ (2. Korinther 9,8).
Der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Offenbarung 22,17
„Vielleicht kommt Er ja heute noch!“ – Ich las gerade ein spannendes Buch und sah hoch, als ich die Worte hörte. Erwarteten wir heute etwa noch Besuch?
Dann merkte ich, dass meine Eltern vom Herrn Jesus sprachen. Meine erste Reaktion war: „O nein, hoffentlich kommt Er heute noch nicht! Ich bin nicht bereit, Ihm zu begegnen!“ Ich wusste, dass Er wiederkommen würde, um die, deren Sünden vergeben waren, zu sich zu holen. Und dass die, die nicht bereit waren, zum Gericht zurückbleiben würden. Doch dass das heute noch passieren könnte – das hätte ich nicht für möglich gehalten!
Ich versuchte, mich wieder in mein Buch zu vertiefen, doch immer wieder fielen mir die Worte ein: „Vielleicht kommt Er ja heute noch!“ Ich ging ins Bett und beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich nicht schlechter wäre als die anderen und dass ich, auch wenn ich jetzt noch nicht bereit war, es irgendwann einmal wäre. Doch ich fand keine Ruhe. Ich wurde wach und hatte Angst, dass ich es verpassen würde – dass Jesus wiederkäme und mich zurücklassen würde.
Ich merkte, dass ich mich entscheiden musste. So betete ich und sagte dem Herrn Jesus, dass ich versucht hätte, mich zu bessern – und dass ich es nicht geschafft hätte. Und ich bat Ihn, mich so anzunehmen, wie ich war. Und während ich so ganz bewusst im Gebet mit Gott allein war, kam mir plötzlich ein Vers aus dem Alten Testament in den Sinn: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jesaja 43,1).
Seit diesem Abend weiß ich, dass der Herr Jesus mein persönlicher Retter geworden ist. Jetzt habe ich keine Angst mehr, dass Er wiederkommt. Ich erwarte Ihn und freue mich auf sein Kommen!
Vielleicht kommt Er ja heute noch …
Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war ... Und Lot erwählte sich die ganze Ebene des Jordan ..., und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom. 1. Mose 13,10-12
Du stehst vor der Frage, welchen Beruf du ergreifen oder ob du dir einen neuen Arbeitsplatz suchen sollst? Dann ist es sehr hilfreich, wenn du deine Beweggründe und Wertmaßstäbe einmal mit denen von Lot und von Abraham vergleichst. Schaust du dir dann die Ergebnisse im Leben beider an, dann kommst du sicher zu dem Fazit: Ein hohes Einkommen, eine angesehene Position oder gute Aufstiegschancen sollten auf deiner Checkliste nicht ganz oben stehen.
Es gibt nämlich Wichtigeres, und das hatte Lot nicht bedacht: die Gemeinschaft mit Gott. Diese Gemeinschaft können wir nur erfahren, wenn wir uns von Ihm leiten lassen und getrennt von der Welt für Ihn leben. Und dann werden wir eine gute Wahl treffen können.
Der Weg in die Jordanebene brachte Lot letztlich in direkte Verbindung mit dem Bösen. Zwar war Lot selbst ein „Gerechter“, aber er pflegte Gemeinschaft mit den gottlosen Leuten von Sodom. Deshalb lagen deren „gesetzlosen Werke“ quälend auf seiner Seele und beeinträchtigen seine persönliche Gemeinschaft mit Gott. Zudem hatte sein Weg negative Konsequenzen für die folgenden Generationen. Lot war wie ein Mann, dessen Werk verbrennt, während er selbst gerettet wird, „doch so wie durchs Feuer“ (2. Petrus 2,8; 1. Mose 19,30-38; 1. Korinther 3,15).
Abraham hingegen vertraute Gott, gehorchte seiner Führung und erfuhr auf diesem Weg den größten Segen. An seinem Beispiel wird deutlich: An dem Platz, wo Gott uns haben will und wo wir in Gemeinschaft mit Ihm leben können, mag vielleicht das menschliche Auge nichts Anziehendes entdecken, aber es ist ein Ruheort an stillen Wassern und auf grünen Auen. Und wenn der Herr dann auch äußeren Segen schenkt, dürfen wir uns dankbar daran erfreuen.
… und seid dankbar. Kolosser 3,15
„Wie geht es dir?“ Mit dieser Frage begrüßte mich ein alter Freund. „Danke, ich bin zufrieden“, war meine Antwort. „Das ist nicht das Wichtigste“, erwiderte er. „Es kommt darauf an, dass du auch dankbar bist!“ Das sagte er so lieb und freundlich, dass ich diese kleine Ermahnung gern angenommen habe. Hatte er nicht recht?
Zufriedenheit ist ohne Zweifel eine sittlich wertvolle Eigenschaft; und Menschen, die den Weg des Glaubens verachten, werden in der Bibel als „Murrende, mit ihrem Los Unzufriedene“ bezeichnet (Judas-Brief, V. 16). Deshalb sollten wir uns immer willig in die Wege fügen, die Gott uns führen will. Dadurch ehren wir Ihn und bewahren wir uns selbst vor unnötigem Kummer.
Dankbar sein bedeutet aber noch mehr als nur zufrieden sein. Zufriedenheit ist in sich selbst passiv; und solange keine besonderen Stürme des Lebens auf uns eindringen, kann sie leicht in Selbstzufriedenheit ausarten. Wenn wir aber dankbar sind, dann wird das in unserem Verhalten Gott und Menschen gegenüber in Wort und Tat zum Ausdruck kommen:
Wenn wir als Gläubige dankbar sind für das Heil, das wir im Herrn Jesus besitzen, dann werden wir Ihm viel dafür danken; wir werden aber auch den Menschen um uns her ein Zeugnis für das Evangelium sein.
Wenn wir dankbar sind für unsere Gesundheit, dann werden wir Gott dafür danken, aber auch unseren lieben Kranken Verständnis entgegenbringen, für sie beten und ihnen Hilfe leisten.
Und auch unser Dank für das Vorrecht, dass wir uns im Namen des Herrn Jesus versammeln dürfen, wird in unserem Tun sichtbar sein: Wir werden keine Gelegenheit dazu versäumen.
Dankbar sein heißt also danken und dementsprechend handeln.
Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus genannt wird? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt! Matthäus 27,22
Der römische Statthalter Pontius Pilatus ist offenbar erstaunt über den „seltsamen“ Gefangenen aus Galiläa, den die Obersten der Juden am frühen Morgen zu ihm bringen. Was soll Pilatus von diesem Jesus von Nazareth halten? Man beschuldigt Ihn, Er wiegele das Volk gegen den Kaiser auf und gebe sich selbst als einen König aus – als den verheißenen Messias Israels (Lukas 23,2-5).
Dieser Mensch, der hier gebunden und gezeichnet von Misshandlungen vor Pilatus steht, der in großer Demut, aber in beeindruckender Festigkeit und Würde alle Anschuldigungen unerwidert lässt – der soll ein Rebell sein, ein gefährlicher „Übeltäter“, wie seine Ankläger behaupten?
Daher stellt Pilatus diesem Galiläer im Verlauf seines Verhörs einige Fragen. Die Antworten, die er erhält, bestärken ihn in seiner Überzeugung, dass Jesus völlig unschuldig ist. Mehrfach bezeugt Pilatus das auch öffentlich (Johannes 18,33-38).
Soll Pilatus gegen die eigene Überzeugung dem Druck der Feinde Jesu nachgeben und Ihn verurteilen? Der Statthalter sieht einen Ausweg darin, dem Volk einen Gefangenen ihrer Wahl freizugeben; er hofft offenbar, dass sie Jesus wählen. Doch die versammelte Volksmenge fordert, aufgewiegelt von ihren Führern, genau das Gegenteil: Sie fordert, dass der Mörder Barabbas freigelassen wird.
Da stellt Pilatus die Frage, was denn mit Jesus geschehen sollte. Und er erhält die schreckliche Antwort: „Er werde gekreuzigt!“
Wie wird es den Herrn Jesus geschmerzt haben, dass alle so gerufen haben. In dem Chor der Rufenden war keine andere Stimme zu vernehmen. Der Herr selbst war ja gekommen, um „alle zu heilen, die von dem Teufel überwältigt waren“. Hier aber waren sie willige Werkzeuge Satans und ließen ihn „durch die Hand von Gesetzlosen“ an das Kreuz schlagen und umbringen (Apostelgeschichte 10,38; 2,23).
Gebt nun acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, die die gelegene Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn sei. Epheser 5,15-17
Der Wille des Herrn Jesus ist völlig darauf ausgerichtet, Gott, den Vater, zu verherrlichen. Wenn wir den Willen des Herrn verstehen und demgemäß „sorgfältig wandeln“ und „die gelegene Zeit auskaufen“ wollen, werden wir unser Leben ebenfalls darauf ausrichten, Gott in allem zu verherrlichen.
„Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“Epheser 2,10
Solche guten Werke stehen aber im Gegensatz zum Zeitlauf der „bösen Tage“. Und darum sollen wir darauf bedacht sein, uns die rechte Weisheit von Dem schenken zu lassen, in dem wir zu solchen Werken geschaffen sind.
Wir haben wenig Zeit!Herr, lehr uns dies bedenken,dass wir nicht Kräfte schenkendem Dienst der Nichtigkeit.
Mach uns vielmehr bereit,auf Dich den Blick zu lenkenund tief uns zu versenkenin Deine Herrlichkeit.
In uns ist keine Kraft,doch willst Du selbst ja geben,was eignem Sein gebricht.Gib drum den Augen Lichtund unsern Herzen Leben;dann wird Dein Werk geschafft.
Man rief in Juda und in Jerusalem aus, dass man dem HERRN die Steuer Moses, des Knechtes Gottes, bringen sollte, die er Israel in der Wüste auferlegt hatte. Da freuten sich alle Obersten und das ganze Volk. 2. Chronika 24,9.10
Wo gibt es denn so etwas? Eine in Vergessenheit geratene Steuer wird wieder eingeführt – und diejenigen, die sie zahlen müssen, freuen sich sogar darüber!
Für die Juden damals muss es einen besonderen Grund dafür geben, dass sie diese Steuer gern bezahlen. Anlass für ihre bemerkenswerte Reaktion ist die Verwendung der Steuermittel: Das eingenommene Geld soll nämlich nicht allgemein für Staatszwecke oder für den Palast des Königs, sondern für das Haus Gottes eingesetzt werden. Es ist für die Erneuerung des Tempels bestimmt, der unter der gottlosen Königin Athalja sehr gelitten hat (V. 7). Gott soll mit dieser „Steuer“ geehrt werden. Und daran wollen sich viele gern beteiligen, selbst wenn es sie etwas kostet (vgl. 2. Könige 12,5; 2. Mose 30,13; 4. Mose 18,15.16; 3. Mose 27,1-13).
Für Christen gibt es keine „Tempelsteuer“. Doch wenn wir etwas für Gott und den Bau seines geistlichen Hauses spenden, dann sollten wir genauso Freude haben: „Ein jeder, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott“ (1. Korinther 3,9 ff.; 2. Korinther 9,7).
Wir können auf vielerlei Weise etwas zum Bau des Hauses Gottes beitragen und das Werk des Herrn unterstützen: Wir können die In- und Auslandsmission fördern, hilfsbedürftige Glaubensgeschwister unterstützen – durch Gebet und Tat, aber auch durch finanzielle Mittel.
Als König David viel Geld für den Bau des Hauses Gottes gesammelt hatte, sagte er: „Denn wer bin ich, und was ist mein Volk, dass wir vermögen, auf solche Weise freigebig zu sein? Denn von dir kommt alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben.“ Alles, was wir besitzen, ist uns von Gott zur Verwaltung anvertraut. Wenn wir das gut bedenken, werden wir freudige Geber sein (1. Chronika 29,14).
Ich warte auf den HERRN, meine Seele wartet; und auf sein Wort harre ich. Meine Seele harrt auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen. Psalm 130,5.6
Wir erweisen uns selbst in allem als Gottes Diener, in vielem Ausharren … 2. Korinther 6,4
Im Leben gibt es viele Anlässe, zu warten: Wir warten auf die Volljährigkeit, auf den Eintritt in den Beruf, auf die Genesung von einer Krankheit, auf bessere Zeiten oder auch nur darauf, beim Amt oder beim Zahnarzt endlich an die Reihe zu kommen.
Als Christen können wir diese Aufzählung noch um einen sehr wichtigen Aspekt ergänzen: Wir warten auf die Führung Gottes in unserem Leben.
Ohne geduldiges Warten geht es auch im Leben eines Gläubigen nicht. Wie soll ich damit umgehen? Wenn ich ein guter Zeuge Jesu Christi sein möchte, werde ich geduldig warten, ohne zu klagen. Und natürlich sollten wir nie passiv und untätig warten. Wir haben ja immer die Möglichkeit, mit dem Guten beschäftigt zu sein. Mit dieser positiven Haltung können wir die Gefahr vermeiden, nervös und ungeduldig zu werden.
Wartezeiten in unserem Tagesablauf könnten wir auf gute Weise nutzen: indem wir über ein Bibelwort nachdenken, das uns in den Sinn kommt, oder indem wir still zu Gott beten. Für so viel Gutes, das Gott uns schenkt, dürfen und sollen wir Ihm ganz konkret danken! Oder wir könnten Ihm die Bedürfnisse unserer Freunde und Nachbarn nennen und dafür beten, dass die errettet werden, die den Herrn noch nicht als ihren Retter kennen. So bilden auch Wartezeiten einen Teil der „gelegenen Zeit“, die wir weise „auskaufen sollen“ (Epheser 5,16).
Die Hand unseres Gottes war über uns, und er rettete uns. Esra 8,31
Wie jeden Morgen war ich mit der Straßenbahn unterwegs. Gerade fuhr sie an einer großen Baustelle vorbei. Hier stand heute alles still – zumindest schien es mir so. Einige Arbeiter standen zwar um ein großes Betonteil herum, doch sie wirkten ratlos und taten nichts. Dann aber sah ich, wie sich plötzlich von oben her Haken und Ketten herabsenkten, um die schwere Last fortzuschaffen. Als ich mich ein wenig vorbeugte und die Ketten nach oben verfolgte, sah ich den gewaltigen Ausläufer eines großen Krans. Durch den Fensterausschnitt der Straßenbahn hatte ich ihn vorher nicht sehen können.
Ich spürte, wie das Bild zu mir redete. Für mich hatte es wie eine unlösbare Aufgabe und wie Ratlosigkeit und Untätigkeit ausgesehen. Doch ich hatte die wesentliche Komponente der Lösung nicht erkannt – denn ich hatte nicht nach oben gesehen!
Ich dachte an das berufliche Problem, das mich schon tagelang beschäftigte und auch nachts nicht zur Ruhe kommen ließ. Und an den Lebensweg unserer Tochter, der so viele Fragen aufwarf. Und an einen lieben Freund, der lebensgefährlich erkrankt war. Es schienen unlösbare Situationen zu sein, wo man nichts tun konnte. Nichts – außer beten! Wo es allerdings eine Hand gab, die ich nicht sah, die aber da war: die gute Hand Gottes!
Paulus schreibt: „In allem bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; … niedergeworfen, aber nicht umkommend.“ Er fühlte seine eigene Zerbrechlichkeit – doch er wusste um „die Überfülle der Kraft Gottes“ (2. Korinther 4,7-10).
Vielleicht scheint auch dein Problem groß und unlösbar. Du fühlst dich hilflos und leidest, weil du nichts tun kannst. Dann denk an die Hand von oben, an die gute Hand Gottes über dir!
„Die gute Hand seines Gottes war über ihm.“ Esra 7,9
Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgendetwas Gemeines und Unreines gegessen. Apostelgeschichte 10,13.14
Gott hatte Petrus in einer Vision ein Leinentuch gezeigt, in dem sich viele Tiere befanden. Dann folgt die klare Aufforderung: „Steh auf, schlachte und iss!“ Petrus erkannte, dass der Herr selbst zu ihm redete, und doch lehnte er es ab, seiner Aufforderung zu folgen – und das nicht aus Eigenwillen, sondern aus Gewissensgründen!
Als treuer Jude wollte Petrus das Gesetz Gottes befolgen, das dem Volk Israel gegeben war. Und darin war geregelt, welche Tiere unrein waren und deshalb nicht gegessen werden durften.
Doch Petrus musste eine ganz bestimmte Lektion lernen: „Mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu nennen“, sagte er später (V. 28). In den Wegen Gottes mit den Völkern der Erde war ein Wechsel eingetreten: Gott wollte sein Heil nicht mehr dem Volk Israel allein, sondern allen Menschen verkündigen lassen. (Und wer an Christus glaubte, würde dann auch nicht mehr unter dem Gesetz stehen.)
Als unmittelbar nach diesem Ereignis die Abgesandten des römischen Hauptmanns Kornelius nach Petrus fragten, war dieser deshalb sofort bereit, mit ihnen zu gehen und Menschen aus den Heiden (die bei den Juden als unrein galten) die gute Botschaft von Christus zu bringen.
Auch unser Gewissen kann durch Erziehung, Bildung oder Traditionen so geprägt sein, dass wir einen klaren Auftrag, den Gott durch sein Wort an uns richtet, mit „Nein!“ beantworten. Selbst Auffassungen, die wir für biblisch gehalten haben, können uns dahingehend beeinflussen. Da soll uns das Beispiel von Petrus eines deutlich machen: Wenn wir Jesus als unseren Herrn anerkennen und Ihm folgen wollen, kann es nicht bei diesem „Nein“ bleiben. Dann müssen wir bereit sein, aus seinem Wort weiterführende Belehrung und Korrektur anzunehmen.
Elia ging zu Elisa hin und warf seinen Mantel über ihn. Und Elisa machte sich auf und folgte Elia nach und diente ihm. 1. Könige 19,19.21
Wenn Gott einen Menschen zum Dienst für Ihn zubereitet und ihn dann beruft, dann geschieht etwas! Manchmal schlagartig – wie hier bei Elisa. Mitten in seine Arbeit hinein kommt der alte Prophet Elia und wirft seinen Prophetenmantel über ihn. Ohne dass ein Wort gewechselt wurde, weiß Elisa, was diese Handlung bedeutet. Und dieser Augenblick ist entscheidend für sein weiteres Leben.
Elisa soll die Nachfolge des großen Propheten Elia antreten. Und Elisa tut das, ohne sich die Hintertür für einen Rückweg offenzuhalten. Nein, er schlachtet das Joch Rinder, mit dem er gerade gepflügt hat, und bricht symbolisch die Brücken hinter sich ab. So konsequent, so unmittelbar folgt er dem Wort Elias. Der Ruf Gottes übertönt alle möglichen Einwände auf natürlicher Seite. Elisa folgt Elia nach. Dabei nimmt er es auch in Kauf, zunächst nur kleine Dienste für Elia zu verrichten: „Er goss Wasser auf die Hände Elias“ (2. Könige 3,11).
Schon bald zeigt sich dann, dass Elisa im Unterschied zu den damaligen Prophetenschülern auch innerlich tief mit Elia verbunden ist. Elisa lässt sich nicht abschütteln; er folgt Elia bis zum letzten Augenblick. Er kennt nicht nur die Reiseziele Elias – wie diese jungen Männer –, sondern er begleitet den alten Propheten auch dorthin. Er weiß nicht nur, dass „der HERR Elia wegnehmen“ wird, sondern er erlebt alles persönlich mit (2. Könige 2). Die Kenntnis der Wege Gottes hat sich in seinem Herzen verankert. Hier verbindet sie sich mit einer tiefen Zuneigung zu seinem Gott, dem er dient und dem er sein Leben widmet.
Lernen wir doch von Elisa, jedem Auftrag unseres Herrn zu folgen, auch wenn es sich anfangs nur um kleine, alltägliche Dienste handeln mag! Und lassen wir das, was wir in Gottes Wort erkannt haben, in unserem Leben zur Tat werden! Jeder Tag bietet uns genug Gelegenheit, dem Herrn in Treue nachzufolgen.
Als Jesus kam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren beschwert. Und er ließ sie, ging wieder hin, betete zum dritten Mal und sprach wieder dasselbe Wort. Matthäus 26,43.44
„Bleibt hier und wacht mit mir“, hatte der Herr seinen Jüngern gesagt (V. 38). Er wusste, was in den nächsten Stunden auf Ihn zukommen würde. Gleich würde Judas mit den Soldaten kommen und Ihn gefangen nehmen. Es waren nur noch wenige Stunden bis zu seinem Kreuzestod. Da geht Er hin und betet im Garten Gethsemane. Betrübt und beängstigt redet Er mit seinem Vater. Das ist kein kurzes Stoßgebet, sondern ein ringender Kampf, der Zeit in Anspruch nimmt. Seine Jünger sollen mit Ihm wachen. Doch es ist sehr spät am Abend, sie sind müde und schlafen ein.
Als Er zu ihnen kommt, findet Er sie schlafend. Noch einmal fordert Er sie auf: „Wacht und betet“ (V. 41). Während Er dem Vater seine Bitten erneut vorlegt, schlafen die Jünger wieder ein. Als der Herr Jesus das nächste Mal zu ihnen kommt, heißt es: „Er ließ sie.“ Das sind kurze, aber inhaltsschwere Worte. Er lässt sie schlafen. Kein Tadel kommt aus seinem Mund. Kein neuer Versuch, sie zu motivieren, mit Ihm mitzufühlen. Er lässt sie. Sogar in dieser ernsten Szene strahlt seine Gnade und Milde hell hervor. Er betet allein weiter.
Allein – das ist ein Merkmal der nächsten Stunden. Als der Herr gefangen genommen wird, fliehen die Jünger. Als Er vor seinen Richtern steht, ist Er völlig allein. Prophetisch hören wir Ihn klagen: „Freund und Genossen hast du von mir entfernt; meine Bekannten sind Finsternis“ (Psalm 88,19). Und dann der Höhepunkt der Leiden in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz. Nicht nur von Menschen, sondern sogar von Gott verlassen, leidet Er im Gericht für unsere Sünden.
Wir stehen heute hinter dem Kreuz; aber wachend mit dem Herrn Jesus in seiner Not empfinden oder „wachen und beten“, das können auch wir. Dadurch zeigen wir Ihm unsere Dankbarkeit und Liebe und bleiben vor der Versuchung bewahrt.
Ich werde in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten schlagen vom Menschen bis zum Vieh, und ich werde Gericht üben an allen Göttern Ägyptens, ich, der HERR. 2. Mose 12,12
Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. Johannes 12,31
Das Passah ist eines der hervorragendsten Ereignisse im Alten Testament, die uns bildlich die Ergebnisse des Opfertodes Jesu vorstellen. Jeder Gläubige sieht hier mit dankbarer Freude, wie das Blut des Passahlammes – als Vorbild auf das Blut Jesu Christi – die Erstgeborenen Israels vor dem tödlichen Gericht schützte, das die Ägypter traf. Nicht weil sie besser gewesen wären als die Ägypter, sondern weil sie das Blut des Lammes glaubend für sich in Anspruch nahmen, blieben sie verschont.
Zugleich bezeichnet das Passah den Aufbruch aus Ägypten. Schon am nächsten Tag war das Volk unterwegs in das Land Kanaan, denn das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote hatte begonnen – für uns ein Bild unseres Glaubensweges in praktischer Heiligung.
Gern denken wir auch an das letzte Passah, das der Herr mit seinen Jüngern aß – „ehe ich leide“, wie Er sagte (Lukas 22,15).
Aber das Passah ist noch mehr: Es ist auch die Abrechnung Gottes mit dem ganzen System Ägyptens, das Ihm feindlich gesinnt ist. „Gericht an allen Göttern Ägyptens“ bedeutet: Die Ohnmacht dieser Götter wird völlig ans Licht gebracht. Die Parallele zu diesem Gericht erkennen wir wohl darin, dass Satan als „der Fürst dieser Welt hinausgeworfen“ wird (Johannes 12,31), wie es der Herr Jesus kurz vor seinem Tod ankündigte. Auch das ist um der Ehre Gottes willen nötig. Das Johannes-Evangelium betont ja besonders den Charakter des Brandopfers – das, was der Tod Christi für Gott und seine Ehre bedeutet (3. Mose 1).
… bis ich hineinging in die Heiligtümer Gottes. Psalm 73,17
In einem Winter kam ich eines Morgens aus dem Schlafzimmer. In der Nacht hatte ich nur wenig Ruhe gefunden. Noch war ich auf der Treppe, als meine Kleinsten mir schon entgegenstürzten und riefen: „Vater, im Keller ist die Wasserleitung geplatzt, man kann überall Kahn fahren. Torf, Kartoffeln, Gemüse, Holz und Kisten – alles schwimmt herum!“ Das diente natürlich gar nicht dazu, meine Stimmung zu verbessern. Jetzt galt es zunächst, die Handwerker zu rufen.
Kaum saß ich dann am Schreibtisch, als ein Bettler kam, der durchaus keinen ehrlichen und vertrauenswürdigen Eindruck machte. Schon an normalen Tagen regt mich Heuchelei auf, und nun gar heute! Während der Bettler noch redete, kam eins der Kinder angehinkt. Es war auf dem glatten Boden hingefallen und hatte sich den Fuß verstaucht. – Nun aber genug!
Doch dann erschien der Postbote – für zwei Briefe war Strafporto fällig, ein dritter Brief hatte einen höchst ärgerlichen Inhalt. Das hätte das bereits volle Fass zum Überlaufen bringen können. Und es wäre auch übergelaufen, aber da meldete sich ein lieber Mann, der mich bat, ihm doch einen von mir zitierten Liedvers aufzuschreiben. Am Sonntag zuvor hatte ich über den Glauben gepredigt und diesen Vers erwähnt:
Geber aller guten Gaben,festen Glauben möcht ich haben,wie ein Meerfels unbewegt,wenn an ihn die Woge schlägt.
Ich schrieb den Vers auf und dachte: Ein schöner „Meerfels“ bist du! – Als der Besucher fort war, schloss ich die Tür und machte sie so bald nicht wieder auf. Wäre ich da nicht in die Gegenwart Gottes gegangen – wer weiß, was an diesem Tag noch geschehen wäre!
Aber David stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott. 1. Samuel 30,6
Dieser Vers macht in eindrucksvoller Weise deutlich, was im Leben Davids die beherrschende Kraft war: Es war sein Gottvertrauen. Und das, obwohl sein Glaube eine Zeit lang schwach geworden war. David hatte sich nämlich den ständigen Verfolgungen Sauls entzogen und war zu den Philistern übergelaufen, zu den Feinden des Volkes Gottes. Um glaubwürdig zu erscheinen, meinte er, vor Achis, dem Fürsten von Gat, seine wahren Gefühle für das Volk Gottes verbergen und sich verstellen zu müssen. Davids Lage wurde verhängnisvoll, als Achis ihn sogar in die sich anbahnende Entscheidungsschlacht gegen Israel einbinden wollte.
Doch die Philisterfürsten waren misstrauisch und ließen nicht zu, dass David mit den Seinen in den Krieg gegen Israel zog. So kehrte er mit seinen Kämpfern nach Ziklag zurück in die Zufluchtsstadt, die Achis ihm für seine Getreuen gegeben hatte. Aber was fanden sie da vor? Ziklag war von einer Schar Amalekiter durch Feuer zerstört, die Frauen und Kinder waren mit ihrer Habe weggeführt worden! Verbittert wandten sich Davids eigene Männer gegen ihn und wollten ihn steinigen.
Doch da, in dieser Notlage, stärkte David sich „in dem HERRN, seinem Gott“. Fürchtete er sich denn gar nicht? Wie man weiter sieht, hatte David offenbar erkannt, dass Gott ihn in diese Lage gebracht hatte, damit er seine Kraft und Hilfe bei Gott suchen sollte. Durch Gottes Gnade gelang es ihnen dann, die Weggeführten zu befreien und ihren Besitz wiederzuerlangen.
Auch uns muss Gott manchmal in Bedrängnis bringen, damit wir wieder neu mit Ihm rechnen lernen. Und in seiner Liebe will Er auch uns das wiederschenken, was uns durch den Mangel an Gemeinschaft mit Ihm an Segen verloren gegangen ist.
Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Johannes 6,60.63.68
Diese Worte des Herrn Jesus führten bei den Zuhörern zu sehr unterschiedlichen Reaktionen:
Einige Hörer waren Ihm zumindest zeitweise nachgefolgt, aber dann nannten sie seine Reden „hart“. Sie empfanden es als beleidigend und unannehmbar, wenn Er sich das Brot des Lebens nannte, das man essen muss, um ewiges Leben zu haben.
Für andere dagegen waren es Worte des Lebens – nicht nur Worte, die Mut machten, sondern in ihnen war Leben, und durch sie wurde Leben vermittelt. Diese Worte waren die Antwort auf alles Suchen und Fragen der Menschen.
Und was sagt Jesus selbst dazu? „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.“ Es sind göttlich legitimierte Worte, vom Geist kommende, lebendige Worte. Einst hatte Gott dem Menschen das natürliche Leben eingehaucht, und jetzt war das ewige Leben im Sohn Gottes, der es dem Glaubenden durch seine Worte mitteilte. Gott redete in der Person von Jesus Christus (1. Mose 2,7; Johannes 1,4; Hebräer 1,2).
Hier wird in wenigen Sätzen die ganze Bandbreite der Reaktionen auf das Reden Gottes deutlich. Das stellt jedem die Frage, wie wir uns denn zu seinen Worten stellen. Wer bereits im Glauben zum Herrn Jesus gekommen ist, wird dankbar bestätigen: Auch für mich sind es Worte des Lebens.
Und doch kann es auch dann einmal vorkommen, dass wir uns daran reiben: Wenn sein Wort uns trifft, weil es einen wunden Punkt in unserem Leben berührt oder seine Sprache uns allzu deutlich erscheint, dann wollen wir uns dem willig stellen, damit es uns formt und korrigiert. Denn: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“
Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt; darum werde ich alle eure Ungerechtigkeiten an euch heimsuchen. Amos 3,2
Gott unterscheidet hier zwischen dem Volk Israel und allen anderen Nationen. Er hat das Volk Israel ausgewählt und ihm eine bevorzugte Stellung gegeben. Doch die Konsequenz hieraus ist sehr ernst: Sie kannten den wahren Gott, und nur sie waren als sein Volk anerkannt, deshalb würde Er auch alle ihre Ungerechtigkeiten an ihnen heimsuchen. Denn je tiefer eine Beziehung ist, desto höher ist die Verantwortung! Je näher jemand zu Gott gebracht ist, desto größer sind die göttlichen Ansprüche an seine Lebensführung und seinen Gehorsam.
Das ist in unseren menschlichen Beziehungen nicht anders: Ein Mann wird bei seiner eigenen Frau durchaus etwas missbilligen, was ihm bei einer anderen Frau nicht einmal auffällt. Ein Vater erwartet, dass sein eigenes Kind gehorcht und sein eigener Sohn sich mit den Familieninteressen identifiziert – was er von sonst keinem erwartet. Und der Fehler eines zuverlässigen Angestellten wiegt schwerer als der einer Aushilfskraft.
Selbst unter dem Gesetz vom Sinai wog die Sünde eines Herrschers schwerer als die eines gewöhnlichen Israeliten; und die Sünde eines „gesalbten Priesters“ zog ernstere Konsequenzen nach sich als bei jeder anderen Person im Volk (3. Mose 4).
Völlig irreführend ist der Gedanke, dass jeder Mensch vor Gott die gleiche Verantwortung hätte – und dass somit alle Sünden die gleiche Strafe nach sich ziehen würden, egal, wer sie ausgeübt hat. Dieser Gedanke steht im Gegensatz zum klaren Wort Gottes! Tatsache ist, dass Menschen in unterschiedlichen Beziehungen zu Gott stehen können: Je enger also die Beziehung oder je höher das Vorrecht ist – umso ernster und tiefer ist eine Untreue oder Verfehlung!
Weil er Wonne an mir hat, will ich ihn erretten; ich will ihn in Sicherheit setzen, weil er meinen Namen kennt. Psalm 91,14
Zu Beginn des 91. Psalms spricht ein Gläubiger über seinen Gott: „Ich sage von dem HERRN: Meine Zuflucht und meine Burg; mein Gott, auf ihn will ich vertrauen“ (V. 2). Dann folgen verschiedene Lebenssituationen, in denen man die segensreichen Auswirkungen eines festen Gottvertrauens erleben kann. Im letzten Teil des Psalms, der mit unserem Tagesvers eingeleitet wird, gibt es einen Wechsel: Nun spricht Gott über den, der sein ganzes Vertrauen auf Ihn setzt.
„Weil er Wonne an mir hat.“ – Wörtlich übersetzt: „Weil er an mir hängt.“ Gott nimmt also Notiz von unserer inneren Haltung. Und man spürt förmlich, wie sich Gott über Menschen freut, die in dem Bewusstsein leben: Mein Gott ist alles für mich; Er bedeutet mir mehr als alles andere auf der Welt; und mein ganzes Leben ist in seiner Hand – ich bin in einem besonderen Sinn des Wortes „ab-hängig“ von Ihm.
„Ich will ihn erretten.“ Das ist Gottes Zusicherung. Jeder also, der an Gott hängt, darf immer wieder neu mit Gottes Rettung rechnen – in den kleinen und großen Dingen des Lebens.
„Weil er meinen Namen kennt.“ – Damit ist kein flüchtiges Kennenlernen gemeint, so als wüsste man nur, wie jemand heißt. Gottes Namen lernt man nur kennen, wenn man ständig Umgang mit Ihm hat. Ein Leben im Vertrauen auf Gott ist keine „Momentaufnahme“, sondern eine langfristige Glaubensbeziehung. Nur so lernen wir seinen Namen, das heißt seine Person, immer besser kennen, und nur dann werden wir auch mit Gottes Rettung rechnen.
„Ich will ihn in Sicherheit setzen.“ – Das ist die Antwort Gottes für seine Treuen, auch heute. Für sie ist Gott nicht nur eine sichere Zuflucht vor einem „Unwetter“, sondern auch eine feste Burg, in der man zur Ruhe kommt (V. 2).
Zum Herrn kommend als zu einem lebendigen Stein …, werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus. 1. Petrus 2,4.5
Im Volk Israel wurde der Priesterdienst durch Aaron und seine Nachkommen ausgeübt; sie brachten Gott die Opfertiere auf dem Altar dar. In der Versammlung Gottes aber ist der Priesterdienst nicht auf einen Teil des Volkes Gottes beschränkt. Alle, die zu Christus, dem „lebendigen Stein“, gekommen sind, bilden das „geistliche Haus“, die „heilige Priesterschaft“, von der unser Bibelwort spricht.
Anstelle eines Tempelgebäudes gibt es jetzt ein geistliches Haus; und anstelle von Schlachtopfern bringen die Gläubigen Gott heute geistliche Opfer dar.
Für das Volk Israel hatte Gott unterschiedliche Opfergaben angeordnet, die alle bildlich auf Christus hinwiesen:
auf seine vielfältige persönliche Herrlichkeit (Räucherwerk),
auf sein heiliges Leben (Speisopfer)
und auf seinen Sühnungstod (Tieropfer).
Unsere geistlichen Opfer heute haben Christus selbst unmittelbar zum Inhalt. Durch den Heiligen Geist wirkt Gott, der Vater, an uns, um den Herrn Jesus groß und herrlich vor unsere Herzen zu stellen. Und das, was wir in seiner Person, in seinem Leben und in seinem Sühnungswerk an Schönheit und Herrlichkeit entdecken und bewundern, dürfen wir als Opfer zu Gott bringen und vor Ihm aussprechen. Der Vater hat Wohlgefallen an den unzählbaren herrlichen Einzelheiten, die in dem Herrn Jesus angeschaut werden können, und Er sehnt sich danach, dass wir sie anbetend vor Ihn bringen.
Durch Glauben wurde Mose, als er geboren war, drei Monate von seinen Eltern verborgen …; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht. Hebräer 11,23
Es fällt auf, dass in diesem Kapitel wiederholt der Glaube von Eltern genannt wird, der für ihre Kinder tätig wurde. So war es der Glaube an die Verheißungen Gottes, der Isaak und Jakob veranlasste, ihre Kinder oder Enkel zu segnen.
Auch Amram und Jokebed handelten aus Glauben, als sie ihren Sohn Mose nicht den Ägyptern auslieferten. Im zweiten Buch Mose tritt dabei der Glaube der Mutter in den Vordergrund (2. Mose 2,2.3). In der Apostelgeschichte wird das Haus des Vaters erwähnt (Apostelgeschichte 7,20). Hier im Hebräerbrief finden wir beide Elternteile zusammen. Aus Glauben verbargen sie Mose drei Monate lang vor den Feinden. Und als das nicht mehr möglich war und sie ihn hergeben mussten, vertrauten sie darauf, dass Gott selbst für ihn sorgen würde.
Dieses tiefe Vertrauen auf Gott, was unsere Kinder betrifft, haben auch wir nötig! Wir sollten zunächst wie Amram und Jokebed aus Glauben unsere eigene Verantwortung in der Erziehung zu Hause wahrnehmen; aber dann sollten wir unsere Kinder mit demselben Vertrauen Gott übergeben, damit Er sie auf ihrem Weg durch diese Welt bewahrt.
Die gottesfürchtigen Eltern hatten Mose in einem sorgfältig abgedichteten Kästchen am Ufer des Nils ins Schilf gelegt. Und Gott beantwortete ihren Glauben und führte es so, dass Mose von der Tochter des Pharaos aufgenommen wurde: genau von der Person, die ihm am ehesten eine sichere Zuflucht bieten konnte. Gottes wunderbare Führung erkennen wir auch daran, dass Jokebed selbst die Amme ihres eigenen Sohnes werden sollte. So durfte sie weiter für ihr Kind sorgen, das sie nicht länger hatte verstecken können.
Ja, wir können unsere Kinder in allen Lebensumständen im Glauben Gott anvertrauen.
Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. Matthäus 13,45.46
Als eine der größten Perlen der Welt wurde „La Regente“ bei einer Auktion in Genf im Jahr 2005 für 3,628 Millionen Schweizer Franken versteigert. Diese Perle gehörte einst zu den französischen Kronjuwelen und gelangte später in den Besitz einer russischen Fürstenfamilie. Auf der Flucht vor der Roten Armee im Jahr 1919 konnte die Familie diese wertvolle Perle retten und dann von ihrem Erlös mehrere Jahre leben.
Das erinnert an unser heutiges Bibelwort. In dem Kaufmann, der die eine sehr kostbare Perle erwirbt, erkennen wir ein Bild des Herrn Jesus. Der hohe Preis, den Er für sie gezahlt hat, ist „alles, was er hatte“ – Er hat sich selbst hingegeben! Die Perle steht bildlich für den Wert und die Schönheit der Gemeinde oder Versammlung Gottes. Anders als bei „La Regente“ dient hier nicht der Erlös der Perle zum Leben, sondern umgekehrt: Der Sohn Gottes gibt sein Leben, um die Perle zu besitzen.
Damals, als der Herr Jesus starb, um die Versammlung für sich zu erwerben, konnte noch kein Mensch ihre Existenz, geschweige denn ihre Kostbarkeit erkennen. Doch Er selbst sah sie in ihrem hohen Wert und in ihrer Schönheit, die sie nach dem Ratschluss Gottes hat. Deshalb „hat der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben“ (Epheser 5,25). Und einmal wird das Weltall die Kostbarkeit schauen, die die Versammlung nach Gottes Plan in ihrer Verbindung mit dem Herrn Jesus besitzt: „Sie hatte die Herrlichkeit Gottes“ (Offenbarung 21,11).
Wie glücklich macht es uns, die Gläubigen der Gnadenzeit, dass wir zu dieser Perle gehören, die dem Herrn Jesus so wertvoll ist.
Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Sinnen den ganzen Tag. Psalm 119,97
Was wir lieben, damit beschäftigen wir uns – und womit wir uns beschäftigen, das prägt uns.
Ich erinnere mich an einen gläubigen Mann, der gern die Bibel studierte. Er sagte immer: „Mein Hobby ist die Bibel.“ Man konnte nicht lange mit ihm zusammen sein, ohne dass er voll Begeisterung erzählte, was er gerade wieder in der Bibel entdeckt hatte. Wie der Psalmdichter beschäftigte er sich mit dem Wort Gottes, weil er es liebte.
Welchen praktischen Nutzen haben wir nun davon, wenn wir über das Wort Gottes nachsinnen?
Zunächst macht Gottes Wort uns weise: „Weiser als meine Feinde macht mich dein Gebot“ (V. 98). Die Feinde können uns also nicht überwältigen, weil das Wort Gottes uns die Weisheit gibt, ihnen standzuhalten.
Dann macht Gottes Wort uns verständig: „Verständiger bin ich als alle meine Lehrer“ (V. 99). Das heißt nun nicht, dass wir dann mehr wissen als unsere Lehrer und deshalb auf sie herabsehen dürfen – doch Gottes Wort gibt uns ein Verständnis, das jede menschliche Weisheit und Erfahrung übersteigt.
Gottes Wort macht uns auch einsichtig: „Mehr Einsicht habe ich als die Alten“ (V. 100). Damit ist klar: Nicht die vielen Lebensjahre, sondern allein das Wort Gottes führt uns zu wahrem Verständnis.
Schließlich bewahrt Gottes Wort uns vor Bösem. Zunächst lesen wir über unsere Verantwortung: „Von jedem bösen Pfad habe ich meine Füße zurückgehalten, damit ich dein Wort halte“ (V. 101). Aber dass wir bewahrt werden, können wir nicht uns selbst zuschreiben; es ist die Frucht der göttlichen Unterweisung: „Nicht bin ich von deinen Rechten gewichen, denn du hast mich unterwiesen“ (V. 102). Gott bewahrt also die vor dem Bösen, die sich bereitwillig von Ihm belehren lassen und über sein Wort nachsinnen.
Wo sind alle seine Wunder, die unsere Väter uns erzählt haben, indem sie sprachen: Hat der HERR uns nicht aus Ägypten heraufgeführt? Und nun hat der HERR uns verlassen und uns in die Hand Midians gegeben. Richter 6,13
Kann man Gideon nicht gut verstehen? Die Wunder Gottes in Ägypten lagen schon so lange zurück, doch Gideon wollte Gottes Handeln sichtbar und greifbar vor Augen haben – nicht in der Vergangenheit, sondern jetzt, in seiner eigenen Zeit!
Vielleicht sind auch wir davon überzeugt, dass Gott bei den Menschen der Bibel geredet und gehandelt hat. Und auch bei Männern und Frauen wie Hudson Taylor oder Gladys Aylward, die wunderbare Erfahrungen mit Ihm gemacht haben. Doch ist das auch heute noch möglich?
Pfarrer Johannes Busch (1905–1956), Bruder von Pfarrer Wilhelm Busch, schrieb vor über 60 Jahren: „Es passiert so leicht, dass wir ständig von der verklärten Geschichte zehren, die einmal unsere Väter erlebt haben. Manchmal macht mich das ganz krank, wenn wir auf die Frage, ob Jesus unter uns noch etwas wirkt, nur immer erzählen können, was vor 40 Jahren passiert ist.“
Als Elia zum Himmel aufgefahren war, da nahm Elisa „den Mantel Elias, der von ihm herabgefallen war, und schlug auf das Wasser und sprach: Wo ist der HERR, der Gott Elias?“ (2. Könige 2,14). Das war weder Zweifel noch Anklage. Nein, er wollte selbst – im Glauben des Elia – den lebendigen Gott erleben!
Gott muss es wirken – keine Frage. Doch manchmal erfahren wir nichts, weil wir nicht bitten. Oder weil wir in übler Absicht bitten. Haben wir noch Durst, Durst „nach dem lebendigen Gott“? Sind wir solche, die „auf einen lebendigen Gott hoffen“? Auf einen Gott, der gestern gehandelt hat – und der heute noch persönlich erlebt werden kann? (Philipper 2,13; Jakobus 4,2.3; Psalm 42,3; 1. Timotheus 4,10).
Um des Werkes willen ist er dem Tod nahe gekommen, indem er sein Leben wagte. Philipper 2,30
Geht es hier um einen alten Märtyrer? – Insofern der Bericht fast 2000 Jahre alt ist, ja. Aber Epaphroditus, von dem die Rede ist, war von den Gläubigen in Philippi auf die weite, gefährliche Reise nach Rom gesandt worden und wird daher kaum ein alter Mann gewesen sein.
Nachdenklich macht uns, dass dieser Diener Gottes sich so völlig für das Werk seines Herrn einsetzte und keine Gefahr scheute. Für den Herrn war ihm offensichtlich kein Opfer zu groß.
Solche Menschen sind heute selten geworden: Christen, die ihren einmal als richtig erkannten Grundsätzen treu bleiben und sich rückhaltlos dafür einsetzen.
Da hält uns dieser Mazedonier aus fernen Zeiten doch eine deutliche Predigt ohne Worte. Es wäre zu wenig, nur anzunehmen, dass dieser Mann sich für eine Sache einsetzte. Vielmehr war er von einer Person eingenommen, die es auch verdiente: von seinem Herrn Jesus Christus! Der hatte sein Leben in völlig neue Bahnen gelenkt, ihm die Schuld abgenommen und ihm den inneren Frieden geschenkt, den nur Er geben kann: Frieden mit Gott für die Ewigkeit und den Frieden Gottes im Herzen für die Stürme und Nöte der Zeit.
Jesus Christus, Gottes Sohn, war Herr seines Lebens geworden, für den Epaphroditus alles tat, wenn nötig, auch um den Preis seines Lebens.
Es ist wahr: Man kann sich an einen Unwürdigen verschenken. Epaphroditus hatte das nicht getan. Er hatte erkannt, wie es der Apostel Paulus ausgedrückt hatte: Christus ist es, „der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Galater 2,20).
Nach dem Tod Jojadas kamen die Obersten von Juda und beugten sich vor dem König nieder; und der König hörte auf sie. 2. Chronika 24,17
Bis dahin hat König Joas gut regiert. Gut und gottesfürchtig. Dann stirbt Jojada, sein Pflegevater, seine Vertrauensperson, und von da an geht es abwärts mit ihm. Abwärts bis zu seinem schmählichen Tod.
Warum diese 180-Grad-Wendung, warum dieser Wechsel? Warum wird aus einem, der sich für Gott und sein Haus einsetzt, einer, der den Götzen dient? Und der sich auch durch Warnungen nicht aufhalten lässt? – Vielleicht gibt uns der kleine Satz „und der König hörte auf sie“ einen Hinweis (V. 4.18).
Jojada beschützt, erzieht und prägt Joas. Als dieser dann mit sieben Jahren König wird, ist Jojada sein Ratgeber. Und Joas hört auf ihn: als Kind, als Jugendlicher, als junger Erwachsener. Das ist zunächst gut. Vielleicht aber hat er immer nur gehört? Vielleicht hat er nie selbst nachgedacht, nie in eigener Verantwortung vor Gott entschieden, nie eigene Erfahrungen mit Gott gemacht, nie eigene Überzeugungen gesammelt, nie gelernt, auch einmal „Nein“ zu sagen (2. Könige 12,2.3).
Dann stirbt Jojada. Kurz danach kommen die Obersten von Juda und beugen sich vor Joas nieder. Sie umschmeicheln ihn – und er hört auf sie und dient mit ihnen den Götzen. Und dabei bleibt Joas auch, als Gott ihn warnt. Er ignoriert es und geht seinen Weg weiter – bis zu seinem Tod. Von seinem Vater Ahasja heißt es, dass dessen Mutter „seine Ratgeberin zum gottlosen Handeln“ war (2. Chronika 22,3).
Wie gut, wenn das Wort Gottes „mein Ratgeber“ ist, wenn meine Sinne darin geübt sind, das Gute zu erkennen und es klar vom Bösen zu unterscheiden! Und wie wichtig ist es, dass wir nicht nur vor dem Gesetz volljährig sind, sondern auch geistlich erwachsen, selbstständig und von der guten Lehre überzeugt sind! (Psalm 119,24; Hebräer 5,14).
Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir ihn begehrt hätten. Jesaja 53,2
Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater. Johannes 1,14
Auf den ersten Blick könnte man zwischen diesen beiden Aussagen über den Herrn Jesus einen Widerspruch sehen. Wer aber ein wenig die Zusammenhänge beachtet, versteht sehr bald, dass hier zwei Gruppen von Personen reden, die in ganz unterschiedlicher Beziehung zu Ihm standen.
Wenn wir Jesaja 53 lesen, dann haben wir die Leiden des Herrn Jesus vor Augen, die hier in sehr bewegender Weise geschildert werden.
Wer aber ist in dieser prophetischen Stelle der Sprechende; wer sagt hier von sich selbst „wir“? Es ist der gläubige Überrest Israels in der Zukunft. Diese Frommen werden es einmal tief beklagen, dass sie einst als Volk ihren Messias verkannt und verachtet haben. Das kommt hier zum Ausdruck.
Die Jünger dagegen sprechen eine andere Sprache. Der Vater hatte sie dem Herrn Jesus gegeben, und sie umgaben Ihn während seines Erdenlebens. Sie sind ein „Überrest“ in ihrer Zeit, dem der Geist Gottes schon damals die Augen öffnen konnte. Auch wenn der Herr Jesus keine äußere Herrlichkeit zeigte, hinderte das sie nicht daran, seine moralische Herrlichkeit als Sohn Gottes wahrzunehmen.
Und wir, als Gläubige der jetzigen Gnadenzeit, dürfen Ihn aus der gleichen Sicht sehen. Mehr noch: „Mit aufgedecktem Angesicht“ schauen wir schon jetzt im Glauben die Herrlichkeit des Herrn im Himmel an. Und bald werden wir „ihn sehen, wie er ist“ (2. Korinther 3,18; 1. Johannes 3,2).
Dank, dass Du, der Hohe, Freie, Dich für uns zu nichts gemacht, Gott gedient in steter Weihe und sein großes Werk vollbracht!
Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen Zeugnis. Apostelgeschichte 15,8
Wir haben einen Gott, der die Herzen kennt! Das lesen wir mehrere Male in der Heiligen Schrift. Zu Samuel sagt Gott: „Der Mensch sieht auf das Äußere, aber der HERR sieht auf das Herz.“ Und David ermahnt Salomo, dass er dem Gott seines Vaters dienen soll „mit ungeteiltem Herzen und mit williger Seele! Denn der HERR erforscht alle Herzen.“ – Gott kennt nicht nur unsere Taten, sondern auch unsere Motive und inneren Beweggründe! „Ich, der HERR, erforsche das Herz …, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Handlungen“ (1. Samuel 16,7; 1. Chronika 28,9; Jeremia 17,10).
Als der Herr Jesus hier auf der Erde war, sah Er in die Herzen, „denn er selbst wusste, was in dem Menschen war“. So sagte Er bei einer Gelegenheit einem Mann, dass seine Sünden vergeben seien. Als die Schriftgelehrten an seiner Aussage Anstoß nahmen, „sah er ihre Gedanken“. Bei einer anderen Gelegenheit kritisierte Simon der Pharisäer Ihn in seinem Herzen. Da ging der Herr auf seine unausgesprochenen Überlegungen ein und hielt ihm den Spiegel vor, indem Er ihm ein Gleichnis erzählte (Johannes 2,25; Matthäus 9,1-5; Lukas 7,36-40).
Einmal wird ein Tag kommen, wenn „Gott das Verborgene der Menschen richten wird“. Denn vor seinen Augen ist kein Geschöpf unsichtbar, sondern alles „bloß und aufgedeckt“ (Römer 2,16; Hebräer 4,13).
Wenn der Heilige Geist sich heute für uns verwendet, dann geschieht das in Übereinstimmung mit dem, „der die Herzen erforscht“. Wie zutreffend ist deshalb die Anrede der Jünger im Gebet auf dem Obersaal: „Du, Herr, Herzenskenner aller“ (Römer 8,27; Apostelgeschichte 1,24).
Ja – wir haben einen Herrn, der unsere Herzen und ihre tiefsten Bedürfnisse kennt!
Jesus aber sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Lukas 24,17
Zwei müde und enttäuschte Jünger auf dem Weg nach Hause. Jemand spricht sie an, fragt sie nach dem, was sie bewegt. Da bleiben sie „niedergeschlagen stehen“, aber es kommt Bewegung in ihre Gedanken.
Es ist der Herr, der sich ihnen nähert und der sie anspricht. Doch sie erkennen Ihn nicht. Er fragt sie, unterweist sie, geht mit ihnen. In ihren Herzen wird es warm, doch sie nehmen es noch kaum wahr. Als sie ankommen, scheint es so, als wolle Er weitergehen. Da bitten und drängen sie Ihn, doch bei ihnen einzukehren. Und Er geht mit und isst mit ihnen. Ihre Augen werden geöffnet, und sie erkennen Ihn. Und sofort entschwindet Er ihren Blicken. Sie merken, dass Er ihre Herzen brennend gemacht hat (V. 32), und machen sich auf, um noch am gleichen Abend wieder nach Jerusalem zurückzukehren. Ganz sicher schneller als auf dem Hinweg.
Wann hatte diese Wende begonnen, wann hatte der Veränderungsprozess im Denken und Fühlen eingesetzt? – Als Er sie fragte … und sie stehen blieben!
Auch in unserem Leben gibt es Nöte, belastende Gedanken, Enttäuschungen. Kann der Herr auch uns dann mit seiner Frage erreichen: Was sind das für Gedanken, die du hast, und was für Reden, die du führst? Auch wir müssen stehen bleiben …, müssen Ihm sagen, was wir nicht verstehen …, müssen Ihm zuhören! Er wird uns die Schrift erklären, wird uns Zusammenhänge zeigen. Bekannte Bibelworte werden neues Licht geben, werden uns neu wichtig werden. Vielleicht zunächst nur langsam, zögernd – und doch, es wird hell!
Zuerst sind die beiden Jünger niedergeschlagen – dann brennend. Erst stehen sie still – dann brechen sie auf, kehren zurück, haben Energie und ein Ziel und einen Weg!
Warum sollte unser Herr mit dir und mir heute nicht ebenso handeln?
Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen. Jesaja 57,15
Immer wieder kam bei den Jüngern die Frage auf, wer von ihnen wohl der Größte sei. Der Herr musste sie zurechtweisen, indem Er sie an die Könige der Nationen erinnerte. Die dachten nämlich, dass sie groß wären, wenn sie Autorität ausübten oder über andere herrschten. Doch im Reich Gottes ist der groß, der den niedrigsten Platz einnimmt und dient. Das Reich Gottes ist also in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil von jedem anderen Reich dieser Welt (Lukas 22,24-27).
Doch wie oft denken und handeln wir wie die Jünger! Wie wenig gleichen wir dem, der „sanftmütig und von Herzen demütig“ war! Der Herr Jesus war der „Hohe und Heilige“, und Er nahm „Knechtsgestalt“ an, Er „erniedrigte sich selbst“. Er war „in den Tagen seines Fleisches“ der lebendige Ausdruck dessen, was Er selbst lehrte. Deshalb waren die Jünger auch so erschrocken, als Er ihnen wie ein niedriger Haussklave die Füße wusch. Doch Er sagte ihnen, dass sie seinem Beispiel folgen sollten (Matthäus 11,29; Philipper 2,6-8; Hebräer 5,7; Johannes 13,1-9.17).
Es ist also alles andere als verkehrt, wenn wir den niedrigsten Platz wählen – sei es einzeln oder gemeinsam. Es ist der Platz des Segens. Denn der „Hohe und Erhabene“ wohnt bei denen, die „zerschlagenen und gebeugten Geistes“ sind. Wir müssen „mit Demut fest umhüllt“ sein, „denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“. Denken wir daran: Wir können uns noch so tief erniedrigen – unser Herr selbst hat sich noch viel tiefer erniedrigt! (1. Petrus 5,5).
An jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Um was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben. Johannes 16,23
Die christliche Zeit ist dadurch gekennzeichnet, dass der Herr Jesus zur Rechten Gottes im Himmel verherrlicht ist und der Heilige Geist auf der Erde in den Gläubigen wohnt.
Als der Herr selbst auf der Erde war, kamen die Seinen mit allen Fragen zu Ihm. Es waren nicht nur Fragen über die Lehre, sondern auch Bitten. Diese Bitten erfüllte Er entweder selbst, als Er zum Beispiel die Schwiegermutter des Petrus heilte, oder Er brachte sie vor seinen Vater, wie es Martha einmal mit Recht ausdrückte: „Aber auch jetzt weiß ich, dass, was irgend du von Gott erbitten magst, Gott dir geben wird“ (Johannes 11,22).
An wen aber sollten sich die Jünger wenden, wenn Er nun zum Vater ging und nicht mehr bei ihnen war? An den Vater selbst! Das ist wunderbar! Es war das große Anliegen des Herrn Jesus, den Jüngern den Vater nicht nur zu offenbaren, sondern sie in eine persönliche Beziehung zu Ihm einzuführen. Dazu war Er vom Vater ausgegangen, und dazu verließ Er die Welt und ging wieder zum Vater.
Nutzen wir alle das Vorrecht, uns im Gebet an den Vater zu wenden, der ja auch unser Vater ist? „Ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst hat euch lieb“ (V. 26.27). Mit diesen Worten zeigt der Herr, dass Er nicht zu bitten braucht, um das Ohr des Vaters für uns zu öffnen.
Wir sollen im Namen des Herrn Jesus bitten, das heißt, wir sollen so bitten, als ob es seine eigenen Bitten wären, denn wir stehen jetzt an dem Platz, den Er einst auf der Erde einnahm. Und weil der Vater Wohlgefallen an dem Sohn hat, hat Er zugesagt, dass solche Bitten erhört werden. Wenn wir mehr so beten, wird „unsere Freude völlig sein“.
Jesus selbst wusste, was er tun wollte. Johannes 6,6
Diese Worte über den Herrn Jesus vor der Speisung der Fünftausend können jedem Christen auch in schwierigen Umständen Frieden geben. Der Herr weiß im Voraus, was Er für die tun will, die Ihm vertrauen und Ihm nachfolgen.
Schwierigkeiten und Leiden sind für das geistliche Wachstum oft notwendig. Der Knecht teilt das Los seines Herrn (Johannes 15,20). Doch auf jede Nacht folgt ein Morgen. In der Dunkelheit der Nacht stärkt uns die Gewissheit: Der Herr Jesus weiß, wie Er das Licht durchbrechen lassen wird. Vielleicht wissen wir weder aus noch ein, aber Er weiß, wie Er eingreifen wird. Daran sollten wir stets denken. Wenn der Herr Schwierigkeiten zulässt, um uns zu prüfen, so setzt Er der Not doch Grenzen und wird uns zu seiner Zeit siegreich hindurchführen.
Schwere Anfechtungen sind uns oft unverständlich und sehr schmerzlich. Fast scheint es, als ob wir unterliegen und erdrückt werden. Doch im Rückblick erkennen wir, dass der Herr von Anfang an wusste, „was er tun wollte“.
Vielleicht verlangt Gott auch einmal einen Glaubens- oder Gehorsamsschritt von uns, ohne uns eine sichtbare Stütze zu geben. Dann wollen wir getrost vorwärtsgehen und gehorchen. Abraham zog aus, „ohne zu wissen, wohin er komme“. Aber Gott wusste, wohin Er ihn führen wollte (Hebräer 11,8).
Ja, Er weiß, was Er tun will! Die Jünger damals konnten das Problem nicht von sich aus lösen. Sie sollten aber dem Herrn die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische bringen, über die sie verfügten. Und dann sollten sie die Brotstücke aus seiner Hand nehmen und den Menschen weitergeben (Matthäus 14,18-20).
Auch von uns erwartet der Herr nur, dass wir uns selbst und alles, was wir besitzen, Ihm zur Verfügung stellen und dass wir das tun, was Er uns sagt.
Paulus und Barnabas ermahnten sie, im Glauben zu verharren und sagten, dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. Apostelgeschichte 14,22
