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Der Inspektor ist ein Unglücksrabe und tritt ständig zielsicher von einem Fettnäpfchen ins nächste. Deshalb wird er meist nur mit Fällen beauftragt, die kein anderer machen will. Dabei hält er sich für den besten Mitarbeiter und träumt von einem Orden, den er seiner Meinung nach schon lange verdient hat. Dieses Mal soll er den "Lautlosen Schleicher", einen gefährlichen Einbrecher, dingfest machen. Dazu muss er nach Mattiz fahren, einem Dorf, wo der Verbrecher lebt. Doch schon die Hinfahrt geht schief. Der Zug, mit dem der Inspektor und sein treuer Assistent Brummel unterwegs sind, verunglückt. Als der Inspektor im Krankenhaus erwacht, erfährt er zu seinem Schrecken, dass Brummel durchgedreht ist und ins bunte Haus eingesperrt wurde. Nun steht für den Inspektor nicht mehr die Verhaftung des Verbrechers an erster Stelle, sondern die Befreiung Brummels...
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Sylvi S.
Der Inspektor oder ein Fall mit Hindernissen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Impressum neobooks
DER INSPEKTOR ODER EIN FALL MIT HINDERNISSEN
Es war einmal ein Inspektor — und nein ihr lieben kleinen Leute, dies ist kein Märchen. Also, dieser Inspektor hatte eine lange Nase, meist keine Ahnung und zog das Schlamassel an wie das Eis die Kinder. Trotzdem war sein Chef froh, dass er ihn hatte. Denn immer, wenn es einen Fall gab, bei dem niemand weiterwusste, schickte man den Inspektor los. Na ja, manchmal war es auch nur, damit der Chef eine Weile Ruhe hatte. Der Inspektor konnte nämlich sehr anstrengend werden, wenn er zielsicher in jedes Fettnäpfchen trat oder damit nervte, dass er immer noch keinen Orden bekommen hatte.
Dies ist nun die Geschichte eines Falles, der den Inspektor an den Rand des Wahnsinns trieb. Aber hört selbst:
Der Wecker schrillte laut und hopste dabei fröhlich auf dem Nachtschränkchen hin und her.
Weniger glücklich dagegen war der Inspektor. Verständlich. Denn er hatte gerade von einem Orden geträumt, den ihn sein Chef Herr Dickmann um den Hals gehängt hatte. Anstatt des Ordens bekam der Inspektor nun eine Beule, als er erschrocken nach oben schnellte. Die Decke war über seinem Bett besonders niedrig. Das hatte man davon, wenn man direkt unter dem schrägen Dach wohnte.
“Das war schon meine 100ste Beule! Muss du immer so laut sein!” Schimpfte der Inspektor mit dem Wecker, der sofort stillhielt und keinen Mucks mehr von sich gab, als der wütende Mann mit der Hand auf ihn schlug.
Knurrend schlüpfte der müde Inspektor in seine süßen Flauschpantoffeln und schlürfte ins Nebenzimmer, um seinen Mitbewohner und Assistenten Brummel zu wecken. Dieser war jedoch aufgestanden und steckte sogar schon in seinen rotbraunen Anzug, den er besonders schick fand.
“Der Chef hat gerade angerufen. Er will uns sehen. Sofort! Scheint dringend zu sein.” Drängelte der kleine Mann mit dem schönen blauen Haar. (Sein Frisör hatte gemeint, das wäre modern und würde
ihm stehen. Und der musste es schließlich wissen.) So hatte der Inspektor nicht einmal Zeit für ein Frühstück. Aber ohne Frühstück konnte der Tag ja nur ein Reinfall werden. Wenn er gewusst hätte, was da auf ihn zukommt, hätte er seinen Wecker aus dem Fenster geworfen und wäre im Bett liegen geblieben. Da er aber keine Ahnung hatte, welche verrückten Abenteuer auf ihn warteten, begab er sich mit Brummel brav hinunter in das Büro seines Chefs.
Der dicke Herr Dickmann (der hieß wirklich so!) drehte sich dreimal in seinen breiten Sessel herum, bevor er sagte: “Ich habe eine neue Aufgabe für Sie. Sie werden nach Mattiz fahren und den Lautlosen Schleicher fangen. Dieser Verbrecher muss unbedingt hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Er hat schon über zwanzig Einbrüche begangen und die Menschen in Angst und Schrecken verjagt. Leider konnte ihn noch keiner festnehmen. Er wohnt in einem Haus mit einem großen Garten. Dort hat er Macht. Also müssen Sie ihn von da weglocken. Dann können Sie ihn verhaften und hierherbringen. Aber Achtung, er hat Metalllöwen im Garten. Stellen Sie sich das also nicht so einfach vor. Unser bester — ähm zweitbester Mann, Oberkommissar Schlaumeier ist schon kläglich daran gescheitert.”
“Kein Problem. Das schaffen wir, Dickerchen.” Rutsche dem Inspektor heraus. Er musste diesen Fall zur Zufriedenheit seines Chefs erledigen. Dann würde er endlich den Orden bekommen, von dem er schon so oft geträumt hatte. Im Moment erhielt er aber nur eine Kopfnuss, denn Herr Dickmann mochte es ganz und gar nicht, wenn man ihn mit Kosenamen wie “Dickerchen” ansprach.
“Der versteht überhaupt keinen Spaß!” Murmelte der Inspektor immer noch vor sich hin, als er wenig später mit Brummel zum Bahnhof ging. Aber den kleinen Mann im rotbraunen Anzug interessierte etwas ganz anderes.
“Herr Inspektor, wir haben gar keine Koffer. Ist das schlimm?”
“Nein, nein. Den Fall haben wir sowieso bald erledigt. Wir sind heute Abend wieder zurück. Da brauchen wir kein lästiges Gepäck. Stell dir vor, wir müssten das ständig mit uns herumschleppen. Wo kommen wir denn da hin? Jedenfalls nicht dem Verbrecher hinterher.” Antwortete der Inspektor, überzeugt davon, spätestens morgen früh zu einer feierlichen Ordensverleihung eingeladen zu werden. Es wäre doch gelacht, wenn er die Handschellen nicht bald um die Arbeitsgeräte des Lautlosen Schleichers legen könnte. Die Hände des Ganoven würden nicht mehr nach Sachen greifen können, die ihm nicht gehörten.
In diesem Moment schnaufte der Zug heran. Puff, machte die Lok und blieb genau vor dem Inspektor stehen. Er und sein Assistent stiegen ein und setzten sich neben eine alte Dame. Diese hatte einen bunten Hut auf, an dem lauter kitschige Blumen und Plastikvögel steckten. Wahrscheinlich war das der neueste Modeschrei aus Paris. Denn wenn man den Hut sah, musste man tatsächlich schreien.
Der Inspektor, dem das Schauen aus dem Fenster zu langweilig wurde, machte den Fehler, die alte Dame nach ihrem Namen zu fragen.
“Ich heiße Stumme, Heidelore Stumme.” Antworte sie. “Ich wohne in Nuddelsupp, dritte Straße links. Fünf Häuser weiter. Da, wo die Hollywoodschaukel steht und meist ein kleines Mädchen mit roten Schleifenbändern mit einem gelbblau gepunkteten Ball spielt. 7. Eingang, 25 Treppen hoch …”
“Ist ja gut!! So genau wollt ich es gar nicht wissen!” Genervt rollte der Inspektor die Augen. Am liebsten hätte er sich jetzt die Ohren zugehalten. Aber das würde ja ein bisschen kindisch aussehen.
“Ach, übrigens.” Plapperte Frau Stumme munter weiter, als ob sie gar nicht unterbrochen worden wäre. “Ich kann prima Geschichten erzählen. Am besten die von den Ameisen. Wollen Sie die einmal hören?” Sie wartete nicht einmal ab, bis der Inspektor den Mund öffnen könnte, sondern fing gleich an zu erzählen. “Also, da war einmal ein riesengroßer Getreidesack. Da kam eine Ameise und holte ein Getreidekorn, dann kam noch eine Ameise und holte ein Getreidekorn, dann kam die nächste Ameise …” So schnatterte sie und schnatterte sie. Die Zeit verging, und der Getreidesack war immer noch nicht leer.
Brummel war schon eingeschlafen. Nur der Inspektor konnte kein Auge zutun. Stattdessen bekam er furchtbare Kopfschmerzen. Er sah nur noch Ameisen in Gedanken. Sie huschten hin und her und machten ihn ganz schwindelig.
Ungefähr bei dem 300. Krabbeltier hupte der Zug laut.
“Oh, jetzt bin ich unterbrochen worden. Ich muss noch mal von vorn anfangen.” Ärgerte sich Frau Stumme. Doch bevor sie wieder bei der ersten Ameise beginnen konnte, unterbrach der Inspektor aufgeregt.
“Danke, das reicht. Ich kann mir schon vorstellen, wie die Geschichte weitergeht.”
Oma Stumme vergiftete den Inspektor mit ihrem Blick. “Was fällt Ihnen ein, Sie unhöflicher Klotz! Erst wollen Sie meine Geschichte hören, und dann darf ich sie nicht mal bis zum Schluss erzählen!” Ihr Geschimpfe wurde nur unterbrochen, als ihr Koffer von der Ablage fiel. Leider war der Kopf des Inspektors im Weg. Mit einem Schmerzensschrei fiel der Mann um und warf dabei gleich seinen schlafenden Assistenten von der Sitzbank.
Als er die Augen wieder öffnete, lag der Inspektor im Krankenhaus.
“Hallo! Da sind Sie ja wieder!” Freute sich der Arzt, der an seinem Bett stand mit einer riesengroßen Spritze in der Hand.
“Wo ist Brummel?” Fragend schaute der Inspektor auf das leere Bett neben sich.
“Brummel? Ist das der mit der schlimmen Kopfverletzung? Der ist vor einer Stunde ins bunte Haus von Beulenfeld eingeliefert worden. Ihm war nicht mehr zu helfen. Er ist völlig durchgedreht.”
“Was?” Erschrocken sprang der Inspektor in die Höhe. Er musste seinem Assistenten helfen. Denn wenn man einmal im bunten Haus eingesperrt war, kam man da nicht mehr so schnell heraus.
“Nichts da! Sie sind noch nicht gesund!” Schimpfte der Arzt und drückte ihm die Beruhigungsspritze in den Arm. Daraufhin wurde der Inspektor so ruhig, dass er gleich wieder einschlief.
