Der Prozess der Zivilisationen und die Genese des Staates - Sebastian Steidle - E-Book

Der Prozess der Zivilisationen und die Genese des Staates E-Book

Sebastian Steidle

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen, Note: 1,3, Universität Augsburg (Soziologie), Veranstaltung: Modernisierung und sozialer Wandel, Sprache: Deutsch, Abstract: "Über den Prozeß der Zivilisation" von Norbert Elias ist unzweifelhaft eines der bedeutendsten Werke der Soziologie. Wem es zu Zeitaufwendig ist, die zwei Bände im Original zu lesen, dem sei diese Arbeit wärmstens ans Herz gelegt. Nachdem das Werk allgemein besprochen wurde, wird im Anschluss näher auf Elias' Theorie der modernen Nationalstaatenbildung eingegangen.

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

2. Der Begriff „Zivilisation“

3. Das Menschenbild und die Methodologie von Norbert Elias

4. Psyochogenese und Zivilisierung des Verhaltens

5. Die Soziogenese des Nationalstaates

5.1 Feudalismus und zentrifugale Kräfte

5.2 Die Vorrausetzungen für die Zentralisierung der Herrschaft

5.3 Die Monopolisierung und Zentralisierung der königlichen Herrschaft

5.4 Vom königlichen zum öffentlichen Herrschaftsmonopol

6. Der Wandel der Nationalstaatlichkeit im Zeitalter der Globalisierung

7. Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

 

Ein Flugzeug ist ein typischer Ort einer zivilisierten Gesellschaft. Eine große Gruppe, von sich größtenteils fremden Menschen, befindet sich gemeinsam in einem engen Raum. Die Mitglieder dieser Gruppe haben ein gemeinsames Ziel: Die sichere, schnelle und angenehme Verfrachtung von einem Ort an einen anderen. Die einzelnen Mitglieder sind in der Erreichung dieses Zieles voneinander abhängig. Es bedarf der Zurückhaltung und der Selbstkontrolle eines jeden einzelnen, Passagieren wie Crew, damit dieses Ziel erreicht wird. Dazu ist es erforderlich, dass jeder in seiner Rolle bleibt und die mit ihr verbundenen Erwartungen erfüllt. Meistens sind diese Erfordernisse so gut internalisiert, dass sie nicht mal mehr als solche war genommen werden. Ein schreiendes und quengelndes Kind mag den Flug vielleicht unerträglich machen, da es diese Anforderungen noch nicht internalisiert, das zurückhalten der Triebe noch nicht erlernt, hat, davon einmal abgesehen, verläuft ein Flug aber in aller Regel reibungslos.

 

Dass des aber auch anders kommen kann, zeigt eine Nachricht, die vor kurzem die Boulevardpresse erreichte. Der französische Schauspieler Gérard Depardieu, bekannt für seine gelegentlichen Wutausbrüche, saß in einem Flugzeug von Paris nach Dublin das sich gerade in der Startphase befand, als er offenbar seinen Trieben nicht mehr Einhalt gebieten konnte. Er stand auf mit den Worten: „Ich will pinkeln, ich will pinkeln.“[1]Als ihn eine Stewardess darauf hinwies, dass er warten müsse bis die Maschine in der Luft sei, urinierte der Schauspieler in den Gang des voll- besetzten Flugzeugs. Daraufhin musste die Maschine den Startvorgang abbrechen um gereinigt zu werden. Der Start verzögerte sich um zwei Stunden. Dass diese Tat für Aufsehen sorgen konnte, liegt, neben der großen Prominenz des Akteurs, wohl an der Außengewöhnlichkeit und schieren Unglaublichkeit, wie der Schauspieler seinen natürlichen Körperfunktionen nachgab. Einzig, dass Depardieu alkoholisiert gewesen sein soll, wie in den Medien gemutmaßt wird, oder mit einer krankheitsbedingten Blasenschwäche, mit der er selbst sein Verhalten zu Entschuldigen versucht, erklären die Tat zumindest Teilweise, auch wenn sie sie in den Augen der Gesellschaft nicht Rechtfertigen. Wenn Depardieu nun keine ernsthaften Konsequenzen drohen, so ist zumindest sein Ruf beschädigt. Attribute, die einem bei solch einem Verhalten, wie es der Schauspieler an den Tag legte, in den Sinn kommen sind schnell gefunden: Asozial, Ekelhaft, Schamlos oder auch Unzivilisiert.

 

2. Der Begriff „Zivilisation“

Der Begriff „Zivilisation“ wurde über die Geschichte und über die verschiedenen Länder hinweg sehr ambivalent gebraucht. In erster Linie wird Zivilisation als ein großräumiges Gebilde mit einem ihm eigenen Wertesystem und Weltbild, also einen Kultureis, der gewisse Merkmale wie beispielsweise eine hohen Grad an Arbeitsteilung, Urbanisierung und Wohlstand aufweist, verstanden. Der Begriff wird hier Synonym für den Begriff Hochkultur verwendet. Er spiegelt das Selbstbewusstsein des Abendlandes wieder und enthält alle Fortschritte, die das Abendland in den letzten Jahrhunderten in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Politik und Wirtschaft erreicht hat. In diesem Sinne wird dann vom Abendland als Zivilisation gesprochen. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Begriff im Abendland und vor allem in Frankreich und England zur Abgrenzung zum unzivilisierten, „barbarischen“ Teil der Welt verwendet. Damit einher ging zum einen ein Fortschrittsglaube und zum anderen ein gewisses Überlegenheitsgefühl der eigenen Kultur. So wurde der Zivilisierung der wilden Barbaren auch als Rechtfertigung für den Kolonialismus verwendet. Der Begriff Zivilisation ist also meist, und vor allem in Frankreich und England, positiv konnotiert und wird als Prozess eines kulturellen Wandels oder als Produkt eines Prozesses von einer niedrigeren kulturellen Stufe auf eine höhere Verstanden. Manchmal wird der Begriff Zivilisation auch einfach nur als Synonym für Kultur verwendet. In anderem Kontext, und vor allem in Deutschland, wird der Begriff aber auch gerade in Opposition zum Kulturbegriff verwendet. Hier steht dann Zivilisation für alle materiellen Erzeugnisse des Menschen, also vor allem Technologie, während Kultur alle geistigen Erzeugnisse, wie Religion, Moral und Kunst umfasst. Damit kann einhergehen, dass der Begriff Kultur positiv besetzt wird und mit dem Begriff Zivilisation negative Tendenzen, wie ein angeblicher Werteverfall, oder eine zunehmende Bürokratisierung und Technokratisierung beschrieben werden.