Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gablé - E-Book

Der König der purpurnen Stadt E-Book

Rebecca Gablé

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Beschreibung

London im Jahr 1330: Der achtzehnjährige Jonah hat kein leichtes Leben als Lehrjunge im Haushalt seines Cousins. Einzig seine Großmutter schenkt ihrem verwaisten Enkel ein wenig Zuneigung. Doch eine Begegnung mit König Edward und Königin Philippa lenkt Jonahs Schicksal in neue Bahnen. Er findet Aufnahme in der elitären Londoner Tuchhändlergilde, und gemeinsam mit Königin Philippa revolutioniert er die englische Tuchproduktion. Aber je größer sein Erfolg, desto heimtückischer werden die Intrigen seiner Neider...

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Seitenzahl: 1446

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Inhalt

Cover

Über die Autorin

Titel

Impressum

Widmung

Zitat

Dramatis Personae

Prolog

1330 – 1333: Lehrjahre

London, November 1330

London, Dezember 1330

London, Januar 1331

London, Mai 1331

London, Juni 1331

Epping Forest, Juli 1331

London, August 1331

London, September 1331

London, Januar 1332

London, März 1332

Woodstock, Mai 1332

London, Juni 1332

London, August 1332

London, September 1332

London, Februar 1333

1337 – 1340: Wanderjahre

London, Februar 1337

London, März 1337

London, Juni 1337

Havering, Oktober 1337

London, Dezember 1337

Dordrecht, Dezember 1337

London, Dezember 1337

London, Januar 1338

Westminster, Februar 1338

Antwerpen, September 1338

Antwerpen, November 1338

Antwerpen, April 1339

London, September 1339

Antwerpen, Oktober 1339

London, Februar 1340

London, Mai 1340

Sluys, Juni 1340

Sevenelms, Juli 1340

London, November 1340

1348 – 1349: Pestjahre

London, Mai 1348

London, Juni 1348

Sevenelms, September 1348

London, Januar 1349

London, April 1349

Sevenelms, Juni 1349

London, Juni 1349

London, Juli 1349

London, August 1349

London, Oktober 1349

Nachbemerkung und Dank

Über die Autorin

Rebecca Gablé, Jahrgang 1964, studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann in einer ländlichen Kleinstadt am Niederrhein.

Homepage: www.gable.de

Rebecca Gablé

DERKÖNIGDERPURPURNENSTADT

Historischer Roman

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2001 by Rebecca Gablé

© für die deutschsprachige Ausgabe 2002 by Bastei Lübbe AG, Köln

Lektorat: Karin Schmidt

Einbandgestaltung: Gisela Kullowatz

Titelbild: Karl v. Orléans im Tower zu London

Illustrationen: Jan Balaz

E-Book-Produktion: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-8387-0950-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Fürmeine Eltern

When thou haste waltered and went and wakede alle Pe nyghte, And hase werpede thy wyde howses full of wolle sakkes, The bemys benden at the rofe, siche bakone there hynges, Stuffed are sterlynges vndere stelen bowndes – What scholde worthe of that wele if no waste come? Some rote, some ruste some ratouns fede. Let be thy cramynge of thi kystes for Cristis lufe of heuen, Late the peple and the pore hafe parte of thi siluere, For and thou lengare thus lyfe, leue thou no noþer, Thou schall be hanged in helle for that thou here spareste.

Wenn du dich die ganze Nacht gewälzt hast und gewacht Und dein großes Haus mit Wollsäcken gefüllt, Die Dachbalken biegen sich von den Schinken, die dort hängen, Und voll gestopft mit Silbermünzen sind deine Schatullen, Was soll dann werden aus all dem Reichtum, wenn nichts ausgegeben wird?

Manches wird verrotten, manches verrosten, manches die Ratten füttern.

Lass das Horten in deinen Truhen, um der Liebe Christi willen! Lass das Volk und die Armen teilhaben an deinem Silber; Denn wenn du länger so lebst, glaube mir nur, Wirst du in der Hölle enden, weil du hier nur gespart hast.

aus Wynnere and Wastoure, einem Streitgedicht zwischen einem Geizhals und einem Verschwender, ca. 1350, Verfasser unbekannt

DRAMATIS PERSONAE

Es folgt eine Aufstellung der wichtigsten Figuren, wobei die historischen Personen mit einem * gekennzeichnet sind.

KAUFLEUTE UND LONDONER

Jonah Durham

Rupert Hillock, sein Lehrmeister und Cousin

Elizabeth Hillock, Ruperts Frau

Cecilia Hillock, Jonahs und Ruperts Großmutter und ein Drachen

Crispin, Jonahs Freund

Annot, eine kluge Geschäftsfrau

Cecil, ihr Sohn

Isabel Prescote, eine feine Lady mit einem Doppelleben

Martin Greene, Wächter der Tuchhändlergilde

Adam Burnell, Wächter der Tuchhändlergilde, Jonahs Widersacher

Elia Stephens, Tuchhändler und Taugenichts, Jonahs Freund

Giuseppe Bardi, florentinischer Adliger und Vertreter des Bankhauses Bardi* in der Londoner Lombard Street

John Pulteney*, Kaufherr, Meister der Tuchhändlergilde und Mayor of London

David, sein Sohn, Jonahs Lehrling

William de la Pole*, reichster und berüchtigtster Kaufmann Englands

Giselle, seine Tochter

Reginald Conduit*, Alderman, Mayor of London

Francis Willcox, genannt der Fuchs, König der Diebe

Harry, sein Sohn

KÖNIGE, ADEL UND RITTERSCHAFT

Edward III.*, König von England

Philippa von Hainault*, seine Königin

Edward*, der »Schwarze Prinz«, Isabella*, Joanna*, Lionel*, John*, Edmund*, Mary*, Margaret* und Thomas*, ihre Kinderschar, sowie William*, Blanche* und William*, die das Dutzend voll gemacht hätten, wären sie nicht im ersten Lebensjahr gestorben

William Montagu*, Earl of Salisbury

Henry Grosmont*, Earl of Derby und Lancaster

Robert Ufford*, Earl of Suffolk

Sir Walter Manny*, Admiral der englischen Flotte

John Chandos*, der perfekte Ritter

Joan of Kent*, die schönste Frau Englands

… und natürlich Gervais of Waringham und Geoffrey Dermond, von denen an anderer Stelle ausführlicher erzählt wird

Prolog

Nottingham Castle, Oktober 1330

Das sieht dem Bengel ähnlich«, knurrte Richard de Bury. »Wo bleibt er nur?«

Der alternde Gelehrte zog seinen feinen Wollmantel fester um sich und warf einen nervösen Blick zur schwarzen Burgmauer hinauf, an deren Fuß der kalte Herbstwind besonders schneidend zu pfeifen schien.

»Er wird schon kommen«, sagte William Montagu beschwichtigend. Er ging ein paar Schritte auf und ab, um sich warm zu halten.

»Herrgott, steht doch um Himmels willen still, Montagu, Euer Scheppern weckt ja die Toten auf.«

Montagu unterdrückte ein Seufzen und trat wieder zu ihm. »Ihr meckert wie ein altes Weib, Doktor. Niemand dort oben kann meine Rüstung hören bei dem Wind. Außerdem stehen die Wachen auf der Ostseite.«

»Woher wollt Ihr das wissen?«

»William Elland, der Kastellan, hat es gesagt.«

Bury brummte verächtlich. »Dann lasst uns hoffen, dass er die Wahrheit gesagt hat und kein doppeltes Spiel treibt.«

Montagu schüttelte den Kopf. »Er ist dem König ebenso ergeben wie Ihr und ich.«

»Dann wird er ebenso hängen wie Ihr und ich«, versetzte Bury gallig. »Lieber Gott im Himmel, warum muss ausgerechnet ich diese Torheit begehen? Ich wünschte, du hättest mich heute Nacht an einen anderen Platz gestellt. Dieser Irrsinn kann nicht gelingen; ich habe von Anfang an gesagt, es ist aussichtslos.«

»Umso mehr ehrt es Euch, dass Ihr dennoch gekommen seid, Sir«, raunte eine leise Stimme aus der Dunkelheit. Im nächsten Moment glitt ein Schatten neben sie, eine große, dunkle Gestalt in einem wallenden Mantel. Als er vor ihnen stand, erkannten sie das schwache Schimmern seiner Rüstung.

Die beiden Männer verneigten sich.

»Wann wirst du lernen, pünktlich zu einer Verabredung zu kommen, Edward?«, tadelte Bury. »Pünktlichkeit, mein Junge, ist die Höflichkeit der Könige. Das habe ich dir schon hundertmal gesagt.«

Der Neuankömmling neigte den Kopf zur Seite und lächelte schwach. »Also will ich es von heute an beherzigen. Seid Ihr bereit?«

Montagu nickte stumm.

»So bereit, wie ich je sein werde«, murmelte Bury.

»Dann lasst uns gehen, ehe Ihr Euren Entschluss ändert, Sir. Geht voraus, Montagu. Der Kastellan sagt, Ihr kennt den Weg.«

Montagu wandte sich nach links. Er führte sie am verschlossenen Haupttor der Ringmauer vorbei auf die Westseite der gewaltigen Burg, die der normannische Eroberer William auf den felsigen Hügeln über der Stadt Nottingham erbaut hatte. Unter sich sahen sie im Mondschein ein schwarzes, schimmerndes Band: den Trent.

Die Felsen, die aus der Ferne so massiv und ehern wirkten, waren in Wirklichkeit von Höhlen und tiefen Spalten zerklüftet. Montagu führte seine beiden Begleiter einen schmalen Grat entlang, dann kletterten sie einen kurzen, steilen Hang hinab – kein ungefährliches Unterfangen bei der Finsternis, aber schließlich standen sie alle drei wohlbehalten am Eingang der mittleren von drei nebeneinander liegenden Höhlen mit beinah kreisrunden Öffnungen.

»Hier muss es sein«, raunte Montagu.

Allenthalben schoben sich eilige Wolken vor den fast vollen Mond. Doch Montagu hatte scharfe Augen, die sich längst auf das schwache Licht eingestellt hatten, und er erkannte das krude Löwenbildnis, welches gleich am Höhleneingang in den Fels geritzt war, weil er wusste, dass es da sein musste. »Hier ist das Zeichen, das der Kastellan uns gemacht hat. Nicht gerade ein begnadeter Künstler. Doch dies ist die richtige Höhle.«

Sie betraten die niedrige Felsenkammer, und Bury fischte seinen Feuerstein und Zunder aus dem Beutel und entzündete die Fackel, die er trug. Die unruhige Flamme warf unheimliche Schatten an die rauen Wände, aber kein Getier kreuchte und fleuchte, wie der junge Edward insgeheim befürchtet hatte. In der gegenüberliegenden Wand befand sich eine schmale Öffnung, gerade breit genug, dass ein Mann sich hindurchzwängen konnte. »Der Geheimgang«, bemerkte Bury zufrieden.

Edward zog sein Schwert. Er verharrte noch einen Augenblick, und Bury sah, dass er die freie Linke zur Faust geballt hatte.

»Himmlischer Vater, steh mir bei«, murmelte der junge Mann. »Denn es ist mein Recht.«

Dann beugte er sich vor und betrat vor seinen beiden Begleitern den niedrigen Gang.

Der Tunnel führte zuerst geradeaus, machte dann eine scharfe Rechtsbiegung und schlängelte sich aufwärts. Er war so schmal, dass sie mit den Schultern an den Wänden entlangstreiften, und Edward und Montagu mussten ein wenig die Köpfe einziehen. Aber sie stießen auf keine Hindernisse. Schließlich gelangten sie an den Fuß einer grob behauenen Steintreppe und machten sich an den Aufstieg. Die ungleichmäßigen, tückischen Stufen zogen sich länger hin, als sie erwartet hatten. Oben angekommen, keuchte Bury ein wenig.

Edward legte ihm einen Moment die Hand auf den Arm. »Seid Ihr wohl, Doktor?«

Der ältere Mann lächelte. »O ja. Mach dir um mich keine Sorgen. Ich bin ein alter Bücherwurm und keine Anstrengungen gewöhnt, aber vorerst werde ich nicht schlappmachen.«

Edward klopfte ihm mit einem leisen Lachen die Schulter. »Das wollte ich hören.«

Montagu hatte unterdessen die niedrige Decke des Treppenabsatzes abgetastet. »Hier ist die Falltür«, verkündete er.

Zusammen mit dem jüngeren Mann stemmte er sich dagegen, und als sie schon fürchteten, die Falltür sei von oben verriegelt und ihr Plan gescheitert, bewegte sie sich plötzlich. Staub rieselte herab in ihre aufwärts gewandten Gesichter. Wenig später standen sie keuchend und schwitzend in einer Wachkammer im Untergeschoss des Burgturms. Die Oberseite der hölzernen Falltür war dreckverkrustet, sodass man sie kaum von dem festgestampften Boden unterscheiden konnte, der außerdem mit einer dicken, alten Strohschicht bedeckt war.

»Kein Wunder, dass niemand von dieser Tür wusste«, bemerkte Bury.

»Niemand außer dem Kastellan«, schränkte Montagu ein.

»Gott segne ihn«, raunte Edward. »Dank seiner Hilfe sind wir unter Mortimers walisischen Wachen einfach hindurchspaziert, und morgen früh werden sie feststellen, dass die Maus den Speck gestohlen hat, ohne dass die Falle zugeschnappt ist.«

»Noch ist es nicht vollbracht«, erwiderte Montagu warnend. »Es sollte mich wundern, wenn Mortimer unbewacht schliefe.«

Edward nickte, aber seine Miene verriet seine Ungeduld. Ohne ein weiteres Wort gingen sie zur Haupthalle hinauf. Der große Raum, wo vor wenigen Stunden noch der Kronrat getagt hatte, lag leer und dunkel da; es war geradezu gespenstisch. Die hallende Stille machte den Eindruck, als sei die Burg vollkommen verlassen. Und das stimmte auch fast. Aus Argwohn gegenüber den Adligen des Rates hatte Roger Mortimer angeordnet, dass sie alle in der Stadt und nicht hier auf der Burg zu logieren hatten. Darum war Mortimer heute Nacht nahezu allein hier.

Edward ging nun voraus. Zügig, aber beinah lautlos stieg er mit seinen Begleitern die nächste Treppe hinauf, die zu den Schlafkammern im Obergeschoss der Burg führte. Auch die beiden anderen hielten jetzt die blanke Klinge in der Rechten.

»Es geht leichter, als ich gedacht hätte«, murmelte Edward.

Er hatte kaum ausgesprochen, als greller Fackelschein sie plötzlich blendete.

»Wer da?«, rief eine tiefe Stimme.

»Im Namen des Königs, lasst Eure Waffen fallen!«, befahl Montagu.

Die walisischen Soldaten zeigten sich wenig beeindruckt. Zu fünft hatten sie in dem kleinen Vorraum vor den Privatgemächern gewacht. Alle sprangen auf und zogen die Klingen. Edward stand reglos und sah zwei Umrisse vor dem zuckenden Fackelschein auf sich zustürzen. Erst im letzten Moment hob er das Schwert und wehrte den vorderen ab, lenkte den Angriff nach rechts, sodass der Soldat zur Seite geschleudert wurde, und streckte den zweiten nieder. Fast sofort stürzte sich ein Angreifer von links auf ihn, er spürte den scharfen Luftzug der Waffe im Gesicht, doch er sprang mühelos zur Seite. Es wurde ein kurzer, aber erbitterter Kampf. Die Bewacher waren zahlenmäßig überlegen, und sie waren schnell und geschickt. Schließlich errangen die drei Eindringlinge jedoch die Oberhand. Montagu hatte sich vor Edward gedrängt, schirmte ihn ab und kämpfte mit Schwert und Dolch. Er tötete drei. Den Letzten überließ er Bury.

Kaum hatten sie die Wachen überwältigt, als die Tür zur Linken aufgerissen wurde. Ein groß gewachsener Mann stand auf der Schwelle, eingehüllt in einen kostbaren, pelzgefütterten Mantel, den er mit einer Hand vor sich zusammenhielt, als trüge er nichts darunter.

»Was geht hier vor?«, rief er erbost. »Wer wagt es, unsere Nachtruhe zu stören?«

Für einen Augenblick herrschte ein unsicheres Schweigen. Dann machte Edward einen Schritt nach vorn. »Niemand von Bedeutung, Sir, nur der König von England.«

Der Mann in der Tür blinzelte verwirrt. »Und was fällt Euch ein, meine Wachen niederzumachen? Was wollt Ihr hier zu dieser Stunde?«

Edward sah ihn einen Moment forschend an und trat dann an ihm vorbei in das Schlafgemach. »Mein Recht.«

Der großzügige Raum war nur spärlich möbliert, doch der Baldachin und die Vorhänge des breiten Bettes waren aus kostbarem, weinrotem Brokat und mit Ranken aus venezianischem Goldfaden bestickt.

»Mutter?«

Die Bettvorhänge raschelten. »Eduard? C’est vous? Mais pourquoi …«

Eine unfreundliche Hand umklammerte Edwards Ellbogen und schleuderte ihn herum. »Was erlaubt Ihr Euch, Edward? Schert Euch zum Teufel! Und wagt es nicht noch einmal, Eurer Mutter und mir nachzustellen!«

Edward befreite seinen Arm mit einem beiläufigen Ruck. »Ihr verkennt die Situation, Sir. Ihr seid am Ende. Ihr ebenso wie meine verehrte Mutter.«

Der Mann starrte ihn einen Augenblick ungläubig an, sah zu den beiden Begleitern und begann zu lachen. »Was soll das darstellen? Eine Revolte? Ein alter Schulmeister, ein verlotterter Bettelritter und ein Knabe?« Er hörte abrupt auf zu lachen. »Besser, du verschwindest auf der Stelle wieder. Dann werde ich vielleicht vergessen, was hier heute passiert ist. Hast du nicht gehört?«

Er streckte plötzlich die Hand aus, doch Edward hatte sein Gelenk gepackt, ehe er die Waffen auf dem niedrigen Schemel erreichen konnte. Der Mantel bedeckte die Blöße des Mannes nicht länger. Edward neigte leicht den Kopf zur Seite, sah kurz auf das runzelige Glied und räusperte sich ironisch. »Ich schlage vor, Ihr kleidet Euch an, ehe wir nach London aufbrechen.«

Der Bettvorhang wurde zurückgeschoben, und die Königinmutter kam zum Vorschein, mit offenen Haaren, aber immerhin vollständig bekleidet. »Eduard!« Ihre Stimme klang schneidend.

»Auch Ihr solltet Euch reisefertig machen, Mutter.«

»Jetzt ist es genug«, grollte ihr Liebhaber. »Was glaubt Ihr eigentlich, wen Ihr hier vor Euch habt? Ihr könnt uns keine Befehle erteilen!« Er unterbrach sich kurz, riss sich von Edwards Griff los und verschränkte die Arme. »Jetzt hör gut zu, du Grünschnabel: Auch wenn du hier wie ein Strauchdieb eingedrungen bist und meine Wachen niedergemetzelt hast, ändert das nichts an den Tatsachen. Deine Mutter ist die Königin, ich bin der Earl of March, Nachfahre von König Artus und dem ruhmreichen Brutus, und wir regieren dieses Land!«

Edward lächelte unverbindlich. »Nicht mehr.« Er nickte Bury und Montagu zu. »Fesselt ihn und bringt ihn hinaus.«

Das ließen sie sich nicht zweimal sagen.

Mortimer sah ungläubig zu, wie Montagu die vorbereiteten Stricke um seine Gelenke wickelte, und warf Edward einen gefährlichen, hasserfüllten Blick zu. »Das hat dein Vater auch schon versucht. Aber es hat ihm nichts genützt. Dieser jammervolle Schwächling konnte mich nicht aufhalten, auch wenn er mich eingesperrt und mir meine Güter gestohlen hat.«

Edward blickte ihm in die Augen und nickte langsam. »Einer seiner unverzeihlichsten Fehler. Dieses Mal, Sir, werdet Ihr hängen.«

London, November 1330

Es war stockfinster, als Jonah heimkam; in ganz Cheapside schien es kein einziges Licht mehr zu geben. Die Läden und Werkstätten, die die Straßenfront der meist zweigeschossigen, schmalen Holzhäuser bildeten, hatten längst geschlossen, und schwere Wolken hatten den Sichelmond und die Sterne verschluckt. Seit dem Nachmittag fiel ein lautloser Regen, der die Straßen und Gassen in zähen Morast verwandelt hatte und Jonahs Fackel zu ertränken drohte. In Sichtweite des Hauses gab sie endgültig den Geist auf. Er warf sie achtlos zu Boden und überquerte den kleinen Platz vor der St.-Lawrence-Kirche mit eiligen Schritten. Aus der Taverne »Zum schönen Absalom« drüben neben Robertsons Mietstall drang gedämpftes Stimmengewirr, aber kein Mensch war auf der Straße. Kein Mensch bis auf ihn.

Er klopfte verhalten an die Tür zu Hillocks Tuchladen.

»Wer ist da?«, erkundigte sich eine kräftige, helle Stimme.

»Ich.«

Die Pforte öffnete sich lautlos. Der fünfzehnjährige Crispin stand mit einem Öllämpchen auf der Schwelle. Seine Augen wirkten wie tiefe leere Höhlen im flackernden Licht, und er schützte die kleine Flamme, die Jonah gleißend hell vorkam, mit einer Hand vor der Zugluft.

Blinzelnd trat Jonah ein, nickte und ging an ihm vorbei.

Crispin verriegelte hastig die Pforte und folgte ihm zur Hintertür, die in den kleinen Innenhof des Hauses führte. »Ich habe auf dich gewartet, statt mich schlafen zu legen, weißt du. Du könntest wenigstens danke sagen.«

»Danke.«

Jonah legte die Hand an die Tür, aber Crispin nahm seinen Ellbogen und hielt ihn zurück. »Bleib lieber hier. Du … bist in Schwierigkeiten.«

Er wandte den Kopf. »Tatsächlich?«

Crispin nickte und schlug beklommen die Augen nieder. »Wo warst du nur so lange? Die Meisterin hat sich Sorgen gemacht.«

Jonah schnaubte verächtlich. »Das will ich glauben. Schließlich war ich mit einem ganzen Ballen erstklassiger Wolle unterwegs.« Er riss seinen Arm los, öffnete die Tür und trat hinaus.

Auch im Hof war es finster, doch er brauchte kein Licht, um das vertraute, kleine Quadrat zu überqueren. Er ließ das Hühnerhaus und die klapprige Holzbude mit dem Abort rechter Hand liegen und schritt zwischen den Gemüsebeeten einher, bis seine linke Hand die Brunneneinfassung streifte. Gleich hinter dem Brunnen lag die Küchentür. Auch sie war gut geölt und ließ sich ohne einen Laut öffnen.

Jonah nahm den schweren, tropfnassen Mantel ab, hängte ihn sich über den Arm und glitt ins Trockene. Er war ausgehungert, und ehe er seinem Meister unter die Augen trat, wollte er wenigstens sehen, ob er nicht ein Stück Brot oder vielleicht gar ein paar Reste vom Abendessen fand. Aber er hatte Pech. Kaum hatte er die Küche betreten, öffnete sich eine zweite Tür, die zur Treppe und dem Flur führte, der Laden und Küche verband, und die Meisterin trat ein, einen Messinghalter mit einer Kerze in der Linken.

Er neigte fast unmerklich den Kopf. »Mistress.«

Sie fuhr entsetzt zurück; der dunkle Schatten in der lichtlosen Küche hatte sie erschreckt. Als sie ihn erkannte, verengten sich die haselnussbraunen Augen, die sonst eher vollen Lippen waren plötzlich zu einem schmalen weißen Strich zusammengepresst. Das von Natur aus eigentlich fröhliche, junge Gesicht unter der schlichten weißen Haube wurde hässlich. Jonah stellte nicht zum ersten Mal, aber mit unverminderter Verblüffung fest, dass der Zorn ihre Nase beinah um das Doppelte länger erscheinen ließ.

»Schon zurück?«, fragte sie schneidend. »Und der feine Lord wollte erst einmal speisen, ja? Wann hattest du die Absicht, uns von deiner glücklichen Heimkehr in Kenntnis zu setzen?«

»Gleich im Anschluss«, antwortete er wahrheitsgemäß.

Vielsagend zog sie die Tür auf, durch die sie gekommen war, und ruckte das Kinn Richtung Flur. »Wenn du essen willst, komm in Zukunft pünktlich zu den Mahlzeiten. Und jetzt scher dich nach oben. Master Hillock brennt sicher schon darauf, deine Geschichte zu hören.«

Mit einer spöttischen kleinen Geste ließ er ihr den Vortritt, folgte ihr dann durch den schmalen Gang und die Treppe hinauf. Die alten Holzstufen ächzten unter ihren Schritten.

Über dem Laden lag die Halle, die Master Hillocks Haushalt als Wohngemach diente, außer der Küche der einzig beheizte Raum im Haus.

Rupert Hillock saß mit einem Becher Ale und einer Kerze am Tisch nahe des Fensters und las in einem Buch mit englischen Nacherzählungen biblischer Geschichten. Ein Bär von einem Mann mit ebenso rabenschwarzen Haaren und dunklen Augen wie Jonahs, doch war sein Gesicht fleischiger, gerötet, eine Spur verlebt und beinah zur Hälfte von einem dichten schwarzen Bart bedeckt.

Als er seine Frau und Jonah eintreten sah, klappte er das Buch zu, erhob sich, streckte wortlos die Hand aus und trat vor seinen Lehrling.

Ohne alle Eile öffnete der den schlichten braunen Lederbeutel an seinem Gürtel, schüttete den klimpernden Inhalt in seine Linke und ließ ihn in Ruperts Hand fallen, ohne sie zu berühren.

Rupert zählte murmelnd. »… zwei, drei Pfund und sechs, acht, zehn, zwölf, vierzehn, sechzehn, achtzehn, zwanzig Shilling. Vier Pfund. Stimmt«, brummte er unwillig, nickte und ließ das Geld in seinem eigenen Beutel verschwinden. »Und wo hast du den ganzen Tag gesteckt, du Lump?«, fragte er.

»Im Haus des Baron of Aimhurst. Es hat Stunden gedauert, ehe man mich vorließ.«

»Hast du das Tuch seiner Frau ausgehändigt, wie ich gesagt habe?«, fragte Ruperts Frau begierig.

Jonah schüttelte den Kopf. Er hatte die Baroness nicht zu Gesicht bekommen. Sie sei nicht zu Hause, hatte der Diener behauptet, der ihn einließ, aber Jonah war sicher gewesen, dass der Mann log.

»Warum nicht?«, herrschte Rupert ihn an. »Hab ich dir nicht aufgetragen, du sollst dafür sorgen, dass sie selbst die Wolle auf der Stelle begutachtet? Wir haben sie viel zu preiswert abgegeben; es sollte ein Köderangebot sein! Aber wenn du es ihrer Zofe überlassen hast, war die Mühe umsonst.«

»Sie hat sich verleugnen lassen.«

»Und damit lässt du dich abspeisen, ja?«

»Was sollte ich tun? Die Halle erstürmen?«

Rupert ohrfeigte ihn. Es war ein harter Schlag. Jonah taumelte einen Schritt zur Seite und hielt mit Mühe das Gleichgewicht.

»Wem hast du meine vierundzwanzig Yards feinster flämischer Wolle für vier Pfund verhökert, he? Raus damit!«

»Dem Baron of Aimhurst.« Jonah hatte Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Der Baron selbst war schließlich am frühen Abend über den einsamen, geduldig wartenden Kaufmannslehrling in seiner Vorhalle gestolpert, hatte ihn barsch gefragt, was er wünsche, und ihm dann voller Ungeduld den vereinbarten Preis für die bestellte Wolle bezahlt, ehe er ihm brüsk die Tür wies. Jonah war jedoch nicht gleich gegangen, hatte er doch eine Botschaft für den Baron, die nicht das Geringste mit Rupert Hillocks flämischer Wolle zu tun hatte …

Rupert war einen Augenblick sprachlos. Er stemmte die Hände in die Seiten. »Du hast mit dem Baron selbst gesprochen?«

Jonah nickte.

»Was hat er gesagt?«

Er hob kurz die Schultern. »Nichts weiter.«

Aber Rupert hatte sein verräterisches, höhnisches Grinsen gesehen. Er packte den Lehrling mit einer seiner Pranken am Oberarm, schlug ihn wieder ins Gesicht und knurrte: »Was hat er gesagt? Gib gefälligst Antwort, du maulfauler Bastard !«

Jonah hob den Kopf, wischte sich mit dem Handrücken ein bisschen Blut aus dem Mundwinkel und sah seinem Meister in die Augen. »›Das sieht euch ähnlich‹, hat er gesagt. ›Dieses Land geht vor die Hunde, in Tyburn hängen sie Roger Mortimer wie einen gewöhnlichen Dieb, die ganze Stadt ist in Aufruhr, und ihr Pfeffersäcke könnt an nichts als eure Tuchballen denken.‹«

Ruperts großporiges Gesicht nahm eine bedenklich dunkelrote Farbe an. Jonah versuchte, nach rechts auszuweichen, doch die Faust erwischte ihn am Jochbein, und er ging zu Boden. Er rollte sich zusammen, aber nicht schnell genug. Ein mörderischer Tritt traf ihn in den Magen. Jonah rang keuchend um Atem und hustete erstickt. Er wollte sich aufstützen, er wusste, er musste fliehen, aber er konnte sich nicht rühren. Also legte er schützend die Arme um den Kopf und wartete.

Doch ehe der nächste Schlag fiel, hörte er ein wutentbranntes Krächzen: »Rupert! Hör sofort auf damit!«

»Madam Großmutter …« Rupert Hillock versuchte ohne großen Erfolg, seiner Stimme einen freudigen Unterton zu verleihen, seinen Schrecken zu verbergen. »Ich glaubte, Ihr seiet schon schlafen gegangen.«

Die zierliche alte Dame trat näher. Sie zog das linke Bein nach, die dürre, gichtgekrümmte Hand hielt den eleganten Stock umklammert, auf dessen Hilfe sie angewiesen war, doch ihre Haltung war kerzengerade, das vom perlgrauen Tuch der Rise umschlossene Kinn angriffslustig vorgestreckt. Cecilia Hillock war mit ihren beinah achtzig Jahren so unglaublich alt, dass es einem schon unheimlich davon werden konnte. Zweifellos war es ihr eiserner Wille, der sie am Leben hielt, und sie war das unangefochtene, allseits gefürchtete Oberhaupt der Familie.

»Du hast dich geirrt«, versetzte sie frostig. »Wie so oft.«

Jonah hatte festgestellt, dass er zumindest in kleinen, schmerzhaften Zügen wieder atmen konnte, und mit dem Atem war auch Leben in seinen Körper zurückgekehrt. Er stand lautlos vom Boden auf und glitt in die Dunkelheit nahe der Tür, außerhalb der Lichtkreise von Feuer und Kerze.

»Du solltest dich schämen, Rupert!«, fuhr die alte Dame fort. »Was fällt dir ein, den Jungen so zu behandeln?«

Rupert Hillock hob beinah flehentlich die Hände. »Er ist aufsässig und unverschämt! Es ist meine Pflicht, ihm beizubringen, dass man so nicht durchs Leben kommt!«

Jonah wollte das nicht hören. »Kann ich gehen, Sir?«

»Du bleibst hier«, beschied Cecilia.

»Er tut einfach nicht, was ich ihm sage«, stieß Rupert hervor.

»Ich bin sicher, er hat seine Gründe.«

»Großmutter …«, protestierte Elizabeth und verstummte, als der Blick der uralten, dunklen Augen auf sie fiel.

»Du sei lieber still.« Es war ein leises, aber unmissverständlich drohendes Krächzen. »Wenn du dich weniger um deinen Ehrgeiz und die Belange deines Mannes und stattdessen mehr um deine eigenen Pflichten kümmern würdest, könntest du vielleicht auch einmal ein Kind neun Monate lang austragen und diesem Haus einen Erben geben!«

Elizabeth presste eine Hand vor den Mund und wich einen Schritt zurück.

Jonah betrachtete die alte Frau mit einer Mischung aus Faszination und Schrecken. Wie grausam sie sein konnte. Wie erbarmungslos. Und wie kühl sie kalkulierte.

Sie erwiderte seinen Blick und nickte ihm knapp zu. »Sei so gut und begleite mich, Jonah.«

Bereitwillig trat er aus dem Schatten. Er hielt ihr die Tür auf, und ohne einen weiteren Blick auf Rupert und Elizabeth, ohne ihre Erlaubnis abzuwarten, folgte er der streitbaren alten Dame hinaus, nahm behutsam ihren Arm und geleitete sie zu ihrem Gemach, das gleich neben der Kammer des Hausherrn am Ende des Ganges über der Küche lag.

»Und?«, fragte sie leise, als sie vor ihm eintrat. »Was hat Aimhurst gesagt?«

Jonah schloss die Tür und sog den schwachen Duft nach Zimt und Lavendel ein, der dieser Kammer zu Eigen war. Er liebte den Geruch.

»Er hat kein großes Vertrauen zu dem jungen König, glaube ich«, antwortete Jonah beinah flüsternd, obwohl sie jetzt unter sich waren. »Aber er ist sicher, dass es bald einen neuen Krieg mit Schottland gibt. Und er hält nichts von Ruperts flämischer Wolle für die Ausrüstung seiner Bogenschützen. Zu teuer, sagt er. An Eurem Tuch hingegen war er sehr interessiert. Wenn Ihr bis März zehn Ballen liefern könnt, sagt er.«

Die alte Frau stieß ein zufriedenes, gackerndes Lachen aus. »Nichts leichter als das. Gut gemacht, Jonah. Gut gemacht wie üblich. Und es soll dein Schaden nicht sein.«

Sie setzte sich in einen bequemen Polstersessel, verschränkte die Hände auf dem Knauf ihres Stocks und lächelte versonnen vor sich hin.

Jonah ließ sich zu ihren Füßen nieder und zog mit spitzen Fingern das glühend heiße Kohlebecken näher.

Die knotige alte Hand fuhr ihm über den schulterlangen, schwarzen Schopf. »Dieser junge neue König könnte sehr vieles verändern. Ich sage dir, es brechen neue Zeiten an.«

»Aber der Baron of Aimhurst glaubt nicht an König Edward«, wiederholte Jonah zweifelnd.

Die alte Dame schnaubte. »Aimhurst ist ein aufgeblasener Narr wie Rupert und genau wie er zu engstirnig, um zu erkennen, dass ihm eine neue Generation auf den Fersen ist. Nein, nein, Jonah, der junge Edward hat sich mit einem gewagten Schurkenstück sein Geburtsrecht erkämpft. Ich kann kaum glauben, dass er nun plötzlich zahm wird. Er ist die Zukunft, und das wird eine unruhige Zukunft sein. Wer das früh genug erkennt, kann davon profitieren.«

Jonah lächelte schwach. »Oh, ich bin überzeugt, das werdet Ihr. Ihr habt einen unfehlbaren Blick für Zukunftsaussichten.«

So hatte sie beispielsweise schon im Juni prophezeit, dass der Stern der Königinmutter und ihres ehrgeizigen Liebhabers bald sinken werde. Als die Ereignisse in Nottingham sich vor wenigen Wochen dann plötzlich überstürzt hatten, Mortimer verhaftet und die Königinmutter ohne alle Rücksichten auf ihre Wünsche auf das abgelegene königliche Gut von Berkhamstead gebracht wurde, hatte Jonah sich gefragt, ob die alte Cecilia vielleicht eine Kristallkugel besäße, die sie gelegentlich in aller Heimlichkeit befragte.

»Das liegt an meinem biblischen Alter. Nein, nein, mein Junge. Die Zukunft spielt für mich keine große Rolle mehr. Das Gleiche gilt umgekehrt. Ich dachte mehr an dich. Wie alt bist du jetzt, Jonah?«

»Achtzehn, Madam Großmutter.«

Sie zog seinen Kopf an ihr Knie, und der sonst so widerborstige junge Kaufmannslehrling schloss die Augen und überließ sich der Liebkosung dieser uralten Hand.

»So alt wie der König«, murmelte Cecilia.

Jonah erwachte vor Hunger, noch ehe der Hahn in ihrem und die in den benachbarten Höfen ihr morgendliches Konzert anstimmten.

Er stand lautlos auf, faltete seine Decke zusammen und beförderte den mit Stroh gefüllten Wollsack, der ihm als Bettstatt diente, mit einem geübten Tritt unter den Ladentisch. Dann nahm er den Eimer, um Wasser für die Morgentoilette zu holen, und ging in den Hof hinaus. Es war noch dunkel. Er fröstelte in der Morgenkälte, doch es würde noch ein paar Wochen dauern, ehe das Brunnenwasser morgens überfroren war. Jonah warf einen nachlässigen Blick zur Küche hinüber und hinauf zu den Fenstern der Halle. Alles war still und dunkel. Er öffnete den Verschlag des Hühnerhauses einen Spaltbreit, steckte den Arm hindurch und tastete im Stroh, bis er ein warmes Ei fand. Sorgsam verschloss er das Türchen wieder, ehe er mit dem Zeigefinger vorsichtig die Spitze des Eis eindrückte und es begierig ausschlürfte. Schlagartig verging das bohrende Hungergefühl. Er zertrat die Schale unter dem Absatz und verscharrte sie im Kräuterbeet. Dann setzte er seinen Weg fort.

Als der Hahn endlich krähte, war Jonah schon rasiert.

Der junge Crispin, der seit gut einem Jahr bei Master Hillock in der Lehre war und ebenso wie Jonah im Laden schlief, fuhr wie gestochen von seinem Strohsack hoch.

»Ist heute Sonntag?«, fragte er schlaftrunken.

»Leider nicht«, erwiderte Jonah.

Der jüngere Lehrling raufte sich stöhnend den zerzausten Blondschopf. »Warum nicht? Es ist zu kalt zum Aufstehen.«

Jonah wies auf den Reisigbesen an der Wand. »Von der Arbeit wird dir sicher warm.«

Crispin brummte missgelaunt, erhob sich umständlich, sah Jonah zum ersten Mal richtig an und wandte den Blick gleich wieder ab. »Du hast ein blaues Auge«, beschied er.

Wie aus eigenem Antrieb hob Jonahs Linke sich, und die Finger betasteten behutsam die Schwellung über dem Jochbein. Dann wandte er sich achselzuckend ab und strich seinen knielangen Kittel aus schlichter, aber guter dunkelgrauer Wolle glatt.

»War’s schlimm?«, fragte der Jüngere beklommen.

»Nein. Der alte Drachen kam rechtzeitig zu meiner Rettung.«

Crispin sah ihn kopfschüttelnd an. »Wie kannst du sie nur so nennen? Sie ist deine Großmutter. Und wenn sie nicht wäre, hätte der alte Rupert dich vermutlich längst …«

Jonah schnitt ihm mit einer ungeduldigen Geste das Wort ab. »Jetzt geh endlich pinkeln, und dann bring den Laden in Ordnung.«

Der gutmütige Crispin tat wie meistens genau das, was man ihm sagte. Er verließ den Laden ohne ein weiteres Wort und gestand Jonah ein paar Minuten des Alleinseins zu, denn er wusste, sie waren ihm kostbar.

Jonah spitzte die Federkiele und vergewisserte sich, dass die Bestellungen, die im Laufe des Vormittags abgeholt oder ausgeliefert werden sollten, bereitlagen. Er brauchte zu dem Zweck nicht auf die Liste zu sehen, die auf dem Tisch lag. Er wusste immer genau, was für den Tag anstand. Er kannte dieses Geschäft. Im Grunde gab es nichts mehr, das Rupert Hillock ihm noch beibringen konnte. Trotzdem standen ihm drei seiner sieben Lehrjahre noch bevor, so schrieb es ein Lehrvertrag vor, den, wollte man seiner Großmutter glauben, seine Mutter praktisch auf dem Sterbebett ihrem Bruder, Rupert Hillocks Vater, abgerungen hatte. Er dachte lieber nicht an die drei Jahre, die noch vor ihm lagen. Er hatte sich zur Gewohnheit gemacht, niemals weiter als bis zum nächsten Tag zu denken. Auf diese Weise war es erträglich. Auf diese Weise waren schon vier lange Jahre ins Land gegangen.

»Warst du bei der Hinrichtung?«, fragte Crispin, als er zurückkam.

Jonah schüttelte den Kopf.

»Also? Wo hast du den ganzen Tag gesteckt?« Crispin hatte die Hintertür des Ladens offen stehen lassen, griff nach dem Besen und kehrte Staub, Wollfusseln und den getrockneten Straßendreck, den die Kundschaft des Vortages hereingetragen hatte, in den Hof hinaus.

»Nicht so wild«, mahnte Jonah. »Du stäubst die ganze Ware ein.« Liebevoll, beinah ehrfürchtig strich er mit den Fingerspitzen über ein paar Ballen dunkelgrünen, hochwertigen Kammgarns aus Salisbury. Er liebte dieses feste und gleichzeitig weiche Gefühl und den schwachen Geruch der Grünerde, die die Grundlage des Farbstoffs bildete. Wolle faszinierte Jonah, ihre Vielfalt ebenso wie ihre Nützlichkeit und Schönheit. Von der schlichten, ungewalkten Wolle, die jede Hausfrau auf dem Lande selber spann und webte, bis zu dem edlen Tuch, das in Flandern oder Florenz hergestellt wurde, kleidete Wolle Bauern und Könige seit Menschengedenken, war ebenso Lebensgrundlage wie das tägliche Brot, doch sie war noch viel mehr als das: Wolle war Englands Gold. Das war eine Tatsache, die jedem Schafzüchter, Weber, Walker und Färber ebenso bekannt war wie ihm, aber manchmal kam es ihm vor, als erkenne keiner außer ihm, welche Möglichkeiten dieser Umstand bot. Sein Cousin Rupert zum Beispiel, der schon über fünf Jahre sein eigenes Geschäft führte, hatte es ganz sicher nicht erkannt. Und wenn Jonah daran dachte, wie lange er noch warten musste, ehe er Rupert Hillocks Engstirnigkeit entfliehen und seine zahllosen eigenen Ideen in die Tat umsetzen konnte, dann verfiel er in Schwermut, in einen dumpfen, hilflosen Zorn, der ihn noch sprachloser machte, als er es ohnehin meistens schon war. Darum mied er solche Gedanken. Entgegen weit verbreiteter Annahme waren nämlich Schwermut und Düsternis nicht seine bevorzugte Gemütsverfassung.

»Jonah, träumst du? Kriege ich eine Antwort?«, drängte Crispin.

Er sah von dem grünen Tuch auf. »Ich war bei Aimhurst.«

Mit wenigen Sätzen fasste er die Begebenheiten seines Botengangs zusammen, während sie den Laden für den neuen Tag vorbereiteten. Von dem kleinen Nebengeschäft, das er auf Rechnung seiner Großmutter mit dem Baron of Aimhurst ausgehandelt hatte, erwähnte Jonah nichts. Er mochte Crispin gern, und vermutlich hätte er ihm auch trauen können, doch der Junge war so aufrichtig, so vollkommen arglos, dass ein solches Geheimnis ihn sicher belastet hätte.

Während sie zum Frühstück hinaufgingen, sprach der jüngere Lehrling lebhaft und ohne Unterlass über das Thema, welches London, eigentlich das ganze Land, im Augenblick vornehmlich interessierte: die unerwartete Machtübernahme des jungen König Edward, was für einen Herrscher er wohl abgeben würde, ob er eher seinem schwachen Vater oder seinem übermächtigen Großvater glich, ob er den Frieden mit Schottland aufkündigen würde, den der verhasste Mortimer in König Edwards Namen geschlossen und den jeder Engländer als schändlich empfunden hatte, wie Edwards junge flämische Königin Philippa wohl sein mochte, die im Juni einen Thronfolger zur Welt gebracht hatte, und so weiter und so fort.

Jonah hörte ihm mit Interesse zu. Crispin war immer außerordentlich gut informiert über alles, was in London und Westminster vorging. Er bezog gelegentlich Prügel, weil er nach Rupert Hillocks Auffassung den halben Tag mit eitlem Geschwätz vergeudete und der Arbeit aus dem Wege ging. Doch Jonah wusste, dass das nicht stimmte. Die Kunden im Laden plauderten eben mit dem freundlichen Lehrjungen, der gern eine kleine Skandalgeschichte hörte oder zum Besten gab. Jonah war überzeugt, dass manche gar ihren Laden statt die der Konkurrenz aufsuchten, um diesem harmlosen Laster zu frönen. Crispin war gut fürs Geschäft. Und er gehörte zu den wenigen Menschen, die gleichzeitig reden und arbeiten konnten.

Als sie sich der Halle näherten, war der Junge mitten in einer Geschichte über den blinden Earl of Lancaster. Jonah legte ihm warnend eine Hand auf den Arm, Crispin brach ab, und sie betraten den Raum schweigend. Rupert saß schon an seinem Platz an der Mitte der Tafel, flankiert von seiner Frau und seiner Großmutter. Elizabeth gegenüber saß Annot, eine Fleischerstochter aus Canterbury, die seit dem Sommer Elizabeths Lehrmädchen war und der Meisterin bei der Ausübung des bescheidenen Seidenhandels half, den diese nach ihrer letzten Fehlgeburt im vergangenen Winter aufgenommen hatte. Die Mägde trugen Porridge, Brot, Honig und verdünntes Ale auf, ehe sie sich ans untere Ende des Tisches setzten. Auch Crispin nahm seinen Platz ein. Jonah trat an den hüfthohen, schweren Eichenschrank, der fast die gesamte linke Wand der Halle einnahm und das schönste Möbelstück des Raumes war. Zinnteller, Kerzenleuchter und Becher wurden ebenso darin aufbewahrt wie die zwei kostbaren Bücher, die Master Hillock besaß. Auf dem Schrank stand eine Schüssel mit Wasser, reines Leinen lag daneben. Jonah hängte sich das Tuch über den Arm und trug die Schüssel zu seinem Meister, der sich die Hände wusch, ohne seinen jungen Verwandten anzusehen. Jonah hatte den Verdacht, dass Rupert sich wegen seines Verhaltens vom Vorabend schämte. Master Hillock war kein grausamer Mann und nicht bösartiger als irgendeiner seiner Nachbarn. Er war gefährlich, wenn er in Wut geriet, vor allem, wenn er zu viel Ale getrunken hatte, was, so schien es Jonah, in den vergangenen Monaten immer häufiger vorkam. Aber Hillock galt als ehrlicher Kaufmann und war bei seinen Gildebrüdern beliebt. Und vielleicht hätte er ein ganz anderer Mann werden können, wenn er nicht ausgerechnet Elizabeth geheiratet hätte.

Als Jonah die Waschschüssel nach seiner Großmutter auch der Meisterin hinhielt, warf diese ihm unter halb geschlossenen Lidern hervor einen kurzen Blick zu. Dann tauchte sie die Hände mit genügend Schwung ein, dass das Wasser aufspritzte und ein kleiner Schwall auf Jonahs Brust landete.

»Pass doch auf, Tölpel«, fuhr sie ihn an.

Er sagte nichts, wartete, bis sie sich die Hände getrocknet hatte, und trat einen Schritt zurück, während Rupert das Tischgebet sprach. Jonah sah an sich hinab. Das Wasser in der Schüssel enthielt Lavendelsud und würde somit Flecken auf seinem Gewand hinterlassen. Er konnte wohl getrost davon ausgehen, dass es verdorben war. Einen Augenblick erwog er, Elizabeth den Inhalt der Schüssel über das fromm gesenkte Haupt zu gießen. Er war sicher, sie hatte es mit Absicht getan. Sie wusste, welch großen Wert er auf eine tadellose Erscheinung legte. Und sie wusste natürlich ebenso, dass er mit dem fleckigen Kittel würde leben müssen, bis sie ihm einen neuen zugestand, und es war ausgesprochen fraglich, ob das vor dem Tag des Jüngsten Gerichts passieren würde. Er spürte den warnenden Blick seiner Großmutter mehr, als dass er ihn sah, und nahm von seinem unheilvollen Vorhaben Abstand. Nach dem »Amen« brachte er die Schüssel zum Schrank zurück und nahm seinen Platz neben Crispin ein.

Die Mahlzeit verging großteils schweigend, denn Rupert ebenso wie die alte Mistress Hillock betrachteten eitles Geplauder bei Tisch als schlechtes Benehmen. Erst als die Mägde nach dem Dankgebet die Teller und Schalen einsammelten, besprach der Tuchhändler mit seinen Lehrlingen die Arbeit des Tages und übertrug ihnen ihre jeweiligen Aufgaben.

Als Jonah etwa zwei Stunden später von seinen Botengängen in der Dyer Street zurückkam, wo die Färber von London ihre Werkstätten hatten und er allerhand Bestellungen aufgegeben hatte, fand er Crispin und Annot allein im Laden. Sie standen hinter den deckenhohen Regalen, die den eigentlichen Laden vom Lager trennten, und waren so in ihre Unterhaltung vertieft, dass sie seine Ankunft weder sahen noch hörten. Crispin ließ keine Gelegenheit aus, mit Annot zu plaudern. Seit dem Tag, da das hübsche, blauäugige und zumindest damals noch rehhaft scheue Mädchen ins Haus gekommen war, lag Crispin ihr zu Füßen.

»Warum hasst die Meisterin ihn so?«, hörte Jonah sie fragen, und ihr entrüsteter Tonfall belustigte ihn.

»Tja, ich habe keine Ahnung«, gestand Crispin.

»Aber wie kann sie ihn nur so behandeln? Schließlich gehört er zur Familie.«

Ein paar Atemzüge lang waren nur die Striche einer Bürste zu hören, mit der Crispin sich vermutlich an einem Tuchballen zu schaffen machte, damit sich keine Motten darin einnisteten. Schließlich sagte der Junge nachdenklich: »Wahrscheinlich hasst sie ihn genau deswegen. Solange sie kein Kind bekommt, ist Jonah Master Hillocks Erbe. Jedenfalls weiß ich von keinen weiteren Verwandten. Und ich bin sicher, das gefällt ihr nicht.«

Sehr scharfsinnig erkannt, dachte Jonah. Natürlich war Elizabeth, sollte sie ihren Mann überleben, erst einmal selbst dessen Erbin. Starb sie aber ohne Nachkommen, was sie inzwischen wohl befürchtete und Jonah inständig hoffte, dann würde das Geschäft tatsächlich an ihn fallen.

»Und wieso muss er hier leben und sich das gefallen lassen? Hat er denn sonst niemanden? Wer war sein Vater?«

»Das weiß ich nicht. Er redet nie darüber.«

»Hm«, machte Annot versonnen. »Dann ist er sicher der Bastard irgendeines feinen Lords. Das würde mich weiß Gott nicht wundern.«

Jonah biss sich auf die Unterlippe und trat auf leisen Sohlen hinter die Regalwand. »Ich muss dich leider enttäuschen. Mein Vater war der Londoner Silberschmied Lucas Durham und zumindest am Tag meiner Geburt der Gemahl meiner Mutter. Als ich ein Jahr alt war, verletzte er sich an einem seiner Werkzeuge, bekam Fieber und starb, hoch verschuldet, wie sich herausstellte.«

Annot war zusammengezuckt und leicht errötet, als er so plötzlich hinzugetreten war.

Crispin hatte der untypisch wortreichen Enthüllung mit offenem Munde gelauscht und fragte verständnislos: »Warum hast du mir das nie erzählt?«

Jonah hob kurz die Schultern. »Du hast nie gefragt.«

Kopfschüttelnd setzte Crispin seine Arbeit fort. Er rollte das abgebürstete Stück Tuch wieder auf, entrollte die nächsten drei oder vier Ellen, ließ sie vom Regal herunterhängen und fuhr mit langen, kräftigen Bürstenstrichen darüber.

Annot saß auf einem Schemel und säumte mit feinen Stichen ein Stück scharlachroter Seide, damit es nicht ausfranste, ehe es verkauft wurde. Sie hatte sich von ihrem Schreck erholt, ließ die Nadel ruhen und betrachtete Jonah mit unverhohlener Neugierde. »Was wurde aus deiner Mutter und dir? Hast du Geschwister?«

Er schüttelte den Kopf. »Wir lebten ein paar Jahre von der Mildtätigkeit der Zunftbrüder meines Vaters, bis meine Mutter an der Schwindsucht starb.«

»Mit der Mildtätigkeit der Silberschmiede kann es nicht so weit her gewesen sein«, brummte Crispin, der wie jeder waschechte Kaufmann mit Hochmut und Misstrauen auf jeden Handwerker herabblickte, ungeachtet der Tatsache, dass gerade die Gold- und Silberschmiede reicher waren als die meisten kleinen Kaufleute und ihr Vermögen oft mit Großhandel in allen möglichen Gütern mehrten, also selbst Großkaufleute waren.

Jonah schüttelte wiederum den Kopf. »Ich bin sicher, sie haben getan, was sie konnten.«

Er hatte kaum Erinnerungen an jene Zeit. Er wusste eigentlich nur das, was seine Großmutter ihm erzählt hatte: Cecilias Mann hatte sich von der liederlichen Tochter losgesagt, die sich von einem stadtbekannten Taugenichts, Spieler und Trunkenbold hatte schwängern lassen – wenngleich der stadtbekannte Taugenichts mehr Ehre bewies als manch anderer, hatte Jonah oft gedacht, indem er das Mädchen heiratete, das er in Schwierigkeiten gebracht hatte, wozu nichts und niemand ihn zwang als höchstens sein Gewissen. Es hatte seinen Großvater nicht versöhnt. Erst nach dessen Tod hatte die Großmutter ihre bettelarme und inzwischen todkranke Tochter ausfindig machen und nach Hause bringen können. Ihr Sohn, Ruperts Vater, hatte seine Schwester und deren Balg nur widerwillig aufgenommen, doch ehe sie starb, hatte er ihr versprochen, ihren Jungen in die Lehre zu nehmen. Erst einmal sorgte die Großmutter dafür, dass der inzwischen fünfjährige Jonah auf die Schule von Bermondsey Abbey kam. Das Benediktinerkloster befand sich außerhalb der Stadtmauern, am grünen südlichen Themseufer gegenüber dem Tower, und die Schule stand in hohem Ansehen. Cecilia wusste sehr wohl, dass eine gute Schulbildung die wichtigste Voraussetzung war, um ein guter Kaufmann zu werden. Jonahs früheste Erinnerung war ein seltsam widersprüchliches Gemisch aus Verlorenheit, Trauer um seine Mutter – und Erleichterung, seinem mürrischen Onkel und seinem Vetter Rupert, der damals ein siebzehnjähriger Flegel gewesen war und ihn unbarmherzig gehänselt und malträtiert hatte, entkommen zu sein. Jonah hatte sich schnell in Bermondsey Abbey eingelebt. Die meisten der Brüder waren sehr gut zu ihm. Sie erfreuten sich an seinem wachen Geist und förderten ihn, ohne je zu verlangen, dass er sich mehr öffnete, mehr redete oder mehr von sich preisgab, als seiner Natur entsprach. Kam er zu hohen Feiertagen nach Hause, war er immer erleichtert, wenn er anschließend in die Stille und Geborgenheit des Klosters zurückkehren konnte. Doch als der Bruder Prior ihn kurz vor dem Verlassen der Schule gefragt hatte, ob er nicht bleiben und die Gelübde ablegen wolle, hatte Jonah abgelehnt. Und so schlimm es auch manchmal war mit Rupert und Elizabeth, hatte er seinen Entschluss trotzdem nie wirklich bereut. Er hatte irgendwie immer gewusst, dass er in die Welt da draußen vor den Klostermauern gehörte. In Bermondsey Abbey zu bleiben hätte nicht bedeutet, ihr zu entsagen, sondern sich vor ihr zu drücken.

Um von sich und seiner wenig erbaulichen Geschichte abzulenken, beugte er sich über Annot und befühlte das feine, glänzende Tuch in ihrem Schoß zwischen zwei Fingern. Es war kühl und glatt wie ein Spiegel. »Der Silberschmied in mir sagt, du solltest lernen, eine solche Seide mit Gold- und Silbergarn zu besticken. Dann könntest du sie für das Zehnfache dessen verkaufen, was du bezahlst.«

Sie sah zu ihm auf. Schon so oft hatte sie sich gewünscht, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Jetzt, da es passiert war, fühlte sie sich mit einem Mal scheu und unbeholfen. »Aber ich will doch Seidenhändlerin werden, nicht Stickerin«, war alles, was zu erwidern ihr einfiel.

Er lächelte auf sie hinab. Annot fragte sich, ob er wusste, dass sich in seinen Mundwinkeln zwei Grübchen bildeten, wenn er lächelte, ob er ahnte, welch eine verheerende Wirkung seine geschwungenen, beinah vollen Lippen selbst auf ein anständiges Mädchen wie sie hatten, dass sie sie verleiten wollten, aufzuspringen und ihren Mund darauf zu pressen. Sie senkte hastig den Kopf, damit er ihre beschämenden Gedanken ja nicht erriet.

Manchmal lag Annot abends in der Dachkammer in ihrem Bett, das sie mit den beiden Mägden teilte, und überlegte sich, wie es wohl wäre, wenn sie sich einmal allein mit Jonah nach Ladenschluss im Lager fände. Sie legte sich Dinge zurecht, gescheite und witzige Bemerkungen, Neckereien und Schmeicheleien, denn sie wünschte sich so sehr, dass er sie bewunderte und mochte, sie endlich zur Kenntnis nahm. Und sie malte sich aus, dass er sie einmal mit auf einen der vielen Märkte der Stadt nahm oder zu einer der Paraden oder gar zu den Schauspielen, die die Gilden veranstalteten. Beinah schon ein halbes Jahr lebte sie jetzt hier und hatte doch außer der Kirche und den Läden der Nachbarschaft noch nichts von der großen Stadt gesehen.

»Nun, wenn du Seidenhändlerin und Stickerin wärest, könntest du jedenfalls steinreich werden«, bemerkte Crispin, dem gar nicht gefiel, welche Blicke Annot unter ihren dichten Wimpern hervor auf Jonah warf.

Sie faltete mit einem Seufzer ihre kostbare Ware zusammen und erhob sich. »Ich werde darüber nachdenken. Jetzt sollte ich wohl erst einmal gehen und der Meisterin bei der Abrechnung helfen. Wenn ich das nicht bald lerne, werde ich ganz sicher nicht reich, egal in welchem Geschäft.«

Crispin tat das mit einer wegwerfenden Geste ab. »Ach, bleib doch noch einen Augenblick. Die Bücher laufen einem niemals weg, glaub mir, ich spreche aus Erfahrung.«

»Crispin …«, mahnte Jonah leise.

Der Jüngere zog verwundert die Brauen hoch. »Ah, da spricht unser Ausbund an Pflichterfüllung, der sich jeden Abend förmlich darum reißt, die Abrechnung zu machen.«

Jonah verzog einen Mundwinkel, sagte aber ernst: »Bring sie nicht in Schwierigkeiten.«

Annot war so beglückt darüber, dass er sich um ihretwillen sorgte, dass sie erwog, ihren Aufbruch noch ein paar Minuten aufzuschieben. Doch noch ehe sie einen Entschluss gefasst hatte, rief eine Stimme aus dem vorderen Teil des Ladens: »Gott zum Gruße, gibt’s hier auch Bedienung?«

Das etwas schrille Trällern war unverkennbar: Es war Mistress Thorpe, die schwatzhafte Gattin eines Schuhmachers aus der Nachbarschaft. Jonah verdrehte vielsagend die Augen und machte eine einladende Geste in Crispins Richtung.

»Immer ich«, murrte der Jüngere. »Das ist nicht gerecht.« Doch dann setzte er sein strahlendstes Lächeln auf und ging entschlossenen Schrittes nach vorn. »Mistress Thorpe! Welche Freude, dass Ihr uns beehrt. Ihr seht blendend aus, Madam, wenn Ihr meine Kühnheit verzeihen wollt. Erzählt mir nicht, Ihr wollt Tuch für einen neuen Mantel – keiner könnte Euch besser stehen als der, den Ihr tragt.«

Die Nachbarsfrau kicherte wie eine ihrer zahlreichen Töchter. »Was für ein Schmeichler du bist, Crispin. Nein, unsere Mildred soll sich demnächst zum ersten Mal mit ihrem Verlobten treffen, und ich will ihr ein neues Kleid nähen. Sie soll recht hübsch aussehen.«

»Das ist hoffnungslos«, wisperte Annot und wurde von Jonah mit einem spitzbübischen Verschwörerlächeln belohnt. Aber er brach den Blickkontakt gleich wieder ab, nahm Crispins Bürste auf und setzte dessen Arbeit eine gute Portion schneller und geschickter fort. Annot bewunderte verstohlen seine sparsamen, geschmeidigen Bewegungen.

»Mildred?«, hörten sie Crispin fragen. »Sie soll schon heiraten? Wer ist denn der Glückspilz?«

»Seaburys Ältester«, verkündete die zukünftige Brautmutter mit unverhohlenem Stolz.

»Seabury? Der Apotheker? Glückwunsch, Mistress. Eine großartige Partie.«

Sie hielten sich ein paar Minuten mit dem Ansehen und Vermögen der alteingesessenen Apothekerfamilie auf, und fast beiläufig legte Crispin der kauffreudigen Kundin die neue Ware aus Salisbury vor, deren Farbe, so betonte er, vortrefflich zu Mildreds hübschen Augen passen werde.

Doch als Mistress Thorpe den Preis hörte, kühlte ihre Begeisterung merklich ab. »Zwei Shilling pro Yard? Aber Crispin, wo denkst du hin? Sie soll Seaburys Sohn heiraten, nicht den Kalifen von Cordoba. Webster von gegenüber hat mir ein grünes Tuch für acht Pence gezeigt!«

»Webster von gegenüber« war der Tuchhändler Christian Webster, Rupert Hillocks größter Konkurrent und Widersacher. Einen Kunden an ihn zu verlieren war folglich ganz besonders bitter. Crispin versuchte, die Kundin von der überlegenen Qualität seiner Ware zu überzeugen, aber Jonah spürte förmlich in den Fingerspitzen, wie ihnen das Geschäft durch die Lappen ging. Er trat neben Crispin an den Ladentisch und neigte ehrerbietig das Haupt vor der fassrunden Matrone in ihrer gräulich weißen Rise, unter welcher sich ihr baumstammdicker Hals und ein beachtliches Doppelkinn abzeichneten. Jedes Mal, wenn er die Nachbarsfrau sah, erschreckte ihn wieder aufs Neue, wie fett sie war. »Einen guten Tag, Mistress«, grüßte er höflich.

»Ah! Jonah.« Sie lächelte, doch ihre Stimme trällerte nicht mehr so überschwänglich wie zuvor. Wie so vielen der Handwerkers- und Kaufmannsfrauen aus der Gegend flößte Rupert Hillocks wortkarger Lehrling mit den durchdringenden, schwarzen Augen auch ihr ein leises Unbehagen ein. Jonah wusste das genau. Die Frauen ließen sich viel lieber von Crispin bedienen, der ihnen schmeichelte und interessante Neuigkeiten erzählte, oder von Rupert, der jede Kundin wie eine Königin behandelte. Jonah hatte so oft versucht, sich zu ändern – er wusste, sein Ruf als Finsterling schadete dem Geschäft. Aber ganz gleich, was er tat und wie sehr er sich bemühte, der Ruf haftete ihm an wie ein Fluch. Rupert Hillock freilich nahm es gelassen. Er hatte beobachtet, dass die Schneider, die seine kaufkräftigsten Kunden waren, am liebsten mit Jonah verhandelten, denn sie schätzten seine Kompetenz und nüchterne Geschäftsmäßigkeit, die ihnen Zeit ersparten. Und die ganz jungen Frauen aus dem Viertel kamen auch gern zu ihm, ganz gleich, wie frisch verheiratet sie waren. Rupert neidete Jonah seinen Erfolg bei den jungen Dingern und hielt ihm regelmäßig vor, er werfe ihnen unschickliche Blicke zu und verdrehe ihnen die Köpfe. Jonah reagierte ebenso regelmäßig mit Unverständnis, denn er merkte nicht einmal, wie sie ihn ansahen. Doch alles in allem war es Rupert schon ganz recht so, wie es war. Auf seine Art war Jonah mit seiner kühlen Unnahbarkeit dem Geschäft ebenso zuträglich wie Crispins Leutseligkeit.

»Wie ich sehe, interessiert Ihr Euch für das neue Kammgarn aus Salisbury? Das ist gut gewählt, Mistress«, bemerkte Jonah.

Ein wenig gehetzt sah sie auf, suchte nach einer Möglichkeit, das Thema zu wechseln, und entdeckte den Bluterguss unter seinem Auge. »Du meine Güte, wie schaust du wieder aus.«

Er winkte ab. »Ihr solltet den anderen Kerl sehen.«

Aber sie ließ sich nichts weismachen. »Was stellst du nur immer an, dass dein Vetter dich ständig so zurichtet?«

Jonah spürte, wie seine Miene gefror. Er wollte lächeln, irgendeine Bemerkung machen, die ihn aus dieser Situation erlöste, aber er konnte nicht. Er war wie erstarrt.

Mistress Thorpe sah ihn noch einen Moment an und wusste plötzlich wieder, warum sie diesen jungen Mann so unheimlich fand. Sie räusperte sich und befingerte verlegen das grüne Tuch. »Also, ich weiß wirklich nicht … es ist zu teuer.«

»Fühlt es noch einmal, Mistress«, schlug Jonah vor. »Fühlt nur, wie glatt und gleichmäßig gewebt es ist.« Er ließ der Kundin ein paar Atemzüge Zeit, die feine Wolle zu betasten, dann hob er den schweren Ballen ohne erkennbare Mühe auf und trug ihn zur Tür. »Hier, Ihr solltet es bei Tageslicht betrachten. Seht Ihr, wie es fällt? Ganz glatt. Es schimmert beinah. Es ist gleichmäßiger gewalkt als die meisten anderen Tuche, denn die Walkmühlen in Salisbury sind nun einmal die besten. Und schaut nur, wie satt die Farbe ist. Es ist eben Salisbury Green, Mistress, und Qualität hat ihren Preis. Aber das Kleid wird Mildred noch mit Freude zur Taufe ihres Enkels tragen. Websters grünes Tuch hingegen ist mit Birkenblättern gefärbt und wäre schon vor ihrer Hochzeit ausgebleicht. Glaubt mir, es ist, als wolltet Ihr Äpfel mit Pflaumen vergleichen.«

Mistress Thorpe war sichtlich ins Wanken geraten. Selbst im grauen Novemberlicht schillerte das satte Grün der feinen Wolle. Noch einmal streckte sie ihre fette Hand aus und strich mit den Fingern über die glatte Oberfläche und die leicht angeraute Unterseite.

»Hm. Na ja. Ich sehe, was du meinst. Aber zwei Shilling … Was hältst du von einem Shilling und Sixpence, mein Junge?«

Jonah spielte seinen letzten Trumpf aus: »Dieses Tuch liegt eine Elle breiter als Websters aus Lincoln, Mistress. Das heißt, Ihr kommt vermutlich mit drei Yards für das neue Kleid aus statt vier. Damit habt Ihr den halben Shilling pro Yard wieder eingespart.«

Mistress Thorpe rechnete einen Moment. Dann erstrahlte ihr feistes Gesicht. »Du hast vollkommen Recht, Jonah.« Sie öffnete ihren bestickten Beutel und zählte sechs Shilling ab. »Es ist im Grunde nicht zu viel für ein Verlobungskleid«, murmelte sie.

Jonah neigte zustimmend den Kopf.

»Und sie wird hinreißend darin aussehen«, versicherte Crispin. »Ich messe es ab und bringe es Euch heute Nachmittag vorbei.«

Sie belohnte ihn mit einem strahlenden Lächeln. »Das ist sehr zuvorkommend, mein Junge. Und ich werde nicht böse sein, wenn du mir einen Fuß Länge dazugibst. Du weißt schon, der Verschnitt …«

Crispin zwinkerte ihr zu. »Darüber lässt sich reden.« Er hielt ihr die Tür auf. »Guten Tag und guten Weg, Mistress.«

Mit einem huldvollen Nicken in Jonahs Richtung schwebte Mistress Thorpe aus dem Laden.

Crispin schloss schwungvoll die Tür. »Teufel noch mal, Jonah, wie machst du das nur immer? Ich war sicher, sie geht zu Webster, diesem schmierigen Halsabschneider.«

Jonah hob die Schultern. »Sag den Leuten die Wahrheit. Wenn du ihnen klar machst, dass unser Tuch besser ist, sind sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Schmeichle ihrem Sachverstand und Geschmack, nicht immer nur ihrer Eitelkeit.«

Crispin nickte eifrig. Manchmal hatte er den Verdacht, dass es von Jonah mehr zu lernen gab als von ihrem Meister. Er blieb vorn im Laden, während Jonah zurück hinter die Abtrennung ging. Als er Mistress Thorpe bediente, hatte er die Tür zum Hof gehört und glaubte, Annot sei hinausgegangen. Doch als er ins Lager kam, fand er, dass sie immer noch auf ihrem Schemel saß. Rupert war hinzugekommen, hatte eine Hand auf ihre Schulter gelegt und begutachtete ihr Tuch. Was zum Henker weiß er von Seide, fragte Jonah sich verwundert.

Als Rupert seinen Schatten sah, richtete er sich auf und nickte ihm knapp zu. »Gut gemacht.«

Jonah ging nicht darauf ein, sondern berichtete stattdessen von seinen Botengängen am Vormittag, zählte systematisch und aus dem Gedächtnis auf, wer wann welche Mengen zu welchem Preis liefern konnte. »Piers Johnson bittet Euch um einen Vorschuss von zehn Shilling«, sagte er zum Schluss. »Seine Kinder sind krank, und er muss den Medicus bezahlen. Er schwört, dass er versucht, in der ersten Adventwoche zu liefern.«

»Einverstanden. Auf Johnson war immer Verlass.«

»Und Adam Cross sagt, diese Beeren aus dem Morgenland, mit denen er seinen safrangelben Farbstoff herstellt, sind knapp und teurer geworden. Er verlangt einen halben Shilling mehr pro Yard.«

Rupert schnaubte. »Dann gehst du morgen nach Southwark hinüber zu Adam Cross’ Schwager Williams und stellst fest, ob seine Preise stabil geblieben sind. Er ist ein ebenso guter Färber wie Cross.«

»Morgen ist die erste Probe zum Weihnachtsspiel«, erinnerte Jonah ihn.

Rupert schlug sich mit der Hand vor die Stirn. »Das hatte ich vergessen. Nein, du darfst unter keinen Umständen fehlen, Vater Gilbert wäre fuchsteufelswild. Dann muss Southwark eben bis übermorgen warten.«

Annot sah mit leuchtenden Augen zu Jonah auf. »Du trittst beim Weihnachtsspiel auf?«

Rupert lachte dröhnend und nickte. »Du wirst staunen, mein Kind. Unser Jonah ist der beste Schauspieler, den die Tuchhändlergilde zu bieten hat. Wenn er auf dem Bühnenwagen steht, erkennt man ihn einfach nicht wieder.«

London, Dezember 1330

Was sagt ihr, ich hätt ein Schaf gestohlen? Eher sollt michwohl der Teufel holen! O weh, ihr seht mich tief getroffen. Von Freunden wagt ich Bess’res doch zu hoffen. Weg von der Krippe – wie könnt ihr’s wagen? Dort liegt … ähm … mein Sohn, den mein Weib getragen. Ach je, solch Misstrau’n macht mich gramgebeugt. Dabei ward er, das glaubt mir nur, in solcher Freud gezeugt …«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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