Eine Hochzeit und zwei Bräute - Sylvi S. - E-Book

Eine Hochzeit und zwei Bräute E-Book

Sylvi S.

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Beschreibung

Susann führt mit ihrem Freund Mark eine Fernbeziehung. Glaubt sie zumindest. Bis sie in der Zeitung von der bevorstehenden Hochzeit ihres Liebsten mit einer anderen liest. Außer sich vor Eifersucht begibt sie sich von Berlin auf den Weg in ihr altes Heimatdorf. Mit auf die Reise nimmt sie einen perfekt ausgearbeiteten Schlachtplan, wie sie Mark zurückerobern und aus den Klauen dieser Angie befreien kann. Doch leider funktioniert nichts so, wie sie es sich vorgestellt hat. Angie entpuppt sich als perfektes Weibchen, das nicht nur Mark auf seine Seite gezogen hat. Alles scheint gegen Susann zu sprechen. Aber sie gibt nicht auf. Wird es ihr gelingen, die Hochzeit zu verhindern und Mark zur Vernunft zu bringen? Ein unterhaltsamer Kurzroman über die Irrungen und Wirrungen der Liebe.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Sylvi S.

Eine Hochzeit und zwei Bräute

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

Teil 8

Teil 9

Teil 10

Impressum neobooks

Prolog

Es war ein typischer Samstagvormittag. Nun gut, ganz so ruhig wie üblich, verlief er dann doch nicht. Daran erinnerte Susann ihr Puls, der sich nur langsam beruhigte. Auch das aufgeregte Organ in ihrer Brust nahm nur widerwillig seinen gewohnten Rhythmus an. Der Schreck hatte bei ihr tatsächlich mehr Spuren hinterlassen als eine fette Spinne an der Wand.

Der halbhysterische Anruf ihrer besten Freundin Nadine, sich SOFORT den Anzeigenteil des “Dorfjournals” zu besorgen und ihn genau zu inspizieren, hatte ihr nicht nur zitternde Hände, sondern beinahe auch einen Herzinfarkt beschert und somit ihren gewohnt entspannten Tagesrhythmus gehörig durcheinandergewirbelt.

Es war kein Problem gewesen, selbst dieses Käseblatt in Berlin aufzutreiben. Im Kiosk um die Ecke gab es nichts, was es nicht gab. Man konnte bei Dimitri sogar eine Zeitung aus Humbuktu-West bestellen und würde sie spätestens am nächsten Tag geliefert bekommen. Das Geheimnis, wie dies möglich war, verriet der windige Geschäftsmann freilich nicht.

Auf dem Nachhauseweg hatte Susann ihren dünnen Lesestoff bereits hastig durchgeblättert, ohne etwas Besonderes zu entdecken. Nun saß sie an dem kleinen Küchentisch ihres Ein-Zimmer-Apartments und durchforstete die Todesanzeigen. So aufgewühlt, wie Nadine geklungen hatte, konnte es sich nur um eine tragische Nachricht handeln.

Aber so sehr sie ihre Augen auch anstrengte, ihr fiel kein Name auf, weder der eines Freundes noch der eines Familienmitgliedes oder gar des geliebten Mannes. Dabei hatten sich in den letzten Wochen erstaunlich viele Menschen in ihrem Heimatdorf für immer verabschiedet. Aber die “Hochsaison” war an ihrem Bekanntenkreis zum Glück vorbeigegangen. Doch wenn es nicht die Todesanzeigen waren, was war es dann?

Susann riskierte einen Blick in die Stelleninserate. Seitdem sich ihr Freund mit seiner Firma für Webentwicklung selbstständig gemacht hatte, war er ständig auf der Suche nach professioneller Unterstützung. Aber warum sollte diese Tatsache Nadine so aus der Fassung bringen? Es sei denn, Mark hätte öffentlich eine halbnackte Mitarbeiterin für den Kundenempfang gesucht.

Okay, das hätte ihre beste Freundin normalerweise auch nicht in einen Schockzustand versetzt. Da hatte sich Mark mit seinen seltsamen Ideen und unkonventionellen Methoden, Erfolg zu haben, bereits weitaus Schlimmeres geleistet. Um Nadine aus der Ruhe zu bringen, hätte er schon ein Pferd hinter den Empfangstresen stellen müssen.

Der Gedanke verleitete Susann dazu, gleich mal im “Tiermarkt” nachzuschauen. Aber auch in Verbindung mit den Vierbeinern tauchte kein bekannter Name auf. Da blieben eigentlich nur noch die Rubriken “Dies und das” sowie “Einsames Herz sucht”. Letzteres konnte sie getrost vergessen. Mark würde wohl kaum eine Heiratsannonce aufgeben.

Über diese Vorstellung musste sich die Blondine köstlich amüsieren. Ihr Freund hatte schon immer eine Abneigung gegen den „Bund des Lebens“ gehabt. Obwohl sie es gerne gewollt hatte, hatte sie es zunächst nicht geschafft, ihn auch nur am Rathaus vorbeigehen zu lassen. Und als sie ihn dann doch soweit hatte, hatte sie selbst kalte Füße bekommen und einen Rückzieher gemacht. Daraufhin war er zu der Erkenntnis gekommen, dass es ein Wink des Schicksals war, dem Standesamt für immer fernzubleiben. Die Vorstellung, dass er es sich jetzt anders überlegt hatte, war einfach nur zum Lachen. Doch dieses Lachen blieb ihr kurz darauf im Halse stecken. Genau zwischen “Dies und Das” und dem “Einsamen Herzen” entdeckte sie sie: Die Anzeige, in der Mark vorkam. Und leider nicht nur der.

Neben dem vertrauten Namen und einem kleinen Bild befanden sich ein fremder Name und das Foto eines unbekannten Gesichts. Das Herz, das um Beide geschlungen war, störte den Gesamteindruck gewaltig.

Die Herzrhythmusstörungen meldeten sich voller Wucht zurück, als sie schließlich den Text darunter las:

“Ihre bevorstehende Hochzeit am 21. September geben bekannt: Mark Grunert und Angie Marie Klosterfrau.”

Wer zum Teufel war diese Schnepfe mit dem bescheuerten Namen? Und warum wagte sie es, IHREN Mark heiraten zu wollen? Wie konnte ihr Freund ihr das überhaupt antun?

Susann knallte mit Schwung die Zeitung zu. Da hatte sie auch noch ein Wörtchen mitzureden. Aber ein Gewaltiges! Gut, Mark und sie hatten sich seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, obwohl sie sich geschworen hatten, dass sie eine Fernbeziehung lockern meistern würden. Es sollte ihnen nicht zum Verhängnis werden, dass sie ihrer Karriere wegen nach Berlin gezogen war. Hier, in der weltoffenen Stadt, würde sie es einfacher haben, sich als Künstlerin zu etablieren und groß rauszukommen. In ihrem verschlafenen Heimatkaff wäre sie dagegen beruflich keinen Schritt weitergekommen.

Mark hatte ihren Lebenstraum unterstützt und versprochen, immer zu ihr zu halten. Und doch war es passiert: Ihr Kontakt war irgendwann eingeschlafen. Dennoch hatten sie nie ausdrücklich ihre Beziehung beendet. Susann war immer noch der Meinung, dass sie zusammen waren, sich nur ein wenig mehr Freiraum und Selbstverwirklichung gegönnt hatten. Offenbar hatte Mark diese Gelegenheit gleich genutzt, um sich eine andere an Land zu ziehen und eine Dummheit zu begehen. Dieser Mistkerl!

Es wurde Zeit, ein paar Dinge klarzustellen und Mister Grunert darüber aufzuklären, dass SIE immer noch die Frau an seiner Seite war! Was auch immer in der Zwischenzeit geschehen war, es konnte nicht mit rechten Dingen zugegangen sein! Aber sie würde die Wahrheit schon ins Licht ziehen.

Ohne zu zögern, suchte Susann den nächsten Zug heraus, der sie in ihr Heimatdorf bringen würde und warf schnell ein paar Sachen in den Koffer. Es wäre doch gelacht, wenn sie diese Hochzeit nicht verhindern konnte!

Teil 1

Noch bevor sie das trostlos wirkende Bahnhofsgelände verlassen hatte, war Susann schon völlig entnervt. Ihr Agent hatte so gar kein Verständnis für ihre übereilte Abreise gehabt und nutzte ihr Handy nun als eine Art Sorgentelefon. Er jammerte ihr ununterbrochen die Ohren voll, dass sie ihm das nicht antun konnte, die Stadt ausgerechnet jetzt zu verlassen. Er stand kurz vor einer mittelschweren Panikattacke, weil er mehrere Shows organisiert hatte, die die Anwesenheit der Künstlerin erforderlich machten. Aber darauf konnte Susann keine Rücksicht nehmen. Sie hatte im letzten halben Jahr so viel erreicht und große Erfolge eingefahren, dass sie sich auf der sicheren Seite fühlte. Man würde sie bestimmt nicht in die Wüste schicken.

In Berlin würde man schon ohne sie klarkommen und ihre Karriere am Laufen erhalten. Ob sie die Besucher ihrer Ausstellungen nun persönlich vollschleimte oder sich würdig von ihrem Agenten vertreten ließ, kam auf dasselbe heraus: Lange würden die Wände der Galerien nicht voll bleiben.

Mittlerweile hatte Susann ohnehin das Gefühl, dass ihr Charme mehr Eindruck schindete als ihre Bilder selbst. Zumindest war das bei den männlichen Kunstliebhabern der Fall. Es war kein bemitleidenswerter Größenwahn zu behaupten, dass sie in der Kunstszene begehrt war. Manchmal war es schon zu viel des Guten, und sie hetzte von Termin zu Termin. Ja, beruflich hatte sie es geschafft, wenn vielleicht auch nicht aus den Gründen, die sie sich erhofft hatte. Leider war das Glück im Privatleben dabei auf der Strecke geblieben.

Aber noch war es nicht zu spät. Es war einfach an der Zeit, sich Lebenswichtigerem zu widmen. Auf keinen Fall würde sie die Flinte ins Korn werfen und tatenlos zusehen, wie Mark nicht nur ihr, sondern auch sein eigenes Leben ruinierte. Denn diese Angie konnte nicht die Richtige für ihn sein! Davon war Susann überzeugt. Wie sie es trotzdem geschafft hatte, Mark zur Hochzeit zu überreden, war der jungen Künstlerin völlig schleierhaft. Irgendetwas stimmte da ganz und gar nicht! Aber sie würde der Sache auf den Grund gehen.

Wie sie ihren Liebsten aus den Klauen dieses Weibsbildes befreien sollte, wusste Susann zwar noch nicht, aber es beunruhigte sie auch nicht besonders. Sie musste sich ohnehin erst einmal ein genaues Bild sowohl vom Geschehen als auch von der Konkurrentin machen, bevor sie sich einen genialen Schlachtplan zurechtlegen konnte.

Zunächst mussten einige grundlegende Fragen beantwortet werden:

- Wie sah die Hexe in Wirklichkeit aus? (Fotos konnten ja manchmal schmeichelhaft sein und komplett an der Realität vorbeigehen.)

- War sie gut im Bett?

- Was hatte sie sonst noch für fabelhafte Eigenschaften, die Mark in ihren Bann zogen?

- Wo lagen ihre Schwachstellen?

- Und ganz wichtig: Was hielten ihre Familie und Freunde von diesem Weib? Waren sie begeistert von ihr? Fanden sie vielleicht sogar, dass sie zu Mark passte? Dann stände Susann vor ungeahnten Schwierigkeiten. Aber an so eine schreckliche Vorstellung wollte sie jetzt gar nicht denken!

Dennoch beschlich sie ein mulmiges Gefühl, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie nicht nur Mark, sondern auch ihre Verwandten und besten Freunde sträflich vernachlässigt hatte. Diese Hochzeitsankündigung war also in vielerlei Hinsicht ein Weckruf gewesen.

Die Blondine fuhr sich seufzend durchs Haar. Jetzt musste sie erst einmal ihrer Mutter und ihrem Bruder einen Besuch abstatten. Wenn sie diese Wiedervereinigung hinter sich gebracht hatte, würde sie in den Lottoladen vor ihrem Haus einmarschieren, um zu testen, wie ihre ältere Freundin Elvira auf sie zu sprechen war. Hoffentlich stand diese immer noch auf ihrer Seite und würde sie unterstützen.

*****

“Mein Gott, Mädel, ich hätte nicht gedacht, dich noch vor Weihnachten wiederzusehen.” Ihre Mutter wirkte wahrlich nicht wie eine Beruhigungspille. Im Gegenteil, sie unterstrich ihre Vermutung, dass sie ein schlechtes Gewissen haben musste.

Susann starrte verlegen zu Boden. Erst als sie die ältere Frau in den Arm nahm, konnte sie ein wenig aufatmen. Von tiefer Entspannung konnte jedoch keine Rede sein, da sie sie sofort ins Kreuzverhör nahm, nachdem sie sie wieder losgelassen hatte.

“Warum bist du jetzt wiedergekommen? Doch nicht nur, um deine alte Mutter zu sehen?”

“Doch, natürlich wollte ich dich sehen! Und alt bist du auch nicht. Du bist in der Blüte deines Lebens. Aber es ist bestimmt viel passiert. Da wir so lange nichts voneinander gehört haben, dachte ich...” Susann verstummte, als sie den vorwurfsvollen Blick vernahm. Seit wann hatte sie vergessen, dass ihre Mutter sie immer durchschaute?

“Du hast die Anzeige also gelesen? Wer hat dich darauf aufmerksam gemacht?”

“Nadine!” Rutschte ihr heraus, bevor ihr bewusst wurde, dass sie sich nun gänzlich verraten hatte. Aber gut, dann brauchte sie wenigstens nicht mehr um den heißen Brei herumzureden und konnte ihre Mutter unverhohlen aushorchen, was sie von dieser Hochzeit hielt.

“Was denkst du über Marks...Freundin?” Fragte Susann geradeheraus und handelte sich ein wissendes Schmunzeln der anderen Frau ein. Die Antwort, die sie erhielt, war allerdings alles andere als lustig.

“Ich habe sie noch nicht so häufig getroffen. Aber sie scheint nett zu sein. Und sie macht Mark offenbar glücklich.”

Mark glücklich machen? Mutti konnte das nicht wirklich ernst meinen! Und selbst, wenn sie so dachte, war es eine Frechheit, ihr das mitten ins Gesicht zu sagen! Sollten Eltern nicht immer auf ihre Kinder halten und verstehen, was für sie das Beste war?

“Du musst dich irren!” Tat Susann ihrer Empörung kund. “Mark kann nicht mit einer anderen Frau glücklich sein!”

“Das meine ich durchaus ernst. Mark scheint...ich weiß nicht...irgendwie gelöster. Als ob er mit sich ins Reine gekommen wäre. Versteh mich nicht falsch, Mädchen. Du hast ihm gut getan. Durch dich hat er gelernt zu lieben. Wir wissen ja beide, was für ein Filou und treuloser Draufgänger er früher war. Auch wenn es mit euch letztendlich nicht geklappt hat, ist er wegen dir in der Lage, eine ernsthafte Beziehung zu führen. Diese Angie scheint die Richtige für ihn zu sein. Du warst doch ohnehin zu jung und rastlos für ihn. Aber vielleicht könnt ihr Freunde bleiben.”

FREUNDE BLEIBEN??! Das schlug dem Fass den Boden aus! Sie hatte ja mit allem gerechnet, sogar dass sich die ganze Welt gegen sie verschworen hatte. Aber darauf war sie wirklich nicht gefasst gewesen. Sie war sich wenigstens ihrer Mutter sicher gewesen. Denn sie war… Nun ja, ihre Mutter halt. Es war irgendwie ihre Pflicht, auf sie zu halten! Wie konnte sie nur ernsthaft glauben, es war richtig, einen psychologischen Vortrag darüber zu halten, dass ihre Tochter und Mark nicht zusammengehörten? Wenn sie und Mark eines waren, dann mit Sicherheit nicht NUR Freunde.

Eine rein platonische Beziehung zwischen ihnen? Lächerlich! Sie würden keine fünf Minuten lang die Klamotten anbehalten können, wenn sie sich gegenüberstanden. Davon war Susann überzeugt. Auch wenn es mit der Kommunikation und der verbalen Verständigung manchmal ein wenig haderte, auf die sexuellen Funken zwischen ihnen war immer Verlass.

“Ich hoffe, du bist mir nicht böse. Ich muss noch dringend einige Leute besuchen. Aber ich bin bald wieder da, und dann können wir uns länger unterhalten. Bis dahin wird sicherlich auch Leon aus der Schule zurück sein.” Susann schob einfach ihre Koffer in eine Ecke und verabschiedete sich hastig von ihrer verdutzen Mutter. Auspacken konnte sie schließlich später noch.

Sie musste zu Elvira, SOFORT, um sich von ihr den Zuspruch zu holen, der ihr zuhause verweigert wurde.

Ihr Glückstag schien es heute nicht zu werden, auch wenn sie kräftig in einen Hundehaufen getreten war. Das Zeug war so hartnäckig klebrig, dass sie Schwierigkeiten hatte, es wieder loszuwerden. Ihre wilden Flüche hatten einige Leute spöttisch grinsen lassen, und zu allem Überfluss musste auch noch ein Vogel mit Durchfall einen riesigen Klecks auf ihrer Jacke hinterlassen.

Aufgebracht zog sie das beschmutzte Teil aus, zerknüllte es und warf es in die nächste Tonne, denn so einen “versauten” ersten Eindruck konnte sie wirklich niemanden zumuten. Dass sie nun viel zu leicht angezogen war, störte sie nicht weiter. Die wütende Hitze in ihr ließ sie die Kälte nicht mehr spüren.

Als sie den Lottoladen schließlich erreichte, war ihre Freundin Elvira nicht einmal da. Nur eine lahme Angestellte ließ die ungeduldigen Kommentare der Kunden ungerührt über sich ergehen. Schulterzuckend stellte sich Susann dennoch in die Nähe der Verkaufstheke und hielt Ausschau nach einem bekannten Gesicht. Entdecken konnte sie niemanden. Stattdessen musste sie feststellen, dass die Lottospieler über die Jahre ziemlich jung geworden waren. Das Durchschnittsalter hatte wohl gerade erst die erlaubten 18 Jahre erreicht. Offenbar glaubte man inzwischen, dass man mit dem Ausfüllen des Tippscheins schneller zu Geld kommen würde als durch Arbeit.

Gott sei Dank sah sie selbst immer noch wie ein Teenager aus, auch wenn ihre Züge bei genauerer Betrachtung ein wenig reifer geworden waren. Das, was sie oft verfluchte, begrüßte sie jetzt. Wenigstens erschien sie hier nicht wie eine Oma, die ihre Rente aufbessern wollte.

Als man sie allerdings fragte, auf welches Gymnasium sie ging, wusste sie nicht, ob sie beleidigt sein oder sich geschmeichelt fühlen sollte. War das nur ein dummer Scherz, ein verunglücktes Kompliment oder hatte sie einfach zu viel von ihrer sündhaft teuren Verjüngungscreme aufgeschmiert? Das Streben nach gutem und jugendlichem Aussehen hatte sie sich nicht etwa von anderen Frauen, sondern von Mark abgeguckt. Das Zusammensein mit ihrem älteren Liebhaber hatte Spuren hinterlassen und sie fürs Leben geprägt. Wenn das mal nicht ein weiteres Zeichen dafür war, dass sie zusammengehörten! Aber wenn sie eine gemeinsame Zukunft haben wollten, musste sie sich beeilen. Auf keinen Fall durfte sie noch mehr Zeit verplempern.

Trotz ihres entschlossenen Vorhabens musste sie die offensichtlich schwerhörige Verkäuferin dreimal ansprechen, bevor sie überhaupt auf sie reagierte. Doch als Susann sie nach Elvira fragte, war es noch nicht einmal die gleichgültige Angestellte, die ihr darauf antwortete.

“Meine Mutter ist mit ihrem neuen Mann in den Urlaub gefahren. Kann ich Ihnen helfen?”