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Der Hans, Bierbauchträger und selbsternannter Denker, ist auf der Suche nach einer neuen, vollbusigen Lebensabschnittspartnerin, die ihn ausreichend bewundert und keine Selbstfindungsseminare besucht. Doch solche Damen sind rar gesät - und überhaupt scheint das Weibliche kaum Interesse am guten Hans zu haben. Na ja, und dann verliebt er sich auch noch - weiß der Kuckuck warum? - ausgerechnet in eine unattraktive Rosenküsserin mit esoterischer Schlagseite.
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Seitenzahl: 326
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Impressum:
ISBN 978-3-7059-0407-1
eBook 2013
© Copyright by Herbert Weishaupt Verlag, A-8342 Gnas, Austria, 2013
e-mail: [email protected]: www.weishaupt.at
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen, z.B. über das Internet.
Klaus Steiner
Der Rosenkuss
Weishaupt Verlag
1. Kapitel
(in dem erzählt wird, wie der Hans mit sich und der Welt hadert)
Der Hans saß in der Küche, wurde in wenigen Stunden fünfunddreißig und war recht griesgrämig. Ja, griesgrämig war er. Obwohl, eigentlich sollte der Hans gerade heute an seinem Geburtstag, seinem fünfunddreißigsten, kein langes Gesicht machen und vor sich hinleiden. Das sollte er wirklich nicht. Ein Geburtstag ist doch, schon rein prinzipiell gesehen, eindeutig ein Freudentag.
Aber, was soll man sagen, beim Hans war es heute definitiv kein Freudentag. Weil er wieder einmal an die guten, alten Zeiten dachte, als er sich noch so einigermaßen jung gefühlt hatte. Denn so richtig jung, ich denke, davon können wir ausgehen, war er ja nie gewesen.
Nun, zumindest gaukelten dem Hans, der ja so manches glaubte, seine Erinnerungen vor, dass damals, also früher, das Leben noch lebenswert gewesen war. Da hatte es noch allerhand Spaß und Vorfreude gegeben. Jawohl, Vorfreude!
Verdammter Mist, fluchte der Hans mehrmals und lautstark, obwohl er vom Prinzip her ja eher der gemütliche Typ war. Aber was sollte er schon groß tun, jetzt, wo all die schönfärberischen Gedanken an die guten, alten Zeiten in ihm hochstiegen?
Der Hans beschloss, da ihm nichts besseres einfiel, ein Bier zu trinken. Das konnte auf keinen Fall schaden. Vielleicht würde er dann auch aufhören, sich nach der Vorfreude zu sehnen? Denn dass ihm die Vorfreude fehlte, das störte ihn schon.
Der Hans genehmigte sich einen großen Schluck Bier. Es war ja gar nicht so schlecht, fand der Hans, dass ihm aufgefallen war, dass etwas fehlte. Aber ganz ehrlich, dachte er so bei sich, wahrscheinlich ist es eh schon zu spät. Oft – da gibt es leider nichts zu beschönigen – war es beim Hans ja bereits zu spät, wenn er etwas bemerkte.
Na ja, und der Hans vermutete so bei sich, während er an der Bierflasche nuckelte, dass ihm mehr als nur die Vorfreude fehlte. Höchstwahrscheinlich fehlte ihm auch noch das eine oder andere nicht ganz Unwichtige.
Zum Beispiel, so meinte der Hans, würde ihm das Vertrauen fehlen. Nun war es ja eine schlimme Sache, wenn einem das Vertrauen fehlte. Schlimm war das. Denn früher, also in den guten alten Zeiten, da hatte der Hans schon vertraut. Zumindest hin und wieder.
Er öffnete die zweite Flasche Bier. Es war doch recht beruhigend gewesen, Vertrauen zu haben. Denn es machte einen Unterschied, empfand der Hans und wurde ein bisschen philosophisch, das wurde er beizeiten ganz gerne, ob der Fluss des Lebens an einem vorüberglitt, während man selbst am sandigen Ufer steht und die Wellen beobachtet, oder ob man sich von den Fluten bedroht fühlt, ängstlich zurückweicht und in beständiger Sorge davor lebt, dass der Fluss aus seinem Bette tritt und die Felder überschwemmt. Das machte einen Unterschied.
Der Hans war, was für uns ja keine Überraschung sein dürfte, einer von denen, die befürchteten, dass der Fluss aus seinem Bette trat, denn er hatte, wie gesagt, sein Vertrauen verloren. Aber er fürchtete nicht, dass seine Felder überflutet wurden. Das fürchtete er nicht, denn er hatte keine Felder angelegt. So war das beim Hans. Er hatte keine Felder.
Der Hans holte die nächste Flasche Bier aus dem Kühlschrank. Ihm konnte das Leben nichts überfluten, zumindest nichts was von Bedeutung war, denn dieses war das dritte, neben der Vorfreude und dem Vertrauen, das der Hans verloren hatte: der Glaube an einen Sinn. Und dieser Verlust wog für den Hans am schwersten. Das war es, was ihn auf die kalte Erde drückte, um ihm dann den Boden unter den Füßen wegzuziehen, um es jetzt einmal etwas übertrieben zu sagen. Ganz so schlimm war es wohl nicht, aber nach ein paar Flaschen Bier konnte es einem schon so vorkommen.
Der Hans stand auf und blickte durch das Küchenfenster zu den Apfelbäumen. Es machte keinen Sinn. Nichts machte einen Sinn, und er freute sich auf nichts mehr und glaubte nicht mehr, dass es besser wurde. So war das beim Hans. Er tat sich ordentlich Leid. Von den Zehennägeln bis zu den Haarspitzen tat er sich Leid. Und er trank Bier. Und er hatte Geburtstag.
Es war, so fand Hans mittlerweile, eine Schnapsidee gewesen, seinen Geburtstag alleine zu feiern und stieg die Stufen, welche von der Küche zum Garten führten, hinunter. Er setzte sich auf die Gartenbank, steckte sich eine Zigarette an und dachte an die Sigrid.
Die Sigrid war seine Freundin. Seine Lebensabschnittspartnerin. Das war sie seit sieben Jahren. Hinzu kam noch, dass sie hübsch war. Sie war so hübsch, wie Männer Frauen gerne hübsch haben, wenn sie mit ihren Frauen ausgehen und sie herzeigen. So eine Hübsche war sie. Obwohl, für den Hans war sie mittlerweile nicht mehr so hübsch. Dazwischen lagen nämlich sieben Jahre, und das bedeutete, dass ihr ursprüngliches Hübschsein, als sie neunzehn gewesen war, ein anderes Hübschsein war als ihr jetziges, jetzt einmal rein subjektiv gesehen. Denn der Hans nahm sie nämlich mittlerweile ein wenig anders wahr, obwohl sie immer noch sehr hübsch war. Manche fanden sogar, die Sigrid sei in den letzten Jahren noch attraktiver geworden.
Nun, und wie der Hans die Sigrid wahrnahm, lag vor allem daran, wie er über sie dachte. Und deswegen war sie für den Hans nicht mehr so hübsch wie früher. Denn, man muss es so deutlich sagen, die Sigrid nervte den Hans. Sie ging ihm auf die Nerven. Er hielt sie nicht aus. Und deswegen feierte er seinen Geburtstag alleine.
Wenn man es genau nahm, grantelte der Hans, dann war eigentlich die Sigrid daran schuld, dass er seinen Geburtstag allein feiern musste, weil sie – sagen wir seit gut zwei Jahren – aber auch schon gar nichts dazu beitrug, dass es ihm besser ging. Weder zeigte sie dem Hans, dass sie ihn bewunderte (zumindest ein wenig) noch sagte sie ihm, was ja schon rein eine Frage der Höflichkeit gewesen wäre, wie toll er war. Da kann man dann irgendwie schon verstehen, warum sich der Hans als armer, bemitleidenswerter Kerl sah. Obwohl er es sich jetzt eindeutig zu leicht machte. Schließlich war es ja, da brauchen wir gar nicht groß diskutieren, eindeutig seine Entscheidung gewesen, den Geburtstag alleine zu feiern.
Das erkannte auch der Hans, der ja kein Dummer war, nach einer Weile selbst, stoppte die Gedanken in seinem nicht mehr ganz nüchternen Gehirn und schämte sich ein wenig. Natürlich stimmte es nicht, was er sich da so zusammendachte. Es wäre nur angenehmer gewesen, wenn es so einfach wäre. War es aber nicht. Die Sigrid war nicht daran schuld, dass er jetzt allein im Garten herumsaß. Das war sie nicht. Aber sie nervte. Das tat sie.
Dabei war die Sigrid bis vor zwei Jahren noch in Ordnung gewesen, zumindest nach dem Hans seiner Ordnung. Aber dann war etwas passiert. Etwas Hinterhältiges war in ihr Leben getreten. Schleichend und langsam zwar, aber es war gekommen. Und der Hans wusste was es war. Er konnte das Grauen beim Namen nennen: es war der Wunsch nach Veränderung. Um genau zu sein, es war der Sigrid ihr Wunsch nach Veränderung. So etwas musste unweigerlich schief gehen. Es war eigentlich sogar Frevelei, was die Sigrid da betrieb, denn ihre Beziehung war gut gewesen. Es war eine gute Beziehung gewesen bis vor zwei Jahren und der Sigrid ihrem plötzlichen – zumindest für den Hans plötzlichen – Wunsch nach Veränderung. Weil sie sich auch nie genügte. Das tat sie nicht. Und das fand der Hans sehr schade. Denn er genügte sich. Oder zumindest hatte er sich genügt. Bis vor zwei Jahren. Dann musste ja alles anders sein. Neu. Entwicklungsmäßig musste es sein. Weil die Sigrid das so wollte. Und er wurde gar nicht gefragt, ob er es auch wollte.
Eines muss hier aber auch erwähnt werden, schon allein aus Fairnessgründen. Der Hans hatte sich nämlich niemals aufgelehnt und unmissverständlich klar gemacht, dass es so aber ganz sicher nicht gehen würde. Das hatte er nicht. Weil er nämlich kein Lauter war. Zumindest nicht bei der Sigrid.
Hinzu kam noch, dass er bei sich gedacht hatte, soll die Sigrid doch ruhig zu diesen Persönlichkeits- und Esoterikseminaren fahren und sich verändern wollen. Soll sie doch. Nach kurzer Zeit würde sie schon sehen, was sie da tat. Würde einsehen, dass sie sich nicht zu verändern brauchte und reumütig zum Hans zurückkehren. Ja, damals hatte der Hans noch Vertrauen in sein Leben. Aber, was soll man sagen, die Sigrid war nicht reumütig zu ihm zurückgekommen. Ganz im Gegenteil. Die Sigrid meldete sich bei einer Yoga- und Meditationsgruppe an und meditierte auch zu Hause. Das tat sie. Tat sie dem Hans an. Warum tat sie das? Das machte doch keinen Sinn!
Der Hans trank Bier. Da musste man doch den Glauben an das Gute verlieren. Das musste man. Wie konnte die Sigrid etwas verändern wollen, wenn doch eh alles so gemütlich war? So beschaulich überschaubar. Beinahe schon perfekt. So war es doch, fand der Hans. Sie hatten keinen Stress, keine finanziellen Sorgen, dafür aber Freunde, Sex, zumindest bis vor circa drei Monaten, Spaß, und sie redeten auch miteinander. Immer wieder einmal. Der Hans war keiner von diesen Männern, die in einer Beziehung nur brummten. Hm, Schatz. Ja, mhm. Brumm summ. So war der Hans nicht. Er sprach durchaus mit der Sigrid. Er erzählte auch manchmal von sich selbst, persönliche Sachen. Männersachen. Sogar daran ließ er die Sigrid teilhaben. Und was machte sie? Sie veränderte sich. Das konnte nicht gut gehen.
Der Hans holte ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich wieder auf die Gartenbank. Die Sigrid war, davon war der Hans mittlerweile überzeugt, eine Siebengescheite geworden, eine Besserwisserin.
Tja, liebe Leute, so wie es aussah, hatte der Hans nicht nur Vorfreude, Vertrauen und den Glauben an einen Sinn verloren, er war auch drauf und dran, die Sigrid zu verlieren. Obwohl, die Sigrid würde ihm nicht durch die Finger gleiten, ganz im Gegenteil, sie würde er mit seinen eigenen Händen beziehungsweise Worten vor die Haustür setzen.
Nun, genau genommen, würde der Hans das nicht tun, denn das Haus, in dem der Hans und die Sigrid wohnten, gehörte der Sigrid ihren Eltern. Der Hans und die Sigrid wohnten hier sozusagen in Untermiete, während der Sigrid ihre Eltern auf einem Campingplatz in Grado lebten und das Leben genossen, während sich ihre Tochter veränderte und der Hans darunter zu leiden hatte.
Der Hans stand auf und betrachtete das kleine Holzhaus mit den grünen Balken, den zwei Gauben, dem roten Ziegeldach und dem gepflegten Vorgarten. Er würde diese neunzig Quadratmeter vermissen. Das würde er. Und er würde die Sigrid nicht vor die Haustür ihres Elternhauses setzen. Natürlich nicht. Er, der Hans, würde gehen. Würde erhobenen Hauptes und aufrechten Ganges gehen. Wohin er gehen würde, wusste er noch nicht. Das war auch schwer im Vorhinein festzulegen. Vor allem, wenn man kein Vertrauen mehr hatte. Und keinen Glauben an den Sinn. Da war es eigentlich egal, wohin man ging.
Es war ja alles recht und schön, sinnierte der Hans eine Stunde später, und natürlich hatte er gesagt, die Sigrid solle an seinem Geburtstag ruhig weggehen, das würde ihn nicht stören, da er sowieso vorhatte, seinen Geburtstag alleine zu feiern.
Ja, das hatte er gesagt. Und vielleicht hatte er es, damals, als er es sagte, auch so gemeint. Wie man so manches so meinte, wie man es sagte, wenn einem gerade danach war und man möglicherweise etwas heroisch sein wollte. Da konnte man dann leicht sagen, geh nur an meinem Geburtstag weg, das stört mich nicht.
Aber jetzt, jetzt störte es den Hans. Jetzt, wo er da im Dunkeln allein auf der Gartenbank vor dem Haus saß und Bier trank, störte es ihn. Mit jeder Minute störte es ihn etwas mehr. Und ärgern musste er sich auch.
Zuerst einmal ärgerte sich der Hans über sich selbst. Warum genau, konnte er gar nicht sagen. Aber es hatte etwas damit zu tun, dass er – zum wievielten Male eigentlich? – nicht das gesagt hatte, was er gerne gesagt hätte.
Rein theoretisch könnte er ja immer noch die Sigrid mit seinem Handy anrufen und ihr sagen, dass er alleine im Dunkeln sitzt und dass sie ihm ein kleines bisschen fehlt und dass er heute Geburtstag habe und ob ihr das denn wirklich so egal sei und überhaupt. Das könnte er tun, nur so zum Beispiel. Aber, bleiben wir realistisch, das würde der Hans niemals tun. Niemals. Weil es war nämlich so, dass der Hans zwar ein ruhiger Zeitgenosse war und von seiner Art her gutmütig und friedlich, aber er konnte auch ganz schön zornig werden, außer bei der Sigrid, und ungerecht konnte er auch werden. Was er hingegen nicht so gut konnte, war zuzugeben, dass er jemandem brauchte. Und schon gar nicht zugeben konnte er das gegenüber der Sigrid. Weil die war seine Freundin, und wenn sie nicht spürte oder zumindest tief in sich drinnen ahnte, wie schlecht es dem Hans an seinem Geburtstag gehen müsse, jetzt, wo er allein im Dunkeln saß, dann war sowieso Hopfen und Malz verloren.
Wenn sie nur etwas Gespür für den Hans hätte, dann wäre sie schon längst nach Hause gekommen und würde neben ihm auf der Gartenbank sitzen. Dann könnte er mit ihr ein Bier trinken und reden, oder noch besser: nicht reden und die Sterne anschauen, obwohl sie heute nicht sehr hell funkelten. Das könnten sie tun, wenn die Sigrid ein bisserl sensibler wäre.
Aber sie kam nicht. Deswegen konnte er sich an zwei Fingern einer Hand ausrechnen, wie viel der Hans der Sigrid noch bedeutete.
Und da der Hans Bankangestellter war und gut rechnen konnte, war ihm bald klar, wie viel er der Sigrid noch bedeutete.
So schaute es also aus. Er war der Sigrid egal. Total egal. So was von total absolut egal. Ja, die Frauen konnten richtig grausam sein, aber dass gerade seine Sigrid das war, also wirklich …
Der Hans holte noch ein Bier. Jetzt musste er wegen der Sigrid da heraußen sitzen und saufen, nur weil sie nicht nach Hause fand. Nicht zu ihm fand.
Der Hans öffnete die Flasche und versuchte, einigermaßen klar zu denken. Genau genommen hatte er der Sigrid immer noch nicht eindeutig genug verständlich gemacht, dass er keinen Bock mehr darauf hatte, weiter für sie den Hanswurst zu spielen, und außerdem wollte er sich nicht entwickeln, weil so was nur zu Verwicklungen führte, und mit so was hatte er nichts am Hut. Und außerdem wollte er seine Ruhe haben, weil die hatte er nötig. Aus all diesem, fand der Hans, konnte man, wenn man logisch dachte, nur schließen, dass es endgültig an der Zeit war, die Beziehung zur Sigrid zu beenden, damit erstens möglicherweise einige verlorene Dinge, von denen Hans jetzt gerade im Moment nicht mehr genau wusste, welche das eigentlich waren, zu ihm zurückkamen und er zweitens irgendwie neu anfangen konnte oder so ähnlich.
Der Hans saß in der Küche, hatte Kopfweh, und ihm war speiübel. Der Kaffee schmeckte bitter. Missmutig kratzte der Hans seine Bartstoppeln und stellte sich Fragen eher prosaischer Natur. Warum sah die Sigrid, die gestern Nacht weiß Gott wann nach Hause gekommen war, heute morgen ausgeruht und hübsch aus, während er sich nicht nur wie ein räudiger Hund fühlte, sondern auch so aussah? War das gerecht? Und warum erzählte die Sigrid ausgerechnet heute nichts von ihrem Kindergarten, in dem sie arbeitete, und von dem sie sonst stundenlang und vor allem auch beim Frühstück erzählte, sondern las in der Zeitung und nötigte ihn so dazu, auf seinen Sportteil noch länger zu warten, den er immer las, während sie redete? Oder er könnte von ihr die Zeitung fordern, wozu er sich aber schon rein kopfwehmäßig nicht in der Lage sah. Wusste die Sigrid nicht, wie gerne er den Sportteil las oder war es ihr egal?
Der Hans trank Kaffee und unangenehme Erinnerungen an die letzte Nacht stiegen in ihm hoch.
Es war ja nicht nur so, dass er gestern einwandfrei und unwiderlegbar festgestellt hatte, dass er der Sigrid egal war, es war ja auch so, dass er daraus Schlüsse, und zwar schlüssige Schlüsse gezogen hatte und deswegen die Beziehung mit der Sigrid beenden musste. Musste!
Die Sigrid legte die Zeitung beiseite.
„Na, Hans, wie war dein Geburtstag? War er nicht etwas einsam?“
„Nein“, knurrte der Hans, der Sigrids Frage als süffisant empfand und sowieso als unangepasst, aber sie war nun einmal unsensibel. Das hatte der Hans ja gestern Nacht erkannt, als er allein im Dunkeln auf der Gartenbank gesessen war.
Die Sigrid stand auf, trat zum Hans und gab ihm einen Schmatz auf die Stirn. „Auf jeden Fall alles Gute zum Geburtstag.“ Sie gab ihm noch einen zweiten Schmatz, einen pflichtschuldigen, auf die Wange.
„Ich möchte heute Abend mit dir reden“, sagte der Hans.
„Schau einer an. Ist es wichtig?“
Der Hans kratzte seine Bartstoppeln und überlegte, ob es wichtig sei. Sein vom Vortag noch weiches Hirn spann den Faden weiter, und der Hans hörte zu: Eigentlich ist es nicht wichtig, sagte sein Gehirn. Ich will nur unsere Beziehung beenden, das können wir aber auch morgen beim Frühstück machen, wenn dir das besser passt. Sagen wir um viertel nach sieben, du weißt, ich muss um acht in der Bank sein.
„Ja, es ist wichtig“, sagte der Hans mit einiger Anstrengung.
„Na schön, dann komme ich nach dem Kindergarten gleich heim. Gehst du heute nicht in die Bank?“
„Nein. Ich fühle mich nicht besonders.“
„Das riecht man.“
„Ja, ja. Schon gut.“
Die Sigrid holte ihre Sachen und machte sich auf den Weg. Der Hans sah ihr hinterher. Er war ja, wie wir wissen, schon sieben Jahre mit ihr zusammen, aber eines konnte auch der Hans nicht bestreiten. Die Sigrid sah gut aus. In den Jeans und dem kurzen roten Pullover sah sie sogar sehr gut aus. Auch von hinten. Und ihr Gang war sehr geschmeidig.
Tja, liebe Leute, es würde heute Abend nicht leicht werden für den guten Hans.
2. Kapitel
(in dem erzählt wird, wie der Hans eine Entscheidung trifft und ihm ein neuer Gedanke kommt)
Nachdem die Sigrid gegangen war, trank der Hans seinen Kaffee aus und griff zum Telefon. Er rief in der Bank an, da er ja mitteilen musste, dass er heute nicht kommen könne, weil er krank sei. Er wählte die Nummer der Bank und fügte die Durchwahl vom Harald hinzu. Das tat er, weil der Harald nämlich sein Freund war und er ihn von allen Kollegen in der Bank am liebsten mochte, obwohl er die anderen auch mochte, auch die Färber Gabi, die manchmal ziemlich anstrengend sein konnte, weil sie etwas pedantisch war. Nur den Direktor Winter, den mochte der Hans nicht, und das lag nicht nur daran, dass er dem Hans sein Chef war, sondern vor allem daran, dass der Direktor Winter ernst und korrekt war und auch ein wenig dominant. So eine Kombination mochte der Hans nicht, auch weil er sich in der Nähe vom Herrn Direktor Winter nicht wohl fühlte und sich kontrolliert und manchmal sogar gemaßregelt fühlte, was auch am Blick vom Direktor Winter lag und an seiner Stimme. Da konnte der Winter ganz normal reden, und der Hans fühlte sich schon persönlich angegriffen, weil ihm der Winter eben unangenehm war. Und das war auch mit ein Grund, warum der Hans nicht den Direktor anrief, sondern seinen Freund, den Harald, um sich krank zu melden. Außerdem wollte er mit dem Harald auch etwas reden, zwar nicht lange, dazu tat ihm sein Kopf zu weh, aber ein, zwei Sätze waren schon drinnen.
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