Der Prophet und sein Buch - Hasan Denis Kalkan - E-Book

Der Prophet und sein Buch E-Book

Hasan Denis Kalkan

0,0
11,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die Sterblichkeit der Menschheit ist die Quelle der Religionen, da sich die Menschen schon seit jeher die Grundfragen stellen und auf der Suche nach Antworten sind. Doch im Wandel der Zeit wurden etablierte Religionen wieder verworfen und durch neue Glaubensrichtungen ersetzt. Jedoch hatte jeder Wandel etwas gemein, denn die Propheten, die ihre Religion vertraten und unter das Volk brachten, wurden von einem Fanatismus beherrscht. Ebenfalls versuchte die Herrscherklasse sowie die obere Schicht der Gesellschaft die Religionen zu nutzen, um somit mehr Einfluss auf das Volk haben zu können. Das vorliegende Werk bietet einen Überblick über die unterschiedlichen Religionen und ihre Anschauungen. Der Koran wird näher analysiert sowie mit dem Christentum und mit dem Judentum verglichen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 382

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Impressum 2
Zitat 3
Einleitung 6
1. 15
Beweggründe des Schreibens 15
2. 50
Ein kurzer Blick in die Galerie der Religionen und die geistige Entwicklung des Menschen 50
3. 133
Der Prophet und sein Buch 133
4. 254
Koran und Wissenschaft 254
5. 267
Der Koran und die islamische Mystik 267
6. 276
Über den Koran hinaus – Gewisse Gebote haben ihre Wurzeln in vorislamischer Zeit – 276
a) Die Tötung eines Menschen 279
b) Ehebruch und Steinigung bzw. die Tötung der Frau 280
c) Kopftuch, Schleier und ähnliche Gewänder 286
d) Beschneidung 291
e) Selbstmord als Sünde 295
f) Kinderehe 298
7. 301
Koran und Gewissen 301
8. 308
Wo liegt der Unterschied des Koran? – im Vergleich zu den heiligen Büchern anderer Religionen – 308
a) Dschihad 309
b) Das verzerrte Gottesbild 316
c) Judenfeindlichkeit 319
9. 322
Voreingenommene Kritiken über Koran und Islam 322
Johann Wolfgang von Goethe 323
Arthur Schopenhauer 324
Karl Marx 325
François-Marie Voltaire 326
Alexis de Tocqueville (französischer Historiker) 327
John Quincy Adams (Sechster Präsident der USA) 328
The Catholic Encyclopedia (1908) 329
Sir Winston Churchill 330
Cahit Kaya (Obmann des Zentralrats der Ex-Muslime Österreich) 332
10. 333
Der Islam und die westliche Zivilisation – Ignoranz oder Verrat? – 333
Literaturverzeichnis 341

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2020 novum publishing

ISBN Printausgabe:978-3-99107-218-8

ISBN e-book:978-3-99107-219-5

Lektorat:Katja Wetzel

Umschlagfotos:2bears, Motortion | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Zitat

Es möge den Menschen aller Religionen die Augen öffnen, damit sie
sehen, wozu die Religionen heute missbraucht werden …
Und sei gegen die Menschen nicht hochfahrend und stolziere nicht eitel auf der Erde herum. Siehe, Allah liebt keinen eingebildeten Prahler.
Sure 31 (Luqmân), Vers 18
***
… und wer sich vor seiner eigenen Habsucht hütet, denen wird es wohl ergehen.
Sure 64 (at- Taghâbun), Vers 16
***
Fürchtet Allah und gebt den Waisen ihr Vermögen und tauscht nicht (euer) Schlechtes gegen (ihr) Gutes ein und schlagt nicht ihren Besitz dem eurigen hinzu; siehe, das ist ein großes Verbrechen.
Sure 4 (an-Nisâ), Vers 2
***
Wo ein Reichtum entstanden ist, dort müssen einige Rechte verloren gegangen sein.
Hl. Ali
***
In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.
Hl. Augustinus
***
Wissen ohne Gewissen wird zur größten Gefahr für die Menschen.
Victor Frederic Weißkopf

Einleitung

Die Vergänglichkeit ist ein Phänomen, das seit dem Bestehen der Menschheit den Menschen zutiefst beschäftigt hat und heute noch ebenso beschäftigt und ohne Zweifel in der Zukunft auch beschäftigen wird, solange der Mensch seine uns gegenwärtig bekannten Eigenschaften und menschlichen Gefühle bewahrt oder ihm zumindest einige davon erhalten bleiben.
Seit dem Uranfang des Menschengeschlechtes auf der Erde hat sich der Mensch über das Werden und Vergehen Gedanken gemacht. Insbesondere die Sterblichkeit des Menschen hat ihn ewig und oft intensiv beschäftigt. So wurde die Sterblichkeit, nämlich der Tod, zur Mutter aller Religionen. Deshalb gingen unzählige Menschen in verschiedenen Perioden der Geschichte in die Waldeinsamkeit bzw. die Abgeschiedenheit, um durch die Askese, Meditation und Nachdenken nach der Wahrheit zu suchen, mit anderen Worten, das Rätsel der Vergänglichkeit zu lösen.
Die Antworten auf jene Fragen waren immer recht verschieden, weil es bei den Fragen stets um die Art und Weise eines weiteren Lebens nach dem Tode ging. Die Fragen, welche sich auch unzählige Propheten, Philosophen, Denker und Sucher stellten, waren immer gleicher Natur. Auch die Fragen, die sich Laudse, Konfuzius, Buddha, Jesus, der Prophet Mohammed und die Mystiker wie Celaleddin Rumi, Meister Eckhart und viele andere stellten, drehten sich immer um die Vergänglichkeit, d. h. um den Tod.
Aus den Antworten auf jene Fragen entstanden unzählige Religionen beziehungsweise Glaubensrichtungen, welche das Geheimnis des Todes und die weitere Existenz danach zu erklären suchten. Sie standen dem Tod unterschiedlich gegenüber und gingen mit ihm auf verschiedene Art und Weise um.
Die meisten Religionen machten dem Menschen große Angst vor dem Tod und dessen Folgen. Einige andere machten dagegen wenig Angst; manche versuchten jedoch von der Angst vor dem Tode zu befreien.
Die Urgesellschaften gingen mit dem Tod in vielerlei Hinsicht bestimmt leichter und natürlicher um als die modernen Gesellschaften. Auch in der Gegenwart gehen einige Gesellschaften mit dem Tod aus Glaubensgründen leichter um als manch andere. Obwohl die Religion auf der Basis der Vergänglichkeit des Menschen beruhend auch die Mutter der Moral, Ethik und Künste und zum Teil auch der Wissenschaft geworden ist, ist sie doch die letzten paar tausend Jahre unterschiedlich betrachtet worden. Religiöse Institutionen wie die Kirche und entsprechende Organisationen von anderen Religionen und deren Theologen und Geistlichen haben die Ungewissheit und auch die damit verbundene Angst angesichts des Todes ausgenutzt, sogar missbraucht, zum einen, um großen Einfluss auf die Bevölkerung zu erlangen, zum anderen, um ihre eigene und die Macht der herrschenden Schichten zu festigen, weil ihre Macht oft von der der Herrschenden abhing.
Daher ist die spekulative, ungewisse Natur der Religion ständig in den Händen verschiedener Herrschaftssysteme zum Mittel der Manipulation, Unterdrückung, Ausbeutung und damit auch zur Grundlage der Macht und Herrschaft geworden.
Aufgrund dieser Tatsachen haben sich viele Denker und einige Ideologien als Reaktion bzw. Protest gegen die Religion gestellt, ohne dass sie sich darüber Gedanken machten, dass das Bedürfnis nach einem Halt in der Existenzweise des Menschen verwurzelt ist, und daher die Religion – welcher Glaube auch immer – aus dem tiefen Bedürfnis der Gesellschaften, d. h. des Menschen entstand und mit dieser Eigenschaft auch die Quelle der Hoffnung wurde.
Ohne die Hoffnung hätte die Menschheit gewiss nicht alle Widrigkeiten und Katastrophen überleben und sich so weit entwickeln können. In dieser Eigenschaft ist die Hoffnung, die oft mit einem kraftspendenden und schöpferischen Glauben verbunden ist, eine Schubkraft der Menschheitsgeschichte gewesen.
Parallel zur Entwicklung der Gesellschaft hat sich auch die Einstellung des Menschen dem Tod gegenüber verändert. Je komplizierter und gekünstelter das Leben wurde, umso unnatürlicher wurde die Haltung des Menschen gegenüber dem Tode. Es darf nicht bezweifelt werden, dass die Haltung des Menschen gegenüber der Vergänglichkeit von seiner Existenz- und Lebensweise bestimmt wird.
In der super-kapitalistischen Konsumgesellschaft und auf deren „Freien Markt“ wird nur die Existenzweise des Habens gefördert. Bei dieser Lebensweise betrachtet der Mensch auch seinen eigenen Körper als seinen Besitz. Der moderne Mensch der heutigen Gesellschaft lebt ständig in Angst und Sorge, seine Besitztümer zu verlieren, gleichgültig, was und wie viel er besitzt. Deshalb hat er auch große Angst vor dem Tode, weil dieser für ihn einen großen Verlust darstellt.
Angesichts dieser Tatsache hat der moderne Mensch stets Angst, über den Tod zu sprechen. Deshalb ist der Tod mehr oder minder tabuisiert. Aus den oben erwähnten Gründen wird die Angst vor dem Tode auf verschiedene Art und Weise verdrängt.
Auf der anderen Seite, jene Denker, die in der Geschichte versucht haben, und auch diejenigen, die heute noch versuchen dem modernen Menschen mittelbar oder unmittelbar beizubringen, dass er keine Religion braucht und keine Angst vor dem Tod haben muss, weil es kein weiteres Leben nach dem Tode gibt, scheinen gar nicht zu wissen, dass die Menschheit das dazu erforderliche Bewusstsein und die Reife gar nicht erlangt hat, und die große Mehrheit diese Reife nicht mehr erlangen wird.
Obwohl die Neo-polytheisten, nämlich die Verehrer der Technik und Maschinen, oft angeben, dass sie gar keine Angst vor dem Tode hätten, doch in Wirklichkeit haben sie mehr Angst als die Gläubigen. Sie schämen sich über ihre diesbezüglichen Ängste zu reden, weil dieses Thema in der modernen Gesellschaft ein unüberwindbares Tabu darstellt.
Diese Tatsache hat mich schon während meiner Schul- und Jugendzeit immer wieder beschäftigt. Ich habe nicht nur diesbezügliche Einstellungen vieler Gestalten und Denker studiert, ich habe auch versucht, die Haltung des Menschen dieser menschlichen Realität gegenüber in verschiedenen Gesellschaften zu beobachten, zu ergründen und zu begreifen, im Orient sowie im Okzident.
Viele Leser würden sich vielleicht fragen, weshalb ich schon von vornherein die Angst vor dem Tod in den Mittelpunkt gestellt habe? Dies liegt auf der Hand, denn es dreht sich bei allen Religionen um den Tod und um die Form eines weiteren Lebens bzw. einer anderen Existenz danach. Ohne die Sterblichkeit, ohne die Vergänglichkeit, hätte es in der Welt sicherlich keine Religion gegeben, zumindest nicht in der Art, die uns bekannt ist. Diese Ungewissheit in eine Gewissheit oder Überzeugung zu verwandeln, schien die Aufgabe aller Religionsstifter bzw. Propheten und Ordensgründer gewesen zu sein, wobei man nicht mit Sicherheit sagen kann, dass jene Gestalten all das unbedingt aus philantrophischen Beweggründen, anders ausgedrückt, aus Liebe zu Menschen getan haben.
Eines steht aber fest, dass die großen monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam, aus dem Bedarf der Massen entstanden waren und sich mithilfe eines neuen Glaubens von der Unterdrückung des jeweiligen etablierten Systems zu befreien versuchten und dazu die erforderliche Kraft nur in einem neuen gemeinsamen Glauben fanden. Demzufolge nahmen die Begründer dieser Religionen den Kampf gegen das jeweils herrschende System an. Ohne Unterdrückung und Ausbeutung durch die Ägypter wäre ein Retter namens Moses ohne Ausbeutung durch die Rabbis und Unterdrückung durch die Römer in Palästina; ein Mann namens Jesus und ohne Unterdrückung der armen Massen und Missstände auf der arabischen Halbinsel; ein Mann namens Mohammed gar nicht auf der Bühne der Weltgeschichte erschienen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Gestalten von den damals zur Verfügung stehenden Wissenschaften geleitet worden waren. Bei all diesen drei Gestalten war die einzig bewegende Kraft auf dem unstillbaren Ehrgeiz und Machtdurst basierender Fanatismus, der die von ihnen gestifteten Religionen über die Jahrhunderte hinweg in festem Griff gehabt hat, so wie heute.
Dieser Fanatismus war damals gerechtfertigt, denn die herrschenden Systeme und deren Nutznießer in jenen Gesellschaften waren so stark, dass keiner von diesen Gestalten ohne den fanatischen Glauben dem Druck standgehalten, genauer gesagt, den Tod freiwillig in Kauf genommen hätte.
Als Moses nach wochenlangem Aufenthalt vom Berg Horeb im Sinai mit den Gesetzestafeln von Jahwe, die in Wahrheit seine eigenen Worte waren, zurückkehrte, war er von seinem eigenen Fanatismus so verblendet, so wie Jesus vom Fanatismus verblendet felsenfest daran glaubte, Gottessohn gewesen zu sein. Als Prophet Mohammed von seiner nächtlichen Reise gen Himmel berichtete, wo er mit Allah Zwiesprache abgehalten haben soll, ohne das Gesicht des Allmächtigen gesehen zu haben, war er nicht minder fanatisch als die Ersteren. Auch wenn diese Ereignisse wahrscheinlich nach dem Verscheiden jener Gestalten gedichtet und ihnen zugeschrieben worden waren, ändert das nichts an der Tatsache, dass sie durch und durch fanatisch waren. Auch ändert es an der Tatsache nichts, dass die heutige Welt noch immer unter dem Fanatismus dieser monotheistischen Religionen leidet. Denn die monotheistischen Religionen, allen voran der Islam, dulden keinen anderen Glauben neben sich. Diese Gestalten verfügten über kein tiefgründiges sozialwissenschaftliches Wissen, weil in jenen Epochen dies nicht möglich war. So blieb ihnen der Fanatismus als die einzig wirksame Waffe.
All diejenigen, die die Ausage von Karl Marx, die Religion sei das Opium des Volkes gewesen, als Blasphemie anprangerten, müssen heute zugeben, dass die Religion nicht nur dem Ruhigstellen der Bevölkerung, sondern auch zum Morden der Andersgläubigen dient, weil in den Fanatismus des Glaubens seit mehreren Jahrzehnten jede Menge Dopingmittel injiziert wird. Denn die Lust der Selbstmordattentäter, sich und andere zu töten, kann man nicht anders erklären.
Es steht außer Frage, dass diese drei monotheistischen Religionen in den Anfängen revolutionäre Züge trugen, weil sie aus dem Bedarf jeweiliger Gesellschaft, die nach Gerechtigkeit durstete, entstanden waren. Daher waren sie ja gegen das etablierte System. Aber sobald sie unter die Kontrolle der herrschenden Klassen gerieten, wurden sie zum wirksamsten Instrument, zum Ruhighalten und zum Ausbeuten der Massen. Erst in dieser Eigenschaft, die im Wesen der Religion liegt, wurden sie in den Händen des etablierten Systems zum unsichtbaren und wirksamen Opium für die Massen.
Um den Propheten Mohammed und den Koran, kurz gesagt, den Islam besser verstehen zu können, werden wir durch die große Galerie der Religionen durchwandern. Auf unserem Wege dahin werden wir auf Schritt und Tritt dem Gedanken begegnen, der den Weg in das Jenseits sucht und das weitere – oft ewige – Leben dort zu beschreiben versucht.
Das Buch wurde 2013 unter einem anderen Titel veröffentlicht, dessen Manuskript ich ein Jahr zuvor fertig geschrieben hatte. Bevor ich das Buch unter dem jetzigen Titel veröffentlichte, wollte ich einiges modifizieren. Als ich das Buch für diesen Zweck noch einmal studierte, stellte ich fest, dass meine Ansichten bzw. Prognosen bezüglich der dschihadistischen Entwicklung des Islam in der ganzen Welt mehr als zutreffend waren.
Dazu kommt noch, dass selbst die aktuelle Corona-Pandemie von den dschihadistisch-islamistischen Despoten zur Verwirklichung einer Scharia-Diktatur missbraucht wird. In der Pandemie sehen diese eine willkommene Chance, in ihren Ländern mitten in der Verzweiflung und dem Chaos die Politik und Wirtschaft ganz in den Dienst der islamistischen Ideologie zu stellen. Wegen der Pandemie werden alle Oppositionelle, säkulare Akademiker und Intellektuelle mundtot gemacht.
Gerade in diesen Tagen lese ich in der Weltpresse, dass der türkische Despot in die islamistisch orientierten Länder Osteuropas, wie Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien und einige andere Länder Flugzeuge voller medizinischer Ausrüstung schickt, während in seinem Land selbst die Mediziner nicht ausreichend Schutzkleider und Atemmasken bekommen und nicht einmal genügend Testkits existieren. Das ist ein Gebiet, in dem seit drei Dekaden durch die Saudi-Milliarden mehr als genug Moscheen gebaut und kompromisslose Dschihadisten gezüchtet wurden.
Der türkische Diktator versucht seit über fünfzehn Jahren mithilfe des Osmanischen Erbes in dem Gebiet die Lücke zu füllen und die islamistische Ideologie dort zu etablieren, weil die Saudis unter dem Druck der USA ihren Geldfluss eingestellt haben. (Er verfolgt ja ganz offen eine Panosmanische Politik.) Der türkische Despot kann dies nur durch die Ausnutzung bzw. den Missbrauch des Islam machen. Ihm geht es nicht darum, den Menschen in Not zu helfen, sondern nur darum, diese wahnwitzige Politik zum Erfolg zu führen. Zum einen befriedigt diese Politik seinen narzistisch bedingten Größenwahn, zum anderen erhofft er sich dadurch ewig an der Macht zu bleiben. All das geschieht vor den Augen der EU, vor der Nase der Hochburg des Neoliberalismus, der nicht unbedingt die säkulare Demoktatie, sondern nur den wirtschaftlichen Profit im Sinn hat.
Ich würde mich glücklich betrachten, wenn meine diesbezüglichen Analysen und Ansichten bei den Lesern eine Resonanz fänden und sie zum Nachdenken anregten.

1.

Beweggründe des Schreibens

So wie die meisten Menschen, die für Freiheit, Demokratie und humanistische Werte stehen und sich für die Zukunft der Menscheit verantwortlich fühlen, habe auch ich die radikale und agressive Entwicklung in der islamischen Welt in den letzten vierzig Jahren mit größter Sorge beobachtet, und tue es noch heute. Diese kompromiss- und erbarmungslose Haltung hat am 11. September 2001 einen Wendepunkt erreicht und die fundamentalistischen Islamisten in eine kämpferische und unnachgiebige Haltung versetzt. In der islamischen Welt flattern heute die Fahnen der Eroberung, wie etwa in der frühen Epoche des Islamischen Reiches.
Ich machte mir über die Gründe dieser fanatischen Haltung der fundamentalistischen Muslime Gedanken und versuchte die Motive dieser unnachgiebigen Menschen herauszufinden. Mein Kopf war voller Fragen: Könnte diese verbitterte Haltung nur mit dem Angriff der USA und deren westlichen Verbündeten auf den Irak und Afghanistan zusammenhängen? Oder mit Ungerechtigkeit und Elend, die man dem palästinensischen Volk zugefügt hat, zusammenhängen? Oder vielleicht von der Unterdrückung und Erniedrigung herrühren, die die muslimischen Völker in der Kolonialzeit unter christlichen Staaten (allen voran Großbritannien und Frankreich) erlitten hatten und demzufolge gegenüber den Kolonialherren neben dem Minderwertigkeitskomlex auch Hassgefühle entwickelten? …
Als ich mir hinsichtlich dieser Fragen den Kopf zerbrach, kam ich zu einem interessanten Schluss: Wenn ich auch bei diesem Radikalismus den Anteil der imperialistischen Expansionspolitik der USA, die man nach dem Prinzip „der Zweck heiligt die Mittel“ ausführte, in Betracht ziehen sollte, war ich dennoch davon nicht überzeugt, dass nur die oben genannten Komplexe und Hassgefühle gegenüber der christlich-westlichen Welt die tatsächlichen Gründe sein könnten. Denn das hinduistische Indien und buddhistische Burma hatten auch jahrhundertelang unter der Britischen Herrschaft gelitten. Kambotscha, Laos und Vietnam waren auch Kolonien von Frankreich. Das chinesische Volk, dessen Mehrheit heute noch Konfuzius, Laudse (Tao) und Buddha verehrt, wurde auch lange Zeit von europäischen Mächten unterdrückt und ausgebeutet, und letztlich auch von Japan terrorisiert und massakriert. Sogar das vietnamesische Volk hat im letzten Jahrhundert unter einem schmutzigen, brutal-blutigen und langwierigen Krieg gelitten.
Wenn nur die unter der Kolonialherrschaft erlittenen Unterdrückung und Leid herrührende Hass- und Rachegefühle die Beweggründe für die Erbarmungslosigkeit und das Morden wären, müssten auch diese Völker genauso rachsüchtig sein und Selbstmordattentate verüben. Da dies nicht der Fall war, sollte man dann nicht die Gründe dieses Hasses und dieser Intoleranz woanders suchen …?!
Wenn wir nur die Türkei als Beispiel nehmen, wo die islamistischen Parteien, deren Unterstützer von ehrlichen und arglosen Gläubigen bis zu islamistischen Fundamentalisten reichen, mehr als ein halbes Jahrhundert zielbewusst Schritt für Schritt in Richtung eines theokratischen Staates marschieren, vor allem in den letzten zehn Jahren ihre Ansicht nicht mehr verbergen und dazu benötigte Gesetze und Richtlinien beschließen und durchführen und auch dadurch sich den Staatsapparat Stück für Stück aneignen bzw. unter ihre Kontrolle bringen (dass diese anti-laizistische Bewegung ausgerechnet von den USA und ihren westlichen Verbündeten unter dem Deckmantel „moderater Islam“ unterstützt und gefördert wird, und dabei der Schuss wie in Afghanistan nach hinten losgehen würde, darüber möchte ich hier nicht diskutieren, weil dies die Grenzen dieses Buches überschreitet.) beschäftigt mich sehr, weil ich zum einen in diesem Land geboren wurde und dort studierte und einige Zeit als Akademiker und Pädagoge in verschiedenen Bereichen des Bildungsministeriums wirkte, zum anderen die sozialen Verhältnisse dieses Landes in jeder Hinsicht kenne.
Diese Gedanken versetzen mich oft in meine Kindheit und frühe Jugendzeit zurück: Geboren wurde ich in einem alevitischen Dorf (In alevitischen Dörfern der Türkei gab es keine Moscheen.) Ostanatoliens. Neben den alevitischen Dörfern gab es in dem Gebiet auch viele sunnitische Dörfer. Die Dörfer von beiden Glaubensrichtungen hatten damals gute, freundschaftliche Beziehungen zueinander. Wenn von einem sunnitischen Dorf sich jemand in unserem Dorf als Besucher oder geschäftlich befand, fragte man diesen während der Gebetszeit ungezwungen und herzlich, ob er sein Gebet verrichten möchte. Falls er sich dies wünschte, so wurde ihm sofort eine Kanne voll mit Wasser, eine Waschschüssel und ein sauberes Handtuch gereicht, damit er die für das Gebet erforderliche rituelle Waschung vornehmen konnte. Dabei goss ihm ein Mädchen oder ein Knabe das Wasser in die Hand. Danach wurde für sein Gebet ein kleiner Gebetsteppich, den man für solche Anlässe in einem Kasten aufbewahrte, in einem sauberen Raum oder in einer Ecke ausgelegt. Sollte sich während des Ramadans ein Sunnit, der fastete, in unserem Dorf als Gast befinden, so wurde für seinen Fastenbruch gutes Essen zubereitet und dafür gesorgt, dass er sein Fasten rechtzeitig brechen konnte. Wenn ein fastender Sunnit während der Fastenzeit bei uns übernachtete, stand meine Mutter vor dem Morgengrauen auf und bereitete eine Mahlzeit zu, die man spätestens zwei Stunden vor dem Sonnenaufgang zu sich nehmen durfte. Wenn wir das Abendmahl mit dem fastenden Gast zusammen aßen, suchte mein Vater die Fleischstücke im Pilaw (in Anatolien eine aus Weizengrütze oder Reis mit verschiedenen Zutaten und bei gewissen Anlässen unbedingt mit frischem oder im Schmalz konservierten Fleisch zubereitete Speise) heraus und tat sie auf den Teller des Gastes. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass mein Vater zum Fastenbruch für die Gäste einige Male ein Huhn schlachten und zubereiten ließ.
(Sicherlich möchte ich die Leser nicht unbedingt mit den Erinnerungen aus meiner Kindheit beschäftigen. Ich erzähle sie deshalb, weil ich damit einen Vergleich zwischen der Zeit, wo die Bevölkerung in Ruhe gelassen wurde, und der Zeit, wo die religiösen Gefühle des Volkes von Religionsmaklern bzw. Glaubenshändlern missbraucht wurden, vor Augen führen will.)
Diese Toleranz und Herzlichkeit wurde auch von der Bevölkerung der sunnitischen Dörfer den Aleviten entgegengebracht, falls diese sich während der Fastenzeit, im Muharram, in der sie anlässlich der Ermordung des Heiligen Hussains, des Enkelsohns des Propheten Mohammed zwölf Tage fasteten, bei denen befanden. (Wobei dieses Fasten in der Türkei nicht streng genommen wurde.)
Die religiös bedingte Diskriminierung erfuhr ich erst nach unserem Umzug in die Stadt, wenn diese auch im Vergleich zum heutigen Tag ziemlich milder und harmloser war. Ich war fünfzehn Jahre alt. Diese negative Haltung der Sunniten machte sich besonders während des Ramadans bemerkbar. Obwohl ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in der Stadt aus Aleviten bestand, merkte man überhaupt nicht, wie deren Fastenzeit verlief. Aber der Ramadan dagegen bestimmte mehr oder minder den Alltag in der Stadt, und das Fasten wurde sogar zur Schau gestellt. In der Region bezeichneten die Sunniten ihre alevitischen Mitbürger abwertend und verachtend als „Rafızit“ (das bedeutet so viel wie Häretiker oder Ketzer), was mich allerdings sehr traurig machte und seelisch belastete. Da mein Vater zum Glück über diesen Dingen stand und zu sagen pflegte, dass diese Haltung nur aus Unwissenheit und Vorurteilen entstanden sei, beruhigte mich und war ein Balsam für meine Kinderseele.
Überdies erlebte ich diesbezügliche Diskriminierung in der Internatsschule, die ich sechs Jahre lang besuchte, ausgerechnet durch die unreife Haltung und Intoleranz mancher Lehrer.
Obgleich mein Vater auf die sufistischen Prinzipien dieser Glaubensrichtung Wert legte und die mystische Einstellung dieser Glaubensrichtung hoch schätzte, hielt er jedoch das zwölf Tage dauernde Fasten nicht ein und schätzte aber das Menschsein, besser gesagt, die Menschlichkeit über alles. Er versuchte mir beizubringen, dass die Konfessionen und Sekten nicht unbedingt aus Glauben oder Überzeugung, sondern aus Machtkampf enstanden seien, das heißt hinter der Trennung der Muslime in Sunnitische, Schiitische und andere Konfessionen in Wirklichkeit Interessen- und Machtkämpfe steckten. Derartige Bemühungen meines Vaters haben gute Früchte getragen, mit anderen Worten, meine geistige Entwicklung und mein Verständnis und meiner Toleranz gegenüber den Religionen positiv geprägt. Dank seiner Erkenntnis und Einstellung hat die latente und auch teils offene Verachtung durch die Sunniten bei mir überhaupt keine unguten Gefühle den Sunniten gegenüber erzeugt, und auch keine Intoleranz gegen andere Religionen.
Trotz dieser aus Unwissenheit herrührenden und in der sunnitischen Bevölkerung verwurzelten Vorurteile und abwertenden Haltung gegenüber den Aleviten und auch anderen kleinen religiösen Minderheiten gab es doch keine ausgeprägten Feindseligkeiten. Im Vergleich zum heutigen Tag waren die Beziehungen zueinander dank der halbwegs laizistischen Einstellung des Staates wesentlich menschlicher und friedlicher.
Während meines Studiums in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre fiel uns der Fastenmonat in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Großstädten kaum auf. Denn alle Kaffeehäuser, Konditoreien, Restaurants und ähnliche Einrichtungen wurden geöffnet; und man konnte und durfte draußen auf der Straße mit einem Sesamkringel oder einem Sandwich in der Hand ohne Angst spazieren oder eine Zigarette rauchen.
Die Studenten, welche fasteten, stellten ihr Fasten keineswegs zur Schau, mit anderen Worten, wusste man kaum, wer fastete. Außerdem wurden während des Ramadans keine Fastenbruch-Zelte auf öffentlichen Plätzen errichtet, in denen heute die scheinheiligen Politiker und Religionsmakler zwecks islamischtischer Propaganda stets üppiges Essen wie einen Schmaus zum Fastenbruch anbieten. Denn es gab damals in dem Lande noch immer einen Hauch der Säkularität.
Meines Erachtens wurde die Türkische Republik niemals ein laizistischer Staat. Die Republik hatte doch einige Reformen durchgeführt, um das Land zu modernisieren, besser gesagt zu europäisieren, aber die modernen und säkularen Institutionen, welche man im kulturell-geistigen Oberbau einführte, hatten keine Chance, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, denn die dazu erforderliche und unentbehrliche wirtschaftliche Basis, nämlich die Infrastruktur fehlte. Daher konnte der Laizismus, der eigentlich die Grundlage der Reiligions- und Meinungsfreiheit und damit auch die Basis der pluralistischen Demokratie bildet, von der zum größten Teil analphabetischen Bevölkerung keineswegs verstanden werden. Das war auch nicht zu erwarten, denn die damals im Lande vorherrschenden feudalistischen Verhältnisse hätten nicht über Nacht abgeschafft werden können.
Der Reformwille einer intellektuellen Gruppierung von Armee-Offizieren und Zivilbürokraten reichte nicht aus, selbst eine bescheidene Bodenreform zu verwirklichen, weil die wahre Macht in den Händen von Feudalherren bzw. Großgrundbesitzern lag. Nicht nur in der Gründungsperiode, sondern auch jahrzehntelang danach bestand die große Mehrheit im Parlament aus Großgrundbesitzern, Fabrikanten, steinreichen Geschäftsleuten, Sekten- oder Ordensanführern oder deren Vertretern.
Unter oben genannten Umständen behielt der sunnitische Islam stets die Eigenschaft bei, mehr oder minder die Staatsreligion der Türkischen Republik zu sein, auch wenn gemäß der Verfassungen der Republik das Land keine Staatsreligion hatte. Um diese Tatsache festzustellen, braucht man heute nur während des Ramadans in der Türkei, nicht zuletzt in den Provinzen, eine kleine Reise zu unternehmen. Unter anderem wird man auch feststellen, dass in den öffentlichen Institutionen, Behörden und Ministerien beinahe in jeder Etage ein Gebetsraum errichtet worden ist, und nicht nur während des Freitagsgebets, sondern auch in den täglichen Gebetszeiten die öffentliche Arbeit stillsteht. Außerdem wird das öffentliche Leben auf die Erfordernisse der Religion (Sunnismus) eingestellt und öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Programme dem Ramadan angepasst. So wird einerseits die Religion für die politischen Interessen missbraucht, andererseits auf die Bürger außerhalb des sunnitischen Glaubens ein enormer Druck ausgeübt, sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich. Jedes Jahr nimmt dieser Druck zu.
In einem theokratischen Staat, wo aus Glauben oder Tradition alle Frauen freiwillig oder unfreiwillig Turban, Schleier, Tschador oder Burka anhaben, und auch alle Männer Bart und turbanähnliche Kopfbedeckungen tragen, könnte man solche religiösen Trachten und Symbole für gewisse Privilegien, für einen Posten oder eine Arbeitsstelle nicht ausnutzen, weil man eine unterschiedliche Gesinnung der Menschen nicht an deren Kleidung erkennen kann. Daher wäre es in der gleichen muslimischen Gesellschaft sehr schwer, sogar unmöglich, die Menschen wegen ihrer Kleidung zu verurteilen und zu diskriminieren. In der Türkei aber sieht die Lage ganz anders aus: Da von einem Teil der Bevölkerung solche Bekleidung und Trachten eher als ein Zeichen des politischen Islam getragen werden, so werden sie von scheinheiligen, gar verlogenen Politikern des Landes für die eigenen Interessen schamlos missbraucht und auch tüchtig vermarktet. Deshalb werden derartige Kittel und Trachten von gewissen Gruppierungen, nicht zuletzt von den Armen, zum Erhalten oder Ergattern einer Arbeitsstelle benutzt. Auch das Beten inner- oder außerhalb der Moschee und die Einhaltung des Fastens im Ramadan werden heute als ein Mittel zum Erlangen einer Arbeit bzw. Position oder gewisser Privilegien und materiellen Möglichkeiten genutzt.
In der Tat hat die Religion beim Großteil der Muslime, abgesehen von denjenigen, die von Herzen und ohne irgendeine materielle Erwartung glauben, ihre eigentliche Bedeutung bzw. Funktion verloren und als solche auch ihre sakrale Bedeutung eingebüßt; sie hat ihren sauberen Platz in den Herzen schon längst verloren und zu einer handelbaren Ware auf dem politischen Markt degradiert, und letzlich ist sie in der Brieftasche gelandet. Sie hat sich im Büro des Religionsmaklers in Arbeitsstellen, in Posten und Privilegien umgewandelt.
Die Tatsache, dass die religiösen Gefühle der armen und analphebeten Massen, vor allem in der islamischen Welt, von scheinheiligen Religionshändlern als Leiter benutzt werden, um zur politischen und materiellen Macht zu gelangen oder an der Macht zu bleiben, hat mich immer beunruhigt.
Um die Sache etwas näher zu betrachten, müssen wir einen schärferen Blick in die religiösen Strukturen der islamischen Welt werfen. Abgesehen von dem iranischen Schiitismus, bei dem die Mullahs die Zügel in der Hand haben, gibt es beim Islam keinen Klerus, das heißt keine geistliche Schicht und Hierarchie, was hingegen im Christentum die größte Rolle spielt. Die Kirche, nämlich der christliche Klerus, der im Mittelalter und in der Neuzeit sich immer mit den jeweiligen Machthabern bzw. Herrscherschichten verbündete, scheute keine Gewalt und Grausamkeit, um seine Interessen durchzusetzen. Schließlich aber musste sich die Kirche wegen der Aufklärung, die als Folge der kapitalistischen Entwicklung entstand und mit dessen materiellen und geistigen Erfordernissen einherging, von der Politik nach und nach zurückziehen (was allerdings nicht in jedem christlichen Land im gleichen Grad geschah), denn sie hatte in mittel- und westeuropäischen Ländern keinen großen Einfluss mehr auf die aufgewachte Bevölkerung. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich nur auf religiöse Aufgaben zu beschränken. In der Tat hatte die Kirche das Richtige getan. Aber dass der Klerus die säkulare Gesellschaftsordnung akzeptierte, bedeutete noch lange nicht, dass er auf die Politik überhaupt keinen Einfluss hat oder darauf keinen Einfluss nehmen will. Doch der Klerus versucht noch immer die Bevölkerung politisch zu beeinflussen, jedoch nur mit feineren Methoden und in einer subtilen Art und Weise.
Was jedoch die islamische Welt und auch darunter die Türkei anbetrifft, sieht die Sache ganz anders aus: Der Einfluss auf die Bevölkerung wurde und wird auch heute noch nicht von der Moschee, sondern eher von religiösen Gemeinden, Sekten, Orden, Bruderschaften und vor allem von deren Anführern ausgeübt. Diese Institutionen waren seit Ewigkeiten im Dienste der feudalen Strukturen. Die Großgrundbesitzer und städtische Handelsherren und Honoratioren, die immer die Gunst der religiösen Gruppierungen genossen (dies beruht natürlich oft auf Gegenseitigkeit) und die Religion für ihr Interesse ausnutzten, wollten keineswegs darauf verzichten. Schon in den ersten Jahrzehnten der Republik zogen viele von denen aufgrund der bescheidenen wirtschaftlichen Entwicklung in die Großstädte, wo sie wiederum mit der finanziellen Hilfe des Staates zu Großkaufleuten, Fabrikanten und Industriellen aufstiegen. Diese bildeten die Gruppierung, die sich vehement gegen die laizistischen Prinzipien stellte, indem sie dieses Gedankengut und alle Intellektuellen und Bürokraten – sei es in der Regierung oder der Partei, sei es in den Universitäten oder als Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst – der Gottlosigkeit bezichtigten und zum Feind des Islam erklärten. Überdies hetzten viele von ihnen die arglose Bevölkerung wiederum gegen die säkulare Ordnung auf. Gewiss nicht aus dem Grunde, weil sie echt gläubige Muslime waren, sondern aus dem Grunde, weil sie auf ihre Privilegien nicht verzichten wollten.
In Wirklichkeit aber hatten die gläubigen Bürger mit der Ausübung des islamischen Glaubens, das heißt mit Beten, Fasten und anderen Ritualen überhaupt keine Probleme, wie sie auch mit der Abschaffung der Scharia (das auf dem Koran basierende islamische Recht) und der Schließung der Madrasen und gewisser Klöster von sektiererischen Orden und Organisationen nichts zu verlieren hatten. Für die oben erwähnten Gruppierungen aber war vieles im Spiel, und sie hatten viel zu viel zu verlieren.
Die ersten Versuche der jungen Republik, eine Mehrparteien-Demokratie einzuführen, scheiterten, weil die gegründeten Parteien darauf nicht verzichteten, für ihre politischen Interessen den Islam auszunutzen, genauer gesagt, zu missbrauchen. Dieser Missstand hat sich nach der Einführung des Mehrparteiensystems vor ca. siebzig Jahren auch nicht geändert. Infolgedessen haben endlich die radikalen Islamisten die Oberhand gewonnen.
Die ewige Propaganda der Islamisten, dass die muslimische Bevölkerung ihren Glauben nicht ausüben konnte, sogar daran gehindert wurde, entbehrt jeder Grundlage. Wie kann man in einem Lande so etwas behaupten, in dem seit der Gründung der Republik die Moscheen vom Staat gebaut, alle Imame und Bediensteten im Religionsbereich vom Staat ausgebildet, eingestellt und bezahlt werden – auch wenn dabei die Kontrolle der radikal-religiösen Elemente bezweckt worden wäre?! Aus diesem Aspekt gesehen war die Republik nicht im wahrsten Sinne säkular.
In der Tat sah sich die Republik trotz des eingeführten, wenn auch nur auf dem Papier, laizistischen Prinzips gezwungen, all diese Institutionen zu errichten und zu bezahlen, weil die Bevölkerung materiell gesehen nicht in der Lage war; sogar in einer Zeit, wo das finanzielle Mittel des Staates nicht ausreichend war, um eine industrielle Infrastruktur zu bauen. Dass diese Propaganda aber nicht von der alevitischen Bevölkerung (ca. 25 % der Population des Landes), für die man im Religionsbereich bis heute gar nichts getan und kein Mittel zur Verfügung gestellt hatte, gemacht, sondern ausgerechnet von Sunniten gemacht wurde, war die größte Paradoxie, die ihresgleichen sucht.
Insofern ich das Land kenne, habe ich weder in meiner Jugendzeit noch später als Akademiker solch eine Unterdrückung beobachtet oder wahrgenommen. Nur wegen der laizistischen Richtlinien durfte man im öffentlichen Dienst gewisse Kleidung und Trachten nicht tragen, aber im Privatleben und außerhalb des Dienstbereichs konnte man sich kleiden, wie man es wollte. Ich sah öfters wie die Grabstätten und Ordensklöster von unzähligen Gläubigen besucht wurden, obwohl die meisten von denen wegen des Missbrauchs der Religion und der Einmischung in die Politik verboten bzw. geschlossen worden waren.
Die Behauptung, dass die gläubigen Muslime – damit waren und sind immer die Sunniten gemeint – verachtet und beleidigt wurden, entbehrt auch jeder Grundlage. Dennoch ist es noch immer das wirksamste Instrument in den Händen der islamistischen Politiker. Die Islamisten, welche dies ständig behaupten, sind in Wirklichkeit selber diejenigen, die alle religiösen Minderheiten verachten und sogar hassen.
Darüber hinaus haben solche Empfindungen einfacher Bevölkerung nichts mit Religion oder Religiosität, sondern mit der soziokulturellen Komponente zu tun. Wie man den Generationenkonflikt überall in der Welt antrifft, so beobachtet man auch derartige Diskriminierung in jeder Gesellschaft. Das ist ein soziokulturelles Phänomen, was seit Jahrtausenden andauert: Die Schriftkundigen sahen und sehen auf die Analphabeten herab, die städtische Bevölkerung sieht auf die Dörfler, die Reichen auf die Armen, die Bürokraten (insbesondere in armen Ländern) auf die Bauern und Arbeiter, die meisten Akademiker und Intellektuellen auf fast die ganze Bevölkerung herab. Die meisten Akademiker, Intellektuellen und Bürokraten sehen auf die Menschen nicht wegen ihres religiösen Glaubens – denn die große Mehrheit derer sind auch Muslime –, sondern wegen ihrer Lebensweise herab. Dieses Phänomen führt uns auf der anderen Seite die bittere Realität vor Augen, dass das Bücherwissen alleine zur Reife und Weisheit des Menschen kaum etwas beiträgt.
Das ist eine Tatsache, dass die Turban tragenden Damen aus reichen Häusern mit Swimmingpools, die mit sehr teuren Autos und Jeeps in der Stadt herumkutschieren, und auch die Turban tragenden Studentinnen, die auf Putzfrauen und Fabrikarbeiterinnen mit Turban oder Kopftuch herabsehen, obgleich sie auch wie diese armen Mädchen und Frauen Muslime sind, und obendrauf immer und überall den Islam propagieren.
Um bei den Gläubigen ankommen zu können, versuchen die verlogenen Politiker unermüdlich, diesen Menschen einzureden, dass sie wegen ihrer Religiosität unterdrückt und verachtet werden, obwohl sie selbst mit der Religion nichts am Hut haben.
Abgesehen von denen, welche die Sprache studiert haben, kann die Bevölkerung Arabisch weder lesen noch sprechen. Damit sie den Inhalt des Koran und auch die Suren und Verse zum Beten verstehen konnten, wurde einst der Koran auf Anordnung der Regierung ins Türkische übersetzt. Selbst diese nützliche und für die Religion förderliche Aktion wurde als ketzerisch und islamfeindlich angesehen und verurteilt. (Dass die gleiche Gesinnung aber den Koran ins Kurdische übersetzen ließ, weil sie daraus politisches Kapital schlagen wollte, ist ein klarer Beweis für die heuchlerische und scheinheilige Haltung der Islamisten.) Das ist auch eine unbestreitbare Tatsache, dass die religiösen Minderheiten nicht durch die einfachen und offenherzigen Muslime, sondern von den verlogenen Islamisten verachtet werden.
Wie all diejenigen in der Türkei, die ein Gymnasium absolviert haben, habe ich auch über den Islam so viel gewusst, was in der Schule gelehrt wurde. Ein Muslim musste an Allah, seine Bücher (damit sind neben dem Koran die Thora, Psalter und das Neue Testament gemeint), seine Propheten, seine Engel, das Jüngste Gericht glauben, und auch daran, dass all das Gute von Allah kommt und das Schicksal des Menschen vorherbestimmt ist. Ich hatte auch gelernt, dass außer Allah kein anderer Gott existiere und der Prophet Mohammed sein Gesandter sei (Glaubensbekenntnis). Ein gläubiger Muslim sei außerdem verpflichtet, die Rituale wie fünfmaliges Beten am Tag, das Fasten in dem Monat Ramadan, die Vergabe der Almosen und das Pilgern nach Mekka einzuhalten.
Überdies musste ich die Suren und Verse, die beim Verrichten der täglichen fünf Gebete wiederholt werden, in arabischer Aussprache auswendig lernen, ohne die Bedeutung derer zu wissen, so wie die Kinder es in den Koranschulen tun, deren Muttersprache nicht Arabisch ist. Seit der Gründung der Republik müssen die Alevitenkinder an dem Religionsunterricht in Grund- und Mittelschulen unbedingt teilnehmen, der nur auf Sunnismus basiert.
Schon im Gymnasium entstand in mir eine Neigung für die Philosophie. Als ich während meines Studiums einen Großteil meiner Freizeit der Philosophie widmete, kam ich zur Erkenntnis, dass die theologischen Themen auch dazugehörten. So studierte ich auch die Entstehung und die Geschichte der Religionen. Vor allem versuchte ich das Wesen der Religion zu verstehen. Daher studierte ich das Judentum, das Christentum und insbesondere den Hinduismus und den Buddhismus – die letzteren zwei Religionen interessierten mich sehr. Ich hatte hingegen kein Bedürfnis das Wesen des islamischen Glaubens zu studieren, weil ich glaubte, dass ich die Grundzüge des Islam im Religionsunterricht und die Geschichte und Verbreitung des Islam während meiner Mittelschuljahre im Geschichtsunterricht gelernt hätte.
Nachdem ich die Entstehung und das Wesen verschiedener Religionen studierte, kam ich allmählich zur Überzeugung, dass alle Religionen, die aus der Vergänglichkeit des Menschen entstanden sind, das gleiche Ziel haben, wenn auch die Wege und Praktiken zu diesem Ziel verschieden sind.
Die oben genannte Haltung hinsichtlich der islamischen Kenntnisse betrifft auch mehr oder minder alle anderen Mittelschulabsolventen und die Studierten, Akademiker und Intellektuellen des Landes. Die Atheisten denken, es wäre eine Zeitverschwendung, den Islam ausführlich zu studieren, und was diejenigen, die an den Islam glauben oder der Religion nicht abgeneigt sind, anbetrifft, machen sie sich auch keine Mühe, den Islam zu studieren, da sie davon überzeugt sind, zu wissen, was sie diesbezüglich brauchen. Was aber die große Mehrheit der Bevölkerung anbelangt, glaubt sie an die Imame, Ordensoberhäupter oder Anführer und dergleichen, weil die Mehrheit derer nicht einmal schriftkundig ist. Wenn man wüsste, dass heute noch die meisten von denen, die in der Schule mit Ach und Krach das Lesen und Schreiben lernen und nach der Grundschule jedoch keine weitere Schule besuchen, nach kurzer Zeit das Lesen und Schreiben verlernen, weil sie im Laufe der Jahre nicht einmal ein Buch oder eine Zeitung in die Hand nehmen, dann könnte man ohne Weiteres verstehen, wovon ich rede. Außerdem sind die meisten kulturell gesehen nicht in der Lage zu beurteilen, was ihnen in den Moscheen oder woanders erzählt wird.
Die älteren Generationen (damit sind vor allem die Männer gemeint), unter denen es kaum Schriftkundige gab, wussten auch vom Hören z. B. von dem Propheten Abraham auf dem Scheiterhaufen; das Aufbegehren von Moses gegen den Pharao und die Flucht aus Ägypten in das versprochene Land; das traurige Abenteuer von Josef, der von seinen Brüdern in einen Tiefbrunnen geworfen wurde; die legendäre Geduld von Hiob und ähnliche Erzählungen. Die alten Männer, von denen ich ab und zu diese Geschichten hörte, wussten aber nicht, dass all diese Dinge im Alten Testament geschrieben stehen.
Als ich während meiner Studienzeit ab und zu meine Freunde in ihren Dörfern besuchte und danach auch einige Jahre als Schulrat in verschiedenen Gebieten Inspektionsreisen machte, sah ich oft an den Wänden von Wohnzimmern sehr schön bestickte Täschchen hängen, in denen sich Koranbücher befanden. Ich wusste, die meisten waren im Arabischen, was sie nicht lesen konnten. Aus Erfahrung wusste ich auch, dass diese Korane von der Wand kaum heruntergenommen wurden.
Was ich mehrere Jahre danach im christlichen Westen, vor allem in mittel-, west- und nordeuropäischen Ländern, beobachtete, war im Wesentlichen auch das Gleiche. In den Städten, in denen ich eine Zeit lang gewohnt hatte, lernte ich einige Familien kennen, vor allem in der Nachbarschaft. Viele Katholiken sowie einige Protestanten. Die Gläubigen, vor allem die älteren Leute, gingen regelmäßig zur Kirche und nahmen fast an allen Gottesdiensten und Messen teil. Und sie versäumten kaum eine Predigt, außer dass sie krank waren. Sie sangen zwar die Psalmen und redeten gewisse Rituale in ihrer Sprache mit, jedoch kannten sie die Bibel kaum, und die Geschichte des Christentums noch weniger. Außerdem hatten sie keine Ahnung, wie und unter welchen Umständen es im Christentum zum Bruch bzw. zur Trennung gekommen war.
Auch wenn in einigen europäischen Ländern noch immer Kirchensteuer eingenommen wird, hat sich doch der Säkularismus durchgesetzt, der im Grunde genommen ein Kind des Kapitalismus war. Bekanntlich ist die säkulare Denk- und Lebensweise erst in den Ländern entstanden, in denen sich der Kapitalismus mit wirtschaftlicher Eigendynamik entwickelte. Dennoch sind die gegenseitigen Vorurteile der Katholiken und Protestanten, vor allem bei den unteren Schichten, immer noch vorhanden. Bis vor dreißig Jahren, sogar in einigen kleinen Städten bzw. Gemeinden noch heute, gestalteten sich die Eheschließungen zwischen Katholiken und Evangelen sehr schwierig, und sie wurden oft nicht gutgeheißen. Trotz solcher negativen Umstände kann die Politik die religiösen Gefühle der Bevölkerung nicht einfach missbrauchen, denn einerseits hat sich die säkulare Lebensweise unter der Bevölkerung durchgesetzt, andererseits sind die säkularen Gesetze und Institutionen in der Gesellschaft fest verankert.
Trotz all dieser Entwicklung wäre es naiv daran zu glauben, dass die christliche Kirche, sei es die Katholische, Evangelische oder Orthodoxe, keinen Einfluss mehr auf die Leute zu nehmen versucht. Sicherlich versucht die Kirche noch immer die Bürger bzw. die Gläubigen auf Umwegen daran zu erinnern, welche Partei oder Parteien sie wählen sollen, und dies natürlich mit feinsten und raffinierten Methoden. Es ist nicht zu verleugnen, dass die Kirche in der Regel die Propaganda der konservativen Parteien macht. Diese Hilfestellung basiert freilich auf Gegenseitigkeit.
Als ich aus verschiedenen Gründen im Tourismusgewerbe landete und danach durch einen glücklichen Zufall bei einem Reiseveranstalter als Reiseleiter weltweit zu führen anfing, empfand ich die Arbeit nicht schwer. Ganz im Gegenteil empfand ich diese Tätigkeit als positiv und befriedigend. Diese Arbeit war eine andere Art Lehrtätigkeit. Ich war mit Reisegruppen, die aus kultivierten Menschen und oft auch aus Akademikern bestanden, auf längere Zeit in verschiedenen Ländern, vor allem in Fernost, unterwegs. Wir studierten die Kulturen verschiedener Länder und Völker und besichtigten Tempel und Paläste, wobei es sich um die profane und sakrale Architektur handelte. Die Gruppen waren in der Regel sehr interessiert und hatten oft großen Wissensdurst. Um mir die erforderlichen Kenntnisse im Bereich der Architektur und Kunstgeschichte anzueignen, neben dem Studieren der einschlägigen Bücher, nahm ich auch an gewissen Seminaren teil. Aber bei den Tempeln, Klöstern, Türben, Moscheen, Götterfiguren und sakralen Bildern ging es nicht nur um die Architektur und Kunstgeschichte. Es ging vor allem um die Religionen und religionsgeschichtlichen Hintergründe. Nun kamen mir meine vorher erworbenen Kenntnisse zugute. So konnte ich all die Fragen über die Religionen mit bestem Wissen und Gewissen ausführlich erklären. Jedoch zu meinem Bedauern stellte ich fest, dass meine Vorkenntnisse über den Islam nicht ausreichend waren.
Ich nahm jede Frage ernst. Oberflächliche Erklärungen und Klischee-Antworten lagen mir nicht. Die Gruppen mit falschen Antworten abzuspeisen, würde in meinen Augen nicht nur eine Respektlosigkeit gegenüber denjenigen, die sich auf mich verließen, bedeuten, sondern auch den Verlust des Respekts vor mir selbst. Also sah ich mich gezwungen, auch dem Islam auf den Grund zu gehen. Das tat ich auch: In kürzester Zeit besorgte ich Koranbücher und begann zu studieren. Dann verglich ich türkische, deutsche und englische Koranexemplare Sure um Sure, Vers für Vers miteinander. Parallel zu dieser Studie habe ich auch erforderliche Bücher und Schriften über die Entstehung und Verbreitung des Islam, über die Blütezeit und den Untergang des Islamischen Reiches besorgt. Darüber hinaus wurde ich manchmal von Vereinen und Universitätskreisen zu den Debatten und Konferenzen über die Themen wie die Lage der Frauen im Islam oder der Konflikt zwischen islamischem Recht und dem Laizismus eingeladen. Ich nahm die Einladungen wahr, soviel mir meine Zeit erlaubte. Da ich auf diesen Zusammenkünften mit vielen Fragen konfrontiert war, war ich gezwungen, mich gründlich vorzubereiten. Ich denke, bei meinen diesbezüglichen Studien haben auch diese Aktivitäten eine Rolle gespielt.
Nachdem ich der Sache auf den Grund ging, konnte ich die historischen, sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe des Islam und dessen Enstehung besser sehen und verstehen. So konnte ich die Bedingungen, unter denen der Islam Fuß zu fassen versuchte, objektiv beurteilen. Zudem konnte ich auch feststellen, dass der Inhalt des Koran teilweise anders ist, als die muslimischen Theologen, Imame und Ordensmänner zu erzählen pflegen.
Zu meinem Erstaunen stellte ich auch fest,dass die Unfehlbarkeit des Propheten im Koran nicht verankert ist, im Gegenteil, er wurde in mehreren Suren bzw. Versen von Allah wegen seines Fehlverhaltens gewarnt und sogar manchmal gerügt; in den Zeiten der Verzweiflung wurde er auch getröstet.Außerdem fällt es besonders auf, dass viele Stellen (Kapitel bzw. Abschnitte) vom Alten Testament in unzähligen Suren und Versen des Koran sinngemäß, manche auch fast wortwörtlich wiederholt werden.
Ein scharfer Blick auf die Anstrengungen Mohammeds und die soziokulturellen Umstände des damaligen Arabiens führte mir klipp und klar vor Augen, weshalb die Offenbarungen (Suren) in Mekka milde und tolerant, dagegen aber jene zu Medina oft hart und kompromisslos waren, und durch welches Gedankengut der Prophet beeinflusst wurde. Um dies herauszufinden, brauchte ich nur die Suren des Koran mit denen im Alten Testament zu vergleichen. So kam ich zur Erkenntnis, dass der Inhalt des Koran und das Wesen des Islam den Gläubigen nur oberflächlich und zum Teil auch falsch erzählt wurden und heute noch so erzählt werden. Ich überlasse diese Themen dem 3. Kapitel des Buches und komme zurück auf die Frage, warum ich darüber schreiben wollte.
Nachdem ich zu dieser Erkenntnis über den Koran und das Wesen des Islam gelangte, begann der Gedanke, darüber ein Buch zu schreiben, in mir zu reifen. Aber um darüber nachzudenken, habe ich dieses Vorhaben immer wieder verschoben. Wie ich am Anfang bereits erwähnte, haben mich nicht nur die blutigen Ereignisse vom 11. September betroffen gemacht und beschäftigt, sondern auch viele Gewalttaten und Selbstmordattentate im Namen Allah bzw. des Islam.
War es nicht klar genug, dass die ahnungslosen Jungen – viele von denen noch im Kindesalter – so weit fanatisiert und konditioniert werden, um sich selbst in die Luft zu sprengen, damit sie so viele Menschen wie möglich umbringen, ohne zu denken, dass diese unschuldig sind? Ist dies kein Missbrauch des islamischen Glaubens durch die boshaften und machtgierigen Religionshändler? Oder ist der sogenannte Dschihad gegen die Ungläubigen nach dem heiligen Buch berechtigt? Oder ist der islamische Dschihad wirklich ein Kampf gegen den inneren Schweinehund, das heißt gegen die eigene Selbstsucht und Habgier, wie zahlreiche fanatisch-muslimische Geistliche oft behaupten?
Ich erinnerte mich an die Berichte einiger Zeitungen: Als Ayatollah Khomeini vom Iran während des blutig-brutalen langwierigen Krieges gegen den Irak in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, 14–15-jährige Kinder zur Front schickte, woraufhin viele islamische Staaten bzw. Regierungen ihn kritisierten und sagten, dass diese Grausamkeit mit dem Islam nicht zu vereinbaren sei, so gab er jedoch zur Antwort, er könne die Kritiker überhaupt nicht verstehen, weil er in der Tat auf den Spuren des Propheten Mohammed gewesen sei. War dies nur eine aus der Luft gegriffene Ausrede, oder sagte er die Wahrheit? All diese Fragen beschäftigten mich, und sie ließen mich nicht in Ruhe …