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„Ich bin Volkswirt und Ex-Kampfschwimmer und gewohnt, die Dinge eher nüchtern zu sehen.“ Aber was geschieht mit jemand, wenn Schicksal oder Zufall die Fäden des Lebens plötzlich zusammenlaufen lassen? Patrick Sassen sitzt im Krankenhaus und wartet auf seine Krebsoperation. Im Angesicht des drohenden Todes schreibt er die sein Leben verändernden Erlebnisse von vor über dreißig Jahren in der Karibik auf. Dort trennte er sich nach einer Notlandung auf St. Lucia in Martinique von seiner Freundin – und lernte ein Geschwisterpaar kennen. Er verliebte sich in die Schwester – und fuhr mit ihr auf eine abgelegene Insel, wo ihr Vater lebte. Dort nahmen skurrile wie unheilvolle Geschehnisse ihren Lauf. Eines Tages verschwand der ominöse Vater seiner Geliebten – und Sassen geriet unvermutet aus der Umlaufbahn seines Lebens. Sassen wird seitdem mit den Folgen konfrontiert – und nicht damit fertig. Die Frage seines Lebens lautet: Wer war dieser Vater, dieser Mann mit dem blauen Hut wirklich?
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Seitenzahl: 487
Veröffentlichungsjahr: 2018
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„Das Unwahrscheinliche ist so wahrscheinlich, wie das Wahrscheinliche unwahrscheinlich ist.“
Der Verfasser
„Das irdische Leben hat keine Logik, jedenfalls keine, die wir sehen könnten. Das müssen andere für uns tun.“
Der Verfasser
Meiner geliebten Frau Monica gewidmet.
Dank meiner Schwiegermutter für ihre großartige Unterstützung.
Was habe ich noch zu erwarten? Nun also diese Diagnose, nun also diese Operation. Nüchtern betrachtet: Meine Chancen stehen wohl um die fünfzig zu fünfzig Prozent. Beunruhigend ist so etwas.
Gut, ich bin Volkswirt und Ex-Kampfschwimmer und gewohnt, die Dinge des Lebens eher nüchtern zu sehen. Aber das hat mir nicht geholfen.
Was mir jetzt auffällt: Golden dringt das Sonnenlicht durch die Lamellen der Jalousien, spinnt feine Fäden und legt silberne Flecken auf den Laminatboden vor mir aus. Ein merkwürdiges Licht, ganz wie damals in den Antillen. Für die Tropen ein typisches Licht. Morbide, irgendwie. Aber hier wirkt es ganz und gar ungewöhnlich. Wieso solche Gedanken in Anbetracht der bevorstehenden Operation?
Weil dieses Licht so ungewöhnlich wie die Geschichte ist. Meine Geschichte. Ich werde sie nicht los, sie klebt an mir wie ein Schatten. Ich glaube nicht an ein vorbestimmtes Schicksal oder so etwas. Aber dennoch – es ist geschehen. Die Bilder dazu wohnen immerzu in meinem Kopf. Deswegen habe ich mich entschlossen sie aufzuzeichnen – diese Bilder. Daraus ist ein Buch geworden. Nie hätte ich gedacht, dass ich eine Art Roman schreiben würde. Einen, den ich jetzt durchlesen werde, falls mir die Ärzte dazu noch ausreichend Zeit lassen. Niemand sonst wird ihn lesen, da bin ich ziemlich sicher. Schade, denn diese Geschichte sollte gelesen werden.
Denn sie ist einfach unglaublich.
Was bleibt sonst noch zu tun?
Das Klinikpersonal bemüht sich. Die Krankenschwestern sind ausgesprochen höflich zu mir. Geradezu aufgesetzt höflich, denn sie wissen: Ich bin ein zum Tode Verurteilter. Gerade eben war die bildhübsche Schwester Eva mit ihren langen braunen Zöpfen da. Sie hat das Bett mit geübten Fingern glattgestrichen, sie hat ihr Engelsgesicht zu einem Lächeln bemüht, dann die Tür lautlos geschlossen. Ihre Schritte auf dem Gang verebbten so schnell, so rasch. Sie darf keine Zeit vergeuden, sie nicht, andere Sterbende warten schon, wollen auch ihr engelsgleiches Antlitz zu Gesicht bekommen. Die niedliche Eva. Sie macht mir Mut, Komplimente wie: „Heute sehen Sie wirklich frisch aus“, oder: „Sie haben ja so eine positive Ausstrahlung, Herr Sassen“. Das ist nett gemeint. Die Komplimente nehme ich ihr dennoch nicht ab, schließlich kenne ich mein Spiegelbild.
Gerade vorhin stand ich vor dem Spiegel im typisch aseptischen Krankenhausbadezimmer. Überall Desinfektionsmittel. Dieser scharfe, stechende Geruch, einfach fürchterlich.
Ich stand also vor dem Spiegel und sah bloß einen alten Mann. Einen Tattergreis, dessen zitternde Hand einen Rasierpinsel hielt. Soll doch der Krebs ruhig seine Schneisen des Todes durch mich hindurchschlagen, sich seinen Weg ebnen, sich eine Zeit lang von mir und meinem Gewebe ernähren – gealtert bin ich bereits lange, bevor er mich heimgesucht hat.
Dieses Altern – ein schneller Prozess. Fast schlagartig. Ich alterte sozusagen im Zeitraffer. Diese jähe Veränderung, eine erschreckende Metamorphose: Linien auf der Stirn gruben sich plötzlich tief in die Haut ein, Augenschatten tauchten aus dem Nichts auf, die Wangen fielen ein, wurden ledrig und das vormals lediglich angedeutete Kinngrübchen zum tiefen Loch. Die Haare wuchsen von da an ausschließlich schneeweiß nach, man konnte fast dabei zusehen, wie ich ergraute. Ein Gesicht, das vor der Zeit alterte. Es gab ja einen Grund dafür: meine Geschichte.
Keiner wird diese Zeilen lesen. Vermutlich. Das wäre bitter. Aber wer sollte es tun? Ich bin ja so gut wie allein. Und ich vertraue eigentlich niemandem.
Gerade habe ich durch die Jalousien auf den Hof hinuntergesehen. Mir fiel eine uralte Frau auf, die sich tief vornüber gebeugt, krampfhaft an ihrem Rollator festhaltend, auf eine Parkbank zuschob, langsamer als eine Schildkröte, die Bank offenbar fest im Visier. Ich weiß nicht, ob sie die erreicht hat. Ich wurde von der Schwester abgelenkt. Ich sollte nochmals hinausschauen.
Ich sah also, wie sich dieses bedauernswerte Wrack über den Hof schob, und schloss die Augen. Das tue ich oft. Ich sehe etwas scheinbar Belangloses und schließe einfach die Augen. Diese Augenblicke, in denen mich die Zeit einholt, erlebe ich so oft wie intensiv. Und was ich dabei gesehen habe, war unverkennbar sie.
Eben im Bad also, da wollte ich mich rasieren. Ich setzte also die Klinge an, denn ich pflege mich stets nass zu rasieren, Elektrorasierer sind etwas für Männer, die sich für diesen wichtigen Akt keine Zeit nehmen wollen … ich setzte also die Klinge an, wie stets begann ich am linken oberen Kinn, und da bemerkte ich: Es gibt nichts zu rasieren, ich habe mich erst vor ein paar Stunden rasiert. Somit muss ich bis zum Abend warten.
Es gibt ja sonst nichts zu tun.
Ich schloss wieder für einen Augenblick die Augen – öffnete sie, und was ich für einen Sekundenbruchteil sah, ist mein Blick in die Vergangenheit, ist sie.
Ich ging zurück in dieses armselige Krankenzimmer, wenngleich erster Klasse. Ich dachte, womöglich sitzt sie dort auf dem Bett mit der bei dieser Hitze viel zu warmem Decke und wartet auf mich. Doch das tat sie nicht, das macht sie nie. Ich habe sie ja nie mehr wiedergesehen.
Ich inspizierte daraufhin meinen von meiner Zugehfrau gepackten Koffer. Ganz so, wie ich es will, wie ich es gewöhnt bin: alles sehr ordentlich und übersichtlich. Obenauf der flaschengrüne Bademantel (eigentlich hasse ich Bademäntel, aber hier brauche ich einen). Alles in allem: Sie hat an alles gedacht und perfekt eingepackt. Ich bin nun einmal ein wenig pedantisch, ziemlich ordnungsliebend. Ihr Foto war auch darin. Es steht nun auf dem stählernen Nachttisch. Sie lächelt. Nein, sie lacht vielmehr, sie lacht mich und meinen Krebs aus.
Der Krebs also. Vor einigen Wochen informierte mich der Arzt darüber. Der junge Oberarzt mit dem weichen Gesicht und den wasserblauen Augen, unbestimmbare Augen. Ich glaube: Kein Mensch mit Tiefgang, mit Mitgefühl kann solche Augen haben. Er sieht also auf das Bild, auf die Computertomographie, ernst, ruhig, scheinbar gelassen. Doch für diese Art Gelassenheit ist er noch nicht alt genug, besser, noch nicht lange genug in diesem Geschäft. Dem Business der Ärzte, bei welchem der Tod bereits hinter dem nächsten Gang lauert. Er bemüht sich, er will gelassen wirken, doch mir entgeht dieser kurze Augenblick nicht, in dem er sich verrät. Die Pupillen weiten sich, die Stirn legt sich in Falten, ganz kurz nur, aber seine besorgte Mimik entgeht mir nicht.
Ich habe keine Ahnung, was er aus diesem Gewirr, diesen Mäandern meiner Speiseröhre, meines Kehlkopfes, meines Halses interpretieren kann. Aber ich habe Angst, wirkliche Angst. Mit sonorer Stimme bemerkt er, wobei er sich nicht einmal zu mir umdreht und stattdessen nur weiter die Aufnahme anstarrt: „Ein Ösophaguskarzinom, leider im fortgeschrittenen Stadium, aber man muss noch die weiteren Laborwerte abwarten. Die Gewebeprobe, den Tumormarker, die Blutwerte. Man wird sehen. Und überhaupt, beim heutigen Stand der Medizin …“, er streicht sich dabei gedankenverloren über sein feines Kinn (das weiß ich noch ganz genau, ein kurzer Moment, der Zeigefinger streicht nachdenklich am Kinn entlang). Damit ist das kurze Gespräch beendet. Schnell die vermeintliche Todesnachricht ausgesprochen, und schon ist er im Begriff zu gehen, denn der nächste Patient wartet, sicher tut er das, womöglich muss er ihm ebenso verheerende Neuigkeiten über seinen versagenden Organismus mitteilen. Vor seinem raschen Hinausgehen klopft er mir noch schnell auf meine Schulter, dann weht sein weißer Mantel durch die Tür hindurch. Ich spürte noch den sanften Luftzug. Wie ein Luftzug des Todes. Der eilige Trost eines Halbgottes in Weiß. Noch wäre nichts zu spät, man werde ja sehen. Man werde ja sehen … murmelt er mehr zu sich selbst und verschwindet in der gähnenden Öffnung von Tür. Dieser Höllenspalt.
Was gibt es also noch zu tun?
Wenigstens habe ich die Geschichte aufgeschrieben. Mögen andere ihr Testament verfassen, meines ist diese Geschichte. Auch ich habe sozusagen meine Dinge geregelt. Für meine senile, uralte Mutter oder für meine einzige weitere Erbin. Die kennt mich nicht einmal. Sie weiß wahrscheinlich nicht einmal, dass ich existiere, dass ich ihr Vater bin!
Die Geschichte ist mein Nachlass. Ich brauche nur die Augen schließen … und schon sehe ich diese Villa im Zuckerbäckerstil vor mir. Das gleißende Licht auf den Stufen. Diese lange, geschwungene Treppe, die zum Hauseingang führt. Am Treppenabsatz blühen Magnolien, dahinter beginnt sofort dichtes Strauchwerk, endet der Versuch, die Natur in den Griff zu bekommen, zu begradigen. Und oben auf der Treppe, vor der offenen Tür, steht sie. Wieder sie. Sie lächelt, aber dieses sanfte und geradezu maliziöse Lächeln trügt, ich weiß das. Hinter diesem Lächeln steckt viel Unergründliches – jedoch keine Wiederkehr. Die gibt es nicht. Das ist nicht möglich. Sie steht also da, als wäre sie eine Marmorstatue, als hätte sie ein Künstler erschaffen und für die Ewigkeit dort hingestellt. Ein weiblicher David. Ich wollte sie dazu bewegen, diese Treppe herunterzusteigen, für immer herunterzusteigen. Es ist mir nicht gelungen.
Dieses Bild von ihr – es währt stets so lange vor meinem inneren Auge, bis er auftaucht. Dann tritt sie zurück; sie kann sich also doch bewegen, meine göttliche Statue. Sie tritt also zurück, sie geht in das kühle Haus. Er ist der Mann mit dem blauen Hut, und er hat sie verdrängt.
Er ist stärker. Vor meinem inneren Auge ist er stärker. Ich kann ihn einfach nicht aus meinem Gehirn verbannen. Also steht er selbstbewusst da. Er trägt einen feinen beigen Leinenanzug, ganz so, wie es die feinen Herren, die Kolonialherren in tropischen Gefilden zu tun pflegen. Er hebt sich ab, distinguiert und in leisen Tönen. Dieser Mann weiß Akzente zu setzen. Er weiß: Er ist etwas Besonderes. Aber da täuscht er sich. Auch mit Hilfe seines fast nachtblauen Hutes, ein Borsalino, will er sich abheben, von der Masse – denn die trägt in heißen Zonen schließlich weiße oder hellbraune Hüte. Er nicht. Seiner ist nachtblau. Er zieht ein Zigarrenetui aus der Innentasche seines Sakkos. Langsam, auch das ist eine Art Ritual. Er zieht ein Zigarillo heraus, dominikanischer Tabak, ein Streichholz wird entflammt. Er pafft, bläst dann den Rauch in die wabernd heiße Luft über sich – und betrachtet mich. Versonnen. Verschlagen. Abwägend und kalkulierend. Ganz ruhig. Der Wind streicht sachte durch eine Palme. Es raschelt leise, blechern. Er raucht vor sich hin. Ich indes weiß Bescheid. Ich kenne sein Geheimnis. Er hat damit kein Problem. Ich kann ihm nichts anhaben. Denkt er.
Hätte ich damals nur eine Ahnung gehabt, was mich erwartet – ich wäre sofort abgereist. Punkt, aus. Ich bin jedoch geblieben.
Meine ambivalente Haltung dazu ist ungebrochen. Und so denke ich, vielleicht war es doch richtig, dass ich dageblieben bin.
Was mir jetzt noch bleibt, sind all die Erinnerungen. Deshalb habe ich alles notiert, aufgeschrieben.
Es war die Phase meines Lebens. Ich glaube, jeder hat so einen Zeitabschnitt, der die Kernphase seines Lebens ist.
Und diese meine Geschichte liegt nun vor mir, als offenes Buch sozusagen. Bevor sie mich operieren, bevor sie mich aufschneiden, bevor sie die Geschwulst herausreißen und bevor sie womöglich sagen werden, mir bleiben nur noch ein paar Wochen oder Monate. Oder bevor ich vielleicht für immer schlafen werde, nie mehr aufwache, möchte ich meine Aufzeichnungen noch einmal lesen.
Vorher speichere ich sie vorsichtshalber auf so einem Stick ab, man weiß ja nie. Ich traue diesen Computern einfach nicht, bloß lauter Kabel und Chips, eine einzige vernetzte Datenautobahn, schon ein Blitzschlag kann alles löschen. Ich bin achtundsechzig Jahre alt, beinahe neunundsechzig, und hier ist meine Geschichte – meine Erzählung aus einer anderen Zeit. Aus jener kurzen persönlichen Epoche, an deren Ende ich so schlagartig gealtert bin.
Dies sei nur für den Fall gesagt, dass sie doch einmal von jemandem gelesen wird.
Erster Teil
Inseln über dem Wind: St. Lucia
St. Lucia, Ende August 1990, Flughafen.
Martinique, Ende August 1990.
Grenada, Anfang September 1990.
Zweiter Teil
Auf Dominica
Dominica. September 1990.
Dritter Teil
Miami
Miami, Oktober 1990.
Cancún
Cancún, November 1990.
Buenos Aires: (Vier Jahre später)
Buenos Aires, November 1995.
München, 16. Juni 2017, ca. 13 Uhr, Krankenhaus rechts der Isar.
St. Lucia, Ende August 1990, Flughafen.
Eine Insel über dem Wind. Daher tropisch und ganzjährig feuchtwarm. Lage: Gehört zu den Kleinen Antillen – Karibik, knapp 40 Kilometer von Martinique entfernt. Heute (Stand 2015) fast 166.000 Einwohner. Zum überwiegenden Teil katholischen Glaubens und von dunkler Hautfarbe. Amtssprache: Englisch, es wird auch Kreolisch gesprochen (so jedenfalls Wikipedia). Ideal: Schnorcheln und Tauchen sowie Wasserskifahren.
Der Mensch und seine Vorahnungen: Bereits am Morgen hatte ich beim Frühstück im Hotel ein ungutes Gefühl. Ebenso während des Transfers zum winzigen Flughafen. Wir alle haben mitunter so etwas. Wir alle haben die Eigenschaft für ein solches Gefühl in uns. Eine Vorahnung. Aber ich schenkte dem nicht allzu viel Beachtung. Wer macht das schon.
Vorbei an bunten Hütten, manchmal rannte ein Hund giftig bellend hinter dem Wagen her, und die brütende Hitze warf ihre giftigen Flammen auf den rissigen Asphalt. Ich starrte aus dem Fenster, dicke schwarze Frauen wuschen Wäsche in Blechkübeln, ein unglaublich dürrer, alter Schwarzer bot Lotterielose feil, wozu er einige in seiner hocherhobenen Rechten hielt. So stand er an einer Kreuzung, an der wir wegen einer der wenigen Ampeln der Insel halten mussten, wie ein dürrer, dunkler Ast oder wie ein Warnzeichen der Armut. Dann tauchte der lächerlich kleine Flughafen auf. Eine saftig grüne Rasenfläche mit einem versiegten Springbrunnen in der Mitte – dahinter ein paar kümmerliche Rabatte mit irgendwelchen tropischen Blumen.
Drinnen war es kaum kühler als draußen. Wenigstens stach einem hier die Sonne nicht ins Gesicht. Man schwitzte ja immerzu. Ein einziges Schwitzen ganzer Flüsse von Wasser. Wir präsentierten am Schalter unsere Pässe, erhielten unsere Tickets und gaben das Gepäck auf.
Somit zu spät für eine Umkehr.
Eigentlich war es bloß ein Katzensprung nach Martinique, dennoch sollte es mit einer kleinen Propellermaschine dorthin gehen. Sie kam, glaube ich, von St. Vincent und sollte nach dem Zwischenstopp auf Martinique weiter nach Guadeloupe fliegen.
Doch ich wollte nicht fliegen. Mein Unbehagen wuchs.
Warum eigentlich überhaupt fliegen? Warum nicht mit dem Schiff die kurze Strecke zurücklegen? Das hatte der Reiseveranstalter für uns vorab eigentlich so geplant. Und zudem: Ich hatte überhaupt keine Lust zu fliegen. Birgit wollte fliegen, mit dem Schiff, das fand sie uncool.
Die Unlust meinerseits war also nicht zuletzt eine Art Vorahnung. Sie wurde kurz darauf noch von meinen Beobachtungen draußen vor der Fensterfront der Wartehalle verstärkt. Ich glaube, manch einer der anderen wenigen wartenden Fluggäste fühlte ähnlich. Jedenfalls erschienen mir einige recht nervös. Etwa eine ältere Frau, die in lauter bunte Tücher gehüllt vor mir auf und ab ging. Sie war in ein einziges Knäuel eingepackt, wie kann man bei so einer Hitze bloß so etwas tragen! Ich schwitzte vor mich hin und betrachtete sie aus den Augenwinkeln, ich wollte nicht, dass sie mein Interesse an ihr bemerkte. Ihre nahezu schwarze Haut schimmerte samten in der schwirrenden Luft. Vielleicht, so dachte ich, praktiziert sie, wie so viele auf diesen Antillen, Voodookult. Womöglich würde sie sogleich ein paar Hühnerknochen, lausige Federn und billige bunte Glasperlen vor sich auf den Boden werfen. So würde sie entscheiden: mitfliegen oder dableiben.
Sie hätte ruhig für mich mitentscheiden dürfen.
Kurzum: Ich hatte einfach ein mulmiges Gefühl.
Es lag ja nicht bloß an dieser schrulligen Voodoopriesterin. Obschon sonst überhaupt nicht abergläubisch – in diesem Moment war ich es.
Das schlechte Omen nach Westen zeigender Hühnerknochen oder unter eine Bank rollender Glasperlen oder lausiger Federn, die auf meinem Schuh landen würden …
Aber wer lässt schon auf einen bloßen Verdacht hin oder wegen eines merkwürdigen Gefühls in der Magengegend sein teures Ticket und womöglich einen wichtigen Termin andernorts sausen? Wir mussten ja zurück nach Hause (immerzu muss man dies oder jenes, wir alle leben in einem ständigen „Müssen“). Das heißt: Birgit alias BB (ich nannte sie so in Anlehnung an die Bardot, weil sie mit Nachnamen „Blum“ hieß und eine ähnlich lange blonde Mähne trug) musste zurück. Sie, die brave Tochter eines angesehenen Professors der Medizin, Fachgebiet Hals-Nasen-Ohren, der stets den Fleiß und das Fortkommen seiner Tochter im Auge behielt, musste natürlich pünktlich am folgenden Montag im Büro erscheinen. Mir war das relativ egal.
Ich wollte in kein Büro.
Ich wollte eigentlich gar nicht fliegen.
Dieses Unwohlsein wider den anstehenden Flug.
Vielleicht gründete meine Besorgnis auch in der Tatsache einer geradezu sichtbaren Gegenwart des Todes in Gestalt des Friedhofes direkt neben dem Rollfeld. Umfriedet von hohen, blendenden weißen Mauern (bestimmt strichen sie die zweimal im Jahr neu an), erinnerte er jeden Fluggast daran, wie zerbrechlich nicht nur Flugzeuge, sondern zudem auch Menschen sind. Menschen sind sogar zerbrechlicher als Flugzeuge.
Schon beim Anflug fünf Tage zuvor hatte ich das mit der letzten Ruhestätte vis-à-vis des Rollfeldes nicht ohne Ironie zu Birgit gesagt. Ich saß am Fenster und sah unter mir diesen großen, ausladenden Friedhof. Besser, ich sah die Grenzmauer zum Flughafen und meinte dazu: „Die sind hier echt praktisch veranlagt, wenn sie gleich neben Start- und Landebahn die letzte Ruhestätte einrichten, wirklich clever.“ Goldene Kreuze sendeten gleißende Lichtstrahlen nach oben und durch das winzige Fenster, aus welchem ich gebannt auf diesen Friedhof starrte.
Schon da hatte ich keine Lust auf Fliegen, wollte lieber mit dem Fährschiff nach St. Lucia tuckern. Der Mensch ist nicht auf das Fliegen ausgerichtet.
Überhaupt: diese „Flugtaxis“. Sie behagten mir auf unserer Reise von Inselchen zu Inselchen von Anfang an nicht. Mit solchen wackeligen und winzigen, häufig in Europa oder in den Staaten ausgemusterten Maschinen waren wir schon dreimal geflogen – von Puerto Rico nach St. Martin und von dort nach St. Kitts. Danach – wie gesagt – der Anflug auf den Friedhof von St. Lucia. Und nun sollte es also nach Martinique und im Anschluss weiter nach Hause via Paris nach München gehen.
Immerhin: In Martinique wartete ein wesentlich mehr Vertrauen erweckender Jumbo der Air France auf uns. Überhaupt: Fliegen ist nicht sicher! Diesen Blödsinn hört oder sieht man ja immerzu im Radio und im Fernsehen, kann es im Internet googeln. Gerade diese kleinen Maschinen und diese private Fliegerei oder, noch schlimmer, die Hubschrauber – sie sind alles andere als sicher. Wer sich die Mühe machen würde, die Statistiken von den Abstürzen danach zu sortieren, wie viele große und wie viele kleine Maschinen hinuntertrudeln, würde wissen, was ich meine.
Ich habe eigentlich keine Flugangst. Ich bin bloß Realist.
Und wie gesagt: Ich hatte so eine Art Vorahnung.
Ich starrte aus der Fensterfront auf die Maschine, der Schweiß sickerte aus sämtlichen Poren. Wegen der drückenden Luft und wegen meiner Vorahnung. Allmählich erschöpfte mich das tropische Klima. Der Himmel vor der Fensterfront verfärbte sich vorübergehend in einen milchig trüben Schleier. Darauf wechselte er wieder zu seiner gewohnt stahlblauen Färbung. Und wieder wurde es trüb. Wie kann so etwas ohne sichtbare Wolken bloß in einigen Sekunden geschehen. Hin und her. Nun wieder Blau. Ein stechendes, zugleich wunderbares Blau. Jenseits aller bekannten Blautöne. Mir schien es jedenfalls so.
Eigentlich hätte die draußen auf uns wartende Maschine zu meiner Beruhigung beitragen müssen. Was da unter dem Dach der Tropensonne wie frisch gewachst glänzte, war immerhin eine Antonow, Typ An-28. Sicher von den Sowjets ausgemustert und an die Fluggesellschaft der Antillen verscherbelt. Beruhigt wäre ich wohl auch gewesen, hätten an dem Schmuckstück des Arbeiter-und-Bauern-Staates nicht Mechaniker gewerkelt – ganz offen und ungeniert vor unseren Augen!
Sie inspizierten nicht, sie arbeiteten emsig am Motor.
BB fotografierte es.
Unglaublich, so etwas.
Neben mir stand ein Mann mittleren Alters, augenscheinlich ein Einheimischer. Man sah das nicht nur an seiner dunklen Hautfarbe. Man sah es auch daran, wie er sich kleidete. Ich meine, so elegant gekleidet, im schicken Anzug, flog nur einer von Insel zu Insel, der dort lebte und arbeitete. Kein Tourist eben. Er blickte auf die Arbeiter und die in die Jahre gekommene Antonow und schüttelte den Kopf. Ihre Propeller reflektierten die Sonne. Das grelle Licht blendete einen geradezu, man musste sich die Hand vor die Augen halten. Auf seiner Stirn glänzten Schweißperlen um die Wette.
„Everything alright?“, fragte ihn seine Frau, seine Begleitung oder Sekretärin. Sie stand unmittelbar hinter seinem Rücken, als wollte sie sich anlehnen. Er rauchte. Ich rauchte nicht, ich beobachtete. Er drehte sich nicht um, er murmelte nur etwas, was ich nicht verstand. Das behagte mir nicht. Er inhalierte Nikotin und starrte weiterhin ungerührt auf das Flugzeug. Auch die Frau schien nervös. Unruhig wechselte sie von einem Bein auf das andere, blieb schließlich auf einem stehen und zog das andere angewinkelt nach oben. Wie ein Flamingo an einem Teich. Nervös. Allerdings: Wem behagt das schon, wenn vor seinen Augen an der Maschine herumgewerkelt wird, mit der man eigentlich schon längst in der Luft sein sollte.
Der Typ im schicken Anzug produzierte munter Rauchwölkchen. Auch nervös bis in die Zehenspitzen.
Mir behagte es ja ebenfalls nicht.
Seine Zigarette stank erbärmlich nach Formaldehyd.
Ich sah nun, wie der vermeintliche Geschäftsmann ein paar Schritte hin zu einem Tisch machte, um dort den Rest seiner Zigarette in einem Aschenbecher regelrecht zu zerquetschen. Das wirkte geradezu wie ein Gewaltakt. Womöglich wollte er mit dem Rauchen aufhören, und jedes Mal, wenn er wieder schwach geworden war, musste es der Rest der Rauchware büßen, indem er sie rücksichtslos zerdrückte. Das Begräbnis für die letzten Tabakkrumen. Ich dachte dabei wieder an den Friedhof neben dem Rollfeld.
Ich indes rauche nicht. Das ist mir zuwider, und obendrein ist es natürlich schlecht für Fitness und Gesundheit, beides ist mir wichtig. Zumindest damals war es das noch. Aufgrund der Ereignisse, die mit diesem bevorstehenden Flug nach Martinique gleich ihren Lauf nehmen sollten, ließ diese Disziplin nach und nach nach.
Der Urlaub mit BB ging zu Ende. Drei Wochen Karibik. Auch eine Zeit, in der mir einiges in puncto Beziehung klar geworden war. BB und ich gemeinsam in den Antillen. Das bedeutete vierundzwanzig Stunden am Tag ihre Gesellschaft ertragen. Eigentlich überhaupt kein Problem. Sie war praktisch immer gut gelaunt und unternehmungslustig sowieso. Dazu: gebildet, interessiert an Neuem, durchaus charmant und hübsch anzusehen. Und sie besaß erstklassige Manieren (aber womöglich war es genau das, was mich so an ihr störte). Dazu kam: Sie hatte ihr Leben augenscheinlich im Griff, pragmatisch und fleißig.
Und all das war es ja gerade!
Außerdem: Über all diese Tugenden und Eigenschaften wachte stets der allmächtige Vater. Ich mochte ihn und seine preußische Disziplin nicht. Das hatte auch ganz schön auf seine Tochter abgefärbt. Sie stand zu sehr unter seinem Einfluss. Sie war ein in seinem tiefsten Innern verunsicherter Mensch. Und BB besaß so auch die Unart, möglichst umgehend alles erledigen zu müssen. Obgleich selbst ein durchaus ordentlicher Mensch, lasse ich den Dingen mitunter Zeit und Raum. Sie nicht. Sie musste alles sofort anpacken.
Und genau das war es, was mich am meisten nervte. Außerdem fand ich sie allmählich langweilig, irgendwie. Dazu dieser dämliche Spleen, alles und jeden fotografieren zu müssen!
Schon wieder hatte sie ein neues Motiv entdeckt: Sie knipste eine auf einer Sitzbank wartende Familie, Eltern mit vier niedlichen, rabenschwarzen Kindern. Ohne zu fragen. Ich fand es unmöglich.
Diese Insel, die wir gleich verlassen würden: St. Lucia. Es hatte uns dort ganz gut gefallen. Wir logierten im Luxus-Resort „Windjammer Landing“. Ein terrassenförmiger Ameisenhügel voll mit einzelnen kleinen Häuschen über einer malerischen Bucht. In jedem Ein- oder Ausgang dieses Hügels lauerten Bedienstete darauf, ihre Dienstleistung sofort an den Gast zu bringen. Eben wie Ameisen, da hat auch jede Tag und Nacht zur Stelle zu sein. Vor dem Eingang unserer zweistöckigen Behausung lebte in einem Erdloch eine riesige Landkrabbe, groß wie ein Dackel. Ich lockte sie mit einem Stecken aus ihrem Versteck. BB schrie – und machte natürlich gleich darauf ein Bild von mir und dem Untier. Eine Plage biblischen Ausmaßes waren die riesigen Moskitoschwärme. Kaum wurde es dunkel, fielen sie zu Hunderten über einen her. Widerliche Blutsauger. Ich dachte: Wenn man nicht aufpasst, fängt man sich womöglich noch eine Malaria ein.
Wir fuhren in der Bucht Wasserski, sehr touristisch das Ganze. Einmal waren wir an einer Tauchbasis, da ich unbedingt tauchen wollte. Sie befand sich vor einem Miniriff, direkt am kleinen Strand einer geschützten Bucht, es war wunderbar. Ich überprüfte den Pressdruck der Sauerstoffflasche, die Ventile, die Zuleitungen und überhaupt alles (eine alte Gewohnheit aus der Zeit beim Militär), darauf ging es ab ins Wasser. Was folgte, war einfach unglaublich. Eine Explosion von Farben unter Wasser: Fische und Meeresgetier, so weit das Auge hinter der Maske reichte, reichlich Korallen, einmal flitzte ein kleiner Riffhai an mir vorbei. Alles ein einziges sattes Schimmern, das üppige Leben des Urmeeres. Vor allem aber hatte man dort unten seine Ruhe. Dort, wo alles irdische Leben einmal seinen Lauf genommen hatte, fühlte ich mich endlich gut aufgehoben. Und das zum letzten Mal für eine Ewigkeit.
Jetzt stand also der Heimflug an. Und prompt gab es wieder Probleme. Wie zuvor auf unserem Trip auf anderen Inseln auch schon: reichlich Verspätungen, einmal auch eine Reparatur. Und bereits auf dem Hinflug von Paris nach Puerto Rico war eine der vier Düsenturbinen ausgefallen – es passiert eben auch bei großen Maschinen. Der Pilot flog deshalb über Grönland, sie dürfen ja nicht zu lange über offenes Gewässer fliegen.
BB war kurz vor dem Abflug ebenfalls beunruhigt. Bei der Landung auf St. Lucia hatte sie noch über meine Bemerkung mit dem Friedhof gelacht. Jetzt – so kurz vor dem Abflug – lachte sie nicht mehr. Im Gegenteil, sie war stumm und ihr Gesichtsausdruck ernst. Der Grund dafür war nachvollziehbar, durchaus. Denn vor der blitzblank geputzten, ausladenden Fensterfront waren ja schließlich einige Mechaniker seelenruhig damit beschäftigt, in die Eingeweide der Maschine hineinzuhorchen. Zwei von ihnen standen auf einer Leiter und beugten sich tief in das Innere der Antonow. Ein Dritter, ich glaube, es waren insgesamt vier, stand auf dem Rollfeld mit ausgebreiteten Armen da, wie gekreuzigt, in der einen Hand hielt er einen Schraubenschlüssel, in der anderen eine Ölkanne, während sein Kollege neben ihm stand und ungeachtet der von Kerosin geladenen Luft rauchte (!) – einfach unglaublich. Wie kann man so etwas den Augen der aufgeregt wartenden Passagiere zumuten!
Auch der Geschäftsmann hatte sich zwischenzeitlich eine weitere Zigarette angezündet. Das weiße Papier stach von seinem rabenschwarzen Gesicht ab. Er sah gut aus, schlank, adrett, gepflegt, dichtes Haar. Er lächelte in sich hinein, über ihm trieben graue Rauchwölkchen dahin, es stank, und um nicht eingenebelt zu werden, ging ich nun einige Schritte zurück.
Wozu rauchen?
Wozu fliegen?
Überhaupt: Fliegen in den Antillen … damals noch ein Abenteuer. Wie das heute so funktioniert, weiß ich nicht. Damals: Bei Zwischenstopps auf anderen Inseln standen die wartenden Passagiere, die neu zusteigen wollten, vor einer Bretterbude. Und bei einem der im August üblichen heftigen Tropengüsse in einem Unterstand (sie dienten auch als Schutz vor der erbarmungswürdig heißen Tropensonne). Dort standen sie also wie unsereiner an einer Bushaltestelle steht, und warteten mit der Geduld eines Esels. Doch kaum, dass die Maschine ausgerollt war und die Propeller noch einmal dröhnend aufdrehten, eilten sie schnurstracks auf die Luke zu, drängten sich vor eine albern kleine Treppe, eher eine Art Leiter, um ganz wie beim Busfahren noch einen guten Platz zu ergattern. Manch einer kam mit einem Hühnerkäfig an Bord, andere schleppten derart viel undefinierbares Gepäck mit sich (zumeist in Plastikfolien verschweißte Dinge des täglichen Bedarfs), dass ich glaubte, wir könnten womöglich allein schon wegen des Übergewichtes an Bord abstürzen. Doch die Piloten waren gut, sogar richtig gut.
Das sollte sich alsbald erneut zeigen.
Sicherlich war das kein Wunder, waren sie doch an die eine oder andere Panne gewöhnt, hatten sie zudem sicherlich schon einige unfreiwillige Landungen hinter sich. Sie waren schlicht geübt.
Ich wurde von meinen jüngsten Erinnerungen abgelenkt: Ein Brite, das entnahm ich sofort seinem näselnden Akzent, sprach jetzt auf mich ein. Was er wissen wollte: Woher ich komme, wohin ich gehe, wie ich heiße, ob ich Urlaub mache und ob das hübsche Ding (damit meinte er BB) da drüben an der Fensterfront zu mir gehöre (wollte er sie anmachen?). Da ich zunächst nichts sagte (ich wollte einfach nicht plaudern), fragte er mich noch, ob ich ihn überhaupt verstehen könnte? Er ging mir allmählich auf die Nerven, doch wollte ich nicht unhöflich erscheinen, ich ließ mich deshalb nach einigem Zögern auf sein oberflächliches Gequatsche ein. Er war sehr erfreut über mein bestenfalls durchschnittliches Englisch und bemerkte, ganz „amused“, sogleich, dass ich aus Deutschland, aus Österreich oder vielleicht aus der Schweiz kommen müsste (er zählte tatsächlich alle deutschsprachigen Regionen dieses Erdballs auf). Das ärgerte mich. Sobald man in einer anderen Sprache spricht, wird immerzu gleich herausgehört, woher man kommt. Ich drehte mich zu ihm hin und sah, dass er eine Jutetasche umgehängt hatte und dass er grelle Bermudashorts und dazu passende, ebenfalls schreiend bunte Turnschuhe trug (ich fliege niemals in kurzen Hosen). „I am Ian“ (wie er das aussprach, klang es etwa wie I-an), er streckte mir seine verschwitzte Hand entgegen. „I was here for business reasons, and now I am going to Martinique“, er grinste und fügte hinzu: „Just in case, that they can handle it“, er zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Mechaniker draußen, „and just for relaxing.“ Das war eigentlich mehr, als ich wissen wollte, es interessierte mich nicht, was der im Übrigen ganz dem Klischee des Briten entsprechende rothaarige Ian noch so vorhatte. Ich stellte mich meinerseits mit „Patrick Sassen“ vor (ich pflege mich stets mit vollem Vor- und Nachnamen vorzustellen), worauf er sich dazu hinreißen ließ, vom heiligen Patrick zu reden, irgend so einem Iren, denn auch er sei Ire, sagte er, genauso wie sein Vorbild, dieser heilige Patrick also, ja … und ach ja, wie schön, dass ich also ebenfalls Patrick heiße. Der andere allerdings, bemerkte er in typisch ironischem Unterton, der so vielen Briten eigen ist, sei den Märtyrertod gestorben. Na bravo.
Er nervte mich zusehends.
Ich starrte aus dem Fenster und somit geradewegs auf das Rollfeld. Die Mechaniker werkelten immer noch an der Maschine herum. Wir hatten bereits fast zwei Stunden Verspätung. Sollte das so weitergehen, würden wir noch unseren Rückflug mit der Air France via Paris nach München verpassen. Das behagte mir aber irgendwie ganz gut (ich wollte ja weder fliegen, noch wollte ich nach Hause!).
Um den lästigen Iren loszuwerden, sagte ich: „Sorry, but I have to go to the toilet“, und machte mich auf den Weg dorthin, verließ die Wartehalle, ging einen Gang entlang geradewegs zu den Örtlichkeiten. Er sah mir nach, wahrscheinlich überlegte er, ob er nicht gleich mitgehen sollte, denn zu zweit pinkelt es sich einfach besser. Er blieb jedoch stehen.
Ein Glück. Ich hatte meine Ruhe. Kein Mensch auf dem Pissoir, nur hinter einer Tür plagte sich offensichtlich einer mit seiner Verdauung herum, das unterdrückte Stöhnen verriet es. Ich öffnete langsam den Hosenladen, ich ließ mir Zeit und überlegte. Warum nicht den Flieger nach Paris verpassen? Ja, warum eigentlich nicht. Vielleicht würde diese augenscheinliche Panne der Antonow dafür sorgen. Das Problem dabei: Ich wollte alleine zurückbleiben. BB sollte ruhig heimfliegen. Das bedeutete: endlich Zeit für mich alleine zu haben. Nachdenken und die Dinge abwägen, zu einer Entscheidung gelangen. Und dies in zweierlei Hinsicht. Zum einen wollte ich mir klar darüber werden, ob es mit oder ohne BB in meinem recht verkorksten Leben weitergehen sollte.
Ich muss dazu sagen: Dieses, mein Leben verlief nicht gerade geradlinig. Ich wollte endlich Ordnung in die Dinge bringen. Ordnung braucht der Mensch – vor allem in seinem Innern. Was wären wir auch, wenn schon in unserem Innern nur Chaos herrschte.
Zum anderen: Sollte ich einem bereits zu Hause unterschriebenen Arbeitsvertrag in einer Agentur im noblen Münchner Viertel Herzogpark tatsächlich nachkommen oder nicht (dort hatten mir vor allem die grünen Fensterläden und der große Garten gefallen, dabei sollten doch sicher andere Dinge den Ausschlag geben)? Das wäre mein erster Job in der Öffentlichkeitsarbeit. Ungewöhnlich spät, da ich bereits über vierzig war und zuvor als Kampfschwimmer gedient, danach erst einmal in Ruhe studiert hatte. Volkswirtschaft, ausgerechnet. Eine einzige Ödnis von Langeweile, nach meinem Abschluss mit dürftiger Note arbeitete ich bei einem Weltkonzern für Elektronik in verschiedenen Abteilungen, zum Schluss im Bereich öffentliche Kommunikation. Davon hatte ich schnell genug, sonst wäre ich an Langeweile gestorben. So verdiente ich daraufhin lieber ein paar Jahre Geld als Tauchlehrer auf Mallorca und auf Ibiza, eigentlich keine schlechte Zeit, ich saß wenigstens nicht in einem Büro fest. Dort lernte ich auch BB kennen, die tatsächlich mit ihrem Vater im Schlepptau Urlaub auf den Balearen machte. Sie wollte unbedingt einen Tauchlehrgang machen, er zog es glücklicherweise vor, an Land zu bleiben. Jedes Mal, wenn er mich sah, spürte ich sein Misstrauen und eine gewisse arrogante Geringschätzung meiner Person (er machte immerzu entsprechende Bemerkungen, etwa „Hat der Job Tauchlehrer denn eine Perspektive?“ oder „Sie leben wohl gerne unter der Sonne?“). Ein sich über andere erhebender Typ, ihr Vater.
Und nun, kurz vor dieser Reise mit BB, die Bewerbung in der Agentur. Eigentlich hatte ich es gar nicht ernst damit gemeint. Aber sie wollten mich dennoch (oder gerade deshalb). Obschon mein Alter ein methusalemisches für einen PR-Berater war (ich war ja schon über vierzig). Ich hatte mich also bereits in einigen Berufen ausgetobt. Aber jetzt? War das der richtige Weg für mich?
Ich hatte keinen Tropfen mehr übrig, ich schloss die Hose, wusch mir die Hände. Die Luft stand. Das Wasser war wie erwartet brühwarm, keine Erfrischung jedenfalls. Nur die Deckenventilatoren brummten unentwegt, hier im Klo wie in der Wartehalle, aber auch das war keine Abkühlung, sie durchmischten nur die abgestandene Luft. Letztlich schwitzte man dank ihnen eher noch mehr.
Als ich in den Wartesaal zurückkam, herrschte dort bereits hektisches Treiben. Eine dicke Frau vom Bodenpersonal hatte eine Tür nach draußen geöffnet und rief nun unentwegt: „Come on, please, we have to leave the airport immediately.“ So aufgeregt war sie, als würde sie mit uns fliegen. Ihr Mund erschien mir so groß wie ein Klavierdeckel, dahinter blitzten schneeweiße Zähne auf, als wären es die weißen Tasten des Instrumentes.
Wozu auf einmal diese Eile?
BB lächelte erleichtert, als sie mich endlich unter den Passagieren ausmachen konnte (es waren, glaube ich, etwa fünfzehn, mehr passten in den Flieger kaum hinein). Sie machte noch schnell ein Bild von mir. Natürlich. Ich machte dazu eine miese Grimasse.
„Meine Güte, wo hast du bloß gesteckt, die machen voll auf Tempo, was gut ist, schließlich geht unsere Air France ja schon in weniger als fünf Stunden.“ Sie ergriff meine Hand, ganz so, wie es Mütter mitunter tun, wenn sie ihre Kinder zur Eile antreiben: Sie hielt mein Handgelenk fest umklammert, zog mich förmlich durch die Tür, direkt hinaus in die erbärmliche Tropenhitze. Das Kind folgte brav. Die Sonne brannte ohne Gnade vom Himmel herunter, als wir über das Rollfeld gingen. Man spürte eine sofortige Erschöpfung in sämtlichen Gliedmaßen. Neben mir plötzlich wieder der geschwätzige Ire, vermutlich war er froh, noch zwei weitere Europäer getroffen zu haben. Er sagte noch so etwas wie: „Shit, I just bought a cup of coffee, and cannot drink it now.“ Ich hatte kein Mitleid mit ihm, ich hoffte nur, er würde sich nicht neben, vor oder hinter uns setzen. Die Dauerbeschallung bis Martinique würde ich kaum ertragen. Ich umklammerte das Geländer der winzigen Gangway. Es glühte, alles glühte, ein einziges Glühen rund um einen herum, und auch innerlich glühte ich: Nein, ich wollte nicht nach Martinique und schon gar nicht wollte ich von dort zurück nach Hause – noch nicht jedenfalls.
In der Maschine war die Luft fast noch drückender als draußen.
Wir nahmen ziemlich weit vorne Platz, ich – wie stets – am Fenster, denn dieser Platz ängstigte BB immerzu. Nein, sie wollte niemals nach unten sehen müssen … und das war in diesem Fall auch gut so. Sogleich öffnete ich den Hebel für die Frischluftzufuhr, es roch nach Kerosin, zu meiner Enttäuschung strömte auch hier bloß warme Luft aus der Düse. Ich saß direkt neben dem linken Tragflügel. Wild tanzten die Hitzefunken reflektierender Sonnenstrahlen auf ihm.
So weit war alles normal. Mechanisch schnallte ich mich an, BB gähnte laut. Sie war müde, wohl geschafft von der dreiwöchigen Reise, kurz fielen ihr die Augen zu, ich streichelte ihre Hand, sie lächelte. Keine Durchsage. Kein Wort des Bedauerns über die Verspätung. Aber welcher Inselhüpfer war schon wirklich pünktlich. Warten. Endlich setzten sich die Propeller in Gang. Erst ein Schwirren, dann ein tiefes Surren. Langsam steigerte es sich, es dröhnte einem regelrecht in den Ohren. Den Iren konnte ich nicht ausmachen. BB zog eine Spucktüte aus der Sitztasche und nestelte nervös daran herum. In der uns gegenüberliegenden Sitzreihe saß ein fein gekleideter Farbiger. Sehr feiner Zwirn, mokkabrauner Anzug mit hellen Streifen, aus der Außentasche spitzte ein sorgfältig gefaltetes weißes Tuch hervor. Es war nicht der rauchende Geschäftsmann von vorhin. Auf seinem Schoß lag ein Aktenkoffer, gleich so, als wolle er diesen um keinen Preis aus der Hand geben, als würde er ihn bewachen, was sich wohl darin befand? Die üblichen laschen Sicherheitsvorkehrungen, man hätte sicherlich auch seine Schwiegermutter auf dem Schoß haben können (aber wer will das schon?). Der Mann wirkte angespannt. Vermutlich würde er seinen wichtigen Termin auf Martinique oder in Guadeloupe verpassen. Meinerseits kein Mitleid, denn ich wollte ja nicht mehr arbeiten. Überhaupt: Ich wollte ja nicht heim, ich wollte keine Verantwortung für einen Job übernehmen, und schon gar nicht wollte ich Verantwortung für BB oder sonst wen aufgebürdet bekommen. Niemals.
Ein Hoch auf die Freiheit!
Ich schwitzte. Ein Rinnsal lief die Brust herunter. Kurz darauf hörte man so etwas wie volle Drehzahl. Die Maschine zitterte und bebte förmlich. Zwei Reihen vor uns saß die Flugbegleiterin auf ihrem Klappsitz, uns zugewandt. Sie hatte ihr „Startlächeln“ aufgesetzt, schließlich plagt ja viele Passagiere die Flugangst, besonders dann, wenn die Maschine noch kurz vor dem Start repariert werden muss. Sie wirkte in ihrer mittelblauen Uniform und mit ihrem Käppchen, das sie schief aufgesetzt und mit einer goldenen Haarklammer am üppigen rabenschwarzen Haar befestigt hatte, ziemlich professionell.
Das Flugzeug bebte weiter vor sich hin. Es war klapprig, keine Frage, und es war ausgemustert worden, irgendwo in Europa, vermutlich in der Sowjetunion. Ich sah die ausgestanzte, metallene Plakette über der Tür zum Cockpit. Dort stand etwas in Kyrillisch eingestanzt, man konnte es gerade noch so erahnen, nur eine Jahreszahl konnte man deutlich erkennen, eine beunruhigend weit zurückliegende Jahreszahl. Dauerndes Hüsteln hinter mir. Die fesche Stewardess indes war gar nicht klapprig, vielmehr wohlgeformt und vollbusig, und sie machte, wie gesagt, einen durch und durch professionellen Eindruck auf mich. Sicher würde sie selbst im Falle eines plötzlichen Druckabfalls noch lächeln.
Das Gefährt setzte sich in Bewegung, drehte einen Halbkreis, rollte einige Meter vorwärts und blieb mit der Schnauze auf das offene Meer zeigend wieder stehen. Dann gab der Pilot Vollgas. Allzu viel Geschwindigkeit erreichte sie damit jedoch nicht, den Eindruck hatte ich jedenfalls. Ich drückte mich in meinen Sitz und stellte fest, dass mein Hemd völlig durchnässt war. Irgendetwas stimmte nicht. Ich konzentrierte mich auf die Geräusche des Motors und der Propeller. Da war keine echte Kraft dahinter. Das Hüsteln hinter mir mutierte allmählich zum bellenden Husten. Der potenzielle Geschäftsmann neben BB hatte nach wie vor seine Aktentasche fest im Griff. Neben ihm saß eine Frau am Fensterplatz, sie betete. Mein Unbehagen wuchs. Die Maschine rollte munter auf den Ozean vor sich zu, gerade so, als wolle sie gar nicht in die Luft gehen, sondern ins Wasser plumpsen. BB erzählte irgendetwas, es ging im Dröhnen der Propeller unter, ebenso der keifende Husten hinter mir. Ich sah wieder zu der Farbigen neben dem Mann im feinen Anzug. Sie hatte ihre dünnen Arme ein wenig nach oben gestreckt, die Hände mit den grazilen, langen Fingern lagen aufeinander, sie betete – tatsächlich. Ich betete nicht, ich bete niemals, das ist einfach nicht meine Sache. Die Religion gehört den Abergläubischen.
Stattdessen: Ich beobachtete und lauschte. Jemand pfiff durch die Zähne. Vermutlich der Ire, das würde zu ihm passen, dachte ich. Dann hob die altersschwache Antonow ab und ging, ganz überraschend und plötzlich, in einen Steilflug über, gewann so schnell an Höhe.
Unter uns kräuselte sich das Meer. Die Wellen türmten sich auf und schoben sich weiter in die Unendlichkeit des Ozeans hinein. Das Licht war irgendwie unwirklich, es wechselte zwischen Platin und Gold, glaubte ich. Am Horizont tauchten tintenblaue Wolkentürme auf. Sie kündigten einen weiteren, heftigen Tropenguss der späten Regenzeit in den Antillen an.
Nur eine Viertelstunde bis Martinique, wenn überhaupt. Doch dazwischen der weite Ozean, genug Wasser, um uns alle spielend zu verschlucken. Ein endloser Wasserteppich, geheimnisvoll, unergründlich, gnadenlos. Ich weiß dies aus Erfahrung. Ich war Kampfschwimmer beim Militär. BB sagte kein Wort. Ungewöhnlich für sie. Wieder fehlte der Antonow irgendwie die Kraft. Ich sah auf den Tragflügel. Sofort wurde mir klar, was los war: Es war der Propeller. Er drehte sich unregelmäßig, mal schneller, mal langsamer, hin und wieder spie er bläuliche Funken aus, als würde dort draußen jemand Schweißarbeiten machen. Plötzlich setzte er ganz aus, dann drehte er sich müde ein wenig weiter. Man wollte gar nicht hinsehen, es war ein Alptraum. Tatsächlich war es wohl ein Kurzschluss. Ich muss vermutlich ein überraschtes Gesicht gemacht haben, denn sogleich öffnete die Flugbegleiterin ihren Gurt und stöckelte bergab, munter auf uns zu, blickte auf die Tragfläche hinaus – und nun verlor selbst sie ihr einstudiertes Lächeln. Weiterhin Steigflug. Sie tippelte – nun bergauf – zurück, wobei sie sich mit ihren kleinen Fingern an den Sitzen abstützte, sie beugte sich in das Cockpit hinein, ich konnte dabei genau ihren wohlgeformten Hintern betrachten (das lenkte mich etwas von der in mir aufkeimenden Panik ab). Was sie wohl sagte? Wie sie es wohl sagte? Aber dort wusste man natürlich schon Bescheid. Allmählich bekamen auch die anderen Passagiere mit, dass etwas nicht stimmen konnte. Jemand stöhnte laut. Die Frau neben dem Geschäftsmann hörte auf zu beten. Dabei wäre es nun angebracht gewesen. Der Geschäftsmann selbst sah BB hilfesuchend an. Ihre Hand umklammerte meine. Sehr fest. Ihr Instinkt signalisierte Gefahr.
Keine Durchsage. Typisch. Vermutlich hatten sie überhaupt keine Mikrofone oder Lautsprecher oder beides nicht.
„Was ist denn los?“, fragte BB, ihre Stimme zitterte. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Stattdessen deutete ich mit einer Hand auf den Propeller. BB erbleichte und stieß einen tiefen Angstseufzer aus. Der Geschäftsmann in seinem teuren Anzug sah ängstlich zu uns herüber. Für einen Dunkelhäutigen wirkte auch er kurze Zeit darauf sehr bleich auf mich.
Weiterhin Steigflug, doch mit immer weniger Kraft. Die Stewardess nahm steif und verkrampft wieder ihren Platz ein. Der Gurt schloss sich, sie sah sehr besorgt aus.
Immer noch keine Durchsage. Dafür fiel der Propeller, zuvor noch einmal blaue Funken sprühend, ganz aus. Er verweigerte einfach seinen Dienst, als sei ihm sein Frachtgut an Bord, all die Menschen, gleichgültig. Die Maschine bekam kurz Schlagseite. Sie kippte nach links, wir kippten mit. Mir wurde übel.
Jemand schrie. BB grub ihre Fingernägel in meinen Unterarm und flehte: „Bitte, Patrick, was soll das? Das kann doch nicht sein, das ist nicht dein Ernst!“ (wie wenn ich damit etwas zu tun gehabt hätte).
Hatte ich jedoch nicht, natürlich nicht. Ich konnte auch nichts machen, niemand, nur die Piloten konnten das.
Dann der verfluchte Ozean: Er gähnte unter uns, es schien, als wartete er auf uns. Das Licht: unglaublich. Flaschengrünes Wasser nun, darüber hellblauer Äther auf unserer Höhe irgendwie ins Orangene übergehend, helle, längliche Fetzen, wie Föhnstreifen, sie wickelten sich wie dünne Wattestreifen um eine kirschrote Sonne. Am Horizont breiteten sich schwarze Gewitterwolken aus. Die Natur war offensichtlich bereit, uns zu verschlucken.
Aber welch ein Bild sie dabei abgab!
So konnte man wenigstens ordentlich sterben.
Unsererseits gab es nichts mehr zu tun. Außer beten. Das war das Schlimmste. Das Flugzeug lag nun wieder flach, ich spürte einen gewaltigen Druck auf den Ohren. BB plapperte wieder, ich sah es an den Bewegungen ihrer Lippen, ich hielt ihre Hand, ich verstand sie nicht. Auch der Geschäftsmann hielt nun seinerseits die Hand seiner Nachbarin. War es seine Frau, seine Geliebte oder seine Mitarbeiterin? Vielleicht beteten sie nun zusammen.
Plötzlich gab es einen kräftigen Ruck, der wurde sofort durch vereinzelte Aufschreie begleitet.
Die Maschine beschrieb eine Kurve, etwa einen Halbkreis, die Piloten wollten offensichtlich zurück zum Flughafen. Dann dasselbe Stottern und Sprotzen, dasselbe Geräusch wie zuvor, als der Propeller der linken Tragflügelseite ausgefallen war. In einer vagen Hoffnung starrte ich wieder auf den Propeller, ob er sich wieder drehte? Zu meinem Erschrecken stand er indes nach wie vor still. Es musste somit der andere Propeller sein. Die Stewardess wagte nicht, noch einmal aufzustehen, vielleicht wollte sie sich den Anblick ersparen.
Wir schwebten somit im Segelfliegermodus weiter!
Jemand schrie laut, etwas von der Art, dass die Maschine nicht mehr arbeiten würde („The props both don’t work, we are going to die“, glaube ich). Er stammelte weiter, immer denselben Satz, niemand kümmerte sich darum.
Irgendwann verstummte er.
Jeder war mit sich selbst, seiner Liebsten oder seinem Liebsten beschäftigt.
Von nun an: Sinkflug. Ganz wie ein Segelflieger. Die Antonow trudelte langsam abwärts, beschrieb leichte Spiralen, wurde wie von einem Lenkruder eines Segelfliegers sanft korrigiert und so wieder ein wenig in die Höhe gehoben.
An Bord jetzt totale Stille. Niemand sprach. Eine Ewigkeit verstrich, jenseits von der normalen Zeit schwebten wir durch den Raum. Ab und zu ein Stöhnen. Jemand spie. Die Mulattin neben dem Geschäftsmann betete wieder. Aus gutem Grund. Ich redete auf BB ein. Alles werde gut und mehr von diesem Quatsch. Auch BB betete. Ich konnte ihr Murmeln hören. Sie tat mir leid, ich tat mir leid, alle taten mir leid. Wir verloren an Höhe, schnell ging das, aber wie es schien dennoch kontrolliert. Der Druck indes war enorm. Meine Ohren konnten ihn nicht mehr ausgleichen, ich hörte alles wie durch Watte.
In diesem Moment hätte ich alles im Tausch für eine sichere Landung gegeben, sogar einen Arm, zumindest einen Finger.
Weiterhin abwärts. Vorsichtig äugte ich wieder aus dem Fenster. BB beendete ihr kurz zuvor begonnenes Stoßgebet und umklammerte mein Handgelenk, ein Griff, fest wie ein Schraubstock (Frauen haben ungeahnte Kräfte).
Unter uns tauchte die Friedhofsmauer auf. Von der merkwürdig orangenen Sonne beschienen, leuchtete ihr Weiß so einladend, als wolle sie uns direkt dahinter und in die Gräber locken. Direkt davor glänzte der graugrüne Asphalt der Landebahn wie eine frisch polierte Panzerdecke. Wir kamen näher und näher.
Diese Angst war anders als alle anderen mir bis dato bekannten Ängste (und dies waren nicht gerade wenige). Der Grund: Man konnte ja nichts tun, überhaupt nichts. Als Kampfschwimmer habe ich so einige Situationen erlebt, wo der Tod mich anlächelte, die Hand reichte … na komm schon … es ist ganz leicht … aber man konnte noch selbst etwas tun. Etwa: um sein Leben schwimmen oder eine starke Strömung richtig einkalkulieren, sich mit ihr treiben lassen, bis sie abebbt. Welch ein Gefühl, als dann Väterchen Tod seine Hand wieder zurückzog. Schrecklich – gewiss, aber mit einem Happy End. Und jetzt: Man konnte ja überhaupt nichts tun!
Was mir noch auffiel: Die Tür zum Cockpit stand offen, klapperte hin und her, ging auf und wieder zu. Kurz sah ich die gekrümmten, die nach vorne gebeugten Rücken der Piloten. Sie kämpften mit der bockigen Maschine. Sie hatten es besser, sie konnten um ihr und unser Leben kämpfen.
Das Adrenalin pumpte einem nur so durch den gestressten Kreislauf. Jemand spie immer noch oder schon wieder. Ich hörte es, wie gesagt, gedämpft. Ich sprach auf BB ein, hörte mich selbst, als würde ich durch eine dünne Wand hindurchreden, als säße ich auf der anderen Seite dieser Wand und meine Stimme käme aus dem Nichts. BB beruhigte sich nicht, kein Wunder. Ihre Augen waren weit aufgerissen.
Bereit zum letzten Gebet.
Nun betete sogar ich!
Unten, auf dem sicheren und festen Boden, sah ich plötzlich zwei Feuerwehrautos heranbrausen, das flackernde Licht der Sirenen konnte ich deutlich erkennen.
Wir sanken und sanken. Unfassbar: Jemand rauchte. Jedenfalls roch es nach Tabak (die letzte Zigarette!). Die Bremsklappen wurden ausgefahren. Gott sei Dank! Ich saß stocksteif auf meinem Sitz, beugte mich instinktiv und steif nach vorne, signalisierte BB es mir gleichzutun. So hielt ich die Hände vor das Gesicht und stützte sie auf dem Sitz des Vordermannes ab – in Erwartung des unvermeidlichen Crashs.
Der aber kam nicht. Wagemutig sah ich aus dem Fenster.
Feuerwehrleute sprangen aus ihrem Wagen heraus, Schläuche wurden in Windeseile ausgerollt. Ich stellte fest: nur noch wenige Meter bis zum Boden. Also wieder in die Haltung vor einer möglichen Bruchlandung. BB krallte ihre Fingernägel tief in mein Fleisch am Unterarm. Der Mann gegenüber hielt den Aktenkoffer wie einen Schutzschild vor sich, offensichtlich hatte er vor lauter Angst seine Gefährtin vergessen.
Ich bedeutete BB erneut, sich endlich nach vorne zu beugen und die Hände vor das Gesicht zu nehmen.
Dann Kontakt mit der Landebahn. Was folgte, war kein heftiger Schlag, nichts brach auseinander, so wie man das im Fernsehen manchmal sieht, diese grauenhaften, noch rauchenden Wrackteile, nachdem es die Maschine beim Aufprall in Stücke gerissen hat. Stattdessen: eine nahezu weiche Landung, fast federweich, einfach unglaublich. Man konnte es erst nicht recht glauben. Die Maschine trudelte aus. Der Wind zerrte ein wenig an ihr. Das war alles.
Eine Meisterleistung, ohne Zweifel, diese Piloten beherrschten ihr Handwerk – zum Glück taten sie das.
Dennoch klatschte niemand.
Ich saß wie angekleistert. Niemand stand auf. Nicht so schnell jedenfalls. Erst als die Piloten, der eine grinste dabei über das ganze Gesicht, aus der Kanzel herauskamen, schnallte ich mich ab. BB: wie versteinert, jedoch glücklich. Erleichtert blies sie durch den Mund Luft aus, ließ sie Druck ab und löste ihren Gurt.
Überlebt.
Es ging hinaus, die Flugbegleiterin öffnete die Luke, ich umfasste das heiße Geländer, zog die Hand sofort zurück. Sie wäre sonst wohl gegrillt worden. Am Horizont hatten sich die Gewitterwolken in grauen Dunst aufgelöst. Vorerst. Vor mir ging der Geschäftsmann, er trug seinen Aktenkoffer nun wieder lässig in der Hand. Die betende Frau (sie betete offensichtlich nicht mehr, jedenfalls nicht mit den Händen, womöglich aber in Gedanken) ging vor ihm unsicheren Schrittes die lächerlich kleine Gangway hinunter, sie war wirklich niedlich. Mein Eindruck: Der Mensch vergisst nur allzu gerne und zu schnell.
Vor der Gangway hatte sich die örtliche Feuerwehr aufgebaut. Wie ein Empfangskomitee standen sie dort, eingepackt in ihren schweren Anzügen (sicher eine echte Höllenqual bei dieser Hitze) – und nun waren sie es, die statt uns klatschten. Kaum hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen, schwor ich mir, unter keinen Umständen mehr in ein Flugzeug zu steigen. Dieser Vorsatz sollte nicht gerade lange halten.
BB brachte ihn sogleich ins Wanken, sie schnaufte los: „Patrick, dir ist schon klar, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als gleich zu schauen, ob wir hier noch rechtzeitig wegkommen, ich meine, ob die uns wohl noch eine Ersatzmaschine stellen?“ Ich konnte es kaum glauben, um Haaresbreite war sie soeben dem Tod entronnen, und dann sagt sie so etwas (der Mensch verdrängt so schnell). Ich sagte nichts. Der Asphalt unter meinen Füßen kochte. In mir brodelte es dafür. Ich wollte ja nicht nach Hause, aber womöglich half mir selbst dieser Zwischenfall nicht. Ich sah auf die Uhr. Bis zum geplanten Abflug des Jumbojets verblieben noch gut viereinhalb Stunden. Ich hoffte, die Bodencrew könne keine weitere dieser wackligen und schlecht gewarteten Maschinen aus dem Hut zaubern. Aber auf diese Leute ist einfach kein Verlass. Das sollte sich bald zeigen. Alles ist immer ein einziges Chaos, und gerade deswegen organisieren sie selbst in aussichtsloser Lage das Unmögliche, während in aussichtsreichen Situationen das Mögliche unmöglich wird. Und sie beorderten tatsächlich umgehend eine Maschine von einem anderen Eiland nach St. Lucia.
Wir marschierten aber erst einmal mit wackligen Beinen schön brav zurück zur Wartehalle.
In der geöffneten Tür stand bereits die dicke Lady vom Bodenpersonal mit den blitzblanken Zähnen und winkte aufgeregt. Hinter mir marschierte tapfer der Ire, er hatte also auch überlebt. Schon sprudelte sein verbaler Wasserfall auf mich hernieder: „Hey man, good old man, I cannot believe it, but we are still alive …“ und so weiter und so weiter. Ich nickte. Kein Lächeln meinerseits, zu düster waren meine Gedanken, außerdem nervte er mich ja. Und nun drehte er sich auf dem Absatz um (diese lächerlichen Turnschuhe!), zog mich dabei am Handgelenk (sein Griff war fast so fest wie jener der armen BB kurz zuvor im Flugzeug) und meinte, wir sollten doch wenigstens auf die beiden Piloten warten und uns bei ihnen gebührend für ihre Meisterleistung bedanken.
Er hatte recht. Das war das Mindeste. Wir bildeten also eine wartende Dreiergruppe, die anderen Passagiere interessierte das augenscheinlich nicht. Die beiden Flugkünstler schlenderten uns zusammen mit ihrer reizenden Stewardess entgegen. Einer hatte die Kleine untergehakt, der andere ging neben ihr, er trug die typische Ray-Ban-Pilotenbrille. Wahre Helden der Lüfte. Und genau das strahlten sie auch souverän aus. Ian stürmte auf sie zu und umarmte einen der beiden Luftakrobaten. So weit ging die Begeisterung bei uns indes nicht, aber wir schüttelten einander fleißig Hände, mir fiel auf, wie jene des Copiloten (ich glaubte zumindest, er wäre der Copilot) schwitzten. Wir gingen mit ihnen so selbstverständlich zusammen zur Tür, als gehörten wir zur Crew. Die Dicke vom Bodenpersonal stand allmählich ungeduldig dort (warum bloß hatte sie es immerzu so eilig?).
Der Ire ging voraus und zielsicher auf jenen Tisch zu, auf welchem er ja kurz vor dem Start und nicht ohne ausführliches Bedauern seinen Kaffee abgestellt hatte. Dieser stand noch da. Er schnüffelte an der Tasse und bemerkte lakonisch: „Really, this is the first time in my life, that I come back to the same airport, and my coffee is still warm.“
Welch eine Szene, welch ein Zitat! Ich war beeindruckt von derart viel britischem Humor. Symbolisch nippte er an dem schalen Bohnengebräu. Ich sah gerade noch, wie die Piloten ihre Flugmützen überstülpten und sich daranmachten, diesen Ort des Beinahe-Absturzes zu verlassen. An diesem Tag würden sie sicher nicht mehr fliegen.
Die adipöse Lady vom Personal indes wedelte mit einem Blatt in der Luft herum und bat so um allgemeine Aufmerksamkeit. Sie war nicht zuletzt dank ihrer Masse eine Art Autorität. Sie faselte so etwas wie: Die Gesellschaft würde die entstandenen Unannehmlichkeiten bedauern, das hätte es in sie wisse nicht wie vielen Jahren grandioser Luftfahrt von St. Lucia auch noch nie gegeben, aber, und dies sei die eigentliche Neuigkeit, es werde möglichst umgehend für eine Ersatzmaschine gesorgt, nähere Informationen dazu gebe es in aller Kürze.
Bravo. Meine vagen Hoffnungen zerschlugen sich. Zerstört wie die Propeller im Startwind. BB ließ sich auf eine Sitzbank plumpsen. Der Ire fühlte sich offensichtlich dazu befleißigt, uns Germans die Worte der Dicken zu wiederholen. Er sprach betont langsam und wählte besonders einfache Worte. Ich winkte ab. „Thanks, I still got the message.“
Die Dicke stampfte aus der Halle, eine mächtige Schweißfahne hinter sich herziehend. Ich schwitzte meinerseits ganze Bäche. Solchermaßen schwitzend setzte ich mich neben BB und ergab mich meinem Schicksal.
Dort saßen wir also und man brachte uns Wasser sowie Limonade und Kekse. Einige der Mitreisenden hatten bereits das Flughafengebäude verlassen, die glücklichen durften also passen. Wir indes warteten.
BB wurde zusehends nervöser. Wieder und wieder blickte sie auf ihre Cartier, wedelte mit einem aus ihrem Handgepäck hervorgeholten weibischen Fächer wild in der Luft herum. Ich fühlte mich durch und durch ekelhaft.
Noch vier Stunden bis zum Abflug in Martinique. Auch Ian wollte sich den Ersatzflug offensichtlich nicht entgehen lassen. Ich erfuhr von ihm, er schreibe Drehbücher für Dokumentationen und sei häufig irgendwo mit einem Fernsehteam von BBC in der Weltgeschichte unterwegs. Und jetzt wolle er endlich nach Martinique und überhaupt … bla, bla, bla, es ging immer so weiter. Ich zog die Reißleine, indem ich einmal mehr zur Toilette ging. Draußen wurde gerade unser Gepäck abgeladen, deutlich erkannte ich BBs kreischend orangenen Koffer.
Also zur Toilette. Dort angekommen, stellte ich fest, dass das Wasser nach wie vor brühwarm aus dem Hahn sickerte. Dann endlich doch einmal eine Durchsage. Der Lautsprecher im Terminal funktionierte somit wenigstens. Ich stellte den Hahn ab, trocknete mir die Hände und hörte konzentriert und voller Hoffnung, es gäbe nun doch keine Maschine, zu. Es war wieder die Dicke, die sprach. Vermutlich gab es sonst sowieso niemanden vom Bodenpersonal, sie war das Mädchen für alles. Sie näselte ein wenig, der Lautsprecher krachte zudem, aber ich verstand dennoch, was sie sagte, nämlich: Es würde noch ungefähr rund eineinhalb Stunden dauern, eine Maschine wäre nun in Martinique gestartet, in Kürze sei sie bereits hier, weitere Informationen würden folgen oder so ähnlich.
Resignation: Als geschlagener Mann kehrte ich zurück in den Wartesaal. Ian hatte bereits einen neuen Plan: Gleich um die Ecke gebe es einen netten, kleinen Park, schattig und mit Verkaufsständen, man habe ja noch gut eine Stunde Zeit, könne sich somit ruhig die Beine vertreten. BB zeigte sich begeistert.
Also auf in den Park.
Die beiden voraus, ich missmutig hinterher.
Dort hatten sich einige geschäftstüchtige Kreolen offensichtlich auf Laufkundschaft seitens des Flughafens eingestellt. Vermutlich mussten nicht nur wir, sondern zahlreiche andere Fluggäste satte Verspätungen in Kauf nehmen. Und deshalb gab es dort alles, was es im Terminal nicht gab, aber hätte geben müssen: belegte Sandwiches, kühles Bier, Stände mit Hot Dogs, Stände mit Eis, Stände mit bunter Zuckerwatte und weitere Stände mit ich weiß nicht was allem.
Ian und ich kauften uns bei einem grinsenden Typ mit komplett tätowierten Armen je eine Dose Bier, BB besorgte uns an einem Stand nebenan Sandwiches mit Schinken und Käse. Was meinen Argwohn dabei weckte: Sie waren mit Mayonnaise bestrichen (bei der Hitze: ein Hoch auf die sich munter vermehrenden Salmonellen!).
Wir setzten uns auf eine dunkelgrün angestrichene Bank, das Bier spritzte beim Öffnen nur so aus den Dosen, kleine gelbliche Fontänen. Wir aßen gierig unsere spärlich belegten Sandwiches. Der Hunger vormals zum Tode Verurteilter und überraschend Begnadigter. Ich wischte mit einem Papiertuch vorsorglich die Mayonnaise weg, bedeutete BB es mir gleichzutun.
Was tat ich hier? Ich überlegte: Mit Ian an unserer Seite konnte ich BB unmöglich eröffnen, was mein weiterer, sie ja ausschließender Plan war. Nein, das ging nun wirklich nicht.
Dieser Plan war so perfide wie einfach: Kaum auf dem Flughafen von Martinique angekommen, würde ich zum Air-France-Schalter eilen und meinen Flug annullieren (die dadurch entstehenden Kosten kümmerten mich wenig). Danach würde ich mich von ihr verabschieden, ein Taxi heranwinken und in die Stadt fahren, mir ein Zimmer für die Nacht suchen, daraufhin in eine Bar oder in ein Straßencafé gehen – und mich mit reichlich kaltem Bier betrinken. Eigentlich mal ein guter Plan. Bloß ein Problem gab es: Vorher musste ich noch BB darüber in Kenntnis setzen.
Mein Unbehagen wuchs nahezu ins Unermessliche.
Und ich war dabei, einen Schritt zu tun, der meinem Leben eine dramatische Wendung geben würde. Aber ahnt man so etwas (oder: man ahnt es zwar, aber man verdrängt es sogleich wieder)?
