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Vierter Teil der Fischherz-Reihe.
Ein neuer Kriminalfall,
eine alte Liebesgeschichte,
Abschied und Neubeginn.
Das E-Book WonderLand wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Mystery,Liebesgeschichte,amerikanische Ureinwohner,Lyrik,90er Jahre
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Wellen auch,
wenn ich nicht von ihnen träume,
Sonne auch,
wenn ich meine Augen schließe,
möchte kein Zurück,
nur den Moment
und eine Erinnerung,
Zweifel auch
und das schwarze Geräusch,
wenn ich mich verliebe.
Kapitel 1 – Wellen auch
Kapitel 2 – Wenn ich nicht von ihnen träume
Kapitel 3 - Sonne auch
Kapitel 4 - Wenn ich meine Augen schließe
Kapitel 5 - Möchte kein Zurück
Kapitel 6 - Nur den Moment
Kapitel 7 - Und eine Erinnerung
Kapitel 8 - Zweifel auch
Kapitel 9 - Und das schwarze Geräusch
Kapitel 10 - Wenn ich mich verliebe
Kapitel 1 – Leitern, die in den Himmel reichen
Kapitel 2 - Sehe das Ende dieser Welt nicht
Kapitel 3 - Möchte das Feuer
Kapitel 4 - Als Asche spüren
Kapitel 5 - Spüren, was es mir ließ
Kapitel 6 - Schwarzer Rauch
Kapitel 7 - Schleier die argumentieren
Kapitel 8 - Es sein zu lassen
Kapitel 9 - Immer ein Balkon
Kapitel 10 - Zwischen unseren Anziehungskräften
Kapitel 1 – Haus an Haus
Kapitel 2 - Ohne Stadt zu sein
Kapitel 3 – Frühlingsstürme
Kapitel 4 - Jagen Vögel
Kapitel 5 - Regen
Kapitel 6 - Landnahme
Kapitel 7 - Vermessung der Einsamkeit
Kapitel 8 - Mit einem Kompass ohne Nadel
Kapitel 9 - Süden ist dort
Kapitel 10 - Wo die Feuer bleiben
Kapitel 1 - Sag Himmel
Kapitel 2 - Und wir werden ihn sehen
Kapitel 3 - Sag Liebe
Kapitel 4 - Wir werden sie spüren
Kapitel 5 - Kämmen uns die Haare
Kapitel 6 - Werden darin Sonnen finden und einen Vogel
Kapitel 7 - Mit goldenen Flügeln
Kapitel 8 - Sag es gibt ein Zurück und ich bin hier
Liebe Yasmeen,
vielleicht hättest du diesen Brief von Bone erwartet, der dir vom Ableben seines greisen und launischen Vaters berichtet. So bin ich es selbst, der dir schreibt und ich sieche nicht, auch wenn ich schwächer werde und ich liege nicht im Sterben auch wenn der Tod schon neben mir steht. Wir waren all die Jahre in Kontakt, mal mehr, mal weniger und Bone kam dich in Europa besuchen, ihr ward am Meer und bei einem Konzert, was ihn sehr bewegt hatte und die Fotos die er machte, lassen mich seine Tränen nachspüren. Ich habe mein Land nie verlassen, doch ganz viele Länder kamen zu mir, es ist schön, dass Bone sein Leben anders lebt. Dieses Jahr, jährt sich unsere Geschichte zum 100sten Mal, auch wenn ich all die Jahre gesagt habe, nie wieder ein Festival, nun ist es doch geplant und es wird mein Letztes sein, der Schöpfer möchte wohl, dass ich noch bleibe, um es noch einmal auf die Beine zu stellen.
Yasmeen, ich weiß, du lebst nun dein Leben und Musik nimmt nicht mehr den Raum ein, wie vor Jahren.
Bist inzwischen verheiratet und selbst Mutter und doch wäre es eine große Freude, wenn du und deine Familie und natürlich deine Mutter, mich besuchen kommt und du vielleicht ein paar Songs auf der Bühne vortragen möchtest. Es ist wie immer für alles gesorgt, Flug, Unterkunft (es gibt wieder ein Hotel, keines mit dem Namen Wheeler, keines mit dem Namen Meyer).
Überleg es dir und gib mir, gerne auch per Anruf, Antwort. Eagle Ich sitze gerade am Strand. Der Brief flattert im Wind, meine Haare tanzen. Günther ist mit Christoffer auf dem Spielplatz. Eagle hatte öfter von dem Festival gesprochen, verwarf es immer wieder, auch T-Bone schwankte und doch sehen sie sich in der Verantwortung, solange sie noch auf Erden sind, an die Gräuel vor 100 Jahren zu erinnern. Die Harfe hatte ich seit der Geburt von Christoffer nur noch selten in den Händen, diese füllt nun er. Wir leben nun an einer Küste, die Vorbild für viele Kinderbücher war, die ich als Kind selbst las und wieder lese. Sie haben dieselbe Wirkung auf Christoffer, wie auf mich. Günther ist Schriftsteller, keiner der davon Leben könnte, er arbeitet in einer kleinen Bäckerei, ist die Nacht nicht da, manchmal glaube ich, sie ist Teil einer Flucht, vor allem in der Zeit als Christoffer noch ein Säugling war.
Doch der Beruf des Bäckers ist älter und ein vertrauter Bestandteil seines Lebens, die Wut kam trotzdem in den einsamen, lauten und schlaflosen Nächten. Die Wolken sind grau, reiten tief über das ebenso graue Meer, das heute schäumt. Möwen kreisen und landen auf dem alten Steg, der für Menschen nicht mehr begehbar ist, Platz lässt, für alle, die die Menschen meiden.
Ein altes Ruderboot liegt mit ausgebreiteten Armen nicht weit von mir auf dem Bauch, ist morscher Panzer für all jene, die Schutz vor den rauen Wind suchen und dennoch den Himmel im Auge behalten möchten.
Der Wind reißt mir den Brief aus der Hand und trägt ihn hinaus aufs Meer, es zögert nicht, legt seine feuchten Zungen über ihn und drückt ihn in andere Welten, die ich mir immer mal wieder ersehne, gerade, wenn es zu laut wird und keine Zeit mehr für Träume ist.
In meiner Hand ein leerer Umschlag mit einer Briefmarke von einem Präsidenten an den ich mich nicht erinnere. Ich stecke ihn in meine Manteltasche und schlurfe durch den Sand, der mir das Laub ersetzt, das ich oft vermisse. Die Wälder sind zu weit entfernt für spontane Spaziergänge. Das Lachen von Christoffer ist schon zu hören, auch das von Günther, das so viel höher tönt als seine Sprechstimme. Er sah mich auf einem Konzert, es war nicht das Beste, eines der Ersten nach meiner Rückkehr aus den USA. Er mochte es, vor allem meine Stimme und ich mochte seine, die durch meine scheppernden Ohren drang, nicht durch Lautstärke, allein durch ihre samtige Tiefe. Ein ewig schnurrender Kater. Liebe auf den ersten Blick? Nein.
Aber sie blieb, als die Schmetterlinge verschwanden, er blieb, als ich verschwinden wollte, mich auflösen zu Meeresschaum. Er blieb, ich blieb. Jetzt sind wir zu dritt und es gibt einen Grund mehr um zu bleiben.
Wellen auch,
wenn Fischherzen lieben,
Wolken wandern
auf einem Bein,
kommen doch voran,
erkenn’ es nur,
wenn ich stehe.
Christoffer hustet, die ganze Nacht. Stehe auf, bringe Wasser, lege mich zu ihm. Seine Stirn warm, aber nicht beunruhigend. Er verträgt den Wind nicht.
Doch Wind ist hier immer und überall. Günther ist schon in der Arbeit. Auf dem Küchentisch steht eine Tüte Brötchen und Gebäck, an beidem mangelt uns nicht.
Es spart Geld, das wir an anderer Stelle benötigen und auch nicht haben. Manchmal begleite ich Günther zu seinen Lesungen, begleite ihn mit der Harfe, manchmal mit der Gitarre. Meine Mutter findet es immer toll, applaudiert als einzige, geht mit Christoffer nach draußen, wenn er unruhig wird, hat ihn manchmal an den Wochenenden. Er liebt Elijah und seine Masters. Vorallem den Klops. Die beiden füllen viele Fotos und viele Sonntage. Erdbeerkuchen im Freien, in Ma’s Garten. Der erste Wespenstich letztes Jahr und Günthers allergische Reaktion, wir wussten es beide nicht. Überhaupt reagieren wir auf vieles empfindlicher, Pilze sammeln wir noch immer nicht. Manchmal denke ich noch an dich. An eine Zeit die längst vergraben ist. Zweimal übermittelte mir T-Bone deine Grüße, ich antwortete lapidar, „Gruß zurück“, oder ähnliches. Und doch fürchte ich an manchen Tagen den Blick in den Briefkasten, als wäre er ein Spiegel, der ein Fenster in eine andere Zeit öffnet, die noch immer nicht verdrängt. Du bist noch da, vieles.
Mehr als ich möchte. Zärtlichkeiten, die sich unter Berührungen von Günther mischen, manchmal weiß ich nicht, wer mich gerade berührt. T-Bone meint, dir geht es gut, bist glücklich. Ob alleine, oder mit jemandem der dir sein Glück schenkt, weiß ich nicht, möchte es auch nicht. Der Weg über den Teich hieße in einen Ozean eintauchen, aus dem ich längst sprang.
Hinein in ein Goldfischglas. Die Begrenztheit tut mir gut, das was nicht hineingehört, kann ich sofort orten und hinausbefördern, ehe es sich auflöst und mir das Wasser vergiftet, das ich atme, das ich lebe. Ich begann mit dem Klavierspiel. Mein Gott, Schumann hat mir das Leben gerettet, tut es täglich. Warum erst jetzt? Ich hadere mit der Einladung. Ich weiß, ich muss, alleine wegen Eagle und T-Bone, ich hoffe, dir nicht zu begegnen und doch weiß ich, es ist eine Lüge. Ich hoffe es zutiefst.
Wenn ich nicht von ihnen träume,
dann träume ich von dir,
verweile auf vergilbten Kissen,
die ich nicht wusch,
damit wir bleiben,
ein Haar noch von dir,
ich legte es in ein Buch,
was ich mich nicht mehr zu öffnen traue.
Günther freut sich auf die Reise. Er liebt es zu fliegen, war als Jugendlicher in der Welt unterwegs, mit Rucksack und Notizbuch. Wir flogen noch nie zusammen, noch nie zu dritt, noch nie zu viert.
Elijah wird in zwei Jahren volljährig, träumt schon jetzt von seinem Führerschein, erlebt die Welt auf seinem Mofa, er kommt nicht mit, aber wir sollen ihm etwas mitbringen. Keinen Klops, Platten. Lenny und Carol sind schon lange getrennt, aber den Plattenladen gibt es noch.
Ich versuche seine Liste abzuarbeiten vielleicht macht mir Lenny einen guten Preis. Ich kenne keinen der Namen, die ersten Anzeichen, dass ich alt werde.
Ich habe noch immer Bones Platte, sie ist die einzige Platte die aufrecht steht, mich darin erinnert, hineinzuhören. Ich finde keinen Moment, immer eine Ausrede, Wichtigeres. Ich sollte sie mitnehmen, zurückgeben, es ist mir unangenehm, Versprechen nicht einzulösen, Dinge bei mir zu haben, die eigentlich nicht dort hingehören. Christoffer klimpert auf dem Klavier, eigentlich sollte ich froh sein, dass er Interesse zeigt und doch nervt es mich, er trifft genau die Töne oder Tonfolgen die etwas in mir auslösen, nichts Gutes.
Manchmal spielen wir zusammen. Kinderlieder, Weihnachtslieder, er hat Talent, kann schon erste Noten lesen. Er liebt es unter dem Klavier zu sitzen, wenn ich spiele. Presst sein Ohr an den schwarzen Lack.
Ich spiele leiser, er summt. Er lächelt.
Ich liebe ihn.
Das Flugzeug schiebt sich durch die Wolken.
Günther sitzt am Fenster, Christoffer auf seinem Schoß, Günther versucht zu erklären, die Schönheit zu erklären, die schweigend an uns vorüberzieht. Ma sitzt ein paar Reihen vor uns, genießt die Ruhe, blättert in einem Buch, immer mal wieder ein Blick zu uns. Alles gut.
Die Höhe macht mir Angst, die Unbeschwertheit derer, die ihre Ängste unter Kontrolle haben oder noch nicht kennen. Ich versuche auch zu lesen, Christoffer klettert über mich, will zur Oma. Die Stewardess ist nett aber bestimmend, Christoffer ist es egal, er weiß was er möchte. Ich hoffe auf seine Müdigkeit und auf ein Gefühl, was mich nicht auf die Uhr blicken lässt.
Ich stelle mich schlafend, halbtot, irgendwann ist es mehr als ein Versuch. Es ruckelt, Christoffer weint.
Ein Luftloch, ein Sturm, das Meer unter uns wie die faltige Haut eines Elefanten. Wir versuchen ihn zu trösten, ihn von dem Gurt zu überzeugen, auch Ma schafft es nicht, er wählt meine Arme und meinen Bauch, presst sein Ohr dagegen, wie gegen das Klavier.
Es beruhigt ihn. Er schläft ein, Günther nimmt meine Hand. Ich fühle mich wie ein Außerirdischer als wir landen, ein Sprung auf eine geteerte Matratze.
Ma ist nervös, Günther trägt Christoffer, er schläft tief.
Ich versuche mich an den Taschen und den Koffern.
In der Halle stehen Nelly und T-Bone.
Nellys Dauerwelle ist verschwunden, die Haare auffällig blond gefärbt um die grauen Strähnen zu verbergen, die da sind, ganz bestimmt. T-Bone erscheint mir für einen Moment wie der Holzhäuptling vor dem Souvenirshop, unverändert, trotzig gegenüber Wetter und Kindererstbesteigungen. Ich habe seinen Geruch vermisst. Wir stellen uns vor, obwohl wir uns alle kennen, vieles ist vergessen. „Yasmeen, wie schön, dass du da bist. Lisbeth, meine Güte, an dir beißt sich die Zeit auch die Zähne aus. Gunther und der kleine… Elijah?...Christoffer. Zum Glück schläft er…wir sind mit zwei Wägen da, ihr könnt euch aussuchen, wo ihr mitfahren wollt…die Damen bei mir? Die Herren bei der Dame? Ich finde der Vorschlag ist fair…“ Günther ist zu müde um zu protestieren, er ist froh, dass er nicht fahren muss. Wir warten auf unser Gepäck, teilen uns auf, steigen in die warmen Autos.
Christoffer schreckt auf, weint, er möchte mit mir fahren.
Ma fährt mit Nelly. Günther sitzt vorne, neben T-Bone.
Es ist ungewohnt und selten, dass er englisch spricht.
Einfaches Schulenglisch. Manchmal helfe ich mit Worten aus. T-Bone spricht langsam, manchmal ein paar Brocken deutsch. Es ist genauso befremdlich wie Günthers Versuche. Die Sonne steht tief, der Sturm hatte vieles verzögert. Meine Beine und mein Rücken schmerzen. Ich freue mich auf die Raststätte.
Dieselbe wie vor 5 Jahren. Ein anderer Name, der Rest seltsam vertraut.
Burger, Pommes, was Kühles in Glaskrügen.
Ich weiß, wir werden halten müssen, Christoffer trinkt viel. Günther auch, er muss nicht fahren, deshalb kostet er von dem einheimischen Bier.
T-Bone hätte gerne angestoßen. Später. Die Sonne ist beinahe verschwunden. Sand zwirbelt sich zu kleinen Wolken. Der Kleine macht sich groß. Steht am Fenster und bestaunt die riesigen Trucks die regelmäßig vorbeirauschen. Manche haben Lichterketten, beleuchtete Namensschilder oder blinkende Kreuze im Führerhaus. Manche hupen, als hätten sie die kleinen Augen gesehen, die dort staunen und sofort erzählen wollen. T-Bone lacht und scherzt mit ihm, nimmt ihn auf die Schultern, Christoffer nimmt seine Zöpfe als Zügel, beide traben durch das Diner, wir sind die Einzigen, niemand fühlt sich gestört. Wir fahren weiter.
Christoffer sucht nach seinem Spielzeug, es ist in irgendeinem Koffer, wir zählen die Trucks die uns überholen. Nach zehn fangen wir von vorne an.
Irgendwann ist es Nacht. Die Männer werden ruhiger,
T-Bone dreht das Radio an. Die Musik ist so anders, als vor Jahren. Heute würden wir nicht mehr auffallen.
Gegen Mitternacht sind wir da. Wir verabschieden uns flüsternd, verabreden uns noch für Morgen.
Ich bin wieder im Wheelers. Es nennt sich nun
„Wonderland“. Neben dem Eingang, ein Mast mit den Stars and Stripes, es flattert, wie ein nächtlicher Vogel.
Der Hotelboy überreicht uns die Schlüssel, wir unterschreiben, gehen nach oben, es hat nun zwei Stockwerke mehr.
Auf den Kopfkissen, Pralinen. Ein Beistellbett.
Günther duscht noch. Ich versuche Christoffer die Schuhe auszuziehen, dann den Rest, der Schlaf ist jetzt tiefer als der im Flugzeug. Ich bin noch aufgedreht.
Günther küsst mich, dreht sich zur Seite und schläft ein.
Vor dem Fenster ein voller Mond.
Ich starre ihn lange an und er mich,
irgendwann sind wir Eins,
umgeben von schnarchenden Sternen.
Mond
und Sonne auch,
könnte ich wählen,
es schiene nur das Eine,
heute Nacht,
wäre es heller,
damit es Sorgen verbirgt,
im Dunkeln,
bist du mir näher.
Es duftet nach Kaffee. Nach Toast und Speck. Die Nacht durchlöchert. Loses Mauerwerk, keine Zeit für Träume. Christoffer wach. Günther wach.
