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Die Anzahl an Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen steigt kontinuierlich an. Im Praxisfeld Erziehung und Bildung entsteht daher ein zunehmender Bedarf an pädagogisch-psychotherapeutischen Kenntnissen und Kompetenzen. Pädagogische Fachkräfte müssen sich entsprechend fachlich und praktisch neu positionieren. Das vorliegende Buch leistet dabei wertvolle und praxisnahe Hilfe. In Zusammenarbeit mit Fachkräften aus den Praxisfeldern Schule, Sozialarbeit und Jugendhilfe entstand der schemapädagogische Handwerkskoffer. 30 praktische Interventionstechniken werden beschrieben, u.a. praktische Übungen, Spiele, Arbeitsblätter, Fragebögen, Besinnungstexte. Die Methoden fördern sowohl die Problemlösekompetenz von pädagogischen Fachkräften als auch die Emotionskontrolle von ‘schwierigen’ Heranwachsenden. Der Motor hierfür ist die sogenannte komplementäre Beziehungsgestaltung. Schemapädagogik® ist ein neuropädagogisches Konzept, das auf den schemafokussierten Psychotherapien basiert (Schematherapie, Klärungsorientierte Psychotherapie, Kognitive Therapie). Die ausführlichen Online-Materialien zum Buch beinhalten u.a. die dargestellten Methoden zum Download und zum Ausdrucken für den Eigengebrauch. Außerdem werden wichtige Grundlagentexte zum Konzept Schemapädagogik bereitgestellt.
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2013
ibidem-Verlag, Stuttgart
Eine neue Bildungsstudie, dievom Allensbach-Institut durchgeführt wurde, belegt wieder einmaldas, was viele meinerälterenSchulkolleginnen und-kollegen seit Jahren auch so beobachten: Der Umgang mit den Schülern ist deutlich schwieriger geworden.[1]Unter anderem müssen wir heutzutage Erziehungsaufgaben übernehmen, die eigentlich im Elternhausübernommenwerden müssten.Erschwerend kommt hinzu:Vor uns sitzenmehr und mehrjunge Menschen, die uns effizient schnell auf 180 bringen können – oder eben „nur“ die Gruppe aufmischen.Und auf solche „Kaliber“ werden wir nur unzureichend vorbereitet.Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Im vorliegenden Rahmen wenden wir uns den psychischen Auffälligkeiten beziehungsweise Störungen aufTeenagerseite zu, die zu einem „schwierigen“ Umgang beitragen.Pädagogische Fachkräfte brauchen meiner Meinung nach heute einen pädagogisch-psychotherapeutischen Input. Immerhin arbeiten wir nicht selten mit jungen Menschen zusammen, die aus persönlichkeitspsychologischer Perspektivesehrherausfordernd und hochmanipulativ sind.
Dummerweise kommen Themenwie„UnterschwelligeBeziehungskonflikteim Praxisfeld Erziehung und Bildung“ und „Persönlichkeitsstörungen“ in der Ausbildung viel zu kurz bzw. tauchenerstgar nicht auf.Welche Lehrerin/welcher Lehrer weiß denn schon, was antisoziale, narzisstische oder Borderline-Phänomene sind und wie man im Praxisalltagmit ihnen konstruktivumgeht?Diese Bildungslückesorgt aufseiten der pädagogischen Fachkräfte, so die Rückmeldung von zahlreichen Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern,hin und wieder für eine gewisse Ohnmacht bei Konflikten im Praxisalltag. In der Schemapädagogik werden daher neue psychotherapeutische Ansätze und Konzeptein pädagogische Arbeitsfelder übertragen.
Gegen solche notwendigen Bestrebungen gibt es natürlich Widerstände, vor allem vonseiten der (Schul-)Psychologen. Oft habe ich schon gehört:„Pädagoginnen und Pädagogen brauchen keine psychotherapeutischen Kenntnisse, die haben ja wir.“Ich denke hingegen: Die brauchen wir auch! Schließlich sitzen uns im Praxisalltag manchmal einige „Härtefälle“ gegenüber!Und mit denen müssen wir uns auseinandersetzen – ob wir wollen oder nicht!
Fortschritte der Schemapädagogik®
Das ProjektSchemapädagogik nahm 2009langsamGestalt an.In einer Weiterbildung vonBF1-Fachpraxislehrerinnenund -lehrern, an der – Achtung: narzisstische Tendenz! –ichin Speyer als Dozent mitwirkte, standbereits im 1. Modul das Thema „Umgang mit interaktionsschwierigen Schülern“ auf dem Programm.
Während meiner Vorbereitungen stieß ich auf die Schematherapie (YOUNG et. al 2008). Hier fand ich ein schlüssigesintegrativesKonzept zum Umgang mitverhaltensauffälligen Klienten im Psychotherapiebereich. Testweise habe – Entschuldigung: wieder die narzisstische Tendenz – ich wesentliche schematheoretische Konzepte wie die Schematheorie und das Modusmodell auf den Schulbereich übertragen. Weiter befruchtet wurde die Vorbereitung von der Lektüre der sogenannten Klärungsorientierten Psychotherapie (SACHSE 2003),in der u.a.provozierendeKommunikationsstrategienvon interaktionsschwierigen Kliententransparent gemacht werden (sog. Images, Tests, Psychospiele und Appelle).
Ebenfalls wurden auch die Transaktionsanalyse (BERNE 1964/2005) und die Konfrontative Pädagogik (KILB, WEIDNER & GALL 2003)bei derPlanungals hilfreich erachtet. D.h., verschiedene Elemente wurden in das oben genannte Seminar integriert.Das Konglomerat wurde schließlich mit dem Begriff „Schemapädagogik“ etikettiert.Dann fing die eigentliche Konzeption und Ausarbeitung desneuen Konzepts erst richtig an.
Seit der publikationstechnischen Grundlegung des Konzepts vor drei Jahren (DAMM2010a) wurden mehr als 500 pädagogische Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Praxisfeldern im Rahmen von Seminaren und Fortbildungenschemapädagogischgecoachet.Eine erste Evaluation im Schulbereich fiel sehrpositivaus (DAMM 2012a). Fazit: Schemapädagogik fördert die pädagogische Fach- und Sozialkompetenz!Zahlreiche Publikationen erschienen bis dato (siehe weiterführende Literatur). Sie werden gerne gelesen.Mittlerweile liegen ausgearbeitete Methoden und Materialien für verschiedenesozialpädagogischePraxisfelder vor: für den Kita- und Hortbereich (DAMM 2010c), ebenso für die Praxisfelder Schule (DAMM 2010b; DAMM & EBERT 2012a/b) und soziale Arbeit (DAMM & WERNER 2011).Der Transfer desKonzepts der Persönlichkeitsstörungenin das Praxisfeld Erziehung und Bildunggestaltete sich als recht umfangreich:Letztes Jahr erschien die Buch-TrilogiePersönlichkeitsstörungenverstehen in der Schule, Schulsoziarbeit und Jugendhilfe verstehen 1-3.
Erfreulicherweise tut sich auchwasin Hinsicht aufdas Projekt „bundesweiteFort- und Weiterbildung“. In Kooperation mit demTrainerkollektivAWOLON wird derzeit in Nordrhein-Westfalen eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Schemapädagogin/zum Schemapädagogen konzipiert.Im Frühjahr2014 soll es losgehen(nähere Informationen unter folgender Adresse:http://www.awolon.de). Ein weiterer Schemapädagogik-Seminaranbieter hat sich in Niedersachsen gefunden. Es handelt sich umDaniel Nordmann (siehe Kontakte). Wenn Sie Interesse an den Angeboten haben, melden Sie sich einfach bei den jeweiligen Ansprechpartnern!
Aufbau des Buchs
Die vorliegende Veröffentlichung beinhaltet zahlreiche praxisorientierte Konfliktmanagement-Methoden.ImEinleitungskapitelwerden zunächst einige grundlegende Kenntnisse zur Schemapädagogik und zum Konzept der Persönlichkeitsstörungen vermittelt. Ebenso finden Sie eine Zusammenfassung der wesentlichen Grundbegriffe wie Schema und Schemamodus vor. Die theoretischen Ausführungen werden durch ein Praxisbeispiel transparent gemacht.
Imersten Kapitelwird derschemapädagogischeHandwerkskofferfür das Grundschulalter vorgestellt. Bei der Konzeption war vor allem das BuchSchematherapie mitKindern und Jugendlichen(LOOSE, GRAAF & ZARBOCK2013) inspirierend, das als Pionierarbeit angesehen werden kann.
Denn bislang gab es noch eine einheitliche Konzeption der Schematherapie mit der Altersgruppe 0 bis 21 Jahren. Sie findenin diesem Kapitelausformulierte Methoden wie die humorvoll-empathische Stühlearbeit, das Schemascreening und das Psychospiel „Expertenrolle“(DEHNER & DEHNER 2007).In der Regel sind die Interventionen auch online hinterlegt und könnendowngeloadetundfür den Eigengebrauchausgedruckt werden.
Daszweite Kapitelist demschemapädagogischenHandwerkskofferfür das Jugendalter gewidmet.Da in dieser Altersphase die kognitiven Potenziale ausgereifter sind als im Grundschulalter, ergeben sich natürlichkomplexereInterventionsmöglichkeiten. Mithilfe der Materialien (u.a. Modusinterview, Nach-den-fünf-Minuten-Memo, Besinnungstexte) sollen herausfordernde Teenager in Hinsicht auf ihre Selbsterkenntnis gefördert werden, damit zukünftig so etwas wie Emotionskontrollein brenzligen Momentenstattfinden kann. Gerade die Besinnungstexte eignen sich dazu, den Eigenanteil an Mobbing, Gewalt, Manipulationen usw. empathisch bewusst zu machen.
Im Abschnittweiterführende Literatursind alle bisherveröffentlichtenSchemapädagogik-Bände mit einer kurzen Beschreibung aufgeführt.
Hinweise zu den Online-Materialien
Das Online-Angebot, das mit der vorliegenden Veröffentlichung einhergeht,umfasst drei Ordner. Insgesamt können Sie mehr als 100 Druckseiten downloaden. Im ersten Ordner (Grundlagen) finden Sie vier Einführungsartikel. Drei davon sind dem Konzept der Persönlichkeitsstörungen gewidmet. Der vierte Artikel führt in die Schemapädagogikein. Der Schemafragebogen sowie eine Zusammenfassung der sogenannten Manipulationstechniken komplettieren den ersten Ordner. Mithilfe des Fragebogens können Sie leicht eigene Schemata identifizieren, die (wahrscheinlich) in Ihrem Praxisalltagunbewussthin und wieder eine Rollein Hinsicht auf die Beziehungsgestaltung spielen.
Interessanterweise finden unsere Jugendlichen doch recht schnell unsere „roten Knöpfe“, auf die sie drücken müssen, um uns zu einem bestimmten Verhalten zu animieren.Aus diesem Grund müssenauchwirunsere Schemata kennenlernen. Der Text über die Manipulationstechniken dient der Förderung der sozialen Kompetenzen. Denn wenn man weiß, wasgenauein Test, Image oder ein Psychospielim Alltagist, kann ich so reagieren, wie es der Jugendliche vor mir gerade nicht(!) erwartet.
Der zweite Ordner (schemapädagogischer Handwerkskoffer) beinhaltet entsprechend der Unterscheidung zwischen Grundschul- und Jugendalter zwei verschiedeneHandwerkskofferversionenmit unterschiedlichen Inhalten.
Im dritten Ordner (Sonstiges) finden Sie einen aktuellen Flyer sowie die Beschreibung eines Franchise-Angebots (Schemapädagogik-Trainerin/-Trainer).
Um zum Download zu gelangen, müssen Sie lediglich die Homepage des Ibidem-Verlags aufrufen (http://www.ibidem-verlag.de). Danachgeben Sie einfach den Buchtitel in das Recherche-Feld ein. Klicken Sie den Titel an und befolgen Sie die Download-Anweisungen.Das erste Wortauf Seite 12 in diesem Buch ist gleichzeitig das Passwort.
Ich hoffe, dass Ihnen die beschriebenenMethoden im Umgang mit Ihren herausfordernden Fällen hilfreich sind.Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mich einfach an (siehe unten).
Mein Dank geht an Luisa Martinez, die für die ansprechenden Zeichnungen verantwortlich ist.
Worms, imSommer 2013
Dr. Marcus Damm
Kontakt
Institut für Schemapädagogik
Dr. Marcus Damm
Höhenstr. 56
67550 Worms
E-Mail:[email protected]
Internet:http://www.schemapädagogik.de
Schemapädagogik – Ein psychotherapeutisch-pädagogisches Konzept für die Soziale Arbeit[2]
Marcus Damm, Ludwigshafen
Schlagworte: Soziale Arbeit – Schematherapie – Professionalisierung – Schemapädagogik – Klient
Die Psychotherapie hat in den letzten Jahren gute Modelle zum Verständnis und der Behandlung von negativen Interaktionsmustern entwickelt. Schemapädagogik transferiert Bausteine von schemabasierten Ansätzen in die Soziale Arbeit.Psychosoziale Probleme von Klienten werden vor diesem Hintergrund durch nachteilige neuronale Muster (Schemata) verursacht(vgl. SIEGEL 2006; SPITZER 2009). Schemapädagogen realisieren eine spezielle (komplementäre) Beziehungsgestaltung und unterstützen den Klienten beim Transfer der erarbeiteten Lösungen in den Alltag.Ziel ist die Förderung prosozialen Verhaltens.
Psychotherapie has developed a number of good schemes to understand and to treat negative communication between people, especially cognitive therapy and schema therapy. Schema education, a new approach, transfers principles and strategies of these therapies into different educational fields. Schema education says that problematical relations between people are caused by negative schemes. Schema educationists support clients to transfer the solutions into every days life.
Dr. phil. Marcus Damm ist in der Lehrerfortbildung tätig und unterrichtet die Fächer Pädagogik und Psychologie an der Berufsbildenden Schule Hauswirtschaft/Sozialpädagogik in Ludwigshafen, Pfalzgrafenstr. 1-10, 67061 Ludwigshafen, E-Mail: [email protected]
Einleitung
Nur wenige Autorinnen und Autoren thematisieren die Tatsache, dass auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in ihren Arbeitsfeldern mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, die Anzeichen einer oder mehrerer Persönlichkeitsstörungen offenbaren. Dass wir Pädagoginnen und Pädagogen mehr und mehr in dieselbe schwierige Situation geraten, scheint niemandem im Wissenschaftsbetrieb aufzufallen. Ansonsten würde es sicherlich mehr Veröffentlichungen zu dieser Angelegenheit geben!
Mithilfe des Wissens über das Konzept der Persönlichkeitsstörungen (DAMM2012a; 2012b; 2012c)) und dessen Verknüpfung mit schemapädagogischen Überlegungen(DAMM2010a) lassen sich herausfordernde Verhaltensweisen von „schwierigen“ Jugendlichen, die immer wieder praktiziert werden, besser verstehen.
Andererseits ergeben sich aufgrund der entsprechenden psychodynamischen Einsichten über die betreffende Teenagerpersönlichkeit neue Interventions- und Reaktionsmöglichkeiten (DAMM2012b). Natürlich können wir die jungen Menschen, die von einem schwierigen Persönlichkeitsstil betroffen sind, nicht „heilen“. Dieser Eindruck soll hier schon mal gar nicht entstehen. Wir können aber in Hinsicht auf die Beziehungsgestaltung bewusst Bedingungen erschaffen, die dem Teenager und uns die Gesamtsituation erleichtern.
Fallbeispiel (passiv-aggressiver Persönlichkeitsstil)
Marek (16) besucht die Berufsfachschule 1 (Fachrichtung Technik) seit zwei Monaten. Er ist eine imposante Erscheinung, stämmig, groß gewachsen. Sein Sozialverhalten im Unterricht wird von vielen Mitschülern und einigen Lehrern schnell als auffällig und störend bezeichnet.
Mit drei Lehrern ist er in den ersten Wochen des Schuljahres bisher aneinandergeraten und hat dafür schon Klassenbucheinträge bekommen. Laut deren Aussage stört er den Unterricht mit einer bestimmten Masche. Er provoziert massiv; aber er tut dies nicht offensichtlich, sondern verdeckt, sodass er die Lehrkräfte schnell auf 180 bringt. So kommt er zum Beispiel bei bestimmten Kollegen stets zu spät in den Unterricht. Auf seine Verfehlungen angesprochen, regiert er gewöhnlich übertrieben höflich, manchmal auch aggressiv; dadurch verwickelt er sie in weitere Gespräche und bekommt Aufmerksamkeit. Aufgetragene Hausaufgaben werden grundsätzlich nicht erledigt. Stehen Gruppen-Präsentationen an, die benotet werden, lässt er seine Mitschüler im Stich, er fehlt dann am Tag der Präsentation.
Nachdem er eines Tages mit einer Lehrerin in der ersten Stunde streitet, wird er vor die Tür geschickt. Nach der 1. Pause – die Klasse wird noch von derselben Lehrerin betreut – marschiert er (verspätet) selbstbewusst und unbeeindruckt in den Klassensaal, setzt sich ohne ein Wort hin und packt sein Pausenbrot aus.
Als er sich daran macht, es zu verspeisen, verweist ihn die Lehrerin wiederum des Klassensaals. Der Klassenleiter führt mehrere Einzelgespräche mit ihm, aber er kommt nicht weiter.
Kritik scheint nicht anzukommen, der Schüler zeigt keinerlei Problembewusstsein. Marek meint, „die Lehrer“ sind schuld, er „macht gar nichts“.
Gegen Ende solcher Unterhaltungen gelobt er stets Besserung, der Klassenlehrer hingegen ist von den Aussagen nicht überzeugt. Tatsächlich ändert sich Mareks Verhalten nicht.
Die Schulsozialarbeiterin Frau G. wird über die Probleme mit Marek informiert („Er ist außerdem schon von zwei Schulen geflogen!“), und sie vereinbart einen Termin mit ihm. Zum ersten Treffen erscheint Marek fünf Minuten zu spät und blafft ihr den Satz „Ich hab den Bus verpasst“ entgegen.
Frau G. geht nicht näher darauf ein, sondern sagt: „Du trägst ja die ganz neuen Nike-Schuhe. Cool. Ich wusste gar nicht, dass die schon auf dem Markt sind!“ Marek ist verblüfft und kriegt gerade noch ein „Danke!“ über die Lippen.
Frau G. spricht die schulischen Probleme an. Marek verteidigt sich, „die Lehrer“ würden ihn nicht leiden können, außerdem würde er „gar nichts machen“. Die Schulsozialarbeiterin reagiert nicht darauf. Sie informiert Marek darüber, welche Aufgaben sie an der Schule wahrnimmt und dass ihr Büro eine Anlaufstation für Schüler und Lehrer ist.
Frau G. regt daraufhin wieder eine eher informelle Unterhaltung an. Sie will wissen, was Marek in seiner Freizeit tut, welche Hobbys er hat usw. Er gibt bereitwillig Auskunft über seine Aktivitäten. „Ich muss in fünf Minuten los, ich habe noch einen Gerichtstermin“, sagt er irgendwann.
Der Jugendliche erzählt, dass er vor Monaten mit seinen Freunden unterwegs war. Sie wurden auf einen Motorroller aufmerksam, der an der Straße stand. Marek schloss ihn kurz und fuhr ein paar Runden um den Block. Das ging nicht lange gut. Eine vorbeifahrende Polizeistreife wurde auf ihn aufmerksam, stoppte den Roller und nahm den Jugendlichen fest. Daraufhin sagt Frau G. humorvoll: „Und du hast gar nichts gemacht – die Polizisten waren schuld.“
Jetzt muss auch Marek grinsen.
Begriffsklärungen
Schematabeinhalten nach aktuellem Stand kognitiveundemotionale Inhalte – und sie entstehen infolge von Frustrationen bzw. übermäßiger Erfüllung von bestimmten menschlichen Grundbedürfnissen wie etwa Anerkennung, Bindung, Wahrgenommen-Werden, Selbstwerterhöhung usw. D.h. auch: Schemata sind, wenn sie aktiviert werden, sowohl im expliziten als auch im impliziten Selbst verortet(DAMM 2012a).
Bei einem Schema handelt es sich nach der Definition vonYOUNG et al.(2008, S. 36) konkret „um
·ein weitgestecktes, umfassendes Thema oder Muster,
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