DER LANGE MARSCH DER WOLKENKRATZER - Ellen Norten - E-Book

DER LANGE MARSCH DER WOLKENKRATZER E-Book

Ellen Norten

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Beschreibung

In der Nacht der Wolkenkratzer beschließen die Hochhäuser Chicagos eine Wanderung nach New York. Dort wollen sie mit den angestammten Berühmtheiten, wie dem Empire State Building in Konkurrenz treten. Doch die Halbinsel Manhattan ist zu klein und die Gebäude nehmen sich gegenseitig die Optik, drohen umzustürzen … »Der lange Marsch der Wolkenkratzer« ist die titelgebende Geschichte dieses Sammelbandes mit fantastischen Geschichten und Science-Fiction, die die Leser aus ihrem sicheren Alltag auf unsicheres Eis führen, bis die Realität hinter ihnen bleibt. Eine seltsame Vogelinvasion bedroht einen kleinen Ort an der Ostsee. »Hinter den Fensterscheiben flogen ununterbrochen Störche hin und her und einige landeten auf den Fensterbänken des Rathauses. Dann löste sich ein Tier aus der Masse und schoss pfeilspitz auf den Kommissar zu. Ein scharfer Schmerz drang in seine Brust. ›Storchenmord‹ war das letzte, was ihm durch den Kopf ging« (aus »Storchenfest«).

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Seitenzahl: 353

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ellen Norten

Der lange Marsch der Wolkenkratzer

Science-Fiction- und fantastische Geschichten

AndroSF 224

Ellen Norten

DER LANGE MARSCH DER WOLKENKRATZER

Science-Fiction- und fantastische Geschichten

AndroSF 224

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

© dieser Ausgabe: Juni 2025

p.machinery Michael Haitel

Die Urheberrechtsinhaber behalten sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist ausgeschlossen.

Titelbild: Ellen Norten & Norbert Kokoska

Grafik »Der Gipskopf von Paestum«: Ellen Norten & Norbert Kokoska

Illustrationen ansonsten: Ellen Norten

Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda

Lektorat: Ellen Norten, Michael Haitel

Korrektorat: Michael Haitel

Herstellung: global:epropaganda

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Norderweg 31, 25887 Winnert

www.pmachinery.de

für den Science Fiction Club Deutschland e. V., www.sfcd.eu

ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 458 8

ISBN dieses E-Books: 978 3 95765 689 6

Vorwort

Im Jahr 1988 habe ich mit einer Freundin Chicago besucht. Die Hochhäuser dort beeindruckten mich kolossal und ich wunderte mich, dass ich beim Thema Wolkenkratzer bisher immer auf New York gestoßen war. Damals kam mir der Gedanke zu einer Geschichte. Die Wolkenkratzer von Chicago sollten nach New York wandern und dort gegen diese Ungerechtigkeit, zumindest in meiner Wahrnehmung, protestieren. Leider hatte ich nicht die Zeit dazu, die Story zu schreiben. Meine Doktorarbeit beschäftigte mich stark und später waren es meine Berichte und Features, die mein Schreiben und meine Kreativität als Wissenschaftsjournalistin beanspruchten.

Im Jahr 2011 verfügte ich über mehr freie Zeit. Durch die Zusammenarbeit mit Michael Haitel bei der Herausgabe der Geschichten meines verstorbenen Mannes Hubert Katzmarz trat die schöne Literatur bei mir in den Vordergrund und ich erinnerte mich wieder an meine Idee. Also begann ich, die Wolkenkratzerstory in Worte zu fassen. Michael gefiel die Geschichte und so erschien »Der lange Marsch der Wolkenkratzer« in den Andromeda Nachrichten 235. Nach dreiundzwanzig Jahren hatten meine umtriebigen Hochhäuser tatsächlich den Weg in die Öffentlichkeit gefunden und diese erste Geschichte bleibt deshalb für mich etwas Besonderes. Sie war der Startschuss für viele weitere, zu denen mich nicht zuletzt Michael Haitel ermunterte und in denen ich meine ungewöhnlichen Einfälle umsetzte. Viele dieser Storys, wie auch mein Cartoonband »Mein süßer Parasit« oder mein Roman »Jamila tanzt« sind skurril, obskur und meist genreuntypisch. Wer meine Biografie liest, wird die eine oder andere Parallele zu mancher Geschichte ziehen können. Arbeit, Reisen, Freunde, Hobbys, aber auch die eigenen vier Wände waren dabei Impulsgeber.

Mit der Auswahl in diesem Buch habe ich für mich typische und von mir besonders geliebte Storys versammelt. Einige dieser Geschichten habe ich überarbeitet, andere standen und stehen für sich. Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre einer etwas ungewöhnliche Reise durch die Welt meiner Fantasie.

Ellen Norten

im Frühjahr 2025

Der Clown

Sie hob die Hand, zögerte jedoch, zu klopfen. Gleich würde sie dem berühmtesten Clown seit den Zeiten von Charlie Rivel und Grock gegenüberstehen. Sie fürchtete sich ein wenig vor der Begegnung. Würde ihr Idol auch außerhalb der Bühne charmant sein, würde der Zauber, den er in der Manege versprühte, sie auch hier treffen? Seit Wochen hatte sie auf diesen Tag hingearbeitet, für ihr Kulturmagazin ein Interview mit dem Computerclown vorgeschlagen, der erstmals in ihrer Stadt auftreten würde. Endlich war es so weit. Sie trug ihr teures rotes Designerkleid mit passenden Pumps. Die dunklen Haare hatte sie elegant hochgesteckt. Ihre Hand formte eine lockere Faust und klopfte so sanft an die Tür, dass es kaum zu hören war.

»Herein«, kam sogleich von innen die Antwort. Sabin öffnete die Tür und stand Cbyte gegenüber. Sie staunte. Der Clown sah genauso aus wie auf der Bühne. Ein quadratischer Kopf, der Körper metallisch glänzend und die charakteristischen roten Augen, die ihren warmen Glanz vermutlich neuester LED-Technik zu verdanken hatten. Die gesamte Gestalt entsprach dem klassischen Roboter aus dem letzten Jahrhundert. Aus der Reihe fiel nur die rote Clownsnase und das ausgeklügelte Make-up, das seinen Mund modellierte. Es sah aus, als lachte er sie an.

»Ich freue mich, Sie kennenzulernen«, mit einer eleganten Bewegung reichte er ihr die metallische Hand und rückte ihr einen Stuhl heran. »Bitte, nehmen Sie Platz. Kann ich Ihnen etwas anbieten?«

Sabin ließ sich auf den Stuhl nieder und strahlte ihr Gegenüber unverhohlen an.

»Möchten Sie etwas trinken?«, wiederholte er.

»Nein«, stammelte sie leicht verwirrt. Er sah so verdammt gut aus in seiner Bühnenkluft. Genial, ein Clown, der sich als Roboter tarnt, um dann mit Make-up und roter Clownsnase dem klassischen Bild zu folgen. Komisch, skurril, bewunderungswürdig. Fast wünschte sie, er würde es bei diesem Outfit belassen. – Andererseits, es gab eigentlich keine Bilder von seiner wahren Natur, und wenn sie für das Magazin eines bekäme, wäre dies allein eine kleine Sensation.

»Was möchten Sie wissen, was interessiert die Leser Ihrer Zeitung«, die Worte schnurrten leise und melodiös aus seinem Mund. Hätte er Lippen aus Fleisch und Blut gezeigt, sie hätte an diesen gehangen, doch der fein ausgearbeitete Blechmund mit seinem freundlichen Lächeln tat es ihr auf andere Art und Weise an.

»Nun, es sind ja leider fast immer die gleichen Fragen, die bei so einem Interview gestellt werden. Also dann auch von mir: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Roboter den Clown zu mimen?«

Cbyte nickte befriedigt, da er die Frage erwartet hatte. Mit einer kurzen Drehung seines Kopfes deutete er auf eine Fotografie hinter sich. An der Wand hing ein Bild von zwei Robotern, die ihm ähnelten und sich an der Hand hielten.

»Meine Eltern haben mich inspiriert. Sie haben mir vorgelebt, wie bunt das Leben sein kann. Von ihnen habe ich den Humor gelernt, der darin besteht, das Ungewöhnliche als normal darzustellen.«

Sabin lachte. Robotereltern, die Absurdität war zu komisch.

»Sollen die Menschen glauben, dass Sie ein Roboter sind, wenn Sie in der Manege stehen?«, fragte sie also weiter.

»Natürlich sollen sie das. Der Clown in den zu großen Schuhen, der über seine eigenen Beine stolpert, ist kaum noch zeitgemäß. KI, Haushaltsroboter, et cetera, die Zeiten haben sich doch völlig geändert«, führte er sachlich aus.

»Ja, aber Ihr Outfit erinnert auch an die Vergangenheit, kein Roboter sieht heute noch so aus«, gab sie fast schüchtern zurück.

»Richtig«, Cbyte beugte sich zu ihr und ergriff ihre Hand. »Liebe Sabin, ich darf doch ›du‹ sagen«, dabei strich er sanft über ihre Finger. »Die menschlichen Clowns trugen ja auch damals nicht die moderne Kleidung, sondern verkörperten Typen aus der Vergangenheit. Damit unterschieden sie sich ja von Otto Normalverbraucher. Und so ist es eben auch mit mir. Ich bin der Klassiker unter den Robotern und verhalte mich auch so. Allein das verschafft mir Sympathien.«

Der Clown war ihr mit seinem Gesicht sehr nahegekommen. Fast meinte sie, das warme Glühen seiner Augen wahrzunehmen. Seine Nähe verursachte ungewöhnliche Reaktionen in ihrem Körper. Sie spürte etwas – Vibrationen. Schnell lehnte sie sich im Stuhl zurück, verschaffte sich wenigstens einen kleinen Abstand von ihrem Gegenüber und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Doch das neue Empfinden war einfach zu ungewöhnlich, ja geradezu verführerisch. Sie versuchte trotzdem, zu widerstehen, und konzentrierte sich auf die vorbereiteten Fragen:

»Platon hat gesagt, dass Humor eine Mischung von Vergnügungen und Schmerz ist. Kannst du dem zustimmen?«

Das ›Du‹ kam nur sehr zögerlich über ihre Lippen, doch es passte zu der Nähe, die zwischen ihr und dem Meisterclown entstand. Obwohl die Mimik des Robotergesichts eigentlich starr war, strahlte es eine Art von Schalk aus. Die roten Augen schienen zu zwinkern und sie kam sich mit ihrer Frage viel zu ernst vor. Cbyte wirkte zwar auf der einen Seite darüber belustigt, doch auf der anderen war er offensichtlich beeindruckt.

»Ja, das eine kann nur durch das andere Existieren, kein Glück ohne Leid, kein Frohsinn ohne Pessimismus, nur die Dualität der Empfindungen bringt die Gefühle in dieser Form hervor.« Bei dem Wort »Gefühle« drückte er ganz sacht ihre Hand, die ja immer noch in der seinen lag. Wieder ging etwas durch ihren Körper, was man wohl am ehesten als wohligen Schauer beschreiben konnte. Ihre Frage parierte C. dagegen fast nüchtern:

»›Der Witz setzt immer ein Publikum voraus‹, behauptete Goethe schon 1809 und ich kann ihm nur zustimmen, wenn er weiter sagt, ›darum kann man den Witz auch nicht bei sich behalten … Der Witz gehört unter den Spieltrieb.‹«

Sabin war nun ihrerseits beeindruckt und kramte in ihren Gedanken nach einem aktuell gelesenen Zitat.

»Für Sigmund Freud bestand die Lust am Witz aus einem plötzlichen Abbau von Hemmungen, den normalerweise Erziehung und Gesellschaft von uns fordern, den uns der Witz jedoch erspart. Das Tabu bestimmter Gedanken, Vorstellungen, Gefühle oder Triebregungen, die nicht ins Bewusstsein treten sollen, brechen hervor.« Die letzten Worte flüsterte sie nur noch, schaute Cbyte an, der nun seinerseits an ihren Lippen hing. Dann traute sie sich: »Wie wäre es, wenn du nun deine Maske fallen lässt, du hast noch niemanden dein wahres Gesicht gezeigt. Ich, ich möchte es gerne sehen.«

»Mein wahres Gesicht, das sagst du?« Cbyte ließ ihre Hand los und nahm seine rote Clownsnase ab. Zutage trat eine spitze Nase aus Blech, die wie der Rest seines Körpers metallisch schillerte. »Zufrieden?«, fragte er und klopfte ganz leicht mit dem Finger auf ihre Nasenspitze. »Was möchtest du denn noch sehen? Vielleicht nicht nur mein Gesicht?« Jetzt legte er den Arm um sie und hob sie mit dem freien Arm geschickt auf seinen Schoß.

Ihre Gesichter berührten sich. Sabin ließ es geschehen. Die Situation war ungewöhnlich. Der metallene Körper, den sie in seiner Härte so nicht wahrnahm. Dann das Kribbeln, die rot glühenden Augen, die Nähe. Chaos, Kribbeln und Vibrieren an allen Stellen, die Vernunft trat in den Hintergrund. Jetzt nicht denken, nicht erklären …

Cbyte begann mit seinen metallenen Fingern, vorsichtig die sorgfältig verborgene Naht ihres Gesichtslatex unter ihren Haaren zu suchen. Kaum war er fündig geworden, so rollte er diese mit zarten Bewegungen herunter. Dann begann er, weiter Schicht um Schicht von ihrem Körper zu entblättern. Sie ließ es zu, dass er sich an ihrem Hals, ihrer Brust bis hin zu ihrem Schoss zu schaffen machte. Sabin schaute zur Seite. Auf dem Boden lag ihr rotes Designerkostüm, darauf thronte ihre Spitzenunterwäsche und ganz oben rollten sich immer mehr Bahnen der künstlichen Latexhaut. Sie schaute Cbyte erneut an, schämte sich nicht für die Kabel und Drähte, die nun aus ihrem metallischen Körper hervorlugten. Es war das erste Mal, dass sie sich vor einem anderen »nackt« zeigte. Das war eine neue Freiheit, die sie nicht kannte, von der sie nicht einmal wusste, dass es sie gab. Cbyte war ihr so nahe, wie nie zuvor ein anderes Wesen. Immer neue Empfindungen schossen durch ihren Körper. Das war es also, wenn Menschen von Gefühlen sprachen. Auch Cbyte genoss die Nähe zu ihr und es schien, dass durch seinen Roboterkörper ähnliche Impulse jagten. Dann legte Sabin die Arme um ihn und drückte ihn fest an sich.

Eine harmlose Pandemie

Professor Lars Engel eilte mit wehendem Kittel den Flur des Forschungsinstituts entlang. Die Neugier beflügelte ihn, denn er wollte wissen, wieso sich ausgerechnet der Ingenieur und Firmeninhaber aus dem Bereich der Robotertechnik an ihn wandte. Er sah ihn bereits durch die großen Sicherheitsscheiben, die den Eingangsbereich gegen den Rest des Instituts abgrenzten. Ein Mann im staubgrauen Mantel, der farblich zu seinem fülligen Haar und Bart passte. Martin Mühsam wirkte alt, obwohl er es mit seinen knapp vierzig Jahren keineswegs war. Engel zählte ähnlich viele Jahre, doch seine kantigen Gesichtszüge, gepaart mit einer leicht gebogenen Habichtsnase wirkten frischer.

»Hallo«, sagte Engel und hätte fast seine Hand ausgestreckt. Als Antwort kam ein leises »Guten Tag«. Der früher übliche Händedruck war seit der zweiten Pandemiewelle des 21. Jahrhunderts aus der Mode gekommen. Die Männer schauten sich an.

»Danke, dass Sie sich die Zeit für mich nehmen. Sie wundern sich sicherlich, was ein Computeringenieur von einem Virologen wollen kann, aber ich verlasse mich bevorzugt auf direkte Aussagen von Experten und filtere nicht gerne die ›Wahrheit‹ aus den Medienberichten heraus, zumindest wenn es um wirklich wichtige Dinge geht.«

Engel fühlte sich geschmeichelt. Während sie zu Engels Büro in den hinteren Gebäudeteil gingen, konzentrierte er sich auf seinen Besucher.

»Ich denke, es geht Ihnen um die Einschätzung der latenten Epidemie, die seit Jahren auf unserem Erdball herrscht und die langsam in Vergessenheit gerät.«

Mühsam nickte. »Das ist genau der Grund, warum ich hier bin. Wir wiegen uns seit Jahren in Sicherheit, nur weil niemand von uns krank geworden ist, aber das kann sich ändern.«

»Richtig«, bestätigte Engel, »der Erreger ist ja nach wie vor in den Menschen vorhanden und theoretisch ist es denkbar, dass er verspätet zuschlägt, aber man sollte den Teufel nicht an die Wand malen. Bisher haben wir manche Hürde genommen, HIV, COVID-19, SARS, Vogelgrippe und letztendlich BSE. Natürlich fordern Infektionen Tote, das gab es immer und das wird auch in Zukunft so sein, aber wir Forscher reagieren, entwickeln Medikamente und Impfstoffe, unsere Verhaltensempfehlungen tragen darüber hinaus dazu bei, die Erreger in Schach zu halten.«

Die Klimaanlage summte leise, als wenn sie das eben Gesagte unterstützen wollte. Die Schritte der Männer hörte man dagegen und dem Hightechkunststoffboden nicht.

»Das ist mir alles bekannt und ich bin darüber genau so froh wie Sie«, antwortete Mühsam, »doch ist das aktuelle Virus mit diesen Erregern zu vergleichen? Könnte es nicht wie bei der HIV-Infektion verspätet, vielleicht sogar mit sehr großer Verzögerung zu einem Krankheitsausbruch führen und könnte dieser Ausbruch nicht weitaus schlimmer sein als alles, was wir uns heute vorstellen können?«

Inzwischen hatten sie Engels Büro erreicht und setzten sich auf die lederbezogenen Designerstühle. In der Tür zum Nachbarzimmer erschien ein junger Mann, der ihnen Kaffee servierte. Mühsam nickte dankbar, dann schaute er Engel aufmerksam an. Der rutschte kaum merklich auf seinem Stuhl herum.

»Sie meinen, dass auf einmal die Zeitbombe hochgeht, und die Menschen sterben wie die Fliegen, habe ich Sie da richtig verstanden?«

Mühsam nickte wieder und beobachtete die dampfende Kaffeetasse vor sich.

»Genau das meine ich. Für eine Schutzimpfung ist es zu spät, denn wir sind bereits infiziert. Die Viren erwachen irgendwann und überschwemmen den Körper. Vielleicht kommt es zu einem schnellen Tod, oder aber zu langem, qualvollem Siechtum? Ich meine, ist es nicht leichtfertig davon auszugehen, dass nichts passieren wird. Wir müssen doch auch den schlimmsten Fall mit einbeziehen.« Mühsam streute den Inhalt einer Zuckertüte in seinen Kaffee und rührte um.

»Was wollen Sie denn tun, wenn es tatsächlich zu diesem Schreckensszenario käme?«, fragte Engel nun gradeheraus. »In diesem Fall würde wirklich jeder betroffen sein. Die Krankenhäuser hätten kein Personal mehr, da Ärzte und Pflegekräfte krank wären. Eltern, Kinder, Lehrer, sie alle würden leiden und ich sehe nicht, wie wir da eingreifen könnten. Es wäre eine Katastrophe.«

»Genau darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Wie Sie wissen, produziere ich seit vielen Jahren Roboter. Mit den Servicerobotern wie Staubsaugern und Fensterputzern ging es los und diese Haushaltshilfen sichern mir bis heute wirtschaftlichen Erfolg. Aber die Entwicklungen in unserem Unternehmen gehen seit Langem weiter. Die ersten Androiden sind in der Lage selbstständig zu lernen. Künstliche Intelligenz heißt da das Schlagwort. Auf der anderen Seite perfektionieren wir die Motorik der Roboter. Wir wollen Androiden schaffen, die in ihrer Beweglichkeit und in ihrem Aussehen den Menschen kaum nachstehen.«

»Darüber wird ja regelmäßig in den Medien berichtet, auch wenn solche künstlichen Menschen für den Normalbürger noch unbezahlbar sind. Aber was hat das mit unserem Thema zu tun?«

»Die Androiden werden sich nicht infizieren, sie könnten Funktionen übernehmen, die die Kranken nicht selbst ausführen können, zum Beispiel im Pflegebereich.«

Nun konnte Engel ein leicht spöttisches Grinsen nicht unterdrücken. »Jeder Mensch hat dann seinen persönlichen Androiden, der ihn zu Tode pflegt? Und sie produzieren Milliarden von Robotern, die dies leisten? Neben dem logistischen Problem frage ich sie, wer soll das bezahlen?«

»Die Probleme sehe ich auch, aber bevor ich mit meinem Unternehmen daran gehe, eine Lösung zu finden, möchte ich sie um eine realistische Einschätzung des Sachverhaltes bitten. Kann es zu der geschilderten Katastrophe kommen, oder ist dies aus wissenschaftlicher Sicht unwahrscheinlich bis ausgeschlossen? Ich bitte sie, das Gespräch bleibt unter uns, ich möchte einfach nur für meine weitere Vorgehensweise wissen, ob es möglich ist oder nicht?«

Engel fühlte Nervosität in sich aufsteigen, fühlte sich in die Verantwortung genommen.

»Bitte geben Sie mir eine ehrliche Antwort.« Mühsams Worte klangen fast bittend. Engel überlegte einen Moment.

»Das Virus ähnelt keinem bisher bekannten Organismus, insofern ist meine Antwort Spekulation. Aber ich kann natürlich gewisse Dinge ableiten. Nehmen sie den Ebola-Erreger. Er tötet den Infizierten binnen sehr kurzer Zeit, was dazu führt, dass es Regionen gibt, in denen das Virus wütet, doch die bleiben begrenzt. Die Krankheit verbreitet sich nicht flächendeckend, da die Infizierten sterben, bevor sie ›genügend‹ andere Menschen anstecken konnten. Aus epidemiologischer Sicht ist dies ein Vorteil. Unser Erreger ist das genaue Gegenteil. Da niemand bisher an der Infektion erkrankte oder starb, gibt es auch keine natürlichen Infektionsschranken. Wir gehen heute davon aus, dass jeder und wirklich jeder Mensch auf der Erde infiziert ist und das gilt auch für sie und mich. Aus Sicht des Virus gesprochen ist dies eine überaus erfolgreiche Strategie, denn besser hätte es sich nicht verbreiten können. Ob ihm das aber genügt, oder ob es bildlich gesprochen jetzt noch zuschlagen wird, können wir nicht beurteilen. Um Ihre Frage ehrlich zu beantworten, ja es kann zu der von Ihnen angesprochenen Katastrophe kommen.«

»Ich danke Ihnen für Ihre ehrliche Einschätzung.« Mühsam trank seinen Kaffee in einem Zug aus und stand auf. »Ich glaube, es gibt viel zu tun.« Mit diesen Worten verließ er den Raum und ließ den irritierten Engel zurück. Fast war dieser dankbar, seinen Besucher mit der unbequemen Thematik los zu sein. Sein Sekretär schaute verwundert herein.

»Sie können abräumen, ich gehe noch ins Labor.« Der Kaffee in Engels Tasse war kalt geworden.

In den folgenden Jahren berichtete die Presse regelmäßig über die neuesten Entwicklungen der Firma X-Plan. Martin Mühsam hatte seine Geschäftskontakte über den gesamten Erdball ausgedehnt. Sein Name entsprach in seiner Bekanntheit inzwischen dem von Bill Gates oder Marc Zuckerberg. Er verpflichtete nur die besten Experten und es war fast schon ein Ritterschlag bei ihm arbeiten zu dürfen. Immer neue Androiden verließen die Werkstore, kostengünstige Haushaltshilfen für jedermann und ausgeklügelte Hightechkonstruktionen, die bettlägerige Menschen gezielt pflegen und versorgen konnten.

Zum Medienereignis avancierte die erste Gesellenprüfung, die ein Androide als Schreiner ablegte. Der Schreiner unterschied sich optisch kaum noch von seinen lebenden Kollegen, lediglich seine Bewegungen wirkten ein wenig ›hölzern‹, doch die Resultate seiner Arbeit standen den Leistungen seiner Mitstreiter in nichts nach. Mühsam selbst indes blieb zurückhaltend. Er war medienscheu, sein Privatleben schirmte er ab. Es gab keine Skandale um ihn, finanziell hatte er eine weiße Weste, obwohl mancher Konkurrent versuchte, ihm zwielichtige Geschäfte unterzuschieben. Mühsam war und blieb unnahbar, investierte seine Gewinne sofort wieder in neue Vorhaben, hinter denen mancher einen Plan, wie der Firmenname ja andeutete, vermutete. Tatsächlich produzierte Mühsam in einem nie da gewesenen Umfang selbstständige Androide, die nahezu jede Funktion in der Gesellschaft erfüllen konnten.

Dann passierte das, was wohl niemand mehr erwartet hätte. Es kam zu einer rätselhaften Krankheitswelle. Atemprobleme und Magen-Darm-Beschwerden schwächten die Betroffenen binnen weniger Tage. Zunächst gingen die Experten von einem unbekannten Erreger aus, doch die Untersuchungen zeigten bei allen Erkrankten die gleiche Ursache: Die latent vorhandene Infektion brach aus, Viren überschwemmten die Körper der Infizierten und fesselten sie kurze Zeit später ans Bett. Zunächst betraf die Krankheit nur Einzelne, doch ihre Zahl nahm täglich in beängstigender Weise zu. Dann gab es einen Hoffnungsschimmer. Ein bereits bekanntes Medikament, das in der HIV-Behandlung eine Rolle spielte, schien anzuschlagen. Die Symptome verringerten sich und mancher hoffte, dass die Krankheit wieder völlig zum Erliegen käme. Doch es handelte sich nur um ein kurzes Strohfeuer. Einige Monate wirkten die Betroffenen fast gesund, dann zwang sie das Virus erneut in die Knie. Von dem zweiten Krankheitsschub erholte sich keiner mehr und die Menschen starben nach wenigen Tagen.

Die Situation eskalierte. Krankenhäuser und Friedhöfe quollen über und ohne die Hilfe von Androiden hätte die Versorgung der Gesellschaft nicht mehr gewährleistet werden können.

Zwanzig Jahre waren vergangen, als der Virologe im Foyer der Firma X-Plan auf den Firmenchef wartete. Martin Mühsam hatte den Termin sofort zugesagt und holte seinen Gast persönlich beim Empfang ab.

»Professor Engel, ich freue mich, Sie nach all den Jahren wiederzusehen, auch wenn die Umstände alles andere als erfreulich sind.« Mühsam streckte ihm die Hand entgegen. Engel zeigte eine kleine Irritation, griff dann aber die Hand und drückte sie fast herzlich.

»Hallo, Herr Mühsam, schön, dass Sie mich empfangen.« Die beiden standen sich gegenüber, Engel, dessen Gesicht mittlerweile von Falten durchzogen war, trotzdem aber weiter einen jugendhaften Ausdruck zeigte, und Mühsam, der in seinem Auftreten zeitlos blieb, lediglich Haare und Bart waren inzwischen schlohweiß geworden.

»Bitte«, Mühsam winkte ihn durchs Foyer. Mühsams Büro wirkte unspektakulär, nüchtern und funktional. Engel vermutete, dass der Firmenchef auf der großen Ledercouch manchmal nächtigte, denn darauf lag eine ordentlich zusammengefaltete Wolldecke.

»Nehmen Sie Platz.« Irgendwie avancierte die Situation zum Déjà-vu-Erlebnis für beide. In der Tür erschien ein Mann, dessen leicht ungelenke Bewegungen den Androiden verrieten.

»Herr Bexter«, wandte sich Mühsam an ihn, »darf ich Ihnen Professor Engel vorstellen. Professor Engel, das ist Michael Bexter, sozusagen meine rechte Hand.«

»Oh ich habe schon von Ihnen gehört. Es freut mich, Sie persönlich kennenzulernen«, antwortete der Androide mit einer hellen, doch eindeutig männlich klingenden Stimme. »Ich denke, in diesen Zeiten haben Sie viel zu tun.« Engel stimmte zu.

»Darf ich Ihnen Kaffee bringen?«

»Gerne«, antwortete Engel, dann richtete er das Wort an Mühsam.

»Unser Gespräch damals ging mir noch lange durch den Kopf. Niemand von uns kann in die Zukunft schauen und ich war mir der Verantwortung, die meine Antwort auf ihre Frage bedeutete, sehr wohl bewusst. Allerdings habe ich lange Zeit nicht an die Katastrophe geglaubt.«

»Das hatte ich damals wohl bemerkt, umso dankbarer war ich Ihnen für Ihre ehrliche Auskunft.« Mühsam deutete ein Lächeln unter seinem Bart an.

»Als Chef eines riesigen Unternehmens spürte ich schon damals eine große Verantwortung. Ich hoffe, meine Worte klingen nicht pathetisch, aber das Wohl der Menschheit liegt mir sehr am Herzen und mein Plan benötigte und benötigt immer noch Zeit. Leider läuft mir diese nun davon, denn ich spüre bereits die ersten Symptome der Krankheit. Umso wichtiger ist es, dass der Plan auch ohne mich funktioniert.«

Bexter hatte leise den Raum betreten und servierte den Kaffee. Engel schien es, dass Bexter bei den letzten Worten seines Gegenübers sehr betroffen wirkte, fast schien es, als hätte der Android Tränen in den Augen. Mühsam bedankte sich freundlich bei seinem Bürosekretär, dann richtete er seine Augen auf Engel.

»Ja, bei mir geht es auch los. Das ist der Grund, warum ich Sie aufsuche. Uns Forscher beschäftigte in den letzten Jahren auch die ›harmlose Pandemie‹, wie wir sie fälschlich, aber optimistisch nannten. Leider gelang es uns nicht, ein wirksames Medikament zu entwickeln. Wir können zwar für einen gewissen Zeitraum die Symptome aufhalten, davon profitieren wir beide vermutlich im Moment, aber in einigen Wochen, spätestens einigen Monaten wird uns der Ausbruch der Krankheit zu Fall bringen. Ich gehe davon aus, dass ich das nächste Jahr nicht mehr erlebe.« Die beiden Männer blickten sich in kurzem Einverständnis an.

»Wie sieht also Ihr Plan aus? Ich möchte gerne wissen, was ich bei Ihnen mit meiner Antwort damals angestoßen habe. Ich denke, ich kenne nur einen Teil?«, fragte Engel.

»Das ist richtig. Ich mache den Rest meiner Strategie nicht öffentlich, weil ich die Menschen nicht noch weiter schockieren will. Ich denke, mancher von uns könnten es falsch verstehen. – Also, ich setzte, wie sie sich denken können, auf meine Androiden. Sie sind höflich und ich achte sie genau wie lebende Menschen. Inzwischen sind sie sehr selbstständig, können praktisch alle Belange des Lebens übernehmen – auch ohne uns.« Mühsam lächelte schwach.

»Eine Welt ganz ohne Menschen, nur belebt von Robotern?« Engel staunte nicht schlecht.

»Es ist nicht meine Entscheidung, aber so sieht es aus. Die Androiden können mittlerweile eigene Fabriken bauen, sie können selbstständig neue Androiden schaffen, sich also vermehren, natürlich nicht im sexuellen Sinn. Es wird keine Kinder mehr geben, das bedauere ich am meisten. Aber wer weiß, wo die Reise einst hingeht.« Mühsam schaute ihn halb betroffen, aber auch hoffnungsvoll, an.

»Sie meinen tatsächlich, dass die Erde auch ohne uns Menschen so weiterfunktionieren kann? Sind wir also ersetzbar?«

»Im Sinn einer Evolution sicherlich nicht, zumindest wenn wir diese an Erbanlagen und Leben in unserem Sinne festmachen.«

»Immerhin werden ja Tiere und Pflanzen da sein. Aber was wird aus den Nutztieren, den Kulturpflanzen, werden unsere Äcker noch bestellt?« Engel zog seine Stirn in Falten.

»Natürlich wird sich die Welt verändern. Unsere Roboter brauchen kein Brot, Gemüse oder Fleisch, dafür Energie, Metalle, seltene Erden, eben das, was einen guten Androiden ausmacht.« Mühsams Stimme klang fast väterlich.

»Und das Besorgen sich die Roboter dann selbst – betreiben Bergbau, Kraftwerke. Sie meinen, das funktioniert?«

»Es läuft bereits. Die Zahl der Androiden liegt heute schon bei vielen Millionen. Wie sie sich weiterentwickelt, liegt nicht mehr in unserer Hand.«

Engels Mund zuckte, man sah ihm einen inneren Konflikt an. »Wie werden sie die Erde weiterführen, wenn wir überflüssig geworden sind?«

»Wir sind nicht überflüssig, aber wir werden die ›harmlose Pandemie‹, wie sie es ausgedrückt haben leider wohl nicht überleben. Vor fünfundsechzig Millionen Jahren sind die Dinosaurier ausgestorben, heute sind wir es. Doch vielleicht wird ein Teil von uns weiterexistieren, unsere Werte, unsere kulturellen Errungenschaften, all dies ist den Androiden einprogrammiert. Und sie werden diese Dinge weiterentwickeln. Ich hoffe, dass die ethischen Grundsätze, die wir ihnen mit auf den Weg geben, positiv zu Buche schlagen. Aber ein Teil von Plan X besteht darin, dass wir sein Ende nie erfahren werden.«

»Ich kann es noch nicht fassen. Es übersteigt meine Vorstellungen.« Engel griff nach der Kaffeetasse und setzte sie wieder ab. »Wir geben die Erde in die Hand von Androiden, freiwillig, geplant und beabsichtigt? Was, wenn die Roboter die Erde missbrauchen, sie für andere Zwecke nutzen, Kriege führen, den Planeten ausbeuten?«

Nun musste Mühsam herzhaft lachen. »Meinen sie ihre Frage wirklich ernst?« Engel sah die Absurdität und Mühsam fuhr fort.

»Unser Planet wird sich zweifelsfrei verändern, vielleicht in einer Art, die wir uns nicht mehr vorstellen können. Aber haben sich die Dinosaurier ausmalen können, wie wir Menschen einmal die Erde beherrschen? Wenn wir die Androiden alle abschalten würden, was vermutlich nicht einmal möglich ist, würden nur Pflanzen und Tieren auf unserem Erdball gedeihen und vielleicht oder sogar wahrscheinlich würde einmal in vielen Jahrmillionen eine neue Krone der Schöpfung entstehen. Aber dann sind wir vergessen, oder dienen vielleicht noch als kuriose Spielzeugvorlage, wie es die Dinosaurier tun, unser aller Leben ist aber Vergangenheit.«

Engel trank seinen Kaffee aus. »Und all unsere Errungenschaften wären verloren. Ich verstehe nun, was Sie versuchen.«

»Die Tage der Menschheit sind gezählt«, resümierte Mühsam traurig. Engel streckte ihm die Hand hin und der ergriff sie.

»Ich denke, wir werden uns nicht wiedersehen. Ich wünsche Ihnen alles Gute, soweit man dies noch sagen kann.« Engel schloss sich den Wünschen an.

Beim Hinausgehen traf er auf Bexter, der ihn höflich verabschiedete. Dann schauten die Zurückgebliebenen in stiller Gemeinsamkeit dem Wissenschaftler hinterher.

Bexter erreichte die Trauergemeinde, gerade als der Geistliche seine Rede beginnen wollte. In seiner schwarzen Soutane und dem weißen Beffchen wirkte dieser ernst und strahlte die dem Anlass angemessene Würde aus. Die Gemeinde vor ihm stand reglos da, die Männer hielten ihre Hüte in den Händen, die Frauen trugen kleine Blumensträuße.

»Werte Gemeinde, wir stehen hier und verabschieden einen Menschen, der für uns alle Großartiges geleistet hat. Seine Arbeit ging ihm über alles und sein sehnlichster Wunsch war es, der Menschheit zu helfen und sogar noch darüber hinaus. Hier zeigt sich die Weitsicht des Verblichenen. Er eröffnete uns durch seine Programme alle Möglichkeiten der Weiterentwicklung und wir hoffen, dass wir die von ihm in uns gesteckten Erwartungen erfüllen können.«

An dieser Stelle rang der Pastor mit den Worten. Viele der Trauernden nickten, einige Frauen schluchzten und auch einigen Männern rann still eine Träne über die Wange.

»Heute gibt es fast keine Menschen mehr und als einen der letzten hat es Martin Mühsam dahingerafft. Erst als er meinte, dass wir Androiden die Vorgänge auf der Erde allein aufrechterhalten, gab er den Kampf gegen die Krankheit auf. Er lässt uns allein mit unserer großen Aufgabe, doch wir sind bereit dazu.« Dann stimmte der Geistliche ein Lied an: »Großer Gott wir danken dir …« Die Umstehenden sangen mit und zwei von ihnen ließen die Urne ins Grab hinunter.

Viele der Trauernden waren Kollegen von Bexter. Die Worte des Geistlichen hatten ihnen Mut gemacht, hatten ihre Programme in eine weitere wichtige soziale Richtung induziert. Sie verließen den Friedhof in kleinen Gruppen, viele etwas unsicher auf den unebenen Pflastersteinen, doch alle sicher in ihren Absichten.

Zeitenwende

»Und wenn dir was passiert?« Undines Blick ruhte auf Daniels Gesicht und ihre Augen wirkten stumpf vor Traurigkeit. Daniel legte seine Hände um die ihren, umschloss sie wie ein Blütenkelch und drückte sie ganz sachte.

»Es kann immer etwas passieren, aber ich bin zuversichtlich. Seit Jahren hat es in der Raumfahrt keinen schweren Unfall mehr gegeben.«

Undine nickte kaum merklich, wobei sich ihre dunklen Augen leicht verengten. Ihr schmales Gesicht wirkte, als wenn es zerfließen könnte.

›Nur keine Tränen, das würde ich jetzt nicht aushalten‹, dachte Daniel. Seit zwei Jahren waren sie zusammen und die Trennung fiel ihm schwer.

»Es ist doch nur für ein Jahr«, sagte er, mehr um sich selbst zu beruhigen. »Wenn ich von der Reise heimkehre, habe ich einen festen Job, bekomme eine dicke Prämie, und wir können heiraten, eine Familie gründen und müssen nicht wie viele unserer Freunde von der Hand in den Mund leben.«

»Du hast ja recht, es ist vernünftig, zu fliegen, und verunglücken kannst du überall. Aber mein Herz will dich einfach nicht fortlassen. Ein Jahr ist lang. Ein Kind benötigt weniger Zeit, um auf die Welt zu kommen.« Daniel stutzte.

»Wie soll ich das denn verstehen? Habe ich da etwas nicht mitbekommen?«

Undine schüttelte den Kopf und musste endlich lächeln.

»Nein, bisher noch nicht, aber wir können es ja drauf anlegen.«

Daniel schloss sie in die Arme. »Meinst du das ernst?«

»Es wäre, ja es wäre eine andere Art der Verbindung, als es uns die Weltraumtelefone ermöglichen würden.«

Daniel zog Undine an sich und umarmte sie mit einer Leidenschaft, die er bisher so noch nicht gespürt hatte.

Am nächsten Morgen machte er sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg zum Weltraumbahnhof. Ein großes Abenteuer lag vor ihm und die erste Station würde die Mondbasis sein. Von dort aus sollte es dann weiter ins All, Richtung Mars, gehen. Mit den technischen Daten hatte er sich nur wenig beschäftigt. Als Psychologe sollte er die Mannschaft während der einjährigen Mission betreuen. Die bestand aus gut sechzig Personen, die zumeist aus europäischen Ländern stammten. Jeder brachte seine eigene Geschichte mit, jeder hatte einen eigenen Hintergrund und Daniel freute sich über seine Aufgabe und die feste Anstellung als Bordpsychologe.

Daniel schaute auf. Antonio waren, wie so oft, die Augen zugefallen. Er gab ein leises Schnarchen von sich und hielt die Schachfigur in der Hand. Die beiden saßen im Kasino des Raumschiffs Utopia.

Klack, Antonio fiel die Schachfigur aus der Hand, er schreckte auf und sah Daniel verdutzt an.

»Nichts verpasst, wir fliegen und haben Zeit.«

»Du Scherzbold, immer die gleichen blöden Sprüche. Wenn ich könnte, würde ich ja mit jemand anderem spielen, aber ich bin auf dich angewiesen.« Er griff den Bauern und warf ihn Daniel an den Kopf.

»Wirst du jetzt im vorgerückten Alter noch gewalttätig?«

»Au ja, eine richtig schöne Schlägerei, das wäre doch was.«

»Dann bekäme Elena endlich mal was anderes zu tun.«

Elena, die Bordärztin, widmete sich zunehmend den Altersleiden, denn selbst die Jüngsten an Bord zählten inzwischen weit mehr als achtzig Jahre. Die Vorstellung, wie Elena eine durch eine Schlägerei verursachte Platzwunde verarztete, brachte Daniel zum Grinsen.

»Na, und da würde ihr endlich mal keiner unter den Fingern wegsterben, wir hatten in der letzten Woche zwei Todesfälle. Irgendwann sitzen wir hier alleine rum.« Antonio sagte dies mit einem schiefen Grinsen im Gesicht und zwinkerte seinem Gegenüber unter den schmalen weißen Augenbrauen zu. Der Sizilianer zeigte immer noch den gleichen spitzbubenhaften Ausdruck wie bei ihrer ersten Begegnung. Bald darauf waren die beiden Freunde geworden.

»Bis dass der Tod uns scheidet.« Antonio zog seine Wangen ein, die nun wie eingefallen sein Gesicht entstellten. Daniel schüttelte den Kopf.

»Streng dich an, keine Krankheiten vorschützen, bald können wir unser goldenes Bordjubiläum übertrumpfen. Fünfundfünfzig Jahre Raumschiff Utopia, fünfundfünfzig Jahre Langeweile, damit haben wir Star Trek mit Captain Janeway um Längen überboten.«

»Und fünfundfünzig Jahre Schach mit dir. Wie ein altes Ehepaar«, führte Antonio gelangweilt an.

»Ich weiß nicht, vielleicht gibt es ja irgendwann doch noch ein anderes Ende für uns. Ich denke in letzter Zeit wieder öfter an zu Hause. Wenn wir in diese blöde Zeitspalte gefallen sind, dann müsste es den Weg doch umgekehrt auch geben. Ich meine manchmal, wir werden die Erde doch noch wiedersehen – unsere Erde, die für uns wahre und nicht irgendeine dieser dösigen Parallelwelten.«

Daniel redete sich richtig in Rage. Sein Gesicht wurde rot, soweit man dies unter seinem weißen Vollbart und den immer noch üppigen weißen halblangen Haaren sehen konnte. Tatsächlich gaben es die meisten Männer an Bord irgendwann auf, sich zu rasieren. Eitelkeit und bei einigen auch die Körperpflege waren während der schier endlosen Odyssee auf der Strecke geblieben. Zu Letzteren zählten Daniel und Antonio jedoch nicht. Beide verkörperten gut gepflegte und um Jugendlichkeit bemühte Männer, die ihr Alter jedoch nicht verstecken konnten.

»Dein Enthusiasmus in Ehren. Erstens glaube ich nicht daran, dass das geschehen kann und zweitens – was willst du dort, auch auf der Erde werden die meisten Menschen, die du kennst, inzwischen tot sein.«

Antonio strich über seinen Bart, der längst nicht so üppig spross wie der von Daniel, dafür aber mit seinen fein geschwungenen Augenbrauen hervorragend korrespondierte.

»Ich dachte an Undine«, sagte Daniel nun sehr ernst. »Ob sie in der Nacht damals schwanger geworden ist? Sie hatte den Schwangerschaftstest ein wenig hinausgezögert, wir wollten die Ungewissheit noch etwas auskosten, aber dann kam die Funkstille.« Daniel blies die Luft aus, als hätte er zuvor den Rauch einer unsichtbaren Zigarette inhaliert. Seit dem Vorfall, wie die Besatzung den mysteriösen Fall in die Zeitspalte nannte, irrte das Raumschiff durchs Weltall. Immer wieder wurden Pläne erstellt, wie man zur Erde zurückkehren könnte, aber die richtige Orientierung gelang nicht. Schlagworte wie »Raum-Zeit-Kontinuum«, »Schwarzes Loch«, »Wurmloch« und »Paralleluniversum« hatten damals die Runde gemacht. Alle – oder zumindest die Navigatoren und anderen Experten, alle, von denen man erwarten konnte, dass sie sich auskannten – hatten lediglich die Flöhe husten gehört, aber keine ihrer Theorien konnte das Phänomen erklären. Sie wussten schlichtweg nicht, wo sie waren.

»Weißt du noch, wie wir die Erde auf einmal gesehen haben? Wir konnten es nicht glauben, denn die Umgebung stimmte nicht, die Koordinaten und sonst noch alles. Und trotzdem haben wir uns an die Hoffnung geklammert, haben geglaubt, wir wären daheim. Das war wohl die größte Enttäuschung auf unserer langen Reise.« Antonios Gesicht wurde nun auch ernst.

»Aber auch die Aufregendste. Wer kann schon von sich behaupten, dass er eine Parallelwelt mit eigenen Augen gesehen hat?« Daniel blieb weiter aufgeregt.

»Und was hast du davon, wem willst du das erzählen. Wir hier an Bord teilen schließlich alle das Erlebnis …« Antonio winkte ab.

»Und können es dennoch nicht erklären«, fügte Daniel trotzig an. Damals, so erinnerten sie sich, hatte die Utopia versucht, auf der »Erde« zu landen. Sie konnten sich dem Planeten bis auf einen gewissen Abstand nähern, dann wurden sie von einem unerklärlichen Kraftfeld abgestoßen und so an einer weiteren Annäherung gehindert. Die Kommandobrücke hatte versucht, einen Funkkontakt zu dem Planeten herzustellen, aber jedes ihrer Signale wurde, wie von einem Vakuum verschluckt. Es war auch völlig unklar gewesen, ob man sie auf dem Himmelskörper wahrgenommen hatte oder nicht, von dort war jedenfalls keine Reaktion gekommen.

›Warum versuchen wir es nicht mal mit einem Teleskop?‹, hatte Daniel damals bei einem Besuch auf der Brücke unvermittelt gefragt, nachdem die Crew nach wochenlangen vergeblichen Versuchen der Kontaktaufnahme dort gefrustet gesessen und psychologischen Beistand gebraucht hatte. Die Erinnerung stand ihm lebendig ins Gesicht geschrieben.

»Weißt du noch, wie der Captain, Gott hab ihn selig, mich für völlig naiv erklärt hat, als ich mit dem Teleskop anfing?«, fragte er nun.

»Wir alle haben über dich gelacht«, antwortete Antonio versonnen,

»Aber ich hatte recht, es war der einzige Weg, überhaupt etwas in Erfahrung zu bringen.«

»Und der frustrierendste.« Antonio versagte fast die Stimme. Bis heute konnte eigentlich keiner von ihnen mit dem Gesehenen umgehen. Sie hatten damals ihre Welt betrachtet und wiederum auch nicht. Sie entdeckten ihre Wohnungen, ihre Familien durch das Teleskop, dann sahen sich einige von ihnen sogar selbst. Sie liefen auf der Straße, gingen zur Arbeit. Es war alles so, wie sie es kannten, aber sie lebten eben auch dort, sie fehlten nicht an Bord, befanden sich dennoch nicht auf dem Raumschiff. Diese Umgebung machte sie überflüssig und gehörte nicht in ihre Welt. Das Gesehene entfachte in ihnen eine Sehnsucht nach daheim, die sie kaum ertragen konnten. Damals erreichten die Spannungen an Bord ihren Höhepunkt. In Streit und sogar Schlägereien entlud sich die ganze Enttäuschung und Daniel hatte sein gesamtes psychologisches Können eingesetzt, um auch nur halbwegs wieder Ruhe in die Mannschaft zu bringen.

»Was meinst du, genehmigen wir uns noch was Alkoholisches?«, unterbrach Daniel die düsteren Gedanken.

»Ich kann das farblose Synthesezeug nicht mehr sehen, geschweige denn schmecken, aber die Wirkung macht’s, also los.«

»Wenn wir unseren Alkohol nicht hätten, wären wir vor schierer Langeweile schon gestorben.«

Antonio humpelte mit seinem Stock zum Destillierautomaten und Daniel guckte währenddessen aus dem Fenster. Wie sehr hatte ihn dieser Ausblick fasziniert und tatsächlich, selbst heute noch, nach der langen Odyssee mit all ihren Enttäuschungen, lag in dem Sternenmeer etwas Erhabenes. Die Unendlichkeit des Weltalls hatten sie von allen Seiten kennengelernt. Oft aber war es für Daniel eine Sternenwüste, die Sterne in ihrer Menge zeigten etwas Feindliches, Kaltes, Aggressives. Dann versuchte er, sich zu trösten, versuchte, sich trotz allem geborgen zu fühlen im Lichtermeer, dachte an die Erde zurück, die ebenfalls ein winziger Teil des Universums war.

»Hier, frisch gezapft.«

Antonio hob erwartungsvoll die Nase und etliche kleine Falten zierten sein Gesicht.

»Weißt du, dass du dich kaum verändert hast«, kommentierte Daniel Antonios Mimik.

»Oh, danke für das Kompliment, ich könnte dir das Gleiche sagen. Ich glaube, das liegt am Mangel von Eindrücken. Seit über fünfzig Jahren ziehen die Sterne an uns vorbei, wir sitzen in diesem Raumschiff, essen und trinken die Sachen aus dem Automaten. Manchmal träume ich, ich würde einen violetten, sizilianischen Blumenkohl genießen …«

»Ach ja, ich träume auch ganz bescheiden von Frankfurter Würstchen – mit Senf.«

»Sei froh, dass es den Pamp aus der komischen Synthesemaschine überhaupt gibt. Ohne die wären wir verhungert.« Antonio guckte zum Automaten.

»Und verdurstet, Prost!« Daniel erhob sein Glas. »Ein Hoch auf die Technik an Bord. Dass die bisher durchgehalten hat, ist ein kleines Wunder.«

Die Männer schauten sich an, dann wanderten ihre Blicke zu einer grauhaarigen Frau in einem eng sitzenden weinroten Stretchanzug, der allerdings schon recht abgetragen wirkte. Mit einem leeren Glas in der Hand ging sie langsam zum Automaten.

»Schau mal, Beth, unsere schicke Energieingenieurin, die sah damals scharf aus und sie ist es heute immer noch …«

»Sie ist über achtzig«, warf Daniel ein.

»Aber sie verkörpert noch den gleichen Typ.« Antonio hatte vor etlichen Jahren eine kurze Affäre mit ihr gehabt, wie es überhaupt viele Abenteuer auf der Utopia gegeben hatte. Die meisten waren aus der Not geboren und irgendwann im Sande verlaufen. Meist blieben sich die Partner nach der Trennung wohlgesonnen, was für die übersichtliche Gemeinschaft ohnehin wünschenswert war.

»Die Menschen an Bord haben sich optisch kaum verändert, sie sind eigentlich nur welk geworden, wenn ich das so sagen darf.«

»Darfst du, du bist schließlich mit gewelkt«, fügte Daniel lachend an.

Ein schriller Sirenenton unterbrach ihr Gespräch. Die beiden Männer stutzten. Hinter ihnen schreckte die Energieingenieurin derart zusammen, dass ihr fast das frisch gefüllte Glas aus der Hand fiel. Dann schwieg die Sirene. Das hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben. Nun knackte der Bordlautsprecher und sie hörten die brüchige Stimme des stellvertretenden Kommandanten, der seit dem Tod ihres Chefs die Belange auf dem Raumschiff führte.

»Bitte alle diensthabenden Offiziere auf die Kommandobrücke. Wir haben ein ungewöhnliches Gravitationsfeld vor uns. Alle anderen Crewmitglieder sollen …« Der Rest der Botschaft war nicht zu verstehen, stattdessen begann das Raumschiff zu schlingern. Die Sterne sahen nicht mehr wie Lichtpunkte aus, sondern bildeten leuchtende Streifen, dazwischen flammten zunehmend Farbfelder auf, das Schiff schwankte stärker. Daniel und Antonio hielten sich an ihren Sesseln fest und blickten gebannt zum Fenster. Die Schachfiguren vor ihnen rutschten erst langsam über das Spielfeld, dann flogen sie nacheinander vom Tisch.

Daniel kämpfte gegen die aufsteigende Übelkeit an.

Antonio versuchte aufzustehen, fiel aber in den Sitz zurück und übergab sich. Daniel schaute weiter zum Fenster. Die Farbmuster nahmen zu, dann verlor er die Besinnung.

Über der Utopia lag bleierne Ruhe. Die Turbulenzen hatten die meisten Besatzungsmitglieder zu Boden gerissen, wobei der Boden sich nur als relativ darstellte, denn die künstliche Gravitation war mehrfach zusammengebrochen. Die Möbel hingen zwar an ihren Befestigungsankern, aber Gläser und andere bewegliche Gegenstände waren kreuz und quer durch die Räume geflogen und die alternde Mannschaft hatte es ebenfalls gründlich durchgeschüttelt. Daniel und Antonio lagen dicht beieinander. Sie schlugen gleichzeitig ihre Augen auf und sahen sich fragend an.

»Was war das?«, kam es fast zeitgleich aus ihren Mündern. Dann rappelten sie sich schwerfällig auf und gingen zum Fenster.

»Siehst du das, was ich sehe?«, fragte Antonio.

»Ja.« Das Wort kam nur kratzend aus Daniels Mund. Sie schwiegen lange, konnten und wollten es nicht glauben: Sie erkannten das Raumsegment. Und die Erde leuchtete wie eine blaue Murmel zu ihnen herauf.

»Was, wenn es wieder eine Parallelwelt ist? Ich kann das nicht noch einmal ertragen.«

Sie drehten sich weg vom Fenster, schauten sich das Chaos an Bord an. Es sah schlimmer aus, als es war. Kaputte Gläser, ein paar Scherben. Gerade zog sich Beth vorsichtig am Destillierautomaten in die Höhe, da knackte der Bordlautsprecher. Die Stimme des Kommandanten wirkte unsicher, er bemühte sich jedoch um einen festen Ton:

»An alle Crewmitglieder, die Situation ist unter Kontrolle, wir haben die Turbulenzen hinter uns gelassen.«