Der kleine Fürst Classic 65 – Adelsroman - Viola Maybach - E-Book

Der kleine Fürst Classic 65 – Adelsroman E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach´s Topseller. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt "Das Tagebuch der Christina von Rothenfels", "Rosenweg Nr. 5", "Das Ärztehaus" und eine feuilletonistische Biografie. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Natürlich ist sie reizend – aber eben eine Bürgerliche, meine Liebe. Und auch wenn Sie mich jetzt für rückständig halten, so sage ich es trotzdem: Wenn zwei Menschen nicht den gleichen gesellschaftlichen Hintergrund haben, kann das ein Problem werden.« Die alte Fürstin Helena von Randow setzte mit einer anmutigen Gebärde die hauchdünne Porzellantasse ab, nachdem sie daraus getrunken hatte. Sie saß mit Baronin Sofia von Kant im blauen Salon von Schloss Sternberg, wo die Baronin den Tee hatte servieren lassen. »Da stimme ich Ihnen durchaus zu, Fürstin Helena«, erwiderte Sofia liebenswürdig, »aber dieser Fall liegt doch wohl etwas anders. Alexandra stammt aus vermögendem Hause, sie hat auch vor ihrer Verlobung mit Johannes schon in denselben Kreisen verkehrt wie er. So haben sie sich ja überhaupt kennengelernt.« Das Paar, über das die beiden Frauen sprachen, sorgte derzeit überall für Gesprächsstoff: Die schöne und elegante Alexandra Wellinghoff und der attraktive Graf Johannes zu Marthal würden in der kommenden Woche heiraten. Schon um ihre Verlobung hatte es ziemlichen Wirbel gegeben, galt doch die Familie des Bräutigams als sehr konservativ hinsichtlich aller Standesfragen. Und so viele Vorzüge Alexandra auch haben mochte: Ihr fehlte in den Augen etlicher Angehöriger der weit verzweigten Grafenfamilie das Wichtigste, nämlich der Adelstitel. »Das ist sicher richtig«, räumte Fürstin Helena jetzt ein. Sie saß kerzengerade in ihrem Sessel, niemand, der sie so sah, hätte vermutet, dass sie bereits auf die achtzig zuging. Ihre Haare schimmerten silbrig-weiß, und ihr Make-up war überaus dezent aufgetragen worden. Das edle graue Kostüm mit der weißen Seidenbluse und die wenigen kostbaren Schmuckstücke, die sie trug, vervollständigten das Gesamtbild einer durch und durch geschmackssicheren und eleganten Frau von Welt. »Und ich wünsche mir ja auch nicht, dass etwas mit den beiden schief geht – ich sehe nur die Gefahr.« Sie lächelte Sofia zu. »Keine Sorge, ich rede nur mit Ihnen darüber, Sofia. Ich werde mich an Klatsch und Tratsch über dieses sympathische Paar nicht beteiligen.«

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Der kleine Fürst Classic – 65 –

Schöne Braut allein!

Hat Graf Johannes die bezaubernde Alexandra verlassen?

Viola Maybach

»Natürlich ist sie reizend – aber eben eine Bürgerliche, meine Liebe. Und auch wenn Sie mich jetzt für rückständig halten, so sage ich es trotzdem: Wenn zwei Menschen nicht den gleichen gesellschaftlichen Hintergrund haben, kann das ein Problem werden.« Die alte Fürstin Helena von Randow setzte mit einer anmutigen Gebärde die hauchdünne Porzellantasse ab, nachdem sie daraus getrunken hatte. Sie saß mit Baronin Sofia von Kant im blauen Salon von Schloss Sternberg, wo die Baronin den Tee hatte servieren lassen.

»Da stimme ich Ihnen durchaus zu, Fürstin Helena«, erwiderte Sofia liebenswürdig, »aber dieser Fall liegt doch wohl etwas anders. Alexandra stammt aus vermögendem Hause, sie hat auch vor ihrer Verlobung mit Johannes schon in denselben Kreisen verkehrt wie er. So haben sie sich ja überhaupt kennengelernt.«

Das Paar, über das die beiden Frauen sprachen, sorgte derzeit überall für Gesprächsstoff: Die schöne und elegante Alexandra Wellinghoff und der attraktive Graf Johannes zu Marthal würden in der kommenden Woche heiraten. Schon um ihre Verlobung hatte es ziemlichen Wirbel gegeben, galt doch die Familie des Bräutigams als sehr konservativ hinsichtlich aller Standesfragen. Und so viele Vorzüge Alexandra auch haben mochte: Ihr fehlte in den Augen etlicher Angehöriger der weit verzweigten Grafenfamilie das Wichtigste, nämlich der Adelstitel.

»Das ist sicher richtig«, räumte Fürstin Helena jetzt ein. Sie saß kerzengerade in ihrem Sessel, niemand, der sie so sah, hätte vermutet, dass sie bereits auf die achtzig zuging. Ihre Haare schimmerten silbrig-weiß, und ihr Make-up war überaus dezent aufgetragen worden. Das edle graue Kostüm mit der weißen Seidenbluse und die wenigen kostbaren Schmuckstücke, die sie trug, vervollständigten das Gesamtbild einer durch und durch geschmackssicheren und eleganten Frau von Welt. »Und ich wünsche mir ja auch nicht, dass etwas mit den beiden schief geht – ich sehe nur die Gefahr.« Sie lächelte Sofia zu. »Keine Sorge, ich rede nur mit Ihnen darüber, Sofia. Ich werde mich an Klatsch und Tratsch über dieses sympathische Paar nicht beteiligen.«

»Das habe ich auch nicht angenommen«, erwiderte die Baronin nachdenklich. »Wir haben Alexan­dra ja kennengelernt, weil Jo einmal mit ihr bei uns gewesen ist. Wir haben sie gleich ins Herz geschlossen und hoffen sehr, dass die beiden glücklich werden, allen Unkenrufen der Familie zum Trotz. Aber sie sind ihrer Sache sehr sicher, und Jo hat sich von Anfang an nicht beirren lassen, also stehen die Chancen wohl recht gut. Werden Sie auch zur Trauung kommen?«

Die alte Fürstin nickte. »Ja, ich bin der Familie Marthal sehr verbunden, und besonders Johannes mochte ich immer gern. Er hat der Einladung ein paar persönliche Zeilen hinzugefügt, ich hätte es schäbig gefunden, abzusagen.«

»Dann sehen wir uns bei der Gelegenheit wieder. Wir werden mit der ganzen Familie zur kirchlichen Trauung anreisen.«

»Gut, dass Sie mir das Stichwort liefern, Sofia: Familie. Wie geht es Christian, dem kleinen Fürsten? Ich habe den Jungen lange nicht gesehen, aber natürlich weiß ich, dass er den Verlust seiner Eltern dank Ihnen und Ihrem Mann besser verkraftet hat, als man zunächst befürchten musste.«

Prinz Christian von Sternberg war Sofias Neffe. Seit dem schrecklichen Unfalltod seiner Eltern, des Fürstenpaares von Sternberg, waren sie und ihr Mann es, die sich um ihn kümmerten.

»Nicht nur wir helfen ihm, sondern vor allem unsere Anna«, erwiderte Sofia nachdenklich. »Sie ist ja erst dreizehn, also zwei Jahre jünger als Christian, aber sie sind die besten Freunde. Das war auch vor dem Unglück schon so. Man sollte ja eigentlich meinen, dass er sich enger an unseren Konrad angeschlossen hätte, die beiden sind schließlich nur ein Jahr auseinander – aber die beiden Jungen stehen einander längst nicht so nahe wie Anna und Chris. Um Ihre Frage zu beantworten: Er hält sich sehr gut. Natürlich ist er ein bisschen zu ernst für sein Alter, und er hat auch immer wieder Zeiten, in denen er traurig und in sich gekehrt ist, aber alles in allem scheint er uns ein ganz normaler Junge zu sein.«

»Es freut mich, das zu hören. Sie wissen ja, dass ich seine Eltern gut kannte, ich habe beide sehr geschätzt. Dieser Unfall war ... eine Tragödie. Ich bin keine Freundin großer Worte, aber in diesem Fall kann man es nicht anders ausdrücken. Eine Tragödie! Die beiden hätten noch viel Gutes bewirken können.«

Sofias Augen hatten sich bei diesen Worten unwillkürlich mit Tränen gefüllt. Erschrocken beugte sich die alte Dame vor und legte eine Hand auf den Arm ihrer Gastgeberin. »Entschuldigen Sie meine Gedankenlosigkeit, Sofia. Wahrscheinlich geschieht es oft, dass jemand fragt, wie Christian den Verlust seiner Eltern verkraftet und darüber vergisst, dass Sie Ihre Schwester verloren haben, die Ihnen ganz besonders nahe stand.«

Die Baronin lächelte unter Tränen. »Es geht schon wieder«, sagte sie tapfer, »aber manchmal, wenn ich an Lisa denke, wird mir das Herz so schwer, dass ich glaube, es nicht aushalten zu können. Sie fehlt mir, Fürstin Helena. Sie fehlt mir jeden Tag mit ihrem Lachen, ihrer besonderen Art, zuzuhören, ihrer Liebe und Zuneigung. Siebenunddreißig Jahre lang waren wir unzertrennlich – und dann ist sie auf einmal nicht mehr da. Es war einfach viel zu früh, und es gibt Tage, da kann ich mich mit diesem Verlust nicht abfinden. Ich trauere auch um Leo, aber das ist etwas anderes. Er kam erst später dazu, während Lisa und ich zusammen aufgewachsen sind.«

»Ich habe meinen Mann verloren«, sagte Helena nach einem längeren Schweigen. »Glauben Sie mir, Sofia, ich weiß, was es bedeutet, wenn ein geliebter Mensch von einem Moment auf den anderen nicht mehr da ist.«

»Ja, natürlich«, flüsterte Sofia. »Entschuldigen Sie, ich ...«

»Entschuldigen Sie sich nicht. Es ist gut, wenn Sie ab und zu Ihren Schmerz und Ihren Kummer zeigen. Ich habe das damals auch getan, und es hat mir geholfen.«

Die Baronin griff nach einem Taschentuch und tupfte sich die Augen trocken. Danach schenkte sie neuen Tee ein. Als eine Viertelstunde später Baron Friedrich hereinkam, um Fürstin Helena zu begrüßen, konnte seine Frau schon wieder lächeln.

*

»Liebst du mich noch?«, fragte Graf Johannes zu Marthal seine Verlobte zwischen zwei Küssen.

Alexandra Wellinghoff lachte leise. »Nein, überhaupt nicht mehr.«

»Und trotzdem heiratest du mich?«

»Wer sagt dir, dass ich das tue? Vielleicht verlasse ich dich am Vorabend der Hochzeit und verursache einen gesellschaftlichen Skandal.«

Er zog sie fester an sich und küss­te sie erneut, noch länger und leidenschaftlicher als zuvor. »Deine Küsse sprechen eine andere Sprache«, murmelte er. »Du liebst mich, Alex, und ich liebe dich.«

»Wenn du es sowieso schon weißt, kann ich es ja auch zugeben«, flüsterte sie. »Ja, ich liebe dich, Jo. Ich liebe dich sogar sehr, und eines Tages wird mich vielleicht auch deine Familie mit anderen Augen sehen können.«

Für einen Moment verdunkelte sich sein Gesicht. »Wenn nicht, tun sie mir leid«, brummte er. Im nächs­ten Moment ließ er sie los und wandte sich ab.

Sie hielt ihn am Arm zurück. »Ich hätte das nicht sagen sollen«, bemerkte sie reumütig. »Es macht dir zu schaffen, dass deine Eltern Schwierigkeiten damit haben, mich als Schwiegertochter zu akzeptieren.«

Er nahm sie erneut in die Arme. »Dir macht es auch zu schaffen, Alex, das weiß ich. Aber ein vollkommenes Glück scheint es ja nicht zu geben ...«

Sie legte den Kopf an seine Brust. »Wir beide lieben uns, das ist erst einmal das Wichtigste«, flüsterte sie. »Alles andere wird sich finden.«

Er nickte stumm. Sie ahnte nicht einmal, wie stark der Widerstand seiner Familie gegen diese Hochzeit tatsächlich gewesen war, und wenn es nach ihm ging, würde sie es auch niemals erfahren. Sie musste nicht wissen, dass seine Eltern sie sogar verdächtigt hatten, sich nur einen ›Adelstitel erschleichen zu wollen‹ – so hatte sein Vater es eines Tages ausgedrückt. Erst als er, Johannes, gedroht hatte, alle Familienbande zu kappen, wenn man seine Wahl nicht endlich akzeptierte, hatten die Eltern und Großeltern eingelenkt. Aber ihre Vorbehalte waren deshalb natürlich nicht ausgeräumt. Sie würden beim geringsten Anlass wieder zum Vorschein kommen, das wusste er. Er hoffte nur, er konnte alle Streitigkeiten von Alexandra fernhalten.

Wie immer spürte sie, dass ihn etwas beschäftigte, worüber er mit ihr nicht sprechen wollte – und sie ahnte durchaus, in welche Richtung seine Gedanken gegangen waren. »Ich werde ihre Herzen gewinnen«, sagte sie. »Das habe ich mir fest vorgenommen, und sie werden mir auf Dauer nicht widerstehen können.«

Er erwiderte ihr Lächeln. »Dir kann auf Dauer niemand widerstehen, Alex.« In Gedanken setzte er hinzu: Aber für meine Eltern zählt ein Titel mehr als alles andere, das kannst du nicht wissen. Ihnen wäre es lieber, ich hätte eine weniger kluge, charmante und schöne Frau geheiratet, wäre sie nur eine Gräfin oder Baronin ... Sie sind so aufgewachsen, sie können aus ihrer Haut nicht heraus.

Alexandra nahm seine Hand und zog ihn zum Sofa.

»Noch eine Woche, Jo!«, sagte sie. »Dann sind wir endlich verheiratet. Meine Freun­dinnen wollen mir nicht verraten, was sie am Abend vor der Hochzeit mit mir vorhaben – aber ich glaube, es wird eine ziemlich lustige Angelegenheit.«

»So wird es bei mir auch sein«, murmelte Johannes, vermied es jedoch, sie dabei anzusehen.

Sie lachte unbekümmert. »Männer trinken ja angeblich sehr viel, wenn sie ihren Abschied vom Junggesellenleben feiern. Ich habe nur eine Bitte: Dass du wieder nüchtern bist, wenn der Pfarrer die entscheidende Frage stellt.«

Er umschloss sie mit beiden Armen und vergrub seine Lippen in ihrem seidigen blonden Haar. »Das verspreche ich dir hiermit hoch und heilig, Alex.«

Sie schmiegte sich an ihn und schloss die Augen. »Ich bin so glücklich, Jo!«

»Ich bin es auch, Alex.«

Er schloss die Augen ebenfalls. Wenn es ihm nicht gelang, diese Frau glücklich zu machen, dann hatte er sie nicht verdient.

Sie war das Beste, was ihm in seinem bisherigen Leben passiert war, und er würde alles tun, um ihr das Glück zu schenken, das sie verdient hatte.

*

»Wie findest du es?«, fragte Anna von Kant ihren Cousin Christian von Sternberg. Sie stand an der Tür zu seinem Zimmer und wartete auf sein Urteil zu ihrem neuen Kleid. »Ich will es bei der Hochzeit von Alex und Jo anziehen.«

»Komm rein und dreh dich mal um, damit ich dich von allen Seiten sehen kann.«

Sie trat zögernd näher, nachdem sie sorgfältig die Tür hinter sich geschlossen hatte. »Hoffentlich sieht Konny mich nicht«, murmelte sie. »Der macht sonst gleich wieder blöde Bemerkungen.« Ihr Bruder Konrad, der Sechzehnjährige, machte sich noch immer einen Spaß daraus, seine jüngere Schwes­ter aufzuziehen und zu verunsichern, wenn sich eine Gelegenheit bot. Zwar kamen die beiden besser miteinander aus als früher, ganz konfliktfrei war ihr Verhältnis deshalb aber noch lange nicht.

Sie drehte sich einmal um die eigene Achse und sah Christian dann erneut erwartungsvoll an. Anna war blond wie ihre Mutter – ein hübsches Mädchen, das noch ein wenig kindlich wirkte, zu ihrem größten Kummer.

»Es sieht gut aus, aber der Rock ist zu lang«, stellte Christian fest. »Und du brauchst andere Schuhe.«

»Genau das habe ich Mama auch gesagt, aber sie hat gemeint, ich wachse so schnell, und dann muss der Rock wieder länger gemacht werden ...«

»Ich rede mit ihr«, schlug Christian vor.

Sie strahlte ihn an. »Danke. Auf dich hört sie eher als auf mich, glaube ich.«

»Weil ich älter und vernünftiger bin«, meinte Christian, aber sein Lächeln zeigte ihr, dass er nur Spaß machte.

»Das hättest du gern – ich meine, dass du vernünftiger bist.« Anna wandte sich wieder zur Tür. »Sag mal, wenn du dich später mal in eine bürgerliche Frau verliebst – heiratest du sie dann?«

»Klar«, antwortete Christian. »Ich sehe das nicht so eng, das weißt du doch.«

»Aber Jos Familie sieht es sehr eng«, stellte Anna fest. »Hoffentlich machen sie Alex nicht das Leben zur Hölle.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das tun – schließlich steht der Hochzeitstermin fest, und danach gehört sie zur Familie, ob es Jos Angehörigen passt oder nicht.«

»Deshalb müssen sie noch lange nicht freundlich zu ihr sein«, sagte Anna nachdenklich. »Und wenn sie sich immer wie eine Außenseiterin vorkommen muss – das stelle ich mir schrecklich vor.«

»Sie lebt dann mit Jo zusammen in einem eigenen Haus, da hat sie doch mit dem Rest der Familie gar nicht so viel zu tun«, gab Christian zu bedenken. »Ich glaube jedenfalls, dass die beiden es schaffen – ein glücklicheres Liebespaar kann es doch gar nicht geben.«

In diesem Punkt gab Anna ihm Recht, und so verzichtete sie auf weitere Einwände. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass ihr Bruder nicht in der Nähe war, schlüpfte sie aus Christians Zimmer.

Er wollte sich wieder seinen Aufgaben zuwenden, doch sein junger Boxer Togo, der sich nicht gerührt hatte in den vergangenen Minuten, war aufgewacht und lief nun winselnd von Christian zur Tür und wieder zurück. Um seinen Wünschen noch mehr Nachdruck zu verleihen, fing er auch noch an zu bellen.

Lachend stand Christian auf. »Du willst raus, das verstehe ich, Togo«, sagte er. »Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich habe auch keine Lust auf einen französischen Aufsatz.«

Gleich darauf liefen sie gemeinsam die breite Treppe hinunter, die in die großzügige Eingangshalle von Schloss Sternberg führte. Unten wurden sie von Eberhard Hagedorn erwartet, dem langjährigen Butler auf Sternberg. »Es ist unfreundlich draußen, Prinz Christian«, sagte er. »Regen und böiger Wind wurden im Wetterbericht vorhergesagt – und genauso ist es auch gekommen.«

»Dann bleiben wir nicht lange draußen, Herr Hagedorn, aber Togo lässt mir keine Ruhe.«