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Fünfter Teil der Fischherzsaga.
Kristin und Yasmeen auf der Flucht.
Das Ziel: Antworten!
Krimi, Lyrik, Liebe, Mystik und noch mehr.
Das E-Book Der lange Sturz nach Hause wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Mystery,queer,Krimi,Erzählung,90er Jahre
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Seitenzahl: 95
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Wie sehr da Abgrund ist und Tiefe, die Höhe ist stets zugegen, in demselben Maße und eins darüber.
Ein Himmel
unter vielen,
ein Ozean,
der niemals schweigend,
mich erklärt,
wenn ich auf ihn starre,
weitergehe,
während ich stehe.
Regenschirme nur,
wenn kein Sturm.
Kapitel 1 - Ein Himmel
Kapitel 2 - Unter vielen
Kapitel 3 - Ein Ozean
Kapitel 4 - Niemals schweigend
Kapitel 5 - Mich erklärt
Kapitel 6 - Wenn ich auf ihn starre
Kapitel 7 – Weitergehen
Kapitel 8 - Während ich stehe
Kapitel 9 - Regenschirme nur
Kapitel 10 - Wenn kein Sturm
Kapitel 1 – Vor mir ein Ende
Kapitel 2 - Das sich mir erklärt
Kapitel 3 - Wo Dinge fallen
Kapitel 4 - Wo ich Dinge belebe
Kapitel 5 - Spanne mir den Faden
Kapitel 6 - Noch um ein paar Jahre
Kapitel 7 - Damit ich hinter deine Küsse dringe
Kapitel 8 - Die einen Mond verbergen
Kapitel 9 - Der noch nicht ausgereift
Kapitel 10 - Für eine Verwandlung
Kapitel 1 - Puppenlippen summen Lieder
Kapitel 2 - Manchmal klingen sie wie Bienen
Kapitel 3 - Manchmal wie Rasierklingen
Kapitel 4 - Die von Abschied singen
Kapitel 5 - Ein Meer
Kapitel 6 - Das heute keine Wellen trägt
Kapitel 7 - Sah Tage darin verschwinden
Kapitel 8 - Und uns
Kapitel 9 - Sag es ist anders
Kapitel 10 - Unser Stern ist schon schwach
Kapitel 11 – Sag, da ist ein Weiter
Kapitel 12 - Und wir werden an uns gesunden
Sitze dort, wo ich schon vor Monaten saß, als mich ein Brief zurück zu dir zog. Es ist viel geschehen und trotzdem ist es nicht greifbarer als ein Traum, einer, der nicht zu End’ geträumt, schwelt und immer zugegen ist, sich immer wieder in den Vordergrund drängt. Schäumt, in der Meeresenge, schäumt, wenn irgendwo außer Sichtweite ein Sturm tobt, Bäume bricht, Kapitäne zum Handeln zwingt. Der Wind zog mir den Brief aus der Hand, vielleicht ließ er das Meer schäumen, als er in die Tiefe sank, und Eagles Namen las, ein Abschiedsgruß von all den Fischherzen, die stets um ihn schwammen, er griff das Meine, rief mich heraus, ich blieb. Während ich diese Zeilen denke, erster, sanfter Regen, ich wünschte, ich hätte sie dir geschrieben, damit du verstehst. Möwen kreisen gerade in einem Windstrudel, der sie zu sich zieht, die dunklen Wolken, werfen etwas Licht in diesen Trichter, lassen ihre Flügel glänzen. Der Sommer ist gerade vorüber. Hier ist immer Herbst. Hier ist, wo der Wind lebt, auf seiner salzigen Weide tobt, die niemand ganz abgeschritten. Irgendwo hier ist jetzt auch Eagle, ich füllte den gelben Beutel mit dem gestickten D, den niemand abholen wollte, mit seiner Asche und streute sie hier in das Meer. Ma war dabei. Was jetzt so romantisch klingt, war ein Kampf, das Meiste der Asche landete in meinen Augen. Das Meer wollte ihn nicht, es überließ den Adler dem Wind. Wo er hingehört. Er nahm ihn entgegen und ich bin mir sicher, in einem unbeobachteten Moment ließ er ihn im Meer landen, bei seinem Brief und ließ es schäumen.
Günther hat einen guten Anwalt. Es ging nicht ohne.
Er versucht mir Christoffer zu nehmen, meint, ich bin eine tolle Frau, aber keine gute Mutter. Ich kämpfe.
Ma kämpft mit mir, Bone auch, aus der Ferne…und du.
Und doch ist es ein Kampf bei dem ich vorne stehe, die Waffen führe, die keine sind, keine sein sollen.
Noch lebt Christoffer bei mir. Doch sie suchen Gründe.
Du sprachst einmal von der Waffe die neben dir auf dem Kissen liegt, meine ist das Meer. Ich liege neben ihm, manchmal wünsche ich mir, es würde seine Ufer vergessen, mich mit einer Welle mit sich ziehen, zu Eagle in die Tiefe und das Meer würde vielleicht schäumen. Mein Schal löst sich immer wieder, flicht sich in meine Haare. Ich kann es kaum erwarten bis du kommst, das Medusenhaar lebt schon ein anderes Leben, nicht mehr das Meine.
Ein Himmel,
aus der Ferne,
schweigsame Treue,
die mir Zöpfe flicht,
die sich wie Schlangen bewegen,
wenn ich in die Tiefe sinke,
um Atem ringe,
den ich nur hier verspüre
und den Drang ihn, mich,
wieder ins Leben zu führen.
„Wo warst du, ich hab mir Sorgen gemacht.
Entschuldige, ich weiß, ich soll das nicht sagen.
Vorhin kam ein Anruf, ich glaube es war Kristin, der Empfang war sehr schlecht. Sie wird bestimmt zurückrufen. Christoffer wartet schon auf dich, er hat einen Zoo gebaut. Also wir, aber ich nach seinen Anweisungen. Sogar ein Riesengehege für sein Bison.
Er vermisst Bone. Fragt, wann wir ihn wieder sehen.
Vielleicht hast du eine Antwort.“
Japan. Auch. Alle Orte. Du fragtest, welcher Ort?
Zuerst dachte ich an Lavendel. An Frankreich.
Ein schöner Tod für das alte Leben. Dann dachte ich an Kirschblüten. Ein Haiku, 4 Zeilen Abschied müssen genügen. 2 Wochen Abschied üben. Bone und Woo schlossen sich an. Im Frühling, nicht sofort. Sie würden die Witwe deines Kollegen besuchen. Du bist einverstanden. Ich schaue zu oft auf die Uhr.
Ich nehme sie ab. Spiele mit Christoffer. Er lenkt mich ab, bei ihm bin ich in Gänze. Selbst meine lautesten Gedanken, verstummen, wenn er lächelt, mich umarmt, mich küsst. Eine schlechte Mutter, nicht für Christoffer. Für Günther vielleicht, der sich mehr Zuwendung wünscht. Mehr Mutter, weniger Ehefrau und doch eine, die ihm einen bläst. Ich kann ihm seine Mutter nicht ersetzen. Die früh starb. Zu früh.
Seitdem sucht er sie in mir. Jetzt wo ich wirklich Mutter bin, fühlt er sich zurückgesetzt. Eifersüchtig, vielleicht auf Christoffer, der nun seine Brüste besetzt.
Ich weiß es nicht. Ich bin kein Psychologe. Ich bin schlecht. Schlecht für ihn. Aber nicht für meinen Sohn.
Wenn Christoffer schläft, höre ich Bones Platte. Endlich.
Als hätte sie auf diese Zeit mit mir gewartet.
Keine andere Musik verschafft mir Trost.
Ma ist genervt. Ich fühle mich 15 Jahre jünger.
Auch heute muss ich lächeln, dass es noch Musik gibt, die sie provoziert, obwohl sie näher an ihrer Jugend ist, als an meiner. Du sagst, du wärst auf dem Weg, möchtest aber nicht sagen wo, du hast Angst, dass man dich abhört. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich vertraue dir. Der Regen klatscht ans Fenster, die Straßenlaternen lassen ihn funkeln, Fundstücke eines Raubes, welche die Räuber auf ihrer Flucht von sich warfen, vielleicht kommen sie später und holen sie.
Morgen sind sie verschwunden, erfreue mich mit Christoffer an dem Diebesgut, wir beobachten die Tropfen, wie sie Gesichter zeichnen, Steckbriefe ihrer Kidnapper. Krude Gestalten, denen wir nicht begegnen möchten, wir lassen sie dort. Gehen ins Bett.
Zähneputzen. Eine Gutenachtgeschichte, von einem Kaninchen. Wir lachen stets an derselben Stelle.
Er schläft ein, 2 Seiten weiter, an derselben Stelle wie jeden Tag. Wir kennen das Ende nicht. Wir freuen uns jeden Abend darauf, ich vielleicht ein bisschen mehr.
Es warten noch so viele Bücher. Claire gab uns einen Stapel mit. Auch Leo hatte noch welche von Stacy.
Ich fand das lieb, ich weiß nicht ob ich sie lesen möchte.
Vielleicht gebe ich sie Bone wieder mit, es sind Erinnerungen. Meine und Leos. Leos sind wertvoller.
Unter Vielen,
doch das Eine,
das Moment ist,
Diebesgut,
vorausgegangener Zeit,
wo Glück ist,
so viel, dass ich es nur,
mit Leid ertrage,
aufgeschlagen,
über ein zögerlich’ Herz.
Elijah, ist laut. Musik, Mofa, Stimme. Ist wütend, dass ich seine Platten vergessen habe. Ich bitte Bone, sie bei Lenny zu besorgen. Aus seinem Zimmer atemloser Lärm. Ich möchte nicht genauer hinhören.
Es ist bestimmt Schönheit darin. Es nervt Ma, es nervt mich, nur Christoffer hopst zu der Musik, die sich in Sechzehntel durch den Flur hämmert.
Die Cover sehen aus, wie die Verpackungen seiner Masters. Der Klops wacht mit seinem starren Auge über sie. Die Anderen sind in Kisten verschwunden.
Christoffer machen sie Angst. Noch. Günther lebt in unserer alten Wohnung, hütet sie in einer Hoffnung, die sich nicht erfüllen wird. Er weiß es, ich weiß es.
Er wird sie alleine nicht halten können. Irgendwann abstreifen, so wie er mich abstreift. Abstreifen muss, um zu überleben.
Ich spüre Eagle. Er ist hier. Manchmal meine ich ihn zu riechen. Der Gedanke macht mich ruhig.
Nun schwimmt er in meinem Ozean, ich nenne ihn Whale…spüre, wie er immer wieder gegen mein Schiff stößt, das auf dem grauen Wellengarten umherirrt.
Ich stehe an Deck, bei Wind und Sturm, bin nie am Ruder, nie am Steuer, überlasse mich der Bewegung, die auch für ihre Geister sorgt. Sie sind nicht mehr durstig, sie sind der Durst, den ich empfinde, wenn ich auf den Ozean blicke.
Ich möchte mich verschwenden, während der Regen sich verschwendet und der Ozean uns fängt.
Mit seinen Armen. Ausgestreckt. Immer. Ich bin’s die sich verweigert, weil im Haus noch ein Lächeln ist.
Weil es Gründe gibt, jeden Tag neue. Die mir jede Verschwendung verbieten, mich beisammen halten, ein grobes Puzzle, für 3 Jährige.
Heute riecht es nach Fisch, ich kann keine sehen.
Das Meer spült oft ihre Reste an, kleine, aber auch ganz Große. So groß, dass die Fischer hier, sie mit ihren Haken und Netzen auf einen Anhänger ziehen, ich weiß nicht, was sie mit ihnen machen. Ich meide an diesen Tagen Restaurantbesuche. Wenn sich das Meer zurückzieht und ich mit Christoffer durch den Schlick wate, sehen wir Krebse und Würmer vor uns flüchten und Christoffer traut sich keinen Schritt mehr weiter, hat Angst auf sie zu treten, hat Angst vor ihren Kneifzangen. Dann trage ich ihn und spüre wie der Sand unter mir wegsackt, mir wird schwindelig, fühle mich trunken, selbst mein Magen wird genarrt.
Dann setzen wir uns auf die Steine, die das Ufer rahmen und warten auf das Wasser. Zuerst ein schüchternes Glitzern, dann scheint es aus dem Boden zu drücken, nicht zu wandern, millionenfache Knospen, die noch oben schießen und explodieren. Frühling. Täglich.
Wahrscheinlich ein Grund, warum ich hier bin, Ma mitkam und Günther nicht diskutierte.
Ewiger Frühling, irgendwo tief in uns und dort wo sein Spiegel ist, ist ein Gefühl von Heimat. Das Wasser wandert hinter den Horizont. Ich ziehe meine Schuhe aus und sinke in diese weiche Masse, die mich unbeholfen wirken lässt, wieder. Ohne Christoffer, ich kann mich meinem Schwindel hingeben und entdecke Fußspuren. Die in die Richtung des Meeres führen, ich bin verführt ihnen zu folgen, mein Verstand hält mich zurück, erst leise, irgendwann laut, damit ich gehorche.
Ein Ozean,
ohne Wasser,
es nahm die Fische mit,
die Kleinen und die Großen,
möchte sehen,
wo sie sich drängen,
welcher Ort nun kleiner ist,
weil er bis an seine Ränder gefüllt,
welches Land darunter verschwindet,
das nie um Hilfe bittet,
ein Ozean,
der heute keiner ist,
eine Wüste unter vielen.
„Was tust du da?“ Du. Endlich. Rennst zu mir, hast deine Schuhe an. Stolperst, ich komme dir entgegen. Deine Umarmung, der Ozean, den ich ersehne. Wir fallen. Sind Meer und Ankunft.
Als das Wasser kommt, stehen wir auf.
Setzen uns auf die Steine. Sagen nichts. Halten uns.
Beobachten ein Werden, das auch das Unsere ist.
Als da wieder ein Rauschen ist, steigen wir ins Wasser. Es ist kühl, es kann nichts löschen, es kann nichts löschen.
