Der hl. Fridolin und seine Zeit - Hermann Ays - E-Book

Der hl. Fridolin und seine Zeit E-Book

Hermann Ays

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Beschreibung

Der hl. Fridolin, vermutlich ein Sohn des irischen Königs Loegaire mac Neill und Enkel des Begründers der irischen Königsdynastie mac Neill, König Niall Noigiallach lebte und dachte in den keltischen Traditionen Irlands, hatte die besten Schulen seiner Zeit besucht und wirkte im Reich der Franken. Hoch gebildet und ein großer Redner hatte er zu den wichtigen Herrschern seiner Zeit Kontakt. Manches bleibt Spekulation, bedingt durch den langen Zeitraum, der seit dem Leben des hl. Fridolin vergangen ist und bleibt im Ungefähren, wenn auch versucht wurde, Hinweise zu konkretisieren, beziehungsweise von den allgemeinen Verhältnissen der damaligen Zeit her zu begründen. Die Kenntnis über das Leben des hl. Fridolin verdanken wir dem Säckinger Mönch Balther, denn durch die Verwüstung von Säkkingen durch die Ungarn im Jahre 938 ist jeder schriftliche Bericht verloren gegangen. Balther hatte im Kloster Eller, das Fridolin gegründet hatte, einen Bericht über das Leben und Wirken des hl. Fridolin gefunden.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Das Buch

Vieles bleibt Spekulation, bedingt durch den langen Zeitraum, der seit dem Leben hl. Fridolins vergangen ist, bleibt im Ungefähren, wenn auch versucht wurde, Hinweise zu konkretisieren, beziehungsweise von den allgemeinen Verhältnissen der damaligen Zeit her abzuleiten.

Die Kenntnis über das Leben des hl. Fridolin verdanken wir dem Säckinger Mönch Balther, denn durch die Verwüstung Säckingens durch die Ungarn im Jahre 938 war hier jeder schriftliche Bericht über den hl. Fridolin verloren gegangen. Balther hatte eine Handschrift über das Leben und das Wirken des hl. Fridolin in dem Kloster Eller (Helera) an der Mosel, das von Fridolin gegründet worden war, gefunden. Da er dieses Dokument weder mitnehmen noch abschreiben konnte, lernte er den Inhalt auswendig.

Wieder zurück in Säckingen schrieb er den Bericht auf und ergänzte ihn durch die in Säckingen und Umgebung noch vorhandene mündliche Überlieferung. Er unterschied allerdings genau zwischen dem Bericht aus dem Kloster Eller und der örtlichen Überlieferung.

Der Autor

Hermann Ays, geboren und aufgewachsen in Baden, fuhr ein Vierteljahrhundert zur See. 1991 ging er in Spanien an Land und lebt seit 2010 als Rentner in Hamburg.

Martina für ihren Einsatz als Lektorin gewidmet.

Inhalt

Einleitung

1.Kapitel

Herkunft und Jugend Fridolins. Ein kurzer Abriss der Geschichte Irlands und der Verhältnisse dort zur Zeit des hl. Fridolin (464 – 538)

2. Kapitel

Fridolin in Frankreich und seine Suche nach der Rheininsel

3. Kapitel

Fridolin erreicht die Rheininsel und sein Aufenthalt in Säckingen bis zu seinem Tod

4. Kapitel

Wunder bei seinem Grab, Reliquien des hl. Fridolin und ihr Verbleib, Christen in Irland/die keltische Kirche

5. Kapitel

Das Missionsgebiet des hl. Fridolin und seiner Mitbrüder,wichtige Entwicklungen und Ereignisse in der Kirche

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Personenregister

Ortsregister

Einleitung / Vorwort

Der hl.Fridolin war nicht nur ein frommer Heiliger, sondern auch ein Mensch von ungewöhnlicher Tatkraft. Hoch gebildet, ein großer Redner und sich seiner hohen Herkunft bewusst, hatte er zu den wichtigen Herrschern seiner Zeit guten Kontakt. Er könnte ein Sohn des irischen Großkönigs Leogaire, des Sohnes und Nachfolgers des Königs Niall Noigiallach, des Begründers der irischen Königsdynastie der Ui Niall gewesen sein.

Auch eine uralte, irische Sage, die Rudolf Thurneysen überliefert hat, könnte auf das Wirken Fridolins in Irland spiegeln.

Vieles bleibt Spekulation, bedingt durch den langen Zeitraum, der seit dem Leben des hl. Fridolin vergangen ist, bleibt im Ungefähren, im Nebel der Vergangenheit, wenn auch versucht wurde, Hinweise zu konkretisieren, beziehungsweise von den bekannten allgemeinen Verhältnissen der damaligen Zeit her, zu begründen.

Die Geschichte des hl. Fridolin fand der Mönch Balther, gestorben 986, in dem Kloster Helara, denn der schriftliche Bericht über das Leben des hl. Fridolin war in Säckingen durch kriegerische Ereignisse Anfang des 10. Jahrhunderts verloren gegangen.

In seinem Vorwort zur Vita des hl. Fridolin berichtet Balter einiges über seine eigene Herkunft. Er war demnach ein Höriger (Leibeigener) des Klosters Säckingen und besuchte die Schule in St. Gallen. Diese Schule war eigentlich nur für die Söhne der Adligen gedacht und für einen Hörigen unerschwinglich. Schüler, die das Schulgeld nicht aufbringen konnten, mussten ihren Lebensunterhalt durch Arbeit bestreiten. So auch Balther. Nach der Schulzeit wanderte er vier Jahre als ‚fahrender Mönch’ durch das heutige Frankreich.

Unterwegs machte er Station in dem Kloster Helara. Hier zeigte man ihm zwei Bücher mit den Vitae des hl. Fridolin und des hl. Hilarius. Da aber Pergament und Tinte im Kloster nicht zu bekommen waren, lernte er den Text auswendig und schrieb ihn später in Säckingen aus dem Gedächtnis auf. Balther unterschied in seinem Bericht zwischen dem Text aus dem Kloster Helara (Eller) und der in Säckingen noch vorhandenen Überlieferung.

Für die Annahme, dass Säckingen ursprünglich eine keltische Siedlung gewesen ist, die zur Zeit der römischen Herrschaft einen lateinischen Namen erhielt, gibt es zahlreiche Anhaltspunkte.

Der Ort ist dann aber in den Wirren der Zeit, untergegangen.Vermutlich hat das schwere Erdbeben von 250 n.Chr. ihm den Rest gegeben.Auf jeden Fall berichtet die Überlieferung, dass Säckingen häufig im Zentrum kriegerischer Verwicklungen gestanden hat.

Zum anderen wird der Name der Säckinger Insel mit Gallinaria überliefert. Trifft dies zu, bedeutet das, dass der hl.Martin sich eine Zeit lang auf der Säckinger Insel aufgehalten hat.

Die Grundlagen dieses Buches sind das von Pfarrer Joseph Schuler verfasste Werk „Sankt Fridolin – Sein Leben und seine Verehrung“, erschienen 1904 im Verlag von Hermann Stratz in Säckingen, das von der Historikerin Margrit Koch veröffentlichte Buch „Sankt Fridolin und sein Biograph Balther“ und andere.

Die Berichte über die Orte mit einem Bezug zum hl. Fridolin und das Brauchtum um ihn datieren alle aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seitdem haben zwei Weltkriege stattgefunden, Elsass und Oberrheintal waren Kampfgebiet und da sind möglicherweise das eine oder andere Bauwerk, das einen Bezug zu dem hl. Fridolin hatte, verschwunden.

Auch von dem mit dem hl. Fridolin zusammen hängenden Brauchtum mag so manches vergessen sein.

Hamburg 2011

Hermann Ays

1. Kapitel

Herkunft und Jugend Fridolins. Ein kurzer Abriss der Geschichte Irlands und der Verhältnisse dort zur Zeit des heiligen Fridolin (464 – 538)

Der hl. Fridolin lebte und dachte in der keltischen Tradition Irlands, hatte die besten Schulen seiner Zeit besucht und wirkte später im Reich der Franken. Hochgebildet und ein großer Redner, hatte er zu den wichtigen Herrschern seiner Zeit guten Kontakt. Er könnte ein Sohn des irischen Königs Loegaire mac Neill, des Sohnes und Nachfolgers des Königs Niall Noigiallach, des Begründers der irischen Königsdynastie der Ui Niall gewesen sein. 1

Dafür spricht nicht nur die Überlieferung, sondern sein ganzes Verhalten. Souverän ging er mit den Vornehmsten seiner Zeit um und wurde von diesen auch anerkannt.

Fridolin erscheint auch unter folgenden Namen:

Fridoldus (Handschrift Kloster Eller), Fridelinus, Firdolinus, Tridolinus, Tredelinus, Tudelinus, Friedhold, Friedenreich.

Fridolins Abstammung

Fridolin wurde wahrscheinlich 464 als Sohn reicher Eltern aus höchstem Adel in Irland geboren. Seine Eltern waren Christen. Vermutlich stammte Fridolin aus der Gegend zwischen Armagh und Kildare. Sein Geburtsort lag eine Tagereise von der Küste entfernt. Armagh war ein Bischofssitz der römisch-katholischen, oder wie man damals sagte, athanasiaschen Kirche und in Kiladre lag das große, St. Brigida geweihte, Frauenkloster. Die Stadt Armagh liegt in der gleichnamigen Provinz im Nordosten Irlands in der Nähe des alten Emain Magach und Kildare in der Mitte Ostirlands.

In Irland hatte sich möglicherweise schon seit dem ersten Jahrhundert eine von Rom unabhängige, christliche Kirche, die keltische oder iro-schottische Kirche entwickelt.4 Fridolin gehörte aber zweifellos zur römischen Kirche.

Es ist anzunehmen, dass er nach dem Brauch der Zeit als Kleinkind an Zieheltern gegeben wurde und dort mit anderen Kindern in der fremden Familie aufwuchs. Dabei hat es sich sicher um eine christliche Familie gehandelt, in der er christlich geprägt wurde.

Dieser alte Brauch war bei den keltischen Iren und Britonen weit verbreitet - sicher nur bei den Familien der oberen Gesellschaftsschichten. Der Brauch führte dazu, dass die Beziehungen zwischen den Zieheltern und den sogenannten ‚Milchgeschwistern’ in der Regel viel intensiver waren, als die zu den leiblichen Eltern und Geschwistern.5

Vieles deutet darauf hin, dass Fridolin aus dem Geschlechte der ‚Ui Néill’, der irischen Königsdynastie stammte. Deren Gründer Niall Noigiallach, der Großkönig von Irland hatte acht Söhne. Ihm folgte sein Sohn Lóegaire mac Néill nach, der die Verbreitung des römischen Christentums unterstützte.

Diese Abstammung würde einiges erklären, sein Ansehen, seinen Reichtum und natürlich seine Verwandtschaft mit den mächtigsten Männern Irlands. Diese Herren schätzten sich glücklich mit Fridolin verwandt zu sein, denn sie glaubten durch Fridolin die Gnade Gottes eher erhalten zu können.7

Für seine königliche Herkunft spricht auch die Tatsache, dass Fridolin offensichtlich hoch gebildet war und ohne Probleme mit den Mächtigsten seiner Zeit, zum Beispiel mit dem Frankenkönig Chlodwig I. umging; von ihnen gefördert und unterstützt wurde. Vielleicht hatte er auch zu dem westgotischen König Alarich II. Kontakt, in dessen Einflussgebiet Poitiers noch zu der Zeit Fridolins gelegen hat.

Ein Zitat Balthers mag dies verdeutlichen:

„... dem Kindesalter entwachsen, widmete er sich dem Studium der Wissenschaften mit großem Eifer. In den Schulen wurde er mit allem bekannt, was damals zur weltlichen Bildung gehörte. Aber vor allem suchte er sich mit der höchsten Weisheit vertraut zu machen.“8

Fridolin besuchte die besten Schulen, denn nur dort wurde das Wissen seiner Zeit gelehrt. Sicher unterschieden sich diese Schulen nicht sehr von den Schulen der ‚filid’ (Priester, Dichter, Gelehrte) im vorchristlichen Irland, an denen der Nachwuchs des Adels und der ‚filid’ ausgebildet wurden. Und die irischen Schulen waren die anerkannt besten Schulen ihrer Zeit, ob nun christlich oder traditionell geprägt.

Noch Jahrhunderte später waren die Absolventen dieser Schulen als Missionare oder als Berater der Könige überall in Europa tätig. Man denke nur an Alkunin, den Freund und Berater Karls des Großen. Sie galten im damaligen Europa als die größten Graecisten ihrer Zeit, denn in Irland wurde seit Jahrhunderten die griechische Sprache gepflegt.9

Wie schon Caesar berichtete, benutzten die keltischen Druiden für profane Angelegenheiten die griechische Schrift, denn die Druiden waren nicht nur Gelehrte und Priester, sondern sie organisierten auch die Verwaltung und den Handel.10

Hinzu kommt noch, dass wie einem Bericht über die wichtigen Feste in Tara entnommen werden kann, die immer mit großen Märkten und allerlei Wettbewerben wie Pferderennen verbunden waren, auch viele griechische Händler dort ihre Waren anboten. Diese handelten mit Waren des gehobenen Bedarfs, wie wertvollen Textilien, Schmuck und keramischen und metallischen Erzeugnissen. Sicher handelten sie auch mit Wein und Sklaven, den traditionellen Handelsgütern bei den festländischen Kelten.11

Doch zurück zu Fridolin. Zu seiner Verwandtschaft gehörten zahlreiche, mächtige Vettern. Das ließe sich durch die Tatsache erklären, dass Leògaire mac Niall sieben Brüder hatte, von denen drei Unterkönigreiche in Nordirland anführten. Deren Nachkommen wären dann die Vettern von Fridolin gewesen.

Ein weiteres Zitat würde dazu passen:

„Zu seinen Verwandten zählte Fridolin die Mächtigsten seines Landes, die sich glücklich schätzten, einen Mann von so heiligmäßigem Wandel, wie Fridolin, ihren Vetter nennen zu dürfen. Sie hielten dieses für eine große Ehre, aber auch für einen schätzenswerten Vorteil, indem sie durch die Verdienste Fridolins Gottes Gnade um so sicherer zu erlangen hofften.“12

Eine typisch keltische Vorstellung. Für seine Verwandten war Fridolin eine Art Druide, wie sie es aus ihrer alten Kultur kannten. Der Druide stellte für den König die Verbindung mit der ‚anderen Welt’ und deren Göttern und Geistern her. Er sprach die Sprache der Götter. Dass in der ‚anderen Welt’ seit der zunehmenden Verbreitung des Christentums nur ein Gott herrschte, änderte an ihrer grundsätzlichen Einstellung zur jenseitigen Welt wohl nichts.

Auch war sich Fridolin seiner Herkunft durchaus bewusst, wie ein weiteres Zitat Balthers / J.Schuler nahe legt: „Fridolin suchte aber von Jugend auf den Adel seiner Geburt durch den Adel der Tugend zu erhöhen und schmückte sein Leben sorgfältig mit guten Werken.“

„... er (Fridolin) übertraf die meisten seiner Landsleute an Reichtum .... war nicht sparsam mit seinen Geschenken und Gaben. Den Reichen reichte er kostbare Geschenke, um den Neid in ihren Herzen zu ersticken und sie anzuleiten, die Habsucht durch Freigiebigkeit zu bekämpfen und zu unterdrücken. ...

Die Armen erfreute er täglich mit reichem Almosen. Er wollte ihre Not lindern und sie zufriedener mit ihrem Schicksale machen. Sein Almosen gab er freudig und gerne, nicht mit Traurigkeit oder aus Zwang, denn er wusste einen freudigen Geber liebt Gott.“13

Älter geworden fühlte Fridolin sich zum Priester berufen. Er entsagte den weltlichen Vergnügungen und widmete sich ganz der christlichen Lebensweise. Er ließ sich zum Priester ausbilden und empfing die Priesterweihe.

Ein weiteres Zitat Balthers / J.Schuler beleuchtet das Wirken Fridolins als Priester: „Nachdem er Priester geworden, widmete er sich mit apostolischem Eifer dem Predigeramte; er durchzog seine Heimat und die angrenzenden Gegenden und befestigte und bestärkte überall die Gläubigen im christlichen Glauben.

Doch er übernahm dieses Amt nicht aus eigener Anmaßung, sondern nur mit der Zustimmung der zuständigen kirchlichen Obrigkeit ....“14

Das könnte bedeuten:

Fridolin besuchte ursprünglich eine nicht unbedingt christlich geprägte Schule. Erst älter geworden (als Erwachsener?) fühlte er sich zum Priester berufen.

Fridolin missionierte nicht, sondern predigte in der ganzen Umgebung christlichen Einwohnern das Evangelium. Vermutlich predigte er den Anhängern der keltischen Kirche, die Rom gemäße Richtung des christlichen Glaubens, und er wandte sich sicher auch gegen die Irrlehre des Pelagianismus.

Fridolin predigte im Auftrag seiner kirchlichen Obrigkeit. Das ist ein klarer Hinweis auf die Einbindung Fridolins in eine Hierarchie. Dabei kann es sich nicht um die ‚keltische Kirche’, sondern nur um die römisch-katholische Kirche gehandelt haben, denn in der ‚keltischen Kirche’ waren übergeordnete Strukturen wie Bistümer mit einem Bischof als Vorgesetzten der Priester und Laien unbekannt.

Es muss sich um ein Bistum des Palladius oder eines seiner Nachfolger gehandelt haben, den Papst Coelestin I. 431 als Bischof nach Irland geschickt hatte. 15Vermutlich hat es in der Gegend von Tara viele „auf keltische Art“ getaufte Christen gegeben, „Schäfchen“ die aus Sicht Papst Coelestins I. wieder zurück in den Schoß der katholischen Kirche geführt werden mussten. Hinzu kommt, dass es aus Sicht des römischen Papstes erfolgversprechender war, zu versuchen, die Anhänger der ‚keltischen Kirche’ für die katholische Kirche zu gewinnen, als Ähnliches mit den Arianern zu versuchen. Außerdem hatte er die Unterstützung des irischen Großkönigs Lóegaire mac Néill, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Eine weitere Erklärung für seinen Erfolg ist sicher seine prominente Herkunft. Durch den Nimbus der Priesterkönige von Tara, den er als Mitglied der königlichen Familie besaß, stand er bei den irischen Völkern und Stämmen in großem Ansehen.

Wie es in den irischen Sagen anklingt, hatte es in Irland in vergangenen Zeiten eine Art Priesterkönigtum gegeben. Namentlich im Zusammenhang mit der Pferdegöttin ‚Epona’ wird dies deutlich. Dabei handelt es sich um eine Spur in uralte Vorzeit vor der Einwanderung der Indoeuropäer.

16

Fridolins Erfolg wurde sicher durch die sprichwörtliche Begeis-terungsfähigkeit der Kelten, von der auch eine ganze Reihe von antiken Autoren aus den verschiedensten Jahrhunderten berichten, verstärkt. Unter anderen bezieht sich der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater auf diese Tatsache. 17

Der hl. Fridolin war als Prediger hoch angesehen.

Der Mönch Balther geht in seinem Bericht noch weiter auf den außergewöhnlichen Erfolg Fridolins ein, wie das folgende Zitat zeigt: „Durch seine unermüdliche Tätigkeit und großen Erfolge seiner Predigten gewann Fridolinus die Hochachtung aller, ja man ehrte ihn nicht mehr wie einen einfachen Priester, sondern zeichnete ihn aus, wie einen Bischof.“

Vielleicht sollen diese Worte Balthers andeuten, dass man ihn zum Bischof wählen wollte. Aber Fridolin fühlte sich eher zur Armut berufen, denn zu irgendwelchen höheren Ämtern und verteilte seinen großen Besitz. Einen Teil seines Vermögens gab er seinen Verwandten, den Rest an Arme, Witwen und Waisen und an Ordensleute beiderlei Geschlechts. Völlig mittellos zog er sich ganz in das klösterliche Leben zurück und wurde Mönch.18

Um diese Zeit gab Fridolin die Absicht bekannt, seine Heimat zu verlassen. Er fühlte sich nämlich von Gott dazu berufen, einen fernen Ort aufzusuchen, um dort das Wort Gottes zu verkünden.

Der Professor der katholischen-theologischen Fakultät an der Universität Tübingen E.I. Hefele bringt in seinem Buch (1837) ein weiteres Motiv für Fridolins Wegzug aus Irland an.

Zitat:

„Da gewahrte Fridolin, anderen das Heil predigend, in sich selber einen Feind seines eigenen Heils. Der Kitzel der Ehre, die Lust an dem Lobe, die Freude am Ruhme waren seinem Herzen nicht völlig fremd geblieben und er sah sich auf dem Punkte, wo die Eitelkeit allen inneren Werth menschlicher Großtat im Marke vergiftet. Fridolin floh, verließ die Stätte seines Ruhmes, floh hinüber nach Gallien ...“19

Als sein Entschluss bekannt wurde, dass er als Missionar außerhalb Irlands tätig werden wollte, entstand allgemeine Bestürzung und Trauer.

Es trauerten die Bischöfe und Priester, weil sie den erfolgreichen Prediger vermissten, denn er war durch sein apostolisches Wort eine feste Stütze des katholischen Christentums in diesem Teil Irlands geworden, und es trauerten die Fürsten, weil sie der Überzeugung waren, dass sie durch seinen Rat in weltlichen Angelegenheiten vor jeder Beleidigung der göttlichen Majestät bewahrt wurden und die Armen, weil sie ihren ‚Vater’ und Fürsprecher verloren. Es trauerte das ganze Volk und wollte den heiligen Mann nicht aus dem Lande ziehen lassen. Alles wurde versucht, ihn von seinem Entschlusse abzubringen, aber Fridolin blieb standhaft.20

Das Beispiel der Fürsten zeigt, wie sehr die Zeitgenossen Fridolins noch von keltischen Vorstellungen geprägt waren. Insofern kann man die Kelten als ein sehr frommes Volk bezeichnen, denn sie lebten immer in dem Bewusstsein, dass es gemäß ihrem Glauben eine ‚andere Welt gab’, mit vielen Wesen, Göttern und Feen, Fürsten und Mannschaften, deren Botschaften und Absichten der Priester kannte und interpretieren konnte. Ereignisse wurden in ihrer Welt auf das Wirken der Bewohner der ‚anderen Welt‘ zurückgeführt. Vernachlässigten sie ihre Götter, so mussten sie mit Vergeltung rechnen – im Gegensatz zu dem ‚Gott der Liebe‘ des Christentums. Es zeigt auch, wie fest die alten Vorstellungen, dem neuen Glauben zum Trotz, noch in den Menschen verankert waren.

Das trifft auch für einige der heute lebenden Iren zu. Mancher Volksbrauch und Aberglaube ist nichts anderes als ein Rest der keltischen Religion, verbrämt mit christlichen Vorstellungen und mit Heiligen, denen man anmerkt, dass es sich dabei ursprünglich um Bewohner der ‚anderen Welt’ handelt, denen man ein christliches ‚Outfit’ verpasst hat. Unter dem Mantel des Christentums rumoren sie noch, die alten Gottheiten ...

Eine weitere Spur führt möglicherweise zu dem historischen Fridolin. In den irischen Sagen gibt es in der von Rudolf Thurneysen überlieferten Version der St. Brendan Sage eine Gestalt, die auf den historischen Fridolin zurück gehen könnte.

Es ist die Sage von St. Brendan, dem Seefahrer, die im Mittelalter in ganz Europa verbreitet war. Als der Autor der verbreitetsten Version der St. Brendan Sage, der ‚Navigatio Brendani’, gilt der Dichter und Abt-Bischof von Kerry, St. Brendan, der von 484 bis 578 lebte. Diese Sage wurde gegen 900, vielleicht auch schon im 8.Jahrhundert, schriftlich fixiert.

Bei der von R.Thurneysen überlieferten Version der Sage des St. Brendan handelt es sich offensichtlich um eine sehr alte Version, in die viele noch ältere Sagenmotive verwoben sind. Ein Zitat mag das verdeutlichen.

Die Sage beginnt mit den Sätzen:

„Die zwölf Apostel Irlands waren in Clonard (Kloster) in der Lehre bei Finden (der selige Finian, Bischof und Abt des Klosters Clonard), da bereitete Finden den Aposteln und übrigen Heiligen Irlands ein Gelage. Wie sie am schönsten beim gemeinsamen Trunke des Gelages waren, sahen sie eine gewaltige Blume ohnegleichen als (Zeichen?) des Landes der Verheißung zu ihnen kommen. Da wuchs nun in ihnen der Drang und der Entschluss zu gehen, das Land der Blume zu suchen. “

Um es klar zu stellen, das Gelage fand in einem christlichen Kloster unter heiligen Mönchen statt. Und die ‚Blume des Landes der Verheißung’ ist nichts anderes als die ‚Blume der Unsterblichkeit’, die in manchen keltischen Sagen von den Helden gesucht wird – ein weit in die Vergangenheit der keltischen Iren weisendes Symbol. Auch der Begriff des „glänzenden Gott“ erinnert an eine keltische Gottheit, „Bel“ oder „Belenos“ – „Der Strahlende“.21

Die ganze Sage kann ihren keltischen Ursprung nicht verleugnen.

Die Seefahrtsgeschichte des Hl. Brendan ist nur die letzte Ausformung einer alten Sagengeschichte, die sicher auf eine oder sogar regelmäßige Fahrten über den Atlantik in alter Zeit zurückgeht.

Auch die Personen der zwei Brendans (Brenainn) in der Sage haben vermutlich historische Vorbilder. Die Brendans werden in der Sage durch ihr Alter und ihre Beinamen gekennzeichnet. Der ältere Brendan von Birr trägt den Beinamen ‚Siegeskraft des Herrschaftstums’. Dieser Beiname könnte die Zugehörigkeit Brendans des Älteren zu der herrschenden Sippe der Ui Neill, der Großkönige Irlands andeuten,

Die Person des zweiten Brendan mit dem Beinamen ‚der Seefahrer‘ ist genauer bekannt. Nach Ansicht der Wissenschaft handelt es sich bei ihm um den Dichter und Abt/Bischof von Kerry, St.Brendan (484 - 578), der heute als der Autor der Sage ‚Navigatio Brendani’, der letzten Version der alten Seefahrergeschichte gilt. Ihm werden eine große Wirkung auf seine Landsleute und zahlreiche Klostergründungen in Irland, darunter das Kloster Clonfert, aber auch in Wales und in der Bretagne zugeschrieben.

Dieser Brendan stammte aus dem Geschlecht des Königs Fergus Mac Roich, des Königs von Ulster, der später als König Fergus I. in Westschottland amtierte. Fergus I., ein Enkel des Ui Neill starb 501, und sein Enkel Conranus herrschte ab 533 als König im südwestlichen Teil Schottlands.

Die beiden Brendans wären somit beide Mitglieder des mächtigen Clans der Ui Neill gewesen. Bei dem älteren Brendan von Birr könnte es sich um Fridolin handeln.

Einige Hinweise legen diesen Schluss nahe.

Da ist zum ersten die ähnliche Reaktion der Gefährten Brendans/Fridolins auf die Nachricht, dass er sie verlassen müsste und das große Ansehen, das er allgemein genoss.

Zitat für Brendan von Birr:

„Da versanken nun alle Heiligen Irlands in Schweigen und Sorge, weil es sie bekümmerte, dass es dem Senior, das heißt dem Ältesten der Heiligen Irlands und dem Weisen der Wahrsagung, zufiel, in den Schlund des Meeres und der großen See zu gehen.“

„Schwer war für die Leute der würdigen Versammlung mit den schönen Trinkhörnern des Festmahls das Zusammentreffen ihres heilen Weisen und ihres Seniors mit dem Tritt des Meeres.“

Nach diesem letzten Zitat wird Brendan von Birr in der Sage nicht mehr erwähnt. Seine Aufgabe, das Land der Verheißung zu suchen, übernimmt Brendan, der Seefahrer.

Möglicherweise spiegelt die Figur des Brandon von Birr nur die überraschende Abfahrt des hoch angesehenen Predigers aus königlichem Geschlecht zu neuen Gestaden, denn auch die Abreise Fridolins schlägt nach dem Bericht des Mönches Balther bei seinen zahlreichen Anhängern wie eine Bombe ein.

Ebenso weist die Bemerkung, dass manche Conranus, den König von Schottland, für den Vater Fridolins hielten, auf Brendan hin. Conranus, der Enkel von König Fergus I. war König von Argyll in Westschottland. St. Brendan, der Seefahrer, stammte aus dem Geschlecht des Königs Fergus I.

Vermutlich hat ein Autor die beiden Brendan verwechselt und Brendan von Birr irrtümlich der Sippe des Fergus zugeordnet.

Außerdem hatte Fridolin vor seiner Abreise sein Vermögen verschenkt und war in vollkommener Armut in ein Kloster eingetreten, eine weitere Übereinstimmung mit Brendan von Birr. Auch war Fridolin, geboren 464 deutlich älter als Brendan, der Seefahrer, geboren 484.

Ferner ist die Bemerkung, St. Brendan, der Seefahrer, hätte Klöster in Wales und in der Bretagne gegründet, möglicherweise auch auf eine Verwechslung zurückzuführen. Es liegt näher, dass Brendan/Fridolin die Klöster auf seiner Reise selbst gegründet hat, wie er es im Reich der Franken, in Alemannien und in Rhaetien wiederholt getan hat.

Gut, diese ganzen Bemerkungen sind kein Beweis dafür, dass Brendan von Birr mit Fridolin identisch ist, aber sie sind doch gewichtige Hinweise, die diese Möglichkeit wahrscheinlich machen, vor allem vor dem Hintergrund der vielen Einzelheiten, die trotz der lange vergangenen Zeit an uns heutige überkommen sind.22

Doch weiter zu Fridolin.

Bei seiner Abreise wurde er von seinen Verwandten und zahlreichen Anhängern begleitet. Des öfteren hielt Fridolin inne, stützte sich auf seinen Wanderstab und tröstete die weinende Menge.

Er sprach zu ihnen (ein Zitat Schuler / Balther):

„Meine theuersten Freunde, Verwandte und Mitbürger! Ist es euch denn nicht bekannt, dass mich keine Ehre der Welt zurück halten darf von meiner Reise in fremdes Land, da der Himmel selbst sie mir aufgetragen?.Warum sucht ihr mich daran zu hindern, da doch die ganze Welt mich nicht abhalten kann, den Willen Gottes zu erfüllen?“