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Ob verboten heiß oder unerhört amüsant – prickelnd verruchte Erzählungen in »Der Liebhaber der Nonne« jetzt als eBook bei dotbooks. Reizvoll ist gerade das, was nicht erlaubt ist. Und so ist wohlbekannt, dass es verborgen unter fremden Bettdecken schon seit jeher hoch herging – und dabei natürlich nicht immer so, wie es die Moral verlangt … Ob unter einem herrlich absurden Vorwand oder mit einer gewieften List, Mann bekommt immer, was er will – und Frau natürlich erst recht! Durch Frechheit, Leichtgläubigkeit oder die Kunst der gewitzten Überredung – im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt! Dieser erotische Klassiker vereint die pikantesten Erzählungen all der italienischen Autoren der Renaissance, die schon zu Lebzeiten ihre Leser im Geheimen mit prickelnden Geschichten über die schönste Nebensache der Welt unterhielten und auch heute – nachdem sie viele Jahrhunderte in Vergessenheit gerieten – ihre Leser wieder fesseln. Jetzt als eBook kaufen und genießen: die Sammlung erotischer Klassiker »Der Liebhaber der Nonne«, die es selbst mit Giovanni Boccaccios »Decamerone« aufnehmen kann. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
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Seitenzahl: 323
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Über dieses Buch:
Reizvoll ist gerade das, was nicht erlaubt ist. Und so ist wohlbekannt, dass es verborgen unter fremden Bettdecken schon seit jeher hoch herging – und dabei natürlich nicht immer so, wie es die Moral verlangt … Ob unter einem herrlich absurden Vorwand oder mit einer gewieften List, Mann bekommt immer, was er will – und Frau natürlich erst recht!
Durch Frechheit, Leichtgläubigkeit oder die Kunst der gewitzten Überredung – im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt! Dieser erotische Klassiker vereint die pikantesten Erzählungen all der italienischen Autoren der Renaissance, die schon zu Lebzeiten ihre Leser im Geheimen mit prickelnden Geschichten über die schönste Nebensache der Welt unterhielten und auch heute – nachdem sie viele Jahrhunderte in Vergessenheit gerieten – ihre Leser wieder fesseln.
Über die Autoren:
Bandello, Cornazano, Firenzuola, Fortini, Giraldi, Morlini, Poggio, Sercambi und Straparola sind Dichter, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in Italien lebten und wirkten. Eine Auswahl ihrer ins Deutsche übersetzten erotischen Novellen wurde nun in dem Sammelband »Der Liebhaber der Nonne« zusammengestellt.
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eBook-Lizenzausgabe September 2018
Copyright © der eBook-Neuausgabe 2018 venusbooks GmbH, München
Copyright © der eBook-Lizenzausgabe 2018 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Max Frost
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (aks)
ISBN 978-3-96148-348-8
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Der Liebhaber der Nonne
und andere erotische Geschichten aus dem 16. Jahrhundert
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Matteo Bandello, geboren 1480 in Castelnuovo, wurde früh Mönch, bereiste mit seinem Onkel, der Dominikanergeneral war, Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland, wurde von Heinrich II. 1550 zum Bischof von Agen gemacht und starb ebenda 1561. Seine 214 Novellen erschienen 1554 in mehreren Bänden.
Unzählig wahrhaftig sind die Mittel, die die Weiber, wenn sie mit dem, was sie zu Hause haben, unzufrieden sind und sich draußen nach Ersatz umsehen, anwenden, um ihre Männer zu betrügen.
Zur Zeit des glorreichen Herzogs von Mailand, Philipp Visconti, lebte in Pavia eine junge Frau aus der Familie de Fornari, die mit dem Doktor Herrn Giovanni Botticella verheiratet war, der fünfzig Jahre oder noch mehr zählte. Er galt als ein großer Gelehrter und war ein berühmter Jurist. Aber mir scheint, daß er sich als ein großer Narr gezeigt hat, indem er bei solchem Alter ein junges Weibchen von noch nicht zwanzig Jahren nahm. Doch wenn die Weisen nicht manchmal irren, würden die Narren ja verzweifeln.
Die junge Frau, Cornelia mit Namen, war recht ansehnlich, hatte ein schönes und wohlgebildetes Gesicht, und obwohl sicher nicht so hübsch wie ein Engel, war sie doch liebenswürdig und anmutig und so keck und dreist, daß es schon an die Grenzen des Erlaubten ging.
Der Herr Doktor ward dessen in kurzem gewahr und bereute zu spät, ein so junges Mädchen genommen zu haben, zumal er zu alt war und wenig fähig, ihm Genüge zu leisten. Er ward daher eifersüchtig, daß er nicht wußte, was er machen sollte.
War dann der Doktor zu Pavia, so verging seine ganze Zeit mit den Rechtsgeschäften für seine Klienten, er hielt seine Sprechstunden, hatte bald bei dem Podesta, bald auf dem Tribunal des herzoglichen Kommissärs und Gouverneurs zu tun.
Die Liebe, die er für seine Frau hegte, oder, besser gesagt, die grausame Eifersucht, die ihm das Herz zerfraß, zwang ihn, sie unaufhörlich wie ein neuer Argus zu bewachen, Tag und Nacht blieb er in ihrer Nähe und beobachtete alle ihre Handlungen genau. Auf der anderen Seite bestimmten ihn Stolz und Ehrgeiz, die sehr viel über ihn vermochten, sich sehr eifrig den Angelegenheiten seiner Vaterstadt zu widmen und stets zur Verfügung aller derer zu sein, die den ganzen Tag um seinen Beistand und seine Hilfe baten. Stolz und Ehrgeiz gewannen schließlich in ihm die Oberhand.
Trotzdem peinigte ihn unaufhörlich der spitze, scharfe Stachel der Eifersucht, er quälte ihn grausam und setzte ihm mit den stechendsten Gedanken zu. Darüber ärgerte sich die schlecht verheiratete Cornelia so, daß sie beinahe närrisch wurde. Doch was sie mehr als alles andere quälte, war der Umstand, daß sie neben sich einen alten Mann hatte, der sie so viele Vigilien und Fasttage halten ließ, daß er kaum einmal im Monat mit ihr der Liebe pflog.
Und sie hätte doch gewünscht, sich alle Nächte wohl zu ergötzen und nicht so elend ihre Jugend zu verlieren. Doch der Doktor war so schwach und kurzatmig, daß er nach jenen wenigen Malen, die er mit Madonna Cornelia in die Liebesschlacht zog, obwohl es schon sehr selten geschah, viele, viele Tage pausieren mußte, ehe er die verlorenen Kräfte wiedergewonnen hatte, und sie mußte mit guten Worten und wenig stichhaltigen Vorwänden, mit denen er nicht sparte, vorliebnehmen.
In diesem elenden Leben vergingen ihr vier Jahre, und da sie sah, daß sie sich im Hause in keiner Weise Befriedigung verschaffen konnte, dachte sie, auf der Straße Umschau zu halten, um draußen einen Menschen zu finden, der ihr gab, was sie gern gehabt hätte und woran es ihr fehlte.
Doch ihre Bewachung war so streng und gewissenhaft, daß sie so gut wie gar nicht sich auf der Straße umtun konnte. Da sie ganz und gar keine Möglichkeit sah, mit einem Paveser Edelmann oder Studenten Bekanntschaft zu machen, die ihr schlecht gepflegtes Gärtchen bewässerten, dachte sie, auf anderm Wege nach einem Gärtner sich umzusehen.
Der Doktor hatte zu Selvano, einem Dorf im Gebiet von Pavia, einige Besitzungen, wo er einen Verwalter mit Arbeitern hatte, die auf den Ländereien tätig waren. Unter diesen Arbeitern war ein Bursche von ungefähr siebenundzwanzig Jahren, ziemlich groß gewachsen und für einen Bauern ein recht ansehnlicher Mensch mit hübschem Gesicht und guten Manieren, besonders keck und gewandt, der, obwohl er ein gerissener Bursche war und seine Arbeit sehr gut verstand, trotzdem einen Einfaltspinsel markierte und sich halb wie ein Narr aufspielte.
Er pflegte wenigstens zweimal in der Woche vom Dorf nach Pavia zu kommen und je nach der Jahreszeit in die Stadt zu bringen, was es im Dorf gab, Eier, Butter, Käse, Hühner, Früchte und anderes mehr. Er war im Hause des Doktors wegen seiner Freundlichkeit und Gefälligkeit gern gesehen und stand niemals müßig, manchmal hackte er Holz, ein anderesmal holte er Wasser, und ähnliche Dienste mehr tat er gern und vergnügt, und er ging durchs ganze Haus oben und unten, ohne daß ihm jemand ein Wörtlein sagte.
Der Doktor hatte an ihm, seinen Reden und seiner steten Freundlichkeit viel Vergnügen und plauderte mit ihm gern, am meisten abends nach dem Nachtessen, wenn keine Fremden mehr im Hause waren.
Selbst Madonna Cornelia fand Gefallen daran, daß er alle möglichen Dinge vom Dorf erzählte. Da sie sah, daß er ziemlich hübsch war, warf sie ein Auge auf ihn, und da sie auf anderem Wege nicht zu ihrem Ziel kommen konnte, beschloß sie, ihn sich auszuersehen als den, der, wie er zu Selvano auf den Besitzungen des Herrn arbeitete, zu Pavia ebenfalls ihr Gärtchen bestellen sollte.
Eines Morgens kam wie gewöhnlich der Bauernbursche nach Pavia mit Früchten und Briefen an den Herrn. Da er ihn nicht daheim fand, weil er vor Gericht in Prozeßsachen zu tun hatte, ging er nach oben, wo die Madonna ganz allein im Saal an ihrer Arbeit saß.
Wie sie ihn sah, sagte sie: »Willkommen, Antonello« (so hieß der Arbeiter). »Was bringst du Gutes?«
»Madonna«, antwortete er, »ich habe von unseren Früchten welche gebracht und auch einen Brief an den Herrn.«
Sogleich rief die Frau einen Diener und schickte ihn mit Antonello aufs Gericht, wo sie den Herrn fanden. Als der Doktor den Brief gelesen hatte, sagte er: »Antonello, geh nach Hause, laß dir was zu trinken geben und erwarte mich da!«
Während der Bauernbursche zum Gericht ging, beschloß die Frau, wenn er zurückkehrte, ihren Plan auszuführen, denn sie konnte ganz beruhigt sein, daß niemand, der sie mit Antonello hätte reden sehen, Argwohn schöpfen würde.
Sobald er ins Haus getreten war, rief sie ihn nach oben, ging ihm entgegen, machte ihm ein freundliches Gesicht und ließ ihm etwas zu essen bringen. Nachdem alles Nötige besorgt war, wußte sie alle Leute im Hause zu beschäftigen, ausgenommen eine alte Frau, deren sie sich völlig versichert glaubte, so daß kein Mensch außer ihr in der Nähe war.
Der Bursche, der einen guten Teil der Nacht marschiert war, hatte großen Appetit und aß tüchtig. Madonna Cornelia, die selbst den Wunsch hatte, gespeist zu werden, plauderte, um die günstige Gelegenheit nicht zu verlieren, mit Antonello, fragte ihn über dies und das aus dem Dorfe und unter anderem auch, ob er verliebt wäre.
Darauf antwortete er seufzend: »Ach, Madonna, wie könnt Ihr nur so fragen? Ihr wollt mich nur zum besten haben!«
»Wieso denn?« versetzte die Frau, »was gibst du mir denn da für eine Antwort! Wie sollte ich mich denn über deine Liebe lustig machen wollen!«
»Beim Leibe San Perpistos«, sagte er, »seit die Edelleute von Pavia und unsere Nachbarn von Caselli ihre Nasen zu uns reingesteckt haben, sind unsere Mädchen, sage ich Euch, hochmütig geworden und wollen uns andere nicht mehr ansehen. Sie lieben nur die schön gekleideten und reichen Liebhaber, die ihnen aus der Stadt was mitbringen. Und ich armer Bursche, was zum Teufel sollte ich ihnen wohl schenken und aus der Stadt mitbringen! Wenn ich ihnen nicht gerade was von dem, wovon ich nicht sprechen will, gebe, weiß ich nicht, was ich ihnen sonst geben soll. Ich könnte schneller jemanden finden, der mir was von seinem abgäbe und dafür was nähme, was ich ihm geben kann.«
Bei all diesem Schwatz lächelte er.
»Nun, sag mir mal«, meinte die Frau, »wenn du jemanden fändest, der dir von dem seinen was schenkte, was würdest du ihm denn dafür geben?«
»Madonna«, antwortete der Bursche und lachte dabei wie ein rechter Bauer, »ich würd' ihm schon was geben und damit basta. Ihr versteht mich schon! Beim Leibe Christi, ich würde ihn schon mit dem meinen so zufriedenstellen, daß er mit keinem zu tauschen brauchte!«
Indessen kam das Söhnchen des Doktors und der Frau, doch achtete sie nicht auf den Knaben. Der Frau gefiel es sehr, daß Antonello so ungezwungen und dreist mit ihr sprach, und sie begann jetzt mit ihm ihre Possen zu treiben, bald zog sie ihn an den Haaren, bald an der Nase, scherzte auf alle mögliche Weise mit ihm und spielte ihm manchen Schabernack.
Er bekümmerte sich nur um sein Essen, als er aber ihre Absicht merkte, sagte er: »Madonna, wenn Ihr mir nicht von dem Euren geben wollt, laßt mich in Ruh'. Wenn Ihr es so weitertreibt, beim Leibe Christi, sollt Ihr sehen, was es gibt. Ich werde dann zornig werden, und dann wird's gehen, wie es gehen soll. Also seid lieber ruhig!«
Doch sie lachte und trieb ihre Possen weiter, und er, der die Auferstehung des Fleisches spürte, sprang auf, nahm sie in die Arme, küßte sie zwei-, dreimal und sagte: »Wenn Ihr mich nicht in Ruh' laßt, mach' ich's Euch, Ihr sollt schon sehen!«
Sie war aber auch schon in Feuer gekommen und starb bald vor Begier, auszuprobieren, wie kräftig er im Frauendienst war, und sie sagte lächelnd: »Bei Gott, ich will dich kastrieren lassen!«
»Kastrieren?« rief Antonello, »das werdet Ihr mir nicht antun. Was Teufel, ich kastriert! Das wäre gerade, als sollte ich die rote Ruhr kriegen. Was wäre mit mir denn los, wenn ich kastriert wäre? Was könntet Ihr dann noch mit mir machen? Kastriert doch die Hähne, wenn Ihr sie zu Kapaunen machen wollt, aber laßt mich so bleiben, ich brauche alle meine Glieder!«
Doch sie kam immer näher zu ihm, trieb weiter ihre Possen und zeigte ihm, was für Vergnügen es ihr machte, mit ihm zu scherzen.
Antonello, der deutlich die Absicht der Frau erkannte, die, als er sie geküßt hatte, gar nicht spröde gewesen war und ihn nicht zornig zurechtgewiesen hatte, sagte zu sich: »Sie hat einen alten Mann, der ihren Bedürfnissen nicht zu genügen imstande ist, er muß ja im Bett kälter als Eis sein, und deswegen sucht sie einen anderen, der sich an seiner Stelle als tapferer Ritter im Turnier zeigt. Ich will mein Glück versuchen und sehen, ob's mir gelingen wird. Vor der Alten brauch' ich keine Angst zu haben, denn die Frau würde mit mir nicht solche Possen treiben, wenn sie nicht mit ihr im Einverständnis wäre. Auch vor dem kleinen Söhnchen brauch' ich mich nicht zu genieren, er weiß ja noch nicht, wie's auf der Welt zugeht!«
Indes Antonello so bei sich überlegte und nachdachte, wie er dem Herrn den Haken anmachen könnte, hörte sie nicht auf, mit ihm ihre Possen zu treiben und ihren Schabernack.
Als er bemerkte, daß ihre Scherze kein Ende nahmen, vielmehr immer loser wurden, nahm er sein Messer und zog mit ihm einen Strich zwischen sich und der Frau, als wollte er eine Linie ziehen, die nicht überschritten werden sollte.
Die Frau sah ihm voll Staunen zu, was er da machte, und konnte es sich nicht erklären. Als Antonello den Strich gezogen hatte, wandte er sich ernst zu seiner Herrin: »Madonna, beim Leibe des Ritters San Vovo, ich verspreche und schwöre Euch, wenn Ihr die Linie, die ich da mit meinem Messer gezogen habe, überschreitet, werde ich Euch mit einem anderen Messer einen ordentlichen Schabernack spielen, der Euch vielleicht noch mehr als diese Narreteien gefallen wird, die Ihr jetzt mit mir treibt. Also wenn Ihr das nicht wollt, haltet Euch zurück! Was Ihr dann sagen würdet, kann ich mir nicht denken. Doch geht nur rüber, geht nur rüber, und Ihr werdet etwas Schönen zu sehen kriegen. Ich hab's Euch gesagt und damit basta. Beklagt Euch aber dann nicht über mich!«
Die Frau, die die größte Lust hatte, mit Antonello handgemein zu werden und ihm in die Arme zu fallen, kam sachte, sachte an den Strich, tat, als wollte sie ihn überschreiten und hatte beinahe schon den Fuß auf ihm.
Dann zog sie ihn aber wieder zurück und sagte: »Antonello, erklär mir doch ein bißchen, was du mir tun wirst, wenn ich die von dir gezogene Grenze überschreite. Sag's mir doch bitte!«
»Ich hab's Euch schon tausendmal gesagt und wiederhol's Euch, daß, wenn Ihr über den Strich geht, ich's nicht so hingehen lassen werde, sondern Ihr müßt mir dann einen ordentlichen Zoll bezahlen.«
Schließlich sprang die Frau, die sehnlichst zu erproben wünschte, wieviel Antonello wog, mit einem kleinen Satz über den Strich und sagte: »Da bin ich, da bin ich! Und was wird nun?«
Der gute Antonello, der heiß in sich die Begierde aufsteigen fühlte, wartete nicht erst ab, daß die Frau zu Ende sprach und daß er noch eine weitere Einladung erhielt, sondern sagte: »Bei Gottes Wort, jetzt mach ich's Euch«, umarmte die Frau, die besiegt zu werden wünschte, küßte sie liebesfeurig, trug sie in die Kammer und legte sie auf eine Truhe.
Hier scherzte er mit ihr und sie mit ihm, obwohl sie ihm erst ein wenig Widerstand zeigte, nach Herzenslust, und zu ihrer größten Freude jagten sie zweimal den Bären.
Ähnliche Schnabelhiebe hatte sie noch niemals verspürt, denn der Herr Doktor hatte im Bett nur kurzen Atem und wenig Kraft, und seine Liebesbeweise waren matt.
Als der Trevisaner Tanz zu Ende war, ging Antonello in den Saal zurück und setzte sich auf seinen Platz, und ebenso die Frau, als sie die Kammer verlassen, die ob des fleißigen Mahlens voller Wonne und Freude war. Er sagte lächelnd: »Madonna, wenn der Scherz, den wir miteinander getrieben haben, Euch gefallen hat und Euch die Lust ankommt, ihn noch ein anderesmal zu treiben, so wisset, ich mach's Euch wie das erstemal, sobald Ihr den Strich überschritten habt. Und wenn ich vielleicht jetzt noch nicht alles richtig gemacht und in manchem Punkt gefehlt habe, will ich zum zweitenmal mich wohl vorsehen und alles gut machen.«
»Oh«, erwiderte Madonna Cornelia sogleich. »Brüderchen, sei ruhig! Du willst dich allzusehr aufspielen. Ich weiß nicht, was du noch mehr hättest tun können. Du bist ja drei Meilen gelaufen, und du mußt, denke ich, sehr müde sein. Was du jetzt noch etwa vermöchtest, würde wohl nichts mehr auf sich haben. Der Herr, der sehr selten mit mir turniert, kann kaum eine Lanze brechen und ist dann schon so schwach, daß er eine halbe Stunde braucht, ehe er Atem holen kann.«
»Genug«, sagte Antonello, »wenn Ihr über den Strich geht, sollt Ihr schon gewahr werden, wie sehr Ihr im Irrtum befangen seid.«
Das Kind wußte nicht, was das zu bedeuten hätte, und sprang beim Spiel hin und her über den Strich.
Die Frau war jetzt auf den Geschmack gekommen und hatte ausprobiert, wie kräftig und nervig Antonello war und wieviel besser er als der Herr das Gärtchen bewässerte. Sie glaubte, die Zeit und Gelegenheit wäre günstig, denn alle Leute im Haus waren unten, vor denen sie sich etwa hätte in acht nehmen müssen, vor der Alten und dem Söhnchen brauchte sie sich nicht zu fürchten, und so überschritt sie abermals kühn den Strich.
Antonello fühlte sich bereit, nahm sie zum zweitenmal in die Arme, trat in die Kammer mit ihr, bog sie auf derselben Truhe auf den Rücken, begann das Spiel und machte mit ihr in weniger als einer Stunde drei Tänzchen und tat sich an der Frau nach allen Kräften genug, so daß sie sich nach keinem anderen Liebhaber umzusehen, sondern sich an den starken Antonello zu halten beschloß.
Während sie miteinander plauderten und verabredeten, wie sie sich für die Zukunft zusammenfinden könnten, kam der Herr vom Gericht und ging nach oben.
Als das Söhnchen den Vater kommen sah, sprang es ihm entgegen und begann nach Kinderart, ihm zu schmeicheln und ihn zu kosen. Der Doktor wollte nach der Kammer gehen. Wie er in die Nähe des Zeichens kam, das Antonello mit dem Messer gemacht hatte, sagte der kleine Junge so plappernd, wie es Kinder an sich haben: »Herr Vater, geht nur nicht über den Strich da, sonst macht's der Bauer mit Euch, wie er's mit meiner Mutter gemacht hat.«
Die Frau und Antonello erschraken sehr über diese Worte, doch das Glück war ihnen hold, denn der Doktor achtete nicht auf die Reden des Söhnchens, sondern rief Antonello und begann mit ihm über das zu sprechen, was der Verwalter ihm hinsichtlich der Anordnungen des Referendars geschrieben hatte.
Madonna Cornelia, die schreckliche Angst gehabt hatte, nahm den kleinen Jungen an der Hand, führte ihn in eine weit vom Saal abliegende Kammer und hieb ihn tüchtig durch, schalt ihn gehörig aus und drohte ihm noch Schlimmeres an, wenn er jemals dergleichen sagte.
Die Frau und der mutige Antonello wußten sich ihre Zusammenkünfte so wohl einzurichten, daß sie lange Zeit sich ihrer Liebe erfreuen konnten; sie machten sich viele frohe Tage. Mehrere Male ward Madonna Cornelia schwanger und gebar Söhne. Der Doktor glaubte, der Vater zu sein, und freute sich sehr darüber.
Vor dem Söhnchen nahm sich die Mutter in acht, daß es nichts mehr gewahr würde, und aus Angst vor Schlägen und den Drohungen der Mutter sagte es niemals mehr wieder, was es einst geplappert hatte.
Zur Zeit, da Kaiser Maximilian mit einer stattlichen Armee im Stadtgebiet von Padua weilte, lebte ein Vicentiner Edelmann, der bis dahin mit seiner Familie sich in Mantua aufgehalten hatte, ebenfalls dort. Es war nicht lange vor der Schlacht und Niederlage bei Ghiara Adda.
Zu diesem Edelmann kam ein deutscher Bursche, um sich bei ihm als Stallknecht zu verdingen, er wußte auch gar nichts anderes, als mit Pferden umzugehen. Sonst sah er ziemlich ansehnlich und gut aus, doch war er so einfältig, daß man ihn auf jede Sache förmlich stoßen mußte.
Der Edelmann, bei dem er in Dienst trat, hatte seine größte Freude am Vogelfang und stieg jeden Tag aufs Pferd, um auf die Jagd zu reiten. Da er sah, daß der Deutsche nur im Stall zu gebrauchen war und er keine anderen Dienste zu leisten vermochte, sollte er ihm auch die Stiefel sauberhalten, sie tüchtig schmieren mit Fett, damit sie recht bequem wären und das Leder weich würde.
Arrigo, so hieß der Deutsche, ein Bursche von vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Jahren, hatte bisher noch nicht ausprobiert, was für eine Sache es wäre, den Teufel in die Hölle zu schicken.
Da er aß wie ein Mensch, der sich ordentlich abarbeitet, und trank wie ein rechter Deutscher, bereitete ihm der Wächter der Gärten die größte Beschwer, fast fortwährend hielt er den Bogen gespannt, und er wußte kein Mittel, wie er diesem Übel begegnen könnte.
Da er aber bemerkte und auch schon verschiedene Male erprobt hatte, daß die Stiefel seines Herrn, wenn sie steif und hart waren, mit Schmiere eingefettet und an die Sonne gestellt weich und geschmeidig wurden, dachte sich der einfältige Tropf, er hätte damit auch das Mittel gefunden, sein Gemächt weich und geschmeidig zu machen.
So begann er's denn mit Fett einzuschmieren, nachdem er sich die Hosen abgezogen hatte, und der Sonnenwärme preiszugeben. Doch das nutzte nichts, die Flöte blies mehr als je zum Tanz auf, und der Priap war durchaus nicht weich.
Das war ganz und gar nicht nach seinem Sinn, doch meinte er, wenn er fortführe, wie er begonnen hatte, würde sich das Übel wohl lindern, und so schmierte er jeden Tag unverdrossen.
Nun geschah's einmal, daß das Weib des Edelmannes, das im Hofe zu tun hatte, hinter dem Stall Arrigo in der Sonne sah, die Lanze, von Fett triefend, aufrecht. Das schien ihm die süßeste und schönste Sache von der Welt, war sie doch weiß wie Schnee, und ihr kam das größte Gelüst an, sie auszuproben und zu sehen, ob sie sich auch wacker im Turnier hielte, und diese Sehnsucht war noch um so größer, als die Lanze ihres Mannes nicht halb so groß und kräftig war.
Es währte also nicht lange, da rief sie Arrigo an und fragte ihn über dies und jenes, was seine Dienste im Stall betraf. Als sie bemerkte, daß niemand zugegen war, meinte sie: »Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Denke doch, wir haben mehr Schmiere für die Stiefel des Herrn in vierzehn Tagen verbraucht als eine andere Familie in drei Monaten. Wir kommt das nur? Ich glaube sicher, du verkaufst das Fett. Anders kann ich's mir nicht denken. Sag' mir die Wahrheit. Ich will sie wissen. Was hast du gemacht?«
Arrigo verstand wohl alles, was man zu ihm sagte, doch konnte er selbst sich nicht gut im Italienischen ausdrücken. Daher antwortete er der Herrin einfältig genug, ja bald dumm, berichtete, wie es mit ihm stände, und damit sie es besser begriffe, knöpfte er sich die Hose auf, nahm seine Lanze in die Hand und zeigte sie ihr, die schon ganz Freude war und der das Wasser im Munde zusammenlief bei dem Gedanken, wie sie sich im Kampf bewähren würde.
Er zeigte ihr, wie er sie einschmierte, sagte aber zugleich, daß das Mittel ihm keine Erleichterung und keinen Nutzen gebracht hätte.
»Was bist du doch für ein guter Junge!« sagte die Frau, »du mußt wissen, daß das eine Dummheit ist und dir nicht hilft. Ich will dich das beste Mittel anwenden lehren unter der Bedingung, daß du keinem Menschen ein Wort davon sagst. Komm' nur, komm', und du wirst sehen, daß wir deinen harten Pflock bald wieder weicher als Teig machen werden!«
Ihr Mann war nicht in der Stadt und im Haus kein Mensch, so daß die Frau nichts zu fürchten hatte. Sie führte ihn in die Kammer, pflog mit ihm das süße Liebesspiel und salbte ihn fünfmal mit ihrem Fett.
Dieses Mittel schien dem Deutschen über die Maßen wundersam und gefiel ihnen beiden außerordentlich, und jedesmal, wenn die Gelegenheit günstig war und er den Pflock sich steifen fühlte, salbte er sich mit dem Fett der Herrin und linderte sein übel.
Da nun Arrigo an diesem Schmieren mehr Gefallen fand, als dem Herrn die Stiefel zu fetten, so geschah's, daß, als der Herr einst auf den Vogelfang gehen wollte, die Stiefel weder sauber noch geschmiert waren. Darob geriet er in heftigen Zorn.
Der gute Arrigo wußte kein Wort vorzubringen. Und der Herr schrie: »Was soll ich nun machen, du besoffener Kerl von einem Deutschen? Was soll ich nur mit solch einem Esel, wie du bist, anfangen? Tausendmal sollst du die rote Ruhr bekommen, du dummes Tier!«
Arrigo hatte Angst, er könnte Prügel bekommen, und sagte: »Beruhigt Euch doch, Herr, seid doch bloß still. Im Augenblick will ich sie Euch weich und geschmeidig machen!«
»Die Pest sollst du kriegen, du dummer Hund, du dreimal gesalbter Esel. Du und kein anderer wird mir die Stiefel anziehen können, so steif und hart sind sie!«
Wie Arrigo ihn immer hitziger werden sah, sagte er, halb außer sich in seiner Dummheit: »Ich werd's schon machen, Herr. Geduldet Euch nur einen Augenblick, ich will sie bloß einmal mit der Salbe der Madame einschmieren, und ich sage Euch, sie werden ganz windelweich!«
Nun wollte der Herr wissen, was es mit dieser Salbe, die eine so schnelle Wirkung ausübte, für eine Bewandtnis hätte. Und dieser Esel von einem Deutschen erzählte ihm alles Punkt für Punkt.
Wie sich der Herr so nach Horndorf geschickt sah, dachte er nicht mehr ans Ausreiten und an die Jagd. Nach einigen Tagen sagte er dem Deutschen, er solle sich einen anderen Herrn suchen, er wolle ihn nicht mehr in seinen Diensten haben.
Als unsere Herren Venetianer beschlossen hatten, die Gräben unserer Stadt Crema reinigen zu lassen, gaben sie die allgemeine Erlaubnis, daß jeder nach Belieben in ihnen fischen könnte.
Daraufhin fanden sich Leute genug in den Gräben ein, die auch eine große Menge Fische herausbrachten.
Wie nun viele Leute, die einen barfuß, die anderen nackt, die dritten so und die vierten noch anders, in den Gräben waren, ergötzte sich eine Frau, die Gattin des Connestabile, am Tor von Ombriano auf der Brückenmauer sitzend, herzlich an dem Fischfang. Manchmal entglitten die Fische den Händen der Fänger, und dann gab es noch mehr Lärm als sonst. Sie war eine Griechin, eine ziemlich hübsche Frau, doch so dreist, daß man kaum noch dreister sein konnte.
Zu ihr kam Anteo aus Bologna, unser Infanteriehauptmann, der zusammen mit Babone die militärischen Angelegenheiten von Crema leitete.
Sobald sie ihn erblickte, rief sie ihn zu sich und sagte – sie sprach ziemlich geläufig italienisch –: »Seht doch nur, Hauptmann Anteo, den Menschen da, was er für eine große Schleie gefangen hat!«
Unweit von dem, der die Schleie hatte, fischte ein Bursche von ungefähr vierundzwanzig Jahren ohne Hosen, er hatte sich das Hemd bis zum Hals hinaufgezogen und zeigte so sein ganzes, großes Hausgerät, das ihm zwischen den Beinen wie eine Glocke mit zwei Klöppeln hing.
Anteo, der sich wohl dachte, die Griechin sähe ihn, täte aber so, als bemerkte sie ihn nicht, meinte: »Madonna, die Schleie, die der da gefangen hat, ist gewiß prächtig, doch ich will Euch eine noch schönere zeigen!«
»Und wo ist sie?« fragte die Frau.
»Blickt dorthin!« erwiderte Anteo. »Seht Ihr den Burschen, der sich das Hemd hochgenommen hat? Guckt doch nur, welch' eine tüchtige Schleie ihm zwischen den Schenkeln baumelt. Wahrhaftig, damit ist er besser versehen als irgend sonst einer hier. Darin könnte er es ruhig mit einem Esel aufnehmen, und sicher wäre er ihm darin über. Was hat er doch für einen großen Stockfisch!«
Die Griechin tat, als schämte sie sich, warf aber doch einen schnellen Blick auf den Burschen und sagte: »Ihr habt doch immer Dummheiten im Kopf, Hauptmann Anteo!«
Sie hatte sich aber den Burschen genau angesehen. Danach sprach sie mit Anteo von anderen Dingen. In ihr war jedoch der Wunsch erwacht, auszuprobieren, ob jene Schleie wirklich so lecker und saftig war, wie es den Anschein hatte, und sie konnte kaum die Zeit und günstige Gelegenheit erwarten, die ihr die Probe ermöglichen sollte.
Nicht lange danach stand eines Tages die Griechin, während ihr Mann nicht daheim war, in der Tür, als der Bursche mit der großen Schleie daherkam. Sobald sie ihn erkannt hatte, sagte sie zu ihm: »Wohin gehst du jetzt?« Es war um die Mittagszeit.
»Ich gehe aus der Stadt, weil ich mit meinem Herrn zu sprechen habe!« erwiderte er.
Die Frau stand auf, ging ins Haus und meinte: »Komm mit, ich hab' was für dich zu tun!«
Der gute Bursche schlenderte ihr nach und fragte: »Madonna, was soll ich tun?«
»Du kannst mir einen Sack Weizen von dem Boden tragen«, erklärte die Griechin.
Der Bauernbursche hatte Wams und Hosen von Leinwand an, wie man sie auf dem Land zu tragen pflegt. Als er nun mit der Frau oben auf dem Boden war, fragte er: »Wo ist der Sack, Madonna?«
Da griff die gute Griechin, die selbst eine tüchtige Last tragen wollte, ihm an die Hosen und fragte ihn lächelnd, was er darin stecken habe.
Der Bauernbursche, der nicht auf den Kopf gefallen war und wohl wußte, worauf die Frau hinauswollte, sagte: »Madonna, das ist meine Flöte, mit der spiele ich unseren Frauen auf dem Dorf zum Tanz auf.«
»Zeig sie mir doch einmal, ich möchte sehen, wie sie aussieht!« meinte die Griechin.
»Was gebt Ihr mir, wenn ich sie Euch zeige?« fragte er.
»Was ich dir geben werde?« sagte die Griechin, »laß sie mich mal ein bißchen sehen, ich werde dir schon nachher was geben!«
Der gute Kamerad, der sah, daß sie beinahe vor Verlangen starb, unter der Flöte zu tanzen, begann sie zu herzen und zu küssen, warf sie rücklings auf einen Sack, gab ihr die Flöte in die Hand, und sie legte sie dorthin, wohin sie gehörte, er stimmte sie und blies los, die Griechin tanzte dazu ihren Liebestanz, und zwei Tänze machten sie hintereinander, ohne sich auszuruhen.
Die Griechin meinte noch niemals einen so kräftigen und zugleich süßen Klang vernommen zu haben und wollte noch ein drittes Tänzchen machen. Darauf rüstete sich der Bursch', der einen tüchtigen Atem hatte, blies schnell die Flöte, und nun ging es zum dritten Tanz.
Da die Griechin fürchtete, daß ihr Mann dazukommen könnte, und sich die Möglichkeit, ein andermal weitere Tänze zu unternehmen, nicht rauben wollte, gab sie dem Flötenbläser einige Mozzenighi und bat ihn, sich ab und zu sehen zu lassen, damit sie nach ihrer Lust ein paar Tänze machen könnten.
Nun war aber ihr Mann nach Hause gekommen, sah seine Frau nicht unten, hörte oben sprechen und fragte, wer oben wäre. Die Frau erkannte ihren Mann an der Stimme und antwortete sogleich: »Ich bin's, ich wollte mir von einem Bauernburschen einen Sack Weizen nach unten tragen lassen, aber er kann ihn allein nicht heben, und ich kann ihm dabei nicht helfen. Du bist gerade zur rechten Zeit gekommen, komm rauf und hilf uns!«
Der Mann dachte nichts Arges, kam auf den Boden und half den Sack dem Burschen auf die Schulter legen. Er trug ihn hinab, und die Frau, in Erinnerung an die Tänze, wollte den Burschen stärken, gab ihm ein Gläschen guten Weines und ließ ihn gehen.
Der Bursche wohnte auf den Besitzungen des Herrn Salomon da Vimercato, eines sehr reichen und geehrten Edelmannes, der mit Hippolita Sanseverina verheiratet war.
Der Bursch' ging, als er die Griechin verlassen hatte, zum Hause des Herrn Salomone, wohin er fast jeden Tag kam, denn er brachte vom Land bald das eine, bald das andere. Er sprach mit den anderen Dienern im Hause, zeigte ihnen seine Mozzenighi und erzählte, wie er zu ihnen gekommen war. So erfuhr es auch Herr Salomone, der wollte es aber genauer wissen und ließ den Burschen kommen, der es ihm mit allen Einzelheiten berichtete.
Herr Salomone, der für einen echten Spaß volles Verständnis hatte, ruhte nicht eher, als bis er die ganze Geschichte dem erlauchten Podesta vom Crema, unserem venetianischen Edelmann, erzählt hatte, der, um die Wahrheit zu sagen, ein bißchen auf den Kopf gefallen war und den rechten Bergamasken darstellte.
Als der Podesta (seinen Namen will ich hier nicht nennen) von dieser Komödie erfuhr, konnte er es ebenfalls nicht bei sich behalten und sagte es dem Connestabile, der natürlich seiner Frau einen großen Spektakel machte. Die Frau erklärte jedoch, das alles sei nicht wahr, zeigte ein unschuldiges Gesicht und wußte die Sache so zu drehen und wenden, als sei dieser ganze Schwatz und Klatsch nur auf die bösen Mäuler von Anteo und Babone zurückzuführen, weil sie ihnen nicht geneigtes Gehör hätte schenken wollen, und sie machte so viel Worte, daß der gute Connestabile auf den Podesta nicht mehr hörte und ihn sagen ließ, was er wollte.
Einige Tage darauf, als der Podesta im Saal mit seiner Frau und anderen Edeldamen zusammen war, fand sich daselbst auch Herr Salomone ein. Währenddessen schickte Frau Hippolita, die Gattin des Herrn Salomone, eine Schüssel der schönsten Fische der erlauchten Podestaressa, und zwar durch den Bauernburschen mit der großen Schleie.
Sobald ihn Herr Salomone sah, sagte er sogleich zum Podesta: »Edler Herr, das ist der Kumpan, der die Griechin des Connestabile von der Porta Ombriano bedient hat!«
Und ohne Rücksicht auf seine Frau und die anderen anwesenden Damen zu nehmen, befahl er dem Bauernburschen, die ganze Geschichte zu erzählen, wie sie sich zugetragen hatte. Der Bursche, der nur Cremeser Dialekt sprechen und sich daher ganz ungeschminkt und plump ausdrücken konnte, erzählte und erweckte bei dem Podesta und den anderen Edelleuten helles Gelächter. Die Podestaressa und die anwesenden Damen lachten nicht so laut, sie mußten ja aus Anstand so tun, als ob sie sich schämten, als sie so natürlich die Dinge nennen hörten. Daran hatte der Podesta aber noch nicht genug, der gute Kamerad, so verlangte er, sollte seine große Schleie zeigen. Er dachte gar nicht daran, daß dasselbe Gelüst wie der Griechin auch seine Frau, die Podestaressa, ankommen könnte, und daß er ebensoleicht zum Narren gehalten werden könnte, wie er mit anderen seinen Spaß trieb.
Um es kurz zu machen, der Bursch', der Angst hatte, wenn er nicht dem Befehl des Podesta nachkomme, verbannt oder ins Gefängnis geworfen zu werden, entblößte kühnlich in Gegenwart der Herren und Damen seinen Säbel, der das lebhafte Erstaunen aller männlichen Personen erweckte, wie sie den großen Stockfisch sahen, und den innigen Wunsch in den weiblichen wachsen ließ, auszuprobieren, ob der Säbel auch gut säbelte. Das Gelächter der Männer war jedenfalls groß.
Die Frauen legten die Hände vor die Augen, aber sie spreizten die Finger, um besser das Gewaffen des Gartengottes sehen zu können. Der Podesta schüttelte sich vor Lachen und sagte: »Beim Evangelisten San Marco, die Griechin hat recht daran getan, daß sie solch einen schönen Schwengel ausprobiert hat.« Und wie er, sagten die anderen ebenfalls ihr Sprüchlein.
Die Podestaressa, ein rothaariges Weibchen, recht kräftig und noch ziemlich jung, dachte, als sie ihren mehr als sechzig Jahre zählenden Mann so die Griechin loben hörte: »Dann will ich mich nun auch um meine Sache kümmern. Der Herr ist alt und greift mich alle drei Monate nur einmal an. Das will ich nach besten Kräften gutmachen.«
Und sie wußte es auch mit Hilfe einer guten Frau so einzurichten, daß sie in den Besitz der großen Schleie trat. Und da sie alles andere als geheim sich mit dem Burschen zu schaffen machte, sprach man bald in Crema davon. Doch niemand wagte, dem Podesta gegenüber ein Wörtlein davon fallenzulassen. Und da sie an der Schleie viel Geschmack fand, nahm sie jedesmal, wenn sie nur konnte, eine tüchtige Portion von ihr zu sich.
Immer, wenn der Podesta den Connestabile sah, machte er spöttische Bemerkungen über dessen Weib, das die Schleie genommen hatte, doch alle, die das hörten, lachten noch mehr über ihn als über den Connestabile, wußten sie doch, wie die Geschichte war.
Oft passierte es auch, daß, wenn der Podesta ihn aufzog, die Podestaressa, falls sie zugegen war, sich ebenfalls darüber lustig machte; sie dachte ja, niemand hätte gemerkt, daß, wenn die Griechin einmal an der Schleie sich delektiert hatte, sie selbst schon mehr als sechzigmal sie gesotten, als Ragout, Pastete und gebraten zu sich genommen hatte.
Alle Leute waren fest davon überzeugt, daß sie die Schleie vor und nach der Mahlzeit zu sich nähme. Doch der gute Podesta, der von all dem nichts wußte, hatte sich's in den Kopf gesetzt, den armen Connestabile nicht ungeschoren zu lassen, hatte er doch keine Ahnung, wie Crema sich über ihn lustig machte.
Antonio Cornazano wurde 1431 in Piacenza geboren, kam 1455 an den Hof Francesco Sforzas nach Mailand, trat 1466 in die Dienste des Condottiere Coleoni, ging später nach Piacenza und von dort 1479 als Gesandter nach Mailand, kam schließlich an den Hof des Ercole d'Este nach Ferrara und starb 1500. Die gewagten »Sprichwortnovellen« erschienen erst 1503 nach seinem Tode in Mailand in lateinischen Versen und 1518 in erweiterter Form in italienischer Prosa. Seine übrigen dichterischen Werke, die von seinen Zeitgenossen gerühmt und sogar mit Dante verglichen wurden, sind vergessen.
Es gibt, müßt ihr wissen, ein sehr gebräuchliches Sprichwort, das man überall gegen überlästige Leute anwendet. Ist jemand in irgendeiner Sache sehr zudringlich und kann oder will man ihm nicht willfahren, so sagt man: »Wenn es an Heu mangelt, tut es Gerstenstroh.« Der Ursprung dieser Redensart ist aber folgender:
